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Eine fachwissenschaftliche und fachdidaktische Aufbereitung zu "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von Robert Musil

Hausarbeit 2006 32 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Fachwissenschaftlicher Teil
1. Der Autor Robert Musil
2. Die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte
2.1 Die Entstehung
2.2 Die Rezeption
3. Gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung
4. Stilistische und formale Merkmale
4.1 Aufbau und Handlungsebenen
4.2 Sprache und Erzählform

III. Fachdidaktischer Teil -Didaktische Aufbereitung des Romans-
1. Die Behandlung des Romans im Unterricht
1.1 Aktualität des Romans und Chancen für den Unterricht
1.2 Anbindung an die Lehrpläne für das Fach Deutsch der gymnasialen Oberstufe - Eignung des Romans
2. Entwurf einer Unterrichtsreihe
2.1 Allgemeine Ziele
2.2 Lernvoraussetzungen
2.3 Grobe Skizzen der Unterrichtsreihe
2.4 Ausarbeitung einer Doppelstunde
2.5 Abschluss der Unterrichtsreihe und Klausurvorschläge

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Musils Erstwerk „ Die Verwirrungen des Zöglings Törleß “ ist geprägt durch die Zeitlosigkeit des Stoffes. Diese Aktualität hält viele Möglichkeiten für die didaktische Aufarbeitung bereit, so dass dem Lehrer keine Grenzen gesetzt sind.

Diese didaktische Arbeit ordnet den Roman in die Rahmenvorgaben der Richtlinien und Lehrpläne ein und gibt Argumente für die spezifische Eignung des Romans im Deutschunterricht der Sekundarstufe II.

Erst auf der Grundlage einer ausführlichen fachwissenschaftlichen Analyse kann ein konkreter Unterrichtsentwurf entwickelt werden. Daher bildet die fachwissenschaftliche Analyse den ersten Teil dieser Arbeit. Hier wird zunächst auf das Leben und Werk Robert Musils eingegangen, die Entstehungsgeschichte des Werks dokumentiert sowie eine gattungs- und literarhistorische Einordnung vorgenommen. Später stehen dann stilistische und formale Merkmale im Fokus der Betrachtung, indem Aufbau, Sprache und Erzählweise näher untersucht werden.

Das Kernstück der Arbeit besteht in der Skizzierung einer Unterrichtsreihe, im Rahmen dessen eine Doppelstunde konkret ausgearbeitet wird.

Während meiner Arbeit stellte sich schnell heraus, wie komplex und vielschichtig der Roman ist und wie viele Rätsel er aufgibt. Daher bietet das Werk „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß “ in didaktischer Hinsicht, insbesondere auch im Zusammenhang mit einem fächerübergreifenden Unterricht, `ungeahnte` Möglichkeiten der Umsetzung. Obwohl die Thematik des Törleß so viele pädagogische Ansätze birgt, findet sich in der Literatur so gut wie keine didaktische Aufbereitung für den Unterricht.

In dieser Arbeit möchte ich versuchen, ein umsetzbares Modell für den Unterricht zu erstellen.

II. Fachwissenschaftlicher Teil

1. Der Autor Robert Musil

„…der bedeutendste deutschschreibende Romancier dieser Jahrhunderthälfte und zugleich unbekanntester Schriftsteller dieses Zeitalters“ (Londoner Times, 1949)[1]

Robert Musil wird am 6.11. 1880 in Klagenfurt (Kärnten) als Sohn des Ingenieurs und späteren Hochschulprofessors Alfred Musil und seiner Frau Hermine Musil (geb. Bergauer) geboren. Er wächst somit zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie auf. Das Kaisertum Österreichs und das Königtum Ungarns schlossen sich zu einer Doppelmonarchie zusammen (k.u.k. Monarchie= kaiserliche und königliche Monarchie). Musil lebt zunächst in Steyr, wo er die Volksschule und das Realgymnasium besucht. Da der Vater an der Technischen Hochschule in Brünn eine Professur für Maschinenbau erhält, zieht die Familie dorthin um, und Robert Musil wird an der Realschule in Brünn angemeldet. In den Jahren 1892 –1897 tritt er in die Militärschulen Eisenstadt und Mährisch-Weißkirchen ein. In diesen Erziehungsanstalten werden die Jugendlichen zum „Führungsnachwuchs für die k.u.k. Monarchie ausgebildet“.[2] Die Erfahrungen, die Musil in dieser Zeit macht, prägen sein erstes Werk „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Artilleriewesen in der Militärschule weckt Musils Interesse für die Technik. Aus diesen Gründen besucht er ab 1897 die Technische Militärakademie für Offiziersausbildung in Wien. Schon 1898 bricht er diese Ausbildung ab, um an der Hochschule seines Vaters das Studium des Maschinenbaus sowie der Mathematik und Physik aufzunehmen. In der Zeit seines Studiums hat Robert Musil eine Beziehung zu Herma Dietz, eine Textilverkäuferin aus Brünn. Möglicherweise inspiriert durch die erste Liebschaft, beginnt Musil mit dichterischen Betätigungen, darüber hinaus schreibt er Tagebuch. Im Jahre 1901 absolviert Musil die Staatsprüfung zum Ingenieur an der Hochschule Brünn. Nach Beendigung des darauf folgenden Militärjahres ist er 1902-1903 als Assistent an der Technischen Hochschule Stuttgart tätig. In diesem Zeitraum setzt seine Arbeit am Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ ein. Nach intensiver Beschäftigung mit den Philosophen Friedrich Nietzsche und Ralph Waldo Emerson reizt ihn die Philosophie so sehr, dass er seine Matura am Deutschen Staatsgymnasium in Brünn nachholt und 1903 (neben der Mathematik und der Physik) das Studium der Philosophie und der experimentellen Psychologie an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin aufnimmt, wo er auch 1908 in den Fächern Philosophie, Physik und Mathematik promoviert. Daraufhin widmet er sich intensiver der schriftstellerischen Tätigkeit. Zwei Jahre vor seiner Promotion erscheint in Wien sein erster Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ (1906), der zum großen Erfolg wird. Im gleichen Jahr lernt er die Jüdin Martha Marcovaldi kennen, die er 1911 heiratet. Beruflich steckt Musil daraufhin zunächst zurück. Er verzichtet auf eine universitäre Laufbahn, indem er das Angebot einer Habilitation ausschlägt. Stattdessen arbeitet er 1911-1914 als Bibliothekar an der Technischen Hochschule in Wien. Zu der Zeit schreibt er an dem Drama „Die Anarchisten“ (späterer Titel „Die Schwärmer“, 1921). Anfang 1914 erlebt Musil einen beruflichen Aufstieg, er wird Redakteur der „Neuen Rundschau“. Aufgrund des Ersten Weltkriegs ist diese Beschäftigung nicht von langer Dauer. Musil zieht in den Krieg und kämpft an der italienischen Front. Später arbeitet er bei der Militärpresse und gibt unter anderem die „ Südtiroler Soldatenzeitung “ heraus. Nach weiterer Beamtentätigkeit lebt er ab 1922 als Theaterkritiker, Essayist und freier Schriftsteller vornehmlich in Wien. Er beginnt mit der Arbeit an seinem berühmten Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, der auch als sein Lebenswerk bezeichnet wird. Für sein Schauspiel „ Die Schwärmer “, das er 1921 fertig stellt, erhält er 1923 den Kleist-Preis. Auch sein 1924 erschienener Erzählband „ Drei Frauen“ wird mit dem Kunstpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. Neben seinem Aufstieg als Schriftsteller ereilt Musil im Jahre 1924 ein Schicksalsschlag, beide Eltern sterben nacheinander in Brünn. Mit der Uraufführung des umstrittenen Schauspiels „ Die Schwärmer“ in Berlin wird ihm 1927 ein weiterer wichtiger Preis zuteil, der Gerhart-Hauptmann-Preis. 1931 zieht die Familie Musil nach Berlin. Im gleichen Jahr erscheint Musils erster Band des „Mann ohne Eigenschaften“, der einen großen Erfolg mit sich bringt. Trotz des großen Erfolgs hat Musil stets finanzielle Engpässe, die die schriftstellerische Tätigkeit behindern. So wird 1932 die „ Musil-Gesellschaft “ in Berlin gegründet, um ihm zur Weiterarbeit am zweiten Band des Romans „ Der Mann ohne Eigenschaften“ zu verhelfen. Ein erster Teil des zweiten Bandes wird noch herausgegeben, bevor Musil mit seiner jüdischen Frau Martha aufgrund des Zweiten Weltkriegs zurück nach Wien flüchtet. Angesichts der finanziellen Schwierigkeiten Musils wird nach deutschem Beispiel auch hier eine „ Musil-Gesellschaft “ gegründet. Nachdem Musil 1936 seine Prosasammlung „Nachlaß zu Lebzeiten“ herausbringt, erleidet er im selben Jahr einen Schlaganfall. Trotzdem emigriert er 1936 mit seiner Frau in die Schweiz nach Zürich. Ab 1939 lebt Musil in Genf, wo er menschlich vereinsamt und in geldlicher Notlage an seinem „ Mann ohne Eigenschaften “ weiterarbeitet. Am 15. April 1942 stirbt Musil an einem Gehirnschlag in Genf. Am selben Tag arbeitete er noch an dem Kapitel „ Atemzüge eines Sommertages“. Sein Werk „ Der Mann ohne Eigenschaften“ kann nicht vollendet werden. Nach seinem Tod veröffentlicht seine Frau den unvollendeten Nachlassteil dieses Lebenswerks. Martha Musil stirbt 1949 in Rom.

2. Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte

2.1 Die Entstehung des Romans

An seinem ersten Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ arbeitete Musil

in der letzten Zeit seiner Assistententätigkeit und während seines Philosophie-, Psychologie-, Mathematik- und Physikstudiums in den Jahren 1902 -1905. Es stellt sich die Frage, wie Musil noch Zeit für die Arbeit am „Törleß“ aufbringen konnte. Desto erstaunlicher erscheinen seine Beschreibungen in einem stilisierenden Nachwortentwurf für den Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Hier heißt es, dass die Aufnahme der Arbeit an seinem „ Törleß “ aus Langeweile, ganz nebenbei geschah. Er berichtet außerdem von dem Versuch, den Stoff des „ Törleß “ an zwei naturalistische Dichter (Franz Schamann, 1876-1909 und Eugen Schick, 1877-1909) weiterzugeben, damit sie diesen schriftstellerisch verarbeiten könnten.

„Kurze Zeit, ehe ich die Verw. D.Z.T. zu schreiben begann, etwa ein Jahr vorher, habe ich diesen ‚Stoff verschenkt’, d.h. alles, was in der Geschichte an ‚Milieu’, an ‚Realität’ vorkam…. Ihnen erzählte ich das Ganze, das ich mit angesehen (es war in entscheidenden Dingen anders, als ich es später darstellte), u. trug ihnen an, damit zu machen, was sie wollten.(…) Als ich ein Jahr später selbst nach dem Stoff griff, geschah es buchstäblich aus Langeweile. Ich war 22 Jahre alt, trotz meiner Jugend schon Ingenieur und fühlte mich in meinem Beruf unzufrieden.“[3]

Musil fühlt sich in seiner derzeitigen Anstellung als Assistent an der Technischen Hochschule Stuttgart geradezu unterfordert. Das Desinteresse an seiner Assistententätigkeit äußert sich darin, dass er während seiner Arbeitszeit bereits philosophische Studien führt. Als er dann gegen Abend nach Hause kommt, sucht er nach einer Beschäftigung.

„( …) am späten Nachmittag, wenn ich mich nicht mehr so aufnahmefähig fühlte, langweilte ich mich. So geschah es, dass ich etwas zu schreiben begann und der Stoff der gleichsam fertig dalag, war eben der der V.d.Z.T.“[4]

Diese Aufzeichnungen sprechen für die Beiläufigkeit, mit der er an die Arbeit an seinem ersten Werk geriet.[5] Nach der Fertigstellung des Romans im Jahre 1905 erweist es sich zunächst als schwierig, einen Verleger zu finden. Das Werk kann erst 1906 erscheinen, was vor allem der Überarbeitung des Kritikers Alfred Kerr zu verdanken ist. Er schätzt den neuartigen Erzählstil Musils. Enthusiastisch belobigt er das Werk, was zur Drucklegung entscheidend beiträgt.

Der Roman thematisiert die Persönlichkeitsentwicklung eines pubertären Jungen in einem entlegenen Militärinternat. Die Geschichte dieses jungen Törleß weist Verbindungen zum Leben Musils auf. Wie bereits in den vorherigen Zitaten angedeutet, verarbeitet Musil biographische Erlebnisse, die er selber in seiner Jugend in den Militärinternaten in Eisenstadt und Weißkirchen machte (siehe S.4:„ Ihnen erzählte ich das Ganze, das ich mit angesehen…“). In einem Vorspann zu seinem Werk heißt es: „Es ist eine ungewöhnliche Pubertätsstudie, in der Musil seine Erfahrungen als Kadett einer k.u.k. österreichischen Militärerziehungsanstalt auswertete.“[6] Es ist also davon auszugehen, dass die im Roman geschilderten Handlungen nicht rein fiktiv sind, sondern das wahre Leben in einer Kadettenanstalt zu Zeiten Musils widerspiegeln. Ebenso dienten die damaligen Kameraden Musils wohl als Vorbilder für den Entwurf der Romanfiguren. Der Journalist Karl Corino (geb. 1942) schrieb eine ausführliche Biographie über Robert Musil (2003 erschienen). Er stellte Recherchen an, um mehr über den Zusammenhang zwischen den realen Personen und den Begebenheiten in der Militärschule Mährisch-Weißkirchen und den Darstellungen in Musils Roman herauszufinden.[7] Dabei entdeckte er unter den Kameraden Musils die potentiellen Namengeber für seine Romanfiguren: Jarto Reising (für Reiting), Richard Freiherr von Boineburg-Lengsfeld (für Beineberg) und schließlich Alexander Baksy von Szent Istvan-Baksa (für Basini). Basini scheint „aus Zügen verschiedener realer Personen zusammengesetzt“.[8] Ein gewisser Hugo Hoinkes beging tatsächlich am 13.2.1896 einen Diebstahl, indem er ein Paket Tabak und einen Silbergulden aus der Schulbanklade anderer Zöglinge entwendete.

Weitere biographische Züge zeigen sich in Musils Roman insofern, dass Törleß als auch Musil ein großes Interesse an der Psychologie, Mathematik und Physik zeigen.

Seine Romanfigur beschäftigt sich mit der Rationalität des mathematischen Systems, sucht nach einer Lösung für seine Verwirrungen in der Lehre der Mathematik. Während die Mathematik für ihn stets logische Vorgänge in einer überschaubaren Welt erfasst, stellen sich nun die imaginären Zahlen für ihn als Problem dar. „Dass man mit solchen imaginären oder sonst wie unmöglichen Werten ganz wirklich rechnen kann und zum Schlusse ein greifbares Resultat vorhanden ist“[9], kann er nicht begreifen. Es stellt für ihn einen Bruch in der logischen Mathematik dar. Dieser Bruch lässt sich auf seine Entwicklung, auf seine Pubertäts- und Erkenntniskrise beziehen. Auf Rat des Mathematiklehrers setzt sich Törleß mit dem Philosophen Kant auseinander, in der Erwartung, dort Klarheit zu finden. Auch dieser Versuch scheitert. Er kommt zu der Erkenntnis, dass nicht alles rational erklärt werden kann. Er findet Bestätigung in seiner Annahme, dass es eine klar geordnete Welt gibt, aber auch eine dahinter liegende unverständliche. Mit dieser Welt sieht er sich in letzter Zeit oft konfrontiert, er kann sein Gefühlsleben nicht ordnen und ergründen.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass es sich im ersten Roman Musils um eine autobiographische Thematik handelt. Dafür spricht nicht nur, dass viele wichtige Erzählmotive aus der Biographie Musils selber stammen, wie insbesondere die negativ empfundene Zeit auf dem Militärinternat und das Erlebnis jugendlicher Homosexualität (hervorgehend aus seinem Tagebuch 1903), auch sein psychologisches Interesse kommt in seiner Figur zum Tragen. So ‚erforscht’ Törleß seinen Mitschüler Basini geradezu. Um zu der Erkenntnis zu gelangen, was einen Menschen zu unmoralischen Taten treibt, setzt Törleß Basini durch seine psychologischen Verhöre großen Qualen aus. Der Autor inszeniert sich in gewisserweise selbst, indem er mit dem Törleß eine Rolle entwirft, die seinem eigenen Selbstverständnis entspricht. Für eine Verarbeitung der Autobiographie spricht „… vor allem, dass die Identitätsschwierigkeiten des Törleß, die aus der fundamentalen Erfahrung des Widerspruchs zwischen Ichideal und kollektiver Wirklichkeit resultieren, Musils eigenes Selbstverständnis widerspiegle, das er ausführlich in den Tagebüchern bereits zur Entstehungszeit der Erzählung niedergelegt hat.“[10]

Die nur schwer vermittelbare Innerlichkeit ist für Törleß wie für Musil ein wichtiges Thema. Das Medium des Schreibens verhilft beiden, ihre Gedanken zu verarbeiten. So wendet sich Törleß mit seinen Problemen in einem Brief an seine Eltern, genauso versucht er in einem Essay seine Verwirrungen zu lösen. Musil macht es sich zum Ziel, die Innerlichkeit seines Helden vollkommen zu offenbaren. Somit setzt er den Fokus auf die Empfindsamkeit, die wechselnden seelischen Zustände eines jungen Menschen, die er mit „größter Genauigkeit“[11] wiedergibt. Damit einhergehend gebraucht er eine stark psychologisierende Erzählweise, mit der er eindrucksvoll die Gefühlswelt des jungen Törleß schildert. „Am provokanten Einzelfall entwirft er eine psychisch fundierte Darstellung menschlichen Denkens, Fühlens und Handelns.“[12]

2.2. Die Rezeption des Romans

Anstoß für den großen Erfolg des Romans gibt im Jahre 1906 die ausführliche Rezension Alfred Kerrs, der in seinen Ausführungen vom Autor, vom Thema und von der Erzählweise des Romans „schwärmt“. Somit lenkt er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das erste Werk Musils. Zu Lebzeiten Musils erscheinen drei Auflagen und mehrere Nachdrucke des Erstwerks. Nach seinem Tod finden auch zwei Taschenbuchausgaben weite Verbreitung. Doch trotz des Erfolgs bleiben kritische Stimmen nicht aus. Die Offenheit, mit der Musil tabuisierte Sachverhalte, wie Homosexualität und sexuelle Gewalt, vorführt, erregt die Gesellschaft. Einige sehen darin eine Sensation und schätzen Musils Courage, andere hingegen, vornehmlich höhere gesellschaftliche Schichten, empfinden die Thematik als skandalös, ignorieren das Werk und bezeichnen es als unmoralisch. Musil verteidigt seinen Roman vehement gegen diese Vorwürfe. Er betont, dass ihm die Handlung und der Stoff unwichtig seien. Die Handlung diene nur als Rahmen, in dem ein Erkenntnisprozess eines Menschen dargestellt wird. „Das Buch gibt nicht Pubertätspsychologie wie viele andere, es ist symbolisch, es illustriert eine Idee. (…) Das Buch ist unmoralisch, weil diese besondere Form der Unmoral mir am geeignetsten schien, die Idee daran herauszuarbeiten.“[13]

[...]


[1] Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törless. Rowohlt Verlag, Hamburg, 1959, Vorspann.

[2] Horst Grobe: Königs Erläuterungen und Materialien: Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. C. Bange Verlag, Hollfeld, 2006, S.19.

[3] Renate Schröder-Werle : Erläuterungen und Dokumente, Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Reclam, Stuttgart, 2001, S.35.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Horst Grobe: Königs Erläuterungen und Materialien: Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, S.25.

[6] Robert Musil: Die Verwirrungen des Zöglings Törless, Vorspann.

[7] Vgl Horst Grobe: Königs Erläuterungen und Materialien: Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, S.95.

[8] Ebd, S. 100.

[9] Manfred Eisenbeis: Lektüreschlüssel. Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß. Reclam, Stuttgart, 2004, S.46.

[10] Beitrag aus Kindlers neuem Literaturlexikon zu den Verwirrungen des Zöglings Törleß, unter http://www.gabrieleweis.de/2-bldungsbits/literaturgeschichtsbits/thema%20jugend/reader-thema-jugend/14-musil- toerless.htm

[11] Horst Grobe: Königs Erläuterungen und Materialien: Robert Musil, Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, S.85.

[12] Vgl. ebd., S. 86.

[13] Ebd., S. 93.

Details

Seiten
32
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656235873
ISBN (Buch)
9783656238782
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197520
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
Robert Musil Törleß Verwirrungen des Zöglings Törleß Unterrichtsreihe Roman Unterricht Zentralabitur Unterrichtsskizzen

Autor

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