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Sensibilisierung und Kommunikation. Aggressions- und Gewaltprävention in der 1. Klasse Volksschule

Kinder werden Streitschlichter

Projektarbeit 2007 60 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhalt

1. Elternabend

2. Wir lernen einander kennen
2.1.1. Wir suchen uns alle einen neuen Namen!
2.1.2. Ich stelle mich vor!
2.1.3. Mein rechter, rechter Platz ist leer!
2.1.4. Wer sitzt wo?
2.2. Reflexion

3. Sensibilisierung/Wahrnehmung

3.1.1. Riechen
3.1.2. Reflexion
3.2.1. Schmecken
3.2.2. Reflexion
3.3.1. Hören
3.3.2. Reflexion
3.4.1. Fühlen
3.4.2. Reflexion

4. Aktiv zuhören
4.1.1. Lernwort „streiten“
4.1.2. Reflexion
4.2.1. Bau mal so wie ich!
4.2.2. Reflexion
4.3.1. Mal mal so wie ich!
4.3.2. Reflexion

5. Auf einander achten
5.1.1. Wir suchen uns einen Gruppennamen!
5.1.2. Gemeinsame Auswertung und Reflexion mit der Klasse
5.1.3. Reflexion
5.2.1. Turmbau
5.2.2. Reflexion mit der Klasse
5.2.3. Reflexion
5.3.1. Schlüsseldieb
5.3.2. Reflexion
5.4.2. Reflexion
5.5.1. Hindernislauf (Turnsaal)
5.5.2. Reflexion mit der Klasse

6. Gruppengefühl entwickeln
6.1.1. Mein bester Freund/meine beste Freundin
6.1.2. Reflexion
6.2.1. Hausschuhsalat
6.2.2. Reflexion

7. Pantomime und Rollenspiel
7.1.1. Wer kann das?
7.1.2. Was tue ich?
7.1.3. Reflexion
7.2.1. Königsaudienz
7.2.2. Reflexion mit der Klasse

8. Kunterbunter Tag
8.1.1. Lernwort „berühren“
8.1.2. Reflexion
8.2.1. Spontanes Schauspiel
8.2.2. Reflexion mit der Klasse
8.3.1. „Ich bin ich und du bist du“
8.3.2. Reflexion

9. Ein gemeinsames Ziel
9.1.1. Ein Wappen
9.1.2. Reflexion mit der Klasse

10. Gefühle ausdrücken/Persönlichkeitsentwicklung
10.1.1. Haus der Stille (Turnsaal)
10.1.2. Reflexion
10.2.1. Besuch von Kindern meiner ehemaligen 4.Klasse
10.2.2. Reflexion

11. Ich-/Du-Botschaften
11.1. 1. Ich-/Du-Botschaften-Paare
11.1.2. Reflexion
11.2.1. Strahlende Sonne/Spiegelnder Mond
11.2.2. Reflexion mit der Klasse

12. Wir werden Streitschlichter
12.1.1. Streitteppich
12.1.2. Lösungen und Reflexion mit der Klasse

13. Abschluss des Projekts
13.1.1. Schriftliche Wiederholung und anschließendes Überreichen einer Urkunde
13.1.2. Reflexion

14. Feedback und Fragen

Verwendete Literatur im Projekt

1. Elternabend

Um ein solches Projekt in der Klasse zu starten, bedarf es unbedingt einer umfassenden Information der Eltern.

Wien, am 29. 3. 2007

Liebe Eltern!

Ich möchte Sie am Dienstag, den 17. 4. 2007 um 19.00 Uhr zu einem Elternabend in der Klasse 1.B einladen.

Da ich derzeit eine Ausbildung zum Mediator mache, möchte ich in der Klasse einige Aktivitäten zu Aggressions- und Gewalt-Prävention setzen. Keine Angst, es geht hier um Prävention, also um Vorsorgemaßnahmen und keineswegs um Bekämpfung bestehender Konfliktsituationen, da es in unserer Klasse solche nicht gibt. Vielmehr sollen die Kinder lernen, ihre Konflikte selbst und friedlich zu lösen.

Daher möchte ich Ihnen diese Thematik gerne näher bringen.

Ich würde gerne Für die ganze Klasse Füllfedern besorgen!

Eine Lamy ABC kostet pro Stück € 10,71.- (statt € 11,90.-), wenn ich 26 bestellen würde. Es ist nur ein Vorschlag, kein Muss! Weitere Infos am Elternabend.

Ich freue mich schon jetzt auf Ihr Kommen!

Mit lieben Grüßen,

Ihr VL Kath

Als Einstieg in den Elternabend wählte ich einen Klassiker! Die Geschichte mit der Orange. Folgende Problemstellung:

Zwei Kinder streiten sich um ein Orange. Ich legte also eine Orange auf und bat nun die Elternrunde eine Lösung zu finden. Tatsächlich bat ein Elternteil, wie angenommen, um ein Messer und teilte das Obst in der Mitte auseinander. Jetzt erzählte ich aber, dass die Kinder noch immer traurig wären. Warum? Das eine wollte das Fruchtfleisch essen, das andere brauchte aber nur die Schale zum Backen. Hätte man vor dem Teilen gefragt, so hätte man die Orange optimal nutzen können – also eine WIN – WIN – Situation.

Jetzt folgten die allgemeinen Definitionen über die Mediation nach Proksch, Haynes und Metzger:

Definition nach Proksch: Mediation ist ein freiwilliger, vom Gericht unabhängiger Prozess, in dem die Beteiligten übereinkommen, unter dem Beistand eines neutralen und unparteiischen Vermittlers ihre grundsätzlichen Standpunkte auszutauschen, ihre Konfliktpunkte offen zu legen, zu strukturieren, mit dem Ziel, im gemeinsamen Gespräch Alternativen und Optionen zu erarbeiten und schließlich zu einem einvernehmlichen eigenverantwortlichen Ergebnis zu kommen.

Definition nach Haynes: Mediation ist ein Verfahren, bei dem eine neutrale dritte Person die Beteiligten darin unterstützt, die zwischen ihnen bestehenden Konflikte durch Verhandlungen einvernehmlich zu lösen. Mediation ist ein zielgerichteter, problemlösender Prozess, in dem die Konfliktpartner eine Vereinbarung aushandeln sollen, die die Probleme in einer für alle annehmbaren Weise löst.

Definition nach Metzger: Mediation ist eine besondere Art der gewaltfreien Konfliktbearbeitung, bei der eine oder mehrere Vertrauensperson/en zwischen den Konfliktparteien vermitteln. Durch die Mediation werden die Parteien in ihrer Dialogfähigkeit und Autonomie bestärkt, sodass sie als wahre Experten des vorliegenden Konfliktes ihre einzigartige Fähigkeit zur Beilegung ihres Streites umsetzen können

Zur Auflockerung ließ ich die Eltern das „Ballnetz“ spielen. Die Spieler stehen im Kreis. Der Ball wird in einer bestimmten Reihenfolge geworfen und gefangen. Diese muss sich jeder/jede merken. Dies wird durch Hinzufügen von weiteren Bällen (bis zu drei) erschwert.

Die Bedürfnispyramide nach Maslow wurde den Eltern ebenfalls näher gebracht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beim „Donauwalzerklatschen“ handelt es sich um ein gruppendynamisches Spiel, welches optimal Wahrnehmung und Sensibilisierung trainiert. Jeder Ton (also die Rhythmik) wird geklatscht. Jeder Teilnehmer klatscht jedoch nur einen Ton, egal ob dieser einen kurzen oder langen Notenwert hat.

„Streiten ja, aber richtig!“, heißt das Motto. Hier erklärte ich kurz die Aufbaustufen des Projektes mit seinen Phasen (siehe Überschriften der einzelnen Kapitel).

Zum Abschluss „quälte“ ich die Eltern mit dem so genannten „Spiegeln“. Paarweise stellen sich zwei Personen gegenüber, wobei einer mit der Hand Bewegungen vorgibt, die das Gegenüber als „Spiegel“ mitmachen muss.

Nach diesem sehr erfolgreichen Elternabend gingen wir „fast“ geschlossen auf ein Gläschen Wein.

Mit der richtigen Mischung aus Praxis und Theorie können auch Elternabende „gewonnen“ werden. Die Eltern waren Feuer und Flamme für das Projekt.

2. Wir lernen einander kennen

2.1.1. Wir suchen uns alle einen neuen Namen!

Damit ich das Projekt mitdokumentieren konnte, brauchte ich fiktive Namen für die Kinder, damit es authentisch blieb. Hiezu gab ich jedem Kind ein Kärtchen, worauf es auf der einen Seite seinen tatsächlichen Namen schrieb und auf der anderen Seite seinen neu ausgesuchten. Es war von mir vorgegeben, dass sich niemand einen schon in der Klasse vorhandenen Namen wählen sollte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2. Ich stelle mich vor!

Die Kinder beschrieben sich als andere Personen mit dem neuen Namen. Als diese Person durften sie sowohl wahre Dinge ihre Person betreffend schreiben bzw. zeichnen, als auch Erfundenes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.3. Mein rechter, rechter Platz ist leer!

Die Kinder sitzen mit ihren Sesseln im Sitzkreis, wobei ein Stuhl frei bleibt. Die Person, die links neben dem Sessel sitzt wünscht sich einen Nachbarn mir den Worten „Mein rechter, rechter Platz ist leer, da wünsch` ich mir den/die her!“. Dieses Spiel wurde bereits mit den neuen Namen erfolgreich gespielt.

2.1.4. Wer sitzt wo?

Die Namensschildchen mit neu gewähltem Namen wurden eingesammelt und auf dem Rundteppich aufgelegt. Jedes Kind nahm sich ein Schildchen (nicht seines)und setzte sich mit seinem Sessel auf den Platz jener Person, deren Namenskärtchen es gezogen hatte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Reflexion

Es ist bemerkenswert, dass sich die Kinder nach kürzester Zeit mit ihrem neuen Namen nannten und sich diese sehr schnell eingeprägt hatten. Man konnte auch beobachten, dass Schüler, die früher eher ruhiger und verschlossener waren, plötzlich mehr aus sich herausgingen.

Der einzige, der sich die neuen Namen nicht auf Anhieb merken konnte, war natürlich ich. Darum wurde nun den Kindern, selbstverständlich auch meiner Teamlehrerin und mir, jeden Tag ein Namensschildchen mit dem gewählten Namen an die Brust geklebt.

3. Sensibilisierung/Wahrnehmung

Hier geht es um die Thematik der Sinneswahrnehmungen, die in Form kleiner Experimente und Spiele den Kindern bewusst gemacht werden sollen.

3.1.1. Riechen

27 Filmdosen wurden mit 9 verschiedenen „Gerüchen“ gefüllt. Die Kinder mit den gleichen Geruchsdosen sollten sich nun durch gegenseitiges Riechen und auch darüber Sprechen finden (8 Dreier-Gruppen und eine Zweier-Gruppe). Danach ging es daran, die Gerüche zu beschreiben und anschließend passende Adjektive zu finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2. Reflexion

Der erste Teil der Aufgabe wurde von den Kindern bravourös gemeistert. Die Gerüche passend zu beschreiben, ist für eine 1. Klasse doch noch zu schwer. Ein Beispiel: Eine Dose war mit Kümmel gefüllt. „Wonach riecht eure Dose?“ Die Gruppe antwortete: „Na nach Kümmel!“ Erst mit viel Unterstützung fanden wir dann auch wirklich die passenden Adjektive zu unseren Gerüchen. Das war eine etwas zähe Aufgabe.

3.2.1. Schmecken

9 Becher wurden mit Zuckerwasser, 9 mit leicht gesalzenem und 8 mit reinem Wasser gefüllt. Der Arbeitsauftrag lautete: „Koste und finde deine Gruppe, ohne jedoch zu sprechen! Schau dem anderen ins Gesicht, was sagt es dir?“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Details

Seiten
60
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656946090
ISBN (Buch)
9783656946106
Dateigröße
3.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293557
Schlagworte
sensibilisierung kommunikation aggressions- gewaltprävention klasse volksschule kinder streitschlichter

Autor

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Titel: Sensibilisierung und Kommunikation. Aggressions- und Gewaltprävention in der 1. Klasse Volksschule