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Storm, Theodor - Der Schimmelreiter

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

" Der Schimmelreiter"

Die Novelle " Der Schimmelreiter" von Theodor Storm spielt in der Meereslandschaft Nordfrieslands.

Der Autor wählt für die Rahmenhandlung die Ich-Erzählform, indem er von einem Reisenden berichtet, der während einer Sturmflut an einem nicht näher bezeichneten Deich in Nordfriesland entlangreitet und in einem Gasthaus Schutz vor dem Unwetter sucht. In dem Gasthaus trifft er auf eine Gesellschaft von Bauern der Gegend, die zusammen mit dem Deichgrafen Wache halten, um eventuelle Deichbrüche schnell erkennen und abwenden zu können. Der Erzähler berichtet in dieser Runde von einer Begegnung, die er auf dem Deich hatte: Ihm sei ein Reiter begegnet, der auf einem Schimmel geritten sei, ohne dass von diesem Gespann das geringste Geräusch ausgegangen sei. Dieser Bericht führt dazu, dass der ebenfalls in der Gesellschaft anwesende Schulmeister des Dorfes die Sage vom Schimmelreiter zu erzählen anfängt.

Hier beginnt nun die eigentliche Geschichte um den Schimmelreiter, die zeitlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist.

Hauke Haien, wächst in der nordfriesischen Marsch auf, wo er schon als Junge sein Interesse für die Mathematik und für die wissenschaftliche Betrachtung aller Dinge entdeckt, die ihn umgeben. Besonders die Deiche interessieren ihn, er verbringt seine gesamte Jugend vornehmlich damit, das Meer und seine Wirkung auf die Deiche zu beobachten. Er kommt schon früh zu der Überzeugung, dass ihre Form verbesserungswürdig ist. Mit 14 Jahren tritt Hauke Haien eine Stelle als Kleinknecht beim Deichgrafen Tede Volkerts an. Schon nach kurzer Zeit wird er von diesem oft als Helfer eingesetzt, wenn Deich- oder Sielgebühren zu berechnen sind. So entwickelt sich zwischen Volkerts und Hauke Haien ein Verhältnis, das dem zwischen Herrn und Knecht nicht gleichzusetzen ist. Der Großknecht des Hofes, Ole Peters, sieht seinen Einfluss schwinden und wird zu Haukes Feind, zumal er erkennt, dass die Tochter des Deichgrafen, Elke Volkerts, sich mehr und mehr zu Hauke Haien hingezogen fühlt und nicht zu ihm. Ole Peters hatte sich selbst gute Chancen ausgerechnet, Elke zu heiraten.

Als der alte Deichgraf stirbt und Hauke seine Tochter heiratet, fällt ihm mit dem Besitz auch die Würde zu. Der neuernannte Deichgraf Hauke Haien findet in der Bevölkerung nur wenig Unterstützung. Seine Ideen zur Verbesserung der Deiche bedeuten großen finanziellen Aufwand und erhebliche Arbeitsbelastungen für die Allgemeinheit. Die Dorfbewohner sehen die Notwendigkeit nicht, als Hauke Haien einen neuen Deich bauen lässt, dessen Profil sich grundlegend von dem der alten unterscheidet. Der neue Deich soll zur Seeseite deutlich flacher angelegt werden als es üblich ist, was einen höheren Aufwand beim Bau bedingt. Der schärfste Gegner des Deichgrafen wird Ole Peters, der immer wieder versucht, die Dorfbewohner gegen ihn aufzubringen. Den Widerstand gegen Hauke zu schüren fällt Ole Peters nicht schwer, da er den Aberglauben der Dorfbewohner auszunutzen versteht. Als Hauke Haien einen Schimmel kauft, den er fortan ständig reitet, geht im Dorf das Gerücht um, es handele sich bei diesem Schimmel um ein Geisterpferd, dessen Skelett auf einer kleinen Sandbank vor der Küste liege und von dem einige behaupten, es in manchen Nächten auf dieser Sandbank lebendig gesehen zu haben. Dem Deichgrafen wird nun nachgesagt, dieses Geisterpferd gezähmt zu haben, was ihn den Dorfbewohnern unheimlich macht.

Mit äußerster Willensanstrengung, dabei nicht frei von Hass und Verachtung gegenüber seinen Mitmenschen, trotzt er dem Meer Neuland ab. Privates Glück hingegen bleibt ihm versagt: Als nach Jahren des Wartens seine Frau Elke ihm endlich ein Kind schenkt, muss Hauke erkennen, dass seine Tochter Wienke schwachsinnig ist. Einsamkeit und Krankheit schwächen seine Wiederstandskraft. Zu allem Unglück bricht auch noch eine schwere Sturmflut herein.Der von Hauke Haien entworfene und durchgesetzte Deich hält den Angriffen der Nordsee stand, doch der angrenzende, nach alter Art reparierte Deich bricht. Der Deichgraf sieht Elke und ihre gemeinsame Tochter Wienke, die mit Pferd und Wagen von der in den Koog (eingedeichtes Land) drückenden See überrascht werden und in der Flut umkommen. Daraufhin treibt er seinen Schimmel in die Bruchstelle und geht mit den Worten "Herr Gott, nimm mich, verschon die andern!" unter.

Die wichtigsten Personen:

Hauke Haien

Die Titelfigur in der Novelle macht im Verlauf der Geschichte eine beachtliche Entwicklung durch. Er wächst ohne Mutter auf, sein Vater erkennt schon früh das Interesse seines Sohnes an der Mathematik und unterstützt dies auch. Andererseits versucht der Vater jedoch auch, seinem Sohn die körperliche Arbeit nahezubringen, die zum Überleben in der nordfriesischen Marsch unbedingt notwendig ist. Hauke Haien wächst als Einzelgänger auf, der von den Gleichaltrigen als Träumer verspottet wird. Schon als Junge ist Hauke sich seiner Intelligenz und Überlegenheit durchaus bewusst. Ein gewisses Geltungsbedürfnis und großer Stolz scheinen auch im weiteren Verlauf der Geschichte sein Handeln zu steuern. Doch auch, wenn er seinen Gedanken nicht in erster Linie die Sorge um seine Mitmenschen zugrunde legt, so setzt Hauke Haien mit seinen Vorstößen eine Verbesserung der Sicherheit durch, die endlich der Gesamtheit zugute kommt. Seine Arbeit als Deichgraf stellt Hauke Haien sogar noch vor sein Familienleben, das unter den ständigen Anstrengungen leidet. Er sieht jedoch so viele Missstände, die es zu beheben gilt, dass ihm nicht der Gedanke kommt, er könne etwas vermissen.

Elke Volkerts

Die Tochter des Deichgrafen Volkerts stellt sich dem Leser als ruhige und heimatverbundene Frau dar. Sie lebt auf dem Hof des Vaters, wo sie den Haushalt führt und ihm bei der Arbeit mit dem Deichgrafenamt hilft. Elke kann, was für eine Frau der damaligen Zeit eher ungewöhnlich ist, gut rechnen und ist allein aus diesem Grunde eine besondere Frau. Als Hauke Haien die Stelle als Kleinknecht auf dem Hof antritt, merkt sie sehr bald, dass die Interessen der beiden in weiten Teilen ähnlich sind. Elke bewundert und schätzt Haukes Fähigkeiten und verliebt sich in kurzer Zeit in ihn. Elke stellt ihre Interessen weitestgehend hinter die ihres Mannes, weil sie einsieht, dass die ihn auf andere Weise nicht halten kann. Elke versteht es immer wieder, ihren Mann bei seiner Arbeit zu unterstützen und ihm Halt zu geben. Sie scheint nicht zu merken, dass sie und Hauke nur nebeneinander leben und zwischen ihnen die Aufgabe des Deichgrafen steht, der sich Hauke so entschlossen stellt.

Die Geschichte

Mit seiner Novelle ,,Der Schimmelreiter" gelingt Storm ein überwältigendes Bekenntnis zur Humanität (Menschlichkeit). In dem Werk vereint er noch einmal die großen Ziele seines Dichtens, ,,Beseitigung der Barbarei, Überwindung der Unwissenheit, Ausbreitung der Kultur und Freiheit sowie Pflege der Menschenliebe" Gerade die Menschenfreundlichkeit lässt Storm in der Bereitschaft Haukes und Elkes zum gemeinsamen Leiden an ihrem behinderten Kind sich bewähren: ,,Da warf sich Elke an ihres Mannes Brust und weinte sich satt und war mit ihrem Leid nicht mehr allein." Durch Menschenliebe wird auch die irdische Schuld - Hauke Haien bringt durch sein Versagen seine Familie und die Dorfgemeinschaft in tödliche Gefahr - als ,,eine menschlich verzeihliche" entschuldigt. Gerade an des Dichters Humanitätsanspruch zeigt sich, die absolute Weltwürde des Werkes Storms, der sich auch mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod noch als ein unbestechlicher Fürsprecher der Menschlichkeit erweist.

In der Novelle werden Tatsachen und Phantasie so geschickt verbunden, dass sich der Eindruck einstellt, es handele sich um eine authentische Berichterstattung. Theodor Storm verarbeitet in seinem letzten Werk die Erfahrungen, die sein Leben geprägt haben.

"Der Schimmelreiter" ist meiner Ansicht nach der Versuch des Autors, die Erfahrungen seines Lebens auszudrücken. Die einzige Figur in dieser Erzählung, die sich kompromisslos als "gut" oder "böse" identifizieren lässt, ist der Großknecht Ole Peters. Die Novelle ist ein so fesselndes Werk, dass ich nach kurzer Zeit des Lesens schon selber mitten in der Handlung gefangen war, mit Hauke Haien um seine Frau gebangt und mich über die Boshaftigkeit des Ole Peters geärgert habe.

Theodor Storm wurde am 14.09.1817 in Husum Nordfriesland geboren.

Über Freunde in Lübeck und Kiel entstanden die ersten großen literarischen Eindrücke(Goethe, Eichendorff) Leben lang poetische Leitbilder blieben und seine Vorstellung von Lyrik bestimmten. Die Jahre des Jurastudiums in Kiel und Berlin(1837-1842) brachten die ersten poetischen Versuche.In der Selbsteinschätzung als Dichter hat Storm immer seine Lyrik vorbehaltlos an erste Stelle gesetzt. In den letzten Lebensjahren entstanden mehr als zehn Novellen, darunter auch Der Schimmelreiter.

Storm starb nach langem Leiden an Magenkrebs am 04.07.1888 in Hademarschen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Details

Seiten
5
Jahr
2000
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v98961
Note
Schlagworte
Storm Theodor Schimmelreiter

Autor

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Titel: Storm, Theodor - Der Schimmelreiter