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Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen und der „Value of Children“-Ansatz

Hausarbeit 2014 25 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Definition
2.1 Fertilität
2.2 Zusammengefasste Geburtenziffer
2.3 Endgültige Kinderzahl
2.4 Kinderlosigkeit

3 Demografische Befunde und Trends zum Thema Kinderlosigkeit

4 Theoretische Modelle zur Erklärung von Kinderlosigkeit
4.1 Ökonomische Theorie der Fertilität
4.2 Biografische Theorie der Fertilität
4.3 Der Value of Children-Ansatz

5 Der weiterentwickelte VOC-Ansatz und seine Anwendung auf Kinderlosigkeit
5.1 Neukozeptualisierung des Value of Children-Ansatzes
5.2 Der Wert von Kindern im Zusammenhang mit Kinderlosigkeit

6 Empirische Evidenz

7 Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

Abstract

Die hier vorliegende Arbeit möchte die Frage beantworten, warum sich zunehmend immer mehr Akademikerinnen in Westdeutschland gegen Kinder entscheiden. Der Gegenstandsbereich wird zuerst definiert und dann die derzeitigen Trends dazu beschrieben. Daraufhin folgen einige ausgewählte theoretische Modelle zum Thema Kinderlosigkeit. Woraufhin dann der Value of Children-Ansatz versucht wird auf die anfangs formulierte Frage anzuwenden. Zum Schluss folgt die empirische Evidenz anhand unterschiedlicher Studien. Abschließend wird gezeigt, dass die hohe Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen insbesondere durch eine geringere Zuschreibung des emotionalen Wertes gegenüber Kinder bedingt ist.

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Borchardt/Stöbel-Richter 2004:26

„Modell des generativen Verhaltensder VOC-Studien von Hoffman / Hoffman“

Abbildung 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schulze 2009: 103

„Kinder in den sozialen Produktionsfunktionen“

1 Einleitung

Das Thema Fertilität scheint an Aktualität nie zu verlieren und wird zurzeit wieder öfter in der Öffentlichkeit diskutiert. So berichtete das Magazin DER SPIEGEL im Oktober 2014 über das Einfrieren von Eizellen. Demnach sollen Facebook und Apple Ihren Mitarbeiterinnen in den USA ermöglichen die Fruchtbarkeit auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, um sich voll und ganz auf die Karriere zu konzentrieren (Der Spiegel, Facebook und Apple zahlen Frauen das Einfrieren Ihrer Eizellen, 15. Oktober 2014). Auch andere Medien greifen das Thema auf und berichten über das „Social Freezing“ (Zeit online, Sozial Freezing: Der eingefrorene Lebensentwurf, 20. Oktober 2014; Faz.net, 24. Oktober 2014, In Empörung vereint: Faz.net, 06.November 2014 Social:Freezing: Der Fetisch mit den Frischzellen). Daraus geht hervor, dass diese Angebote gezielt eingesetzt werden, um mehr Frauen in die IT-Branche zu bringen und ihnen möglichst attraktive Bedingungen anzubieten. Denn dass Frauen oftmals vor dem Problem Kind oder Karriere stehen, ist schon lange bekannt. So zeigen Akademikerinnen oftmals einen Trend zu späteren Geburten, oder bleiben im Vergleich zu anderen Frauen in ihrem Alter überdurchschnittlich oft kinderlos (vgl. Wirth/Dümmler ISI 32, 2004: 1 ff., vgl. Schaeper 2007: 137). Bezogen auf Westdeutschland, zeigt sich im Mikrozensus 2008, dass 31% der hochgebildeten Frauen kinderlos bleiben, im Gegensatz dazu sind es bei Frauen mit mittlerer Bildung 22% und bei Frauen mit niedriger Bildung 14% (vgl. Peuckert 2012: 256).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen. Insbesondere soll der Frage nachgegangen werden: Warum entscheiden sich zunehmend immer mehr Akademikerinnen in Westdeutschland gegen Kinder?

Nach der Einleitung in das Thema wird im zweiten Kapitel versucht eine Definition für Fertilität und insbesondere Kinderlosigkeit zu geben. Kapitel drei beschreibt den gegenwärtigen Trend in Westdeutschland und gibt aktuelle Kennzahlen zum Thema. Im vierten Kapitel wird ein kurzer Überblick über gegenwärtige Erklärungsansätze gegeben. Aufgrund der Kürze der Arbeit werden hier nur die relevantesten Theorien wie die Opportunitätskostentheorie, die biografische Theorie und den Value Of Children-Ansatz dargestellt. In Kapitel fünf wird daraufhin näher auf den VOC-Ansatz als zentralen Erklärungsansatz eingegangen. Im sechsten Kapitel folgt eine empirische Fundierung der vorangegangen Überlegungen. Zu allerletzt beinhaltet die Arbeit ein zusammenführendes Fazit.

2 Definition

Das folgende Kapitel soll einen gemeinsamen Wissensrahmen zur Thematik schaffen indem alle für das Thema relevanten Begriffe vorab definiert werden.

2.1 Fertilität

„Zahl der Kinder, die eine Person, eine Gruppe von Personen oder eine ganze Bevölkerung im Lebenslauf oder in einer bestimmten Zeitperiode hervorbringt“1. Fertilität wird in unterschiedlichen Maßen angegeben, wobei folgend nur die zwei am häufigsten verwendete aufgeführt werden.

2.2 Zusammengefasste Geburtenziffer

Die zusammengefasste Geburtenziffer wird auch als Total Fertility Rate, kurz: TFR, bezeichnet und bezieht sich auf ein Kalenderjahr. Hier werden alle Frauen zwischen 15 und 49 Jahren betrachtet und ein durchschnittliches Geburtenverhalten errechnet. Die TRF für Deutschland lag im Jahr 2012 bei 1,378. Theoretisch bedeutet es folgendes: Wäre das Geburtsverhalten der Frauen in ihren 35 gebärfähigen Jahren zwischen ihrem 15. Und 49. Geburtstag so wie das durchschnittliche Geburtenverhalten der Frauen im Jahr 2010, so würden sie im Durchschnitt 1,39 Kinder in ihrem Leben bekommen.

Die TRF ist also ein Schätzwert für die durchschnittliche Anzahl an Kindern, die eine Frau in ihrem Leben bekommen wird. Ebenso ist sie die am häufigsten benutzte Kennzahl, um das aktuelle Geburtenniveau zu beschreiben, da sie schnell verfügbar ist (vgl. BiB 2015, Peuckert 2012: 170, destatis 2015).

2.3 Endgültige Kinderzahl

Die endgültige Kinderzahl wird auch Kohortenfertilität oder CFR – Cohort Fertility Rate bezeichnet, da sie die tatsächlichen Geburtenziffern eines bestimmten Geburtsjahrganges (einer Kohorte) wiedergibt. Hier wird betrachtet, wie viele Kinder eine Frauenkohorte tatsächlich im Laufe Ihres Lebens durchschnittlich geboren haben. Dieses Maß kann allerdings erst ermittelt werden, wenn ein Frauenjahrgang das Alter von 45 bzw. 49 Jahren erreicht hat und keine Kinder mehr bekommen kann. Für den Jahrgang 1963 liegt die endgültige Kinderzahl bei 1,588 Kindern je Frau (vgl. BiB 2015a, Peuckert 2012: 173, destatis 2015).

2.4 Kinderlosigkeit

Kinderlosigkeit kann verschiedene Ursachen und Formen haben. Peuckert zufolge gelten Männer und Frauen als kinderlos, die nie leibliche Eltern geworden sind. Da Kinderlosigkeit sowohl gewollt, als auch ungewollt sein kann, soll es in der vorliegenden Arbeit nur um die gewollte Kinderlosigkeit gehen. Unter ungewollter Kinderlosigkeit ist nur die biologisch bedingte Unfruchtbarkeit zu verstehen. Eine klare Trennung ist allerdings schwierig, da Fruchtbarkeit vom Alter abhängig ist und eine Unfruchtbarkeit oftmals erst im Falle eines Kinderwunsches bemerkt wird. Gewollte Kinderlosigkeit kann nochmals differenziert werden in zeitlich befristet oder lebenslang, wobei diese vom Ersteren zum Letzteren umschlagen kann (vgl. Peuckert 2012: 249, Kreyenfeld/Konietzka 2007: 15).

3 Demografische Befunde und Trends zum Thema Kinderlosigkeit

Sowohl Peuckert als auch Konietzka & Kreyenfeld weisen darauf hin, dass Kinderlosigkeit kein neues Phänomen ist. Denn bereits die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geborenen Frauen blieben zu 26% kinderlos. Diese Geburtsjahrgänge haben allerdings ihre fruchtbaren Jahre unter schwierigen Bedingungen, wie der Weltwirtschaftskrise und dem ersten Weltkrieg durchlebt. Einen Rückgang der Kinderlosigkeit gab es erst wieder mit den Geburtsjahrgängen der 1930er Jahre. Als Grund für den Rückgang wird oftmals die positive Wirtschaftsentwicklung nach dem zweiten Weltkrieg genannt. Die niedrige Kinderlosigkeit hielt allerdings nicht lange an, denn bereits für den westdeutschen Geburtsjahrgang 1960 wird mit circa 20% im europäischen Vergleich, der höchste Anteil zeitlebens kinderloser Frauen vermutet (vgl. Peuckert 2012: 249, Kreyenfeld/Konietzka 2007: 13 ff, BiB 2015b).

Interessant dabei ist, dass es erhebliche Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland gibt. In Ostdeutschland schwankte die Kinderlosigkeit für die Jahrgänge 1937 bis 1962 zwischen sieben und acht Prozent und hat sich dann erst für die Jahrgänge 1963-1967 auf 11% und dann auf 15% für die Jahrgänge 1968-1972 erhöht. Wohingegen die Kinderlosigkeit für Westdeutschland schon für die Jahrgänge 1937-1942 bei 12% lag und sich im Laufe der Zeit kontinuierlich erhöhte. So liegt diese für die Jahrgänge 1968-1972 bereits bei 23% (vgl. BiB 2015b). Wichtige Faktoren die mit Kinderlosigkeit im Zusammenhang stehen, sind beispielsweise die Lebensform, die Einkommenssituation und das Bildungsniveau. Insbesondere das Bildungsniveau ist in Westdeutschland eine wichtige Determinante. So konnte für die Kohorten 1964-1968 folgendes ermittelt werden: für Westdeutschland (ohne Berlin) 31% der Frauen mit hoher Bildung kinderlos, 22% mit mittlerer Bildung und 14% mit niedriger Bildung. Für Ostdeutschland (ohne Berlin) sind 11% der Frauen mit hoher Bildung kinderlos und 9% mit mittlerer Bildung (der Wert für Frauen mit niedriger Bildung kann hier nicht berücksichtigt werden, da dieser vermutlich nicht repräsentativ ist). Insgesamt weisen Frauen in Westdeutschland eine höhere Kinderlosigkeit als in Ostdeutschland auf und dort insbesondere, wenn sie über ein hohes Bildungsniveau verfügen (vgl. Peuckert 2012: 256, Schulze 2009: 33ff, BiB 2015b). Deutschland hat nicht nur einen hohen Anteil kinderlose Frauen, auch die Kinderzahl pro Frau sank in dieser Zeit zunehmend. Die Kohortenfertilität für den Jahrgang 1930 betrug für Gesamtdeutschland 2,121 Kinder pro Frau, 1940 waren es bereits 1,977 Kinder pro Frau, 1950 1,724 Kinder pro Frau und 1968 lediglich 1,49 Kinder pro Frau (vgl. destatis 2015a, Stock et al. 2012:170 ff). Und auch hier gibt es einen Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland. Die CFR für den Geburtsjahrgang 1940 lag noch sehr nah beieinander, in Westdeutschland bei 1,971 Kinder pro Frau und in Ostdeutschland bei 1,976. In den Jahren darauf war die CFR in Ostdeutschland immer etwas höher als in Westdeutschland, für den Jahrgang 1963 lag diese in Westdeutschland bei 1,543 und in Ostdeutschland bei 1,679 Kinder pro Frau (vgl. destatis 2015a).

Die Gründe für das veränderte reproduktive Verhalten sind vielzählig. Unter anderem werden hier die individualistische Einstellung genannt, der kulturelle Wandel, die Bildungsemanzipation der Frau, der wachsende Wohlstand und zugleich die ökonomische Unsicherheit (vgl. Kreyenfeld/Konietzka 2007: 14, Hülskamp 2005: 9). Da dies ein sehr umfassendes Thema ist, werden im Folgenden nur Gründe behandelt die direkt mit der Kinderlosigkeit von Akademikerinnen im Zusammenhang stehen.

Als Erstes ist hier die Bildungsemanzipation der Frau zu nennen. Diese hat dazu beigetragen, dass mittlerweile mehr Frauen als Männer studieren und mit einer hohen Qualifikation auf den Markt strömen (vgl. Hülskamp 2005: 9). Die dadurch bedingte lange Ausbildungszeit, ist der Grund warum Akademikerinnen die Geburt eines Kindes aufschieben. Diese aufgeschobenen Geburten können meistens nicht mehr im vollen Umfang nachgeholt werden, da die fertile Lebensphase sich stark verkürzt. Oftmals müssen die Frauen gänzlich auf Kinder verzichten, da sie zu lange gewartet haben und keine Kinder mehr bekommen können oder sich zwischen Kind und Karriere für das Letztere entschieden haben. Frauen haben ein neues Selbstverständnis entwickelt, indem sie nicht nur Mütter sind, sondern auch Arbeitnehmerinnen. (vgl. BiB 2015b, Onnen-Isemann 2005: 142, Borchardt/Stöbel-Richter 2004: 8, Hülskamp 2005: 10). Insbesondere mit dem Verfall der traditionellen Frauenrolle bekommen Frauen zunehmend vermittelt, dass eine Selbstverwirklichung nur über die Erwerbsarbeit und das Erreichen von ambitionierten beruflichen Zielen gelingt. In der Arbeit und über die Arbeit erlangen sie Anerkennung, Selbstverwirklichung und eine soziale Identität (vgl. Peuckert 2012: 262, Willke 1999: 14, 33, Buchmayr 2006: 133).

Einer Selbstverwirklichung scheint Umfragen nach ein Kind oftmals im Wege zu stehen. In der Forsa-Umfrage „Leben mit und ohne Kinder?“ vom Okt./Nov. 2010, gaben 79% der 30-34 jährigen Kinderlosen an, „dass man gern unabhängig und nicht an ein Kind gebunden sein möchte“, oder „dass man sich finanziell nicht einschränken möchte“ (64 %). Auch in der Population Policy Acceptance Study (PPAS) von 2003 gaben 60 % der kinderlosen Frauen und 52 % der kinderlosen Männer zwischen 20 und 44 Jahren an „Ich könnte mein Leben nicht mehr so genießen wie bisher“, hätte eine sehr große Bedeutung im Gegensatz zu 23 % der Frauen und 26 % der Männer mit Kindern. Auch befürchten knapp 50% der Männer und Frauen ohne Kind, sie „müssten Freizeitinteressen aufgeben“. Wohingegen nur circa 20% der Männer und Frauen mit Kind dieses befürchten (vgl. Peuckert 2012: 261 ff).

[...]


1 http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/438/fertilitaet-v7.html

Details

Seiten
25
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656953050
ISBN (Buch)
9783656953067
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v298917
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Institut für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
kinderlosigkeit akademikerinnen value children

Autor

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