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Watzlawicks Axiome

Skript 2001 3 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Die Axiome der Theorie von Paul Watzlawick

Die Theorie von Watzlawick zeigte Mitte der 60er Jahre grundlegend neue Ansätze zum Verständnis zwischenmenschlicher / sozialer Kommunikation. Die Theorie von Paul Watzlawick ist (im Gegensatz zum Sender-Empfänger-Modell) dynamisch und interaktiv. Eine wichtige Erkenntnis in diesem Modell ist u.a., dass soziale Kommunikation kreisförmig verläuft. Demnach sind nicht nur die Reaktionen einer Person A auf das Verhalten einer Person B bedeutsam, sondern auch die Wirkung, die das Verhalten auf B hat usw.

In seinem Buch „Menschliche Kommunikation“ widmet sich Watzlawick v.a. dem pragmatischen Aspekt der Kommunikation, d.h. er beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Kommunikation auf das Verhalten der Teilnehmer.

Definitionen

Kommunikation

Eine einzige Kommunikation heißt Mitteilung. Kommunikation ist alles, was in der Interaktion geschieht. Die Betonung liegt bei der Kommunikation auf den Inhalten einer interpersonalen Situation. Kommunikation hat nach Watzlawick die gleiche Bedeutung wie Verhalten.

Interaktion

Der wechselseitige Ablauf von Mitteilungen zwischen zwei oder mehreren Personen heißt Interaktion. Die Betonung beim Begriff der Interaktion liegt auf der Beziehung der beiden Partner und die Bedeutung der Beziehung für sie. Watzlawick sieht die menschliche Interaktion als ein System, das auf Regeln beruht.

Axiome

Watzlawick zeigt in seinen Axiomen die Regeln menschlicher Interaktionen auf. Diese Regeln hat er in fünf Axiomen zusammengefasst. Bei gestörter Kommunikation werden n. Watzlawick diese Regeln nicht eingehalten. Vom ersten Tag seines Lebens an beginnt der Mensch die Regeln der Kommunikation zu erlernen, „obwohl sie ihm kaum jemals bewusst werden“ (Watzlawick S. 13). Kommunikationsstörungen weisen damit auf (meist unbewusste) Verletzungen der Regeln im zwischenmenschlichen Bereich hin. In der Metakommunikation sieht Watzlawick ein Mittel, um Kommunikationsstörungen aufzudecken oder zu beheben.

(Inhalt nach Heidenreich, Text modifiziert nach Obermeier)

(1) Axiom 1: Man kann nicht nicht kommunizieren

Kommunikation findet nicht nur durch Worte statt, sondern auch durch Körpersprache, sowie nonverbale Phänomene wie Tonfall, Lachen, Seufzen, Sprechgeschwindigkeit...

Jedes Verhalten, alles was man tut oder nicht tut, hat Mitteilungscharakter. Da man sich nicht nicht verhalten kann, egal was man tut, so kann man auch nicht nicht kommunizieren.

Beginnt nun jemand ein Gespräch, obwohl sein Gegenüber nicht kommunizieren will, so bleiben dem Gegenüber nur vier Reaktionsmöglichkeiten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Folge: Misslungene Kommunikation; die eigentliche Botschaft wurde nicht beachtet.

C.O. / 10.02.01

(2) Axiom 2: Der Inhalts- und Beziehungsaspekt einer Kommunikation

Inhaltsaspekt:

Vermittelt Informationen und Daten.

Beziehungsaspekt:

Bestimmt, wie der Sender die Informationen und Daten vom Empfänger verstanden haben möchte. Darin ist also ein Hinweis enthalten, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger versteht. In diesem Sinn ist auch eine persönliche Stellungnahme enthalten (Zu- oder Abneigung). Beziehungen werden selten bewusst definiert. Sie werden i.d.R. über Gestik, Mimik oder Tonfall erschlossen. Der Beziehungsaspekt ist auch als Metakommunikation zu verstehen, da er dem Empfänger vermittelt, wie eine Kommunikation (d.h. eine Mitteilung) zu verstehen ist (d.h. er kommentiert die Daten und hilft bei deren Interpretation).

Zusammenfassung:

Stimmen Inhalts- und Beziehungsaspekt nicht überein, dann liegt eine missverständliche Kommunikation vor. Der Diskrepanz zwischen Inhalts­und Beziehungsaspekt wird mehr Bedeutung beigemessen, mehr Glauben geschenkt, als dem Inhaltsaspekt. Ein Vorurteil hat z.B. neben dem Inhaltsaspekt immer eine Aussage zu der Beziehung zu sozialen Gruppen. Der gestörte Beziehungsaspekt dominiert dabei über den Inhaltsaspekt. Man kann verschiedene Arten von Störungen unterscheiden:

- Unstimmigkeit beim Beziehungsaspekt wird im Bereich des Inhaltsaspektes ausgetragen (vgl. Schulz v. Thun: Kardinalfehler der Kommunikation)
- Meinungsverschiedenheiten im Inhaltsbereich werden beigelegt - es bleiben jedoch Differenzen auf der Beziehungsebene (Folge: Der Konflikt wird wieder aufflammen)
- Uneinigkeit auf der Inhaltsstufe; Einigkeit auf der Beziehungsebene
- Einigkeit im Inhaltsbereich; Uneinigkeit auf der Beziehungsebene

(3) Axiom 3: Interpunktion von Ereignisfolgen

Kommunikation ist ein ununerbrochener Austausch von Mitteilungen. Doch jeder Teilnehmer legt den Abläufen seine eigene Struktur und Gliederung zugrunde. Interpunktion meint hier die Interpretation von Ursache und Wirkung. Jeder sieht sein Verhalten immer nur als Reaktion auf das Verhalten des anderen. Die Natur einer Beziehung ist demnach bestimmt durch die Vorstellung von Kommunikationsabläufen, die jeder Partner einer Situation zugrunde legt.

Jeder Kommunikationsteilnehmer interpretiert die Abläufe nach seiner subjektiven Wahrnehmung. Die widersprüchliche Interpunktion ist Auslöser vieler Beziehungskonflikte. Jeder sieht sein Verhalten als Reaktion - und das Verhalten des Partners als Ursache. Entgegen der subjektiven Wahrnehmung hat menschliche Interaktion keinen Anfang und kein Ende. Sie verläuft kreisförmig, d.h. jedes Verhalten ist zugleich Ursache und Wirkung. Aufgrund der Kreisförmigkeit kann man sich die Frage nach der Ursache bzw. dem Anfang sparen. Unterschiedliche Interpunktion führt zwangsläufig zu sich wiederholenden Verhaltensfolgen (gegenseitige Beschuldigungen...). Diese halten den interaktiven Kreisprozess aufrecht und hindern an der Lösung des Konfliktes. Nach Watzlawick ist die einzige Möglichkeit, aus diesem Teufelskreis auszubrechen die Metakommunikation. Phänomene im Bereich der Interpunktion: Selbsterfüllende Prophezeiung = Erwartungsfehler (Die selbsterfüllende Prophezeiung hat einen Anfangspunkt, nämlich die falsche Annahme einer Person. Dadurch zwingt die Person ihrer Umwelt ein gewisses Verhalten auf. Das Problem ist, dass die Person ihr Verhalten nicht als auslösendes Moment wahrnimmt, sondern nur als Reaktion auf das Verhalten der anderen. )

(4) Axiom 4: Digitale und analoge Kommunikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Digitale Kommunikation ist immer von analoger Kommunikation begleitet.

Es gibt auf dem Gebiet der menschlichen Kommunikation zwei verschiedene Modalitäten, in denen etwas dargestellt werden kann: Durch digitale und analoge Kommunikation. Diese Thematik hängt eng mit dem Axiom 2 zusammen. Digitale und analoge Kommunikationsweisen ergänzen sich (ähnlich wie der Inhalts- und Beziehungsaspekt) gegenseitig. Der Inhaltsaspekt einer Kommunikation wird digital, der Beziehungsaspekt analog übermittelt.

Analoge Mitteilungen sind oft mehrdeutig. Sie können daher vom Empfänger missverstanden werden. Es kann folglich bei der Übersetzung der beiden Kommunikationsarten zu einer Störung kommen. Die Interpretation hängt ganz davon ab, wie der Empfänger zum Zeitpunkt der analogen Mitteilung die Beziehung zwischen sich und dem Geber auffasst. Analog zu Axiom 2 kann man auch hier sagen: Besteht eine Diskrepanz zwischen digitaler und analoger Mitteilung, so ist die Kommunikation misslungen.

(5) Axiom 5: Symmetrische oder komplementäre Kommunikation

Ob zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe symmetrisch oder komplementär sind, hängt ganz von der Gleichheit oder Unterschiedlichkeit der Beziehung der beiden Partner ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symmetrische Eskalation

Beim Streben nach Gleichheit findet man oft das Bedürfnis vor, selbst „ein bisschen gleicher“ zu sein. Ein Partner versucht dabei in einem für seine Selbstdefinition wichtigen Bereich einen kleinen Vorsprung vor dem anderen Partner zu erlangen. Dieser wird wiederum versuchen, diesen Vorsprung wettzumachen und selbst einen Vorsprung zu bekommen. Dieses „sich Hochschaukeln“ beginnt in Beziehungssystemen, die an Stabilität verloren haben und nun Rivalitätskämpfe austragen. Folge: Trennung, Scheidung, Mord und Totschlag

Starre Komplementarität

Wenn die Beziehungsdefinition erstarrt, entsteht eine starre Komplementarität. Das heißt, dass sich ein Partner immer in der Primär- und der andere immer in der Sekundärposition befindet. Beispiel: Mutter - Kind Beziehung; Wenn Beziehungsdefinition erstarrt, wenn die Mutter versucht, dieselbe Beziehung aufrecht zu erhalten, obwohl das Kind irgendwann kein Kind mehr ist. Stabilisiert sich eine komplementäre Beziehung, dann besteht die Gefahr der Abhängigkeit, Unmündigkeit und Fremdbestimmung. Bei der starren Komplementarität kommt es zu einer Entwertung des Selbstbildes, d.h. der Selbstdefinition des Partners.

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Details

Seiten
3
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638979320
Dateigröße
370 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99488
Note
Schlagworte
Watzlawicks Axiome

Autor

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Titel: Watzlawicks Axiome