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Die Diktatur unter Franco und ihr Wirkung auf die Literatur dieser Zeit

Hausarbeit 2000 34 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Spanien unter Franco
1. Die Machtübernahme
2. Die Jahre nach dem Bürgerkrieg
2.1 Situation im Volk
2.2 Politische Struktur
2.3 Die Diktatur

III. Verbindungen zwischen den totalitären Staaten Deutschland und Spanien

IV. Der Zensurapparat
1. Zensursystem
2. Scheinbare Liberalisierung
3. Auswirkungen der Zensur
3.1 Zensur als ,,Gefängnis" für die Schriftsteller ?
3.2 Kommunikationshemmende Wirkung der Zensur
3.3 Förderung der Kreativität

V. Die Lyrik während des Franco Regimes
1. Verschiedene (Flucht - )Wege
2. Exildichtung
2.1 Gründe und Inhalte
2.2 José María Valverde
2.3 Emilio Prados (1899 - 1962)
3. Dichten in Spanien
3.1 Innere Emigration
3.2 Offene Kritik des Regimes
3.3 Miguel Hernández Gilabert
3.4 Propanga
3.5 Frauendichtung

VI. Dichtung zwischen Zorn und Machtlosigkeit

VII. Übersetzung spanischer Zitate und Gedichte

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

,,Porque vivimos a golpes, porque apenas si nos dejan

decir que somos quien somos,

nuestros cantares no pueden ser sin pecado un adorno.

Estamos tocando el fondo.

Maldigo lo poesía concebida como un luyo

Cultural por los neutrales

Que, lavándose las manos, se desentienden y evaden.

Maldigo la poesía de quien no toma partido hasta mancharse."1

Wie sehr die Diktatur Francisco Francos die Lyrik seiner Zeit beeinflusst, die Dichter in ihrem künstlerischen Schaffen einschränkt, zeigt eindrucksvoll obiges Gedicht von Gabriel Celaya. Wie in Deutschland während des Nationalsozialismus, so finden auch in Spanien nach dem Bürgerkrieg und damit dem Beginn der Ära Francos tiefgreifende Umwälzungen statt. Unzählige Menschen müssen schon während des Krieges ihr Leben lassen, das Land ist verwüstet, die Zurückbleibenden arm und verzweifelt. Doch mit dem Ende des Krieges beginnt eine neue Zeit der Unterdrückung und des Terrors. Hinrichtungen - um den Widerstand im Volk zu unterdrücken - waren an der Tagesordnung, fehlende Versorgung mit Speisen und Medizin kommen hinzu: mehr als 200 000 Spanier sterben in den folgenden Jahren nach dem Bürgerkrieg. Über eine halbe Million Flüchtlinge suchen ihr Glück in Frankreich, Süd- oder Mittelamerika - meist Männer mittleren Alters, was einen großen Mangel an Arbeitskräften zur Folge hat.

Auch Künstler, Wissenschaftler und Intellektuelle fliehen - da sie sich nicht der Zensur des diktatorischen Systems beugen wollen. So entsteht eine an Zahl und Qualität sehr starke Exilliteratur, eine Entwicklung die sich auch in Deutschland beobachten lässt. Wer im Land verbleibt, ist jedoch nicht unbedingt ein regimetreuer Schriftsteller - auch in Spanien selbst gibt es versteckte Widerstände. Autoren, die das Volk aufrütteln wollen, die versuchen unter den gegebenen Umständen gegen die Diktatur zu rebellieren.

Thema dieser Hausarbeit sollen eben diese Menschen sein, wie sie unterdrückt wurden und ihre Meinung vertreten in einem System, das eigentlich keine systemkonformen Meinungen zulässt.

Zunächst informiert ein kurzer Überblick über die Situation in Spanien nach dem Bürgerkrieg: Wie kam Franco an die Macht? Wie sah das unter ihm geführte System aus? In welcher Situation war das spanische Volk ?

Der Zensurapparat, sein Aufbau und seine Durchführung wird anschließend behandelt - wobei auch die Verbindung zu dem deutschen Machtapparat betrachtet wird.

Zentrale Frage dieser Hausarbeit stellt jedoch die Auswirkung dieses Machtapparates auf die spanischen Schriftsteller dar - wobei das Hauptaugenmerk den Lyrikern gilt. Einige Gedichte von spanischen Lyrikern in Spanien oder im Exil sollen diese Wirkungen und ihre unterschiedlichen Ausprägungen schließlich veranschaulichen.

II. Spanien unter Franco

1. Die Machtübernahme

Francisco Francos Übernahme der Regierung ist keine Nacht- und Nebelaktion, sondern lange geplant und von vielen Seiten unterstützt.

Während jedoch die spanische Presse lange Zeit nichts ahnt, nennt der ,,Völkische Beobachter" in Deutschland kurz nach dem Militärputsch zahlreiche Namen und Garnisonen. Erstmals wird von Straßenkämpfen in Madrid berichtet und Vermutungen über Unruhen von Seiten der Rechten werden aufgestellt. Doch zum Zeitpunkt dieses Putsches sitzt Franco bereits in einem Flugzeug des Typs Dragon Rapide. Gechartert ist es von faschistischen Engländern, Ziel der Reise ist Mallorca.

Und obwohl in Spanien selbst niemand etwas zu ahnen schien, ist der 18. Juli als Datum des faschistischen Militärputsches längst geplant, Franco selbst spricht - als er in die Maschine steigt - den Satz: ,,Blindes Vertrauen in die Zukunft!"2

Bei der Verwirklichung seiner Vorstellungen der Zukunft wird er nicht nur von Anhängern seiner Ideologie aus England, sondern auch von Nazis unterstützt. Hitler sendet noch im Juli eine Flotte Junkers- Maschinen, die 15 000 Soldaten Francos von Afrika nach Sevilla befördern. Weitere 9750 zur Unterstützung folgen wenig später. Göring schildert das Ereignis:

"Man darf nicht vergessen, Franco stand mit seinen eigentlichen Truppen in Afrika, konnte nicht herüberkommen, da die Flotte in den Händen der Kommunisten war oder, wie sie sich damals nannte, der zuständigen Revolutionsregierung in Spanien. (. . .) Ich sandte mit Genehmigung des Führers einen großen Teil meiner Transportflotte und sandte eine Reihe von Erprobungskommandos meiner Jäger, Bomber und Flakgeschütze hinunter und hatte auf diese Weise Gelegenheit, im scharfen Schuß zu erproben, ob das Material zweckentsprechend entwickelt wurde."3.

Am 13. August 1936 greift ein Panzerkreuzer der Deutschen einen Panzerkreuzer im Hafen von Malaga an. Ein Krieg beginnt, der schon in der Anzahl der Berichte über ihn nahezu einzigartig ist. Niemals zuvor ist in einer solchen Fülle von Kämpfen und Opfern durch so unterschiedliche Schriftsteller berichtet worden.4

Doch das ist nicht das einzige, was den Krieg zu etwas Außergewöhnlichem machte - auch die Anzahl an mächtigen Gruppen und unterschiedlichen Kriegsmotiven, die Spanien in den 30ern prägen, ist in ihrer Art unvergleichlich.

Die Anarchisten mit ihrer Ablehnung jeglicher Ordnung - ob staatlich oder bürgerlich - haben vor allem in den frühen 30ern großen Einfluss. Auf der anderen Seite stehen die ebenfalls mächtigen Faschisten, die zu bekämpfen sind, und die in den Streitigkeiten der vielen anderen Gruppierungen lange unterschätzt werden .

Diese ,,innere Unruhe" in Spanien, die Angst des Besitzstandes eben diesen Besitz zu verlieren, und den allgemeinen Widerstand gegen die Republik macht sich Franco zu nutze und übernahm am 2. April 1939 endgültig die Macht.

2. Die Jahre nach dem Bürgerkrieg

2.1 Situation im Volk

Das Land, das Franco nun übernimmt ist gespalten. Vor allem steht ihm das ausgehungerte und verarmte Volk gegenüber. Die Menschen haben ihren - schon zuvor nicht großen - Besitz verloren, in jeder Familie gibt es Tote zu beklagen.

Doch mit dem Bürgerkrieg ist der Terror noch nicht vorbei - in der Tat beginnt er in vielerlei Hinsicht erst. In den ersten Jahre nach Ende des Krieges werden allein 200 000 Spanier, die sich in irgendeiner Weise regimefeindlich zeigen hingerichtet. Noch 1940 befinden sich einer Quelle der internationalen Juristenkomission zu Folge 250 000 Spanier in Untersuchungshaft - in Gefängnissen, die ursprünglich für 15 000 Insassen gebaut worden sind.

Viele Menschen wollen sich dem neuen Regime nicht unterordnen und flüchten - insgesamt ca. 600 000, vor allem nach Frankreich sowie Mittel- und Südamerika.5

Nicht besser ergeht es jenen, die in Spanien bleiben. Denunziation entwickelt sich zu einem ,,beliebten" und stets erfolgreichen Mittel um seinen Feinden zu schaden. Wer jemandem Beruf oder privaten Besitz neidet, muss ihn nur als ,,rojo" bezeichnen, schon verliert der Beschimpfte entweder seine Arbeit oder wird auf andere Weise bestraft.

Der Verdienst der Arbeiter sinkt - auf die Höhe der Löhne von 1936, so dass ,,Hunderttausende, unter ihnen die Kinder der politischen Gefangenen und der Erschossenen, (...) Nahrungszuteilung vom ,,Auxilio Social", der Wohlfahrtsorganisation der Falange"6 erhalten.

Die große Armut führt zu einem Ansteigen der Kriminalität, der Schwarzmarkt erblüht, schnell bildet sich eine neue Oberschicht an Kriegsgewinnlern heraus, die in Luxus inmitten von Elend leben. Diese ersten Jahre nach Francos Amtsantritt sind als ,,los años del hambre" in die Geschichte eingegangen.

2.2 Politische Struktur

Wie bereits erwähnt gibt es bereits vor und während dem Krieg eine große Anzahl verschiedenster politischer Gruppen mit unterschiedlichen Interessen, Kriegsmotiven und natürlich auch Zielen nach dem Krieg. So begegnet Franco auch nun, da der Krieg zu Ende ist, eine sehr heterogene Schar von ,,Anhängern".

Der Großteil derer, die an seiner Seite für die Abschaffung der Republik gekämpft hatten, haben nur ,,eine Zweckkoalition (...) gegen Liberale, Marxisten, Regionalisten und AnarchoSyndikalisten (gebildet und wollen) nach dem Sieg (...) Gruppen- und Parteiziele durchsetzen, wollen wieder in erster Linie Falangisten, carlistische oder alfonistische Monarchisten sein."7 Politisch ist also die Lage keineswegs entschärft. In den Gebirgsgebieten gehen die Kämpfe weiter - die Guerilla der Anarchisten, Kommunisten und später auch der Sozialisten liefert sich noch jahrelang einen erbitterten Kampf mit der Guardia Civil, der Landpolizei. Kämpfe, die auf beiden Seiten fast 10 000 Opfer fordern.

In erster Linie setzt sich jedoch der Wille des Führers durch. Und der ist klar definiert:

,,Spanien wird die Strukturen der totalitären Regime wie Italien und Deutschland haben ... wird korporative Formen haben(...). Unser Regime wird mit den liberalen Institutionen, die unser Volk vergiftet haben, Schluss machen"8, so teilt er der Nachrichtenagentur United Press 1939 in einem Interview mit. Nach eben diesem Ideal der anderen faschistisch regierten Länder gibt es nun in Spanien eine Zwangsgewerkschaft, die Arbeitnehmer und - geber unter der Kontrolle des Regimes zusammenschließt. Die Kammern der Stände und die politischen Vertretungen der Freiberufler - also die Cortes - werden in ein Ständeparlament umgestaltet.

Das politische System während des Franquismus ist in drei Phasen zu unterteilen, ,,den falangistisch - totalitären Beginn (1939 - 1945), die konservativ-katholische Epoche der Institutionalisierung (1945 - 1960) und die Vorherrschaft der Technokratie und Entwicklungsplaner (1960 - 1973)"9.

Gemeinsam ist diesen Phasen die Ablehnung der Demokratie, doch nur in den ersten Jahren zeigt sich das System wirklich totalitär. Stets ist man bemüht, eine ideologische Rechtfertigung zu finden, wobei in der ersten Phase Spanien offiziell ,,antiliberal, katholischintegristisch, antiwissenschaftlich (und) nationalistisch auch in kulturellen Fragen"10 ist - es herrschte die Ideologie einer utopischen Rechten.

In negativer Hinsicht stimmen die drei Phasen darin überein, dass das Ziel einer geschlossenen Ideologie stets unerreicht bleibt. Die anfänglich dominierende Partei der Falange wird sehr bald von Franco zu einer eher bedeutungslosen Gruppe degradiert. Vormals wichtige Parteifunktionäre entmachtet der Staatschef, wobei vor allem die Mitglieder des linken Parteiflügels davon betroffen sind, da sie an der Durchsetzung weniger sozialer Reform festhalten. Schnell wird deutlich, dass nur ein Wille zählt - der des Führers. Es gibt nur eine Autorität, nur eine Wahrheit.

Doch ist das Regime Francos denn überhaupt eine Diktatur, ist es nicht in mancherlei Hinsicht liberal und gestattet dem Volk zahlreiche Freiheiten?

Eben da die Herrschaft Francos auf sehr unterschiedlich Weise gesehen hat, soll nun der obigen Frage ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Denn gerade für die Schriftsteller und ihre Werke hat es zu dieser Zeit große Bedeutung, dass man das Regime ,,umgehen" konnte. Ohne Zweifel - und wie im Anschluss geklärt wird - ist das Spanien unter Franco ein totalitäres System, doch nicht stets in voller Ausprägung. So gibt es für viele Autoren und auch andere Intellektuelle Möglichkeiten, Protest auszuüben, was in einem späteren Kapitel noch geklärt wird.

2.3 Die Diktatur

Was ist eine totalitäre Diktatur, welche Merkmale zeichnen sie aus? Diese Fragen sollten geklärt werden, bevor betrachtet wird, ob das Regime Francos eine solche Diktatur ist und wie sie sich vor allem auf die Schriftsteller seiner Zeit auswirkt.

Nach einer Typologie von Robert Dahl, zeichnet sich eine Demokratie durch fünf Merkmale aus: Gewählte Entscheidungsträger, allgemeine, freie, gleiche, geheime und regelmäßige Wahlen, aktives und passives Wahlrecht, die Gewährung von Grund- und Menschenrechten und schließlich alternative Informationsquellen.11 Der Bürger in einer Demokratie muss also in der Lage sein, seinen Willen direkt oder indirekt kund zu tun und sich über die Geschehnisse in seinem Land und anderen Ländern informieren können. Zudem sind ihm ganz bestimmte Rechte - wie das Recht auf Würde der Person und freie Meinungs- und Persönlichkeitsentfaltung - und auch Pflichten zugeteilt.

All diese Möglichkeiten sind in einem totalitären System nicht oder sehr eingeschränkt gegeben. Kennzeichnend ist ein alles umfassender Anspruch. Die Struktur der Herrschaft ist klar auf ein Herrschaftszentrum gerichtet und nur wenige haben überhaupt Zugang zu diesem Zentrum.

Auch die Willensbildung ist extrem eingegrenzt. Nur besonders privilegierte Menschen haben die Möglichkeit am Willensbildungsprozess teilzuhaben, Nachrichten werden kontrolliert und gegebenenfalls zensiert und bestimmte Gruppen - wie die Juden beispielsweise im Nationalsozialismus - sind völlig von der Willensbildung ausgeschlossen.

Was den Gestaltungsanspruch in einer totalitären Diktatur betrifft, so kann man ihn wohl am treffendsten beschreiben mit dem Satz: ,,Von der Wiege bis zur Bahre". Falls es nötig ist, setzt das Herrschaftszentrum seine Ziele und Vorstellungen auch unter Zwang durch. Niemand kann sich zu keiner Zeit wirklich frei entwickeln, der Anspruch umfasst alle Lebensbereiche.12

Betrachtet man nun obige Definition eines totalitären Systems, so bleibt kein Zweifel mehr, dass die Herrschaft Francos ein eben solches war.13 Er setzt sich selbst als Parteichef an die Spitze einer nach hierarchischen und autoritären Strukturen aufgebauten Partei, wobei seine eigene Rolle klar definiert ist: ,,Der Chef besitzt absolute Autorität und übt sie in ihrer ganzen Fülle aus. Der Chef ist nur verantwortlich vor Gott und der Geschichte."14 Francisco Franco y Bahamonde ist Staatschef und oberster Heeresleiter in einem, sein Wille lenkt die Geschehnisse. Damit dies so bleibt, ist er darauf bedacht kein Parteimitglied zu stark werden zu lassen - wer dies missachtet und nach Ansehen strebt, muss mit Bestrafung rechnen. Um dieses absolute Treue durchzusetzen, achtet Franco darauf, sich seine Minister und engeren Mitglieder entweder aus der ihm ergebenen Armee oder aus den rechten Gruppen zu holen. Gemeinsam ist allen diesen für ihn arbeitenden Untergebenen - ob es sich nun Monarchisten, Mitglieder der Falange oder später auch der ,,Nationalen Katholischen Vereinigung der Propagandisten" (A.C.N.P.) handelt - vor allem eines: bedingungsloser Gehorsam dem Führer gegenüber und damit Akzeptanz wichtiger politischer Prinzipien: ,,Ablehnung des allgemeinen Wahlrechts und der Trennung der drei Gewalten; absolute ungeteilte Macht für Franco in seiner Rolle als Caudillo, als Führer Spaniens; sehr eng gesteckte Grenzen für Presse- und Versammulungsfreiheit; Vorrang der wirtschaftlichen Interessen des Privatkapitals"15. Hinzu kommt eine völlige Abhängigkeit der Arbeitnehmer von den Gewerkschaften - wobei im Gegenzug ihre soziale Sicherheit verbessert wird - die besonders starke Rolle der Polizei, die öffentliche Sicherheit garantieren soll und hierzu uneingeschränkte Macht hat.

Wie bereits erwähnt versucht Franco bewusst, Spanien unter anderem nach dem Vorbild des Regimes in Deutschland aufzubauen. Nicht verwunderlich ist es daher, dass die Beziehungen zu Deutschland zu jener Zeit eng - wenn auch nicht unproblematisch - sind und der Caudillo von deutscher Seite Unterstützung erhält. Diese Beziehungen sollen nun im folgenden Kapitel etwas näher beleuchtet werden.

III. Verbindungen zwischen den totalitären Staaten Deutschland und Spanien

Wie bereits erwähnt, gibt es erste Kontakte zwischen den in politischer Hinsicht gleichgesinnten Staaten Spanien und Deutschland schon während des Bürgerkrieges, als Hitler Panzer an Franco schickt. Und auch von spanischer Seite stellt man sich eindeutig auf deutsche Seite, als der II. Weltkrieg beginnt. Doch obwohl Franco von Anfang an von einem Sieg Deutschlands ,,überzeugt" war, lehnte er eine aktive Teilnahme ab. Die Gründe hierfür waren offensichtlich: Spanien war fünf Monate nach dem Bürgerkrieg arm und nicht in der Lage, einen weiteren Krieg durchzustehen. Bereits ,,am 4. September 1939 erklärt sich Spanien als neutrale, am 12. Juni 1940 dann - weniger neutral - als nichtkriegführende Nation"16. Allerdings streben die aktiven Rechten im Land einen Kriegseintritt an, da sie sich davon einen Rückgewinn Gibraltars erhoffen, das zu dieser Zeit unter der Herrschaft Großbritanniens steht.

Spaniens Neutralität stößt in Deutschland auf negative Reaktionen. Franco verteidigt sich mit einem Hinweis auf die Schwierigkeiten in der Versorgung und dass man auf Importe aus Großbritannien angewiesen sei.

Am 3. Juni 1940 sendet er einen Brief an Hitler, ,,´dem lieben Führer´ (in dem er) seine Bewunderung und seine Begeisterung (...) über die Erfolge der Deutschen in einem Kampf `den mein Volk ... als den seinen betrachtet"17.

Obwohl jedoch Franco betont, dass der Kampf, den Deutschland nun führe, sich gegen denselben Feind richte, gegen den man schon im Bürgerkrieg Seite an Seite gekämpft habe, will er nicht in den Krieg eingreifen. Er hält Hitler jedoch die Option offen, sich bei Bedarf an Spanien zu wenden.

Ende Oktober - drei Tage nach einem Besuch Himmlers in Madrid - findet ein Treffen zwischen Hitler und Franco in Hendaye statt. ,,Gastgeschenk" Deutschlands an Spanien sind zwei von der Gestapo gefangen genommene spanische Politiker, der ehemalige Präsident Kataloniens und der Sozialist Zugazagoitia, die beide hingerichtet werden. Dieses Treffen bildet den Beginn einer Zusammenarbeit zwischen der spanischen Polizei und der Gestapo - die neutrale Haltung Spaniens kann jedoch auch Hitler selbst nicht ändern. Nicht zuletzt wegen dieser politischen Meinungsverschiedenheiten begegnen sich die beiden Führer mit Antipathie.18

Hier sollte eingefügt werden, dass die beiden Staaten sich in ihrer Grundideologie zwar sehr ähnlich waren, jedoch in der Durchsetzung ihrer Ziele unterscheiden. Beide wehren sich gegen einen liberalen Staat, bekämpfen alles, was die Republik hervorgebracht hat und versuchen eine Gleichschaltung im Lande zu erreichen. Doch wird dies in Spanien nie mit derselben ,,Gründlichkeit" durchgeführt, wie in Deutschland. Franco sieht sich einer wesentlich schwierigeren Aufgabe gegenübergestellt: Sein Land ist auf Exporte aus anderen Staaten angewiesen, er kann er sich nicht leisten alles ,,Liberale" abzulehnen.

Weiterhin ist Adolf Hitler in seinen Zielen wesentlich radikaler als Franco, allerdings führt eben diese Radikalität zum Scheitern seiner Politik. Hitler ist zwar der Oberste Heeresleiter und bestimmt alle Richtlinien in der Außenpolitik, jedoch treffen andere viele der innenpolitischen Entscheidungen.19 Im Gegensatz zur Politik Hitlers, die letztlich an seinen eigenen radikalen Vorstellungen scheitert, sieht sich Franco im Laufe seiner Herrschaft gezwungen, den wirtschaftlichen Zwängen nachzugeben.

Bald nach dem ersten Treffen erinnert sich Hitler an das Angebot Spaniens und eine spanische Divison, die ,,Blaue Division", zieht an die Front nach Russland. Die Folgen dieser Beteiligung an den Kämpfen und eindeutigen Stellungnahme für Deutschland spürt Spanien sehr bald: England stellt viele Lieferungen ein und droht mit der Besetzung der Kanarischen Inseln. Als schließlich in dieser prekären Lage Spaniens auch noch der Sieg der Deutschen zweifelhaft wird, erklärt es sich erneut für neutral und Franco entläßt 1942 - als Zugeständnis an die Alliierten - den Außenminister Serrano Súñer, da dieser mit seiner Sympathie für Deutschland die Neutralität schwierig gemacht hätte. Betont wird diese abermalige neutrale Haltung durch den ,,Iberischen Pakt", den Spanien am 20. Dezember 1942 mit Portugal schließt. Die Beziehungen zu Deutschland kühlen merklich ab, wenngleich Spanien wenige Tage nach diesem Pakt einen Separatfrieden zwischen den Westmächten und Deutschland vorschlägt, um in gemeinsamer Sache gegen Rußland vorzugehen.

Letztendlich aber erkennt auch Franco die unvermeidliche Niederlage, beendet unter anderem Waffenlieferungen an Deutschland und erntet den Dank nach dem Krieg: England und Amerika verhindern den Sturz Francos, der von Frankreich und Russland gefordert wird.

Nachdem nun die politischen und geschichtlichen Hintergründe und Rahmenbedingungen für den in Spanien entstandenen totalitären Staat geschildert wurden, soll nun der Blick auf eine wesentliche Einrichtung dieses Staates gerichtet werden.

Ein wichtiges Instrument Francos ist die Zensur aller an die Öffentlichkeit gelangenden

Schriften, Fernsehberichte und anderer Publikationen. Doch wie funktioniert die Zensur in Spanien, wen betrifft sie? Diese Fragen stehen nun im Vordergrund, um schließlich auf die Reaktionen der Zensierten selbst einzugehen, auf ihre Möglichkeiten sich zu wehren. Exemplarisch werde ich die Schriftsteller zur Zeit Francos herausgreifen und an Hand von Beispielen zeigen, wie sich ihre Art zu schreiben veränderte.

IV. Der Zensurapparat

1. Das Zensursystem

Als Franco die Herrschaft Spaniens übernimmt "(gehen) die Türen nach außen zu (...); Schweigen wird die erste Bürgerpflicht"20. Diese Unterdrückung oder zumindest Beeinflussung jeglicher öffentlicher Meinung beginnt bereits 1936 und dauert an bis 1976. Wie bereits beschrieben, sollen alle ,,falschen Freiheiten", die die Republik den Bürgern gestattet hat, nun wieder beseitigt werden.

Franco allein nimmt für sich in Anspruch zu wissen, was richtig ist für das Volk. Er ist im Besitz der einzigen Wahrheit, die sich aus Familie, Vaterland und Gott zusammensetzt, und somit legitimiert, einen Zensurapparat einzurichten.

Die Aufgabe dieses Apparates ist genau definiert: Alles, was liberal und somit gegen das Regime ist, muss beseitigt werden und im Gegenzug jegliche regimefreundliche Sache gefördert werden.

Schon 1938 wird zu diesem Zweck ein erstes Pressegesetz erlassen, dessen Ziel es ist ,,die vierte Gewalt im Staat - die Gewalt der publizistischen Kritik (...) - ein für alle Mal zu brechen und die Presse zum staatlich gelenkten Propagandainstrument umzufunktionieren"21.

Zunächst leitet das Innenministerium die Zensur (1939 - 1941), anschließend der Vizesekretär der öffentlichen Erziehung der Falange (1942 - 1945), dann das Erziehungsministerium bis 1951 und später das Ministerium für Information und Tourismus.

Unter die Zensur fällt jegliche Art von geplanter Publikation - kein Zeitungsbericht, kein Roman und kein Artikel über Sport darf erscheinen, bevor nicht die zuständige Behörde den Inhalt geprüft hat und durch ein Zertifikat freigibt.

In manchen Fällen - wenn das zu prüfende Werk zu den ,,besonders öffentlichkeitswirksamen Medien" zählte - wird zweifach zensiert. Zuerst in der Vorzensur, der ,,consulta brevia", beispielsweise das Manuskript. Somit wird mit dieser ersten Zensur schon in die Entstehung des jeweiligen Werkes eingegriffen. Und auch das ,,Endergebnis" wird zensiert. Die Vorzensur wird 1966 in eine consulta voluntaria umgewandelt, eine freiwillige Zensur.22

Jeder Autor, der etwas veröffentlichen wollte, muss sein Stück also zunächst einen langwierigen Zensurprozess durchlaufen lassen. Das führt dazu, dass viele sich selbst zensieren oder so schreiben - und denken - dass den Zensurbehörden keine Angriffsmöglichkeit mehr geboten ist.

Rechtlich abgesichert ist die Zensur durch oben genanntes Pressegesetz von 1936 und ein weiteres von 1966. Doch trotz dieser beiden Gesetze ist die tatsächliche Zensur durch keinerlei feste Bestimmungen abgesichert - objektive Kriterien existieren nicht, wohl aber gewisse Regeln, an denen man sich orientiert:

,,1. Verstößt das vorgelegte Projekt gegen die guten Sitten, insbesondere gegen die «moral sexual», also gegen das Reinheitsgebot der altehrwürdigen opinión?
2. Liegt ein Verstoß gegen das katholische Dogma oder eine Beleidigung kirchlicher Institutionen und ihrer Diener vor?
3. Werden die politischen Grundsätze des Regimes oder seine Einrichtungen und Mitarbeiter mißachtet?"23

Diese drei Fragen bilden während der gesamten Zeit der Zensur die Grundlage der Betrachtungen, wenn sich auch die Priorität des ein oder anderen Punktes ändert. Wie man bereits an der Formulierung erkennt, lässt jeder dieser Punkte großen Raum für unterschiedlichste Auslegungen. Die Behörden können sehr streng oder gnädig in ihrer Beurteilung sein und stets eine politische Zensur religiös oder sittlich begründen.

Weiterhin wird das Beurteilte in Buchwesen, Theater/Kino und Presse unterteilt, wobei die beiden letzteren zu den sehr öffentlichkeitswirksamen Medien zählen und aus erwähnten Gründen sehr streng zensiert werden.24

Im Gegensatz zur Zensur eines Buches - um das sich meist nur ein Zensor kümmert - überwachen zehn bis 20 Zensoren bei der Überprüfung eines Filmes oder Theaterstückes die Wahl der Worte, die politische ,,Färbung", usw.

Vor allem Produzenten und Regisseure müssen sehr vorsichtig sein, was sie drehen und wie sie es drehen. Nicht nur die ersten Szenen und das Drehbuch werden überprüft, sondern auch das Endprodukt. Oftmals wird der Film im nachhinein arg verstümmelt, was jedoch sowohl die Macher als auch das Publikum hinnehmen.

Die Zensur der Lyrik verläuft weniger spektakulär, da schon des geringen Textumfanges wegen nur wenig Möglichkeiten bestehen, etwas zu streichen. Andererseits ist gerade bei Gedichten eine Zensur besonders schädlich, da ,,oft schon das Verbot einer einzigen Zeile die Struktur des Ganzen zum Einstürzen bringen kann."25

Im Gegensatz zur deutschen Zensur im Dritten Reich fehlt der spanischen die Konsequenz in der Beurteilung und auch ist der Beruf des Zensors wenig begehrt. Die Meinung des einzelnen Zensors zählt nicht viel, außerdem setzt jeder andere Prioritäten. Doch gerade diese Unterschiedlichkeit in den Beurteilungen machen den Apparat in Spanien so wirkungsvoll. Die Autoren können sich nie sicher sein, worauf Wert gelegt wird, was gestrichen und was geduldet wird. Daher lassen sie oft schon vorher alles weg, was zensiert werden könnte und kommen so dem Regime entgegen - ja erleichtern der Zensur ihre Arbeit.

Kurz erwähnt werden sollte noch, dass die Zensur nicht das einzige Mittel ist, das die Regierung benutzt um die Art und Zahl der Publikationen zu beeinflussen. Eine weitere Möglichkeit stellt das ,,`silencio administrativo` (gemeint ist damit schlicht das Liegenlassen, aber auch Übersehen einer Akte) über die Limitierung von Auflagenhöhen oder auch von Vorstellungsterminen (...), die Zuteilung kleiner oder großer Kinosäle (...), die Kategorisierung von Filmen (freigegeben für ein allgemeines oder spezielles Publikum), die Papierzuteilungen an die Zeitungsbehörden, bis zu den nachträglich zu verfassenden ´hojas de inspección´ (Kontrollblättern)"26. In diesen Kontrollblättern wird festgehalten, wie z.B. bereits freigegebene Filme vom Publikum aufgenommen werden. Ergebnis eines solchen ,,hoja de inspección" kann sein, dass ein Film nachträglich verboten wird. Zwar ist das illegal, da mit dem Stempel der Zensurbehörde eine Freigabe garantiert wird, praktiziert wird es dennoch sehr oft.

2. Scheinbare Liberalisierung

Oftmals wird die Meinung vertreten, die Zensur in Spanien sei in den ersten Nachkriegsjahren am strengsten gewesen und das System ab der Übernahme des Informationsministeriums durch Fraga Sánchez Bella zunehmend liberaler geworden.

Doch dies muss man wohl als Vorurteil sehen. Die ,,Entwicklung (ist) eher durch ein Auf und Ab und durch Widersprüche als durch Stetigkeit charakterisiert"27.

Ohne Zweifel findet man im Spanien der 40er Jahre einen regelrechten ,,Polizeistaat(...), der unbarmherzig gegen politische Gegner und Verdächtige (vorgeht...). Kulturell (herrscht) Gleichschaltung, Provinzialisierung und Mittelmäßigkeit."28

Zwar wird 1951 erstmals Widerstand unter anderem gegen die Zensur laut und amerikanische Militärstützpunkte tragen zu einer zunehmenden Hinwendung Spaniens an die westliche Welt bei. Doch die bereits erwähnten Pressegesetze - vor allem das von 1966 - ,,fördern" die Selbstzensur der Autoren.

Der Nachfolger des bereits erwähnten Fraga Sánchez Bella verschärft die Zensurpolitik aufs Neue und revidiert die zuvor gelockerten Methoden. Zusätzlich bezieht sich die Liberalisierung, die sich in den 50ern vollzieht, von Anfang an vor allem auf die Wirtschaft, nicht auf die Kultur.

Gerade dieser ,,Widerspruch zwischen der ökonomischen Öffnung auf der einen Seite und der kulturpolitischen Rückwärtsgewandheit auf der anderen Seite (wird) zu einem der Hauptprobleme des späten Franquismus."29. In den letzten Jahren der Diktatur wirken die Bestrebungen Francos als einzige Möglichkeit für ihn, wenigstens in kultureller Hinsicht die von ihm formulierten Ziele zu bewahren - wenn er es im wirtschaftlichen Bereich schon nicht vermochte. Dies erklärt auch die zu Ende des Franco-Regimes noch einmal verstärkt durchgeführte Zensur.

Als die internationale Filmindustrie beginnt eine größere Freizügigkeit zu verlangen, da sich nur so die Produktionen gut vermarkten lassen, entzieht sich der Staat diesen Problemen. Er läßt von jedem dieser Filme zwei Versionen drehen- eine stark zensierte für Spanien, eine weniger streng beurteilte für den nichtspanischen Markt. Nichts zeigt klarer ,,die Schizophrenie der späten Zensurmaßnahmen (...) als dieser eigenartige Kompromiss zwischen Geschäftsinteressen und Reinheitsgebot."30

Aus denselben Gründen gesteht man auch der Bühne und dem Film in Spanien selbst größere Freiheiten zu - die ersten Nacktszenen werden erlaubt, sofern der Inhalt des Stückes das erforderte. Hierzu ist zu sagen, dass auch hier erneut Willkür der entscheidende Faktor ist, jeder Zensor kann die Grundvoraussetzung der Notwendigkeit verschieden beurteilen.

Allgemein ist festzustellen, dass die Zensur während der Zeit der Diktatur stets die letzte Instanz ist, die jegliche Art von Publikation durchlaufen muss. Auch durch die Umwandlung der ursprünglich verpflichtenden consulta brevia in eine freiwillige consulta voluntaria ändert sich daran nichts.

Da die Autoren weiterhin zu befürchten haben, ihr Werk nicht veröffentlichen zu können, führt die neue Regelung nicht zu einer tatsächlichen Liberalisierung, sondern nur zu einer verstärkten Selbstzensur und ,,einer größeren Unberechenbarkeit der literarischen Produktionsbedingungen".31

3. Auswirkungen der Zensur

3.1 Zensur als ,,Gefängnis" für die Schriftsteller ?

Bevor nun auf die tatsächlichen Veränderungen in der Literatur durch die und während der Zensur eingegangen wird, werde ich zunächst einen groben Überblick über die allgemeinen Auswirkungen der Zensur geben.

Wie der Zensurapparat aufgebaut ist, wie die einzelnen Zensuren durchgeführt werden und wer befugt ist zu zensieren ist bereits erläutert worden. In welcher Weise haben die zahlreichen Einschränkungen das beeinflusst, was noch veröffentlicht wird? Wie konnte man sich auf eine derartige Einschränkung der Freiheiten einstellen und dennoch publizieren? Wie schreibt oder filmt man, wenn man stets die bedrohliche Zensur im Rücken hat und man nie sicher gehen kann, dass das eigene Werk auch den Leser erreicht?

Dabei hilft ein Ausschnitt aus Sigmund Freuds Traumdeutung, in dem er die Traumzensur am Beispiel der literarischen Zensur erklärt:

,,Der Schriftsteller hat die Zensur zu fürchten, er ermäßigt und entstellt den Ausdruck seiner Meinung. Je nach Stärke und Empfindlichkeit der Zensur sieht er sich genötigt, entweder bloß gewisse Formen des An - griffs einzuhalten oder in Anspielungen statt in direkten Bezeichnungen zu reden, oder er muß seine anstößige Mitteilung hinter einer harmlos erscheinenden Verkleidung verbergen; (...) Je strenger die Zensur waltet, desto weitgehender wird die Verkleidung, desto witziger oft die Mittel, welche den Leser doch auf die Spur der eigentlichen Bedeutung leiten."32

Dieses Zitat macht die Dialektik des Schreibens unter der Zensur sehr deutlich. Zum einen wollen die Autoren Missstände aufdecken. Andererseits müssen sie dies aber versteckt bewerkstelligen, da sie sonst der Zensur zum Opfer fallen.

Die Wirkung der Zensur selbst ist ebenfalls zweigeteilt. Natürlich schränkt sie die Möglichkeiten des Kommunizierens zwischen Autor und Publikum ein, doch fördert sie auch die Kreativität des Autors. Er muss sich unterschiedlichste Mittel und Wege ausdenken um das, was er mitteilen will auch mitteilen zu können.

3.2 Kommunikationshemmende Wirkung der Zensur

Schreiben unter der Zensur bedeutet für den Schriftsteller, nur indirekt sprechen zu können. Zudem muss er den Inhalt seiner Texte harmloser erscheinen lassen, als sie tatsächlich sind und das, was er tatsächlich sagen will so ,,verstecken", dass es nicht etwa die Beamten der Zensurbehörde entdecken, sondern nur die jeweilige ,,Zielgruppe".33 Ein Mittel, diese Verschlüsselung zu erreichen, ist die Verlagerung des Handlungsortes ins Ausland - um zu verdeutlichen, was im eigenen Staat geschieht.

Weiterhin bedienen sich die Autoren des sogenannten ´pars-pro-toto´- Verfahrens und einer vielschichtigen Symbolik. Beispiel hierfür wäre Lorcas ´Haus´ , das in seiner Isoliertheit verbunden mit dem Schweigegebot stellvertretend für den spanischen Staat gesehen werden kann. Dieses Symbol des Huis-clos, des abgeschlossenen Hauses bzw. der von der Außenwelt abgetrennten Familie, hat nicht nur Lorca benutzt, sondern eine große Zahl anderer Schriftsteller, Regisseure oder Drehbuchautoren.34

3.3 Förderung der Kreativität

Wie schon gesagt, behindert die Zensur die Literatur keineswegs nur, sondern beflügelt in gewisser Weise auch die Phantasie und Kreativität der Autoren.

In mancher Hinsicht kann man die Zensur mit den Grenzen vergleichen, die man Kindern setzt. Gerade das Vorhandensein von Grenzen reizt dazu sie zu übertreten und schafft einen hohen Erfindungsgeist wenn es um Mittel geht, zu erreichen, was sie sich in den Kopf gesetzt haben. In einem Land, in dem Zensur herrscht, müssen Wege gefunden werden, diese zu umgehen.

Dazu ein Beispiel aus einer satirischen Wochenzeitschrift der 50er: Dort druckte man einmal eine Wetterkarte mit Untertitel ab. Das Bild zeigte die iberische Halbinsel, im Nordwesten war eine Kaltfront zu erkennen, die sich durch den Nordwestwind über ganz Spanien ausgebreitet hatte. Der Untertitel lautete: ,,En España reina un fresco general procedente del noroeste de la península y con tendencia a empeorar." Las man ,,fresco" als Substantiv und ,,general" als Adjektiv, so bedeuteten diese Worte schlicht ,,Kaltfront". In umgekehrter Reihenfolge, also ,,general" als Substantiv und ,,fresco" als Adjektiv, so ergab sich eine politisch sehr anzügliche Bedeutung - ,,frecher General" - die sich auf die Herkunft Francos aus dem Nordwesten der Halbinsel und außerdem darauf, dass seine Herrschaft täglich unerträglicher wurde, bezog.35

Es existieren noch zahlreiche weitere Beispiele, die dies verdeutlichen, doch sollte eine kurze Auflistung der Stilfiguren und Schreibweisen, die wegen der Zensur verstärkt eingesetzt werden, genügen:

,,1.Der Witz, die Ironie, auch schwarzer Humor (...)
2.Die Verwendung alltäglicher und/oder durch die Tradition geheiligter Kommunni - kationsmuster, Textsorten und Literaturgattungen als Mittel der Verharmlosung.
3.Die operationale (...) Entstellung vertrauter literarischer Verfahrensweisen und chro - nologischer Einteilungskategorien als Mittel der Ablenkung.
4.Die Verwendung von Außenseiterperspektiven zur Tarnung innerer Problematiken (...)."36

V. Die Lyrik während des Franco Regimes

1. Verschiedene (Flucht-)Wege

Nachdem nun die Diktatur Francos und der Zensurapparat, sowie dessen Beeinflussung des Schreibens erkärt wurden, soll nun speziell die Entwicklung in der Lyrik betrachtet werden. Vorerst soll ein kurzer Überblick über die einzelnen Reaktionen gegeben werden um anschließend an Hand von Beispielen - soweit vorhanden - die verschiedenen Intentionen der Dichter, sowie die Wege, die sie beschreiten, um dem Regime zu begegnen, verdeutlicht werden.

Zu diesen Wegen zählt die Flucht ins Exil, die innere Emigration, die Anpassung oder auch die offene Kritik, die in vielen Fällen zu lebenslanger Haft oder auch Hinrichtung führt. Gemeinsam ist jeglicher Dichtung, die zur Zeit Francos von spanischen Lyrikern geschaffen wird, dass sie auf ihre Art mit der Situation umzugehen versucht.

Die Entwicklungen in der Literatur, dem Theater oder dem Film verlaufen ähnlich, daher will ich mich auf die Lyrik beschränken und an eventuell an gegebener Stelle Ausblicke auf andere Genres geben.

2. Exildichtung

2.1 Gründe und Inhalte

Das Gebot des Stillschweigens, die Forderung nach einer absoluten Loyalität dem Regime gegenüber und vor allem die Zensur, die ja jegliche regimekritische Meinung im Keim erstickt - all dies zwingt viele Dichter geradezu, sich ins Exil zu begeben. Ihr künstlerischer Freiraum wird eingeschränkt. Das Bedürfnis der Lyriker, ihren Leser etwas mitzuteilen, sie auf Missstände aufmerksam zu machen grenzt die Zensur auf ein Minimum ein. So überrascht es nicht, dass ein großer Teil der Lyrik in der Zeit der Diktatur im Ausland entstanden ist.

Nicht immer werden die Dichter gezwungen, das Land zu verlassen, in vielen Fällen verlassen sie freiwillig Spanien, da die ihre Kritik nicht unterdrücken wollen oder können. Oftmals befinden sie sich vor dem Bürgerkrieg bereits im Ausland und sehen für sich selbst keine Möglichkeit, in den Staat zurückzukehren, den sie nach dem Krieg vorfinden.

Hinter der Exildichtung steht stets der Unwille, sich den Zwängen des Regimes unterzuordnen. Männer wie Rafael Alberti Oliver, der nach Argentinien emigrierte, oder Vincente Gaos González-Pola, der in die USA ging, wollen sich nicht den ,,Mund verbieten lassen".

Selbst wenn ihre Kritik in Spanien nur im Geheimen gelesen wird, da sie ja offiziell streng verboten ist, so können sie zumindest den Menschen in anderen Ländern die Augen öffnen. Es ist ihnen im Exil möglich, die Situation in ihrer Heimat so darzustellen, wie sie tatsächlich ist, ohne ständig auf die politische Korrektheit ihrer Worte achten zu müssen.

Doch das Exil bringt auch Probleme mit sich. Zwar können die Dichter nun schreiben was sie wollen, jedoch nicht in ihrer Muttersprache. Was für einen Laien weniger dramatisch klingen mag, ist für jene, deren Werkzeug ja gerade die Sprache ist, nahezu eine Katastrophe. Sie müssen sich in einer fremden Sprache verständigen, ihre Werke werden nicht in Spanisch veröffentlicht, sondern in Englisch, Französisch oder Portugiesisch. Die Stilmittel, die vielen Eigenheiten des Spanischen sind nun nicht mehr von Bedeutung. Sie sind Fremde im Exil, und das womit sie arbeiten - die Worte - sind ihnen ebenfalls fremd geworden.

2.2 José María Valverde

Valverde wird 1926 in Valencia de Alcántara geboren. Nachdem er Philosophie und Literaturwissenschaft in Madrid studiert hat, arbeitet er als Lektor für Spanisch in Rom. Seine Ablehnung des Regimes wird deutlich als er sich seinen von der Regierung Francos unterdrückten Kollegen solidarisch zeigt und einen Lehrstuhl für Ästhetik in Barcelona verweigert. Valverde geht für lange Zeit nach Kanada ins Exil. Seine frühen Werke sind sehr religiös, die späteren Gedichte dagegen zeugen von Skepsis und er schreibt sie daher in einem äußerst ironischen Tonfall.

Beispielhaft für die Problematik des Lebens und der Dichtung im Exil ist ein Gedicht von José María Valverde, das 1976 entsteht:

"La torre de Babel cae sobre el poeta

Maduro ya de edad y de poesía,

Te has mudado a un país de lengua ajena,

y no es vivir. Lo que ellos a aqui dicen

como respirar, facíl, rico, exacto,

tú intentas remedarlo con esfuerzo,

y oyes tu voz, ridícula y extraña,

fallar lo que aquí un niño siempre acierta,

hasta acabar diciendo algo no tuyo.

Ahora te es ajeno hasta el paisaje:

No te habla a ti: hasta el pájaro y el arbol

A el río te escatiman las leyendas

Que aquí envuelven sus nombres - en ti, rótulos -.

En vano te sonríen los demás,

corteses, y aun amigos, animandote

desde la lengua en que ellos son los amos:

no acierteas a quererles: se te olvidan:

fondo de tu espíritu no late

si no vive en la lengua que es tu historia.

Ser de palabra (1976)"37

Valverde lebt bis 1977 in Kanada, weit entfernt von der Heimat, ,,in ein Land fremder Sprache (...), und es ist kein Leben".38

Er beschreibt, wie schwer es ist, sich an einem Ort aufzuhalten, an dem er nicht zu Hause ist, an dem die eigene Stimme fast lächerlich klingt, beim Versuch die fremde Sprache zu sprechen. Der Dichter kann die Menschen dort nicht lieben, wenngleich sie ihm freundlich gesinnt sind. Die Natur, die Tiere - nichts versteht er, nichts versteht ihn.

Valverde, Professor für die spanische Sprache, erfährt das Leben in Kanada zwar zum einen als Bereicherung, doch die ,,sprachliche Entfremdung" bereitet ihm von Jahr zu Jahr größere Probleme.

2. 3 Emilio Prados (1899 - 1962)

Emilio Prados, in Málaga geboren, freundet sich in Madrid mit Lorca an und gründet 1926 gemeinsam mit Manuel Altolaguirre Litoral, eine für die Generation 27 sehr bedeutende Zeitschrift. Ab 1930 prägen sozialrevolutionäre Interessen seine Dichtung, was in seinem Buch Llanto en la sangre, 1937 erschienen, deutlich wird.

Der Großteil seines lyrischen Schaffens entsteht in Mexico, wohin er sich 1937 ins Exil begibt. In vielen seiner Gedichte findet sich die Sehnsucht nach der Heimat Andalusien wieder - einer Heimat die er nie wieder sehen sollte:

,,Inscripcíon en la arena

Duerme el cielo, duerme el mar

y, en medio, mi corazón:

barco de mi soledad ...

Soledad que voy siguiendo

A través de mi esperanza,

no de mi conocimiento.

Tiempo (1925)"39

Schwermut ist der Grundton dieses Gedichtes, das lyrische Ich fühlt sich einsam, alles ist in Schlaf versunken. Doch wenn er auch weiß, dass seine Einsamkeit möglicherweise falsch ist, dass sich an der Situation nichts ändern lässt, so ist es doch die Hoffnung die siegt. Er trotzt

seiner Einsamkeit nicht, wenn es auch vernünftiger wäre, sie zu überwinden , sich einzuleben an dem Ort, an dem es sich befindet.

3. Dichten in Spanien

3.1 Innere Emigration

Eine andere Möglichkeit, den neuen politischen Vorschriften zu begegnen, ist die Besinnung auf nichtpolitische Themen.

War noch während des Bürgerkrieges gerade die Politik, die Geschehnisse an der Front und die Einstellung der Dichter zum Krieg dominierender Inhalt der Dichtung, so sieht man sich nun gewandelten Verhältnissen gegenüber.

Die Zerstörung des Landes, die Existenznöte der Menschen, Glück trotz des Elends - dies sind Probleme, die nun aufgegriffen werden.

,,Die existentiellen Fragen des Menschendaseins (...) rücken nun wieder mitten in den Kreis des dichterischen Bemühens."40 Noch immer gefangen von den Schrecken des Krieges und nun vom politischen Terror befasst man sich mit dem, was den Menschen an sich ausmacht. 1944 erscheint erstmals die Zeitschrift Espadaña, die bis 1951 besteht und von Eugenio de Nora und Victoriano Crémer herausgegeben wird. Sie thematisiert die neue ,,entwurzelte Dichtung (« (poesía) desarraigada»)"41.

Doch es ist nicht nur Verzweiflung, womit man diesen Bedrohungen begegnet, wie z.B. bei Miguel Hernández deutlich wird.

Bei vielen Dichtern dieser Generation findet sich eine Abwendung vom Schrecken, der sie umgibt. Im Gegensatz zur äußerlichen Eingesperrtheit erhoffen sie eine geistige Befreiung, ,,sich im Ideal zu erheben, und der Schwere der Materie"42 zu entziehen. Die Welt wird zwar zum Rätsel, die Verhältnisse unakzeptabel doch trotzdem - oder gerade deswegen - erschafft sich der Dichter eine eigene Welt, in der er glücklich sein kann.

Dieses Glück, die Freude an dem Schönen, an dem Faszinierenden, was noch vorhanden ist, muss oft gerechtfertigt werden. Die Leser empfinden die positive Einstellung eines José Hierro als befremdend. Doch gerade Hierro versteht es, das ,,kleine Glück" und die Verzweiflung zu kombinieren, wie er es in folgendem Gedicht zeigt:

,,Razón

En soledad toqué las sienes

Llameantes de la alegría

Era un latir vertiginoso

De evidencias desconocidas

Ahora comprendo muchas cosas

desperedamente vivas

Pensé primero: ser el pájaro

Ser la hora verde, ser la espiga.

Felicidad de seres mínimos,

abiertos sólo a la sonrisa.

Granar y volar y volver

y verdecer, brillar ... Las limpias

horas serían urnas de oro

donde la gracia se eterniza.

y sin pasado y sin futuro

y sin presente que nos mida.

Ser como el pájaro y la hoja,

como la espiga.

Mas el pájaro no es feliz,

ni las hojas, ni las espigas.

Ellos no saben que están vivos

y no encuentro qui se lo diga.

Precisan una llamarda,

una clara y punzante espina.

Un hierro que les atormente,

un sentir que algo se aniqulia,

un aferrarse a una aventura

que acaso nunca se repita,

ganar a costa del dolor

la alta cumbre de la alegría.

Y así ¡qué bello, qué grandioso

andar entre las propias ruinas

saber que hay algo que no ha muerto

en nuestras manos, todavía !

Felicidad de seres mínimos,

abiertos sólo a la sonrisa.

Pero el dolor no es manantial,

sino carne de la alegría.

Alegría es sentir el alma,

en cada instante, nuestra a viva.

Y es, cuando más se siente al alma

Cuando la llevamos herida.

Alegr í a, (1947)"43

Gerade Hierros Poesie zeichnet sich durch einen klaren, zum Teil sehr persönlichen Realismus aus, der die Angst und die Verzweiflung seiner Zeit zum Ausdruck bringt.44 Das obige Gedicht spricht vom Glück, von dem, welches den ,,kleinsten Wesen" eigen ist und vom Glück derer, die wissen, wenn sie glücklich sind - den Menschen. Und wenn auch der Mensch Schmerz fühlt und traurig ist, so sind es gerade diese Gefühle, die ihm sein Glück wieder bewusst machen. Hierro spielt hier vielleicht auf das Sprichwort an, dass nur glücklich sein kann, wer weiß was Unglück bedeutet. Er betont , dass der ,,Schmerz nicht nur Quell, sondern das Fleisch der Freude ist".

3.2 Offene Kritik des Regimes

In Spanien gibt es natürlich auch Dichter, die sich der Diktatur nicht unterordnen wollen. Sie versuchen, trotz aller Vorschriften und Regeln den Zensurapparat zu umgehen, die Bürger auf die Missstände in der Politik aufmerksam zu machen. Sie wollen den eigenen nicht unterdrücken. Doch sie haben keinen Erfolg damit. Entweder müssen sie ebenfalls fliehen, oder sie werden von den Truppen der Falange gefasst.

So ist es nicht verwunderlich, dass nahezu kein Beispiel eines regimefeindlichen Gedichtes Existiert, das in Spanien entstanden ist. Wer sich gegen das Regime auflehnt, wird hingerichtet, wie Federico García Lorca, oder zu - meist lebenslänglicher - Haft verurteilt, wie Hernandez.

3.3 Miguel Hernández Gilabert

Hernández, 1910 als Sohn eines Ziegenhirten zur Welt gekommen, schließt bereits früh Freundschaft mit Ramón Sijé, der ihn mit der mittelalterlichen und klassischen spanischen Dichtung bekannt macht. In Madrid begegnet er Neruda, Lorca, Cernuda und Aleixandre, die ihn fördern. Nach einigen Veröffentlichungen in diversen Zeitschriften, erscheint bereits 1936 sein zweites Buch ,,El rayo que no es cesa", dessen Thema vornehmlich die Liebe ist. Doch bald schon gerät er in eine geistige Krise, was einen enormen Wandel seines Stils zur Folge hat.

Auf Grund verschiedenster Einflüsse entwickelt sich Hernández zu Beginn des Bürgerkrieges zu einem militanten Kommunisten. Diese politische Einstellung verarbeitet er auch in seiner Lyrik, bereist ab 1937 unter anderem Russland, London und Paris.

Als er schließlich Anfang 1939 nach Portugal fliehen will, wird er ergriffen und den Behörden übergeben. Dieses Mal hat er noch Glück, ausländische Schriftsteller setzen sich für seine Freilassung ein. Doch schon wenig später wird er abermals verhaftet, dann zum Tode verurteilt und schließlich zu drei Jahrzehnten Gefängnis ,,begnadigt". Ergebnis dieser Haft, in der er stirbt, ist eine sehr beeindruckende, nie völlig verzweifelte Lyrik. Die Werke des in einfachen Verhältnissen aufgewachsenen Dichters sind gekennzeichnet von einer Sicherheit und Hoffnung, die ihn selbst im Gefängnis nicht verlassen. Die Hoffnung nicht verlieren war sein Wille, und darbüber schreibt er unter anderem in folgendem Gedicht:

,,Canión ultima

Pintada, von vacía:

pintada está mi casa

del color de las grandes

pasiones y desgracias

Regresará del llanto

adonde fur llevada

con su desierta mesa,

con su ruinosa cama.

Florecerán los besos

Sobre las almohadas.

Y en torno de los cuerpos

Elevará la sábana

Su intensa enredadera

nocturna, perfumada.

El odio se amortigua

detrás de la ventana.

Será la garra suave.

Dejadme la esperanza.

El hombre acecha, 1939"45

3.4 Propaganda

Im Gegensatz zum Nazideutschland, in dem es durchaus Propagandadichtung gab, bringen die spanischen Lyriker nahezu keine regimefreundliche Dichtung hervor.

Wie unter anderem im Kapitel über Innere Emigration beschrieben, gehen natürlich auch einige spanische Dichter ,,den Weg des geringsten Widerstandes", indem sie politische Themen in ihrer Dichtung nicht behandeln. Auch stellen sich einige auf die Seite der Nationalen. So kämpft Manuel Machado Ruiz, Antonio Machado Ruiz´ Bruder, im Bürgerkrieg für gegen die Republik und stirbt in einer Schlacht.

Es kommt jedoch nicht vor, dass sich tatsächlich ein Dichter für die Diktatur und somit für die Zensur und den Terror einsetzt. Das ist nicht schwer zu begründen. Schließlich zerstört eine Zensur die Lebensgrundlage des Dichters. Seine eigentliche Intention - über seine Meinungen, Gefühle zu schreiben, und in seinen Gedanken frei zu sein - wird durch Zensur blockiert und unterdrückt. Und wie könnte man etwas gutheißen, dass die eigene Berufung zerstört oder zumindest einschränkt?

3.5 Frauendichtung

Der Lyrik der Frauen in Spanien sei ein eigenes Kapitel gewidmet, da sie sich besonders während des Francoregimes entwickelt hat. Wurden die Frauen vor dem Bürgerkrieg kaum beachtet, so gibt es in der Nachkriegszeit mehr und mehr weibliche Lyriker. Zu nennen wären hier Carmen Code, Ángela Figuera, Ester de Andreis, Concha Zardoya und Gloria Fuertes.

Gloria Fuertes wird 1918 in Madrid geboren. Während ihrer langen Tätigkeit als Bibliothekarin wirkt sie unter anderem bei der Veröffentlichung der poetischen Zeitschrift Arquero mit, verfasst zahlreiche Gedicht und Kindergeschichten und erhält dafür auch zahlreiche Preise - z.B. 1972 das Juan-March-Stipendium und den Andersen-Preis für Kinderliteratur. Nachfolgendes Gedicht zeigt deutlich ihre politisch intendierte Art zu schreiben:

,,¡Hago versos, señores !

Hago versos, señores, hago versos,

pero no me gusta que me llamen poetis,

me gusta el vino como a los albañiles

y tengo una asienta que habla sola.

Esta munda resulta divertido,

pasan cosas, señores, que no expongo,

se dan casos, aunque nunca se dan casas

a los pobres que no pueden dar traspado.

Sigue habiendo solteras con su perro,

Sigue habiendo casados con querida,

a los déspotas duros nadie les dice nada,

y leemos que hay muertos y pasamos la hoja,

y nos pisan el cuello y nadie se levanta,

y nos odia la gente y decimos: ¡la vida!

Esto pasa, señores, y yo debo decirlo."46

Gloria Fuertes sagt zu ihrer Dichtung; ,,Ich weiß nicht, ob meine Gedichte sozial, mytisch, traurig, anmutig oder was sonst noch sind. Ich will (...) eine Poesie schreiben, die sich an den Menschen richtet, um ihm etwas zu sagen, ihn zu bewegen, ihn zu trösten oder zu erfreuen."47

Vielleicht trifft diese Selbsteinschätzung die Besonderheit der Frauenliteratur und ist Grund dafür weshalb sie im Spanien unter Franco so populär wird.

VI. Dichtung zwischen Zorn und Machtlosigkeit

Wozu inmitten von Not und Elend noch schreiben? Wie sich mit Worten verwirklichen, wenn doch jedes einzelne einer strengen Prüfung unterzogen wird und dem dichterischen Schaffen so enge Grenzen gesetzt sind, dass von Freiheit keine Rede sein kann?

Im Laufe dieser Hausarbeit habe ich zu zeigen versucht, wie sich die Lage nach dem Bürgerkrieg und anschließend unter dem totalitären Regime darstellte. Und wie trotz der scheinbar unerträglichen Verhältnisse die Literatur unter Franco geradezu eine Blütezeit erlebte.

Der Zensurapparat war wohldurchdacht, jeder Verstoß wurde streng geahndet. Die Dichter gehen ins Exil, kehren ihrem Land innerlich oder äußerlich den Rücken zu oder schreiben ,,anders" - über andere Themen, mit anderen Worten.

Was blieb war der Unwille zu akzeptieren. Sicherlich erkannten auch die anderen Menschen im damaligen Spanien, dass ,,etwas schiefläuft", doch es waren die Schreiber, die Filmemacher die zum Sprachrohr des Volkes wurden. Sie waren nicht bereit, die Unterdrückung hinzunehmen, die sich hinter dem von Franco formuliertem Ziel der Reinigung und Verbesserung des Landes verbarg.

Natürlich war gerade die Lyrik in einer solch schwierigen politischen Situation wie der Diktatur sehr unterschiedlich - so unterschiedlich wie die Menschen, die sie hervorbrachten. Wut und Zorn, Enttäuschung, Unglaube herrschten im Volk und die Dichter versuchten nicht nur sich selbst die Lage zu erklären, sie zu verstehen oder anzuklagen, sie bemühten sich auch, die anderen davor zu bewahren alles hinzunehmen, was ihnen der Generalissimo anbietet.

,,Das Gedicht ist eine Waffe, mit Zukunft geladen Gedichte für die Armen, Gedichte so notwendig wie das tägliche Brot, wie die Luft, die wir dreizehn Mal je Minute brauchen - dies um zu sein und im Sein ein verherrlichendes Ja zu sagen", so schreibt Gabriel Celaya. Worte als Kampfmittel gerade in einer Zeit in der Kämpfen sinnlos schien. Ob Emilio Prados, José Hierro oder Gloria Fuertes - sie alle kämpften mit ihren Worten und vor allem um ihre Worte.

Durch den Zensurapparat versuchte Franco den Dichtern mehr als nur ihren Beruf zu nehmen. Vielmehr war es, als ob ein Tiger in einen Käfig kaum größer als sie selbst eingesperrt worden wäre. Das Raubtier stirbt nicht sofort, doch die für ihn lebensnotwendige Freiheit ist ihm genommen. Und nach und nach wird der Tiger nicht mehr leben können, auch wenn man im Fleisch in Hülle und Fülle gibt.

Auch die Dichter hatten vielleicht genug ,,Nahrung" um zu ,,überleben" - sie konnten ja schreiben. Doch ihre wirkliche Lebensgrundlage, die Freiheit der Worte, wurde ihnen genommen.

Und wie ein Tiger, der kämpft um aus dem Käfig auszubrechen, versuchen auch die Lyriker, ein ,,Loch im Käfig" zu entdecken, sie rütteln an den Stäben, brüllen um Hilfe und nehmen auch die Konsequenz sich zu verletzen auf sich.

Letztlich konnten weder Franco noch Hitler die ,,Tiger" zähmen, sie waren nicht einzulullen und nicht zu besänftigen. Sie kratzen am Gitter, schafften es die anderen auf ihr Leid aufmerksam zu machen und gewannen zumeist den Kampf um ihre Freiheit - wenn auch nicht immer um ihr Leben.

[...]


1 Celaya, Gabriel, La poes í a es un arma cargada de futuro (Auszug), in: Siebenmann,

Gustav/López, José Manuel (Hg.), Spanische Lyrik des 20. Jahrhunderts, München: Reclam 1985, S.242

2 http://www.ZEIT.de/tag/suche/zeitiminternet.html

3 http://www.welt.de

4 ebda.: Der Autor des Artikels erwähnt unter anderem, dass ,,die Liste der Zeugen und Zeugnisse (...) eine kleine Akademie des Geistes, von Salvador Madariaga über Miguel Unamuno, Theodore Dreiser, Romain Rolland, Gustav Regler und Stephen Spender zu dem damals wohl berühmtesten, zu Ernest Hemingway (bildet).Wenn er für Nazideutschland eine Art Freilichtlabor zum Erproben der Waffen war, dann war er für eine bunt zusammengesetzte Gruppe von Schriftstellern aus aller Welt ein Ausprobieren internationaler Solidarität - ungeachtet ideologischer Differenzen und politischer Überzeugungen. Vor allem Hemingways Roman ,,To whom the bell tolls" habe nachhaltig das Bild vom Bürgerkrieg geprägt und gebe sehr genau die damaligen Verhältnisse wieder.

5 Vgl. Bernecker, Walther L./ López-Casero, Francisco/Mansilla, H.C. Felipe/Waldmann, Peter, Die geheime Dynamik autoritärer Diktaturen, Vier Studienüber den sozialen Wandel in der Franco-Ära, München: Verlag Ernst Vögler 1982, S. 31: Diese ,,Massenflucht und - hinrichtung" hat vor unter anderem auch große wirtschaftliche Auswirkungen. Die Flüchtlinge sind größtenteils Männer im arbeitsfähigen Alter, was für Spanien einen sehr hohen Verlust an Arbeitskräften, also an Männern, die das Land wieder aufbauen hätten sollen, bedeutet. Natürlich befinden sich darunter auch sehr bedeutende und populäre Wissenschaftler, Künstler und Intellektuelle. Von diesem ,,kulturelle(n) Aderlass" - wie er hier bezeichnet wird, profitieren die ,,jungen spanischsprachigen Staaten Amerika, vor allem Mexiko".

6 Ebda.

7 Die geheime Dynamik autoritärer Diktaturen, S. 30

8 Ebda., S. 32

9 Ebda.: Betont wird in diesem Teil zudem, dass die dritte Phase unter dem Ministerpräsidenten Arias geprägt war von Versuchen, das System liberaler zu gestalten - Ziele, die aber unter Franco (noch) nicht zu verwirklichen waren. Eben dieses Scheitern der Liberalisierung bedingt am Ende dieses Regimes eine erneute Verschärfung der Repression durch die Polizei und ein sehr plötzliches Stagnieren der bis dahin ,,blühenden Wirtschaft".

10 Ebda.

11 Vgl. Folie 1, GK Politische Systeme, 1.12. 1998: Pluralismus und Gewaltenteilung

12 Vgl. Folie 8, GK Einführung in das Studium der politischen Systeme, II.5, Totalitäre Diktatur vs. demokratisch-pluralistischer Verfassungsstaat

13 Vgl. hierzu auch: Tusell, Javier, La dictadura de Franco, Madrid: El libro de Bolsillo 1988, S. 20: ,,(A)quel sistemas políticos que (...) se han caracterizado por el ejercicio del poder por parte de tan sólo una persona y sus colaboradores o por un sector reducido de la población marginado al resto, que, en un sistema liberal-democrático, participaría en la toma deciciones o, al menos, podría hacerlo. No cabe la menor duda de que el régimen del general Franco responde a estas características."

14 Die geheime Dynamik autoritärer Diktaturen, S. 33

15 Die geheime Dynamik autoritärer Diktaturen, S. 34

16 Ebda.

17 Ebda., S.35

18 Vgl. Neuschäfer, Hans Jörg , Macht und Ohnmacht der Zensur, Literatur, Theater und Film in Spanien (1933 - 1976), Stuttgart: Metzler 1991, S. 41: Die Problematik der deutsch spanischen Beziehungen wird auch bei Neuschäfer hinsichtlich des Zensursystems - auf das ich später noch eingehen werde - aufgegriffen. Zwar ,,(leistet) Goebbels´ Reichspropagandaministerium bei der Organisation der Franco- Zensur (...) Entwicklungshilfe", doch die Gründlichkeit mit der in Deutschland die Presse- und Meinungsfreiheit beschnitten wird, ist in Spanien nicht gegeben. Ob bewusst oder gezwungenermaßen - man ist in Spanien nicht gewillt, solch strenge Kontrolle auf Dauer auszuüben. Vor allem mit der ,,Annäherung an die westlichen Demokratien" lockerte man das Zensursystem - um es in den letzten Jahren der Franco- Herrschaft wieder strenger zu gestalten.

19 Vgl. hierzu: Tusell, Javier, La dictadura de Franco, Madrid: El libro de Bolsillo 1988, S. 55 f.: ,,... Fuhrerprinzip. Hitler era hipersensitivo a cualquier intento de limitar mediante une disposición legal o práctica su poder ...Su decisiones se basaban en lo que él denominaba como «su inspiración».(...) En efecto, todos estos procedimientos irregulares, súbitos y cambiantes en lo que degeneraron, en la última fase de la guerra mundial, fue en un caos administrativo y en la ineficacia persistente de un poder fragmentado hasta el extremo. Trevor Roper (...) ha descrito los últimos días de Hitler como «un vasto sistema de bestialidad y majadería nórdicas»..."

20 Macht und Ohnmacht der Zensur, S. 39: Interessant ist in diesem Zusammenhang der Vergleich mit dem bereits 1936 geschriebenen Stück ,,La casa de Bernanda Alba" von Fedrico García Lorca, dem Neuschäfer ein eigenes Kapitel widmet. Wie in anderen Stücken von ihm ist das Thema auch hier wieder der Gegensatz von Freiheit und Unterdrückung. Bernanda Alba, die Hausherrin, herrscht im tatsächlichen Sinn über ihre Familie, das Haus ist wirklich verriegelt - kurz nach dem Tode des Vaters. Isoliert von der Außenwelt bewachen sich die Töchter des Hauses selbst. Die einzige Rebellin ist die 80jährige Großmutter, die immer wieder den Ausbruch in die Freiheit versucht - ein zum Scheitern verurteiltes Wagnis. Eine Tochter will heiraten und damit ausbrechen aus dem Gefängnis, das ihre Mutter erschaffen hat. Doch die Situation spitzt sich zu und endet schließlich in einer Tragödie. Wie im realen Spanien zur Zeit der Diktatur wird die Realität verleugnet, alles Fremde (alles was außerhalb ist) ignoriert und das Sprechen darüber verboten. Wie sehr dieses Stück die späteren Verhältnisse - das Schweigegebot - in Spanien vorwegnimmt, lässt sich an zwei Szenenausschnitten erkennen: ,,La Poncia. (...) Bernanda; hier geschieht etwas Unerhörtes. (...) Bernanda . (...) Hier passiert nichts. Das möchtest du gern! Und wenn das eines Tages passiert, sei sicher, daß es nicht durch diese Wände dringt (Bernandas Tochter, die ,,Schande" über das Haus gebracht hat, ist gerade gestorben) Bernanda. Kein Geklage. Dem Tod muß man ins Gesicht sehen. Still! (Zu einer der Töchter.) Schweigen, habe ich gesagt! (Zu einer anderen.) (...) Sie, Bernanda Albas jüngste Tochter, ist unberührt gestorben. Habt ihr mich verstanden? Schweigen, schweigen habe ich gesagt! Schweigen!."( Lorca, Federico García, Bernanda Albas Haus, Ditzingen: Reclam 1999, S. 39 und S. 59)

21 Macht und Ohmacht der Zensur, S. 40.

22 Vgl. Ebda., S.42: Bei der consulta voluntaria gaben die Zensoren in einem eigens angelegten Dossier ihre Änderungswünsche an bzw. was sie zu streichen wünschten. Diese Vorschläge wurden zu höheren Behörden weitergeleitet, wobei in besonders zweifelhaften Fällen sogar Franco selbst sich betreffende Filme beispielsweise ansah und diese dann beurteilte. Durch dieses ,,Weiterreichen" konnte zum einen das Dossier sehr umfangreich werden, zum andern die Zeit bis zur tatsächlichen Veröffentlichung zu einer Geduldsprobe wenn nicht gar zum Ruin des Autors oder Produzenten führen.

23 Ebda., S.43

24 Vgl. Haubrich, Walter/Moser, Carl R., Francos Erben, Spanien auf dem Weg in die Gegenwart, Köln: Kiepenheimer und Witsch 1976, S. 158: Anders als bei Neuschäfer beurteilt man die Lage der Intellektuellen, also auch der Schriftsteller, Journalisten und anderen Publizisten in den ersten Jahren der Diktatur.

25 Macht und Ohmacht der Zensur, S. 44

26 Ebda. , S. 45

27 Ebda.,S. 45; vgl. auch Haubrich, Walter/ Moser Carsten R., Francos Erben, Spanien auf dem Weg in die Gegenwart, S.159:,,Der Regisseur Basilio Martín Patino erhielt am gleichen Tag zwei Briefe von seiner Regierung. In einem wurde ihm mitgeteilt, daß er die Ehre habe, mit seinem Film Neun Briefe an Berta Spanien auf einem großen Festival zu vertreten; in einem anderen Brief wurde er aufgefordert, an einem bestimmten Tag sich nicht in seiner Wohnung aufzuhalten, da Staatschef Franco plane, auf der Straße vor seinem Wohnzimmerfenster vorbeizufahren und er, der geschätzte Filmemacher Patino , sei ob seines regimekritischen Denkens ein Sicherheitsrisiko für den Caudillo Spaniens und Generalissimus aller Streitkräfte. Die Kulturpolitik Francos war meistens widersprüchlich, oft absurd, ließ aber doch in den letzten Jahren eine rege intellektuelle Aktivität zu, So gab es unter Franco in Spanien eine für das Ausland zunächst überraschen moderne Malerei .. Der spanische Film hatte mit politischen wie mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen; beim Film war lange Jahre die Trennung zwischen der offiziell beliebten, recht seichten Produktion und den anspruchsvolleren Versuchen junger regimekritischer Regisseure am deutlichsten."

28 Kreutzer, Winfried, Grundzüge der spanischen Literatur des 19 und 20. Jahrhunderts, Grundzüge, Bd. 47, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 91

29 Macht und Ohnmacht der Zensur, S. 46

30 Ebda.

31 Ebda ., S. 47

32 Macht und Ohnmacht der Zensur, S .48

33 Ebda., S.49: ,,Freud selbst gibt einige Stichworte: (...) 1. «in Anspielungen, statt in direkten Bezeichnungen (...) reden» (...) 2.die Rede zu «ermäßigen» (...) 3.die Mitteilung (...) zu entstellen, d.h. zu tarnen, zu verkleiden, zu verrätseln, zu verschlüsseln ..."

34 Vgl. Macht und Ohnmacht der Zensur, S. 49 - 64: Als weitere Beispiele werden hier Alfonso Sastres Drama La mordaza (1954), Juan Antonio Bardems Film Calle mayor (1956), Carmen Martín Gaites Roman Entre visillos (1957) und als zeitlich spätere Beispiele Sauras Film Ana y los lobos (1972) und Miguel Delibes Roman Los santos indolentes (1981 - also 5 Jahre nach Ende des Regimes) genannt. Sie alle verwenden diese Symbolik des abgelegenen Hauses, die bedrohliche Atmosphäre einer isolierten Familie.

35 Vgl. ebda., S. 65

36 Ebda ., S. 68

37 Spanische Lyrik des 20. Jahrhunderts, S.406; vgl. hierzu ein Gedicht Berthold Brechts (Quelle: Folie aus dem Leistungskurs Deutsch 1998/99, Ludwigsgymnasium Straubing): ,,Vom Brot der Sprache Kein deutsches Wort hab ich so lang gesprochen./Ich gehe schweigend durch das fremde Land./Vom Brot der Sprache blieben nur die Brocken,/Die ich verstreut in meiner Tasche fand. Verstummt sind sie, die mütterlichen Laute,/Die staunend ich von ihren Lippen las,/Milch, Baum und Bach, die Katze, die miaute, Mond und Gestirn, das Einmaleins der Nacht. Es hat der Wald noch nie so fremd gerochen./Kein Märchen ruft mich, keine gute Fee./Kein deutsches Wort hab ich so lang gesprochen./Bald hüllt Vergessenheit mich ein wie Schnee. (1942)"

38 Ebda. S.407

39 Spanische Lyrik des 20. Jahrhunderts, S. 195

40 Grundzüge der spanischen Literatur, S. 57

41 Ebda., S.172

42 Ebda., S. 170

43 Grundzüge der spanischen Literatur, S. 247

44 Vgl. ebda., S. 454: ,,Der Dichter lebt im Medium der geschichtlichen Zeit. Er beschränkt sich nicht darauf, uns eine Nahaufnahme seines Antlitzes zu vermitteln, sonder atmet, leidet, denkt und liebt, umgeben von anderen Lebewesen, mit denen er vieles gemeinsam hat (...). wir Dichter der Nachkriegszeit mußten leider als Zeugen auftreten." (José Hierro)

45 Spanische Lyrik des 20. Jahrhunderts, S. 222

46 Ebda., S. 292

47 Spanische Lyrik des 20. Jahrhunderts, S. 435

Details

Seiten
34
Jahr
2000
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v99367
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1, 3
Schlagworte
Diktatur Franco Wirkung Literatur Zeit Grundkurs Politische Systeme

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Titel: Die Diktatur unter Franco und ihr Wirkung auf die Literatur dieser Zeit