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Aktiver Schulweg. Lässt sich die Wahl des Transportmittels durch Interventionen beeinflussen?

Hausarbeit 2019 18 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 FRAGESTELLUNG

3 AKTUELLER FORSCHUNGSSTAND
3.1 Evaluation zum Programm Klasse 2000
3.2 Evaluation des Programms Schoolwalker
3.3 Einfluss von elterlichem Zuspruch auf einen aktiven Schulweg
3.4 ZUSAMMENHANG VON AKTIVEM SCHULWEG UND SOZIOOKONOMISCHEM STATUS VON JUGENDLICHEN IN DEUTSCHLAND

4 ERGEBNISSE -BEANTWORTUNG DER FRAGESTELLUNG

5 DISKUSSION
5.1 Kritische Reflektion
5.2 IMPLIKATIONEN FUR FORSCHUNG UND PRAXIS

6 PRAXISTRANSFER: INTERVENTION FUR EINEN AKTIVEN SCHULWEG
6.1 Einleitung
6.2 ZlELE
6.3 Projekt-Umsetzung
6.3.1 Projektkommunikation und Datenerhebung
6.3.2 Information fur Schuler
6.3.3 Einbinden alterer Kinder.
6.3.4 Klassenwettbewerb
6.3.5 Haltepunkte fur A utofahrer
6.3.6 Aktive Mitgestaltung durch Kinder der Markgrafenschule
6.4 Evaluation

7 LITERATURVERZEICHNIS

Abstract

Hintergrund und Fragestellung: Wahrend korperliche Aktivitat mit Gesundheit assoziiert wird gelten lange Sitzzeiten als eigenstandiger Risikofaktor fur viele Erkrankungen. Bereits im Grundschulalter erreicht aber nur etwa ein Viertel aller Kinder in Deutschland die WHO- Empfehlung von mindestens 60 Minuten korperlicher Aktivitat am Tag. Viele Kinder werden schon in der Grundschule taglich mit dem Auto gebracht.

Ein aktiver Schulweg ist eine gute Moglichkeit mehr Bewegung im Alltag von Grundschulkindern zu integrieren und kann dazu beitragen gesundheitsrelevantes Verhalten fruhzeitig zu fordem. Die vorliegende Arbeit untersucht anhand ausgewahlter Studien, ob sich die Wahl des Transportmittels fur den Schulweg durch Interventionen beeinflussen lasst und welche weiteren Faktoren bei der Wahl des Transportmodus eine Rolle spielen.

Methoden: In einer Intemetrecherche wurden vier Studien, die sich mit dem Thema aktiver Schulweg befassen identifiziert und im Hinblick auf die Fragestellung untersucht.

Ergebnisse: Mit zielgerichteten Interventionen kann die Wahl des Transportmodus fur den Schulweg beeinflusst werden.

Weitere Einflussfaktoren fur die Wahl des Transportmittels sind die elterliche Unterstutzung, der Wohnort und der soziookonomische Status.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Ablaufplan fur den Unterricht (Eigene Darstellung)

1 Einleitung

Der positive Einfluss von korperlicher Aktivitat auf Entwicklung und Gesundheit von Kindern ist allgemein anerkannt. Daher empfiehlt die WHO mindestens 60 Minuten korperlicher Aktivitat am Tag (WHO, 2010). Die neuen Ergebnisse der 2. Welle der KiGGS-Studie zeigen allerdings, dass die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland das WHO-Ziel verfehlen. Von den Kindern und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren erreichen nur 29,4 % der Jungen und 22,4% der Madchen dieses Ziel (Finger, Vamaccia, Borrmann, Lange, & Mensink, 2018).

Dabei handelt es sich bei den Vorgaben der WHO um Minimalvorgaben. Die Nationalen Empfehlungen zur Bewegung fur die Altersgruppe der 6 bis 9-jahrigen empfehlen sogar eine tagliche Bewegungsdauer von 90 Minuten, davon 30 Minuten mit hoher Intensitat. 60 Minuten konnen in Form von korperlicher Alltagsaktivitat geleistet werden (Rutten, Pfeifer, & (Hrsg.), 2017).

Korperliche Aktivitat ist dabei definiert als “any bodily movement produced by skeletal muscles that results in energy expenditure (Caspersen, Powell, & Christenson, 1985).

Spatestens mit der Einschulung steigen die Sitzzeiten von Kindern stark an. Lange Sitzzeiten werden inzwischen aber als eigenstandiger Risikofaktor fur viele Erkrankungen diskutiert (Aue & Huber, 2014).

Ein aktiver Schulweg stellt dabei eine gute Moglichkeit dar, um das Ziel von mindestens 60 Minuten korperlicher Aktivitat am Tag (WHO, 2010) zu erreichen. Mehrere Studien zeigen, dass mit einem aktiven Schulweg bis zu 30% der empfohlenen taglichen Bewegungszeit erreicht werden konnen ((Mah et al., 2017) (van Sluijs et al., 2009) (Voss, Winters, Frazer, & McKay, 2015))

Sucht man im Internet nach Aktionen fur einen aktiven Schulweg findet man meist Hinweise und Broschuren zur Verkehrssicherheit, was sicherlich ein wichtiger Faktor fur die allgemeine Sicherheit von Kindern ist, der gesundheitliche Aspekt wird dabei wenig beachtet.

Insbesondere zu Schuljahresbeginn finden zahlreiche Aktionen statt, die fur einen aktiven Schulweg werben, wie beispielsweise die „Aktionstage zu FuB zur Schule“ (https://www.zu- fuss-zur-schule.de) durch den deutschen Kinderschutzbund. Die meisten dieser Aktionen sind aber zeitlich auf einen kurzen Zeitraum beschrankt und werden nicht evaluiert.

2 Fragestellung

Ein aktiver Schulweg kann dazu beitragen, die Bewegungsziele der WHO zu erreichen. Die vorliegende Arbeit beschaftigt sich mit der Frage inwieweit man mit Interventionen das Verhalten hin zu einem aktiven Schulweg verbessern kann und welche Faktoren die Wahl des Transportmittels fur den Schulweg beeinflussen konnen.

3 Aktueller Forschungsstand

Im Folgenden werden vier unterschiedliche Studien dargestellt, die im Rahmen einer Intemetrecherche mit Google und Google Scholar im Zeitraum vom 5.2.2019 und 19.02.2019 gefunden wurden. Suchbegriffe waren Schulweg, aktiv, Gesundheit, Alltagsbewegung, Bewegungsforderung. Zunachst wurde die Suche auf deutschsprachige Studien beschrankt, da deren Ergebnisse fur eine Interventionsplanung an einer Schule in Deutschland besonders gut anwendbar waren. Da hier nur wenige Studien zu finden waren, die Antworten auf die Fragen liefern, wurde die Suche mit den Begriffen active commuting school und aktive school travel auf Studien aus der EU und Kanada ausgeweitet, da das beschriebene Umfeld weitgehend auf die Febenswirklichkeit in Deutschland ubertragbar war.

3.1 Evaluation zum Programm Klasse 2000

Klasse 2000 ist ein bundesweites Programm zur Gesundheitsforderung an Grundschulen. Das Programm umfasst 14 Unterrichtseinheiten pro Schuljahr und erstreckt sich uber die gesamte Grundschulzeit. Die Unterrichtseinheiten werden von Fehrer der Schulen erteilt sowie von geschulten Gesundheitsforderern, die in die Schulen kommen. Unterrichtet werden die Themen Ernahrung, Suchtpravention aber auch Bewegungsforderung (Kolip, 2017). Im Rahmen der Evaluation von Klasse 2000 durch die Universitat Bielefeld (Kolip, 2017) wurde die Wirkung der Intervention auf die Themen Ernahrung und Bewegung untersucht.

Die Evaluation wurde an 62 Grundschulen in Nordrheinwestfalen als Wartekontrollgruppenstudie durchgefuhrt. Die Schulen wurden in eine Interventionsgruppe (32 Schulen) sowie eine Kontrollgruppe (30 Schulen) randomisiert. Die Kontrollgruppe nahm ebenfalls an den Schulungen teil, jedoch mit einem Schuljahr zeitlicher Verzogerung.

Befragungen wurden zu vier Zeitpunkten (tO bis t3) zu den Themen Bewegung und Emahrung durchgefuhrt (Kolip, 2017).

Im Rahmen der Evaluation von Klasse 2000 wurde neben Ernahrungsverhalten und allgemeinen Gesundheitsfaktoren auch die Wirkung des Programms auf den Schulweg untersucht.

In die Auswertung einbezogen wurden nur Daten von Familien, die die Fragebogen zu alien 4 Zeitpunkten ausgefullt haben (n=828) (Kolip, 2017). Die erste Befragung zu Beginn der ersten Klasse zeigt, dass 62,4% der in die Studie eingeschlossenen Kinder den Schulweg aktiv (zu FuB, mit dem Fahrrad oder dem Tretroller) zurucklegen. Zum Zeitpunkt der letzten Befragung (t3) war das Verhalten bei 80,4% der Kinder in beiden Gruppen stabil geblieben. In beiden Gruppen wurde gleichermaBen bei einem Teil der Kinder eine Veranderung vom passiven hin zum aktiven Schulweg (Interventionsgruppe: 14,2% und Kontrollgruppe: 15,1%) beobachtet, ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen konnte nicht gefunden werden (Kolip, 2017).

Jedoch fand man einen signifikanten Unterschied (p=0.020) zwischen den Studiengruppen bei der Verschlechterung hin zu einem passiven Schulweg. Wahrend sich in der Interventionsgruppe nur 3,3% der Kinder verschlechtert hatten, waren es in der Kontrollgruppe 6,8% (Kolip, 2017).

In der geschlechterdifferenzierten Analyse konnte man sehen, dass dieser Effekt nur fur die Jungen zutreffend ist (Kolip & Greif, 2016).

3.2 Evaluation des Programms Schoolwalker

Ein weiteres Projekt, was an dieser Stelle zu erwahnen ist, ist die Initiative Schoolwalker aus Osterreich. Die Kinder bekamen einen personlichen Schulwegausweis, in dem sie Punkte fur einen zuFuB zuruckgelegten Schulweg sammeln konnten (Thaller, Schnabel, & Gollner, 2014).

Die Effekte dieser Intervention wurden mit Hilfe einer Langsschnittstudie untersucht. Fur die Studie wurden standardisierte Fragebogen verwendet, die zum Teil durch eigene, nicht validierte Fragen erganzt wurden. Die Erhebung der Daten wurde in zwei Wellen im Herbst 2010 sowie im Fruhjahr 2011 durchgefuhrt (Thaller et al., 2014).

In die zweite Erhebungswelle wurden nur die Eltem einbezogen, die zu beiden Zeitpunkten an der Befragung teilgenommen haben, um einen besseren Vergleich der beiden Erhebungen zu ermoglichen (Thaller et al., 2014).

Es konnte gezeigt werden, dass sich der Anteil der zu-FuB-Gehenden in der Kategorie der 6- Jahrigen von 29% auf 58% gesteigert hatte.

Auch fur die anderen Altersstufen lieB sich ein signifikanter Unterschied (p=0.0001) zwischen der ersten und der zweiten Erhebung nachweisen (Thaller et al., 2014).

Bei der ersten Erhebung gaben 28% der Befragten an, keine andere Moglichkeit als das gewahlte Verkehrsmittel zu haben, um zur Schule zu kommen. 27% gaben die Anregung zur Bewegung als Grund fur die Wahl des Transportmittels an (Thaller et al., 2014).

Bei der Follow-up -Erhebung nach sechs Monaten gaben 45% die Anregung zur Bewegung als Motiv fur ihre Wahl an (Thaller et al., 2014).

3.3 Einfluss von elterlichem Zuspruch auf einen aktiven Schulweg

Eine Querschnittstudie von Mah et. al., die im Oktober im 2015 in British Columbia (Kanada) durchgefuhrt wurde, untersucht welchen Einfluss Eltem durch verbale Unterstutzung und Zuspruch (in der Studie als Parental Support bezeichnet) auf den Schulweg nehmen konnen und welche auBeren Faktoren wie Verkehrssicherheit und Kriminalitat die Entscheidung beeinflussen konnen. In die Studie wurden n=179 Kinder im Alter von 11,0 ±1.0 Jahren von 5 kanadischen Schulen eingeschlossen. Ausschlusskriterium waren fehlende Daten sowie ein Schulweg von mehr als 3km Lange (Mah et al., 2017). Zujedem Kind wurde ein Eltemteil zur Studienteilnahme eingeladen.

Die Art, wie der Schulweg zuruckgelegt wurde, wurde durch Selbstauskunft der Schuler mit Hilfe eines validierten Fragebogens (Mendoza et al., 2010) ermittelt.

Je naher die Kinder an der Schule wohnten, desto eher gaben sie an den Schulweg aktiv zuruckzulegen. Die Wahrscheinlichkeit eines aktiven Schulweges korrelierte mit der berichteten Haufigkeit der elterlichen Unterstutzung (Mah et al., 2017).

Mehr als die Halfte der in die Studie eingeschlossenen Familien lebte zum Zeitpunkt der Befragung in einem Umkreis von 800m um die Schule. 57% der Kinder gaben an, taglich aktiv zur Schule zu kommen, 14% gaben an, gar nicht aktiv zu kommen. 63 % der Eltem gaben an, die Kinder taglich zu ermutigen aktiv zu kommen, wahrend 12% angaben, ihre Kinder niemals zum aktiven Schulweg zu ermutigen (Mah et al., 2017).

48% der befragten Kinder gaben tagliche Unterstutzung bzw. Zuspruch der Eltem und einen aktiven Schulweg an.

4% gaben weder Unterstutzung noch einen aktiven Schulweg an. Wahrend 9% der Kinder angaben, ohne Unterstutzung taglich aktiv zu kommen, gaben 15% an taglichen Zuspruch aber keinen aktiven Schulweg an (Mah et al., 2017).

34% der Eltern stuften ihre Umgebung bezuglich Kriminalitat als sicher ein. Diese empfundene Sicherheit korrelierte positiv (rs=.15) mit der elterlichen Unterstutzung. Als verkehrssicher stuften 27% der Eltern ihre Umgebung ein. Die empfundene Verkehrssicherheit korrelierte nicht mit der Haufigkeit elterlicher Unterstutzung (Mah et al., 2017).

3.4 Zusammenhang von aktivem Schulweg und soziookonomischem Status von Jugendlichen in Deutschland

Reimers et. al. untersuchten den Zusammenhang von soziookonomischem Status und der Art des Schulweges bei Jugendlichen in Deutschland. Grundlage waren Daten des Motorik Moduls (MoMo), die im Rahmen der ersten Welle der KiGGS-Studie zwischen 2003 und 2006 erhoben wurden (Kurth et al., 2008). In die Auswertung wurden n=1828 Datensatze der MoMo- Baselineerhebung von Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren einbezogen.

Die Altersgruppe wurde von den Autoren ausgewahlt, da Kinder und Jugendlichen in diesem Alter unabhangiger von den Eltern oder den Vorgaben der Schule entscheiden konnen, wie sie den Schulweg zurucklegen (Reimers, Jekauc, Peterhans, Wagner, & Woll, 2013b).

In die Auswertung einbezogen wurde der soziookonomische Status, getrennt nach Elternteil, der ubliche Transportmodus der Jugendlichen zur Schule sowie die Wohngegend (nach Einwohnerdichte) (Reimers et al., 2013b). Die Lange des Schulweges wurde nicht erfasst. Analysen zum Schultyp der Befragten wurden in dieser Publikation nicht berichtet.

Das Durchschnittsalter der einbezogenen Jugendlichen betrug 14,2 Jahre (SD=1,9 Jahre). Einen Schulweg zu FuB gaben 19,4% der Befragten an, 22,2% fuhren mit dem Fahrrad. 58,3 % der Jugendlichen gaben an motorisiert zur Schule zu kommen, was offentliche Verkehrsmittel miteinschlieBt.

Mit zunehmendem Alter gehen vor allem Madchen seltener zu FuB. Je hoher der soziookonomische Status der Teilnehmer desto haufiger wahlen diese einen motorisierten Transportmodus. Bei Madchen mit niedrigem soziookonomischem Status ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Schulweg zu FuB zurucklegen fast doppelt so hoch wie bei Madchen mit hohem soziookonomischem Status. Jungen mit Migrationshintergrund fahren deutlich seltener mit dem Fahrrad zur Schule (Reimers et al., 2013b).

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Details

Seiten
18
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668976115
ISBN (Buch)
9783668976122
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v480625
Note
Schlagworte
aktiver schulweg lässt wahl transportmittels interventionen

Autor

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