Lade Inhalt...

"Das Lebensbuch" - wie lässt sich diese Methode mit Kindern aus belastenden Lebensverhältnissen anwenden?

Biografiearbeit mit Kindern

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Didaktik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen der Biografiearbeit
2.1 Biografieforschung
2.2 Biografiearbeit
2.2.1 Funktion des biografischen Gedächtnis
2.3 Zielgruppen, Methoden und Möglichkeiten von Biografiearbeit
2.3.1 Das narrative Interview
2.3.2 Biografiearbeit und Medien
2.3.3 Musik als Methode in der Biografiearbeit

3. Biografiearbeit mit Kindern
3.1 Die autobiografische Kompetenz von Kindern
3.2 Voraussetzung für Biografiearbeit mit Kindern
3.3 Das Lebensbuch – eine Methode in der Biografiearbeit mit Kindern
3.4 Fallbeispiel Thomas

4. Analyse des Fallbeispiels und des Lebensbuches als Methode

5. Gesamtfazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Verschiedenste Internetplattformen- und foren bringen es zum Vorschein. Der Mensch scheint ein sehr großes Interesse daran zu haben, sich in Zeiten des modernen Kommunikationswesens, fast zwanghaft, öffentlich darstellen zu müssen, und so viel wie möglich über sich preis zu geben. So ist z.B. mancher Gast einschlägiger Talkshows des privaten Fernsehens darin bestrebt, seine ureigene Lebensgeschichte in allen Einzelheiten darzulegen

Mit „Biografie“ werden oftmals literarische Werke verbunden, je nachdem mit mehr oder weniger Anspruch. Mittlerweile scheint jeder, der etwas auf sich hält, oder einigermaßen bekannt ist in der Öffentlichkeit, seine eigene Biografie veröffentlichen zu müssen. Was aber, wenn die eigene Biografie zur Belastung wird oder nur lückenhaft vorhanden ist? Wie kann man sie bearbeiten und sie als solche akzeptieren?

Diese Arbeit soll diese Fragen näher betrachten und erläutern. Dabei wird der Fokus auf Kinder gelegt. Insbesondere jene, die in belastenden Verhältnissen aufwachsen, oder ihre Herkunftsfamilien nie kennengelernt haben. Speziell die Methode des „Lebensbuches“ soll näher untersucht werden. Inwieweit lässt sich die Methode des Lebensbuches in der sozialen Arbeit mit Kindern anwenden?

Dabei soll zunächst die Biografiearbeit allgemein vorgestellt werden, insbesondere für welche Zielgruppen diese geeignet ist und welche Methoden eingesetzt werden. Außerdem werden theoretische Grundlagen zum Thema dieser Arbeit angeführt, sowie ein Einblick in den Bereich der Forschung. Im Hauptteil wird anhand der Darstellung eines Fallbeispiels ein Einblick in die praktische Verwendung des Lebensbuches gewährt. Anhand der Analyse und dem Gesamtfazit wird im Schlussteil dieser Arbeit, Bezug genommen zur gestellten Frage dieser Arbeit, um diese hinreichend zu beantworten.

2. Theoretische Grundlagen der Biografiearbeit

In diesem Kapitel wird ein kleiner Einblick über den Bereich der Forschung der Biografieforschung sowie den theoretischen Grundlagen zur Biografiearbeit gegeben.

2.1 Biografieforschung

„Biographieforschung umfasst im weitesten Sinne alle Forschungsansätze, die sich mit biographischem Material beschäftigen. In engerem Sinne bezeichnet Biographieforschung einen Teil der qualitativen Sozialforschung, der sich der interpretativen Analyse autobiographischer Erzählungen widmet.“( www.psychology48.com, letzter Zugriff:03.05.2011)

Die Biografieforschung[1] ist ein relativ junges Forschungsfeld. Erste Anfänge sind in den 1930 er Jahren zu finden in den USA. Dort wurden Lebenslauf- und Fallanalysen von straffälligen Jugendlichen erstellt. Der Fokus lag hier in den gesellschaftlichen Schichten, aus denen die Jugendlichen kamen. Außerdem sind an dieser Stelle die Arbeiten von Thomas William und Florian Znaniecki zu nennen, die sich 1927 mit qualitativen Studien zu Lebensbedingungen polnischer Einwanderer in die USA untersuchten.(vgl., Jansen, 2011, S.17) Desweiteren finden sich in der Soziologie erste Anfänge von Biografieforschung in den 1970 er Jahren (z.B. Pieper und Kohli 1978). Sie befassten sich mehr mit den Strukturen eines institutionalisierten Lebenslaufes (z.B. durch Familie,Schule,Beruf etc), an denen sich gesellschaftliche und soziale Muster orientieren über die jeweilige Lebensspanne, die sich vom Kind zum Alten Menschen vollzieht. Diese bilden die Normalbiografie, wobei der Lebenslauf als vorhersehbarer Zyklus bezeichnet wird. Dabei spielen Bedingungen wie soziale Teilhabe und kulturelles Kapital, aber auch Geschlecht und Bildung eine große Rolle. (ebd.,S.17)

Allerdings wurde bemängelt, dass zu wenig auf den Menschen als Individuum eingegangen wurde. In der Wissenschaftlichen Community schien es zunächst wichtiger, den Menschen im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Umbrüchen zu betrachten. In den 1990 er Jahren änderte sich diese Vorgehensweise. Mit der Gründung einer Kommission für Biografieforschung in der deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (1994), gelangte das Subjekt bei der Erfassung biografischer Prozesse in den Vordergrund. Diesem versuchte man sich mit verschiedensten qualitativen Forschungsmethoden zu nähern.(vgl.,Jansen,2011,S.19) Dadurch gelang es, den einzelnen Menschen in seinem sozialen Kontext zur erfassen und zu erforschen(ebd.., S.19). Dabei liegt eine Schwierigkeit der Biografieforschung darin, durch mehrperspektivische Sichtweisen der Forscher, allgemeingültige Aussagen treffen zu können . „Ausgangsmaterial sind zum einen persönliche Dokumente (z.B. Brief-sammlungen, Aufsätze, Tagebücher, Autobiographie) die in der sozialen Realität vom Forscher vorgefunden werden. Zum anderen handelt es sich um biographische Materialien, die durch die Forschungsinstrumente des Wissenschaftlers (z.B. narratives Interview, Gruppendiskussionen, teilnehmende Beobachtungen) erst produziert werden.“ (Krüger,Marotzki,2006,S.8)

An dieser Stelle ist anzumerken, dass sich die Biografieforschung dafür interessiert, wie „ Individuen angesichts eines forcierten und immer schwerer überschaubaren sozialen Wandels historische und institutionelle Umbrüche verarbeiten.“( Mäder, 2010, S.66) In der aktuellen Biografieforschung werden wichtige Themen diskutiert, wie „Untersuchungen zur Aneignung von Bildung im Kontext belasteter Lebenslagen (vgl.Schreiber 2006)“ oder „ Fragen zur ‚Biografizität‘ als Prozesskategorie von Identität (vgl.,Alheit 2002)“ (Jansen,2011,S.20)

2.2 Biografiearbeit

Das Wort Biografie oder auch Biographie stammt aus dem Griechischen und bedeutet: „1. Beschreibung der Lebensgeschichte einer Person, 2.Lebens[ab]lauf, Lebensgeschichte eines Menschen.“ (Duden, Das Fremdwörterbuch, 1997,S.118)

Biografiearbeit ist eine sehr kreative Möglichkeit mit der eigenen Lebensgeschichte umzugehen. Irma Jansen spricht davon, dass „ allen Ansätzen gemein ist, dem Leben einen sinnhaften Bezug (einen Bedeutungsfaden) zu geben, sich selbst dabei als lebendigen Gestalter der eigenen Lebensgeschichte zu erleben.“ (Jansen, 2011, S.21) Biografiearbeit kann hierbei hilfreich sein, Knotenpunkte in der Lebensgeschichte darzustellen und zu entschlüsseln. Der Mensch wird sich selbst als Akteur seines eigenen Lebenslaufes erleben. Dies ermöglicht die Reproduktion der eigenen Identität (vgl.,ebd .) „Trotz rasanter Modernisierungsschübe, in denen Menschen aus ihren Zugehörigkeiten, Traditionen und Kontinuitäten heraus geworfen werden, bleibt es Aufgabe, die jeweils eigene Identität in der Matrix sozialer Netzwerke prozesshaft zu gestalten und dabei gegebenenfalls als emanzipierte Identität auch zu überschreiten.“ (Jansen,2011,S.21)

Hans Georg Ruhe (2007) stellt heraus, Biografiearbeit „[…]muss und will darauf aufmerksam machen, dass das Leben, das Schicksal des Einzelnen einen Wert hat.“ (Ruhe, 2007, S.10) Nach Ruhes Ansicht bedeutet Biografiearbeit, die Anerkennung zu finden, die nicht immer durch die Gesellschaft gegeben ist. Er macht weiterhin darauf aufmerksam, dass Lebensgeschichte früher im Familienverband gepflegt und verarbeitet wurde, was in heutigen Zeiten vermehrt in die Hände von Professionellen gelegt wird, um einer fehlenden Integration vorzubeugen(vgl., Ruhe, 2007, S.10).

Warum ist es demnach von so elementarer Bedeutung für den Menschen, seine Biografie genau zu kennen? Das soll im nächsten Punkt kurz dargestellt werden.

2.2.1 Funktion des biografischen Gedächtnis

Das sogenannte biografische Gedächtnis trägt dazu bei, den Menschen auf seinem Weg zur Findung der eigenen Identität zu unterstützen. Magret Dörr (2010) hat dies wie folgt beschrieben : „Zentral für das Bewusstsein der eigenen Identität, die sich in einer bestimmten Kontinuität des Erlebens, Wissens und Handelns ausdrückt, ist die Fähigkeit, sich erinnern zu können.“ (Dörr, 2010,S.35)

Damit soll dem Menschen die Möglichkeit eröffnet werden, einem Geschehen eine bestimmte Bedeutung beizumessen. Abhängig davon wie man sich und seine Umwelt erlebt, wird so ein Zusammenhang erzeugt, der es ermöglicht, die eigene Identität zu erforschen und auszubilden. Dabei ist beachtenswert, dass Geschehnisse oder Situationen unterschiedlich erinnert werden, da jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit konstruiert. Die eigene Wirklichkeit ist hauptsächlich durch Gefühle geprägt. Die daraus entstandenen Erinnerungen werden in das autobiografische Gedächtnis gespeichert (vgl.,Dörr, 2010, S.36)

Identität und Lebensgeschichte hängen unmittelbar zusammen. Erik Erikson (1902-1994) hat zur Identitätsentwicklung ein Stufenmodell herausgearbeitet, dass seiner Meinung nach, immer den gleichen Ablauf beim Menschen vollzieht. Der Mensch muss Stufe um Stufe abarbeiten, um sich weiterzuentwickeln. Einen Höhepunkt erreicht die Entwicklung in der Adoleszenz. In dieser hochsensiblen Phase, dreht sich alles um Sinnfindung und die eigene Identität. „Wer bin ich?“ „Wer will ich sein?“ bilden zentrale Fragen, die jeden Adoleszenten intensiv beschäftigen (vgl., Hölzle, 2011, S.37) Abels (2006) beschreibt diesen Zustand folgendermaßen: „ Identität ist das Bewusstsein, ein unverwechselbares Individuum mit einer eigenen Lebensgeschichte zu sein, in seinem Handeln eine gewisse Konsequenz zu zeigen und in der Auseinandersetzung mit anderen eine gewisse Balance zwischen individuellen Ansprüchen und sozialen Erwartungen gefunden zu haben.“ (Abels,2006, S.254)

2.3 Zielgruppen, Methoden und Möglichkeiten von Biografiearbeit

In diesem Punkt soll näher dargestellt werden, für welche Zielgruppen Biografiearbeit in der sozialen Arbeit angewendet werden kann. Zudem werden drei Methoden kurz vorgestellt.

Biografiearbeit bietet eine Fülle an kreativen methodischen Vorgehensweisen, um unterschiedlichstes Klientel anzusprechen. Biografiearbeit ist für jede Altersgruppe geeignet.

Aber auch Kinder und Jugendliche, sowie Erwachsene oder behinderte Menschen können von Biografiearbeit profitieren. In der sozialen Arbeit kann Biografiearbeit dann stattfinden, wenn das betroffene Klientel Hilfestellungen in belastenden Lebenssituationen benötigt. Das kann die Fremdunterbringung eines Kindes sein, der Ausbruch einer unheilbaren Krankheit eines Erwachsenen oder aber auch der bevorstehende Tod eines alten Menschen.(vgl.,Hölzle,2011,S.21) „Ziel der Biografiearbeit ist es, die verschiedenen Lebenswelten, Lebensabschnitte- und Erfahrungen sinnhaft miteinander zu verknüpfen, so dass sie als Bestandteile des eigenen Lebens akzeptiert und integriert werden können.“ (Hölzle, 2011, S.47) Christina Hölzles Ansicht nach stellt die Verarbeitung der eigenen Biografie „das Erleben von Kontinuität und Kohärenz“ (ebd.,) dar, und ist für sie Voraussetzung für „Gesundheit und Wohlbefinden“ (ebd.).

Wenn Biografiearbeit dazu beitragen kann, dass lebensbelastende Phasen oder Geschehnisse verarbeitet werden können, muss derjenige der Biografiearbeit durchführt, nach gewissen Kriterien vorgehen. Dabei dient Biografiearbeit unter anderem , „zu einer sinnhaften Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“( Hölzle, 2011, S.51) zu gelangen, um das eigene Leben mit all seinen Facetten und unterschiedlichsten Erfahrungen zu begreifen und zu akzeptieren.

Irma Jansen (2011) setzt für eine gelingende Biografiearbeit voraus, dass zu allererst ein von Vertrauen geprägter Beziehungsaufbau stattfindet. Besonders erschwert werden kann dieser, wenn die betroffenen Klientinnen und Klienten in ihren bisherigen Biografien wiederholt von Bezugspersonen oder Institutionen enttäuscht wurden. Dies erfordert Empathie, Einfühlungsvermögen und das erforderliche Maß an Distanz und Nähe. Erst wenn die Klientinnen und Klienten das Gefühl haben, sich angenommen zu fühlen und Vertrauen haben zu können, werden sie in der Lage sein, sich zu öffnen und ihre Geschichten erzählen (vgl.,Jansen,2011,S.24).

Desweiteren setzt Biografiearbeit voraus, dass man bereit ist, ins Gespräch zu kommen. Sei es spontan oder beabsichtigt. Dabei können Alltagsgegenstände als „Türöffner“ verwendet werden, z.B. eine Fotografie oder ein Tagebuch. Dazu betont Hans Georg Ruhe: „In der Gegenwart bestimmt der Mensch Tempo, Zielrichtung und Unterbrechungen seiner biografischen Arbeit. Er bestimmt den Rhythmus des Erinnerns. Der Hörende wird versuchen, diesen Rhythmus nicht zu stören, sondern in einer ihm angemessenen Weise mitzuschwingen, Erinnerungen aufzuschließen und seine Präsenz zu reflektieren.“ (Ruhe, 2007, S.18)

2.3.1 Das narrative Interview

Narrativ stammt aus dem lateinischen und bedeutet: „erzählend, in erzählender Form darstellend“ (Duden, 1997, S.542) Gerade in der Biografiearbeit mit Erwachsenen wird diese Methode oft angewandt. Als Begründer dieser Methode kann man den Bielefelder Soziologen Schütze(1977) nennen (vgl.,Goblirsch,2010,S.134).

Nach Schütze (1977) hat der Interviewer die besondere Aufgabe, den Erzähler zum erzählen aufzufordern. Der Erzähler wird für ihn bedeutsame Passagen aus seinem Leben erzählen. Der Interviewer mischt sich während des Erzählens nicht ein und macht sich währenddessen Notizen, um im Anschluss Verständigungs- und Vertiefungsfragen stellen zu können . „Die bei narrativ- biografischen Interviews angewandte Technik der Gesprächsführung beinhaltet insbesondere erzählgenerierende, narrative Nachfragen und das aktive Zuhören. Eine möglichst zeitlich und thematisch offene Erzählaufforderung, aufmerksames Zuhören und sensible Nachfragen sollen Raum zur textlichen Gestaltentwicklung schaffen, Erinnerungsprozesse fördern und die Verbalisierung heikler Themenbereiche erlauben.“ (Goblirsch, 2010, S.135)

2.3.2 Biografiearbeit und Medien

In unserer modernen Welt ist der Mensch einer Fülle an Medien ausgesetzt. Sei es in Form von Musik, Filmen, Internet etc.. Wir gestalten unseren Alltag mit und um Medien herum. Gerade die Biografieforschung hat sich die Medien zunutze gemacht und bezieht sie auch in ihre Arbeit mit ein. Dabei interessieren den Forscher besonders, inwieweit sie den Alltag des Menschen beeinflussen oder ob Medien ritualisiert konsumiert werden (vgl.,Hoffmann,2011,S.274). Über Medien gelangt der Mensch zu Erinnerungen. Dabei wird er bestimmte Medien mit bestimmten Lebensphasen in Verbindung bringen. Die sogenannte Medienbiografie wird nie von der eigentlichen Biografiearbeit losgelöst betrachtet werden können. Sie kann nur ein Fragment der Biografiearbeit sein. Deshalb misst ihr die Forschung eine große Bedeutung bei, da an den Medien gesamtgesell-schaftliche Entwicklungen erkannt werden können, wie z.B. das erste Fernsehen oder das erste Handy. Aber auch, wenn Lebenszusammenhänge in der Biografiearbeit bearbeitet werden, können Medien sehr hilfreich sein. Zum Beispiel mit einem bestimmten Lied werden besondere Erinnerungen wach, wie die dazu gehörigen Emotionen. Der medienbiografische Aspekt bietet einen Ansatz, den man für jedes Lebensalter einsetzen kann. Von jung bis alt wird jeder etwas zu seiner persönlichen Medienbiografie zu erzählen haben (vgl., ebd.) Susanne Maurer (2010) stellt den positiven Nutzen von Medien, gerade für Jugendliche heraus, um sie in Biografiearbeit einzubeziehen. Sie spricht von der ‚Medien-Lust‘ die sich in die pädagogische Arbeit aufnehmen lässt, aber auch eine Querverbindung von Lebenswelt und biografisches Arbeiten schaffen kann (vgl., Maurer,2010,S.123)

2.3.3 Musik als Methode in der Biografiearbeit

Den Einsatz von Musik, als Methode in der Biografiearbeit, sollte man nicht verkennen. Diese Methode kann vielseitig für jedes Lebensalter verwendet werden. „Wir sind alle so: Es gibt immer ein Lied, das von unserem Leben handelt.“(Wickel,2011,S.279)

Musik macht einen großen Bestandteil unseres Alltages aus. Es ist keine Kultur bekannt, die nicht Musik einsetzt oder gar ohne sie auskommt. (vgl.,ebd .) „[…]wenn Worte fehlen oder die Worte nicht genügend Ausdruckskraft besitzen, ganz gleich aus Gründen seelischer Betroffenheit, sprachlicher Barrieren, einer Behinderung oder einer Krankheit. Wem es also ‚die Sprache verschlägt‘, dem steht möglicherweise noch ein musikalisches Ausdruckspotential zur Verfügung.“ (Wickel,2011,S.281) Besonders bei der Aufarbeitung kritischer Lebenslagen in der Biografiearbeit, kann mit Musik ein Transfer hergestellt werden, der es erleichtert den Erinnerungsprozess zu fördern . „So trägt der Einsatz von Musik über die gesamte Lebensspanne insbesondere in akkomodativen Prozessen dazu bei, Emotionen zu regulieren und dadurch Belastungen von sich abzuhalten und zu mindern.“ (Wickel,2011,S.282) Damit ist gemeint, dass Musik dazu beitragen kann, belastende Situationen erträglicher zu empfinden. Hans-Hermann Wickel (2011) betont den Einsatz von Musik als Schlüssel, um speziell an Demenz erkrankten Menschen in Kontakt zu treten. Er stellt dar, dass auch im fortgeschrittenen Stadium von Demenz das auditive System nicht betroffen ist.(vgl.,Wickel,2011,S.264) Leider kann an dieser Stelle nicht näher auf die Wirkung von Musik auf dementiell erkrankte eingegangen werden.

3. Biografiearbeit mit Kindern

Dieser Punkt stellt den Hauptteil dieser Arbeit dar. Er beschreibt näher, wie Biografiearbeit in der sozialen Arbeit mit Kindern angewandt werden kann. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Methode des „ Lebensbuches“ gelegt.

Kinder , die in einem Umfeld aufwachsen, das durch Liebe und Fürsorge der Eltern gekennzeichnet ist, werden schon früh mit ihrer eigenen Biografie konfrontiert. Dies gibt Sicherheit und trägt zur emotionalen Entfaltung und letztendlich zur Identitätsentwicklung bei. Bei Kindern, die nicht mehr oder noch nie in ihren Herkunftsfamilien leben, haben diese Möglichkeit nicht. Sie können gar nicht oder nur wenig nachfragen, wie z.B. ihr Leben als Baby ausgesehen hat. Dadurch werden ihnen wichtige Meilensteine in ihrer Entwicklung nicht bekannt sein(vgl.,Wiemann,2011,S.108).

Biografiearbeit kann diese Lücken schließen. „ Biografiearbeit ist ein Versuch, Teile dieser Vergangenheit den Kindern, die getrennt von ihren originären Familien sind, zurückzugeben. Das gemeinsame Zusammentragen der Tatsachen dieses Lebens und der wichtigsten Personen darin hilft ihnen zu beginnen, ihre Vergangenheit anzunehmen und mit diesem Wissen in die Zukunft zu gehen.“ (Ryan,Walker,2007,S.13) Viele Kinder suchen oftmals die Schuld dafür, dass sie nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können, bei sich selbst. Sie wissen von sich selbst nicht, wer sie sind, woher sie kommen und wer sie sein können und wollen. Dieses Wissen der eigenen Wurzeln ist wichtig, um Selbstvertrauen und emotionale Stabilität erreichen zu können. Das fehlende Wissen um die eigenen Wurzeln schafft Unsicherheit, Ängste und ein Unvermögen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Biografiearbeit kann dabei behilflich sein, fehlende Puzzleteile zu finden, und ein umfassendes Bild zu präsentieren(vgl.,ebd.)

[...]


[1] Im Folgenden verwendet die Verfasserin die einfachere Schreibweise, nämlich ‚Biografieforschung‘

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656013471
ISBN (Buch)
9783656013594
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v179057
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
13
Schlagworte
Biografiearbeit Lebensbuch Kinder

Autor

Teilen

Zurück

Titel: "Das Lebensbuch" - wie lässt sich diese Methode mit Kindern aus belastenden Lebensverhältnissen anwenden?