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Englischförderung in der Vor- und Grundschule in Deutschland und England, Fremsprachenlegasthenie und die Wahl der zweiten Fremdsprache

Fallbeispiel und Trainingsstunden mit den Schwerpunkten Rechtschreibung, Textproduktion und Leseförderung

Einsendeaufgabe 2018 10 Seiten

Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Lerncoaching: Englischförderung – Lösungen der Aufgabe 1-4

zu Aufgabe 1 - Fremdsprachenlegasthenie

In der Englischförderung kann man nicht von einer „spezifischen Fremdsprachenlegasthenie“ sprechen, da es diese nicht gibt.

Zu erklären ist dies einerseits dadurch, dass die auftretenden Probleme bei z.B. der Graphem-Phonem-Korrespondenz sich nicht grundlegend von denen unterscheiden, die im Deutschen, also der Muttersprache, auftreten. Hat ein Kind z.B. aufgrund von mangelhaftem Schriftsprachunterricht in der Grundschule bereits im Deutschen Probleme damit, den gesprochenen Lauten die korrekten Grapheme zuzuordnen oder umgekehrt, so verschwindet diese Schwierigkeit vor allem bei einer unsystematischen Einführung der divergierenden Graphem-Phonem-Korrespondenz und Orthographie im Englischen nicht einfach beim Erlernen dieser Sprache, sondern bleibt vorhanden, auch wenn dies z.B. aufgrund des zunächst nur begrenzten Wortschatzes nicht direkt offenkundig ist. Daher sollte einer Englischförderung zunächst eine standardisierte Diagnostik der orthographischen Kompetenzen in Bezug auf die deutsche Sprache vorausgehen, da LRS-betroffene Kinder häufig Kompensationsstrategien entwickeln, so dass einer entsprechende Schwäche erst bei Erwerb einer Fremdsprache sichtbar wird, wenn solche Strategien individuelle Schwierigkeiten (wie z.B. die Formulierung zumeist parataktischer Sätze mit einfachem Vokabular) bei der sukzessiv steigenden Komplexität an Anforderungen und zu schreibenden Texten nicht mehr verbergen können.

Andererseits kann man darüber hinaus aufgrund der Sprachlernneigung nicht von einer „spezifischen Fremdsprachlegasthenie“ sprechen, was bedeutet, dass jeder Mensch neben äußeren Faktoren beim Spracherwerb der Mutter- oder einer Fremdsprache über gewisse Fähigkeiten und Kompetenzen z.B. im Bereich des phonologischen oder morphologischen Bewusstseins verfügt, mit Hilfe derer er/sie eine Sprache erlernt. Sind solche Kompetenzen wie bspw. bei einer Lese-Rechtschreibstörung nicht vorhanden, so kann sich dies sowohl negativ auf den Erwerb der Muttersprache als auch auf das Erlernen einer Fremdsprache auswirken, so dass man nicht von einer fremdsprachenspezifischen Legasthenie sprechen kann, sondern von einer allgemeinsprachlichen Legasthenie mit zusätzlichen negativen Auswirkungen auf die zu lernende Fremdsprache.

Insgesamt führt vor allem die von Deutschen abweichende und im Englischen komplexere Graphem-Phonem-Korrespondenz bei einigen Schülern zu Schwierigkeiten und Problemen im Bereich des Lesen und der Rechtschreibung, doch wird diese im Sprachunterricht intensiv behandelt und systematisch eingeführt, kann dies dazu beitragen, Fehler zu verringern und vor allem LRS-Betroffene zu fördern.

zu Aufgabe 2 – Englischförderung in der Vor- und Grundschule in England und Deutschland im Vergleich

Dass im englischsprachigen Raum bereits in der Vor- und Grundschule auf spielerische Art die Graphem-Phonem-Korrespondenz vermittelt wird, liegt daran, dass bei englischen Muttersprachlern oft ein höherer Anteil an lese-rechtschreibschwachen Kindern gemessen wird und man daher bereits früh darum bemüht ist, den Erstspracherwerb, also das unbewusste, ungesteuerte weitestgehend automatisiert ablaufende Prozess durch Nachahmung und Feedback, bestmöglich zu unterstützen, da ein gut ausgebildetes phonologisches Bewusstsein bei der Alphabetisierung der Muttersprache unverzichtbar ist. Zu erklären ist die hohe Zahl an lese-rechtschreibschwachen englischsprachigen Kindern mit der Aussprachverschiebung (Great Vowel Shift) zwischen 1500 und 1700, die dazu führte, dass Langvokale und Diphthonge trotz gleichbleibender Rechtschreibung nun anders ausgesprochen wurden und bis heute werden. Obgleich das Deutschen im Vergleich zum Englischen nur über einige Phoneme weniger verfügt, so ist die Graphem-Phonem-Korrespondenz im Englischen deutlich schwieriger und uneindeutiger, da es im Englischen um eine Vielfältiges mehr Aussprachevarianten gibt, was aufgrund der geringen Lauttreue vor allem bei Vokalen zu erheblichen Schwierigkeiten führen (z.B. wird der Laut /i/ in den Wörtern dr ea m, qu ee n oder k ey unterschiedlich verschriftlicht) und sich auch auf das Lesen und Schreiben negativ auswirken kann (z.B. schreibt man immer den Buchstaben a, doch spricht man ihn z.B. in can = ä, can´t = a oder hate = äi). Erschwerend kommt vor allem für nichtenglischsprachige Englischlerner im Bereich der Phonetik hinzu, dass das Englische über Laute verfügt, die es z.B. im Deutschen gar nicht gibt (z.B. th) und gerade am Ende eines Wortes präzise artikuliert und gehört werden muss, um Differenzierungen wahrzunehmen (z.B. bei den Vokabeln feet = Fuß, feed = füttern). In Bezug auf die Orthographie sind für deutsche Englischlerner stumme Vokale am Wortende (z.B. hate), die vom Deutschen abweichende Aussprache von Lehnwörtern und die zuvor skizzierte komplexe Schreibung von Langvokalen und Diphthongen eine große Herausforderung, der sich erst nach einem abgeschlossenen Schriftspracherwerb der Erstsprache zu Beginn der Sekundarstufe gewidmet werden sollte.

Auch in Deutschland wird der Erstspracherwerb des Deutschen in der Vor- und Grundschule dementsprechend spielerisch unterstützt, doch ist es nur teilweise sinnvoll, dieses Konzept auf den Zweitspracherwerb von deutschen Englischlernern zu übertragen und man sollte dabei vor allem zwischen Englisch(anfangs)unterricht und Englischförderung differenzieren.

Das zuvor vorgestellte Vorgehen auf den Anfangsunterricht oder auf die Englischförderung von jungen Schüler/innen zu übertragen, ist wenig sinnvoll, da das Erlernen einer Sprache, also die bewusste, überwiegend instruierte und gesteuerte Auseinandersetzung mit der Grammatik und dem Wortschatz einer anderen Sprache als der Muttersprache auf Basis von Übung, Wiederholung und Vertiefung, immer im Kontrast zur Erstsprache geschieht, dieser Prozess aber vor allem in der Grundschule besonders im Bereich der Schriftsprache gerade erst beginnt und es so statt eines vertieften Verständnisses der Grammatik und des Sprachsystems der Zweitsprache zu Verwirrungen und Verwechselungen mit der Erstsprache und zu einer Überforderung gerade von lese-recht-schreibschwache Kinder kommen kann.

Darüber hinaus folgt die Englischförderung ebenso wie Englischanfangsunterricht heutzutage eher einem kompetenzorientierten Prinzip statt eines Schwerpunkts auf der Grammatik, so dass vor allem im Anfangsunterricht eher das alltagsnahe, situative, kontextuale und interaktive Sprechen statt des Schreibens im Vordergrund steht, was durch eine Fokussierung auf die Grapheme beeinträchtigt werden könnte. Zu Beginn des Englischlernens steht vor allem in Anlehnung an den Erstspracherwerb das bloße Hören und (re)produzierende Nachahmen von englischen Wörtern mit Unterstützung von Bildmaterial, das dabei helfen soll, Wortbedeutungen zu verinnerlichen, wohingegen das Lesen von alphabetisierten englischen Begriffen oder gar Schreiben eher eine untergeordnete Rolle spielt. Zumeist wird erst mit Übergang in der Sekundarstufe damit begonnen, die Kinder mit kurzen geschriebenen Texten und Vokabeln zu konfrontieren, so dass die Beschäftigung mit der Graphem-Phonem-Korrespondenz gerade in dieser Phase z.B. auch mithilfe einer Anlauttabelle eine entscheidend Rolle dabei spielen sollte, Kindern beim Zweitspracherwerb des Englischen zu unterstützen. Dies ist z.B. auch beim Vokabellernen von zentraler Bedeutung, da dieses stets mit entsprechenden lautschriftlichen Bemerkung versehen sind, so dass die Kinder, sofern die Graphem-Phonem-Korrespondenz eingeübt wurde, zunehmend sicherer und selbstständiger neues Vokabular lernen, lesen und schreiben können. Ähnlich wie in englischsprachigen Vor- und Grundschulen können dabei Spiele zur Graphem-Phonem-Korrespondenz hilfreich sein.

Überträgt man allerdings das zuvor im englischsprachigen Raum übliche Verfahren des Trainings auf die Englischförderung für deutsche Englischlerner, so erscheint dies in Bezug auf die Rechtschreibung für beginnende Englischlerner insofern problematisch, dass sie anfangs nur über ein begrenztes Vokabular verfügen, so dass es nur schwer möglich ist, feste Graphem-Phonem-Regularien zu erarbeiten, so dass sich zunächst auf basale Korrespondenzen in Verbindung mit Kurzvokalen und einfachen Anfangs- und/ oder Endkonsonanten beschränkt werden sollte, da deren Schreibung und Aussprache meist eindeutig sind und schnelle Erfolgserlebnisse in Bezug auf die Rechtschreibung bieten können, um die Lernmotivation zu erhalten oder gar zu steigern. Da die Schreibung von Konsonantenclustern, Langvokalen und Diphthongen oftmals schwieriger ist, sollte die Thematisierung selbiger in der Englischförderung eine große Rolle spielen, intensiv und vor allem multisensorisch geübt werden und bei häufiger Falschschreibung durch eine Lernkartei automatisiert werden.

Zudem ist zu beachten, dass bei einer Englischförderung von Lernbeginnern mit einer LRS zunächst das phonologische Bewusstsein unabhängig von geschriebenen Worten oder gar Texten geschult werden sollte, indem durch geduldiges, langsames kompetenzorientiertes Training Laute in einzelnen Wörtern gehört, isoliert, identifiziert, transferiert, synthetisiert und manipuliert werden. Erst wenn diese Kernkompetenz umfassend trainiert wurde, sollte das Training auf Kompetenzbereiche Lesen und Schreiben erweitert werden.

Insgesamt ist beim Training der Graphem-Phonem-Korrespondenz aber sowohl im Englischunterricht als auch bei der Englischförderung darauf zu achten, Kontraste des Deutschen und Englischen zu thematisieren, die genaue Aussprache und Schreibung z.B. auch von Wörtern, die aufgrund der deutschen Auslautverhärtung Schwierigkeiten dabei hervorrufen, geräuschvolle englische Endkonsonanten orthographisch richtig zu schreiben, zu üben, vor allem aber darauf zu achten, dem Trainingsmaterial stets eine starke Kontrastbildung zugrunde zu legen, um Ähnlichkeitshemmungen z.B. bei Homophonen zu vermeiden.

zu Aufgabe 3 – Fallbeispiel Englischförderung

Vorgespräche und Diagnose

- Schwerpunkte: Kennenlernen und Vorgespräch mit Eltern und Kind zur Vorgeschichte in Bezug auf:

- Details zu Schwierigkeiten im Bereich des Englischen und weiteren Bereichen potentiellen Förderbedarfs über das Englische hinaus
- Details zum Englischunterricht (Inhalte, Schwerpunkte, behandelte Unterrichtsinhalte, Termine, verwendetes Schulbuch, etc.)
- Details zur Lehrkraft (Verhältnis Lehrer-Schüler, Kontaktdaten etc.)

- Diagnostik mittels standardisierter Deutschtest (àgeschilderte Schwierigkeiten bei der Textproduktion könnten auf eine LRS hinweisen), präzise Differenzierung von Schwierigkeiten im kommunikativen-sprachlichen, grammatischen und/oder Lese-Rechtschreibbereich

- zusätzlich Diagnose des Schriftbilds in Bezug auf Schriftbild und typische Fehlerarten für Englischlerner mit LRS

- Beratungsgespräch mit Eltern und Kind à Einschätzung und Absprachen zu Verlauf, realistischen, moderaten (Teil-)Zielen der Englischförderung, Einbezug der Eltern in Trainingsmaßnahmen, Kommunikationswege zur Mitteilung von Fortschritten des Kindes etc.

Grundsätzliches zum Stundenverlauf der tatsächlichen kompetenzorientierten Förderstunden:

- Stundenablauf einer Therapiesitzung folgt den Prinzipien Transparenz und Struktur:

- jede Sitzung beinhaltet ritualisierende Elemente (z.B. zu Beginn, am Ende)
- jede Sitzung setzt sich aus verschiedenen Phasen zusammen, die eine Zeit von 12-15 Minuten nicht überschreiten, um die Aufmerksamkeitsspanne aufrecht zu erhalten
- Diagnostizierte Schwierigkeiten bilden je nach Häufigkeit/Schwere ihres Auftretens oder Relevanz für die nächste Klassenarbeit Schwerpunkte in der schließenden Förderung
- Trainingsbereiche
- englische Rechtschreibung:
- Automatisierung häufig falschgeschriebener Wörter mittels Lernkartei
- Verinnerlichung der korrekten Schreibung multisensorisch durch Diktate und Selbstkorrektur mit Lernkartei
- Basale Regeln zur Graphem-Morphem-Korrespondenz
- grundlegende Rechtschreibregeln des Englischen
- Textproduktion
- Wortschatzarbeit
- Einübung fester Wendungen
- Fehlerbewusstsein schulen mittels Lernkartei und ständige Erweiterung selbiger
- Lesen (Lernheft 10, S. 24f.):
- Leseflüssigkeit und Schnelligkeit trainieren durch:
- (Halb-)lautes gemeinsames Vorlesen
- Lautes Vorlesen alleine mit Feedback
- „Gap Reading“
- Wiederholendes Lesen

- Leseverständnis fördern in Bezug auf Lesestrategien und Lesehäufigkeit (Einbezug der Eltern?)

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Details

Seiten
10
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668767584
ISBN (Buch)
9783668767591
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v436414
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1
Schlagworte
Englischförderung Lerntherapie Englischnachhilfe Englischunterricht Lerncoaching Lernstörung

Autor

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Titel: Englischförderung in der Vor- und Grundschule in Deutschland und England, Fremsprachenlegasthenie und die Wahl der zweiten Fremdsprache