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Unterrichtsstörungen im Schulalltag

Gründe, Behandlungsmöglichkeiten und Vermeidung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 24 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was sind Unterrichtsstörungen?
2.1 Definitionen aus der Schulwelt
2.2 Wie entstehen Störungen und was wird als solche empfunden?

3. Wie kann ich als LehrerIn Störungen vermeiden?
3.1 Lehrerverhalten im Unterricht
3.1.1 Handlungsspektrum des Lehrers
3.1.2 Charaktereigenschaften des Lehrers

4. Was kann ich als LehrerIn bei Störungen tun?
4.1 Rechtlicher Rahmen bzw. Ordnungsmaßnahmen
4.2 Pädagogische Maßnahmen
4.2.1 Schlechte Notengebung
4.2.2 Pädagogische Inseln (Beispiel Matthias-Claudius-Förderschule, Kiel)
4.2.2.1 Wie entstand der Begriff „Pädagogische Insel“?
4.2.2.2 Entstehung der „Insel“ an der Matthias-Claudius-Förderschule, Kiel
4.2.2.3 Allgemeine Gründe für den Verweis in die Insel
4.2.2.4 Ablauf des Inselstunden
4.2.3 Trainingsraumprinzip (alle Klassenstufen)
4.2.3.1 Geschichte des Prinzips
4.2.3.2 Ziele und Ablauf des Programms (Beispiel „Hauptschule an der Cincinnatistraße“, München)
4.2.3.3 Welche Störungen sind für diese Methode geeignet?
4.2.3.4 Ablauf des Programms
4.2.4 Außerunterrichtlicher Exkurs: Streitschlichter-Programm (Beispiel Grundschule Lauenhagen)
4.2.4.1 Begriffserklärung
4.2.4.2 Ablauf der Streitschlichtung

5. Meinungen aus der Schulwelt
5.1 Empfehlungen der Leiter eines Studienseminars (hier: Trier)
5.2 Empfehlungen im Umgang mit Unterrichtsstörungen

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis
7.1 Primärquellen
7.2 Onlinequellen

1. Einleitung

Jede/r Lehrer/in hat in seinem Unterricht mit Störungen aller Art zu kämpfen. Ein störungsfreier Unterricht ist selten möglich, d. h. Behinderungen des Unterrichts sind „normal“, kommen also oft vor und sind aber gleichzeitig auch Bestandteil von Kommunikationsprozessen in Gruppen. Dessen ungeachtet halten sie auf nichtunerhebliche Weise den Unterrichtsprozess auf und haben diverse Erscheinungsbilder und Beweggründe.

Was jedoch als Störung wahrgenommen und in der Schulwelt als „Störung“ bezeichnet wird, entscheidet jeder Betrachter für sich selbst. Dazu zeige ich in meiner Arbeit auf, wie Experten die Situation einschätzen und wie man Störungen als LehrerIn bewältigen kann. Dabei liegt in diesem Abschnitt der Fokus darauf, zu erklären, wie überhaupt Störungen im Unterrichtsgeschehen entstehen.

Ich werde danach darauf eingehen, ob es möglich ist, jegliche Störung im und neben dem Unterricht generell zu vermeiden. Überdies werde ich Verhaltensweisen und Attribute eines guten Lehrers vorstellen, die ich für wertvoll und nützlich halte, um in der Lage zu sein, Störungen einzuschränken.

Ebenso stelle ich diverse Programme unterschiedlicher Institutionen vor, mit denen man als LehrerIn im Schulalltag Störungen entgegenwirken kann. Dabei kommt es mir darauf an, die Geschichte und Entwicklung der Programme vorzustellen, sowie die Abläufe und Regeln ebendieser aufzuzeigen. Diese Programme reichen von rechtlichen (z. B. Ordnungsmaßnahmen) bis hin zu pädagogischen Maßnahmen (z. B. das Trainingsraumprinzip oder schlechte Notengebung).

Zudem wird in einem Kapitel dargestellt, wie Studienseminarleiter (hier exemplarisch das Studienseminar in Trier) das Problem bekämpfen. Diese Leiter geben in ihrem Bericht kostbare Hinweise für das Lehrerverhalten während und nach dem Unterricht.

Abschließend wird in dieser Arbeit ein endgültiges Fazit gegeben, um einen störungsarmen Unterricht zu gestalten.

2. Was sind Unterrichtsstörungen?

2.1 Definitionen aus der Schulwelt

Der Begriff der Störung kann auf verschiedene Weisen interpretiert und definiert werden.

So erklärte der Lehrer Gert Lohmann, der 2003 mit seinem Buch „Mit Schülern klarkommen: Professioneller Umgang mit Unterrichtsstörungen und Disziplinkonflikten.“ eine umfassende Lektüre für angehende LehrerInnen veröffentlichte, dass „Unterrichtsstörungen [...] Ereignisse [seien], die den Lehr-Lernprozess beeinträchtig[t]en, unterbr[ä]chen oder unmöglich mach[t]en, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden k[ö]nn[en], teilweise oder ganz außer Kraft setz[t]en.“ (Lohmann, 2003).

Der Psychologe und Konfliktberater Thomas Gordon deutete 1994 Unterrichtsstörungen als „Verhaltensweisen, die der Befriedigung der Bedürfnisse des Lehrers im Wege st[änd]en oder den Lehrer veranlass[t]en, sich frustriert, besorgt, irritiert oder ärgerlich zu fühlen.“ (Gordon, 1994).

Bei dem Dresdner Schulpädagogen und heutigen Dozenten Rainer Winkel liege „eine Unterrichtsstörung […] dann vor, wenn der Unterricht gestört [sei], d. h., wenn das Lehren und Lernen stockt[e], aufhört[e], pervertiert, unerträglich oder inhuman w[e]rd[e].” (Winkel, 2005).

Der Pädagoge Reinhold Ortner kommt zu dem Ergebnis, dass “[e]ine konkrete oder poten[z]ielle Unterrichtsstörung […] alles [umfasse], was dazu führ[e] oder führen k[ö]nn[e], den Prozess oder die Beziehungsgefüge von Unterrichtssituationen zu unterbrechen“ (Biller 1981). Auf das Verhalten eines Schülers bezogen „betr[e]ff[e] Stören des Unterrichts alle Aktionen und Reaktionen, mit denen dieser sich bewusst über schulische Normen und Regeln hinwegsetz[e]. Das Störverhalten richte[…] sich dabei gegen den Lehrer, die Mitschüler oder gegen den Unterrichtsverlauf.” (Ortner 2000).

All diese vier Definitionen gehen davon aus, dass der Unterricht durch Unterrichtsstörungen teilweise massiv behindert wird und die Prozesse während des Unterrichts ins Stocken geraten bzw. auch teilweise außer Kraft gesetzt werden können. Gordon geht sogar in seinen Ausführungen so weit, dass er versucht, die Gefühle des Lehrers zu beschreiben, die während einer Störung auftreten können (z. B. Frustration, Irritation, Ärger). Aber welche Störung wird überhaupt bei den LehrerInnen wahrgenommen bzw. was ist eine Störung und was führt zu dieser?

2.2 Wie entstehen Störungen und was wird als solche empfunden?

Die Anlässe für Unterrichtsstörungen sind vielseitig, „denn sie können aus inneren und äußeren Einflüssen, bewussten oder unbewussten Handlungen und Eigenschaften der Schüler sowie der Lehrkräfte resultieren. Es gibt verschiedene Herangehensweisen, um Gründe für Unterrichtsstörungen zu beschreiben. Eine klare Zuordnung der Ursachen zu den einzelnen Theoriemodellen ist oft schwierig, da Verhalten meistens multifaktoriell bedingt ist.“ (Unterrichtsstoerungen.de, Unterpunkt „Ursachen“, 2012). Zu diesem Punkt zählt natürlich auch die Frage, was überhaupt als Störung bei der Lehrkraft wahrgenommen wird.

Der amerikanische Forscher Jacob S. Kounin gab 1976 eine Studie in Auftrag, in der LehrerInnen befragt wurden, was sie als Störung wahrnähmen. Knappe 30 % machten laut der ProbandInnen Unterhaltungen der SchülerInnen aus; Lärm, Gelächter und laute Unterhaltungen spiegelten 25 % der Unterrichtsstörungen wider; hinzu kamen sachfremde Orientierung (17,2 %) und Kaugummikauen (6,8 %), die die Liste der häufigsten Störungen vervollständigten.

Weitere Störungen bezogen sich auf Zuspätkommen, Vergessen von Hausarbeiten oder benötigten Arbeitsmitteln und unerlaubtes Verlassen des Platzes (Kounin, 2006 bzw. 1976).

Kounin teilte abweichendes Schülerverhalten dabei in vier Gruppen ein:

1. Verbales Störverhalten, wie z. B. das Reden mit dem Banknachbarn, vorlautes Verhalten, Zwischenrufe und Beleidigungen
2. Mangelnder Lerneifer, der sich beispielsweise in geistiger Abwesenheit, Desinteresse und Unaufmerksamkeit zeigt
3. Motorische Unruhe (z. B. mit dem Stuhl wackeln bzw. wippen)
4. Aggressives Verhalten, wie z. B. Sachbeschädigung, Wutausbrüche oder sogar Angriffe auf Mitmenschen (hier die Frage, was man als LehrerIn zulässt).

Welche Störungen bei dieser Erhebung komplett fehlen, sind die äußeren Einflüsse, wie z. B. Baustellenlärm oder extreme Wetterbedingungen, aber es kann auch ein Raum mit schlechter Medienausstattung schon als Unterrichtsstörung bezeichnet bzw. wahrgenommen werden.

Warum SchülerInnen den Unterricht stören, hat diverse Ursachen. Gert Lohmann fand in einer seiner Studien sechs Gründe heraus, die zu Unterrichtsstörungen führen könnten:

1. Langeweile (ca. 30 % der GymnasienschülerInnen seien unterfordert)
2. Buhlen um Aufmerksamkeit
3. Bedürfnis nach Kommunikation mit den MitschülerInnen
4. Organische Störungen (z. B. ADHS)
5. Sarkasmus, der vom Lehrer ausgeht und
6. Hektik, die vom Lehrer ausgeht, weil dieser sein Zeitmanagement nicht unter Kontrolle hat. (Lohmann, 2003)

Zu diesem Thema hatten die drei Pädagogen Bärsch (1978), Myschker (1999) und Palmowski (2002) jeweils unterschiedliche Ansätze, von denen ich einige kurz zusammenfassend vorstellen möchte (Unterrichtsstoerungen.de, Unterpunkt „Ursachen“, 2012).

1. Der biophysische Ansatz: Unterrichtsstörende Verhaltensweisen können Ausdruck innerer Anlagen, Instinkte und Prägungen sein. Die Beispiele dafür sind Aggressionen, Angst, etc
2. Der medizinische Ansatz: Unterrichtsstörende Verhaltensweisen können aus körperlichen Dysfunktionen resultieren. Ein Beispiel dafür ist ADHS.

3. Der individualpsychologische Ansatz: Unterrichtsstörende Verhaltensweisen können auch aus Minderwertigkeitskomplexen entstehen, die z. B. Aggressionen oder ein kriminelles Verhalten auslösen
4. Der kommunikationstheoretische Ansatz: Unterrichtsstörende Verhaltensweisen können aus nicht optimal ablaufenden kommunikativen Wechselwirkungen und Beziehungen resultieren. Ein Beispiel dafür könnte Uneinigkeit und Unzufriedenheit auf der Inhalts- und/oder Beziehungsebene zwischen Lehrkräften und SchülerInnen sein
5. Der didaktische Ansatz: Unterrichtsstörende Verhaltensweisen resultieren sowohl aus den Merkmalen des Unterrichts und/oder aus den institutionellen, personellen und materiellen Rahmenbedingungen. Beispiele dafür sind: Nicht motivierender Unterrichtsstil, große Klassen, schlechte Materialausstattung, etc.

Dazu gibt es noch einige weitere Ansätze der Autoren, z. B. den humanpsychologischen, den lerntheoretischen, den kognitivistischen, den ökologischen, den soziologischen, den systemisch-konstruktivistischen und den psychoanalytischen Ansatz. (Hinweis: Auf diese Punkte gehe ich aber nicht explizit ein)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ursachen von Störungen vielfältig sind und dass gerade in der heutigen Zeit Faktoren wie die gesellschaftlichen Einflüsse, schichtspezifische Sprache und Verhaltensweisen, Wohngegend, Familiensituation und Zugehörigkeit zu Subkulturen großen Einfluss auf Verhaltensweisen von Menschen haben können. Alle Autoren, kamen zu den annähernd gleichen Ergebnissen, z. B. dass Kinder mit der psychischen Störung ADHS in der heutigen Zeit schon ein erheblicher Faktor einer Unterrichtsstörung sein können. Es fehlen in allen drei Standpunkten die äußeren Einflüsse, wie z. B. fehlende/defekte Medien oder auch wetterbedingte Behinderungen, wie beispielsweise Gewitter oder das Zuspätkommen der SuS wegen widriger Wetterbedingungen. Diese Argumentation führt zu folgender Frage:

3. Wie kann ich als LehrerIn Störungen vermeiden?

Zunächst muss man sich als LehrerIn im Klaren sein, dass ein störungsfreier Unterricht eine didaktische Fiktion darstellt (Lohmann, 2003), da Störungen eine normale Begleiterscheinung des Unterrichts sind. Bevor jedoch Störungen auftreten, kann man Präventivmaßnahmen ergreifen (Born, F. et al. , o. J.).

Es macht durchaus Sinn, mit der Klasse zunächst eine Art (Disziplin-)Vertrag zu schließen, wie man sich in der Klasse richtig zu verhalten hat. An diesen Vertrag muss sich natürlich auch der Lehrer selbst halten, denn nur so ist ein störungsarmer Unterricht möglich.

Der Autor Werner Schulitz nennt „erstens die Prävention durch Klassenmanagement und zweitens die Prävention durch Akzeptanz, um Konflikte und die damit einhergehenden Störungen im Vorfeld zu vermeiden“ (vgl. Schulitz, 2005, S. 409). Mit der zweiten Maßnahme „Prävention durch Akzeptanz“ meint Schulitz, dass die gute Lehrer-Schüler-Beziehung dadurch gekennzeichnet ist, dass sie die ‚Balance zwischen Nähe und Distanz’ einzuhalten vermag“ (vgl. Schulitz, 2005, S. 412). Das heißt, sie sollte einerseits „verbindlich und bestimmt“, andererseits aber nicht „kalt und bestimmend“ (ebd.) sein. Wichtig ist, dass der Lehrer Vorwürfe und Forderungen geschickt und wertschätzend formuliert.“ (Born, F. et al. , o. J.). Dies wird am besten durch Ich-Botschaften behoben, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll.

Doch wie kann man Störungen als Lehrer überhaupt beheben bzw. bestrafen? Bevor diese Frage beantwortet werden kann, muss etwas über das Lehrerverhalten während des Unterrichts gesagt werden. Dieser Punkt ist wichtig, um Störungen im Unterricht entgegenzutreten und sie sinnvoll zu vermeiden bzw. zu bekämpfen.

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Details

Seiten
24
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656403500
ISBN (Buch)
9783656406303
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v212267
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,x
Schlagworte
unterrichtsstörungen schulalltag gründe behandlungsmöglichkeiten hinweise vermeidung

Autor

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Titel: Unterrichtsstörungen im Schulalltag