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Verlauf der Französischen Revolution im Überblick

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 6 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Der Verlauf der Französischen Revolution im Überblick

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

B. Von den Generalständen zur Revolution

1. Die Formierung der Nationalversammlung (Constituante)

Von den 291 Mitgliedern des Klerus in den Generalständen zählten über 200 zur "patriotischen Partei", die umfassenden Reformen aufgeschlossen gegenüber stand. Auch Träger hoher und höchster kirchlicher Würden waren darunter.

In der Gruppe des Adels dominierten allerdings die konservativen, auf Erhaltung ihrer Privilegien bedachten "Aristokraten". Zu ihnen gehörten von den 270 Abgeordneten 180, darunter durchaus auch Angehörige des "neuen" Amts- und des Niederen Adels. Die restlichen 90 Abgeordneten, meist zum Stand der adligen Großgrundherren zählend, gehörten zur "patriotischen Partei".

Unter der 578 Mitglieder starken Gruppe des Dritten Standes befanden sich weder Bauern noch Handwerker, sondern ausschließlich Mitglieder des Großbürgertums; es liegt im Wesen der Sache, daß sie durchweg Reformen forderten.

Die Frage des Abstimmungsmodus nach Ständen oder nach Köpfen war aufgrund dieser Kräfteverhältnisse zu einer Überlebensfrage des Ancien Régime geworden, da nur in der geschlossenen Abstimmung nach Ständen der Adel (der den Klerus politisch führte und in der Frage der Privilegien auf ihn zählen konnte) seine Überlegenheit ausspielen konnte. Weder die Eröffnungssitzung der Generalstände am 5. Mai 1789 noch die folgenden Wochen brachten eine Entscheidung in der Frage des Abstimmungsmodus, Königtum und Adel taktierten hinhaltend. Da der Adel die Forderung des Dritten Standes, die Legitimation der Abgeordneten gemeinsam zu prüfen, kategorisch ablehnte, erklärten sich die Abgeordneten des Dritten Standes schließlich in der "Erklärung über die Konstituierung der Versammlung" vom 17. Juni selbst zur "Nationalversammlung" und nahmen das Recht, Steuern zu genehmigen, für sich in Anspruch. Auf die Entscheidung des Klerus für gemeinsame Beratungen mit dem Dritten Stand hin (19. Juni) war das Königtum in die Defensive gedrängt und versuchte, durch eine Schließung des Versammlungsraums die gemeinsame Sitzung wenn nicht zu verhindern, so doch aufzuschieben. Die Abgeordneten tagten indessen in einem nebenan gelegenen Raum, dem Ballhaus (Jeu du Paume = Ballspiel). Durch den Affront des Königs in ihrem Selbstverständnis verletzt, erklärten sie, sich niemals zu trennen und sich überall zu versammeln, wo es die Umstände erfordern sollten, bis die Verfassung errichtet sei (Ballhausschwur vom 20. Juni). In der Thronsitzung vom 23. Juni wollte Ludwig XVI. die alten Beschlüsse über getrennte Sitzungen durchsetzen und die Beschlüsse des Dritten Standes für nichtig erklären. Auf sein Gebot zur Auflösung der Versammlung indessen bekräftigten die Abgeordneten des Dritten Standes ihren Beschluß vom 20. Juni und traten damit in offenen Gegensatz zum König (vgl. Heinrich von Kleists Aufsatz Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden über die Rolle Mirabeaus). Die realen Machtverhältnisse zwangen den König jedoch, am 27. Juni Adel und Klerus, soweit sie sich noch nicht mit dem Dritten Stand solidarisiert hatten, den Beitritt zur Nationalversammlung zu empfehlen. Nachdem der König sich mit der Ausarbeitung einer Verfassung einverstanden erklärt hatte, konnte die staatsrechtliche Revolution als abgeschlossen betrachtet werden. Der Dritte Stand hatte den Kampf um die Anerkennung als gesetzgebende Körperschaft gewonnen. Die Ergebnisse dieser Entwicklung waren:

- Das Königtum hatte den Weg des starren Festhaltens an der alten Ordnung verlassen und sich (notgedrungen) Konzessionen mit dem Dritten Stand zugewandt;
- die aus der Versammlung des Dritten Standes hervorgegangene Nationalversammlung erklärte sich am 9. Juli zur "Verfassunggebenden Nationalversammlung" und verwies damit den König in die Rolle eines Amtsträgers, der unter der Souveränität des Volkes stand;
- die alte Ständegliederung war - zumindest verfassungsrechtlich - aufgehoben zugunsten der einheitlichen Organisation in der Nationalversammlung, die politisch unter dem Einfluß des Dritten Standes stand;
- die alten Differenzen (Privilegien etc.) waren noch nicht ausgeräumt, mußten also mit oder ohne Kompromisse mit dem Ersten und Zweiten Stand bereinigt werden.

2. Die Verfassung von 1791

Die Verabschiedung der Verfassung von 1791 stand bereits unter dem Zeichen der sich verschärfenden Auseinandersetzung mit dem Königtum. Vorausgegangen war im Juni 1791 der Fluchtversuch Ludwigs XVI., der in Varennes durch seine Entdeckung scheiterte. Gründe für diese Flucht waren einmal seine prinzipielle Gegnerschaft gegen das Reformwerk der Revolution und gegen die Kirchenpolitik der Nationalversammlung, dann seine Position unter dem Druck der Pariser Volksmassen, schließlich die Hoffnung, durch Intervention von außen die alten Verhältnisse wiederherstellen zu können. Die königliche Familie indessen wurde von Varennes im Triumphzug nach Paris zurückgeführt und stand fortan unter Bewachung in den Tuilerien. Folge des Fluchtversuches war ein großer Verlust an Vertrauen und Ansehen bei der Bevölkerung und damit eine entscheidende Schwächung des monarchischen Gedankens.

Die Verfassung vom September 1791 gliederte Frankreich in 83 Departements, die alten, historisch gewachsenen Provinzen wurden aufgelöst. Die neuen Verwaltungseinheiten verwalteten sich ebenso wie Städte und Gemeinden selbst, alle Amtsträger wurden direkt gewählt.

Exekutive, Legislative und Justiz waren streng voneinander getrennt, der Einfluß der Königs war erheblich zurückgedrängt, wo er noch ein Vetorecht hatte, schob es Beschlüsse nur auf. Das politische Gewicht lag bei der Nationalversammlung, deren Zusammensetzung aufgrund des Zensuswahlrechts die Interessen der Bourgeoisie widerspiegelt: Es gab nur 60% der männlichen Bevölkerung das aktive Wahlrecht (Aktivbürger) und schloß vor allem Arbeiter und Bedienstete aus, das passive Wahlrecht war an eine noch höhere Steuersumme gebunden. Nur 50000 Bürger erreichten diese Qualifikation, aus ihrer Mitte wurde das Wahlmännerkollegium gewählt, das seinerseits die Deputierten in die Nationalversammlung entsandte. Vergebens versuchte die demokratisch-republikanische Minderheit nachzuweisen, daß nur das allgemeine Wahlrecht der Zusicherung der persönlichen Freiheit für den einzelnen in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte entsprechen würde.

Ludwig XVI. schwor am 14. September den Eid auf die neue Verfassung, die Frankreich in eine konstitutionelle Monarchie umwandeln sollte. Die Chancen der Monarchie waren jedoch bereits vorher verspielt - ob durch die Unvereinbarkeit der Prinzipien oder durch die Selbst-Diskreditierung des Königtums, sei dahingestellt.

3. Der Beginn der Revolutionskriege

Vor allem die Girondisten betrieben den Revolutionskrieg als Mittel sowohl zur Ablenkung von den inneren Schwierigkeiten als auch zur Einigung der Nation. Sie wurden nur zu bereitwillig vom König unterstützt, der in einem Krieg Frankreichs gegen das die Emigranten unterstützende Ausland - vor allem gegen Österreich als den Hort der Reaktion - ein wesentliches Mittel zur Schwächung der Revolution und zur Wiedererrichtung seiner alten Macht sah. Der Kriegserklärung vom 20. April 1792 an den "König von Böhmen und Ungarn" (also nicht an das Deutsche Reich) folgten bald die ersten französischen Niederlagen und Rückzüge. Die Stimmung in den Sektionen richtete sich mehr und mehr gegen den König, dessen Doppelspiel durchschaut wurde.

4. Der Aufstand vom 10. August

Als Befehlshaber der österreichischen Truppen richtete der Herzog von Braunschweig ein von Emigranten verfaßtes "Manifest" an die Bevölkerung von Paris (am 1. August bekanntgeworden), in dem in drohendem Ton blutige Vergeltung angedroht wurde, falls die Königsfamilie Schaden erlitte. Gleichzeitig wurde der Druck der Sektionen, die eine Abschaffung des Königtums forderten, auf die Gesetzgebende Versammlung immer stärker. Da die Girondisten aber weiterhin mit dem König zu einer Einigung zu kommen suchten, setzten die Sektionen ihre Ziele im Aufstand vom 10. August 1792 durch: die bisherige Stadtverwaltung wurde durch eine neue, von den Sektionen bestimmte ersetzt, das Volk stürmte die Tuilerien, der König begab sich in den Schutz der Gesetzgebenden Versammlung. Die setzte ihn zwar noch nicht ab, enthob ihn aber vorläufig seines Amtes. Im Aufstand vom 10. August zeigte sich sowohl die Unfähigkeit der Feuillants, deren mäßigender Einfluß auf die Revolution gescheitert war, als auch der Girondisten, die zu lange mit dem Königtum zu einer Einigung kommen wollten. Sieger blieben die Sektionen und die von ihr berufene revolutionäre Kommune. Sie setzten auch die Auflösung der Gesetzgebenden Versammlung und die Ausschreibung von Neuwahlen nach allgemeinem und gleichem Wahlrecht durch.

Der preußische Vormarsch auf die Hauptstadt kostete in einem Akt revolutionärer Rache in Paris 1100 politischen Gefangenen das Leben, der Vormarsch selbst kam während eines strategisch unbedeutenden Geplänkels vor Valmy zum Stillstand ("Kanonade" von Valmy, 20. September -siehe Goethes Darstellung in "Campagne in Frankreich" unterm 19. September)

- das alte System hatte seine Schwäche und innere Zerrüttung, das neue seine Stärke, die auf der Erhebung des ganzen Volkes beruhte, bewiesen.

Zentrum der Macht wurde, je mehr die Gesetzgebende Versammlung mit ihren eigenen, inneren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, die aus 277 Vertretern der Sektionen bestehende Commune, die sich als "eigentliche" Vertretung der revolutionären Volksmassen empfand.

5. Der Prozeß gegen Ludwig XVI. und der Machtkampf zwischen Gironde und Montagne

Die Neuwahlen im Sommer 1792 brachten noch der gemäßigten Gironde eine klare Mehrheit, die radikalen Demokraten, nach ihren Sitzen auf den oberen Rängen "Montagne" (Berg) genannt, blieben in der Minderheit. Sie vertraten hauptsächlich das Volk von Paris und mußten sich, um ihren Einfluß geltend zu machen, vor allem auf die Pariser Commune und die Jakobinerclubs stützen. Zwischen beiden Gruppierungen standen - wie bereits in der Gesetzgebenden Versammlung - die Unentschlossenen, verächtlich "Marais" (Sumpf) genannt. Zum führenden Kopf stieg Danton auf, der zunächst innerhalb der von der Gironde gebildeten Regierung das Justizministerium übernahm, zugleich aber das Vertrauen der Commune besaß. Seine Gegenspieler waren Robespierre und Marat, die eine radikale Gleichheitstheorie verfochten.

Die neu zusammengetretene Versammlung nannte sich Nationalkonvent, sie erklärte in ihrer ersten Sitzung am Tag nach der Kanonade von Valmy, dem 21. September 1792, das Königtum für abgeschafft und Frankreich zur Republik.

Wesentlicher Punkt der Auseinandersetzung war im Herbst 1792 der Prozeß gegen Ludwig XVI. Die Gironde versuchte, die Verurteilung hinauszuzögern, wenn nicht abzuwenden, während Sansculotten und Jakobiner in der Verurteilung und Hinrichtung des Königs die notwendige logische Konsequenz aus der "Revolution" vom 10. August sahen. Mit 387 gegen 334 Stimmen wurde am 15. und 16. Januar 1793 das Todesurteil gefällt und am 21. Januar vollstreckt.

Das Verhalten der Gironde im Prozeß brachte einen großen Teil des Marais auf die Seite der Montagne und der Jakobiner, bei denen sich die Auffassung durchsetzte, daß die wachsenden Schwierigkeiten nur durch die Errichtung einer radikalen Republik gemeistert werden könnten. Der Machtkampf zwischen beiden Parteien spitzte sich unter dem Einfluß der wirtschaftlichen Lage, des ausbrechenden Bürgerkrieges (vor allem in der Vendee von unzufriedenen Bauern geführt) und einer Reihe militärischer Niederlagen weiter zu. Die Sansculotten als Wortführer der Pariser Massen forderten dirigistische staatliche Maßnahmen, um die Not der Armen zu lindern (Preisstop, Fest- und Höchstpreise -Maxima -, Beschlagnahme von Getreidevorräten etc.). Unter diesem Druck mußte auch die Montagne Höchstpreise für Getreide und Mehl durchsetzen (Mai 1793). Organe der Montagne (und der Sansculotten) im Kampf um die Ziele der Revolution wurden das Revolutionstribunal des Konvents (ein vom Konvent errichteter Sondergerichtshof) und der am 6. April erstmals errichtete Wohlfahrtsausschuß zur Kontrolle der Ministerien. Die Montagne hatte damit zwei Instrumente in der Hand, um mißliebige politische Gegner, hauptsächlich auf der Seite der Gironde, auszuschalten.

Die Gegnerschaft sowohl der Montagne als auch der Sansculotten gegen die Gironde, die in den Provinzen offen die Konterrevolution betrieb (vor allem in Bordeaux und in Lyon), äußerte sich schließlich in einem organisierten Aufstand der Jakobiner. Zusammen mit den Sansculotten versuchten sie erstmals am 31. Mai, dann endgültig am 2. Juni 1793, die Gironde zu entmachten: Der Konvent wurde von Nationalgardisten umstellt, 29 Abgeordnete der Gironde und zwei ihrer Minister wurden verhaftet. Die Montagne hatte damit den Sieg über die gemäßigte Gironde errungen. Als nächstes stellte sich ihr allerdings das Problem, die Hoffnungen der Sansculotten auf eine soziale Demokratie herunterzuschrauben, ohne sie zu verprellen oder gar wieder in die Arme der Gironde zu treiben.

Der Widerstand der Gironde-Anhänger in der Provinz ging zusammen mit einem mehr oder weniger offenen Vortreten der aristokratischen Reaktion. Er äußerte sich im Sommer 1793 in Aufständen gegen die Pariser Zentralregierung, wurde aber von Truppen des Konvents niedergeschlagen. Zur selben Zeit wurden die wichtigsten Führer der Montagne Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses, der immer mehr zum wichtigsten Machtorgan wurde und dessen Führung Robespierre übernahm.

Details

Seiten
6
Jahr
2000
Dateigröße
382 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99535
Note
Schlagworte
Verlauf Französischen Revolution

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