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Das Ostasiengeschwader unter Graf Spee - Gegenkonzept zur Schlachtflotte?

Ausarbeitung 2001 9 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zielsetzung der Unterrichtung

Die marinestrategischen Positionen sowie Zielsetzungen des Britischen Empires und des Deutschen Reiches
- Die britische Ausgangsposition
- Vorrangige Ziele britischer Marinestrategie - Die deutsche Ausgangsposition
- Vorrangige Ziele deutscher Marinestrategie - Bemerkungen zur Lage

Strategische Konzeption der Schlachtflotte bzw. des Kreuzerkrieges
- Die Schlachtflotte (ab 1907 Hochseeflotte)
- Der Kreuzerkrieg

Das Ostasiengeschwader unter Graf Spee
- Die Seeschlacht bei CORONEL
- Die Seeschlacht bei den FALKLAND-INSELN

Kreuzerkrieg? Schlachtflotte? Oder etwas ganz Anderes??

Literaturnachweis

Zielsetzung der Unterrichtung:

Ziel des Referates ist es, den LT in die Lage zu versetzen,

- die unterschiedlichen strategischen ,,Ausgangspositionen" des Deutschen Reiches sowie des Britischen Empires unterscheiden zu können,
- die strategischen Konzepte SCHLACHTFLOTTE und KREUZERKRIEG zu unterscheiden sowie
- eine qualifizierte Aussage auf die Initialfrage des Referates geben zu können :

,,War das Ostasiengeschwader wirklich ein Gegenkonzept zur Schlachtflotte?"

1. Die marinestrategischen Positionen sowie Zielsetzungen des Britischen Empires und des Deutschen Reiches

1.a Die britische Ausgangsposition

- geographisch als Insel gelegen
- materielle Überlegenheit im Verhältnis 3:2
- reiche, auf der gesamten Welt gelegene Kolonien
- Überseehandel als absolute Notwendigkeit zur Deckung des Rohstoffbedarfs in der Heimat
- Dieser Seehandel bietet dem Feind ein lohnendes Angriffsziel

1.b Vorrangige Ziele britischer Marinestrategie

- Sicherung der eigenen Seeverbindungen als Primärziel
- Schutz der britischen Inseln und Kolonien vor einer feindlichen Invasion
- Unterbrechung der feindlichen Seeverbindungen, um so den Gegner auf wirtschaftlichem Wege zur Kapitulation zu zwinge

1.c Die deutsche Ausgangsposition

- Kontinentalposition
- materielle Unterlegenheit
- Kolonien als kostspielige Prestigeobjekte
- Verlust Tsingtaus als wichtige Operationsbasis in Ostasien

(Tsingtau wurde am 07.11.1914 von Japan erobert)

1.d Vorrangige Ziele deutscher Marinestrategie

- Schaffung eines günstigeren Kräfteverhältnisses durch U-Bootkrieg und verstärkten Einsatz von Minen
- Verhinderung einer engen Blockade unmittelbar vor der deutschen Nordseeküste

1.e Bemerkungen zur Lage

Zu der vom deutschen Oberkommando erwarteten Vorgehensweise der Briten (enge Blockade der deutschen Nordseeküste) bleibt folgendes zu sagen:

Obwohl die Vernichtung der deutschen Hochseeflotte zwar der schnellste und sicherste Weg gewesen wäre, um die britischen Ziele durchzusetzen, erkannte die britische Admiralität, daß das Risiko für die eigene Schlachtflotte durch vermehrten Einsatz von Minen, U- und Torpedobooten auf deutscher Seite zu hoch war. Deshalb entschied man sich, zu einer defensiven Fernblockade mit den ,,Riegeln" ÄRMELKANAL sowie SCHOTTLAND- NORWEGEN.

2. Strategische Konzeption der Schlachtflotte bzw. des Kreuzerkrieges

Die unter Ziffer 1. geschilderte Ausgangsposition sowie die vorrangigen Ziele deutscher Seekriegsführung führten im deutschen Oberkommando zur Entwicklung zweier strategischer Konzeptionen. Zum einen zum strategischen Konzept der Schlachtflotte sowie zum strategischen Konzept des Kreuzerkrieges.

Der verstärkte Einsatz von U- und Torpedobooten sowie Minen wurde nicht als ein eigentliches strategisches Konzept entwickelt. Sein Zweck war es lediglich, ein günstiges Kräfteverhältnis für eine Entscheidungsschlacht herbeizuführen.

2.a Die Schlachtflotte (ab 1907 Hochseeflotte)

Als Initiator der deutschen Schlachtflotte kann man Großadmiral Alfred von Tirpitz (1849- 1930) bezeichnen.

Tirpitz setzte sich gegen die Befürworter des Kreuzerkrieges durch und stellte mit Wirkung vom 22.09.1903 die Aktive Schlachtflotte in Dienst. Diese sollte aus den ersten beiden Geschwadern, die Reserve-Schlachtflotte aus dem III. und IV. Geschwader gebildet werden. Die Konzeption sah vor, daß die Aktive Schlachtflotte ständig in voller Stärke in Dienst zu halten war, die Reserve-Schlachtflotte in einer Stärke von 50%. Diese Forderung konnte erst 1907/08 erfüllt werden.

Die von Tirpitzsche Strategie ging (wie bereits unter Ziffer 1.e angesprochen) von einer engen Blockade der deutschen Nordseehäfen aus. Analog dazu war der vorrangige Auftrag der Schlachtflotte, die britische Flotte zu einer Entscheidungsschlacht zu stellen. Die Reichsleitung (Kaiser & Reichskanzler) sahen die Schlachtflotte allerdings immer mehr als ein politisches Machtinstrument, daß bis Friedensschluß intakt zu bleiben habe.

2.b Der Kreuzerkrieg

Hinter dem Kreuzerkrieg steht die Erkenntnis, daß man mit einem Wettrüsten des Gegners nicht weiter mithalten könne. Also verlegte man sich darauf, den für das britische Empire unerläßlichen Überseehandel mit seinen Kolonien mittels schneller Kreuzer auf allen Meeren zu unterbrechen.

Auf diese Art und Weise konnte eine maximale Schädigung des Gegners bei minimalen eigenen Verlusten erreicht werden.

Da durch einen solchen Einsatz selbstverständlich auch Kriegsschiffe des Gegners zumindest gebunden wurden, konnte auf diese Art und Weise eine ,,Seeherrschaft ohne Entscheidungsschlacht" errungen werden.

Die wichtigste Vorraussetzung für einen solchen Kreuzerkrieg war ein weltweites System leistungsfähiger Häfen und Stützpunkte.

Im Vordergrund stehen wirtschaftliche, nicht militärische Erfolge.

3. Das Ostasiengeschwader unter Graf Spee

Vizeadmiral Maximilian Reichsgraf von Spee übernahm am 04. Dezember das Ostasiengeschwader und damit das Kommando über zwei große Kreuzer, drei kleine Kreuzer, drei Kanonenboote, drei Flußkanonenboote und zwei Torpedoboote.

Nach der Kriegserklärung des Britischen Empires am 04.08.1914 sah sich Spee im asiatischen Raum folgenden Feindkräftegruppierungen gegenüber:

- dem Ostindiengeschwader,

Stärke: + zwei kleine Kreuzer - der australischen Marine, Stärke: + ein Schlachtkreuzer

+ zwei moderne, kleine Kreuzer + vier ältere, kleine Kreuzer

- dem Großbritannien-China-Geschwader. Stärke: + zwei Panzerkreuzer

+ zwei kleine Kreuzer

In Anbetracht der langen, teilweise sogar überdehnten Handelswege war diese zahlenmäßige Überlegenheit zu vernachlässigen. Schließlich hätte eine Verfolgung des Geschwaders ediglich eines bedeutet: Die Öffnung der Handelswege für einen noch effektiveren Kreuzerkrieg der Deutschen.

Dieser Zustand wurde von der japanischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich am 23.08.1914 nachhaltig verändert. Das Deutsch Reich wurde durch Japan aufgefordert, seinen wichtigsten Hafen im ostasiatischen Raum, Tsingtau, an China zurückzugeben und seine gesamten Streitkräfte aus dem asiatischen Gebiet abzuziehen. Spee hatte nun folgende Probleme zu bewältigen:
1) Nach dem Wegfall Tsingtaus konnte eine ausreichende Versorgung mit Munition und Kohle nicht mehr sichergestellt werden und
2) Bestand nun die Gefahr der Vereinigung von Japanern und Briten.

Schließlich sah von Spee drei verschiedene Möglichkeiten eigenen Handelns:

1. Marsch in den Indischen Ozean

+ hohes Aufkommen an Handel

- wenig Versorgungsmöglichkeiten

2. Marsch in den südlichen Teil des Pazifik

+ gute Fluchtchancen durch weiträumiges Gelände

- geringes Handelsaufkommen

- mögliche Vereinigung der Briten und der Australier

3. Marsch an die amerikanische Westküste

+ Versorgung durch neutrale Staaten

+ Beschaffenheit des Geländes begünstigt den Kreuzerkrieg

- geringes Handelsaufkommen

Spee sah den entscheidenden Vorteil in der Versorgungsmöglichkeit durch neutrale Staaten, um so die Möglichkeit wahrnehmen zu können, in die Heimat durchzubrechen. Lediglich der kleine Kreuzer EMDEN wurde im Indischen Ozean zurückgelassen, um dem Handelskrieg weiterzuführen. Der Rest des Ostasiengeschwaders marschierte in Richtung der amerikanischen Westküste. Auf dem Weg in diesen Raum, gelang es von Spee außerdem, noch einige britische Funkstationen zu zerstören.

3.a Die Seeschlacht bei CORONEL

Der Geschwaderchef erhielt am 05./06. Oktober 1914 die Meldung, daß britische Seestreitkräfte die Magellan-Straße in seine Richtung verließen.

Bei diesem englischen Verband handelte es sich um die Panzerkreuzer GOOD HOPE und MONMOUTH, sowie den kleinen Kreuzer GLASGOW und den Hilfskreuzer OTRANTO unter Führung des britischen Verbandschefs Konteradmiral Cradock. Dieser war zuvor von der britischen Admiralität beauftragt worden, den deutschen Verband aufzubringen. Am 01. November kam es zum Gefecht zwischen den Verbänden, welches Spee eindeutig für sich entscheiden konnte. Während beide Panzerkreuzer sowie der Verbandschef der Briten versenkt wurden, konnten auf deutscher Seite keine Verluste festgestellt werden. Dieser Sieg brachte von Spee eine begrenzte Verschnaufpause ein, da die Briten keinen weiteren schlagkräftigen Verband in unmittelbarer Nähe stationiert hatten. Allerdings hatten die Deutschen im Gefecht ca. 50% Ihrer Munition verschossen und aufgrund der britischen Präsenz in den Gewässern keine Versorgungsmöglichkeiten.

3.b Die Seeschlacht bei den FALKLAND-INSELN

Um den bei CORONEL erlittenen Prestigeverlust wieder wettzumachen, entsandte die britische Admiralität zwei den Deutschen an Kampfkraft überlegene Schlachtkreuzer in den Südatlantik, um den deutschen Verband zu suchen und auszuschalten.

Um einen weiteren militärischen Erfolg zu erzielen, entschied sich Spee gegen den Rat seiner Kommandanten dazu, den britischen Stützpunkt auf den Falklandinseln anzugreifen und die dort befindliche Funkstation zu zerstören. Am 08.11. führte der Geschwaderchef den Angriff durch. Einen Tag vorher waren die bereits oben erwähnten Schlachtkreuzer in den Hafen eingelaufen und versorgten.

Sobald Spee diese Schiffe sah, brach er den Angriff ab, denn er wußte nicht, daß diese Ihm an sich überlegenen Schiffe zu diesem Zeitpunkt weder gefechts-, noch manövrierfähig waren. Spee gab seinem Geschwader die Anordnung, sich mit Höchstgeschwindigkeit abzusetzen. Sobald die britischen Schlachtkreuzer seeklar waren, folgten sie dem deutschen Geschwader ebenfalls mit Höchstgeschwindigkeit und holten es ein. Spee versuchte, so viele Schiffe wie möglich durch Absetzen zu retten, jedoch entkam nur die DRESDEN.

4. Kreuzerkrieg? Schlachtflotte? Oder etwas ganz Anderes??

Zusammenfassend läßt sich Graf Spees Taktik in zwei große Blöcke unterteilen.

Bis zur Schlacht von CORONEL führte das Ostasiengeschwader einen Kreuzerkrieg, störte bzw. unterbrach also die Überseehandelswege der Briten. Ab CORONEL jedoch ist wieder das Prinzip Schlachtflotte zu erkennen. Spee suchte eine Entscheidung.

Stellt man die Frage nach dem Warum, da der Kreuzerkrieg doch sehr erfolgreich war, so muß man sich folgendes vor Augen halten:

- ein entschlossener Kreuzerkrieg hätte den Feind zwar zur Zersplitterung seiner Kräfte gezwungen, aber auch die Versorgung mit Kohle und Munition verkompliziert

- des weiteren fehlte die wichtigste Vorraussetzung für einen erfolgreichen Kreuzerkrieg: das umfassende Netz von Stützpunkten

- schließlich widersprach der Kreuzerkrieg sämtlichen damaligen Ausbildungsrichtlinien, die besagten, daß der Offizier dem Vaterland am besten diene, wenn er Waffe gegen Waffe sprechen läßt.

Weitere Probleme stellten die Unentschlossenheit der deutschen Admiralität und die falsche Auswertung der Ziele des Gegners dar.

Mit Sicherheit konnten durch die Präsenz der Hochseeflotte erhebliche Feindteile gebunden und die Küste von Nord- und Ostsee vor Landungen geschützt werden. Ein weiterer Vorteil war die Isolierung Rußlands sowie die Sicherstellung der Erztransporte aus Skandinavien. Jedoch hätte ein entschlossen geführter Kreuzerkrieg den Hauptgegner England deutlich härter getroffen, als eine Schlachtflotte, die Ihre Existenzberechtigung unter anderem einer falschen Auswertung der Feindabsicht verdankt.

Letztendlich lassen sich noch zwei weitere entscheidende Faktoren für das Scheitern der deutschen Marinestrategie nennen. Zum Einen die zersplitterte Führungsorganisation der kaiserlichen Marine. Erst in den letzten Kriegsmonaten existierte ein einheitliches Oberkommando für die Marine. Ein anderer Grund ist die Entschlüsselung des deutschen Funkschlüssels durch die Briten.

Literaturnachweis

Der Krieg zur See 1914-1918, hrsg. vom Marine Archiv

- Der Kreuzerkrieg, Bd.1+2 von E. Raeder 1922/23 Die deutschen Kriegsschiffe, S.95 - 98

R.K. Lochner: Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers EMDEN, München 1979

J. Mirow: Der Seekrieg 1914-1918 in Umrissen

Lexikon dt. Marinegeschichte

Grundzüge der dt. Militärgeschichte, Band 1, 1993

Infopedia 3.1 Das aktuelle Multimedia Lexikon, 1998

Details

Seiten
9
Jahr
2001
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99571
Note
2
Schlagworte
Spee; Schlachtflotte; Kreuzerkrieg; Ostasiengeschwader; Coronel; Falkland

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