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Janusz Korczak - Pädagogik der Achtung und Liebe

Hausarbeit 2005 22 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Überblick über Leben und Werk Janusz Korczaks

3 Was bedeutet „Pädagogik der Achtung und Liebe“?
3.1 „Die Liebe“ bei Janusz Korczak
3.2 „Die Achtung“ bei Janusz Korczak
3.2.1 Das Recht des Kindes auf den Tod
3.2.2 Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag
3.2.3 Das Recht des Kindes, das zu sein, was es ist
3.3 Die praktische Umsetzung dieser Vorstellungen
3.3.1 Umsetzung durch Korczak
3.3.2 Umsetzung am Beispiel des Janusz-Korczak-Hauses in Berlin-Kreuzberg.
3.3.3 Schwierigkeiten, die sich für Erzieher ergeben

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Kinder werden nicht erst zu Menschen - sie sind schon welche.“1 Dies ist ein zentraler Satz aus der Pädagogik Janusz Korczaks, die häufig als „Pädagogik der Achtung und Liebe“ bezeichnet wird.

Wer steckt hinter dem Namen Janusz Korczak und was ist das Besondere an seiner Sicht der Pädagogik? Was unterscheidet seine Pädagogik von der Pädagogik anderer und welche Rolle spielen Achtung und Liebe darin? Handelt es sich um ein rein theoretisches Konzept oder wurde es auch angewandt und wird es vielleicht noch heute eingesetzt? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Hausarbeit beantwortet werden.

Das zweite Kapitel bietet zunächst einen Überblick über das Leben, das Werk und die Persönlichkeit Janusz Korczaks, so dass den Lesern in den darauffolgenden Kapiteln bewusst ist, wer die dargestellte Form der Pädagogik entwickelte und in welchen Werken sie unter anderem zu finden ist.

Im Anschluss daran wird im dritten Kapitel erläutert, was „Pädagogik der Achtung und Liebe“ bedeutet. Hierbei wird zunächst auf die Bedeutung der Liebe und anschließend auf die der Achtung eingegangen. Zudem wird dargestellt, wie Korczak selbst seine pädagogischen Vorstellungen praktisch umsetzte und am Beispiel des Janusz-Korczak-Hauses beschrieben, wie die Ideen noch heute umgesetzt werden. Am Ende dieses Abschnittes werden die Schwierigkeiten dargelegt, die sich für die Erzieher bei der praktischen Umsetzung der Ideen ergeben können.

Im vierten Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefasst sowie ein grober Überblick über die Fragen gegeben, die in dieser Arbeit nicht behandelt werden konnten und mit denen sich gegebenenfalls eine andere Ausarbeitung befassen könnte.

2 Überblick über Leben und Werk Janusz Korczaks

Dieses Kapitel wird sehr knapp das Leben und Werk Korczaks darstellen, so dass man eine grobe Vorstellung hat, um wessen Konzepte und Taten es im Folgenden gehen wird. Janusz Korczak wurde am 22.7.1878/92 als Henryk Goldschmitz3 in Warschau geboren. Sein Vater war Advokat und Korczak durchlebte eine wohlbehütete Kindheit. Bereits 1896 veröffentlichte Korczak „ Der Gordische Knoten “. Im gleichen Jahr starb sein Vater in einem Nervenkrankenhaus, was Korczak sein Leben lang beschäftigte. Von 1898 bis 1904 studierte Korczak Medizin in Warschau, betreute Kinder im Warschauer Armenviertel, promovierte und trat letztlich eine Arztstelle in einem Kinderkrankenhaus an. 1899 veröffentlichte er ein Drama unter dem Pseudonym Janasz Korczak und gewann damit einen literarischen Wettbewerb. Beim Druck des Namens kam es zu einem Fehler, so dass aus „Janasz“ „Janusz“ wurde. Er behielt dieses Pseudonym den Rest seines Lebens bei. 1901 erschien sein Roman „ Kinder der Straße “ und er reiste nach Zürich, um sich auf die Spuren Pestalozzis zu begeben.

Von 1904 bis 1906 arbeitete Korczak als Militärarzt im Russisch-Japanischen Krieg und erstellte in dieser Zeit in Behandlungspausen seinen Roman „ Kind des Salons “ . 1906 bis 1911 arbeitete Korczak in einem Kinderkrankenhaus im Warschauer Armenviertel und als frei praktizierender Arzt bei den Wohlhabenden. Mit diesen Verdiensten finanzierte er seine Hilfstätigkeiten. Außerdem führte er medizinische Studien in Berlin, Paris und London durch und war Erzieher in Sommerkolonien.

1912 bis 1914 leitete er das Waisenhaus „Dom Sierot“ in Warschau und schränkte aus diesem Grund seine Tätigkeiten als Arzt ein. In dieses „Waisenhaus kamen Kinder aus dem Dschungel des Lebens, aus den Armenvierteln, der Prostitution, der Erniedrigung und der Härte.“4

Von 1914 bis 1918 war er wieder als Militärarzt eingesetzt und verfasste sein erstes pädagogisches Hauptwerk „ Wie man ein Kind lieben soll “ oder besser übersetzt „ Wie liebt man ein Kind “ .

Ab 1919 war Korczak wieder Leiter von Dom Sierot. Zudem errichtete und leitete er ein Waisenhaus für polnische Kinder mit dem Namen Nasz Dom. Des Weiteren gab er Vorlesungen für Sonderpädagogik und seine Romane „ König Hänschen I. “ , „ Wenn ich wieder klein bin “ und „ Allein mit Gott. Gebete eines Menschen, der nicht betet. “ sind entstanden.

1926 gründet Korczak die erste Zeitung von und für Kinder „Maly Przeglad“, die als wöchentliche Beilage einer polnisch-jüdischen Zeitung erschien. Diese Zeitschrift erschien 13 Jahre lang und ermöglichte den Kindern und Jugendlichen am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und forderte die Gesellschaft auf, sich mit den Problemen der Kinder auseinander zu setzen.

1928 bis 1931 entstand sein zweites pädagogisches Hauptwerk „ Das Recht des Kindes auf Achtung “ sowie die Werke „ Senat der Verr ü ckten “ und „ Der Bankrott des kleinen Jack “. 1931 bis 1939 wurden seine „Radioplaudereien des alten Doktors“ gesendet und sein Roman „ Kajtus oder Antons Geheimnis “ erschien. Außerdem machte er zwei Reisen nach Palästina. 1940 wurde Dom Sierot durch die Deutschen ins Warschauer Ghetto zwangsverlegt, wo sehr schreckliche Zustände herrschten.5 Im Jahre 1942 wurden Korczak sowie seine Mitarbeiter und die ca. 200 Kinder in das Vernichtungslager Treblinka verfrachtet. Korczak wurde mehrmals Hilfe zu seiner Rettung angeboten, welche er jedoch ablehnte, so dass er mit den Kindern im Vernichtungslager ermordet wurde. Sein vermuteter Todestag ist der 5. August 1942.

Zu seinem 30. Todestag wurde ihm postum der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen.6

3 Was bedeutet „Pädagogik der Achtung und Liebe“?

Korczak vertrat eine Pädagogik, die sich nicht auf Bestrafung und Belohnung durch den Erzieher stützte, sondern auf Achtung und Liebe der Kinder, was oft als antiautoritäre Erziehung betrachtet wurde. Es bedeutete jedoch für Korczak nicht, dass den Kindern keine Grenzen gesetzt werden sollten und alles erlaubt wäre. Es spielten vielmehr sowohl das Gewährenlassen als auch das Ziehen von Grenzen eine wichtige Rolle. Korczak selbst schrieb beispielsweise: „In einer Zeit, als ich um die Ordnung des Hauses noch hart zu kämpfen hatte, wanderte jede Mütze, die herumlag, jede Schürze, die nicht am Platz hing, jedes Buch, das auf dem Tisch liegen geblieben war, zu den Fundsachen.“7 Die Notwendigkeit Grenzen zu ziehen und Übertretungen zu unterbinden begründete Korczak damit, dass andernfalls vor allem die schwächeren, zurückhaltenden und kleineren Kinder benachteiligt würden. Des Weiteren könne die Autorität manchmal die einzige Möglichkeit sein, um emotionales Chaos in einer Gruppe von Kinder zu verhindern, da sie durch die gesetzten Grenzen zu spüren bekämen, dass der Erzieher die Kontrolle über die Situation behalten hätte. Auch kann die Autorität des Erziehers nach Korczak dazu dienen, Bereiche aus der Tradition an die Kinder weiter zu geben, die sich in den Augen des Erziehers als positiv erwiesen hatten. Für das Gewährenlassen hingegen setzte Korczak sich unter anderem ein, da er gesellschaftliche Unterdrückung nicht an die Kinder weitergeben wollte. Vordergründig war jedoch, dass er die Kinder nicht an ihrer Entwicklung hindern wollte, ihre Entwicklung achtete, ihnen die Möglichkeit geben wollte, zu suchen, auszuprobieren, auszuwählen und Dinge zu wagen. Außerdem relativierte Korczak die Autorität des Erziehers, weil in seinen Augen die Erwachsenen für die kaputte Welt verantwortlich waren und sich somit hüten sollten Kindern Vorwürfe zu machen. Kinder bräuchten eine gewisse Freiheit, um nach einer besseren Zukunft suchen zu können und nicht einfach den gleichen Weg wie ihre Eltern einzuschlagen. Es gibt bei Korczak keine klare Anweisung, in welcher Situation Grenzen zu setzen und in welcher Freiheit zu gewähren sei.8 Die Pädagogik Korczaks war insgesamt eher eine indirekte als direkte, das heißt durch sie sollte ein Lebensraum geschaffen werden, der es den Kindern ermöglichte, aus eigenem Antrieb möglichst viel zu lernen.9

[...]


1 Korczak, 1991b, S. 105

2 Das genaue Geburtsjahr ist nicht bekannt.

3 Im Folgenden Korczak genannt, auch wenn er in den ersten Jahren noch nicht diesen Namen trug.

4 Dauzenroth, 1993, S. 19

5 Nähere Beschreibungen zu diesen Zuständen finden sich u.a. in Beiner, 2002, S. 39 ff

6 Zu Leben und Werk Korczaks vgl. Dauzenroth, Erich/Adolf Hampel, 1978, S. 7 und Beiner, 2002, S. 32 ff

7 Korczak, 1967, S. 294

8 Vgl. Waaldijk, 1999, S. 170 ff

9 Vgl. Tschöpe-Scheffler, 1990, S. 262

Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783869435169
ISBN (Buch)
9783656992998
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v186735
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1
Schlagworte
janusz korczak pädagogik achtung liebe

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Titel: Janusz Korczak - Pädagogik der Achtung und Liebe