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Der demographische Wandel in Deutschland

Auswirkungen auf die gesetzliche Rentenversicherung und eine Auswahl staatlicher Handlungsoptionen

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographischer Wandel in Deutschland
2.1 Das 5-Phasen-Modell
2.2 Geburtenrate
2.3 Sterberate
2.4 Außenwanderung
2.5 Bevölkerungsanzahl und Altersstruktur

3 Die gesetzliche Rentenversicherung
3.1 Das Umlageverfahren
3.2 Auswirkungen des dem. Wandels auf die gesetzliche Rentenversicherung

4 Staatliche Handlungsoptionen in Bezug auf den demographischen Wandel
4.1 Familienpolitik
4.2 Zuwanderungspolitik

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Ich gönne jedem Menschen seinen schwer verdienten Urlaub. Tapetenwechsel macht den Kopf frei. Mit klarem Kopf wird aber jeder einsehen, dass wir alle mehr als bisher für die Zukunftsvorsorge unternehmen müssen.“ (www.focus.de). Solche Sätze wie der von CSU Fraktionschef Joachim Hermann am 18. August 2006 sind in den letzten Jahren öfter von Politikern zu hören. Sie verdeutlichen die Lage und die zukünftige Entwicklung Deutschlands in Bezug auf die Altersvorsorge und die damit verbundene Ohnmächtigkeit des Staates und der gesetzlichen Rentenversicherung. Demographie und Altersvorsorge sind untrennbar miteinander verbunden. Die Situation in Deutschland diesbezüglich ist dabei nicht selten Thema hitziger Debatten und betrifft jeden in Deutschland lebenden Menschen. Doch welche Problemlagen entstehen konkret im Laufe des demographischen Wandels in Deutschland in Bezug auf die gesetzliche Rentenversicherung und welche Handlungsoptionen besitzt der Staat zur Bewältigung dieser Probleme? In der vorliegenden Hausarbeit soll zuerst die Begrifflichkeit des demographischen Wandels geklärt werden. Anschließend soll kurz ein Modell des demographischen Übergangs dargestellt werden und die dabei wesentlichen Kernparameter, welche diesen Wandel beeinflussen. Es wird insbesondere die Entwicklung der Geburtenrate, der Sterberate und der Außenwanderungen in Deutschland seit dem Ende des 2. Weltkrieges beschrieben. Im nächsten Schritt werden die daraus resultierenden, für die Fragestellung eklatanten, Entwicklungen der Bevölkerungsanzahl und der Altersstruktur in Deutschland abgeleitet. Anschließend werden die dargelegten Entwicklungen in Bezug auf die gesetzliche Rentenversicherung in Deutschland untersucht, die Problemlage verdeutlicht und eine Auswahl politischer Handlungsoptionen aufgezeigt. Am Ende der Hausarbeit werden in einem Fazit die aus der Arbeit resultierenden Erkenntnisse nochmals erläutert und ein möglicher Lösungsansatz für die Zukunft aufgezeigt.

2 Demographischer Wandel in Deutschland

Zunächst einmal ist die Bedeutung des Wortes Demographie zu klären. „[griech.] Untersuchung und Beschreibung von Zustand und zahlenmäßiger Veränderung einer Bevölkerung“ (Brockhaus 2000: 304). Ein hier ebenso wichtiger Ausdruck, der zum Verständnis der folgenden Punkte beiträgt, ist demographischer Wandel. „Unter dem demographischen Wandel versteht man alle Veränderungen in der Struktur der Bevölkerung eines Landes, die grundlegender Natur sind, d.h. über einen längeren Zeitraum hinweg ihre Zusammensetzung nachhaltig und nicht nur vorübergehend ändern. Dazu zählen beispielsweise sinkende Geburtenraten oder aber auch die Steigerung der Lebensdauer in den meisten Industrieländern.“ (www.wirtschaftundschule.de).

2.1 Das 5-Phasen-Modell

Zur Beschreibung der demographischen Übergänge existieren heute drei Modelle. Das 4-Phasen-Modell, das erweiterte 5-Phasen-Modell und das variable Modell. Die ursprüngliche Überlegung des demographischen Übergangs wurde 1934 von dem französischen Demographen A. Landry vorgestellt und nach dem 2. Weltkrieg vor allem von F. W. Notestein weiterentwickelt (vgl. Andorka 2001: 240; Immerfall 1994: 42; Mertins 1997: 9, zitiert nach Hradil 2006: 38). An dieser Stelle wird aus Gründen der Übersicht lediglich das 5-Phasen-Modell angesprochen. Phase 1, die prätransformative Phase, hat ihren Ursprung in den vorindustriellen Agrargesellschaften bis ca. 1840. Geburten und Sterbefälle sind sehr häufig, wobei die Geburtenrate im Mittel höher als die Sterberate liegt und somit ein Wachstum der Bevölkerung resultiert.

In der 2. Phase, der frühtransformativen Phase (1840 - 1910) beginnt die Sterberate bei konstant bleibender Geburtenrate zu sinken. Grund ist die steigende Lebenserwartung der Menschen. Das Ergebnis ist eine rasche Zunahme der Bevölkerungszahl. Die 3. Phase, oder mitteltransformative Phase (1910 - 1980/90), ist geprägt durch weiteres Sinken der Sterberate aufgrund von besserer medizinischer Versorgung und auch einer sinkenden Geburtenrate. Die Menschen bekommen weniger Kinder und das Bevölkerungswachstum ist weiterhin positiv aber langsamer.

In der 4. Phase, der spättransformativen Phase (1980 - heute), stabilisiert sich die Sterberate bei weiterhin sinkender Geburtenrate. Dies lässt sich als industriegesellschaftliche Bevölkerungsweise bezeichnen. Die Geburtenrate sinkt unter die Sterberate, was ein Schrumpfen der Bevölkerungen postindustrieller Gesellschaften zur Folge hat.

Die 5. und letzte Phase, auch posttransformative Phase genannt, geht davon aus, dass Bevölkerungsverluste durch Wanderungsbewegungen ungefähr ausgeglichen werden. Es entsteht nach dem 5-Phasen-Modell eine relativ stabile postindustrielle Bevölkerungsweise (Vgl. Hradil 2006: 38 ff); (Vgl. www.wikipedia.org). Zur visuellen Verdeutlichung sind die fünf Phasen in Bezug auf Geburtenrate, Sterberate und Zuwachsrate in Abbildung 1 schematisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das 5-Phasen-Modell;Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Demografischer_%C3%9Cbergang#5-Phasen- Modell

2.2 Geburtenrate

Die Geburtenrate gehört neben der Sterberate und der Außenwanderung zu den entscheidenden Einflussfaktoren von Bevölkerungsprozessen und damit der demographischen Veränderung eines Landes. Unter der Geburtenrate oder auch Fertilitätsrate, versteht man dabei die Anzahl der Lebendgeborenen pro Jahr, welche von einer Frau im gebärfähigen Alter (15-45 Jahre) zur Welt gebracht werden (Vgl. Hradil 2006: 47). Die Entwicklung der Geburtenrate seit dem Ende des 2. Weltkrieges verläuft stagnierend. Nach dem Kriegsende stieg die Zahl der Geburten vorerst durch eine optimistische Grundstimmung und durch das im Jahr 1950 so genannte „Wirtschaftswunder“ an. Eine Erhöhung der Geburtenrate von 2,1 auf 2,5 Kinder zwischen den Jahren 1952 und 1969 waren die Ergebnisse. Einige Jahre darauf, 1965, sorgte der so genannte „Pillenknick“, also die Erfindung bzw. Einführung der Antibabypille zur Empfängnisverhütung, zu einem drastischen Geburtenrückgang. Bis 1975 fiel die Geburtenrate dementsprechend von 2,5 auf 1,4 Geburten pro Frau im gebärfähigen Alter (ebd.: 49). Der „Babyboom“ hatte somit ein Ende. Weiterhin blieb die Geburtenrate ab Mitte der 80er Jahre konstant bei 1,4 Kindern, wobei die DDR leicht über dem West-Niveau lag (Vgl. Halder 2008: 32). Nach der Wiedervereinigung 1990 sank die Fertilität in den neuen Bundesländern drastisch, so dass ein gesamtdeutsches Rekordtief von 1,24 Geburten verzeichnet wurde. In Ostdeutschland stieg jedoch nach Mitte der 90er Jahre die Geburtenrate wieder an, was zu einer gesamtdeutschen, bis heute relativ konstanten Geburtenrate von 1,4 Geburten pro Frau im gebärfähigen Alter führte (Vgl. Halder 2008: 33). Um das Ausmaß dieser Größe auf demographische Entwicklungen zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, welche Geburtenrate von Nöten ist um die Personenzahl einer Gesellschaft auf längere Sicht konstant zu halten. Um eine stabile Bevölkerungszahl zu gewährleisten, müssen 2,1 Kinder pro Frau zur Welt kommen (Vgl. Hradil 2006: 48). An dieser Stelle wird deutlich, dass die aktuelle Geburtenrate von 1,4 Kindern deutlich unter dem Reproduktionsniveau liegt und als Folge die Bevölkerungsanzahl in Deutschland abnimmt. „Es fehlen schlichtweg Menschen, die wiederum selbst Kinder zeugen könnten.“ (Klösters 2006: 39). Deutlich wird an dieser Stelle ebenso, dass die Fertilität eine der wichtigsten demographischen Einflussgrößen in Bezug auf die Bevölkerungszahl eines Landes darstellt (Vgl. Lange 1996: 6). Die Ursachen für die aktuell sehr niedrige Geburtenrate von 1,4 sind sehr vielseitig und unterschiedlich. An folgender Stelle sind einige wichtige davon zu nennen. Eine der zahlreichen Ursachen ist der oben schon erwähnte „Pillenknick". Unerwünschte Schwangerschaften werden somit heute bewusster und sicherer vermieden (Vgl. BMJFG 1977: 12). Ein weiterer Faktor, der für die niedrige Geburtenrate herangezogen werden kann, ist die Tatsache, dass Kinder in den heutigen Kleinfamilien von Deutschland weder als Alterssicherung, noch als Arbeitskräfte fungieren. Auch der in den letzten Jahrzehnten stattgefundene Wertewandel führte dazu, dass ]eine hohe Anzahl an Kindern in der heutigen Gesellschaft nicht mehr üblich ist (Vgl. Hradil 2006: 50). Kinder verursachen Kosten, welche den Lebensstandart von Menschen stark einschränken und ihre Karrierewege schwer begehbar machen. Die zunehmenden Möglichkeiten der freien Entfaltung der Persönlichkeit und das Bewusstsein der Bevölkerung darüber, dass lediglich eine kleine Kinderzahl einen hohen Grad von persönlicher Freiheit, Selbstverwirklichung und Konsum gewährleistet, spielen hierbei eine ebenso wichtige Rolle in der Entwicklung der Fertilitätsrate (Vgl. BMJFG 1977: 12). „Für Eltern bedeuten Kinder heutzutage sozialer Abstieg bis ins Rentenalter und sie sind das größte Armutsrisiko, vor allem für Frauen.“ (Gründinger 2009: 14). Neben den oben genannten Ursachen für die derzeit niedrige Geburtenrate wären noch viele andere direkte und indirekte Ursachen zu nennen, würden an dieser Stelle aber den Rahmen der Hausarbeit sprengen und nur unwesentlich zum Ergebnis beitragen.

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Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640955428
ISBN (Buch)
9783640955633
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v174888
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Der demographische Wandel in Deutschland