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Wertewandel, Erziehungsmodelle und die Studentenrevolte der späten 60er Jahre

Ausarbeitung 2001 21 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Wertewandel, Erziehungsmodelle und die Studentenrevolte der späten 60er Jahre

Summerhill 2000 (Kommentar)

Die antiautoritäre Erziehung ist so gründlich out, dass man sie schon wieder verteidigen muss. Aus den Kindern von damals sind schließlich keine Monster geworden, oder? Antiautoritär erzogene Kinder denken als Erwachsene meist konservativ, abgesehen davon wirken sie sozial unauffällig. Der Mensch ist eben - um mal kurz grundsätzlich zu werden - ein fehlerresistentes System. Der hält schon ordentlich was aus, auch ein paar pädagogische Experimente.

1921 hat der Schotte Alexander S. Neill die Privatschule Summerhill gegründet, in der englischen Grafschaft Suffolk. Eine Schule ohne Leistungszwang, whow: in den 60er Jahren wurde Summerhill zum heiligen Gral der alternativen Pädagogik. Es hat sämtliche Trendwenden überlebt; heute steht der heilige Gral unter der Leitung von Neills Tochter Zo Readhead. Immer noch entscheiden in Summerhill die Schüler selbst darüber, ob sie am Unterricht teilnehmen oder nicht. Die Stimmen von Kindern und Erwachsenen haben bei Abstimmungen immer noch gleiches Gewicht, und wer keine Lust auf Mathe hat, kann statt dessen Schwimmen gehen, heute wie einst im Mai '68. Nur Schlafen oder Fernsehen während der Unterrichtszeit sind verboten.

Vor ein paar Tagen hat Summerhill am Londoner High Court einen historischen Prozess gegen die britische Schulbehörde gewonnen. Die Behörde wollte Summerhill schließen, wegen "mangelnder Qualität". Der Vorwurf bezog sich nicht auf die Leistungen der Schüler, sondern auf den Zustand der Gebäude, unter anderem der Toiletten. Denn Summerhill-Kinder legen ihre Abschlussprüfung zwar ein wenig später ab als andere, aber sie wissen genauso viel wie die Normalos. Tony Blairs Leute mögen Summerhill nicht, heißt es in den britischen Zeitungen. Deshalb der Ärger mit der Behörde. New Labour ist offensichtlich stärker auf Leistung, Anpassung und Tempo fixiert als die Konservativen.

Die Schüler von Summerhill machen im Leben ihren Weg, wie man gern sagt. Sie werden oft Maler, Designer oder Autoren. Sogar ein echter Hollywoodstar kommt aus Summerhill: Rebecca de Mornay. Sie sind allerdings nur wenige, zur Zeit etwa 65. Zwei Drittel dieser erlesenen kleinen Schar stammen aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland und Japan. Ihre Eltern sind wohlhabend. Das Schulgeld beträgt etwa 1500 Mark im Monat. Um 65 Schüler kümmern sich ungefähr 20 Lehrer und Betreuer.

Nein, Summerhill wird von der Geschichte nicht wiederlegt. Es funktioniert, aber es funktioniert auf eine recht luxuriöse Weise. Welcher Staat könnte solche Schulen finanzieren? So klein? So flexibel? Sozial homogen, und auch noch mit Badesee?

Die Linke, auch die linke Pädagogik, hält bekanntlich den Menschen für gut. Man muss diese freundlichen Geschöpfe nur sich selber überlassen, dann können ihre liebenswerten Veranlagungen sich ungestört entfalten. Die Konservativen dagegen sind misstrauisch. Sie wollen alles kontrollieren. Nur drei oder vier Kinder pro Betreuer - so viel liebevolle Behütung, individuelle Differenzierung und soziale Kontrolle. Womöglich spricht das gelungene Experiment Summerhill ja für die Richtigkeit des konservativen Menschenbildes? Kein Wunder, dass Blairs Leute dagegen sind.

DER SPIEGEL 47/1998 vom 16.11.98

Zwischen Ohnmacht und schlechtem Gewissen

Man sprach nicht darüber und tat es doch - nun entdeckt die Pädagogik das Thema Strafe wieder

Grenzen setzen. Der Begriff dominiert zurzeit alle Gespräche über Erziehung. Aber kann man Kindern Grenzen setzen, ohne sie zu strafen? Strafe war bei fortschrittlichen Pädagogen fast 30 Jahre ein Tabu. Ein Problem ist sie noch heute.

Autor: VON KATJA RAUCH

Antiautoritäre Erziehung? Schnee von gestern. Auch eingefleischteste Anhänger von Summerhill, der Vorzeigeschule der antiautoritären Pädagogik, haben inzwischen gemerkt, dass nicht einfach verschwiegen werden kann, was nicht sein darf. Denn wie sehr auch immer in der Folge des 68er Aufbruchs das Strafen verpönt war, wie sehr man sich auch weigerte, öffentlich über den Sinn von Strafen nachzudenken - an der Praxis hat das nicht viel geändert: Ohrfeigen, Hausarreste und Strafaufgaben wurden nach wie vor eingesetzt. Oft aus reiner Hilflosigkeit, weil sich Eltern wie Lehrer irgendwann nicht mehr anders zu helfen wussten, wenn sich der Nachwuchs als doch nicht so einsichtig zeigte wie erhofft. Zurück blieb zwangsläufig ein schlechtes Gewissen.

Auch Marianne Spieler, Mutter des elfjährigen Lars, kennt diesen Mechanismus nur zu gut. Auf keinen Fall will sie ihre Kinder schlagen. Doch von ihrem Sohn fühlt sie sich manchmal so provoziert, dass sie sich nur mit Mühe beherrschen kann. Etwa wenn er nach Hause kommt und seine Sachen einmal mehr einfach mitten im Gang liegenlässt.

Hundertmal schon hat sie es ihm gesagt. "Du weisst, dass ich das nicht will", sagt sie also zum hundertundersten Mal, "räum deine Sachen bitte weg!" Der Sohn tut, als höre er nichts. Sie wird lauter, er gibt zurück, "wieso immer ich", schreit er - die Diskussion eskaliert, wird zum Machtkampf. Sie packt ihn am Arm, zittert vor Wut. Jetzt einfach zuschlagen, schiesst es ihr durch den Kopf. Jeder andere Gedanke ist blockiert. Der Sohn spürt das genau. "Schlag mich doch", provoziert er weiter. Sie lässt los - gelähmt von einem Gefühl völliger Ohnmacht. Eine Spirale ohne Ende?

Soll das der Alltag der Erziehenden bleiben? Nein, ist der Tenor verschiedener Neuerscheinungen, die Eltern Mut zur Erziehung machen wollen. "Grenzen setzen" heisst das pädagogische Zauberwort. Nur: Geht das ohne Strafe? Oder gehören Sanktionen bei Grenzübertretungen zwangsläufig dazu? Mit der Rückbesinnung auf Erziehung ist auch die Diskussion über Sinn und Unsinn von Strafen neu entflammt. "Strafe muss sein?"** ist ein Sammelband betitelt, der allerdings im Gegensatz zur verbreiteten Ratgeberliteratur keine Tips geben will. Vielmehr wird darin in zum Teil sehr persönlich gehaltenen Beiträgen fundiert über den Mechanismus des Bestrafens nachgedacht.

So gesteht etwa der deutsche Hochschulprofessor und Grundschullehrer Horst Brück seine eigene unbewusste Lust am Strafen und berichtet von einer interessanten Erfahrung, die er als Pausenaufsicht auf dem Schulhof mit sich vorgenommen hat. Die Ausgangssituation: Ein Junge geht über den Schulhof. Ein anderer kommt von hinten auf ihn zugerannt und tritt ihm, so fest er kann, in den Hintern. Der erste schreit und weint. Der Lehrer ist empört, stürzt auf den Täter zu, packt ihn an den Oberarmen und schreit ihm ins Gesicht: "Was fällt dir eigentlich ein?!"

Im nachhinein analysiert Brück dies als "teuflische Handlungsspirale": Er identifiziert sich mit dem Schwächeren und reagiert seinerseits aggressiv gegen den Täter. Der ursprüngliche Täter wird damit selber zum Opfer eines Stärkeren, zum Opfer mit heimlichen Rachegedanken notabene. Da der Gemassregelte jedoch gegen den Lehrer keine Chance hat, wird er sich laut Brück so bald als möglich ein neues, schwaches Objekt suchen, an dem er seine Rachegefühle ausleben kann. So trägt der strafende Eingriff des Lehrers dazu bei, dass sich die Spirale der Gewalt weiterdreht, statt sie anhalten, wie beabsichtigt.

Brück machte nun ein Experiment: Er nahm sich vor, sich künftig ausschliesslich um das Opfer zu kümmern und den Täter nicht zu beachten, also auch nicht als solchen zu würdigen. Das hatte, so Brück, "eine narzisstischen Kränkung" seinerseits zur Folge: Seine Aggression gegen den Täter erwies sich als so stark, dass er es als schmerzenden Verzicht empfand, den Täter links liegen zu lassen. Wenn es ihm aber gelang, seine Aufmerksamkeit alleine auf das Opfer zu lenken, so meinte er beim kindlichen Täter "Momente von stillem Rückzug, vielleicht eine Art innerer Einkehr, vielleicht auch Momente von Beschämung" wahrzunehmen.

Brücks pädagogische Konsequenz: Er hält jede Strafe für falsch, weil kontraproduktiv. Resigniert merkt er aber auch an: "Wenn ich weiss oder doch zu wissen glaube, was falsch ist, so weiss ich darum noch lange nicht, was denn nun richtig sein könnte."

"Ist mir doch egal"

Auch Marianne Spieler suchte nach neuen Wegen, um den ständig wiederkehrenden Machtkämpfen mit ihrem Sohn zu entgehen. Allerdings nicht, indem sie auf das Strafen verzichtete. Ganz besonders regte sie sich jeweils über die Unpünktlichkeit ihre Sohnes auf. Immer wieder kommt er Stunden zu spät. Wieder einmal muss er in die Ministranten- Übungsstunde, die Eltern haben diesmal mit ihm die Regeln besprochen: Entweder er ist pünktlich, oder er bekommt das schon gekaufte Kinobillett nicht. "Ich dachte, das hätten wir super gemacht", erinnert sich die Mutter. Dann kam ein Anruf des Pfarrers, wo Lars bleibe. Das Kinobillett war damit verspielt, was der Elfjährige jedoch bloss mit einem "Ist mir doch egal" kommentierte. Marianne Spieler fühlte sich gedemütigt durch die offenbare Wirkungslosigkeit ihrer Erziehungsmassnahme und gleichzeitig von Lars' Reaktion provoziert. Erneut liess sie sich auf ein zermürbendes Hin und Her ein, bis sie schliesslich, völlig entnervt, ihm das Liebste strich: Er durfte am Abend nicht in die Jugendriege. Erfolg: Lars tobte. Marianne Spieler war am Ende ihres Erziehungslateins. Sie wusste nicht mehr weiter und beschloss, sich an den Elternnotruf*** zu wenden.

"Das Verbot der Jugendriege war wohl nicht richtig", sagt Spieler im nachhinein. Erstens war dies vorher nicht abgemacht. Zweitens war diese Sanktion für Lars nicht nachvo llziehbar, denn mit dem Verlust des Kinobillets hatte er seine Strafe ja schon bekommen. Damit war die Sache für ihn erledigt.

Grundsätzlich bestätigte jedoch das Gespräch mit dem Elternnotruf Marianne Spieler auf ihrem eingeschlagenen Weg. Lars soll selber entscheiden können, ob er pünktlich kommen will oder nicht. "Auf diese Art kann ich in Konfliktsituationen ruhiger bleiben", sagt die Mutter, "ich kann sagen: Du hast dich entschieden, statt: Ich habe gesagt, du sollst . . ." Gleichzeitig wurde für Lars ein Konto eingerichtet: Fünfmal in zwei Monaten darf er zu spät kommen. Wenn er das Konto nicht "überzieht", besucht sein Vater mit ihm zur Belohnung einen Eishockeymatch.

Rehabilitation oder Reaktion?

Wenn heute wieder über das Thema Strafen nachgedacht und diskutiert wird, bedeutet das nicht, dass die Strafe an sich als Erziehungsmittel rehabilitiert ist. Undenkbar sind heute solch hehre und gleichzeitig so einfältige Sätze, wie sie das renommierte Handbuch "Pädagogik der Strafe" noch in den frühen 60er Jahren propagierte: "In der Hand des bewussten Erziehers wird das Strafen zu einer pädagogischen Kunst, die noch über die Ebene der Ethik hinausführt und den Menschen in seine volle Freiheit entlässt."

Trotzdem wittern Fachleute eine stärker werdende Tendenz in obige Richtung. "Man soll einem Kind keineswegs alles ersparen", sagt Werner Eugster vom Zürcher Elternnotruf. Kinder sollen durchaus die sozialen Konsequenzen ihres Tuns spüren. Doch es bestehe die Gefahr, dass in den postantiautoritären 90ern das Pendel nun zu sehr in eine autoritäre Richtung ausschlage. "Kinder brauchen Grenzen", bestätigt Eugster, aber daraus zu schliessen, dass man sie deshalb auch mehr strafen müsse, "das ist ein sehr reaktionärer Kurzschluss".

Schutz gegen Schläger-Eltern

In extremen Fällen hilft Kindern das Schlupfhuus

Mehr als ein Drittel der Eltern straft seine Kinder mit Schlägen. Das ergab eine Untersuchung in der Schweiz Anfang der 90er Jahre. Die einen tun es nur ab und zu, andere regelmässig wie in dem Falle der 16jährigen Tracy*. Ins Schlupfhuus kam das Mädchen, weil sie es zu Hause nicht mehr aushielt. Jahrelang hat die Mutter sie wegen jeder Kleinigkeit geschlagen, und seit Tracy einen Freund hat, ist es ganz schlimm geworden. "Mama hat ihn nicht akzeptiert. Aber als sie mich deswegen schlug, habe ich zurückgeschlagen." Mit dem Effekt, dass die Mutter zu ihrem Holzpantoffel griff und auf die Tochter einprügelte.

"Meine Mutter hat mich mit 17 Jahren bekommen", sagt Tracy, "und nun hat sie Angst, dass ich den gleichen Fehler mache wie sie." Deshalb die Schläge. Und deshalb auch die rigorose Kontrolle: Nur bis 19 Uhr darf die Tochter in den Ausgang. Es sind hilflose Erziehungsversuche. Über den körperlichen Schmerz hinaus tut Tracy weh, dass sie sich so unverstanden fühlt. Sie hält ihre Mutter wie auch den Stiefvater, der sie nicht unterstützt, für kindisch. Schliesslich wisse sie genau, wo ihre Grenzen seien, und den Fehler der Mutter werde sie sicher nicht wiederholen. Die Eltern rechtfertigten ihren Erziehungsstil damit, dass die Tochter noch keine Erfahrung habe. "Aber Erfahrungen muss ich doch selber sammeln", findet Tracy.

(kr) Schlupfhuus, Schönbühlstrasse 8, Zürich-Hottingen: offen für Kinder und Jugendliche in Krisensituationen. Telefonische Beratung rund um die Uhr bieten: Sorgentelefon (01) 261 21

21 und Help-o-fon 157 00 57.

* Name von der Redaktion geändert.

Die 68er Bewegung und die Einflüsse der antiautoritären Summerhill-Pädagogik lassen das Pendel wieder zurückschwingen. Wohnküchen, Robinsonspielplätze, Kajütenbetten, Kuschelecken, aber auch Snugglies und den Eingeborenen abgeguckte Kindertragtücher zeugen von einer kinderfreundlicheren Haltung.

"Die Kinderladen-Idee wurde von der Kommune II, vom Aktionsrat zur Befreiung der Frau, von sich rasch bildenden Initiativgruppen unter den linken Studenten, unter Künstlern und Berufslosen Berlins verbreitet. Im Mai '68 existierten drei Läden, im Februar '69 arbeiteten 15 Gruppen, elf davon hatten schon einen Laden bezogen. Auch in unserer Wohngemeinschaft begann der Gründungsprozeß. Er begann mit Kleinarbeit. Laden finden, mieten, renovieren, ausbauen, einrichten. Das brauchte viel Zeit. (...) Alle wollten aus den alten Verhältnissen heraus. Raus aus der Enge der Kleinfamilie, dem Tanz um ein wenig Liebe, dem Streit um die gerechte Teilung der Erziehungs- und Betreuungsarbeit. Die neuen Verhältnisse: Mehrere Elternpaare machen zusammen eine Wohngemeinschaft. Alles wird geteilt, und die Teilung wird in der Wohnöffentlichkeit ausgehandelt. Die Kinder werden eine autonome Gruppe. Die Eltern machen Politik, und die Kinder befreien sich von ihren Eltern."

Aus: Lutz von Weder, Kinderläden, in Heiß und Kalt, Berlin (Elefanten Press Verlag) 1993

- Welche Gruppen befürworteten die Gründung von Kinderläden (Quelle 5)? Was kritisierten sie an den alten Familienverhältnissen, und welche neuen Verhältnisse wollten sie stattdessen schaffen?

Thema: 1968: Jugend revoltiert

"1968: Jugend revoltiert" erklärt die gesellschaftlichen und politischen Gründe, die zum Studentenprotest führten, zeigt die Veränderungen auf, die in Gang gesetzt wurden, führt weiter zu späteren Protestbewegungen und Möglichkeiten der politischen Mitbestimmung. Inhalt: 1968: Jugend revoltiert

Die Sendung behandelt folgende Inhalte:

Unter dem Titel "Auslöser der Revolte"

- den öffentlichen Protest gegen den Schahbesuch und die Erschießung Benno Ohnesorgs am 2. Juni 1967;
- die Sympathie der Jugendlichen für die leidende vietnamesische Zivilbevölkerung und ihre gleichzeitige Kritik an der Kriegspolitik der USA;
- die Begeisterung der Protestierenden für das Experiment des "Prager Frühlings", ihre Hoffnung auf einen freiheitlichen Sozialismus anders als der sowjetischer Prägung. Unter dem Zwischentitel "Gründe für die Revolte" wird hingewiesen auf:
- den Generationskonflikt zwischen der sogenannten Aufbaugeneration, die sich nach den Erfahrungen der NS-Zeit und der Entnazifizierung eher unpolitisch verhielt, und den politisch stärker engagierten Jugendlichen, die die vorwiegend arbeits- und konsumorientierte Lebensweise ihrer Eltern kritisierten;
- das Fehlen einer wirkungsvollen parlamentarischen Opposition zur Zeit der Großen Koalition, das zur Entstehung der APO beitrug, und die politische Vergangenheit von Bundeskanzler Kiesinger zur NS-Zeit;
- die Angst vor einer Stärkung der Staatsmacht durch die umstrittenen Notstandsgesetze;
- die Kritik der Studenten an Springers Presseimperium und seiner einseitigen studentenfeindlichen Berichterstattung;
- die Zuspitzung des Konflikts durch das Attentat auf Dutschke, die Osterunruhen und die Verabschiedung der Notstandsgesetze im Mai '68.

Dass die Ideen der 68er die Bundesrepublik veränderten, obwohl die Studentenbewegung sich auflöste, zeigen die beiden Schlusskapitel der Sendung.

Unter dem Titel "Mehr Freiheit im Alltag" werden die veränderten Lebensformen gezeigt. Wichtige Aspekte:

- Universitätsreformen demokratisieren das Leben an Universitäten und Schulen;
- Kleidung und Haartracht der Jugendlichen ändern sich;
- neue Wohnformen wie Kommunen und Wohngemeinschaften entstehen;
- antiautoritäre Erziehungsformen werden erprobt.

Der Zwischentitel "Mehr Demokratie wagen" leitet über zu den politischen Folgen der 68er Revolte:

- der Bildung von Bürgerinitiativen (Beispiel: Wyhl);
- dem Engagement der Friedensbewegung;
- und der Entstehung der Grünen als einer Partei, die aus den Bürgerinitiativen hervorging.

Die Sendung endet mit Aufnahmen von Jugendlichen beim Aktionstag gegen Ausländerfeindlichkeit (Stuttgart, Dez. 1992) und fragt danach, ob es auch heute noch Ziele gibt, für die Jugendliche sich politisch engagieren würden.

Textautorin © Lotte Fehrle

Der Anfang stellt Bilder von Jugendlichen (Studenten in Tübingen Ende der 50er Jahre und 1970 bei einem Pop-Festival auf Fehmarn) gegenüber. Folgende Fragen drängen sich auf:

- Welches neue Lebensgefühl drückt das veränderte Aussehen und Auftreten der Jugendlichen aus? Wie kam es innerhalb von wenigen Jahren zu so grundlegenden Veränderungen? Zur Sequenz "Auslöser der Revolte" könnte man den Schülern den folgenden Auftrag geben:
- Was hat die braven, angepaßten Studenten zur Revolte getrieben? Worüber empörten sie sich?

Der Hinweis, daß Demonstrationen bis 1967 etwas ausgesprochen Ungewöhnliches waren, sollte zusätzlich gegeben werden. Nach den (kurzfristigen) Auslösern werden die tieferliegenden Ursachen der Revolte gezeigt. Es muß schon ein länger angehäuftes, bisher verstecktes Unzufriedenheitspotential gegeben haben, damit so massive Protestaktionen mehr als ein Jahr lang stattfinden konnten. Ein Beobachtungsimpuls für den Abschnitt "Gründe für die Revolte" könnte deshalb lauten:

- Warum waren die Jugendlichen mit ihrer Situation unzufrieden?

Da die Sequenz ziemlich komplex ist, ist auch eine Teilung der Klasse in kleine Gruppen möglich und sinnvoll. Dabei könnte eine Gruppe auf die mehr persönlichen Gründe der Jugendlichen für die Revolte achten (Stichwort: Generationskonflikt), eine andere auf die politischen. Als Leitfrage hierfür könnte dienen:

- Warum waren viele Menschen mit der politischen Situation in der Bundesrepublik unzufrieden?

Den Verlauf der Studentenproteste erfassen folgende Fragen:

- Welche Ereignisse waren besonders wichtig, und wie werden die Protestierenden darauf reagiert haben? Welche Ereignisse haben die Studenten besonders empört, schockiert, entmutigt, eventuell auch mit dem Staat wieder versöhnt?

(Hinweis auf den Regierungswechsel zur sozial- liberalen Koalition und ihren Reformkurs.)

Für die Folgen der 68er Revolte, wie sie in den beiden Schluss-Sequenzen behandelt werden, bieten sich als Beobachtungsaufträge an:

- Welche der Veränderungen haben das alltägliche Leben besonders stark beeinflusst? Welche dieser Veränderungen haltet ihr für besonders wichtig / besonders positiv bzw. problematisch?

Szenen wie die Kinderladen-Ausschnitte werden vermutlich die Schüler auch emotional ansprechen und Stoff für eventuelle Diskussionen bieten.

Etwa:

- Ist es sinnvoll, Kindern zu erlauben, sich in dieser Form auszuleben? Was haben die 68er sich von dieser Art der Erziehung versprochen? Wie würden wir heute diese Erziehungsformen beurteilen?

Anknüpfungspunkte an eigene Erfahrungs- bzw. Interessensbereiche bieten auch die Themen: Konflikte zwischen Eltern und Kindern um den "richtigen" Kleidungsstil und neue Beziehungsformen zwischen Männern und Frauen. Die von den Kommunen propagierte sexuelle Freizügigkeit kann durchaus auch kritisch gesehen werden als Ausbeutung gerade der Frauen bei innerer Beziehungs- und Lieblosigkeit. Für den Schlussteil eignet sich die Frage:

- Wie hat sich nach '68 das politische Leben in der Bundesrepublik verändert?

Für eine Stoffwiederholung bieten sich folgende Fragen an:

- Warum haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes in der Verfassung nicht gleich eine stärkere demokratische Beteiligung der Bürger vorgesehen? Warum musste dieses "Mehr an Demokratie" erst von den Bürgerinitiativen erkämpft werden?

Den gesamten Themenkomplex könnte man abschließend noch einmal folgendermaßen zur Diskussion stellen:

- Was hat die Jugendrevolte von 1968 eigentlich gebracht? War sie eher ein Erfolg oder ein Fehlschlag?

Vorbemerkungen: 1968: Jugend revoltiert

Die Sendung stellt die Ursachen für die Studentenunruhen und deren Verlauf aus der Sicht der damaligen Jugendlichen dar. Insofern ergreift sie auch Partei. Einige der Konfliktpunkte werden auch heutige Schüler vermutlich noch ansprechen (z.B. Generationskonflikt) und ihnen eine teilweise Identifikation mit den Akteuren von '68 ermöglichen.

Die Sendung zeigt die Gründe für die Unzufriedenheit der damaligen jungen Generation, ihre politischen Zielvorstellungen und Wünsche im Hinblick auf eine andere Lebensweise. Es wird dargestellt, wie sich unter dem Einfluß der Revolte das Alltagsleben und die politische Landschaft in der Bundesrepublik veränderten, obwohl nach dem Attentat auf Dutschke, der Verabschiedung der Notstandsgesetze und dem Einmarsch der Warschauer Pakttruppen in die CSSR die Ziele der Studentenbewegung gescheitert schienen und die Bewegung sich auflöste. Quelle 1: Erklärung des Bundeskanzlers Kiesinger im Fernsehen, 13. April 1968

(...) "Im Zusammenhang mit dem verbrecherischen Anschlag auf Rudolf Dutschke haben in den beiden letzten Tagen radikale studentische Gruppen in einigen deutschen Städten eine Reihe von gewalttätigen Aktionen unternommen. (...) Das Attentat eines keiner politischen Gruppe angehörenden abseitigen Verbrechers sollte für uns ein Alarmsignal sein. Gewalt provoziert Gegengewalt, die sich zwangsläufig ständig ausbreiten und steigern muß. Um eine solche unheilvolle Entwicklung zu vermeiden, muß sich der überwiegende Teil der Studentenschaft, der für die Aufrechterhaltung unserer demokratisch-parlamentarischen Ordnung eintritt, den radikalen Rädelsführern verweigern. Unsere Bevölkerung erwartet, daß der Staat die öffentliche Ordnung sichert. Dies aber ist ohne Verschärfung der staatlichen Abwehrmittel nur möglich, wenn die radikale studentische Minderheit sich auf den Boden des Rechts zurückbegibt."

Aus: Der Spiegel vom 29. April 1968

- Wie spricht Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) über das Dutschke-Attentat, wie von den revo ltierenden Studenten (Quelle 1)? Welche Ziele verfolgt er bei seiner Fernsehansprache?

Quelle 2: Erklärung des Innenministers Heinemann, 14. April 1968

(...) "Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf den oder die vermeintlichen Anstifter oder Drahtzieher zeigt, sollte daran denken, daß in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen. Damit will ich sagen, daß wir alle uns zu fragen haben, was wir selber in der Vergangenheit dazu beigetragen haben könnten, daß ein Antikommunismus sich bis zum Mordanschlag steigerte und daß Demonstranten sich in Gewalttaten der Verwüstung bis zur Brandstiftung verloren haben" (...) Aus: Der Spiegel vom 29. April 1968

- Bei wem sieht Bundesinnenminister Gustav Heinemann (SPD) die Verantwortung für das Attentat auf Dutschke und die Studentenunruhen (Quelle 2)? Vergleiche seine Aussage mit der von Bundeskanzler Kiesinger (Quelle 1) !

Quelle 3: Die Ausschreitungen bei den Osterdemonstrationen in den westdeutschen Großstädten und Berlin - Bericht des hessischen Landtagsabgeordneten Olaf Radke (SPD) aus Frankfurt am Main:

"Am Osterdienstag gegen Mitternacht ging ich in 50 bis 100 Meter Entfernung hinter dem Demonstrationszug her, der sich zum Frankfurter Römer hin bewegte. Ich wollte den Polizeieinsatz beobachten. Die Demonstranten hatten den Römer gerade erreicht, als etwa acht bis zehn Polizeifahrzeuge auftauchten und von hinten in den Zug hineinfuhren. Sie bremsten so schnell, daß zwei Mannschaftswagen aufeinanderfuhren. Nur das Tönen der Martinshörner ließ die erschreckten Demonstranten im letzten Augenblick zur Seite springen. Auf ein Kommando hin setzten die Polizisten darauf von den Wagen ab und schlugen wahllos auf die Passanten ein, die aus Interesse oder aus Neugier auf dem Bürgersteig standen und mit der Protestaktion gar nichts zu tun hatten. Es war ein Massaker. Ein Mann, der sein Fahrrad aus Richtung Römer in Richtung Schauspielhaus schob, wurde von sechs Polizisten gleichzeitig verprügelt. 'Ihr Schweine! Ihr Drecksäue! Euch werden wir es geben!', war der Unisono-Chor der Polizei. Ich hätte weinen können. Ich war erschüttert, daß so etwas in Frankfurt geschehen konnte. Als ich mich zugunsten der Passanten einschalten wollte, baute sich ein Polizist mit drohend erhobenem Knüppel vor mir auf. Ich packte ihn an der Uniform und rief: 'Ein Schlag und Sie werden einen Skandal erleben!' Er zögerte einige Sekunden, daß ich ihm gerade sagen konnte: Ich bin der und der. Da ließ er von mir ab."

Aus: Der Spiegel vom 29. April 1968

- Wie erlebt der Landtagsabgeordnete die Atmosphäre zwischen Polizei und Demonstranten bei den Osterunruhen 1968 (Quelle 3)? Welche Vorwürfe erhebt er gegen die Polizei? Quelle 5: Gründung von Kinderläden

"Die Kinderladen-Idee wurde von der Kommune II, vom Aktionsrat zur Befreiung der Frau, von sich rasch bildenden Initiativgruppen unter den linken Studenten, unter Künstlern und Berufslosen Berlins verbreitet. Im Mai '68 existierten drei Läden, im Februar '69 arbeiteten 15 Gruppen, elf davon hatten schon einen Laden bezogen. Auch in unserer Wohngemeinschaft begann der Gründungsprozeß. Er begann mit Kleinarbeit. Laden finden, mieten, renovieren, ausbauen, einrichten. Das brauchte viel Zeit. (...) Alle wollten aus den alten Verhältnissen heraus. Raus aus der Enge der Kleinfamilie, dem Tanz um ein wenig Liebe, dem Streit um die gerechte Teilung der Erziehungs- und Betreuungsarbeit. Die neuen Verhältnisse: Mehrere Elternpaare machen zusammen eine Wohngemeinschaft. Alles wird geteilt, und die Teilung wird in der Wohnöffentlichkeit ausgehandelt. Die Kinder werden eine autonome Gruppe. Die Eltern machen Politik, und die Kinder befreien sich von ihren Eltern."

Aus: Lutz von Weder, Kinderläden, in Heiß und Kalt, Berlin (Elefanten Press Verlag) 1993

- Welche Gruppen befürworteten die Gründung von Kinderläden (Quelle 5)? Was kritisierten sie an den alten Familienverhältnissen, und welche neuen Verhältnisse wollten sie stattdessen schaffen?

Studentenbewegung 1968 in Deutschland

Ursachen/Anlässe:

Notstandsgesetze, Große Koalition, Nazivergangenheit, Springerverlag-Monopol, schlechte Situation an Unis, Schahbesuch, Vietnamkrieg, Imperalismusopfer

Ziele:

Durchsetzung der Demokratie in allen Lebensbereichen, Reform des Bildungswesens, Schärfung des allgemeinen Bewußtseins auf soziale Mißstände

Folgen:

Reform der Lebensformen, Kommune, Wohngemeinschaften, antiautoritäre Erziehung, neue Sexmoral, mehr Toleranz für Abweichungen von der Norm

"Revolution ist nicht eine Sache von Tagen, wo geschossen wird und Auseinandersetzungen stattfinden. Revolution ist ein langer, lang andauernder Marsch und Prozeß um die Schaffung von neuen Menschen, die fähig sind nicht eine alte Klicke durch eine neue zu ersetzen nach der Revolution, sondern massenhafte Demokratisierung von unten bewuß ter Produzentendemokratie entgegen zu setzen bürokratischer Herrschaft von oben. An diesem Kampf habt ihr eure Bedürfnisse zu entfalten und in diesem Kampf ist jeder beteiligt, wo er sich auch immer in dieser Welt befinden mag."

Rudi Dutschke

"Revolution ist nicht eine Sache von Tagen, wo geschossen wird und Auseinandersetzungen stattfinden. Revolution ist ein langer, lang andauernder Marsch und Prozeß um die Schaffung von neuen Menschen, die fähig sind nicht eine alte Klicke durch eine neue zu ersetzen nach der Revolution, sondern massenhafte Demokratisierung von unten bewußter Produzentendemokratie entgegen zu setzen bürokratischer Herrschaft von oben. An diesem Kampf habt ihr eure Bedürfnisse zu entfalten und in diesem Kampf ist jeder beteiligt, wo er sich auch immer in dieser Welt befinden mag."

Rudi Dutschke

Viele Faktoren führten zu den Studentenaufständen in den `60er Jahren. Nicht nur die innenpolitische Lage sondern auch die außenpolitische Situation, sorgten für ein starkes politisches Engagement der jungen Menschen.

Bei der innenpolitischen Situation, spielten folgende Faktoren eine wichtige Rolle:

- die Notstandsdebatte, die die Frage zur Rückentwicklung zur Diktatur aufwarf.
- die Große Koalition die die CDU/CSU und SPD Ende `66 geschlossen haben , die ein Zeichen der Schwäche des Parlaments war, gleichzeitig jedoch der Regierung mehr Macht verlieh.
- die Außerparlamentarische Opposition - APO, die die Antwort auf die fehlende Opposition bot
- die Verjährungsdebatte an der die Frage der Aufarbeitung d. Deutschen Nazivergangenheit geklärt werden sollte.
- das Springer-Verlag-Monopol, daß, den Studenten nach, die Bildung des Bewußtseins der Öffentlichkeit manipulierte.
- die Berliner Mauer, die eine deutliche Grenze zwischen der sozialistischen DDR und der kapitalistischen BRD symbolisieren sollte.
- und nicht zu letzt, die schlechte Situation an den Universitäten; und dem veralteten Traditionen, unzeitgemäßen Lehrstoff und dem Mangel an den Selbstbestimmungsrechten der Studenten.

Zu den außenpolitischen Gründen, daß die Unruhen in Deutschland verstärkten, zählen:

- der Vietnam-Krieg, zu dem die militärische Intervention der USA starke Kritik hervorrief
- Länder der 3. Welt die als Opfer imperialistischer Einflüsse wahr genommen worden, und schließlich
- der Besuch des persischen Schahs über dem bekannt war, daß er Subventionen für seinen eigenen Nutzen mißbrauchte.

Parallel zum politischen Geschehen entwickelte sich ein neues Lebensgefühl. die neue Generation strebte nach der Veränderung der Lebensverhä ltnisse und der Wertvorstellungen. "Das war erst einmal eine vorpolitische Bewegung. Das hatte erst einmal überhaupt nichts mit Politik zu tun. Wir hatten doch das Gefühl, in einer riesigen Käseglocke zu leben in diesem rekonstruierten Deutschland. Ich erinnere mich, für mich war die Tatsache, daß man beim Mittagessen saß und nur das Geklapper von Gabel und Messer hörte, das war viel schlimmer für mich als der ganze Weltkrieg diese Schweigen. Es war ein Gefühl, daß man niemanden auffassen konnte daß eine Be rührungsangst herrschte. Und natürlich war es das Gefühl, daß man von all diesen Leuten noch umgeben war, die das alles angerichtet hatten.[...] Ich glaube, man versteht diese ganze Bewegung nicht, und vor allen Dingen auch nicht, daß es sich doch um so etwas wie einen Lebensentwurf gehandelt hat, den man da verfolgt hat. [...] ... wir haben die Ehe abgelehnt, wir wollen nicht mehr alleine wohnen, wir hatten eine andere Idee vom Leben als die ganze Generation vor uns. Und insofern ist es natürlich und doch eine Generationsbewegung gewesen."

(Zitat von Peter Schneider aus einer Fernsehdiskussion zum 2. Juni 1967,1987)

Hauptsächlich jedoch versuchten die Studenten in allen Lebensbereichen ihre Vorstellung von direkter Demokratie zu verwirklichen und eine neue Partizipationsgesellschaft zu schaffen. Gleichzeitig mit dem Gefühl der Zufriedenheit über den Wiederaufbau der BRD nach dem 2. Weltkrieg, während die wirtschaftliche, soziale und politische Lage sichtbare Verbesserungen in den Alltag brachte, wuchs eine neue Generation auf, die von einem neuen Lebensgefühl sprach.

Diese neue Generation schien aus dem Krieg gelernt zu haben. Ihr wurden die Personen des Widerstandes im 2. Weltkrieg als Mahnmal für Zivilcourage dargestellt. Die jungen Menschen haben erkannt, daß eine real existierende Demokratie nicht verwirklicht werden kann, wenn bestimmte Bereiche von der demokratischen Selbstbestimmung ausgeschlossen werden. Parallel dazu konnten sie die herrschenden Verhältnisse nicht im Einklang mit ihren Träumen von einer Welt mit freiheitlichen und menschenwürdigen Konzepten der Gesellschaft bringen.

Vor allem an den Schulen und Universitäten wurden den Schülern und Studenten die fehlende demokratische Mitbestimmung deutlich.

Bei dem Wiederaufbau der BRD wurden alle Kräfte in politischen und wirtschaftlichen Bereichen aufgebracht. So versäumte man die nötigen Reformen im Bildungssektor; veralteter Lehrstoff, als "verkrustet" geltende Traditionen und Lehrkräfte die teilweise an dem Verbrechen in der Nazizeit mitgewirkt haben, waren die Folgen davon.

Die Studenten hatten das Bedürfnis die herrschenden Zustände zu ändern und mit ihrer Unzufriedenheit an die Öffentlichkeit zu treten. So entstand in Berlin die Freie Universität (FU), die als erste ihr großes Engagement in dem Streben nach der Verwirklichung der Demokratie und Veränderung im Bildungswesen artikulierte. Sie sollte ein Beispiel für die Realisierung der Universitätsreform sein.

"Die neue Universität, die darum die freie heißt -[...]-, ist gegen Zwang gegründet worden. Zwang das war für uns damals der Inbegriff der NS-Zeit:

der unmittelbare, die Knochen zerbrechende, und der mittelbare, die Zunge zerspaltende, lautlos funktionierende Zwang. Zwang trat uns jetzt im Zentrum der neuen-alten Universität, im Zentrum der zerstörten Stadt, entgegen [...]

Hier, so dachten wir, an dieser Freien Universität in dieser Stadt Berlin, machen wir den Anfang der allgemeinen großen Universitätsreform..."

(Zitat aus dem Buch "Rebellion der Studenten oder die neue Opposition" von Bergmann, Dutschke, Lefevre, Rabehl, 5.10)

Die FU in Berlin war die erste ihrer Art und stoß so auf viel negative Kritik, vor allem von Seiten der Vorgesetzten. Die Studenten engagierten sich in der politischen Arbeit der Universität und versuchten durch diese die Universität zu reformieren, was ihnen nicht immer leicht gemacht wurde. Doch je größer die Opposition der Verwaltung wurde, desto mehr Studenten wurden aktiv. Verbote gegen die politische Arbeit innerhalb der Universität wurden veranlaßt. Die Studenten jedoch waren immer wieder fähig die Einschränkungen durch Proteste und Demonstrationen abzuschaffen. Demokratie und Mitspracherecht wurden immer als Ziel ihrer Arbeit angesehen.

Viele öffentliche Aktionen wurden organisiert, so zum Beispiel die

Unterschriftensammlungen gegen die im öffentlichen Bereich immer noch tätige ehemalige NS-Leute.

Die Proteste, die am Anfang nur darauf abzielten, die Hochschulen zu reformieren, zogen nun immer breitere Kreise, vor allem auch außerhalb der Universität. Aufgrund der herrschenden Situation wurde unter anderem der Marxismus neu entdeckt. Werke von Mas, Che Guevara, Baktunin, Lenin, Trotzki und Freud wurden gelesen und fanden ein breites Publikum. Mitwirkung in der Politik und Engagement in öffentlichen Bereichen spielt en wichtige Rollen bei der Politisierung der Studenten.

Vor allem der Vietnam Krieg hat wie kein anderes politisches Ereignis die Diskussionen und politische Arbeit der Studenten angeregt.

Die USA, die bislang als die Schutzmacht galten, führten einen grausamen Krieg in Vietnam, der für die Studenten ein Zeichen der Kommunistischfeindlichen Politik Amerikas war. Die Meinung der Studenten stimmte jedoch nicht mit der der Mehrheit überein. Die Medien stellten den Krieg als positiv dar und behaupteten, die Amerikanischen Truppen kämpfen in Vietnam für die westliche Freiheit.

"Das wird nun systematisch unter die Leute gebracht: In Vietnam verteidigt Amerika die westliche Freiheit; in Vietnam stellt Amerika seine Bündnistreue unter harten, rührenden, dankenswerten Beweis; Vietnam - das könnte morgen schon Deutschland sein..." (Zitat aus "CheSchahShit" S.131)

Aufklärungskampagnen über den Vietnam-Krieg von den Studenten wurden hauptsächlich durch den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) geplant und durchge führt. Der SDS war ursprünglich eine Organisation innerhalb der SPD. Da der SDS Zunehmend marxistische Tendenzen hatte, wurde er jedoch von der SPD ausgeschlossen. Bekannt für die frontale Auseinandersetzung mit den Problemfeldern, widmete sich die SDS allen aufkommenden Aufgaben, wie z.B. den Universitätsreformen, auch den Aufklärungsveranstaltungen über Vietnam.

Eine Großzahl an Aufklärungskampagnen und Aktionen wurden organisiert. Eine der wichtigen Aktionen war der Internationale Vietnam Kongreß, den die SDS mit elf anderen ausländischen, sozialistisch orientierten Organisationen veranstaltete. Dieser Kongreß war gleichzeitig ein Zeichen der internationalen Solidarität gegen den Imperialismus. Aktionen wie Podiumdiskusionen, Film- und besondere Presseschau - Veranstaltungen in den die Informationen der ausländischen Zeitungen mit den west-deutschen verglichen wurden, sollten für die Aufklärung der Öffentlichkeit sorgen. Doch nicht nur Vietnam wurde als Opfer dieser Einflüsse wahrgenommen.

Radikale Kritik an den Industrieländern, vor allem an den USA wurde zunehmend laut. Viele Demonstrationen als Ausdruck der Unzufriedenheit wurden organisiert. So zum Beispiel am 5. Februar `66 die große Demonstration der Studenten gegen die USA. Obgleich die Demonstration nicht besonders groß war, stieß sie auf viel negative Reaktionen vor allem in der Presse. Von diesem Zeitpunkt an richteten die Medien ihre Kritik besonders oft an die Studenten.

Ein weiteres politisches Geschehen, das die Studenten zu weiteren Protestaktionen veranlaßte, war der Besuch des persischen Schahs.

Der persische Schah wurde in den Medien als gerechter Herrscher seines Volkes dargestellt. Die Realität sah jedoch anders aus. 80% des persischen Volkes litt an schweren Krankheiten, das Monatseinkommen der Mehrheit lag unter dem Existenzminimum weiterhin war die Sterbe- und Analphabetenrate überdurchschnittlich hoch. Die zwei Milliarden Dollar Entwicklungshilfe, die der Schah bekommen hat, kam dem Persischen Volk nicht zu gute, sondern wurden mißbrauc ht.

Die Studenten die mit der Situation in Persien vertraut waren, reagierten auf den Besuch des Schahs mit einer großen Demonstration. Auf dieser war auch eine Gruppe Schahtreuer Perser (sg. Jubelperser) anwesend. Diese gingen radikal und mit Gewalt gegen die Studenten vor.

Nachdem die Polizei eine Weile tatenlos diesem Geschehen zusah, drängten sie schließlich einige der Jubelperser zurück, nahmen aber gleichzeitig schahfeindliche Demonstranten fest. Später am gleichen Tag, kam es zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Studenten. Der Höhepunkt dieser Demonstration, die am 2. Juni 1967 stattfand, war die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg durch einen Polizisten. Dieser Vorfall war der Anlaß dafür, daß sich die Protestbewegung der Studenten auf ganz Deutschland ausweitete. Die Tatsache, daß ein protestierender Student erschossen wurde und die Art und Weise wie sich die zuständige Behörden der Verantwortung entzogen, sowie der Freispruch des angeklagten Polizisten, erschütterten Studenten in ganz Deutschland. Die Folge davon war die deutschlandweite Politisierung der bis jetzt unpolitischen Studenten. Überall an den Universitäten protestierten die jungen Menschen und schlossen sich Linken Gruppen an. Zu den bis jetzt erwähnten außenpolitischen und bildungsbezogenen Gesichtspunkten, kam noch die innenpolitische Situation, die bei den Protesten eine weitere, nicht weniger wichtige Rolle spielte. Schon seit einigen Jahren beschäftigten sich die Debatten im Parlament mit den Notstandsgesetzen. Die Notstandsgesetze regeln den Staatnotstand. Dies kann sein;

1. ein Verteidigungsfall, d.h. ein Angriff von außen auf die BRD,
2. der innere Notstand, d.h. die Gefährdung des Bestandes der BRD oder eines ihrer Länder oder der freiheitlichen demokratischen Grundordnung von innen her,
3. der Katastrophenfall. Die Gefährdung durch Naturkatastrophen oder (z.B. Atomare-) Unglücksfälle.

Die Verabschiedung der Notstandsgesetze schien für ein Teil der Regierung notwendig zu sein; Hauptsächlich für die Ablösung der Vorrechte der Alliierten. Das Verabschieden der Notstandsgesetze würde jedoch gleichzeitig eine Änderung der Grundgesetze zu Folge haben. Lange zeit konnten die Notstandsgesetze nicht durchgesetzt werden, da sie die nötigen 2/3 der Mehrheit im Parlament nicht erreicht haben. Der Grund dafür war die Oppositionspartei SPD, die den Notstandsgesetzen nur dann zustimmen wollte, wenn sie ihre eigene Veränderungen einbringen konnte. Die Debatte um die Notstandsgesetze erreichte Mitte der `60er Jahre ihren Höhepunkt. Die zentrale Frage war: wie kann sichergestellt werden, daß die Notstandsgesetze nicht zur Beseitigung der freiheitlich demokratischen Grundordnung eingesetzt werden?

Mit der Bildung der Großen Koalition, Ende `66, konnten Verhältnisse geschaffen werden, in der die Verabschiedung der Notstandsgesetze möglich war. Zum ersten Mal in der Deutschen Geschichte kam es zu einem Zusammenschluß von CDU/CSU und SPD. An der Bildung der großen Koalition konnte man verschiedene Begebenheiten erkennen; zum einen die Schwäche der einzelnen Parteien; die Möglichkeit zur Verabschiedung der Notstandsgesetze, und zum anderen die fehlende Opposition. Nun verfügte die Große Koalition über mehr als 90% der Mandate im Parlament. Gewaltige Kritik richtete sich dagegen und stellte die Funktionsfähigkeit der parlamentarischen Demokratie in Frage. Gleichzeitig konnten die Notstandsgesetze endgültig durch die Mehrheitsverhältnisse verabschiedet werden. An dieser Stelle erreichte die Unzufriedenheit der Öffentlichkeit über die Regierung ihren Siedepunkt. In dem "Sternmarsch nach Bonn" am 11. Mai 1968 an dem 70000 Demonstranten teilnahmen, darunter Gewerkschaften und Schüler, äußerte sich der herrschende Unmut über die Notstandsgesetze. Es herrschte die Angst, daß diese Gesetze die Rückentwicklung zur Diktatur bedeuten könnten.

"Durch sie (die Notstandsgesetze) kann das Instrument geschaffen werden, mit dem in einem verhängnisvollem Augenblick durch einen einzigen Akt die Diktatur erreicht, das Grundgesetz abgeschafft, ein nicht reversibler Zustand der politischen Unfreiheit herbeigeführt werden kann.

(Zitat, Karl Jaspers: "Wohin treibt die Bundesrepublik" S.157)

Als Ausgleich für die fehlende Opposition im Parlament gründete sich die APO. in Demonstrationen und verschiedenen Aufklärungsaktionen versuchte die APO in antiautoritärer Weise ihre Kritik an der Politik zu äußern. Vorreiter der APO war der SDS unter der Führung des Studenten R. Dutschke, der gleichzeitig auch einer der wichtigsten Leiter der Studentenbewegung war. Doch mit der Anzahl der Anhänger Dutschkes, wuchs auch die Zahl der Gegner. Am 11. April `68 kam es zu einem Attentat auf R. Dutschke durch einen Gegner seiner revolutionären Ideen. Dieses Geschehen löste eine neue Welle von Unruhen und Protesten in der BRD auf. Es kam zu den sogenannten Osterunruhen. Es kam zu mehrfachen schweren Ausschreitungen und Auseinandersetzungen der Studenten mit der Polizei. In den meisten Fällen richteten sich die Proteste nicht gegen den Attentäter bzw. die Politik, sondern gegen das Monopol des Springer Verlags. Dieser war für die Studenten der wahre Schuldige. Die Studenten vertraten die Meinung, daß der Verlag als Massenmedium durch systematische Manipulation der Informationen das Bewußtsein der Öffentlichkeit auf eine bestimmte Art und Weise beeinflußte. Dies ging so weit, daß das Bild der Studenten und ihre revolutionären Ideen durch die Medien verfälscht zu der Bevölkerung gelangten. Durch diese Manipulationen wuchs der allgemeine Haß auf die Studenten. Die Folge davon waren die Gegendemonstrationen der Bevölkerung.

Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke, veranstalteten die Studenten viele Aktionen gegen den Verlag, darunter die große Kampagne zur Enteignung Springers.

Mit dem Attentat auf Rudi Dutschke, Antispringer Demonstrationen, die sich als wirkungslos erwiesen und schließlich mit der Verabschiedung der Notstandsgesetze, merkten die Studenten immer deutlicher ihre Niederlage. Die Staatsmacht schien immer am längerem Hebel zu sitzen. Man erkannte, daß die Revolution mit Protesten nicht voran zu treiben war. Der andere Grund für die Niederlage war der systematische Zerfall in kleine Gruppen die immer mehr ihre Bedeutung zu verlieren schienen.

Parallel mit dem politischen Ereignissen ging auch eine Revolution des Lebensgefühls vor sich. Die Veränderungen, die die junge Generation erreichen wollte, lassen sich im folgende Schlagworte zusammenfassen: - Schaffung von Raum für die individuelle Lebensgestaltung,

- Forderung nach stärkerer Toleranz für die Abweichungen von geltenden Normen,
- Eröffnung von Partizipation Chancen für alle - Gesellschaftsklassen.

"Daß es vor 1968 in der Bundesrepublik kaum möglich war, als unverheiratetes Paar zusammenzuwohnen, daß wir uns einer strengen Kleiderordnung unterwarfen, daß wir uns Lehrern und Professoren gegenüber oft recht unterwürfig verhielten, daß kritisches Denken von den Universitäten fast völlig verbannt war, daß wir als Männer keine langen Haare trugen, weil wir das als pervers ablehnten, daß wir uns zum Teil noch Gedanken machten über die Rechtmäßigkeit des vorehelichen Geschlechtsverkehrs (...), daß wir unsere Mitstudenten an der Universität mit "Sie" und die Lehrkräfte nach Rang mit "Herr Doktor, Herr Professor, Spektabilität, Magnifizenz anredeten, daß wir uns streng an die Maßstäbe des Elternhauses hielten, daß wir nicht in Wohngemeinschaften lebten, daß wir wie die Idioten schufteten, daß es eine Schande war, wenn man sich in Psychotherapie begab - - die Jugendlichen können sich das heute nicht mehr vorstellen."

Eine der bedeutenden Veränderungen fand in dem Bereich der Sexualmoral statt. Durch den Verkauf der Anti-Baby-Pille wurde die "Lust ohne Angst" möglich. Die Person, die am Durchbruch der neuen Sexualmoral maßgebend beteiligt war, war Oswald Kolle. Auch die Regierung, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unterstützte die neue Moral. Besonders große Aufmerksamkeit wurde in dieser Zeit der Gleichberechtigung der Frauen gewidmet. Große Emanzipationsbewegungen schlossen sich zusammen und vertraten die Interessen der Frauen. Große Kampagnen wurden gegen den Abtreibungsparagraphen §218 veranstaltet.

Viele der jungen Frauen bekannten sich öffentlich zu der Abtreibung. Aufgrund der Vielzahl von Bekenntnissen mußten die Ermittlungsverfahren eingestellt werden. Die Solidarität der Frauen im Kampf gegen den repressiven Umgang mit ihnen, war in allen Alltagssituationen zu bemerken.

Weiterhin, neue Lebensnormen wurden erprobt. Das Zusammenleben in Wohngemeinschaften galt als eine Alternative zu bürgerlichen Kleinfamilien. Die Rollenbilder der Familie wurden in Frage gestellt und antiautoritäre und repressionsfreie Erziehung der Kinder wurde als eine neue Erziehungsform begrüßt. Abbau der Geschlechterrollen und Einübung partnerschaftlicher Beziehungen waren Bausteine für die Gründungen der Wohngemeinschaften (WG).

Die Studentenbewegung hinterließ große Eindrücke in der politischen und bürgerlichen Bereichen der Kultur Deutschlands.

Demokratie und Mitbestimmungsrecht wurden in allen Lebensbereichen versucht zu verwirklichen. Die in breiten Rahmen stattfindende Bürgerinitiativen wurden zum Ausdruck der Partizipationskultur.

Die Generation der 60er Jahre war eine Generation, die die Traditionen und geltende Normen in Frage stellte.

Durch ihre Proteste und Reformen wollten sie ein neues Lebensge fühl und ein neues kritisches Bewußtsein der Öffentlichkeit nahe bringen.

Um die Frage zu klären, ob man die 68er Studentenbewegung als eine Revolution bezeichne kann, muß man erstmal den Begriff "Revolution" erläutern. Eine Revolution soll dazu führen, daß tiefgreifende Veränderungen in bestimmten Bereichen, wie z.B. Industrie, Kultur geschehen.

Es gibt aber noch die politisch-soziale Revolution, bei der versucht wird, eine neue Gesellschaftsordnung zu schaffen, durch eine Übernahme der Machtposition - meist durch die revolutionsanführende Gruppe. Hierzu ist der Sturz der Herrschenden Macht notwendig. Meistens geschieht dieser Prozeß unter Anwendung von Gewalt. Diese ist jedoch keine zwingende Bedingung für eine Revolution. Allerdings ist die Gewalt meistens eine unvermeidbare Begleiterscheinung.

Unserer Meinung nach, kann man die 68er Studentenbewegung als Revolution bezeichnen. Denn die "68er" wollten eine neue Gesellschaftsordnung schaffen und das demokratische Mitbestimmungsrecht in allen Bereichen durchsetzen. Es ist richtig, daß man die 68er Studentenbewegung im Sinne der politischen Revolution nicht als erfolgreiche Revolution bezeichnen kann, da ein Sturz des herrschenden Machtapparates nicht beabsichtigt war und nicht stattfand.

Das Ziel dieser Bewegung war, wie schon angesprochen, demokratisches Mitbestimmungsrecht in allen Bevölkerungsgeschichten zu erreichen und eine neue Partizipationskultur zu schaffen. Leider muß man die Revolution als gescheitert betrachten, da die Bewegung auf die Studenten beschränkt blieb. Die Studenten waren nicht in der Lage den übrigen Volk (Arbeiterklasse) ihr Ziele begreiflich zu machen.

Auf der anderen Seite könnte man die Studentenbewegung als eine erfolgreiche Lebensnormrevolution bezeichnen. Bemerkenswerte Veränderungen in verschiedenen Lebensbereichen fanden statt es entwickelte sich eine neue Sexualmoral, viele Emanzipationsbewegungen haben sich stabilisiert, und größere Toleranz für Abweichungen von Normen kam während und nach der Studentenbewegung in den Alltag der Menschen.

Details

Seiten
21
Jahr
2001
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99803
Note
Schlagworte
Kinderläden Emanzipation Studentenrevolte Gründe Folgen Vorbilder Studenten und der Vietnamkrieg

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Titel: Wertewandel, Erziehungsmodelle und die Studentenrevolte der späten 60er Jahre