Lade Inhalt...

Anforderungen und Realität der Schulsozialarbeit. Ein Ausgleich zu Sozialisationsdefiziten

Bachelorarbeit 2012 52 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Schulsozialarbeit als Teilbereich der Sozialen Arbeit
2.1 Definitionen der Schulsozialarbeit
2.2 Historische Entwicklung der Schulsozialarbeit
2.3 Zunehmender Bedarf an Schulsozialarbeit
2.4 Anforderungen an die Schulsozialarbeit
2.5 Zwischenfazit

3 Leistungsspektrum und Aufgaben der Schulsozialarbeit
3.1 Arbeitsbereich Individuelle Orientierung und Hilfe
3.2 Arbeitsbereich Förderung des sozialen Lernens
3.3 Arbeitsbereich Bildungsbedingungen
3.4 Berufsbild Schulsozialarbeit
3.4.1 Spezifische fachliche Anforderungen
3.4.2 Kommunikative Anforderungen
3.5 Formale Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren

4. Qualitätsfaktoren der Schulsozialarbeit
4.1. Methoden der Schulsozialarbeit
4.2. Methodische Einsatzbereiche
4.2.1. Methodisches Dreieck
4.2.2. Methodengruppen und zugehörige Methoden
4.2.3. Auswahl der Methoden
4.3. Zwischenfazit

5. Familie und Schulsozialarbeit
5.1. Entwicklungstheorie
5.2. Familie
5.2.1. Theoretische Grundlage und Definition
5.2.2. Familie im Wandel der Zeit
5.2.3. Sozialisation und Stabilisierung durch Familie
5.3. Familie und problematisches Verhalten
5.3.1. Negative Einflussfaktoren
5.3.2. Aggression
5.3.3. Übernahme elterlicher Funktionen durch die Schule
5.4. Zwischenfazit

6. Aufgabenfelder und Trennlinien Eltern und Soziale Arbeit
6.1. Direkte Einbeziehung der Eltern
6.1.1. Räumliche Trennlinien
6.1.2. Zeitliche Trennlinien
6.2. Möglichkeiten im Rahmen der Ganztagesbetreuung

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: PISA-Ergebnisse Österreich im Vergleich mit Deutschland und Finnland

Abbildung 2: Aufgaben der Schulsozialarbeit: Quelle: Spies/Pötter 2011, S

Abbildung 3: Schülercafé. Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinnützige GmbH http://www.gruenderkids.de Zugriff am:

Abbildung 4: Qualitätsfaktoren der Schulsozialarbeit

Abbildung 5: Methodisches Dreieck der Beratung. Quelle: Hechler 2010, S

Abbildung 6: Typologie von Entwicklungstheorien. Quelle: Papastefanou 2003, S

Abbildung 7: Scheidungsrate Österreich seit 1946. Quelle: Peter Adler Scheidungsmediation http://www.peteradler.at/familie/ Zugriff am:

Abbildung 8: Sozialisation und Familie. Quelle: Papastefanou 2003, S

Abbildung 9: Aggression bei Schülern im europäischen Vergleich. Quelle: Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österr. Schulwesens http://www.bmukk.gv.at/schulen/schubf/bf/bifie.xml Zugriff am:

Abstract

Die Bachelorarbeit befasst sich auf Basis einer Literatur- und Dokumentenanalyse mit der Frage, wie weit die Schulsozialarbeit die Sozialisationsinstanz Familie ergänzen kann. Motiv für die Untersuchung ist der gesellschaftliche Wandel, weg von der traditionellen Familie hin zu fragmentierten Formen des Miteinanders der Generationen. Im Zuge der theoretischen Analyse werden die Bereiche Schulsozialarbeit, Schule und Familie im Hinblick auf die Forschungsfrage anhand aktueller Studien und Erfahrungen analysiert. Neben der historischen Entwicklung der Schulsozialarbeit werden die Voraussetzungen, Arbeitsbereiche, Anforderungen sowie die Qualitätsfaktoren und Methoden dieses Berufs analysiert. Diese werden den Erkenntnissen über die Sozialisationsinstanz Familie und die in diesem Rahmen zunehmend auftretenden Probleme gegenübergestellt. Anhand der Aufgabenfelder beider Bereiche, der Probleme und Defizite sowie den einzelnen methodischen Ansätzen wurden eine Reihe an konkreten Interventionsmöglichkeiten ausgearbeitet, die auch die Trennlinie zwischen Familie und Schulsoziarbeit aufzeigen. Die Frage von Art und Ausmaß der direkten Einbeziehung wird ebenso diskutiert wie die räumlichen und zeitlichen Trennlinien zwischen den Schulsozialarbeiter/innen und den Eltern. Abschließend wird auf die aktuelle Situation im Zuge der zum Zeitpunkt der Ausarbeitung nicht abgeschlossenen politischen Debatte über die Ganztagesschule in Österreich Stellung bezogen. Allgemein kann formuliert werden, dass sich damit die Bedingungen für die Schulsozialarbeit insgesamt bessern und damit auch neue Möglichkeiten im Rahmen der Elternarbeit entstehen.

1 Einleitung

Die Sozialisationsinstanz „Familie“ gerät seit geraumer Zeit ins Wanken. In früheren Jahren wuchsen Kinder, meist mit Geschwistern, zusammen mit beiden Elternteilen in einer so genannten „Normalfamilie“ auf. Die Grundbedürfnisse, wie Liebe, Geborgenheit, Verantwortung, Wertschätzung und Anerkennung erfuhren sie hauptsächlich im engsten Kreis der Familie. Die Sozialisationsinstanz „Familie“ war somit in erster Linie für die positive Entwicklung und Sozialisation des Kindes verantwortlich.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die traditionelle Form der Familie aufgrund vielschichtiger gesellschaftlicher Veränderungen stark verändert. Heute werden Familientypen wie „Patchwork“, allein erziehende Mütter oder Väter, gleichgeschlechtliche Paare mit eigenen Kindern einzelner Partner, vom Paar adoptierte Kinder oder auch Pflegeeltern zu den alltäglichen Familienformen gezählt. Zum Alltag der Kinder gehören immer öfters Scheidungen, laufend wechselnde Partner/innen, verschiedene Bezugspersonen, die zunehmenden Berufstätigkeit der Mutter oder das Fehlen von Geschwistern. Diese strukturellen Veränderungen greifen in die Entwicklung und Sozialisation des Kindes ein.

Die Pädagogen und Pädagoginnen in den Schulen können all diese Bereiche, die normalerweise von einer Familie abgedeckt werden unter dem zunehmenden Leistungs- und Lehrplandruck nicht zusätzlich bewältigen. Der Ruf nach einer Lösung wird immer deutlicher vernehmbar. In Zusammenarbeit mit den Lehrenden sollen die Schulsozialarbeiter/innen eine Ausgleichsfunktion schaffen. Ihre Arbeit richtet sich sowohl an die Kinder und Jugendliche, als auch an die Lehrkräfte und die Eltern. Die Schulsozialarbeit erleichtert vielen Familien, Schulen und Lehrkörpern den Alltag. Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen sehen die Kinder ganzheitlich und aus einem anderen Blickwinkel als die Lehrperson oder die Eltern. Sie können den Kindern und Jugendlichen bei vielfältigen Problemlagen aufgrund ihrer Ausbildung Handlungsalternativen und realistische Lebensperspektiven bieten.

Da das Handlungsspektrum der Schulsozialarbeit weder inhaltlich klar formuliert oder klar abgegrenzt ist, sind die Rahmenbedingungen für die Arbeit an den jeweiligen Schulen sehr verschieden und ebenso die individuellen Problemlagen der Schüler/innen stark differieren, kann vor allem die Grenze für die sozialarbeiterische Intervention zu den Eltern nicht klar gezogen werden.

Folgende Forschungsfrage liegt daher dieser Bachelorarbeit zugrunde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inwieweit kann die Schulsozialarbeit Aufgaben der Sozialisationsinstanz Familie ergänzen?

Die Arbeit ist als Literatur- und Dokumentenanalyse aufgebaut. Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden die Bereiche Schulsozialarbeit, Schule und Familie vor dem aktuellen gesellschaftlichen Hintergrund beschrieben und einander gegenübergestellt.

Im Kapitel zwei werden die aktuellen Definitionen sowie die historische Entwicklung der Schulsozialarbeit dargestellt. Das Kapitel drei beinhaltet das Leistungsspektrum, Berufsbild und die fachlichen Voraussetzungen, Anforderungen und die eingesetzten Methoden werden beschrieben.

Im vierten Kapitel wird auf die Qualitätsfaktoren und Methoden der Schulsozialarbeit eingegangen.

Im fünften Kapitel folgt eine Gegenüberstellung der Schulsoziarbeit und der Familie hinsichtlich ihrer Aufgaben, Ziele und Befugnisse vor dem Hintergrund der Faktoren des familiären Wandels und der damit verbundenen Problembereiche hinsichtlich des Schüler/innenverhaltens.

Aus diesen Erkenntnissen werden im abschließenden Kapitel Kooperationsformen, Aufgabengebiete und Trennlinien diskutiert sowie die Perspektiven für die Schulsozialarbeit im Zuge einer Ausweitung der Ganztagesbetreuung dargestellt.

2 Schulsozialarbeit als Teilbereich der Sozialen Arbeit

Dieses Kapitel befasst sich mit der Schulsozialarbeit als besondere Disziplin der Sozialen Arbeit. Nach Ausführungen über die historische Entwicklung der Schulsozialarbeit folgen aktuelle Erkenntnisse, die den zunehmenden Bedarf an Schulsozialarbeit aufzeigen. Es werden die Anforderungen an die Schulsozialarbeit beschrieben, das damit verbundene Leistungsspektrum und die daraus resultierenden Aufgaben. Es folgen Beschreibungen der einzelnen Arbeitbereiche wie die individuelle Orientierung und Hilfe, die Förderung des sozialen Lernens. Bildungsbedingungen, Berufsbild und spezifische fachliche Anforderungen sowie die kommunikativen Anforderungen und formalen Voraussetzungen werden dargestellt. Abschließend werden die Qualitätsfaktoren und Methoden der Schulsozialarbeit auf Basis methodischer Grunderkenntnisse beschrieben.

2.1 Definitionen der Schulsozialarbeit

Trotz des traditionsreichen Hintergrundes der Schulsozialarbeit mangelt es diesem Arbeitsfeld noch heute an klaren Definitionen und Begriffserklärungen. Auch aus diesem Grund wird unter „Schulsozialarbeit“ je nach Bezugsgruppe Unterschiedliches verstanden. Die Einen (Kreft und Mielenz) sehen darin allgemein alle Formen der Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe, andere Autoren, wie beispielsweise Speck verstehen darunter das gesamte Leistungsspektrum an Angeboten der Schulsozialarbeiter/innen an den Schulen. Weitere Gruppen verstehen darunter nur die speziellen Angebote zur sozialen Integration im Bereich Schule. Im Allgemeinen ist Schulsozialarbeit immer eine Form der Kooperation von Jugendhilfe und Schule. In der Sozialen Arbeit ist die Schulsozialarbeit als Teilbereich im sozialen Dienstleistungssystem in der Kinder- Jugend- und Familienhilfe angesiedelt (vgl. Kreft/Mielenz 2008, S. 483; vgl. Speck 2007, S.23-29).

Als weitere Definitionsmerkmale für die Schulsozialarbeit gelten die Qualität der Leistungen im Rahmen des Auftrages der Jugendhilfe und die sozialpädagogische Fachkompetenz des Personals. Wie weit das erste Merkmal erfüllt wird, hängt einerseits davon ab, welche Aufträge den Schulsozialarbeiter/innen von ihrem jeweiligen Arbeitgeber übertragen werden und andererseits davon, wie weit es den Schulsozialarbeiter/innen gelingt, diese zu erfüllen. Bedeutend ist auch, wieweit eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Schulleitung, Lehrkräften, Schüler/innen und deren Familien gegeben ist (vgl. Bock 2005, S. 303-310).

2.2 Historische Entwicklung der Schulsozialarbeit

Die Anfänge der Schulsozialarbeit reichen in Österreich und Deutschland knapp 40 Jahre zurück. Begrifflich und konzeptionell stützt sie sich auf die amerikanische „School Social Work“. Das Arbeitsfeld der Schulsozialarbeit ist zwischen Jugendhilfe und Schule angesiedelt und stellt eine Schnittstelle zwischen beiden Instanzen dar. Blickt man geschichtlich weiter zurück, sind die historischen Vorläufer der Schulsozialarbeit die Armen- und Industrieschulen im 18. Jhdt. und die Schulkinderfürsorge ab 1870 (vgl. Speck 2007, S. 9).

In den 1960er Jahren kam man erstmals in Deutschland zur Erkenntnis, dass die Bildungsexpansion allein noch kein Garant für gute schulische Leistungen ist. Es kam zu ersten Versuchen zur Installierung von Schulsozialarbeit und Sozialpädagogik in der Schule (vgl. Hornstein zit. in Vogel 2006, S. 13).

In den 1970er Jahren kam es zu einer Reihe an gravierenden gesellschaftlichen Veränderungen, welche die Schule als reine Bildungsinstitution infrage stellten und neben der Funktion der Vermittlung von Faktenwissen auch Aspekte der Sozialarbeit zur Diskussion brachten (vgl. Kreft/Mielenz 2008, S. 480f).

Das Konzept Schulsozialarbeit wurde in den 1970er Jahren intensiv diskutiert. Man konnte bereits auf erste Erfahrungsberichte aus Modellversuchen in deutschen Gesamtschulen zurückgreifen. Im Rahmen der Bildungsreform in Deutschland benötigte man dringend zusätzliche sozialpädagogische Fachkräfte, um dem erhöhten Betreuungsaufwand an den ganztägig geführten Gesamtschulen gerecht zu werden. Ziel war es vorrangig, den Schulbetrieb aufrecht zu erhalten, spezifische Ziele, Methoden und Kompetenzen der Schulsozialarbeiter wurden vernachlässigt (vgl. Speck 2007, S. 9f).

1980 sah man die Bildungsreform in Deutschland als gescheitert an. In Folge wurden, ohne eine differenzierte Betrachtung vorzunehmen auch Sozialarbeitsprojekte reduziert. Die schulische Sozialarbeit entwickelte sich in der Forschungs-, Fortbildungs- und Publikationslandschaft kontinuierlich weiter. Die Bezeichnung Schulsozialarbeit wurde in dieser Phase erstmals als Oberbegriff in allen schulbezogenen Angeboten der deutschen Jugendhilfe eingeführt (vgl. Speck 2007, S. 10). Parallel dazu kam es zur politischen Anerkennung der Schulsozialarbeit und zur Etablierung der Sozialpädagogik im Rahmen der Schulsozialarbeit (vgl. Kreft/Mielenz 2008, S. 483).

In den 1990er Jahren kam es wieder zu einem deutlichen Ausbau der Schulsozialarbeit. Das Thema wurde nicht mehr nur überwiegend fachlich diskutiert, sondern es kam auch auf praktischer Ebene zu einem Aufschwung hinsichtlich der eingesetzten Verfahren und Methoden (vgl. Speck 2007, S. 11ff). In Deutschland kam es zu einem wesentlichen Impuls aus den neuen Bundesländern, wo die Schulsozialarbeit bereits zu DDR-Zeiten im Bildungswesen enthalten war (vgl. Fülbier/Münchmeier 2002, S. 517).

Im Jahr 2000 schockierten die PISA-Studienergebnisse die Bildungsverantwortlichen in Deutschland. Die schlechten Leistungen der deutschen Schüler/innen waren die Grundlage für neue Projekte und Arbeitsgruppen zur Verbesserung des gesamten Schulsystems und damit auch der Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit (vgl. Speck 2007, S. 13).

Die Arbeitsgemeinschaft für Eltern- und Jugendhilfe brachte 2002 in ihren „Leipziger Thesen“ klar zum Ausdruck, dass PISA zwar eine schulische Leistungsmessung ist, die Leistungen aber keinesfalls nur in der Schule Zustandekommen (vgl. Rauschenbach 2003, S. 51).

Die nachstehende Abbildung 1 zeigt einen Vergleich der Pisa Ergebnisse von Österreich mit Deutschland und Finnland:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: PISA-Ergebnisse Österreich im Vergleich mit Deutschland und Finnland.

Quelle: Österreichischer Rundfunk, online Nachrichtendienst http://news.orf.at/static/images/site/news/20101249/pisa_ergebnisse_grafik_body_a.2034483.jpg, Zugriff am: 22.10.2012

Wie die Abbildung zeigt liegt Österreich in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften im Bereich des OECD – Durchschnitts, im Bereich Lesen sogar deutlich darunter. Auffallend ist der negative Trend.

Die Geschichte der Schulsozialarbeit in Deutschland und Österreich zeigt, dass es vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der Erkenntnis des Zusammenhanges von sozialer Zuwendung und schulischer Leistung zu einer zunehmenden Bedeutungsverschiebung der Schulsozialarbeit kommt. Während die „Frühphase“ der Schulsozialarbeit von einer reinen Entlastungsfunktion der Instanz Schule durch die Schulsozialarbeit geprägt ist, zeigt sich eine immer stärkere Gewichtung hin zur Übernahme komplexer, auch langfristig angelegter Beratungs- und Betreuungsaufgaben zu allen spezifischen Problemen der Schüler/innen (vgl. Speck 2006, S. 13-17; vgl. Braun/Wetzel 2006, S. 16f). Damit stellt sich auch zunehmend die Frage, wie weit die Schulsozialarbeit in die elterlichen/familiären Aufgaben vordringen darf oder soll und welche Leistungen übernommen werden können.

Bevor diese zentrale Frage in allen Aspekten diskutiert werden kann, gilt es in den folgenden Abschnitten, den steigenden Bedarf und die komplexen Anforderungen der Schulsozialarbeit zu beschreiben.

2.3 Zunehmender Bedarf an Schulsozialarbeit

Der Entwicklungs- und Sozialisationsprozess eines Kindes fand früher weitgehend in der Familie statt. Ausschlaggebend für die zunehmende Notwendigkeit von Schulsozialarbeit sind die bereits einleitend beschriebenen gesellschaftlichen Veränderungen im Bereich Familie. Gründe für den zunehmenden Bedarf der Schüler/innen an sozialer Zuwendung sind hohe Scheidungsraten, die Tendenz zum Alleinerziehen sowie die Berufstätigkeit beider Eltern. Der Kompetenzerwerb für sozialen Umgang und Lebensbewältigung verlagert sich aufgrund dieser Faktoren immer mehr in die Schule. Diese ist mit dieser zusätzlichen Aufgabenstellung fachlich und personell überfordert (vgl. Vyslouzil/Weißensteiner 2001, S. 73ff).

Dieser Trend setzt sich zum aktuellen Zeitpunkt weiter fort. Einen möglichen Ansatz zur Veränderung des Schulsystems in Österreich könnten Ganztags- oder Gesamtschulmodelle sein. Das Gesamtschulmodell wird in Parteigesprächen oft im Zusammenhang mit sozialen Ungleichheiten und Bildungsweg erwähnt und soll dem gegenzusteuern (vgl. Kriechhammer 2012, S. 23ff). Die verschiedenen Modelle sind jedoch zurzeit noch Gegenstand politischer Debatten. Einen Einblick auf die Möglichkeiten, die eine ganztags betreute Schule bieten würde, erhält man im letzten Abschnitt des sechsten Kapitels. Die damit verbundenen möglichen Auswirkungen auf die Elternarbeit der Schulsozialarbeit werden im Fazit diskutiert.

2.4 Anforderungen an die Schulsozialarbeit

Vyslozil und Weißensteiner (2001, S. 7) formulieren die grundlegenden Anforderungen an die Schulsozialarbeit vor dem Hintergrund des Präventionsgedankens:

„Durch regelmäßige, zeitlich ausgedehnte Anwesenheit von Sozialarbeiter/innen an möglichst allen Schulformen sollen Kinder einen leichten, Niederschwelligen Zugang zu Beratung und Betreuung haben. Mit dieser Art präventiver Sozialarbeit soll erreicht werden, Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung, in der Familie, in der Schule, mit Freunden möglichst gar nicht erst zu groß werden zu lassen, dass sie als Problem bezeichnet werden können. Das Handlungsrepertoire der Kinder und Jugendlichen soll durch den Einsatz von Schulsozialarbeit erweitert werden, sodass sie eigenständig besser mit schwierigen Situationen fertig werden und z.B. vielleicht auch weniger für Gewalt und Sucht anfällig werden.“

Maas (zit. in Drilling 2004, S. 39) leitet die Anforderungen an die Schulsozialarbeit aus den schulischen Zielen ab:

Ziel der Schulsozialarbeit ist es, des Kindes potentielle Stärken und Fähigkeiten für eine befriedigende, effektive und akzeptable Ausführung der Rolle des Schülers zu erreichen.

Ebenso argumentieren Braun und Wetzel hinsichtlich schulischer Ziele (Braun/Wetzel zit. in Drilling 2004, S. 39). Sie verstehen die Anforderungen an die Schulsozialarbeit als:

(...) die Gesamtheit der sozialen und pädagogischen Aktivitäten von Fachkräften der sozialen Arbeit und Erziehung, die sozialpädagogische Profilbildung in der Schule und ihrem Umfeld anzuregen, zu unterstützen und durch eigene Angebote zu erweitern.“

Unter „sozialpädagogischer Profilbildung“ verstehen Braun und Wetzel (vgl. Speck 2007, S. 9-13):

- die Gesamtheit der sozialen und pädagogischen Bemühungen,
- die Lernfähigkeiten und Bereitschaft Lernbereitschaften zu fördern und zu erhalten bzw.
- immer häufiger auch dieser überhaupt erst auszubilden.

Die Grundpositionen von Maas bzw. Braun und Wenzel bezüglich der Anforderungen an die Schulsozialarbeit sind ausschließlich auf schulische Ziele ausgerichtet. Stickelmann (vgl. Stickelmann zit. in Drilling 2004, S. 39) bezieht hingegen den Faktor Familie in seine Position zur Schulsozialarbeit stark mit ein. Er vertritt die Haltung, dass es Aufgabe der Schule bzw. der Schulsozialarbeit ist, Kinder und Jugendliche, besonderes jene aus unterprivilegierten sozialen Schichten oder aus unvollständigen Familien aufzufangen und durch Einzelfallhilfe oder soziale Gruppenarbeiten positiv auf ihre Entwicklung einzuwirken. Stigmatisierungen und Selektionen, die in der Schule für diese Kinder und Jugendlichen entstehen können, sollen durch die Schulsozialarbeit entgegengewirkt werden. Wulfers (vgl. Wulfers zit. in Drilling 2004, S. 39) versteht die Anforderungen der Schulsozialarbeit als alle Aktivitäten, die sich dazu eignen, durch gezieltes, methodisches Vorgehen Konflikte abzubauen, sowohl zwischen Schülern und Schülerinnen, Lehrer/innen und Eltern, schulintern oder auf die Schule bezogen.

2.5 Zwischenfazit

Hinsichtlich der Anforderungen der Schulsozialarbeit zeigt sich ebenso wie bei den Definitionen, dass die verschiedenen Autoren jeweils eine eigene Grundposition vertreten und keine einheitliche Definition von Schulsozialarbeit vorliegt. Das Spektrum reicht von der Aufzählung präventiver Maßnahmen über die reine schulische Unterstützung, der Übernahme familiärer Agenden bis hin zur Konfliktregulation. Die Frage, ob nun die Gesamtmenge dieser Ansätze den folgenden Aufgaben und Leistungen zugrunde zu legen ist, lässt sich theoretisch nicht eindeutig beantworten. Es liegt jedoch nahe, dass die aus der zunehmend brisanten schulischen Alltagssituation resultierenden Erfordernisse für die Schulsozialarbeit alle genannten Aspekte einschließen, wie im folgenden Abschnitt dargestellt.

3 Leistungsspektrum und Aufgaben der Schulsozialarbeit

Wie aus den Definitionen und Beschreibungen der Anforderungen ersichtlich ist, sind die Anforderungen an die Schulsozialarbeit breit gestreut. Die genauen Inhalte hinsichtlich des daraus resultierenden Leistungsspektrums und der konkreten Aufgaben sind hingegen wenig bzw. sehr unterschiedlich definiert.

Allgemein sollen die Schulsozialarbeiter/innen (vgl. Drilling 2004, S. 116f):

- vermitteln
- Angebote schaffen
- unterstützen

Konkret heißt das, dass es Aufgabe der Schulsozialarbeit ist, zwischen der alltäglichen Lebenswelt der Jugendlichen, der Schule und der Wohlfahrtsorganisation durch Verständigung und Kooperation zu vermitteln. Sie soll Angebote für Schüler und Schülerinnen mit Lernproblemen schaffen und die Schüler/innen im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Die Schulsozialarbeit leistet einerseits präventiv Arbeit und hat andererseits auch einen ergänzenden Korrekturauftrag zu erfüllen, bzw. unterstützt die Schule dabei, den Bildungs- und Erziehungsauftrag zu erfüllen (vgl. Braun/Wetzel 2000, S. 258).

Die konkreten Aufgabenfelder der Schulsozialarbeit sind sehr breit gefächert, wie aus Abbildung 2 gut hervorgeht. Sie setzen sich aus drei Hauptarbeitsbereichen zusammen:

1. Individuelle Orientierung und Hilfe
2. Förderung des sozialen Lernens
3. Bildungsbedingungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aufgaben der Schulsozialarbeit: Quelle: Spies/Pötter 2011, S. 93

Jeder dieser Arbeitsbereiche beinhaltet weitere Ansatz und Aufgabenfelder die im folgenden Kapitel behandelt werden.

3.1 Arbeitsbereich Individuelle Orientierung und Hilfe

Der Arbeitsbereich individuelle Orientierung und Hilfe gliedert sich in die Aufgabenfelder Beratung und Sozialpädagogische Einzelfallhilfe. Die Gesprächsangebote im Rahmen der Beratung beinhalten Themen, die Schüler/innen, Eltern und Lehrer/innen bei persönlichen, familiären und schulischen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten unterstützen sollen. Darüber hinaus kann die Sozialarbeiterin/ der Sozialarbeiter auch Unterstützung bei der Berufsfindung leisten. Sozialpädagogische Einzelfallhilfe bedeutet, mit einzelnen Schülern und ihren individuellen Problemstellungen durch intensive Betreuung Lösungsstrategien und Zukunftsperspektiven zu erarbeiten. Ziel ist es, diesen Schüler/innen lebenspraktische Techniken, sowie Sozial- und Handlungskompetenzen zu vermitteln (vgl. Spies/Pötter 2011, S. 89-99). Nach einer anderen Systematik (vgl. Walkenhorst zit. in Hillenbrandt 2008, S. 177) gehören diese Aktivitäten überwiegend in den Bereich der „Unterrichtsbezogenen Aktivitäten“.

3.2 Arbeitsbereich Förderung des sozialen Lernens

Dieser Bereich umfasst Angebote im so genannten offenen Bereich. Hierzu zählen beispielsweise:

- Schülercafés (offene Treffpunkte)
- Freizeitangebote (am Nachmittag oder in den Ferien)
- Erlebnispädagogische Projekte
- Pausen(sport)aktivitäten
- Hausaufgabentreffs

Zur Förderung des sozialen Lernens zählen auch die Präventivarbeit, Konfliktbewältigung, Sozialpädagogische Gruppenarbeit und so genannte „offene Angebote“. Die Sozialpädagogische Gruppenarbeit kann im Klassenverband oder als eigenes Angebot am Nachmittag stattfinden, z.B. im Rahmen von Erlebnispädagogik (vgl. Spies/Pötter 2011, S. 89-99).

[Abbildung 3 wurde für die Veröffentlichung aus urheberrechtlichen Gründen entfernt.]

Abbildung 3: Schülercafé. Quelle: Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinnützige GmbH http://www.gruenderkids.de Zugriff am: 22.10.2012

Die Idee hinter den offenen Angeboten wie beispielsweise den Schülercafès soll den Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit bieten, sich aktiv in die Arbeit für die Gemeinschaft einzubringen. familiär vernachlässigten Schülern und Schülerinnen wird die Möglichkeit geboten, Selbstbewusstsein zu tanken (vgl. http://www.gruenderkids.de).

Nach der Systematik von Walkenhorst (vgl. Walkenhorst zit. in Hillenbrandt 2008, S. 177) gehören diese Aktivitäten in den Bereich der „außerunterrichtlichen Freizeitaktivitäten“.

3.3 Arbeitsbereich Bildungsbedingungen

Dieser Bereich befasst sich mit dem Übergang von der Schule zum Beruf. Folgende Aktivitäten werden in diesem Rahmen von den Schulsozialarbeiter/innen durchgeführt (vgl. Spies/Pötter 2011, S. 89-99):

- Hilfestellung bei der Berufsfindung, durch Gespräche, Rollenspiele.
- Vorbereitung, Begleitung und Dokumentation von Praktika
- Hilfestellung bei Bewerbungsschreiben.
- Training von Schlüsselqualifikationen
- Gruppentrainings
- Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice (AMS)

Nach der Systematik von Walkenhorst (vgl. Walkenhorst zit. in Hillenbrandt 2008, S. 177) gehören diese Aktivitäten in den Bereich der „unterrichtsbezogenen Angebote“.

3.4 Berufsbild Schulsozialarbeit

Das Anforderungsprofil an einen Schulsozialarbeiter / eine Schulsozialarbeiterin erfordert einerseits ein umfangreiches Basiswissen aus den Bereichen der Soziologie, Psychologie und eine eingehende Kenntnis der öffentlichen Strukturen. Darüber hinaus sollen die Sozialarbeiter/innen über berufsspezifisches Fachwissen wie Orientierungswissen, Handlungsfähigkeiten und Reflexionsfähigkeiten verfügen. Diese gelten als Voraussetzungen für Analyse von Arbeitsabläufen. Im Folgenden werden die fachlichen und kommunikativen Anforderungen näher dargestellt (vgl. Pötter/Segel 2009, S. 40-45).

3.4.1 Spezifische fachliche Anforderungen

Der Beruf der Schulsozialarbeiter/in erfordert ein breites Spektrum an Kenntnissen aus verschiedenen Fachdisziplinen (vgl. Assmann et al. 2008, S. 257):

- Grundlegende Kenntnisse über die unterschiedlichen und vielfältigen Lebenswelten, unterschiedliche Kulturen,
- Wissen um Sozialraumanalyse, Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
- Grundkenntnisse im Bereich Bildung für die Hilfestellung beim Übergang von der Schule zum Beruf
- Grundkenntnisse im Bereich Schul- und Sonderpädagogik
- Grundkenntnisse in Verhaltens- und Entwicklungspsychologie
- Spezifische Kenntnisse im Bereich der Lernpsychologie
- Wissen um die rechtlichen Grundlagen der Sozialen Arbeit

Hinsichtlich der Rechtskenntnisse sind dies insbesondere das Kinder- und Jugendhilfegesetzes, die jeweiligen Landesgesetze, das Sozialrecht und die jeweiligen Schulgesetze auf Landesebene. Schulsozialarbeiter/innen sollen das System Schule, sowohl bezüglich seiner inneren Struktur, seiner Verwaltung und Steuerung im Bildungssystem kennen und müssen über die aktuelle Entwicklung des Bildungswesens, der Jugend- und Bildungspolitik Bescheid wissen (vgl. Assmann et al. 2008, S. 257ff).

3.4.2 Kommunikative Anforderungen

Besonders wichtig ist, dass die Schulsozialarbeiter/innen den Kommunikativen Anforderungen gerecht werden bzw. eine gewisse Sprachfertigkeit in den Berufsalltag mitbringen, um in Beratungssituationen einfühlsam agieren zu können. Zu ihrem Aufgabengebiet gehört auch die Koordination von unterschiedlichen Personenkreisen wie z.B. Schüler/innen, Eltern, Lehrer/innen und andere Fachkräfte im so genannten Sozialraum. Im Vordergrund steht die Vermittlung zwischen den Instanzen, was eine hohe Kommunikationsfähigkeit erfordert (vgl. Pötter/Segel 2009, S. 41). Die eigene Teamfähigkeit, die ein Sozialarbeiter, eine Sozialarbeiterin ins Berufsleben mitbringen soll ist ein weiterer wichtiger Punkt und wird vor allem in folgenden Einsatzbereichen besonders gefordert (vgl. Pötter/Segel 2009, S.41f):

- Minderheiten- bzw. Randgruppenverständnis
- Vernetzung mit anderen sozialen Diensten
- Interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Sicherheit im persönlichem Auftreten und im öffentlichen Raum
- Teilhabe an Tagungen, Konferenzen und Gremien
- Wissen um Sozialräumliche Handlungsansätze (Stadtteilarbeit)

3.5 Formale Voraussetzungen und Erfolgsfaktoren

Derzeit umfasst die Schulsozialarbeit kein eigenes Studium. Eine mögliche Basisausbildung für Schulsozialarbeit/innen in Österreich ist der Abschluss eines Bachelor- Studiums der Sozialen Arbeit an einer Fachhochschule (vgl. http://www.berufslexikon.at). Es gibt keinen eigenen Berufsschutz, somit müssen Schulsozialarbeiter/Innen zwar über ein Hochschulstudium verfügen, dieses kann aber auch aus den Bereichen der Sozialpädagogik, Pädagogik oder Sozialen Arbeit sein. Die Autoren Pötter und Segel halten einen eigenen Masterstudiengang bzw. den Studienschwerpunkt „Schulsozialarbeit“ an möglichst vielen (Fach) - Hochschulen für erstrebenswert (vgl. Pötter/Segel 2009, S. 45).

Eine erfolgreiche Schulsozialarbeit wird ermöglicht durch eine Reihe von Faktoren. Die genauen Rahmenbedingungen für die Schulsozialarbeiter/innen ergeben sich aber aus den Tätigkeitsprofilen der unterschiedlichen Trägerorganisationen und den demensprechenden Anstellungsverhältnissen (vgl. Pötter/Segel 2009, S. 44f). Der Deutsche Kooperationsverband für Schulsozialarbeit in Deutschland sieht im Allgemeinen die Erfolgsfaktoren für gelingende Schulsozialarbeit in (vgl. http://www.gew.de/Schulsozialarbeit_4.html):

- Kontinuität hinsichtlich des Personales
- Klar definierter Aufgabenbereich
- Vollzeit-Dienstverhältnisse
- Qualifiziertes Fachpersonal
- Einbindung in das Schulprogramm
- Berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
- Eigener Arbeitsplatz
- Leichter Zugang für Eltern, Schüler/innen und Lehrer/innen in der Schule während des Unterrichts
- Initiierung von Projekten, die den Zusammenhalt von Klassen und der Schulgemeinschaft fördern
- Erlebnispädagogische Angebote in Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb der Schule
- Konzepte für die Sucht- und Gewaltprävention, Sexualität, Kommunikation und berufliche Orientierung
- Freizeit-Angebote mit pädagogischen Zielen in Arbeitsteams und in Form von offenen Schülertreffs

Bezüglich der allgemeinen Rahmenbedingungen für erfolgsversprechende Schulsozialarbeit besteht somit zwischen den Autoren Pötter/Segel, Gastiger/Lachart, und Vogel weitgehend Einigkeit (vgl. Pötter/Segel 2009, S. 44f; vgl. Gastiger/Lachart 2012, S. 32ff; vgl. Vogel 2006, S. 252-260).

Maykus (vgl. 2011, S. 78) schreibt hierzu, dass es ihm wichtig erscheint, die Schulsozialarbeit umfassend, aber unter Wahrung der Autonomie in der Trägerorganisation zu integrieren und sie „fachdisziplinär“ zu begründen. Diese Begründung muss auf die Funktion der Unterstützung im Bereich sozialen Lernens und der biografischen Bewältigungskompetenz der Schüler/Innen liegen und sich klar abgrenzen von der kompensatorischen Funktion institutioneller Defizite der Schule. Die Schulsozialarbeit muss auf eine Stufe mit der Institution „Schule“ gestellt werden, Sozialarbeiter/Innen arbeiten mit den Lehrenden auf Augenhöhe und die Arbeitsstruktur sollte kooperativ statt kompensatorisch gestaltet werden.

4. Qualitätsfaktoren der Schulsozialarbeit

Die Wirkungsforschung von Schulsozialarbeit der 1990er Jahre fokussierte noch auf der Erbringung der Leistungen innerhalb der Schule. Durch den Einbezug weiterer, sozialräumlicher und regionaler Handlungsebenen wird seit 2004 (Bolay, zit. in Bolay et al. 2010, S. 185) die Schulsozialarbeit in ihrer gesamten Komplexität erfasst und Qualitätsfaktoren definiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Qualitätsfaktoren der Schulsozialarbeit.

Quelle: Bolay et al. 2010, S. 186

Feld 1 erstreckt sich über die direkte Handlungsebene in ihrer fachlichen Primärzuständigkeit. Feld 2 erfasst den Auftrag zwischen Schule und Schulsozialarbeit kooperative Strukturen zu entwickeln. Feld 3 erfasst die sozialräumliche Verankerung und die Mitwirkung von Sozialarbeit und Schule ein einer gemeinsamen Gestaltung der Infrastruktur für die Schüler/innen. Feld 4 ist die institutionalisierte, regionale Kooperation im Rahmen der Planung, Implementierung und Prozessbegleitung der Leitungsebenen der beiden Systeme Schule und Schulsozialarbeit (vgl. Bolay et al. 2010, S. 185f).

[...]

Details

Seiten
52
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668279353
ISBN (Buch)
9783668279360
Dateigröße
1012 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v338360
Institution / Hochschule
Fachhochschule Salzburg – Soziale Arbeit
Note
1
Schlagworte
anforderungen realität schulsozialarbeit ausgleich sozialisationsdefiziten

Autor

Zurück

Titel: Anforderungen und Realität der Schulsozialarbeit. Ein Ausgleich zu Sozialisationsdefiziten