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Depressionen - Definition und Behandlungsmöglichkeiten

Ein Kurzüberblick

Hausarbeit 2001 10 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Definitionen
2.1 Depressionen
2.2 Partnerschaft bzw. Ehe

3. Einfluss von Depressionen auf
3.1 die Partnerschaft
3.2 die Kinder

4. Behandlungsmöglichkeiten
4.1 Antidepressiva und Psychotherapie
4.2 Familientherapie

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Depressive Menschen hat es schon immer gegeben. In geschichtlichen Darstellungen finden sich sogar Hinweise, dass bereits vor dreitausend Jahren ägyptische Priester eine Krankheit behandelten, für die sie damals noch keinen Begriff hatten, deren Beschreibung jedoch auf die Depression zutrifft.

Selbst im Alten Testament ist schon von dem „bösen Geist“ die Rede, der immer wieder König Saul quälte und ihn verzweifeln ließ. Der „böse Geist“ galt als von Gott geschickt, wie bei allen Beschwerden.

Erst Hippokrates führte psychische Erkrankungen auf Störungen im Hirn zurück und beschrieb damals als Erster die Erscheinungsbilder der „Manie“, der „Melancholie“ bzw. der „Depression“.

Depressionen sind also kein neues Phänomen, es gab zu allen Zeiten Menschen, die von „dunklen „ Stimmungen überfallen wurden und verzweifelt nach Hilfe und Erklärungen suchten. Viele sind jedoch im Kampf gegen ihre Depressionen gescheitert. Die Öffentlichkeit erfährt nur selten von den Qualen, die depressive Menschen ausstehen müssen. Die Öffentlichkeit horcht nur dann auf, wenn Prominente als „depressiv“ bezeichnet werden oder ihrem Leben ein Ende setzen, so zum Beispiel Ernest Hemingway, der sich nach langer Krankheit erschossen hat, oder Kurt Tucholsky, der an einer Überdosis Veronal starb, weil er sein Leben nicht mehr länger ertragen konnte. Weitere Prominentenbeispiele hierfür sind: Winston Churchill, Abraham Lincoln, Vincent van Gogh und Prinz Claus von Amsberg (Prinz der Niederlande).

Die Depression scheint eine Erfahrung zu sein, die zum Leben gehört. Leider muss man sagen, sie gehört inzwischen zum Leben vieler Menschen. Schwere Depressionen treten heute zehnmal häufiger auf, als noch vor zehn Jahren. Immer mehr Menschen erkranken an Depression- und sie stehen meist mitten im Leben, wenn es passiert. Eine Entstehung, die die Depression an die Spitze der Häufigkeit psychischer Erkrankungen katapultiert hat. Sie sei, so heißt es verharmlosend, der „Schnupfen“ unter den psychischen Störungen. Ernsthafter klingt es da schon in einem Resümee des amerikanischen Sozialpsychologen Martin E. P. Seligman, er schreibt: „Wir befinden uns mitten in einer Depressionsepidemie.“

Aber nicht nur die Zahl der Erkrankten hat sich deutlich verändert, sondern auch das Alter der Betroffenen. Früher galten die etwa 50- Jährigen als besonders gefährdet, heutzutage sind zunehmend auch 20- Jährige stark gefährdet.

Wie lässt sich diese negative Entwicklung erklären? Viele Forschungsergebnisse legen die Vermutung nahe, dass es sich vor allem um drei gesellschaftliche Faktoren handelt, die für eine Zunahme der Depression verantwortlich sein können:

1. die veränderten Lebensbedingungen, die hohe Anforderungen an jeden
Menschen stellen
2. die zunehmende Beschäftigung der Menschen mit sich selbst – Schlagwort „Individualisierung“
3. der Stress, der immer mehr Menschen in der postmaterialistischen

Gesellschaft über den Kopf wächst.[1]

Es ist eine viel beklagte Tatsache, dass die Lebensbedingungen für den Einzelnen immer schwieriger werden: Scheidungsrate nimmt rapide zu, Alleinerziehende müssen eine Doppelrolle übernehmen, eine große Zahl von Menschen ist von Arbeitslosigkeit bedroht oder ist bereits arbeitslos; im Arbeitsleben wie auch auf unseren Straßen gilt die Devise: jeder gegen jeden. In diesem Klima sind wir in besonderem Maße auf Unterstützung durch andere angewiesen- doch die „anderen“ fehlen oft. Wo früher noch die Familie, die Religion, die Dorfgemeinschaft Rückhalt gegeben haben, sind viele Menschen heute auf sich allein gestellt. Viele Experten sehen im Zerfall der Traditionen, und somit auch der Familien, die Hauptursache für die Zunahme der Krankheit.

Wir glauben, dass wir allein unser Schicksal in der Hand haben, wir sind dafür verantwortlich, wenn wir es im Beruf nicht allzu weit gebracht haben; wir sind verantwortlich, wenn unser Körper Ermüdungs- und Alterserscheinungen aufweist; wir sind verantwortlich, wenn wir mit unserem Partner nicht glücklich sind. Denn in einer Zeit, in der alles machbar und erreichbar erscheint, gibt es keine Entschuldigungen und Ausreden. Wem die optimale Selbstverwirklichung nicht gelingt, gilt als Versager. Kurz: Nur wir sind unseres Glückes Schmied, und da wir große Erwartungen an das Glück stellen, haben wir eine große Aufgabe. So erliegen wir der Illusion, die Kontrolle über unser Leben liege voll in unserer Hand. Wenn wir nur alles richtig machen, dann ist unsere Welt ein Abziehbild der glücklichen Werbewelt, die uns per Medien täglich ins Haus geliefert wird. Es ist somit unvermeidlich, dass die Vorstellungen in unseren Köpfen irgendwann mehr oder weniger schwer mit der Realität unseres Lebens kollidieren. Diese gesellschaftliche Entwicklung, in der Individualität als erstrebenswertes Ziel gilt und ein Miteinander immer mehr erschwert wird, fördert ein Klima, das Menschen depressiv machen kann. Wenn wir erkennen müssen, dass wir auf der Suche nach unserem Selbst uns und die anderen verloren haben, fallen wir in das schwarze Loch der Depression.[2]

Ich möchte versuchen, mit meiner Hausarbeit einen kurzen Einblick in das Thema der Depression zu geben. Im speziellen möchte ich auf darauf eingehen, wie sehr das familiäre Zusammenleben, durch die Erkrankung der Mutter bzw. der Frau/ Partnerin, beeinträchtigt wird.

2. Definitionen

2.1 Depressionen

Die Schwierigkeit, depressives Erleben zu definieren, hängt auch damit zusammen, dass eine Depression nicht wie ein Gegenstand beschrieben oder mit den Sinnen erfasst werden kann. Depressives Erleben ist weder mit den Augen zu beobachten, noch mit dem Tastsinn zu erspüren. Das Verhalten kann zwar bestimmten Mustern folgen, diese sind jedoch bei jedem Menschen anders. Und dies setzt voraus, dass zuerst bestimmt worden ist, welcher Mensch als depressiv zu bezeichnen ist.[3]

Es gibt aber auch typische Erscheinungsweisen bzw. einen typischen Verlauf der Depression. Die Depression tritt meist ohne erkennbare Ursache, aus einer offenkundig ungestörten Lebenssituation heraus, auf. Es ist eine psychische Erkrankung entstanden, die sich in einer im Vordergrund stehenden traurigen Verstimmung und einer Verzweiflung bis zur Selbstmordgefährdung äußert.[4]

Des weiteren kann man sagen, Depression ist eine Erkrankung, die die Gefühlsseite des Seelenlebens betrifft und sich individuell in sehr unterschiedlicher Weise äußern kann. Es kommen immer mehrere Krankheitsmerkmale zusammen, man spricht in der Regel von einem depressiven Syndrom. Die häufigsten Merkmale dieses Syndroms sind: Antriebslosigkeit, innere Unruhe, Schlafstörungen, fehlende Lebensfreude, Gefühl der Leere, Traurigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl, schwindendes Interesse an Dingen, die früher viel Spaß machten, Schuldgefühle, ausgeprägte Todes- bzw. Selbstmordvorstellungen und auch körperliche Beschwerden. Alle Symptome können sich allmählich oder sehr rasch entwickeln. Bisweilen geschieht diese Veränderung sogar schlagartig. Viele depressive Menschen konzentrieren sich auf ihre körperlichen Symptome und vermuten in ihren Beschwerden eine organische Ursache. Häufig halten sich Depressive auch nicht für krank, was sie tatsächlich sind, sondern für „Versager“. Es gibt viele verschiedene Depressionen, die nach Schweregrad und Anzahl der Symptome unterschieden werden. Jedoch sind alle Formen der Depression behandlungsbedürftig.[5]

Man muss die Depression abgrenzen von der Trauer! Eine Depression ist eine „Trauer ohne Grund“, sie kann ohne ein schlimmes Ereignis auftreten und findet auch bei Menschen statt, die „alles haben, was sie brauchen, um glücklich zu sein“. Außerdem werden depressive Menschen durch schöne, freudige Ereignisse nicht fröhlicher, im Gegenteil, sie werden meist noch niedergeschlagener. Auch ist ein depressiver Mensch nicht mehr in der Lage, Entschlüsse zu fassen und hat das Vertrauen in sich und die Menschen verloren.[6]

Noch heute streiten sich Wissenschaftler, inwieweit Depressionen vererbbar sind. Bis jetzt kann man nur sagen, dass die Depression an sich keine erbliche Krankheit ist, aber die Veranlagung, eine Depression zu bekommen, genetisch vererbt wird. Meistens liegt auch eine Stoffwechselstörung im Gehirn vor.

[...]


[1] vgl. Nuber, 2001, S.16ff.

[2] Nuber, 2001, S.21ff.

[3] vgl. Hell, 2000, S.33ff.

[4] vgl. Böcker, 1999, S.56

[5] vgl. Homepage: www.depression.ch

[6] vgl. Homepage: www.depressions-sprechstunde.de

Details

Seiten
10
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638164986
ISBN (Buch)
9783640318919
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9911
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – Sozialwesen
Note
1.5
Schlagworte
Depressionen

Autor

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