Lade Inhalt...

Bedeutung, Entwicklungsphasen und Themen der Gruppe 47

Referat / Aufsatz (Schule) 1998 7 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Gliederung:

1. Begriff ,,Gruppe 47"

2. Bedeutung

3. Entwicklungsphasen
3.1 Zeitschrift ,,Der Ruf"
3.2 Gründung der Gruppe 47

4. Inhalte und Themen
4.1 Mitglieder
4.2 Ablauf der Treffen

5. Die Auflösung der literarischen Gruppe

6. Quellen

1. ,,Gruppe 47": - lockerer Zusammenschluß politisch linksgerichteter Schriftsteller bzw. Kritiker

2. - ,,Zentralcafé einer Literatur ohne Hauptstadt." (Hans Magnus Enzensberger)

- war das Forum für literarische Diskussion und Kommunikation sowie gesellschaftliche Reflexion in 20 Jahren Nachkriegsdeutschland

- Debatten-, Streit- und Diskussionskultur ist auch nach ihrem Ende noch in der literarischen Szene spürbar -> Klagenfurter Bachmann-Preis, dem Deutschen Literaturfonds in Darmstadt, jungen Berliner Literaturpreis

- wichtigste und einflußreichste literarisch-politische Gruppierung der deutschen Nachkriegsliteratur

3. Verbot der Zeitschrift ,,Der Ruf" und die Gründung der Gruppe 47

Entwicklungsphasen der Gruppe 47:

1. Phase (1947-49): - Konstitutionsperiode _ literarischen Werkstattcharakter und kollegiale Arbeitskritik unter _ Schriftstellern
2. Phase (1950-57): - Aufstiegsperiode _ Gruppe 47 literarisch meinungsführend _ Kollegenkritik von professionellen Literaturkritik verdrängt
3. Phase (1958-63): - Hochperiode ___ _ Entwicklung zu einer literarisch-kulturellen Institution, in der man _ _ _ _ sicher war, den Anschluß an die Weltliteratur wieder geleistet zu haben
4. Phase (1964-67): - Spätperiode und Zerfall _ Gruppe erstarrte in ihren Schematismen _ konnte auf neue Entwicklungen nicht mehr angemessen reagieren

3.1 - Hans Werner Richter: "Bindeglied", Motor und Integrationsfigur der Gruppe, wies schon früh auf die Absichten der Gruppe hin: "Der Ursprung der Gruppe 47 ist politisch - publizistischer Natur. Nicht Literaten schufen sie, sondern politisch engagierte Publizisten mit literarischen Ambitionen."

- Gruppe 47 entstand aus einem Kreis, der sich ursprünglich um die literarische Zeitschrift ,,Der Ruf" (Untertitel: ,,Unabhängige Blätter der jungen Generation") gebildet hatte
- 1946 in München gegründet - ,,Stunde Null"
- Herausgeber: Hans Werner Richter (1908-1993) und Alfred Andersch (1914- 1980)

Richter: - geb. auf Usedom

- orientiert sich schon in jungen Jahren politisch nach links
- 1940 von Wehrmacht eingezogen
- in amerikan. Kriegsgefangenschaft -> Lagerzeitung
- ab 1946 freier Schriftsteller

Andersch: - geb. in München / Sohn eines Offiziers

- Organisationsleiter eines Kommunistischen Jugendverbands in Südbayern
- 1933 drei Monate im KZ Dauchau
- 1940 von Wehrmacht eingezogen
- desertierte an italienischer Front -> amerikan. Gefangenschaft und Iternation
- 1945 Redaktionsassistent
- Themen: totalitäre Regime, Nachkriegsdeutschland, die Rolle von Politik und Gesellschaft
- Ziel: Aufklärung und Erziehung zur Demokratie der Menschen in Deutschland nach dem Hitlerregime
- Autoren: Gustav René Hocke, Walter Maria Guggenheimer, Hans Sahl und Karl Krolow sowie Wolfdietrich Schnurre
- kritisches Organ zur politischen Bewußtseinsbildung
- Gegnerschaft zur offiziellen Politik und zum Klima der Restauration
- April 1947 Verbot durch US-Militärregierung

Grund: - Nihilismus (gemeint waren jedoch nicht die literarischphilosophischen Tendenzen)

Nihilismus (lat.: nihil - nichts): Lebenseinstellung, die besagt, daß nichts, was existiert einen Wert bzw. eine Bedeutung hat

- bedingungslose Verneinung aller Werte und Normen, der Möglichkeit des Fortschritts und der Erkenntnis
- Überzeugung von der Nichtigkeit alles Seienden und des Daseins
- weiterreichende politische Überlegungen (Eintreten für einen unabhängigen demokratischen Sozialismus zwischen den Systemen der USA und der UdSSR)
- Versuch der Autoren, kritische intellektuelle Tätigkeit auch politisch wirken zu lassen und damit den trad. deutschen Gegensatz zwischen ,,Geist und Tat" (Heinrich Mann) zu überwinden, war gescheitert

3.2. - Richter plante Herausgabe einer neuen Zeitschrift ,,Der Skorpion"

- notwendige Finanzierung fehlte _ Scheitern
- Planungsphase legte Grunstein für die ,,Grupppe 47"
- Mitarbeiter des ,,Rufs" stellten ihre ungedruckten Manuskripte vor (man traf sich, die Autoren lasen ihre Texte, und man diskutierte darüber)
- 10. September 1947 erste Tagung der Gruppe 47 (Ort: Haus der Schriftstellerin Ilse Schneider-Lengyel am Bannwaldsee bei Füssen)
- Wahl des Gruppennamens von der spanischen ,,Gruppe 98" (Ziel: Erneuerung der Literatur und Gesellschaft in Spanien nach dem verloreren Krieg Spaniens gegen die USA im Jahre 1898)
- Ausklammerung der ursprünglichen gesellschaftlichen Vorstellungen (s. ,,Der Ruf")
- Skepsis gegen alle geschlossenen Systeme und geistig Abstrakten erstreckte nur noch auf Literatur
- empfindlich gegen Pathos, Esoterik und Innerlichkeit
- ohne festes politisches oder ästhetisches Konzept
- Ziel: Wiederbelebung einer jungen deutschen Literatur (Kritik gegen auf eine auf Idealisisierung, Zeitferne und poetische Verklärung ausgerichtete Dichtung)
- Anforderung an Autor: Bestandsaufnahme aufgrund persönlicher Erfahrungen
- Gedicht von Günter Eich ,,Inventur" (spätere Aufnahme in den ,,Almanach" der Gruppe 47 durch Richter)

[INTERPRETIEREN!! S.40/41]

4. - einen wahrhaften Neuanfang der Gesellschaft, der Politik und damit auch der Sprache

- Grundlage blieb die politische Einstellung (s. 3.1) , wurde aber nie ausdrücklich thematisiert (prägte das ,,Wir-Gefühl" bei Gesprächen am Rande)
- man wollte der Sprachzerstörung entgegentreten, welche die Nationalsozialisiten durch Lüge, Propaganda und Pathos bewirkt hatten
- Mittel: Einfachheit, sachliche Wahrhaftigkeit (angemessene Wiedergabe ihres Lebens)
- S. 41 ,,Inventur" _ S. 42 Borchert
- nicht nur Sprachverschleierung der NS-Anschauungen auch trad.
,,Harmonielehre" der ,,wohltemperierten Klaviere" (Borchert) wurden attackiert
- Ablehnung der Literatur der Weimarer Republik, der Exilliteratur und Literaten der Inneren Emigration (sprachl.)
- Wolfgnag Weyrauch prägte 1949 den Begriff ,,Kahlschlagliteratur"
- beschreibt äußere und innere Leere in der Nachkriegsgesellschaft und sieht dies auch als die Aufgabe und Mission der Literatur an

4.1 Schriftsteller: Alfred Andersch, Hans Werner Richter, Ilse Schneider- Lengyel, Günter Eich,

Heinrich Böll, Günter Grass, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, Martin Walser Ilse Aichinger, Siegfried Lenz, Jürgen Becker, Johannes Bobrowski, Uwe Johnson, Peter Weiss Kritiker: Marcel Reich-Ranicki, Walter Höllerer, Walter Jens, Hans Mayer, Joachim Kaiser, Fritz Joachim Raddatz

- Gemeinsamkeit: antiautoritäre Grundeinstellung, welcher die Erfahrungen des nationalsozialistischen Regimes und des 2. Weltkrieges zugrunde lagen _ Zusammenhalt
- Schriftstellern wurde politisches Engagement abverlangt

4.2 - ein- bis zweimal jährlich

- von 1950-55 vergab die Gruppe 47 einen eigenen Literaturpreis (Bargeld aus eigenen Reihen + Sponsorgelder von Verlagen und Rundfunkanstalten) in unregelmäßigen Abständen)
- Literatur der Gruppe 47 wurde bald auch im Ausland repräsentativ für das neue, demokratische Deutschland (Gruppentagungen fanden in Schweden und in den USA statt)
- zeitweise live im Rundfunk übertragen

,,Ritual": - Hans Werner Richter wählt den Tagungsort aus, lädt per Postkarte zu den Tagungen ein, er organisiert sie und leitet die Diskussionen

- Autor nimmt neben Richter Platz und liest aus seinem unveröffentlichten Werken _ mündliche Kritik der Kollegen und später der Berufskritiker
- andere Werke, Position des Autors selbst und literarische Grundsatzfragen durften nicht berührt werden _ Pluralismus unter Autoren und Texten
- besteht junger Autor diese ,,Feuertaufe": materieller Grundstein (Richter konnte seit Beginn der 50er Jahre immer wieder Rundfunkintendanten als Sponsoren gewinnen)
- Lesungen selbst stellten nur Text zur Diskussion
- Kritiken konnten aber auch vernichtend sein
- Gruppentreffen galten deshalb bald als ,,Talentschmiede" und literarische ,,Informationsbörse"
- Preisträger: Günter Grass, Johannes Bobrowskik, Günter Eich (1950) , Heinrich Böll (1951), Ilse Aichinger (1952)
- Autoren rückten aus ihrer gesellschaftlichen Isolation ins Blickfeld der Öffentlichkeit
- Gruppe 47 = Forum deutscher Literaten der Nachkriegszeit 5. - 1967 letztes offizielles Treffen
- Gründe: - Verzicht auf alles Politische
- Gruppe war immer bemüht möglichst neutral, diskret und bescheiden Gesellschaftliches und Individuelles zu beschreiben
- Vietnamkrieg _ Studenten protestieren in Berlin gegen: Staatsbesuch des Schah von Persien, Notstandsgesetze, Wiederaufrüstung, Hochschulreform und Pressekonzentration Distanz und Heraushaltung _ Einmischung und konkrete politische Stellungsnahme
- dies entsprach nicht mehr den Gruppenkodex
- Konzept der ,,jungen Generation" (hatte den ,,Ruf") getragen zerbrach
- verband in Nachkriegszeit die Zwischengeneration (Andersch, Richter) mit den wirklich Jungen (Böll, Schnurre) _ alle vom Krieg und Faschismus geprägt
- nächste Generation (Zeit des Wiederaufbaus, des Wohlstands und der Restauration) _ Überwindung des literarischer Formalismus und der politische Passivität der Gruppe 47
- Ideologische Verkrampfungen _ hochentwickelter Formalismus
- Richter wollte der Gruppe eine Zerreißprobe ersparen -> suchte nach geeigneter Gelegenheit
- 1972 im kleinen Kreis in Berlin, um dann die Gruppe 47 im September 1977 zu ihrem letzten Treffen nach Saulgau einzuladen

6.Quellen:

- ,,Geschichte der deutschen Literatur- von 1945 bis Gegenwart", Ernst Klett Schulbuchverlag, 1. Auflage 1997
- ,,Microsoft® Encarta® 98 Enzyklopädie" ©1993-1997 Microsoft Corporation
- www.uni-ulm.de/LiLL/senior-info-mobil/module/Lit47.htm
- http://home.t-online.de/home/hansjoerg.haas/Literatur/Gruppe47/gruppe47.htm

Details

Seiten
7
Jahr
1998
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99876
Note
2 (10 Punk
Schlagworte
Gruppe

Autor

Zurück

Titel: Bedeutung, Entwicklungsphasen und Themen der Gruppe 47