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Standortfaktoren anhand von Wolfsburg und VW

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 4 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Standortfaktoren am Beispiel Wolfsburgs

Im folgenden Text soll die vielfältige Bedeutung von Standortfaktoren für die Gewerbe- und Industrieansiedlung in Niedersachsen am Beispiel Wolfsburgs erläutert werden. Dabei werden die allgemein gültigen Kriterien für die Standortauswahl ergänzt durch die, die für Volkswagen vor der Gründung im heutigen Wolfsburg galten.

Unter dem Begriff Standortfaktoren versteht man in der Ökonomie die Gesamtheit aller Kräfte, die ein Wirtschaftsunternehmen in seiner Entscheidung für einen bestimmten Standort beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel das Angebot an benötigten Arbeitskräften, das Lohnniveau, die Nähe zum Absatzmarkt, das Vorhandensein von Rohstoffen, mögliche Transportkosten sowie klimatische Bedingungen. Die Gewichtung und Bedeutung der einzelnen Aspekte variiert von Branche zu Branche, und meist fällt die Entscheidung für den Standort, der das beste Mischverhältnis der benötigten Faktoren bereitstellt eher als für einen, der nur wenige Voraussetzungen, die dafür aber vollständig erfüllt.

Während in der Zeit vor der Erfindung der Eisenbahn die Transportkosten für jedes Geschäftsgebiet ausschlaggebend waren, sind heute andere Faktoren in den Vordergrund gerückt, die von den Branchen wiederum unterschiedlich bewertet werden. Beispielsweise mißt die Lederindustrie dem verfügbaren Arbeitskräftepotenzial eine sehr große Bedeutung zu, die Druck- und Genussmittelindustrie hingegen legt großen Wert auf die verkehrsmäßige Erschließung. Die Verfügbarkeit von erschlossenem Gelände zur möglichen Betriebserweiterung wird von nahezu alle Branchen als am wichtigsten angesehen. Die günstige Lage zum Absatzmarkt hat viel an Bedeutung verloren, da das inzwischen gut ausgebaute Verkehrsnetz einen schnellen Transport direkt zum Zielort erlaubt. Lediglich der Industrie der Steine und Erden sowie der Genussmittelindustrie ist die Nähe zum Abnehmer noch wichtig. Als weiter Faktor sind im Zuge der Industrialisierung Förderungen aus öffentlicher Hand hinzugekommen, wie zum Beispiel Steuervergünstigungen oder die vorherige Schaffung von Infrastruktur (Geländeerschließung, Straßenbau, Ver- und Entsorgung).

Die Standortwahl der Volkswagenwerk GmbH 1938 (der späteren Volkswagen AG) erfolgte vor allem nach militärisch-strategischen Aspekten. Da die Produktion während des zweiten Weltkriegs auf Kübelwagen- und Rüstungsproduktion beschränkt war, wurde darauf Wert gelegt, dass der Standort möglichst weit von den Staatsgrenzen entfernt lag, um vor Luftangriffen geschützt zu sein. Die Arbeitskräfte wurden aus den umliegenden Dörfern angeworben. Die Stadt Wolfsburg existierte damals noch nicht.

Nach dem Krieg beschäftigte Volkswagen - bis 1949 unter britischer Kontrolle - 9.000 Menschen. Aus der ,,Stadt des KdF-Wagens" (KdF = ,,Kraft durch Freude" - Programm des Naziregimes zur Motivation der Arbeiter durch günstige Reisen in Partnerländer und Unterstützung der Automobilverbreitung) und wurde im selben Jahr die Stadt Wolfsburg, wo damals 17.109 Menschen lebten.

Heute hat Wolfsburg 124.000 Einwohner, von denen 74.000 sozialversicherungspflichtig arbeiten. Das Volkswagenwerk in Wolfsburg allein beschäftigt davon 50.061. Trotzdem herrschte in der Stadt am Mittellandkanal bis 1998 eine Arbeitslosenquote von rund 18 % der Erwerbstätigen. Zum 40. Gebur tstag schenkte die Volkswagen AG ihrer Heimatstadt ein innovatives Projekt namens Forum Autovision, dessen erklärtes Ziel es ist, bis zum Jahre 2003 die Arbeitslosigkeit in Wolfsburg gegenüber dem Stand von 1998 zu halbieren und den Wirtschaftsstandort Wolfsburg nachhaltig und langfristig zu stärken. Im September 2000 lag der Prozentsatz der Erwerbslosen bei 7,3 %, damit ist der versprochene Wert bereits rund zwei Jahre vor der selbst gesetzten Frist erreicht worden, das Programm ist also erfolgreich.

Um dieses zu erreichen wurde mit dem Bau eines Zentrums begonnen, in dem eine mit neu angesiedelten Zulieferern abgestimmte Entwicklung von Bauteilen für viele zukünftige Modelle des Volkswagenkonzerns stattfinden soll. Hier werden laut Volkswagen bis zum Jahre 2002 3.000 neue Arbeitsplätze für Ingenieure und Fachkräfte für die Automobilentwicklung zum einen und für Werkstatt- und Servicekräfte zum anderen entstanden sein. Forschung, Entwicklung und Service für Automobile sollen unter einem Dach vereint werden. Bereits heute arbeiten hier 700 Mitarbeiter von Volkswagen und seinen Zulieferern zusammen. Dadurch werden die Regelkreise im Entwicklungszyklus möglichst kurz und flexibel gehalten und Entwicklungszeit und -kosten gespart.

Um der hohen Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken wurde vorher schon vom Land Niedersachsen der Bau eines Güterverkehrszentrums zur Standortverbesserung in Wolfsburg veranlasst, das von vielen privaten Investoren mitfinanziert wurde. Seit der Fertigstellung im November 1997 steht es allen Betrieben im Raum Wolfsburg (allerdings gebührenpflichtig) zur Verfügung, um den Güterumschlag zwischen Straße, Schiene und Binnengewässern zu vereinfachen und zu verbilligen, was zusätzlich auch der Umwelt zu Gute kommt.

Ein weiterer Vorteil für Wolfsburg ist die Fachhochschule vor Ort, die - vom Land und privaten Investoren gefördert - Ingenieure für Fahrzeugtechnik, Industrie-Informatik und Recycling ausbildet. Die benötigten Nachwuchsfachkräfte für VW und die Zulieferer sind damit in Reichweite und könne n direkt angeworben werden. Auch die Universitäten Hannover, Magdeburg, Braunschweig und Clausthal liegen im Umkreis von 100 Kilometern, sind somit konsultierbar, wenn es beispielsweise um entwicklungstechnische Fragen geht. Hier kommt der Stadt auch der neue Systemhalt des ICE auf der Strecke Berlin-Hannover zu Gute, der schnelle Transfers in die beiden Großstädte ermöglicht.

Was Wolfsburg von allen anderen Städten in der Umgebung unterschiedet ist seine vorteilhafte Verkehrsanbindung. In der Mitte Europas, Deutschlands und des deutschen Autobahnnetzes mit guten Ost-West- (Berlin-Hannover) sowie Nord-Süd- Verbindungen (Hamburg-Ruhrgebiet), der logistischen Schnittstelle (Güterverkehrszentrum) zwischen Straße, Schiene und der Binnenschiffahrt auf Elbe, Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal erfüllt es alle Anforderungen, die Logistik- Dienstleister, Distributeure oder Produktionsbetriebe stellen können.

Besonders zu erwähnen, ist jedoch die beispielhafte Mühe, die sich die Wolfsburg AG, eine Tochter der Stadt Wolfsburg zusammen mit einem Team von VW, mit der Ansiedlung von VW- Zulieferbetrieben gibt. Diese Unternehmen erhalten von vorn herein Beratung und Unterstützung, wenn es beispielsweise um die Beantragung von Fördermitteln oder um den Erwerb von Grundstücken geht.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Initiative von Volkswagen und Wolfsburg, durch die Ansiedlung von Zulieferern und Logistikunternehmen Arbeitsplätze zu schaffen, durchaus überzeugt - das beweisen die jüngsten Arbeitslosenzahlen. Insbesondere die Schaffung eines Güterverkehrszentrums zur Straßen- und Umweltentlastung ist eine beispielhafter Ansatz. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass ein günstige Verkehrslage allein Logistik- Unternehmen nicht sofort nach Wolfsburg ziehen wird. Die Bahn legt immer mehr Strecken still und konzentriert sich auf den Personen- und Güterfernverkehr. Damit sinkt die

Wahrscheinlichkeit, dass der Zielort über einen Bahnanschluss verfügt. Hieraus ergibt sich wiederum eine teure und zeitaufwändige Umladung auf LKW für den letzten Rest der Strecke. Es wäre dann zu prüfen, ob man die Lieferung nicht von vorn herein per LKW kostengünstiger hätte zustellen können. Wenn der Gleisanschluss in Wolfsburg in Folge dessen nicht genutzt würde, wäre die Investition aus Steuergeldern verschwendet.

Quellen:

- Broschüren:

- ,,Wolfsburg" von der Gesellschaft für Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung Wolfsburg mbH
- ,,Lieferantenansiedlung" von der Wolfsburg AG
- ,,Ein Beitrag zur regionalen Entwicklung" vom Güterverkehrszentrum Wolfsburg
- ,,WerkStadt" von Volkswagen Kommunikation

- reson - Regionale Entwicklungsagentur für Südostniedersachsen e.V.

- VW-Presse

- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Wolfsburg

- Microsoft Encarta 2001 Plus (Testversion)

- Statistisches Sonderheft ,,Arbeitslose Ende September 2000 nach Gemeinden und verschiedenen Strukturen"

der Bundesanstalt für Arbeit, Landesarbeitsamt Niedersachsen-Bremen

Details

Seiten
4
Jahr
2000
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99920
Institution / Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Note
12 Punkte/
Schlagworte
Standortfaktoren Wolfsburg

Autor

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Titel: Standortfaktoren anhand von Wolfsburg und VW