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Wortschatzgröße versus lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit. Eine psycholinguistische Studie

Bachelorarbeit 2014 50 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Danksagung

III. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Modelle der Worterkennung
2.1 Das Interaktive Aktivierungsmodell
2.2 Zwei-Wege-Modell
2.3 TRACE Modell

3. Fragestellungen und Hypothesen

4. Methoden
4.1 Versuchspersonen und Kontaktaufnahme
4.2 Material
4.3 Durchführung
4.4 Experimentelles Design
4.5 Datenaufbereitung

5. Resultate
5.1 Auswertung des Wortschatztests
5.2 Auswertung der lexikalischen Entscheidungsaufgabe
5.2.1 Fehlerquote
5.2.2 Reaktionszeiten
5.2.3 Hypothese 1: Einfluss auf die Zugriffsgeschwindigkeit
5.2.4 Hypothese 2: Einfluss auf den Effekt der Frequenz
5.2.5 Einfluss der Wortschatzgröße auf die Fehlerquote im der lexikalischen Entscheidungsaufgabe

6. Diskussion und Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1 Wortschatztest Ergebnisse
8.2 Lexical Decision Task
8.2.1. Start- und Endbildschirm und Instruktionen
8.2.2 Tabelle der verwendeten Items
8.2.3. Reaktionszeiten VP in ms
8.2.4 Trefferquote der VP in %
8.2.5 Reaktionszeit in ms für Items
8.2.6. Trefferquote der Items in %
8.2.7. Korrelationstabelle Hypothese 1 und 2 (logarithmierte Daten)

I. Danksagung

Zunächst möchte ich mich an dieser Stelle bei all denjenigen bedanken, die mich während der Anfertigung der Bachelorarbeit unterstützt und motiviert haben. Auch, wenn die Bachelorarbeit einen relativ kleinen Umfang hat, bedeutet mir jede noch so kleine Unterstützung sehr viel.

Ganz besonders gilt dieser Dank Frau Prof. Dr. Rebecca Carroll, die meine Arbeit und somit auch mich betreut hat. Vielen Dank für Ihre unschlagbare Hilfsbereitschaft, auf die ich immer wieder zurückgreifen konnte sowie für die Zeit und Mühe, die Sie für mich aufbrachte.

Selbstverständlich möchte ich mich auch bei Herrn Prof. Dr. Wildgens bedanken, der ohne zu zögern den Platz als Erstprüfer übernahm und es mir somit ermöglichte, dieses Wunschthema für meine Bachelorarbeit durchsetzen zu können.

Daneben gilt mein Dank meinen lieben Freunden, die zahlreich zu meinem Experiment erschienen sind und darüber hinaus mich in so mancher Form unterstützten. Natürlich sei hier auch Marten gedankt, der mich zwischenzeitlich mit Rat, Aufmunterungen sowie einem offenen Ohr immer wieder stärken konnte.

Nicht zuletzt gebührt aber auch vor allem meinen Eltern Dank, da Sie während des kompletten Studiums immer für mich da waren und mir alles ermöglichten.

III. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1 Ausschnitt aus dem Interaktiven Aktivierungsnetzwerk der visuellen Worterkennung

Abbildung 2 Dual-route model of word reading.

Abbildung 3 Streudiagramm mit Ausgleichsgraph der Korrelation von Wortschatzgröße und Bildungsabschluss

Abbildung 4 Streudiagramm mit Ausgleichsgraph der Korrelation von Wortschatzgröße und Alter

Abbildung 5 Gemittelte Reaktionszeit der Versuchspersonen 3, 4, 5 mit Fehlerbalken der RT

Abbildung 6 Gemittelte RT der VP mit Fehlerbalken für W1, W2, PW

Abbildung 7 Gemittelte Reaktionszeit mit Fehlerbalken der Itemgruppen W1,W2, PW

Abbildung 8 Streudiagramm mit Ausgleichsgraph über den Effekt der Wortschatzgröße

Abbildung 9 Streudiagramm mit Ausgleichsgraph über den Einfluss der Wortschatzgröße auf den Frequenzeffekt der lexikalischen Zugriffsgeschwindigkeit

Abbildung 10 Streudiagramm mit Ausgleichsgraph der Korrelationen von Trefferquote W1,W2,PW und WSTz

Abbildung 11 Streudiagramm mit Ausgleichsgraph der Korrelationen von Trefferquote W2 und WST

Tabelle 1 Übersicht der Ein- und Ausschlusskriterien der Studie

Tabelle 2 Sechs Beispiele für die ausgewählten Nomen (je drei pro Kategorie )

Tabelle 3 Sechs Beispiele für die präsentierten Pseudowörter

Tabelle 4 Reaktionszeiten der Probanden in ms

Tabelle 5 gemittelte RT der einzelnen Items

1. Einleitung

Die große Anzahl von Wörtern, die ein Mensch kennt, und die Schnelligkeit, mit der sie abgerufen werden kann, deuten auf die Existenz eines perfekt organisierten mentalen Lexikons hin. (Aitchison, 1997)

Die Frage wie das mentale Lexikon aufgebaut ist, beschäftigt Psycholinguisten schon seit langer Zeit. Bis heute sind sie sich nicht über dessen Organisation einig. Dass allerdings Wörter im mentalen Lexikon gespeichert werden, ist unumstritten. Die Form und Organisation interner Repräsentationen von Wörtern ist aber sehr unterschiedlich und vielfältig. Sie können nach Klangmustern, Wortformen, Wortarten, Bedeutungen und nicht zuletzt nach Merkmalen abgespeichert sein. Das mentale Lexikon erfüllt, oberflächlich gesehen, drei unterschiedliche Aufgaben. Es muss Wörter erkennen, produzieren und schließlich Zugriff auf bereits gespeicherte Informationen ermöglichen können (Aitchison, 1997, S. 13). Dabei ist der enge Zusammenhang von Leseprozess und Wortschatz ein Phänomen, das in zahlreichen Untersuchungen erwidert worden ist (z.B. (Graves, 1989) oder (Valtin, 1981)). Diese Untersuchungen lassen allerdings offen, ob auch ein begründeter Zusammenhang zwischen Wortschatz und Worterkennung besteht und wie dieser Zusammenhang beschaffen sein könnte. Eindeutig ist aber, dass der lexikalische Zugriff unter anderem vom Wortschatz abhängt (Streblow, 2004). Wortschatz und Leseprozess stehen in einem engen Verhältnis und beeinflussen sich. Denn neue Wörter zum Beispiel werden nicht über den lexikalischen Zugriff verarbeitet, da auf keine bereits vorhandene Information zurückgegriffen werden kann (Artelt, 2007, S. 15).

Es gibt unzählige Modelle zur Worterkennung, die unterschieden werden in visuelle und auditive Worterkennung. Diese Arbeit legt ihren Schwerpunkt auf die visuelle Worterkennung, wobei ein auditives Worterkennungsmodell zum Vergleich vorgestellt wird. Kognitive Modelle der (visuellen) Worterkennung bilden mentale Prozesse bei der Rezeption von Sprache. In der neuro- und psycholinguistischen Literatur werden hierarchisch-serielle von konnektionistischen Modellen der Sprachverarbeitung unterschieden (für einen Überblick: (Nickels & Howard, 2000)).

Serielle Modelle zeichnen sich durch selbständige Verarbeitungseinheiten und Verbindungsrouten aus, die unabhängig voneinander sind. Der Informationsfluss verläuft strikt seriell, d.h. alle Verarbeitungsschritte erfolgen nacheinander. Die Verarbeitung auf einer Ebene muss zuerst abgeschlossen sein, bevor weitere Verarbeitungen auf anderen Ebenen erfolgen können. Der Aktivierungsfluss verläuft nur in eine Richtung. Eine parallele Informationsverarbeitung oder der Fluss von Informationen zurück auf eine frühere Ebene ist ausgeschlossen (Forster, 1989, S. 78). Im Gegensatz dazu bestehen konnektionistische Modelle aus netzwerkartigen Verbindungen zwischen verschiedenen Verarbeitungseinheiten, in denen sich Aktivierung parallel ausbreiten kann. Neben der parallelen Informationsverarbeitung erlaubt die Struktur des konnektionistischen Modells, dass sich Komponenten des Systems gegenseitig beeinflussen können. Diese Modelle werden zusätzlich noch in interaktive und Kaskaden-Modelle unterteilt. In interaktiven Modellen ist auch ein Fluss von Aktivierung zurück auf frühere Ebenen ("feedback") vorgesehen (Forster, 1989, S. 83).

Mit der vorliegenden Arbeit soll ein Beitrag zu der Diskussion über den Zusammenhang von Wortfrequenz und lexikalischer Zugriffsgeschwindigkeit geleistet werden, wobei der Aspekt Wortschatzgröße eine wichtige Rolle spielen soll, da dieser in der psycholinguistischen Literatur bislang noch nicht ausführlich berücksichtigt wurde. Mit Hilfe von Methoden der experimentellen Psycholinguistik und Psychologie soll diese Arbeit Mechanismen der Worterkennung und –verarbeitung aufzeigen und somit zu einem besseren Verständnis der Arbeitsweise des mentalen Lexikons beitragen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht also die Frage, welchen Einfluss die Wortschatzgröße auf die lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit hat.

Die Arbeit gliedert sich ein themenspezifisch-theoretisches Kapitel (Kapitel 3), in empirische Kapitel (Kapitel 5 und 6) und in eine allgemeine Diskussion bzw. Interpretation der Ergebnisse (Kapitel 7). Im dritten Kapitel sollen Modelle der (visuellen) Worterkennung beschrieben werden, die auch heute noch eine wichtige Rolle in diesem Thema spielen. Der theoretische Teil wird dann abgeschlossen und die Fragestellung, die im Rahmen dieser Arbeit und der Studie beantwortet werden soll, vorgestellt. Das fünfte und sechste Kapitel stellen den empirischen Teil der Bachelorarbeit dar. Es wird der Versuchsaufbau, die Versuchsdurchführung sowie die Resultate der Studie beschrieben. Die Arbeit schließt mit einer Diskussion und Interpretation der Ergebnisse vor dem Hintergrund der Fragestellung sowie aktuelle Befunde auf der Forschung ab.

2. Modelle der Worterkennung

2.1 Das Interaktive Aktivierungsmodell

McClelland und Rumelhart etwickelten 1981 das interaktive Aktivierungsmodell (IA). Dieses Modell wird als der Grundstein von allen folgenden Aktivierungsmodellen angesehen (Harley, S.94) und zeichnet sich durch die Repräsentation der ersten realen Umsetzung von Aktivierungs- und Hemmprozessen aus. Der eigentliche Grund der Entwicklung des interaktiven Aktivierungsmodells war, den Wortüberlegenheitseffekt ("word superiority effect") zu erklären. Der Wortüberlegenheitseffekt bedeutet, dass Buchstaben einfacher und schneller in Wörtern erkannt werden, als wenn sie als „isolierte Buchstaben“ gezeigt werden. Nichtsdestotrotz kann das IA als Bestandteil eines allgemeinen Modells zur Worterkennung angesehen werden (Harley, 1996, S. 95).

Das IA besteht aus vielen Einheiten, die in drei Ebenen angeordnet sind: orthographische Merkmale, Buchstaben und Wörter (vgl. Abbildung 1). Jede Ebene ist an die Ebene geknüpft, die direkt davor und danach kommt, wobei jede dieser Verbindungen entweder aktivierend oder hemmend wirkt. Aktivierend ist eine Verbindung dann, wenn diese richtig ist (zum Beispiel würde der Buchstabe „K“ die Wörter „KATZE“ und „KAUEN“ in der nächst höheren Ebene aktivieren). Hemmend ist eine Verbindung im Gegenzug, wenn es eine falsche Verbindung ist (zum Beispiel würde „K“ die Wörter „TATZE“ und „TAUEN“ in der nächst höheren Ebene hemmen). Des Weiteren sind die Eigenschaften innerhalb derselben Ebene mit einer hemmenden Verbindung aneinander geknüpft, welches das Element der Konkurrenz zur Folge hat (Harley, 1996, S. 95). Der Aufbau des Modells wird in Abbildung 1 veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Ausschnitt aus dem Interaktiven Aktivierungsnetzwerk der visuellen Worterkennung (McClelland & Rumelhart, An interactive activation model of context effects in letter perception: Part 1. An account of the basic findings., 1981, S. 380)

Wenn eine Einheit also aktiviert wird, sendet es Energie oder Aktivierung parallel über die Verbindungen an alle anderen Einheiten, an denen es geknüpft ist. Ist es nun verbunden mit einer aktivierenden Verbindung, verstärkt es die Aktivierung der Einheit am anderen Ende der Verbindung. Wohingegen es eine Verminderung der Aktivierung zur Folge hätte, wenn die Einheit an eine hemmende Verbindung gebunden wäre. Das heißt, dass wenn der Buchstabe „K“ in der Anfangsposition gesehen wird, werden „KATZE“, „KATER“ und „KARTE“ aktiviert, „TANNE“ allerdings gehemmt. Aber weil die Einheiten mit allen anderen Einheiten in derselben Ebene mit hemmenden Verbindungen aneinander geknüpft sind, werden auch die anderen Einheiten gehemmt. Das wiederrum bedeutet, dass wenn der Buchstabe „K“ gesehen wird, sofort Wörter ohne „K“ gehemmt bzw. deaktiviert werden, so wie „TANNE“, „TATZE“ oder „TAUEN“. Weil Aktivierung auch von oben zu den unteren Ebenen gesendet werden kann, werden alle Buchstaben in Wörtern, die mit „K“ beginnen ein wenig aktiviert und sind somit „einfacher zu sehen“ (Harley, 1996, S. 95). Wenn nun die nächsten zwei Buchstaben „A“ und „T“ repräsentiert werden, werden die Wörter „KATZE“ und „KATER“ verstärkt, „KARTE“ dahingegen gehemmt. Wenn als nächster Buchstabe ein „Z“ folgt, wird „KATZE“ wiederrum stärker aktiviert als „KATER“. Mit der Zeit pendelt sich der Zustand der Aktivierung ein und wird zu einer stabilen Verbindung, sodass nur noch „KATZE“ aktiviert bleibt. (Harley, 1996, S. 96).

McClelland und Rumelhart argumentieren, dass ihr Modell zusätzlich auch den Frequenzeffekt beweist, weil die ruhenden Aktivierungsebenen auf der Wortebene von der Frequenz abhängen (Rumelhart & McClelland, 1982). Einmal aktiviert, erreichen die Repräsentationen für hoch frequente Wörter die Aktivierungsschwelle schneller als Repräsentationen für niedrig frequente Wörter. Das Modell kann ebenfalls die Effekte von semantischen Aspekten des Wortes erklären. Im Lexical Decision Task werden auf Wörter, die bildlich vorstellbar sind ("imageable"), schneller reagiert als auf Wörter, die nicht bildlich vorstellbar sind ("nonimageable"). Dieser Effekt hat Auswirkung auf die Wortebene durch "feedback activation" auf Grund von "higher-level input" (also semantischen Informationen) (de Groot, 1989).

2.2 Zwei-Wege-Modell

Die kognitiven Prozesse, die bei der visuellen Worterkennung involviert sind, teilen sich einige charakteristische Merkmale mit den Prozessen, die bei der auditiven Worterkennung einbezogen werden. Beide schließen die Perzeptionseingabe ein und benutzen es, um einzelne Wörter zu erkennen und auf deren Bedeutung zuzugreifen. Jedoch nicht alle Grundlagen der visuellen Worterkennung sind auf die auditive Wortperzeption übertragbar bzw. sind sie es zumindest nicht eins zu eins (Traxler, 2012, S. 390).

Das Zwei-Wege-Modell von Coltheart (1987) geht davon aus, dass es zwei unterschiedliche Verarbeitungswege gibt, über die Wörter weiter verarbeitet werden (Abbildung 2) (Traxler, 2012, S. 391). Coltheart nennt diese Wege die „lexikalische Verarbeitungsroute“ und die „phonologische Verarbeitungsroute“ (Coltheart, Rastle, Perry, Langdon, & Ziegler, 2001). Beide Routen werden parallel aktiviert. Das Ergebnis des Worterkennungsprozesses wird von dem Weg abgegeben, der am leichtesten und somit am schnellsten durchlaufen wird. Welcher dies ist, hängt von den Eigenschaften des Wortes ab. Bekannte und vertraute Wörter werden schneller über die direkte (lexikalische) Route verarbeitet, unbekannte Wörter oder Pseudowörter werden über die indirekte (phonologische) Route gelesen, da sie keinen Lexikoneintrag haben. Vermutlich werden bekannte aber wenig vertraute Wörter auch oft über die phonologische Route am schnellsten verarbeitet (Traxler, 2012, S. 392).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht entha lten

Abbildung 2 Dual-route model of word reading (Coltheart, Rastle, Perry, Langdon, & Ziegler, 2001, S. 213).

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Details

Seiten
50
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668159716
ISBN (Buch)
9783668159723
Dateigröße
860 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v283529
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,8
Schlagworte
Psycholinguistik Linguistik Mentales Lexikon Lexical Access lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit Lexical Decision Task Mental Lexicon lexikalische Entscheidungsaufgabe Wortschatz Wortschatzgröße Sprachwissenschaft Wortschatztest Visual Word Recognition Word Recognition

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Titel: Wortschatzgröße versus lexikalische Zugriffsgeschwindigkeit. Eine psycholinguistische Studie