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Die Verfassung von 1791. Entwicklung eines Sach- und Werturteils (Leistungskurs Klasse 12)

Anhand ausgewählter Darstellungen und Quellen

Unterrichtsentwurf 2015 31 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Reihenplanung zur Französischen Revolution

2. Übersicht zur Unterrichtseinheit
2.1. Problemziel
2.2. Ziele der Unterrichtseinheit
2.2.1. Lernziele
2.2.2. Arbeitsergebnisse
2.2.3. Kompetenzziele
2.3. Tabellarischer Verlauf der Unterrichtseinheit

3. Lerngruppe

4. Didaktische Reflexion
4.1. Einbindung der Stunde in die Unterrichtsreihe
4.2. Begründung von Thema und Problemziel
4.3. Überlegung zur Kompetenzentwicklung
4.4. Sachanalyse der zentralen Materialien
4.5. Begründung der didaktischen Reduktion
4.6. Begründung der Materialauswahl

5. Methodische Entscheidungen

Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang

1. Reihenplanungen zur Französischen Revolution

Reihenthema: Die Französische Revolution

Reihenproblemziel: Die Französische Revolution – Beginn eines neuen Zeitalters?

Reihenziele:

- Die Schülerinnen und Schüler[1] können die Entwicklung der revolutionären Ereignisse skizzieren. Sie kennen insbesondere die wesentlichen Phasen der Revolution.
- Die SuS wissen um die umfassende „Krise des Ancien Régime“ als Ursache der Revolution und kennen wichtige Aspekte (soziale, wirtschaftliche/finanzielle und politische Krise).
- Die SuS kennen wesentliche Ideale der Französischen Revolution und ihre politische Umsetzung/Verwirklichung, bzw. Transformation im Laufe der revolutionären Entwicklung (Menschenrechte – konstitutionelle Monarchie – Grande Terreur – Kstm. Napoleons und Code Civil). Insbesondere können die SuS diese in den Ablauf der Revolution einordnen.
- Die SuS wissen um die Vielschichtigkeit der Interessenslagen und der Akteure im revolutionären Prozess.
- Die SuS erkennen die grundlegende Diskrepanz zwischen Idealen und ihrer Umsetzung im Kontext je spezifischer historischer Bedingungen.
- Die SuS entwickeln eine inhaltliche Vorstellung des Revolutionsbegriffs als einer abstrakten Analysekategorie (über das konkrete Beispiel hinaus), d.h. insbesondere, sie kennen Definitionskriterien.
- Die SuS problematisieren die besondere Bedeutung, die der Französischen Revolution für die geistig-politische Entwicklung der „westlichen Welt“ beigemessen wird (vor dem Hintergrund der teilw. Restauration Napoleons).
- Die SuS hinterfragen mindestens zwei (professionelle) divergente Deutungen der Französischen Revolution.
- Die SuS kommen zu einem eigenständigen begründeten und differenzierten Urteil bzgl. der im Reihenrichtziel gestellten Frage nach dem Anbeginn eines neuen Zeitalters.

Tabellarischer Verlauf der Unterrichtsreihe:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Übersicht zur Unterrichtseinheit

2.1. Problemziel:

Die Verfassung von 1791 – Ende der Revolution?

2.2. Ziele der Unterrichtseinheit

2.2.1. Lernziele:

Die SuS…

1. können die Menschen- und Bürgerrechte in den ideengeschichtlichen Kontext einordnen.
2. kennen die Ideale der Menschen- und Bürgerrechte, die Grundlage der Verfassung von 1791 sind.
3. wissen um die Vielschichtigkeit der Interessenlagen und um mögliche Probleme, die sich sowohl aus den Menschen- und Bürgerrechten als auch aus der Verfassung von 1791 ergeben.
4. erkennen die grundlegende Diskrepanz zwischen Idealen und ihrer Umsetzung.
5. erkennen den revolutionären Charakter der Menschen- und Bürgerrechte und der Verfassung von 1791 und deren Bedeutung für heutige Verfassungen und Menschenrechte.

2.2.2. Arbeitsergebnisse:

Die SuS…

6. wissen, dass die Erklärung der Menschen- Bürgerrechte am 26. August 1789 verabschiedet wurde.

7. wissen, dass die Erklärung nur für Männer galt und Eigentumslose, Sklaven und Frauen nicht mit einschloss.

8. kennen die Kernthesen der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und sind sich ihrer historischen Bedeutung bewusst.

9. kennen den Aufbau der Verfassung 1791 und wissen, dass die Menschen- und Bürgerrechte von 1789 Grundlage der Verfassung sind.

10. kennen den Unterschied zwischen Passiv- und Aktivbürgern.

11. kennen die Rolle des Königs in der neuen Verfassung und wissen um die Veränderungen im Vergleich zur absolutistischen Monarchie.

2.2.3. Kompetenzziele:

Die SuS…

12. vertiefen ihre Kenntnisse im Umgang mit Textquellen.

13. vertiefen ihre Kenntnisse im Umgang mit Verfassungsschemen.

14. üben sich darin, unter Berücksichtigung von Vorwissen zu einem begründeten Sachurteil zu kommen.

15. entwickeln auf Grundlage ihres Sachurteils ein eigenständiges Werturteil.

2.3 Tabellarischer Verlauf der Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Lerngruppe

Die Lerngruppe ist ein Leistungskurs in der 12. Stufe an einem Gymnasium, die aus insgesamt 22 Schülern, 11 Mädchen und 11 Jungen, besteht. Die Räumlichkeiten sind ideal für die Durchführung des Unterrichts. Es stehen Tafel, Smartboard, Overheadprojektor und Internetzugang zur Verfügung. Klassenraum ist quadratisch geschnitten und hat eine, der Anzahl der Schüler, entsprechende Größe.

Die Lerngruppe ist als heterogen zu bezeichnen. An der Spitze im mündlichen und schriftlichen Bereich befinden sich vier Schüler, zwei Jungen und zwei Mädchen, die durch ihre schnelle Auffassungsgabe und ihr Fachwissen hervorstechen und in der Lage sind, alle Aufgaben schnell und mit der nötigen Sorgfalt zu bearbeiten und so den Unterricht so zu tragen. Sieben Schüler der Lerngruppe, vier Jungen und drei Mädchen, sind theoretisch und praktisch in der Lage allen Arbeitsaufträgen Folge zu leisten und diese ebenfalls mit der gebotenen Sorgfalt zu bearbeiten. Allerdings brauchen sie, anders als die Gruppe der Leistungsstarken Schüler, immer wieder Impulse durch die Lehrkraft, damit sie ihr Leistungsvermögen abrufen. Weitere sieben Schüler, drei Jungen und vier Mädchen, sind im Bereich von Bildquellen besonders stark, haben aber Probleme bei der Bearbeitung von Textquellen. Diese Spezialbegabung macht die Erarbeitung von Bildquellen im Unterricht einfacher und sorgt dafür, dass der Rest der Lerngruppe ebenfalls einen guten Zugang zu dieser Art von Quelle bekommt. Allerdings bedarf diese Lerngruppe, bei der Arbeit mit Textquellen, eine besondere Aufmerksamkeit durch die Lehrperson. Am Ende der Leistungsskala befinden sich ebenfalls vier Schüler, zwei Jungen und zwei Mädchen, die sich extrem schwer tun über den Anforderungsbereich einer Sachaussage hinaus etwas zum Unterricht beizutragen. Insgesamt haben diese Schüler Probleme mit der Kontextualisierung und bedürfen einer engen Führung durch die Lehrperson.

4. Didaktische Reflexion

4.1. Einbindung der Stunde in die Unterrichtsreihe

Die Französische Revolution hat die Geschichte der Moderne geprägt wie kaum ein anderes Ereignis. Sie steht für eine Phase elementarer Veränderungen der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Frankreich. Die besondere Stellung der Französischen Revolution im historisch Kontext lässt sich vor allem durch ihre enorme Reichweite erkennen, denn nicht nur in Frankreich hinterließ sie tiefgreifende Spuren des Wandels auf sozialer, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene, sondern auch in anderen Ländern Europas.[2] Die Französische Revolution avancierte im 19. Und 20. Jahrhundert zur Vorlage aller noch folgender Revolutionen und tat dies vor allem durch ihre Radikalisierung, die nach der Verfassung von 1791 einsetzte. Sie prägte den Begriff der Revolution und gilt bis heute als stilprägend für gewaltsame Umstürze. Sie wurde zum Testfeld der Moderne, in dem innerhalb eines Jahrzehnts unterschiedlichste Verfassungsformen, von der konstitutionellen Monarchie bis hin zur Diktatur unter Napoleon, umgesetzt wurden, die bis ins 21. Jahrhundert wirkungsmächtig sein sollten.[3] Sie schuf die Grundlage für eine bürgerlich-liberale Gesellschaftsverfassung und entwickelte zum ersten Mal in der Geschichte eine demokratische politische Kultur, die für eine zunehmende Politisierung aller Bevölkerungsschichten führte. Mit ihrer Vielzahl an Neuerungen und durch den Bruch mit Jahrhunderten alten Traditionen stellt sie ein Ereignis dar, welches als Epochenumbruch gelten kann, dessen Bedeutung in der Fachwissenschaft aber nach wie vor umstritten ist.[4] Dieser Umstand macht die Französische Revolution zu einem idealen Thema für eine Unterrichtsreihe im Leistungskurs, da man diese historische Debatte zum Inhalt der Reihe machen kann.

Die herausgehobene Bedeutung für die europäische aber auch für die deutsche Geschichte und der kontrovers geführten Diskussion trägt die Unterrichtsreihe „Die Französische Revolution – Beginn eines neuen Zeitalters?“ Rechnung. Sie findet im Rahmen des Pflichtbereich Teilthemas „Die Entstehung der modernen Welt – Die geistige und politische Revolution“ statt und stellt eine Vertiefung im Wahlpflichtbereich „Kontroversen/Theorien – Revolution und Reform“ dar.[5] Die Reihe greift wichtige Ereignisse der Revolution auf und zeigt, welche Interessengruppen die Revolution getragen haben. Von ihrer Entstehung durch eine Krise des alten Regimes, über die drei Revolutionen bis hin zur napoleonischen Diktatur werden die Phasen der Revolution aufgegriffen und kontrovers sowie multiperspektivisch dargestellt. Eine abschließende Bewertung der übergreifenden Problemfrage „Beginn eines neuen Zeitalters?“ erfolgt zum Abschluss unter Berücksichtigung führender Forschungsmeinungen und den Ergebnissen der einzelnen Stunde. Wichtig bei der Erarbeitung dieses komplexen Themas ist es, dass die Schüler einen umfassenden Überblick von Ursache und Reaktion erhalten und so die einzelnen Phasen der Revolution nachvollziehen können. Die Dynamik revolutionärer Prozesse soll ebenso deutlich werden, wie die Diskrepanz zwischen Idealen und ihrer Umsetzung.

Als übergeordnetes Kompetenzziel soll in der Reihe das Erarbeiten von Karikaturen eingeübt werden. Dies bietet sich deswegen an, da Karikaturen im Laufe der Französischen Revolution zunehmend zur Massenkunst avancierten und „wesentlichen Anteil an der emotionalen Mobilisierung, Politisierung und Bewußtseinseinprägung gerade auch des ‚des kleinen Mannes auf der Straße‘ und damit an der Entwicklung einer revolutionären Massenbewegung überhaupt“[6] hatten. Die Leistung der Karikaturen, der Französischen Revolution, besteht dabei nicht in der Erzählung von bestimmten Ereignissen und Wirklichkeit, sondern „vielmehr in der allegorischen Deutung und grundsätzlichen Problematisierung politisch-sozialer Zeitfragen“[7]. Trotz ihrer überzeugenden Darstellungen, bedürfen sie einer ausgiebigen Interpretation, um aufzuzeigen „wie sie Inhalte und Formen der Bildtradition anverwandelten, einprägten, für neue Ziele aktualisierten und umfunktionierten“[8]. Der Umstand, dass Karikaturen zum Massenphänomen der Französischen Revolution wurden, liegt darin begründet, dass die führenden Revolutionäre erkannten, dass die Herrschaft des Volkes nur dann Bestand haben könne, wenn die große Mehrheit des Volkes aufgeklärt sei.[9] An dieser Art der Aufklärung hatte die Kunst entscheidenden Anteil und dem soll mit der Wahl des übergeordneten Kompetenzziels Rechnung getragen werden.

Die Unterrichtseinheit „Das Spannungsverhältnis der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und der Verfassung von 1791“ ist die vierte Stunde der Unterrichtsreihe und stellt den thematischen Abschluss der ersten Phase, als auch das Ende der bürgerlichen Revolution, der Französischen Revolution dar. Die Stunde fungiert als Bindeglied zwischen den Anfängen der Revolution und dem Terror der Jakobiner.

Nachdem in der ersten Stunde die Krise des Ancient Regime umfassend beleuchtet wurde und der Fokus auf dem gesellschaftlichen Aufbau Frankreichs zum Ende des 18. Jahrhunderts lag, ging es in der zweiten und dritte Stunde um die revolutionären Ereignisse in der Stadt, auf dem Land und der sogenannten Verfassungsrevolution. Diese Dreiteilung der Revolution orientiert sich an den inhaltlichen Aspekten des Lehrplans[10] und dient der Verdeutlichung der Vielschichtigkeit von Revolutionären Prozessen. Besonders an der Französischen Revolution ist, dass sie gekennzeichnet ist durch parallel verlaufende Ereignisse, die sich gegenseitig bestärken und teilweise verschränken. Die Ideale und Ziele der einzelnen Revolutionsgruppen wurden thematisiert und vor allem die Ziele der Nationalversammlung im Zusammenhang mit dem Ballhausschwur sind den Schülern bekannt. Die vierte Unterrichtseinheit soll in diesem thematischen Zusammenhang also den Höhepunkt der ersten Revolutionsphase darstellen und das Spannungsverhältnis der Menschen- und Bürgerrechte und der Verfassung von 1791 beleuchten. Die verfassungsgeschichtliche Bedeutung dieser beiden Ereignisse ist enorm hoch und ist vor allem in Hinblick auf das Reihenproblemziel von sehr hoher Relevanz. In Hinblick auf die Reihe soll die Stunde vor allem die Problematik der Umsetzung unterschiedlicher Interessen in Form einer Verfassung aufzeigen und deutlich machen, wieso die Revolution nicht mit der Verkündung der Verfassung von 1791 endete. Wichtig in Hinblick auf das Reihenproblemziel ist diese Stunde auch deswegen, weil sich hier exemplarisch zeigen lässt, dass die Revolution nicht nur Bruch mit dem Alten sondern auch der Versuch war, etwas Neues zu schaffen unter Einbezug des Alten. Die Umsetzung der Gewaltenteilung und das Prinzip der Volkssouveränität sind, für die Bewertung der Revolution insgesamt wichtig und stellen wichtige Bausteine moderner Verfassungen dar. Diese Merkmale werde in Hinblick auf die kommenden Problemfelder der Lehrplans interessant und haben eine hohe Relevanz, wenn es um die Beantwortung der Problemfrage geht.

[...]


[1] Aus Gründen der Übersichtlichkeit im weiteren abgekürzt als SuS oder ausgeschrieben als Schüler.

[2] Schulin, Ernst: Die Französische Revolution. München 2004², S. 15.

[3] Schulin, Ernst: Die Französische Revolution. München 20044, S.89.

[4] Lachenicht, Susanne: Die Französische Revolution. Darmstadt 2012, S.3ff.

[5] Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz: Lehrplananpassung Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld. Mainz 2011, S. 17, 50.

[6] Herding, Klaus; Reichardt, Rolf: Die Bildpublizistik der Französischen Revolution. Frankfurt a.M. 1989, S.12.

[7] Ebd., S.12.

[8] Ebd., S.12.

[9] Ebd., S.13.

[10] Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz: Lehrplananpassung Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld. Mainz 2011, S. 17.

Details

Seiten
31
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668074996
ISBN (Buch)
9783668075009
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309129
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Historisches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
Französische Revolution Verfassung 1791 Frankreich Revolution 1789

Autor

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Titel: Die Verfassung von 1791. Entwicklung eines Sach- und Werturteils (Leistungskurs Klasse 12)