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Internationale Arbeitsteilung und Chinas veränderte komparative Vorteile in Folge der wirtschaftlichen Entwicklung

Hausarbeit 2012 19 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Modellrahmen der internationalen Arbeitsteilung und der Außenhandelstheorie
1.1 Ricardo´s Modell der komparativen Kostenvorteile
1.2 Das Heckscher / Ohlin - Modell
1.3 Das Fluggänsemodell

2. Chinas veränderte komparative Vorteile im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung
2.1 Strukturelle Transformation in China
2.2 Veränderung von komparativen Vorteilen und kommende Herausforderungen an China

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Der rasante wirtschaftliche Aufstieg Chinas ist nunmehr seit Jahren Gegenstand von vielerlei Diskussions- und Interpretationsinhalten. In dieser Arbeit wird ein Blick auf die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die internationale Arbeitsteilung geworfen. War China ehemals als die „Werkbank der Welt“ bekannt, ist diese, nach Kriterien wie der massenhaften Herstellung von Fertigwaren durch ein schier nicht enden wol- lenden Pool von günstigen Arbeitskräften geschaffene Betitelung inzwischen weniger geläufig. Grund dafür ist, dass China sich weiterentwickelt hat im Industrialisie- rungsprozess. Zu erläutern, was dies jedoch genau bedeutet, ist Ziel dieser Arbeit. Weiterhin soll dieser Prozess in einen Zusammenhang gestellt werden mit einem re- gionalspezifischen, ostasiatischen Entwicklungsmuster, das es zu beschreiben gilt. Zunächst sind bestimmte Grundlagen der internationalen Arbeitsteilung und der Au- ßenhandelstheorie zu klären. Anschließend werden die dargestellten Modelle auf China angewandt, wobei versucht wird, sowohl den durchlaufenden Entwicklungs- prozess, als auch die dadurch neu auftretenden Herausforderungen an China heraus zu kristallisieren. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass sich China in einem Pro- zess befindet, den bereits andere ostasiatische Nationen absolviert haben, wobei au- ßer Frage steht, dass es in jedem Fall nationalspezifische Eigenarten gibt. Die Ge- meinsamkeiten sind daher im Folgenden genauso hervorzuheben, wie auch das Ein- zigartige, und es gilt der beispielslosen Rasanz des Entwicklungsprozesses Rechnung zu tragen.

1. Modellrahmen der internationalen Arbeitsteilung und der Außenhandelstheorie

Im Folgenden werden zunächst drei Modelle als Erklärungsansatz der internationalen Arbeitsteilung präsentiert. Im Modell von David Ricardo wird dargestellt, unter welchen Umständen es sinnvoll ist, als Land Außenhandel zu betreiben. Dabei besonders interessant ist, dass bei erster Betrachtung Ricardo´s Einschätzung contra- intuitiv wirkt. Der amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson drückte es es passend aus: "[...] the best example of an economic principle that is undeniably true, yet not obvious."[1]

Als Zweites wird ein Modell der beiden Nationalökonomen Eli Heckscher und Bertil Ohlin vorgestellt, welches letztendlich auf China und die vorangehende Fragestellung dieser Arbeit gut anwendbar ist. Es erklärt viele Muster einer Außenhandelsstruktur von Ländern und fügt der Begrifflichkeit des komparativen Vorteils eine wichtige Dynamik hinzu.

Zuletzt wird in diesem Kapitel ein speziell auf den ostasiatischen Raum bezogenes Modell von Kaname Akamatsu beschrieben, welches einen Aufholungsprozess von Industrialisierungsnachzüglern darstellt und wesentliche Erklärungsansätze zum Verständnis der Arbeitsteilung in Ostasien bereit hält.

1.1 Ricardo´s Modell der komparativen Kostenvorteile

Der britische Nationalökonom David Ricardo stellte erstmals in seinem Werk On the Principals of Political Economy and Taxation im Jahr 1917 sein Modell der komparativen Kostenvorteile vor. Ricardo untersuchte im Rahmen der Außenhandelstheorie, aus welchen Gründen Staaten Handel miteinander betreiben und unter welchen Gegebenheiten dies ökonomisch sinnvoll ist. Sein Modell beruht dabei auf der Berücksichtigung von Opportunitätskosten, d.h. Kosten, die beim Herstellen einer Leistung durch den Verzicht entstehen, mit dem dafür verwandten Aufwand eine andere Leistung zu produzieren. Ein komparativer Vorteil eines Landes entsteht für Ricardo in seinem Modell dadurch, wenn die Opportunitätskosten bei der Herstellung eines Gutes in einem Land niedriger sind, als in einem anderen, und es damit relativ günstiger produzieren kann.

Damit grenzte sich Ricardo von dem Gedankengut von Adam Smith ab, der einen Außenhandel von Ländern nur als sinnvoll erachtete, wenn ein direkter Vorteil besteht. Ein Beispiel wird Ricardo´s Modell verdeutlichen:

In einem von Ricardo geschaffenen Szenario existieren zwei Länder A und B, die beide zwei Güter X und Y produzieren. Der einzige, auf die Produktion einwirkende Faktor ist dabei Arbeit, die beiden Länder unterscheiden sich daher auschließlich in ihrer Produktivität in der Herstellung der beiden Güter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[Abb. 1: Beispiel Ricardo-Modell; Pascha (2012), Mercator School of Management]

Land A weist insofern eine höhere Produktivität in der Herstellung beider Güter X und Y auf, als dass es im Vergleich zu Land B in geringerer Zeit eine größere Menge von beiden Gütern herstellen kann. Im direkten Ländervergleich ist demnach Land A im Vorteil gegenüber Land B und hat im Sinne von Adam Smith zunächst keinen Grund, einen Außenhandel zu betreiben, da es beide Güter selbst effizienter herstellen kann. Wenn man sich in diesem Szenario jedoch die Produktionen innerhalb der beiden Länder genauer anschaut, erkennt man, dass sowohl Land A als auch Land B jeweils bei der Produktion eines Gutes effizienter sind, als in der Produktion des anderen Gutes. Land A weist eine höhere Produktivität in der Herstellung von Gut X auf, als in der Produktivität von Gut Y. Land B wiederum stellt Gut Y effizienter her als Gut X. Wenn man nun zum Ausgangspunkt zurückkehrt, an dem Land A im Ländervergleich in beiden Produktionsfeldern effizienter war als Land B, kann man jedoch konstatieren, dass Land A nur einen komparativen Vorteil in der Produktion von Gut X besitzt, da, bedingt durch die zu beachtenden Opportunitätskosten bei der Produktion von Gut B die Herstellung dieses Gutes weniger effizient ist. Bei Land B ist es genau anders herum. Ricardo schlägt nun vor, dass beide Länder sich auf die Produktion derjenigen Güter spezialisieren sollten, in deren Herstellung sie einen komparativen Vorteil besitzen. Durch die Spezialisierung auf ein Produkt können beide Parteien ihren komparativen Vorteil nutzen und das dadurch erworbene Einkommen verwenden, um das jeweils andere Produkt relativ günstiger zu erwerben. Veranschaulicht wird dieser zusätzliche Nutzen in einem numerischen Beispiel: Stellt man sich vor, dass Land A insgesamt 60 Stunden Arbeit zur Verfügung hat. Damit wäre die Produktion von 60 Einheiten von Gut X oder die Produktion von 30 Einheiten von Gut Y möglich. Das Land möchte jedoch sowohl Gut X, als auch Gut Y herstellen. Es könnte nun beispielsweise insgesamt 30 Einheiten von Gut X und 15 Einheiten von Gut Y herstellen, der Gesamtoutput wäre demnach 45 Einheiten von Gütern (wir gehen hier von gleichen Nachfragepräferenzen bei beiden Gütern aus, so können beide Güter im Verhältnis 1:1 gehandelt werden). Die dadruch entstandenen Opportunitätskosten lassen es allerdings als sinnvoll erachten, wenn sich Land A auf die Produktion von Gut X spezialisieren würde, dadurch könnten 60 Einheiten von diesem Gut hergestellt werden. Bei einem Außenhandel könnten nun zum Beispiel 30 Einheiten von Gut X gegen 30 Einheiten von Gut Y eingetauscht werden, der Gesamtoutput von Land A würde demnach insgesamt 60 Einheiten von beiden Gütern betragen.

Auch für Land B ist eine Spezialisierung samt Außenhandel sinnvoll. Obwohl es sowohl bei der Herstellung von Gut X, als auch von Gut Y im Vergleich zu Land A unproduktiver ist, kann es einen höheren Gesamtoutput schaffen, indem es sich auf dasjenige Gut spezialisiert, bei dessen Herstellung es geringere Opportunitätskosten aufweist und dann das dadurch zusätzlich erworbene Einkommen nutzt, um das andere Gut relativ günstiger zu erwerben.

Das heißt, wir betrachten den Handel hier als indirekte Methode des Produzierens. Anstatt ein Gut für sich selbst zu produzieren, kann ein Land ein anderes Gut herstellen und es für das gewünschte Gut durch Handel eintauschen. Das Modell von Ricardo impliziert, dass Länder diejenigen Güter exportieren, welche sie relativ effizient herstellen und auf der anderen Seite diejenigen Güter importieren, die sie nur relativ ineffizient herstellen können. In dieser sehr vereinfachten Darstellung erhöht sich so der Gesamtnutzen für die Länder.

1.2 Das Heckscher / Ohlin - Modell

Die beiden schwedischen Ökonomen Eli Hekscher und Bertil Ohlin griffen das Modell von Ricardo wieder auf und entwickelten es weiter. Ihrer Ansicht nach besteht ein komparativer Vorteil nicht ausschließlich in Folge von internationalen Unterschieden in der Arbeitsproduktivität, wie bei Ricardo impliziert. Vielmehr ist Handel damit nur teilweise zu erklären, weiterhin kommt in ihm auch der erwei- terte Unterschied der Ausstattung von Ressourcen der verschiedenen Länder zum Ausdruck. Daher muss eine realistische Betrachtung von Handelsmustern in Berück- sichtigung von Faktoren wie Land, Kapital und Rohstoffen erfolgen. All dies sind Produktionsfaktoren, deren relatives Vorhandensein, zusammen mit der Intensität ihrer Nutzung den komparativen Vorteil von Ländern beeinflusst. Das sogenannte 2x2x2-Modell von Heckscher und Ohlin wird diesen Gedankengang verdeutlichen: In diesem Beispiel gibt es wieder zwei Akteure, Land A und Land B. Weiterhin gibt es wiederum zwei Güter X und Y. Neu ist nun, dass zwei Produktionsfaktoren hinzu- kommen, diese sind Arbeitskraft und Land. Es gilt wieder eine gleiche Produktpräfe- renz, im Unterscheid zu Ricardo jedoch gibt es keine Unterschiede in der Produktivi- tät, das heißt, wir gehen von einem gleichen Technologie-Level der beiden Akteure aus. Eine entscheidende Annahme ist zudem, dass Land A relativ reich an Arbeits- kraft ausgestattet ist und über weniger Land verfügt, Land B hingegen ist relativ reich mit Land ausgestattet und hat weniger Arbeitskräfte zur Verfügung. Die Pro- duktionen der Güter X und Y weisen ebenfalls Besonderheiten auf: Die Herstellung von Gut X ist eher arbeitskraftintensiv (z.B. Textilien), während die Produktion von Gut Y eher landintensiv ist (z.B. Nahrung). Bei der Produktion der beiden Güter kann man nun konstatieren, dass Land A relativ effizient ist bei der Herstellung von Gut X und Land B relativ effizient ist bei der Herstellung von Gut Y. Die Effizienz ist in diesem Fall wieder in Berücksichtigung der Opportunitätskosten zu sehen, Land A weist dann geringerere Opportunitätskosten auf, wenn es dasjenige Gut vornehmlich produziert, bei dem es seine vorhandenen Produktionsfaktoren am besten nutzen kann. Das Gleiche gilt für Land B. Demnach wird Land A sich auf die Produktion von Gut X konzentrieren, während Land B vornehmlich Gut Y herstellen wird.

[...]


[1] aus: "The Way of an Economist“, 1969

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656319634
ISBN (Buch)
9783656325185
Dateigröße
829 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v205527
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Institut für Ostasienwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
internationale arbeitsteilung chinas vorteile folge entwicklung

Autor

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