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Das Menschenbild in Organisationen

Unter besonderer Berücksichtigung von McGregor's X-Y-Theorie

Seminararbeit 2010 13 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zur Einführung

2 Zum Begriff „Menschenbild“:Definition, Funktion, Kritik

3 Douglas McGregor’s dualistischer Ansatz zur Charakterisierung von Personen
3.1 Theorie X
3.2 Theorie Y

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Zur Einführung

Sozialwissenschaftliche Theorieentwicklung ist ohne Zweifel in vielen Fällen anthropologisch ausgelegt. Der Mensch steht im Mittelpunkt des Geschehens und begibt sich auf die Suche nach seiner eigenen Natur. Dabei ist es bereits die Suche selbst, die sein Menschsein beschreibt. Der Mensch lebt unter be- stimmten Umständen, wie seiner familiären oder beruflichen Situation. Er ist dabei in der Lage diese Umstände durch sein Tun oder Nicht-Tun selbst zu beeinflussen. Seine spezifischen Merkmale und Eigenschaften sowie die Cha- rakteristika seines Verhaltens bilden dabei das Bild, mit dem er die Gesell- schaft und Umwelt um sich herum sinnhaft mitgestaltet. (vgl. Kirchler/ Meier- Pesti/ Hofmann 2004, S.12).

Um ein soziales System handelt es sich auch in Organisationen. Diese sind strukturiert und bestehen aus Gruppen von Einzelpersonen, die kooperieren müssen um vereinbarte gemeinsame Ziele zu erreichen. (vgl. Weinert 2004, S.6) In solchen Organisationen spielt das Bild des Menschen eine besondere Rolle. Es prägt die Entwicklung von Organisationsformen und -konzepten, Personalführung, Führungsmodellen und Managementtheorien maßgeblich. Entscheidender Faktor ist es für Fragen der Kooperation, Führungsdiskussio- nen, bei der Betrachtung individueller und organisationaler Ziele und Ideolo- gien sowie im hierarchischen Umgang der Mitarbeiter. Das Bild, das sich Ma- nager und Führungskräfte in Organisationen vom Menschen machen, resul- tiert aus der gesellschaftlichen Umwelt und individueller Eigenart und birgt schwerwiegende Auswirkungen auf Entscheidungen, Entschlüsse und Schlussfolgerungen sowohl für die Organisation als auch für den Menschen selbst. (vgl. Kirchler/ Meier-Pesti/ Hofmann 2004, S.13).

In dieser Arbeit soll der Begriff des „Menschenbildes“ betrachtet werden. Dabei geht es vor allem um eine ganzheitliche Definition und mögliche Probleme, die ein Menschenbild birgt. Anschließend versucht diese Arbeit anhand der X- Y-Theorie von Douglas McGregor die erarbeiteten Aspekte des allgemeinen Begriffes des „Menschenbildes“ zu fixieren und herauszufinden, wie sich die beiden Theorien auf die Organisation auswirken.

Um in die Arbeit einzusteigen, gilt nun zunächst die Aufmerksamkeit dem Be- griff „Menschenbild“. Im Folgenden wird dieser vor allem kritisch betrachtet.

2 Zum Begriff „Menschenbild“: Definition, Funktion, Kritik

Ausgehend von Weinert (2004) handelt es sich beim Begriff „Menschenbild“ um „Grundannahmen, Einstellungen und Erwartungen von Führungskräften gegenüber Zielen, Fähigkeiten, Motiven und Werten von Mitarbeitern“ (Weinert 2004, S.664). Sie dienen aufgrund ihrer aktuellen Selbstverständlich- keit als Grundlage für wissenschaftliche Theoriebildung und praktische Hand- lungen, d.h. sie werden aufgrund von vorherrschenden Gegebenheiten entwi- ckelt und auf diese wiederum angewendet. Etwas allgemeiner und mit der Brücke zur gesellschaftlichen Rolle betrachtet Wilpert (1989) das Menschen- bild als Bezugssystem, das Wertvorstellungen und Verhaltensweisen des Ein- zelnen und der Gesellschaft wesentlich beeinflussen. (vgl. Wilpert 1989, S.159 ff.) Eher mit Bezug zur Wissenschaft und auf die Genese dieser Konstrukte gehen Kirchler/ Meier-Pesti/ Hofmann (2004) vor. Sie beschreiben Menschen- bilder als „individuelle und soziale Konstruktionen, die im wissenschaftlichen Diskurs entwickelt, akzeptiert, kritisiert und im Laufe der Zeit verändert wer- den“ (Kirchler/ Meier-Pesti/ Hofmann 2004, S.12). Pircher-Friedrich (2007) fügt dazu an, dass Menschenbilder immer abhängig vom Menschen existieren und je nach Bedarf, Zielsetzung und einem übergeordneten Weltbild gestaltet wer- den. Verändert sich einer dieser Punkte, so verändert sich auch das Men- schenbild. (vgl. Pircher-Friedrich 2007, S.67) Da sich diese vier Definitionen nicht widersprechen, sondern lediglich ergänzen und damit auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Begriff zusammenarbeiten, sollen alle als Gesamtdefini- tion für den Begriff „Menschenbild“ grundlegend für diese Arbeit sein.

Wie einleitend bereits verdeutlicht, prägen Menschenbilder die Struktur und das Verhalten in und von Organisationen. Besonderes Augenmerk gilt dabei an dieser Stelle zunächst der Arbeitsgestaltung: Menschenbilder machen Be- wertungsstandards und Gestaltungsrichtlinien in Organisationen sichtbar, wel- che die Art und Weise der Zumutbarkeit von Aufgaben zeigen. Anhand von Leitfragen wie „Was wird erwartet?“, „Was kann erwartet werden?“ oder „Was darf erwartet werden?“ wird ermöglicht, das Aufgabenspektrum und die Ziel- vorstellungen an die Fähigkeiten und Kenntnisse der Mitarbeiter anzupassen und umgekehrt. (vgl. Kirchler/ Meier-Pesti/ Hofmann 2004, S.12)

Doch nicht nur bezüglich der Arbeitsgestaltung, sondern auch mit Blick auf machtpsychologische Fragen fungieren Menschenbilder. Sie verorten den Einzelnen in einem System, egal ob Organisation oder Gesellschaft, und ver- teilen in diesen mehr oder weniger hohe Dimensionen an Machtmitteln, Ein- fluss und Entscheidungsgewalt. In Zeiten des Human Resources Management spielen Menschenbilder aber noch weitere wichtige Rollen. Beispielsweise beim „Optimieren von Arbeitsvorgängen und (...) Einsatz menschlicher“ (Weinert 2004, S.664) Arbeitskraft, beim Diskutieren und Ausbalancieren von Zielen, Motiven, Erwartungshaltungen des Einzelnen und der Organisation sowie bei der Implementierung einer „corporate identity“ treten die Charakter- züge und Merkmale eines Menschenbildes zum Vorschein. (vgl. Weinert 2004, S.664)

Der Begriff „Menschenbild“ kann auf verschiedenen Wegen unterteilt werden. Wilpert (1989) legt dazu folgende Differenzierung in explizite und implizite Leitbilder fest. Explizite Leitbilder bezeichnet er als „Utopien mit daseinsge- stalteter Intention“ (Wilpert 1989, S.159), welche das Wünschenswerte und Erstrebenswerte ausdrücken. In impliziten Leitbildern sieht er dagegen homo- gene Zusammenstellungen von „Grundannahmen und Vermutungen über die Natur des Menschen, seine Bedürfnisse und Verhaltensweisen“ (Wilpert 1989, S.159), die sich im Alltagsleben als naive Persönlichkeitstheorien zeigen. Sie folgen dem menschlichen Bedürfnis nach Ordnung und Reduktion der Varietät und Komplexität des Alltags und der Arbeitswelt. Implizite Menschenbilder sind in der Regel stark vereinfachte Verdichtungen verschiedener Facetten des menschlichen Verhaltens, die auf der Basis mehr oder minder homogener Merkmalskonstellationen bestehen. Wilpert zählt zu diesen die vier Men- schenbilder nach Schein (1980, S.77ff.: „Der rational ökonomische Mensch“, S.81ff.: „Der Mensch als soziales Wesen“, S.89ff.: „Der Mensch, der sich selbst verwirklicht“, S.94ff: „Der komplexe Mensch“) und McGregor’s X-Y- Theorie (1973). Auf Letztere wird im späteren Verlauf näher eingegangen. (vgl. Wilpert 1989, S.159ff.)

Das Konstrukt „Menschenbild“ unterliegt jeder Menge Diskussionsstoff und kri- tischen Gedanken, die deren Existenz und Nutzen in Frage stellen. So kriti- siert Pircher-Friedrich (2007) beispielsweise die fehlende Weltoffenheit eines Menschenbildes. Da es weder für Veränderungen der Menschen noch für Veränderungen seines selbst offen ist, entsteht ein geschlossenes System, das den status quo der Betroffenen festigt und den Ausbruch aus einem Men- schenbild unmöglich macht. Weiterhin sieht sie einen diskriminierenden As- pekt vorliegen, da die Menschenbilder und damit auch die Menschen un- gleichwertig behandelt werden. Als dritten Kritikpunkt bringt sie an, dass mit deren Hilfe zwar gewisse Werte vermittelt werden, diese aber nicht auf Refle- xion beruhen und damit die Selbstbestimmung des Menschen behindern. In ihrem vierten und letzten Angriffspunkt thematisiert sie die nachlassende Ori- entierung an lebensweltlichen Bedürfnissen. Stattdessen geben Menschenbil- der Systeme vor, nach denen Menschen zu kategorisieren sind.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640661756
ISBN (Buch)
9783640661893
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v153757
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Institut für Personalmanagement
Note
1,0
Schlagworte
Personalmanagement Menschenbild McGregor X-Theorie Y-Theorie Homo Oeconomicus X-Y-Theorie Kritik Funktion

Autor

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Titel: Das Menschenbild in Organisationen