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Schwierigkeiten beim Erwerb der das/dass-Sätze

Eine kontrastive Darstellung der Konjunktion/Pronomen [das] im Deutschen und dem Englischen [that]

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung der dass -Schreibung

3 Grammatische Struktur der dass- Schreibung
3.1 Der Artikel/Demonstrativum das
3.2 Das Relativum das
3.3 Die dass -Konjunktion - grammatische Aspekt

4 Empirie der dass- Schreibung
4.1 Erklärungsversuche der Fehlschreibung
4.2 Wenn Verwechslung, dann mit dem Demonstrativum
4.3 Nichtkommatierung als Erklärung der Fehlschreibung

5 that -clause im Englischen
5.1 that als Demonstrativum
5.2 that als Relativum

6 Kommasetzung als syntaktische Grenzen vor that

7. Zusammenfassung und Ausblick

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit geht es um die dass Konjunktion sowie um das Pronomen das und welche Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb bei den Lernern vorkommen. Dazu wird eine Übersicht gegeben, über die Entwicklung der dass -Schreibung und warum es überhaupt eine orthographische Unterscheidung zwischen Konjunktion und Pronomen gibt. Im zweiten Teil wird das Pronomen und die Konjunktion that aus dem Englischen kontrastiv dargestellt und die Funktion auch hinsichtlich der Kommatierung untersucht. Es soll veranschaulicht werden, wo Unter- schiede, wo Parallelen zwischen dem Englischen und dem Deutschen sind und wa- rum das Deutsche auch die Besonderheit der Doppelkonsonantenschreibung bei der Konjunktion nicht verzichten möchte

2 Die Entwicklung der dass -Schreibung

Die eigenständigen dass/das -Formen haben sich aus einer ursprünglichen, rein deiktischen Form über verschiedene Grammatikalisierungsschritte gebildet, die dass- Konjunktion stellt die finale „Version“ dar. „Die Unterscheidungsschreibung von Pronomen und Konjunktion ist...eines der ältesten [...] Mittel autonom- graphematischer, leserbezogener Differenzierungen in der deutschen Orthographie.“ (Munske 1993, 411 zit. in Feilke 2011, 345) Die Differenzierung von dass/das kann demnach also als Resümee dieser Entwicklung gesehen werden. Erste Belege einer regelhaften Schreibung sind nach Munske in Texten aus dem Jahr 1341 aufgetaucht und wurde 1607 in Wörterbüchern und Grammatiken aufgenommen. Die ursprüngli- che Schreibung [daz] hat zwischen einer pronominalen und konjunktionalen Funktion unterschieden und sich im Laufe der Jahre einer Verschiebung der Satzgrenzen un- terzogen: „Ich höre das. Er kommt.“, „Ich höre dass, er kommt. (Feilke 2011, 346). Dieser Vorgang der Reanalyse beschreibt das Eingliedern eines zuvor eigenständi- gen Satzes, in einen Nebensatz. Dadurch befindet sich das Wort [das] mitunter in mehrdeutigen Situationen und beinhaltet eine doppelte Lesart, aus der sich das Bedürfnis zur Andersschreibung entwickelte, wodurch es zu einer Doppelkonsonan- tenschreibung bei der Konjunktion dass kam (ebd.). Die syntaktischen, semantischen und pragmatischen Kontexte geben im Weiteren vor, dass es sich um eine konjunk- tionale Schreibweise handelt. Diese Signale muss der Lerner zu lesen wissen und erlernt sie am eingängigsten anhand eins eindeutigen Kontextes, in dem eine nichtkonjunktionale Schreibung, im Idealfall syntaktisch, pragmatisch als auch semantisch ausgeschlossen ist (ebd.).

3 Grammatische Struktur der dass- Schreibung

Wie bereits in Kapitel 1 erwähnt, entsteht die Komplexität der [das] -Sätze aus dem differenzierten Bedeutungsspektrum des Partikels. „Der Phonologische Ausdruck [das] verbindet sich mit vier verschiedenen grammatischen Funktionen zur Form des Artikels, des Relativums, des Demonstrativums und der Konjunktion. In der Schrift, also graphematisch existieren zwei Ausdrucksformen, wobei die Konjunktion durch eine sogenannte Andersschreibung, eine Heterographie gekennzeichnet ist.“ (Feilke 2011, 341)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb.: Feilke 2011 342)

3.1 Der Artikel/Demonstrativum das

Das als Artikel ist wohl diejenige Form von [ das ], welche am offensichtlichsten ist und soll damit hier weniger Beachtung finden, da auch bei der Untersuchung durch Neudeck und Feilke (vgl. Kap 4) mit dem Artikel keine Schwierigkeiten seitens der Schreiber zu verzeichnen waren.

Bei Ahrenholz et. al (2007) wird [ das ] als Sonderfall bezeichnet, für den als neutrales Demonstrativum „zum Teil andere Verwendungsbedingungen als für der und die “ (Ahrenholz 2007, 117) gelten. Oftmals ist keine Übereinstimmung mit dem Numerus und Genus gegeben (Das sind meine Kinder und das ist meine Frau (ebd.)). Auch kann das Demonstrativum sowohl Bezug auf ein Subjekt, als auch auf ein Objekt nehmen (ebd.). Ebenso kann das anaphorisch sowie kataphorisch funktionieren ohne dass über die Entfernung des Sprechers oder Schreibers zum Gegenstand (Kap. 5.1) etwas ausgesagt wird (Duden, 1984, 324).

3.2 Das Relativum das

Als Relativum leitet das einen Relativsatz ein und bildet zusammen mit der und die, die Gruppe der am häufigsten vorkommenden Relativpronomen und wird als Stellvertreter eines Substantives gebraucht (Duden 1984, 331). Des Weiteren kön- nen welcher, welche, welches als Relativum eingesetzt werden. Es wirkt allerdings stilistisch eher kompliziert; ist jedoch hilfreich um bei einer Häufung von Rela- tivsätzen zu variieren oder, um ein Zusammentreffen von Relativum und Artikel zu vermeiden (ebd., 332).

3.3 Die dass -Konjunktion - grammatische Aspekt

Dass ist in der Kategorien der subordinierenden, bedeutungslosen Konjunk- tionen zu verorten. Damit scheint es eine eher undifferenzierte Konjunktion zu sein, die jedoch als Konjunktion der Folge („Es regnete, (so)dass alles nass wurde“) un- verzichtbar ist. Da die Konjunktion dass aber ansonsten semantisch leer sei und im Handbuch der deutschen Sprache als solche abgelehnt werde, finde man auch keine eindeutigen, schulgrammatischen Klassifizierungen des dass als subordinierende Konjunktion (Feilke 2011).

Frequentierter ist die dass- Konjunktion, trotz semantischer Inhaltslosigkeit, genau wie ob und wie, dazu da, einen inhaltlichen Bezug herzustellen und ist dabei überwiegend abhängig vom vorausgehenden Prädikat (Duden, 1984, 380). Die, durch die schulgrammatisch erklärte Klarheit der Verwendungskontexte der Konjunk- tion, lässt einen Blick in die Forschungsliteratur (Feilke 1998, Munske 1993, Neudeck 1983) umgehend erblassen. Denn wie bereits erwähnt handelt es sich bei der Konjunktion um „ein außerordentlich heterogenes und grammatisch diffuses Spek- trum an Konjunktionstypen“ (Feilke 2011, 343), was es dem Lerner erschwert die korrekte Struktur zu finden. Ein Beispiel der syntaktischen Ambiguität soll dies 5 verdeutlichen: „Ich weiß (,?) [das] (,?) dass Lamas spucken“ (Freywald 2008, 269 zit. in Feilke 2011). Hier sind zwei Formen der Schreibung adäquat und grammatikalisch korrekt. Zum einen die konjunktionale „Ich weiß, dass Lamas spucken“ die nach den Regeln des mentalen Verbs, bzw. der Einstellungsäußerung (Kap. 4) ein Komma setzt und den Komplementsatz mit einer Konjunktion einleitet. Die syntaktische Frei- heit erlaubt es zum anderen auch, den Satz in seine Glieder zu teilen „Ich weiß das. Lamas spucken.“ Dadurch verändert die Äußerung sich lediglich auf der syn- taktischen Ebene, der Aussagewert jedoch bleibt bestehen (vgl. ebd.)

4 Empirie der dass- Schreibung

Bevor die Lerner in den Schriftspracherwerb einsteigen ist die mündliche Produktion der dass- Konjunktion bereits abgeschlossen. Der schriftliche Erwerb der Konjunktion setzt jedoch erst ein, wenn die Lerner mit dem Schreiben beginnen. Dies erfolgt zunächst nach der Regel der Graphem-Phonem-Korrespondenz. Der Erwerb erfolgt nach einem Schema A-AB-B und gliedert sich in drei Schritte. Ab dem ersten Schuljahr ist die Konjunktion die häufigste aller das- Formen, dicht gefolgt vom Demonstrativpronomen. Das Relativum spielt so gut wie keine Rolle in den Texten der Schreibanfänger (Neudeck 1983 in Feilke 2011). Die Kontexte, in denen die Konjunktion vorkommt sind überwiegend pragmatische nach dem Schema: 1. Pers. Singular - subjektives Verb des Sagens, Meinens, Fühlens + das- Satz (ebd.). „Die weitere Entwicklung nach Abschluss des Grundschulalters zeigt zunehmend auch unpersönliche Satzsubjekte [wie] Das liegt daran das... “ (Feilke 2011, 348). Eine erste große Untersuchung, durchgeführt von Heidrun Neudeck 1983, zur dass- Schreibung belegt, dass von 4402 dass- Fällen in getesteten Schülertexten des 5., 7., und 9. Schuljahres, 975 falsch geschrieben wurden. Insgesamt 886 und damit 90 % betrafen die Konjunktion. „Das bestätigt auch eine eigene Untersuchung an 200 frei geschriebenen argumentativen Texten des 2. bis 10. Schuljahres: Hier entfielen 96,6 % der Falschschreibung im dass/das -Bereich auf die Schreibung der Konjunktion [...]“ (Feilke 2011, 340).

4.1 Erklärungsversuche der Fehlschreibung

„Die Unterscheidungsschreibung von Pronomen und Konjunktion ist...[sic] eines der ältesten und bis zur Einführung von Fehlerstatistiken auch unange- fochtenes Mittel autonom-graphematischer, leserbezogener Differenzierung in der deutschen Orthographie.“ (Munske 1993a, 411 zit. in Feilke 1998, 6) Umso erstaunli- cher ist es, dass es noch keine weiteren einschlägigen Untersuchungen seit Feilke gibt, die den Fortlauf des Erwerbs dokumentieren. Feilke schlägt vor, dass die dass - Didaktik im Schriftspracherwerb dann erfolgen sollte, wenn die Beherrschung von Kommasetzung und somit dem Erkennen der Konjunktion, abgeschlossen ist. Nach Neudeck (1983), hat sich ergeben, dass Schüler die Konjunktion zwischen dem 4. und dem 6. Schuljahr erwerben und das im 7. Schuljahr fast alle getesteten Perso- nen die dass -Schreibung beherrschten. Auch Studierende wissen, nach einer Um- frage zu 90% die dass -Schreibung korrekt einzusetzen (Feilke 1998, 19). Ein Ansatz zur Erklärung der Fehlschreibung ist die Verwechslung von Rela-tivum und Konjunktion und stütz sich auf die Tatsache, die Probanden anstelle einer dass-Konjunktion häufig das rückverweisende Relativpronomen verwenden (Neudeck 1983). „Dies werde mit der Konjunktion verwechselt, weil es gleichfalls ne- bensatzeinleitend gebraucht werden könne.“ (Feilke 1998, 19)

Diese Verwechslungstheorie sei aber in Frage gestellt, denn es existieren bereits grundlegende Argumente, wieso dieser Fehler nicht auf eine Verwechslung zurückzuführen sein kann. Feilke (1998) postuliert dahingehend, dass nur von einer Verwechslung die Rede sein Könne, wenn es eine Gleichverteilung gibt, sprich die Konjunktion genauso häufig als Relativpronomen eingesetzt würde wie vice versa (vgl. Kap. 4.2).

Es ist offensichtlich, dass die geprüften Schüler gar keine Verwechselung vornehmen können, da das Relativpronomen weiterstgehend absent ist, sprich die Schüler es nicht produzieren und es somit auch nicht mit der Konjunktion verwech- seln können (ebd.). Es sei zudem vollkommen folgewidrig, dass es tatsächlich zu einer Verwechslung kommen kann, denn die Beispielsätze, die aus der Studie hervorgingen lassen keine Relativpronomen zu. „Ich finde das [...], Ich meine das [...]“ schließen grammatikalisch ein Relativpronomen von vorn herein aus, denn es gibt kein Objekt, auf welches sich das das -Komplement beziehen könne.

[...]

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656646310
ISBN (Buch)
9783656646303
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272880
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Germanistik
Note
2.1
Schlagworte
schwierigkeiten erwerb eine darstellung konjunktion/pronomen deutschen englischen

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Titel: Schwierigkeiten beim Erwerb der das/dass-Sätze