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Der Mythos der Templer

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 52 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhalt

I.Einleitung

II.Grundlagen mythisierender Rezeptionsprozesse
II.1. Mythos, Mystik und Religion
II.2. Das Phänomen Mythos
II.2.A. Elemente des Mythos
II.2.B. Die Funktionen des Mythos
II.2.C. Die Auflösung des Urmythos
II.3. Widersprüche bei Mythenrezeptionen
II.4. Der Mythos als Antithesis zur Rationalisierung in der Aufklärung
II.5. Mythenrezeption und Romantik

III.Der Mythos der Templer
III.1. Ursprünge der Mythos - und Legendenbildung
III.2. Die Templer in Outremer bis zum Fall der Kreuzfahrerstaaten.
III.3. Der beneidete Orden
III.4. Das Geheimnis der Templer
III.4.A. Der Templerschatz
III.4.B. Das Templergeheimnis
III.5. Kunst, Architektur und Symbolik der Templer
III.5.A. Die Templer und die Baukunst
III.5.B. Die Symbolik des Ordens
III.6. Der Untergang der Templer
III.6.A. Der Orden nach der Niederlage im Orient
III.6.B. Der Prozess
III.6.C. Die Person des Jakob von Molay

Schlußwort

V. Abbildungen.

VI. Literaturverzeichnis.

VII. Abbildungsverzeichnis.

I. Einleitung

Mit der Bulle ,Vox in excelso` , die Clemens V. 1312 veröffentlichte, wurde der Orden der ,Fratres Militiae Templi` aufgelöst. Doch bis heute ist der Templerorden - mehr als beispielsweise seine Bruderorden der Deutschordensritter oder der Johanniter - ein in deröffentlichkeit häufig auftretender und viel diskutierter Gegenstand. Es sind dabei aber weniger die historischen und belegbaren Zusammenhänge, die das Interesse an den Templern erklären, als vielmehr die Aspekte, die durch die unterschiedlichsten Formen der Tradierung zu Spekulationen und Mutmaßungen verleiten. Nicht selten begegnet man der Formulierung vom ,Mythos der Templer`, die darauf hinweist, wie sehr der Stoff der Templer, so unterschiedlich er sich durch jahrhundertelange Variation in der Überlieferung auch gestaltet, im gegenwärtigen Geschichtsbewußtsein präsent ist.

Die Problematik in der Arbeit des Historikers ist nun, wie Arnold Esch in seinem bekannten Aufsatz über die Überlieferungsproblematik schreibt[1], daß er sich seine Erkenntnisse ,,nicht von der Überlieferung zuteilen"[2] lassen darf, was gerade bei dem Aufgabenfeld, vor welchem er steht, wenn er sich mit den Templern auseinandersetzt, nicht einfach ist. Beispielsweise ist schon die Quellenlage zur Gründungsgeschichte des Ordens schwierig. Die Berichte von Wilhelm von Tyrus und Jakob von Vitry, die wichtigsten der wenigen erhaltenen, lassen - schon allein wegen ihres zeitlichen Abstands zur eigentlichen Ordensgründung - wichtige Fragen offen und bieten, wie noch zu zeigen sein wird, viel Spielraum für Spekulationen. Diese wiederum werden zur historischen Tatsache für diejenigen, die sich auf der Suche nach einer eigenen Identität befinden und sich als Nachfolger der Templer definieren möchten. Durch die unzähligen Spekulationen wird der ursprüngliche Sinn der Quellen oft bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.

Leider sind aber Originalquellen so rar, daß auch der Historiker in vielen Fällen auf Hypothesen und Vermutungen angewiesen ist, wenn er sich die Templer zu seinem Forschungsgegenstand wählt. Er befindet sich stets auf der Gratwanderung zwischen Mutmaßung als Arbeitshypothese und Verfälschung der Geschichte. Sicherlich ein alltägliches Problem der Geschichtswissenschaft, bei der Betrachtung der Templergeschichte aber erweist es sich gerade durch die ,Ergebnisse` der ,Forschungen` von esoterischen Wissenschaftlern der ,ganzheitlichen Mittelalterforschung`, von Logen, religiösen Sektierern oder einfach sensationswissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Templerrezeption als besonders schwierig.

Verschiedenste Gruppierungen - seien es Geheimbünde, Bruderschaften, Logen oder Orden, die sich in irgendeiner Weise zu den Templern in Beziehung setzen - existieren seit der Auflösung des Ordens. Sei es der Orden von Montesa oder der Orden der Christusritter, die direkt nach der Auflösung des Templerordens an dessen Geschichte anknüpfen, oder die ,Milizia di Tempio`, die sich 1979 in Poggibonsi in Italien als Orden mit direkter Abstammung von den Templern - allerdings über 600 Jahre nach deren Auflösung! - konstituierte[3] (es wird bewußt darauf verzichtet, diese Organisationen mit dem umstrittenen Topos des ,Nachfolgers` zu bezeichnen[4] ); alle beanspruchen, einen Teil der Templergeschichte mitzugestalten, sie für ihre Legitimation zu nutzen.

Viele der offenen Fragen, die sich aus der Beschäftigung mit den Templern ergeben, werden sich wohl nicht lösen lassen. Doch das Thema wird für den Historiker aus einer anderen Perspektive interessant. Anstelle der Frage nach den tatsächlichen historischen Abläufen der Templergeschichte drängt sich die Frage nach den Ursachen für die Mythisierung der Templer auf. Und vor allem: Darf man überhaupt von einem Mythos sprechen oder erlebt man nur das Ergebnis eines ungenauen Umgangs mit Sprache? Warum nehmen sich die unterschiedlichsten Gruppierungen des Stoffes der Templer an?

Warum sind die Templer - viel mehr als andere historische Ereignisse ihrer Zeit - im Geschichtsbewußtsein der heutigen Gesellschaft noch so präsent? All das sind Fragen, denen diese Arbeit nachgehen wird. Es soll keine Untersuchung zu den verschiedenen selbsternannten ,Erben` des Ordens werden, dafür würde der Rahmen dieser Arbeit nicht genügen[5], vielmehr kommt es neben der Einordnung in die Mythosdiskussion darauf an, jene Deutungen der Templergeschichte herauszuarbeiten, die sich dazu eignen, sich aus ihrer historischen Dimension loszulösen, um sie in die Legitimations- und Identifikationsmechanismen verschiedenster Gruppen zu transferieren.

Da diese Thematik nur durch eine interdisziplinäre Betrachtung angemessen bearbeitet werden kann, rein historische Methoden ohne die Hinzunahme anderer Gesellschaftswissenschaften die Problematik nicht genügend beleuchten würden, ist die Arbeit in zwei Hauptteile gegliedert: Zum ersten wird auf einer eher soziologisch-ethnophilosophischen Ebene versucht, das Phänomen des Mythos und der Mythisierung im allgemeinen zu beleuchten, um dann im zweiten Teil herauszuarbeiten, warum und wie ausgerechnet die Templer zu dieser Rolle gelangen konnten.

Eine Beschäftigung mit den Fragen zum Mythos, zu seinen Auswirkungen und Entstehungshintergründen ist ohne die Berücksichtigung des Werkes des Ethnologen Claude L è vi-Strauss [6] fast unmöglich, des weiteren waren die Ausführungen von Harald Krusekamp [7] zum Thema des Verhältnisses der Mythologie zur Rationalität sehr hilfreich. Die Zusammenführung von ethnologischem und philosophisch-soziologischem Aspekten in der sehr gut organisierten Arbeit von Klaus Freyberg [8] wird darüber hinaus für diese Arbeit ein Orientierungspunkt sein. Zur Untersuchung der historischen Zusammenhänge zu den Templern sei exemplarisch auf die mit großem Bedacht auf Objektivität und Reduktion der Spekulationen geführten Untersuchung von Alain Demurger [9] und die auf einen großen Überblick bedachte Darstellung von Hartwig Sippel [10] verwiesen. Des weiteren ist die Studie von Marie Luise Bulst-Thiele [11] ein Werk von fundamentaler Bedeutung für jeden, der sich mit dieser Thematik beschäftigt.

Zuletzt sei noch anzumerken, daß die Arbeit mit dem Internet - entgegen ursprünglichen Erwartungen - viel Nutzen brachte, da die aktuellsten Informationen verschiedener Organisationen, beispielsweise der Freimaurer in Deutschland, einzig dort zu finden sind [12].

II. Grundlagen mythisierender Rezeptionsprozesse

Um dem Thema der Arbeit gerecht zu werden, ist es nötig, den Inhalt des Begriffes Mythos zu betrachten.

Der Topos Mythos ist heute ein Begriff, der in den verschiedensten Bereichen mit unterschiedlichsten Bedeutungen belegt ist, ein Begriff, der ,,... nichts anderes als eine semantische Unbestimmtheit [ ist ], die historisch Invariantes komparabel zu machen sucht..." [13]. Es ist sicherlich auch wenig nützlich, die verschiedenen Mythosdefinitionen der Sozialwissenschaften im einzelnen vorzustellen, da diese häufig als Theoriegerüst für die Erarbeitung von Konzepten aufgestellt wurden, die mit der Rezeption historischer Tatsachen, wie sie für das Templer-Thema nötig wären, nicht immer in Verbindung gebracht werden können. [14]

Es soll im folgenden versucht werden, eine für unseren Sachverhalt sinnvolle Begriffsklärung sowie eine überblicksartige Darstellung der Eigenarten und Wirkungsmechanismen eines Mythos zu entwickeln.

II.1. Mythos, Mystik und Religion

Da diese Arbeit im Rahmen eines Seminars zur christlichen Mystik angefertigt wird, ist es zunächst notwendig, den Mythosbegriff gegen den der Mystik abzugrenzen. Dieser Teil ist allen weiteren Ausführungen vorangestellt, um eventuellen sprachlichen Mißverständnissen, die sich aus der ähnlichen Phonetik ergeben könnten, vorzubeugen. Selbst in der wissenschaftlichen Diskussion werden diese Begriffe häufig sehr weit und ungenau verwendet [15], noch problematischer ist es mit den dazugehörigen Adjektiven ,mystisch` und ,mythisch`, die beide häufig etwas Geheimnisvolles im religiösen Bereich bezeichnen sollen oder im Sinne von mysteriös, also ,sagenhaft` oder geheimnisvoll` auftreten. [16] Den Begriff Mystik definiert Dinzelbacher als eine Art Frömmigkeitshaltung, die ihren Höhepunkt in der Vereinigung Gottes mit der Seele auf der Erde erreicht (der unio mystica) [17]. ,Cognitio dei experimentalis` - die aus Erfahrung gegründete Gotteserkenntnis [18] - hat also nichts gemeinsam mit dem Mythos, der an dieser Stelle grundlegend für diese Arbeit nach Freyberg als ein ,,in allen Kulturen konstitutives Moment von Weltaneignung" [19] bezeichnen werden soll.

Sicherlich ist für die Mystik auch das religiöse Element - gerade in der ethnologischen Betrachtung - von großer Bedeutung, doch muß betont werden, daß es sich im Fall des Templermythos nicht wie in archaischen Gesellschaften um einen ,Ursprungsmythos` [20] im eigentlichen Sinne handelt, der durch Totalität in der religiösen Anschauung gekennzeichnet ist. Es wäre zu untersuchen, ob der Templermythos jeweils nur von einem Teil der Gesellschaft geschaffen und aufrechterhalten worden ist, für das eigentliche Selbstverständnis der Gesellschaft deshalb nicht maßgeblich ist, oder ob dieser Mythos für das Selbstverständnis einer ganzen Gesellschaft eine Rolle spielt. Eine die ganze Gesellschaft beeinflussende religiöse Totalität, die ansonsten typisch für Gesellschaften mit ausschließlicher mystischer Weltauslegung ist, ist jedoch im Europa der frühen Neuzeit nicht existent, sondern erfährt erst in den totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts eine moderne Form der Ausprägung.

II.2. Das Phänomen Mythos

Um das Phänomen Mythos zu beleuchten, sind in den Wissenschaften verschiedene Methoden entwickelt worden, die, den unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten verpflichtet, teils erheblich differieren. Für unsere Thematik bietet sich die strukturalistische Methode L è vi-Strauss` an. Für ihn stellt sich der Mythos als ein System von gleichwertigen, sich jedoch mehr und mehr herausbildender und verselbständigender Elemente dar [21]. Eben diese Entwicklung der Elemente ist historisch faßbar und so wird deren Betrachtung zum ersten Schritt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem so unwissenschaftlichen Phänomen.

Geht man von der Etymologie des Topos ,Mythos` als Entlehnung vom griechischen , _____` - ,Wort` und ,Erzählung` - aus [22], ist der Kreis dessen, was darunter gefaßt werden kann, sehr groß: Gegenstände, Personen oder Ideen werden häufig recht unreflektiert als Mythos bezeichnet. Der Mythos ist jedoch mehr als nur die ,,Erzählung vom göttlichen Geschehen" [23], er ist wie bereits erwähnt ein Element der ,,Aneignung von Welt" [24] und ist in allen Kulturen anzutreffen.

Lèvi-Strauss und Freyberg begreifen Mythos als eine Form von ,,Totalanschauung" [25], eine frühe Entwicklungsform gesellschaftlichen Bewußtseins, in welcher die Aneignungsweisen von Wirklichkeit noch nicht voneinander getrennt in der sozialen Praxis auftreten; sie definieren mythisches Denken als nach Totalität strebend [26].

II.2.A. Elemente des Mythos

Ein Mythos konstituiert sich stets aus folgenden Elementen [27]:

- Kunst /Ästhetik
- Moral / Ethik
- Abstraktion / Theorie
- Religion
- Recht
- Ideologie / Politik

Diese Elemente fungieren als Aneignungsform von Welt. Sie sind im Mythos, gleichgültig in welcher Erscheinungsform, vorhanden; sowohl in einer vom mythischen Weltbild geprägten Gesellschaft als auch in den aufklärerisch geprägten Gesellschaften im Okzident, in denen der Mythos meist in Nischen oder Enklaven seinen Platz findet.

Diese Elemente existieren, wie bereits erwähnt, nicht eigenständig, sondern im Zusammenhang des mythischen Bewußtseins als Totalität. Sie sind stets mit der sozialen Praxis verbunden und ihr Vorhandensein läßt sich meist nur aus ihrer Funktion rekonstruieren.

II.2.B. Die Funktionen des Mythos

Grundsätzlich haben Mythen stets eine Orientierungsfunktion - sie wirken sinngebend und erklärend [28] ; nach Freyberg haben Mythen Funktionen der Welterklärung und der Handlungssteuerung [29]. Der Ethnologe Cassirer geht davon aus, daß ,,...nicht das bloße Betrachten, sondern das Tun..." den Mittelpunkt für die geistige Organisation der Menschen bildet [30].

Im einzelnen werden die Funktionen des Mythos bei Freyberg wie folgt benannt [31]:

- Kommunikation / Handlungssteuerun g
- Interpretation
- Sublimierung
- Kompensation
- Integration

In all diesen Funktionen ist ein didaktischer Aspekt enthalten; Grundfunktion ist jedoch die Kommunikation, die erst alle anderen ermöglicht (,,Sprachbildung und Bildung des Mythos entstehen parallel" [32] ). Deshalb ist die Funktion der Handlungssteuerungen an dieser Stelle ebenfalls aufgeführt, da diese auch als Kommunikation - nämlich nicht nur in der Gruppe, sondern auch mit der Umwelt - definiert werden muß.

Bei den bisher erläuterten Punkten handelt es sich um ethnologische Erkenntnisse über den ,,Ur- bzw. Ursprungsmythos" [33], ein Phänomen einer Zeit der mythologischen Totalanschauung von Welt. Um die Templerrezeption in die Mythosdiskussion einzuflechten, ist es notwendig, einen Schritt weiterzugehen.

Bisher wurde das mythische Denken mit der Interdependenz aller seiner Elemente definiert.

Doch es gibt wohl keine Zweifel daran, daß die handlungsanweisende Funktion des Mythos in unserer Zeit nicht mehr greift. Betrachtet man heute den Begriff Mythos, kann lediglich in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts von einer Totalität eines Mythos als einer alle gesellschaftlichen Elemente umfassenden Haltung gesprochen werden.

II.2.C. Die Auflösung des Urmythos

Im allgemeinen wird davon ausgegangen, daß sich Gesellschaften vom mythischen Denken lösen, indem sie rationelle Lösungen in der menschlichen Praxis finden und diese Lösungen begreifen [34].

Freyberg setzt dem entgegen, daß Praxis - leben und stufenweise erkennen - nicht nur Lösung vom Mythizismus bedeutet, sondern auch der Ursprung einer neuen mythischen Weltinterpretation sein kann. Er spricht von einer langen historischen Übergangsphase. Ausgehend von der zentralen Funktion des Mythos, der der Handlungssteuerung, verschiebt sich der Fokus im Laufe der Zeit hin zu einer Funktion ethisch-gesellschaftlicher und interpretativer Art [35].

Die Auflösung des Urmythos ist die Auflösung der Totalität der Aneignungsweisen von Welt, das einheitliche mythische Bewußtsein verschwindet. Es kommt jedoch nicht automatisch zur Verdrängung des Mythos, wenn der Mensch rational sich und seine Welt erkennt und Wissen darüber anhäuft. Die Allgegenwärtigkeit des Mythos ist noch existent, nur fehlt seine Ursprünglichkeit und Totalität. Der eigentliche Wechsel im Mythosbegriff ist die Auflösung der Totalität der Elemente zugunsten ihrer jeweiligen Autonomie [36].

Nach der Auflösung des Urmythos werden Wertungen und Urteile verlangt, die das ,sich in Bezug mit der Welt setzen` eines jeden einzelnen auf ganz individuelle Weise erfordern.

Befähigt durch die ihm nun autonom zur Verfügung stehenden konkreten Aneignungsweisen kann jeder einzelne seine ganz persönliche Aneignung von Welt finden. Beispiele dafür finden wir im Epos oder in der Tragödie (den ,,literarischen Verformungen des Mythos" [37] ), in denen Identifikationsmuster für das Individuum angeboten werden und so zur Findung von Selbstidentität und - interpretation beitragen.

II.3. Widersprüche bei Mythenrezeptionen

Wie L è vi-Strauss anführt, ist es notwendig, die Inhalte der einzelnen Überlieferungen zu einem Mythos genauer zu beleuchten. Es begegnet uns das Phänomen, daß bei der Betrachtung desselben Mythos aus verschiedenen Perspektiven seine Inhalte wechseln. Als Beispiel führt L è vi-Strauss an, daß in indianischen Ursprungsmythen ein und derselbe Gott in derselben Geschichte ein Dorf gründet oder aber dieses zerstört [38].

Diese Widersprüche sind jedoch für die Gültigkeit des Mythos bedeutungslos. Der Mythos wird bei L è vi-Strauss als ein offenes System charakterisiert, dessen Gültigkeitskriterien nicht an historischen Elementen festzumachen sind [39].

So kann der Templermythos unterschiedlichste Erzählvarianten umfassen; eine angebliche Flucht der als Maurer verkleideten Templer nach Schottland ist in diesem Zusammenhang derselbe Mythos wie die das Leugnen dieser Flucht [40], die widersprüchlichen Inhalte sind auf der Ebene des Mythos unerheblich. Jede Mythosvariation existiert also für sich genommen als die beschränkte Anwendung eines Schemas zu Mythenrezeption, es ist gleichsam ein Grundmerkmal des Mythos, daß man ihn in verschiedensten Umgestaltungen erkennen kann [41].

II.4. Der Mythos als Antithesis zur Rationalisierung in der Aufklärung

In der europäischen Geschichte findet die mythische Weltauslegung ihren Gegenpol in der Geisteshaltung der Aufklärung. Von dieser Polarität ausgehend soll der Mythos für unsere Zwecke betrachtet werden, selbst wenn die Vorstellung der Aufklärer vom Mythos in vielen Dingen erhebliche Defizite aufweisen [42]. Doch gerade durch die dialektische Betrachtung von einerseits der einseitigen Betrachtungsweise der Aufklärung, andererseits dem Wesen der Mythen selbst, soll versucht werden, deren Eigenarten herauszuarbeiten. Aufklärung meint hier nicht einzig die europäische Geisteshaltung des 17. und 18. Jahrhunderts, sondern einen Prozeß der zunehmenden Rationalisierung, im Zuge dessen Magie und Spiritualismus aus den Denkmechanismen des Alltagslebens des Durchschnittsmenschen verschwinden [43].

,,Schon der Mythos ist Aufklärung, und: Aufklärung schlägt in Mythologie zurück. [44] " ist die zentrale These der ,,Dialektik der Aufklärung". Nach dem Ausbruch aus dem Urmythos gerät der Mensch sofort in den nächsten: In den Mythos der Naturbeherrschung durch die menschliche Gesellschaft. Für die Aufklärer ergibt sich aus der Verhaftung in ein mythisches Weltbild zunächst eine Form der Unfreiheit, sie sehen darin eine totalitäre Übermacht des Sakralen in allen gesellschaftlichen und privaten Bereichen, die den einzelnen in seinen Handlungen moralisch unfrei macht. Durch das Diktat des Heiligen ist das Erkennen der eigentliche Weltzusammenhänge nicht möglich [45].

Doch im Mythos geht es um mehr als um Herrschaftsmechanismen, durch wen auch immer diese ausgeprägt werden. Denn das Alltagsleben in das mythische Denken, in Erzählungen, Lieder, Riten etc. einzubinden und daraus Handlungsaufforderungen zu postulieren, heißt, dem Menschen eine Verhaltenssicherheit zu geben, die modernen Gesellschaften verloren zu gehen scheint [46]. Wir gelangen hier an den Punkt, den Weber als einen ,,universalgeschichtlichen Entzauberungsprozeß" [47] interpretiert, und weiterhin formuliert, daß diese Entzauberung parallel zu einem Prozeß des Sinnverlustes verläuft. [48] Auch in der ,,Dialektik der Aufklärung" finden wir einen ähnlichen Standpunkt: ,,Auf dem Weg zur neuzeitlichen Wissenschaft leisten die Menschen auf Sinn Verzicht" [49]. Es ist ein Sinnverlust im doppelten Sinne: Durch zunehmende Rationalisierung des gesamten Alltagshandeln der Menschen verlieren diese mehr und mehr die Fähigkeit des ästhetisch-sinnlichen Fühlens [50] ; des weiteren scheint an dieser Stelle Krusekamp plausibel, der den Sinnverlust nicht durch den Verlust der Sinne und der Sinnlichkeit, sondern durch immer größer werdende Undurchsichtigkeit der Bedingungen und Zusammenhänge des menschlichen Lebens durch eine in ihren Spezialisierungen immer komplexer werdenden Gesellschaft definiert [51]. Es liegt die Vermutung nahe, daß dieser Verlust der sinnlichen Wahrnehmungsfähigkeit sowie die Zunahme der scheinbaren Undurchsichtigkeit der menschlichen Existenz, die ja kein Phänomen des 20. Jahrhunderts sind (anderenfalls wäre die europäische Aufklärung nicht in den uns heute bekannten Formen aufgetreten), ausschlaggebende Faktoren für das Auftreten der massiven, uns bekannten Templerrezeptionen sind. Wo kann eine Gemeinschaft von Menschen besser einen Zugang zu sinnlicher Erfahrung gewinnen, als dort, wo sie diese Erfahrung selbst schafft - in Geheimbünden, Logen und ähnlichen Organisationen? In diesen Gruppierungen können Werte, die weit entfernt von denen der Gesellschaft stehen (und das bewußt, nicht umsonst handelte es sich meist um Geheimgesellschaften), vermittelt und tradiert werden - Werte, die sich über eine allgemeingültige Moral hinwegsetzen, ihre Genese einer - vorsichtig ausgedrückt - teleologischen Geschichtsbetrachtung verdanken und die stets die Fähigkeit von sinnlicher Erfahrung implizieren [52].

Nicht umsonst beginnen sich ,,in Reaktion zur Aufklärung" [53] die freimaurerischen Großlogen mit dem Templererbe auseinanderzusetzen und Verschwörungstheorien zu entwickeln [54], nicht zufällig werden nun die Rosenkreuzermanifeste im Hinblick auf die Templer interpretiert [55] - es ist die Zeit, in der die ,Entzauberung` der Welt als Ideal postuliert wurde. Exemplarisch könnten James Andersons ,,Konstitutionsbuch" [56] von 1723 oder William Prestons ,,Illustrations of Masonry" [57] aus dem Jahre 1769 für dieses Phänomen genannt werden. Und eben diese Gruppen haben keine Schwierigkeiten, sich in Gegenwart und Zukunft zu präsentieren, größte Probleme jedoch bereitet ihnen, die Verbindung zu den Templern über einen Zeitraum von gut 400 Jahre hinweg herzustellen.

Doch wie Krusekamp treffend herausarbeitet, wirkt die Faszination des Sinnlichen nicht nur innerhalb einzelner kleiner Gruppierungen. Vielmehr handelt es sich um ein die gesamte Gesellschaft umfassendes Phänomen. Jene in der Zeit der Aufklärung aufkommende Sehnsucht nach (auch im weitesten Sinne) sinnlichen Erfahrungen entsteht nach Krusekamp durch die Unfähigkeit der Staaten der Aufklärungszeit, den Begründungsansprüchen ihrer Bürger zu genügen: Die ,,Legitimationsdefizite von Gemeinwesen sind mit der Gefahr einer propagandistischen Ausschlachtung mythischer Sehnsüchte verbunden" [58].

II.5. Mythenrezeption und Romantik

Die Durchsetzung aufklärerischer Gedanken wird seit jeher von einer Gegenbewegung, die im allgemeinen als ,Sozialromantik` [59] bezeichnet wird, begleitet. Eben diese Stimmung dürfte ein wesentlicher Faktor für die zunehmende Templerrezeption seit dem 17. Jahrhundert sein. Elias entwickelt diesen Begriff anhand der in der Aufklärung aufkommenden Ritterromantik [60], sein figurationssoziologischer Ansatz läßt sich auf die vorliegende Thematik anwenden. Schlüsselelement bei Elias ist der ,,Strukturwandel der Zwänge" [61]. Zwänge befinden sich in ständigem Wandel, indem sie auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren. Seine Theorie besagt, daß im Zuge von Wandlungen menschlicher Interdependenzen jedesmal die jeweils älteren gesellschaftlichen Formationen und Positionen, also auch die Zwänge, ihre gesellschaftlichen Funktionen verlieren. Die neueren Formationen hingegen verlangen von jedem einzelnen eine differenziertere Selbstkontrolle, um seine bisherige gesellschaftliche Position zu wahren. Oder um es einfacher zu sagen: Nach jeder Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung ist der Mensch größeren Zwängen ausgesetzt, um seine gesellschaftliche Position zu halten und sich gegen Andere abzugrenzen [62].

An diesem Punkt setzt das eigentümliche Phänomen der Romantisierung von absinkenden oder bereits untergegangener Formationen durch Vertreter einer späteren Entwicklungsstufe ein. Hauptsächlich kann man es bei gesellschaftlich gehobenen Formationen betrachten - hier trifft man wieder auf die Geheimgesellschaften und Logen, die sich durch ihre eigenen Zwangmuster von der Gesellschaft abgrenzen und die sich selbst auch als von der Gesellschaft abgehoben bezeichnen [63]. Der Verlauf der Geschichte ist die Zunahme des Selbstzwanges; deshalb erscheint der Blick zurück in die Vergangenheit als ein Blick auf ein freieres, ungezwungeneres und ursprünglicheres Leben.

So werden Werte idealisiert, die, so scheint es, in der aktuellen gesellschaftlichen Situation nicht mehr anzutreffen sind [64]. Diese Idealisierung äußert sich auf vielfältigste Weise, sei es durch Gründung von Gruppen, die ihr Leben nach bestimmten Regeln aufbauen, nach vermehrtem Aufgreifen von Quellen der jeweiligen romantisierten Epoche oder in der Schaffung von Symbolen und Zeichen, einer semiotischen Konotation des jeweiligen Ideals [65]. Auch Topitsch erklärt die Entwicklung des Mythos ähnlich wie Elias durch eine romantische Stimmung, die ,,jeden auf tragische Weise abgebrochenen Vorgang mit magischem Glanz und einen Hauch Nostalgie umgibt" [66], und der spätere Prozeß ist in jedem Fall eine solche Zäsur [67]. Symptomatisch dabei ist die Tatsache, daß die Anhänger dieser Romantisierung die Gegenwart als eine Verschlechterung der Vergangenheit ansehen und die Zukunft nur in der Wiederherstellung der besseren, reinen, also der idealisierten Vergangenheit liegen kann - einer Vergangenheit, die durch Idealisierung zwangloser erscheint [68]. Bei den Templerrezeptionen hört man viel vom hehren Einsatz der Tempelritter in den Kreuzzügen oder bei der Reconquista, viel vom großen Gemeinschaftsideal, von Frömmigkeit, Stolz oder Großmütigkeit, von ,,Weisheit und Kraft der Hingabe, gepaart mit Siegwillen, Weltentsagung und innere Glut, fruchtbar gesteigert im Ringe echter brüderlicher Gemeinschaft" [69] - sehr wenig allerdings von entbehrungsreichen Kämpfen unter sengender Sonne in Outremer, von Durst, Hunger, Enthaltsamkeit, von Querelen um die Großmeisternachfolge, von Geiz oder Arroganz [70].

Elias bezeichnet diese Tatsache als ,,Grundkonflikt der romantischen Erfahrungsformen" [71], und eben dieser begegnet uns bei den verschiedensten Templerrezeptionen [72].

III. Der Mythos der Templer

Nachdem das vorige Kapitel grundlegende Überlegungen zum Mythosbegriff enthielt, die auf die Templerrezeption anwendbar sind, stellt sich nunmehr die Frage, warum eine derartige Legenden- und Mythenbildung gerade um den Orden der Templer auftreten konnte.

Die Templer waren der erste christliche Ritterorden, doch blieben sie nicht der einzige.

Warum eignet sich aber der Stoff der Templergeschichte für die Bildung eines bis heute nicht nachlassenden Stromes von Spekulationen - wohingegen bei den Deutschordensrittern oder den Johannitern solch eine Entwicklung kaum zu verzeichnen ist? Es ist bei weitem nicht möglich, allen existierenden Spekulationen auf diesem Gebiet nachzugehen, selbst eine bloße Aufzählung aller Möglichkeiten, derer sich diverse Gruppen und Personen bedienen, um das Templererbe anzutreten, wird höchstwahrscheinlich niemals möglich sein - Geheimbünde, Bruderschaften und Logen - das Hauptklientel in der Templerrezeption - gedeihen nur in Abgrenzung zur Außenwelt [73], ihre Ansichten sind deshalb nur zu einem gewissen Teil deröffentlichkeit zugänglich (und die Quellen der Informationsvermittlung aus diesen Organisationen heraus sind oft mehr als fragwürdig). Es werden hier deshalb die Elemente des Templermythos dargestellt, welche mir - nicht zuletzt durch die Häufigkeit ihres Auftretens - am interessantesten erschienen; sie stehen nur exemplarisch für die vielen anderen, die aus o.g. Gründen nicht genannt werden können.

III. 1. Ursprünge der Mythos - und Legendenbildung

Schon seit der Gründung des Ordens gibt dieser Anlaß zu Spekulationen. Allein sein Charakter - ein Orden, der das Ritter- und das Mönchsideal vereint - grenzt für die christliche Gesellschaft an einen Skandal. Die streng voneinander getrennte und hierarchische Ordnung der Stände in Oratores, Bellatores und Laboratores, die sich Anfang des 12. Jahrhunderts endgültig durchzusetzen scheint, wird durch die Idee eines einzelnen Ritters, der sich um den Schutz der Pilger im Heiligen Land sorgt, und eine monastische Gemeinschaft mit ritterlichen und christlichen Idealen gründet, umgangen [74]. Ein Faktum, welches durch seine Innovation selbst Zeitgenossen merkwürdig erschien [75], zumal es für viele esoterische ,Forscher` zweifelhaft ist, ob Hugo de Payens und Bernhard von Clairvaux tatsächlich glaubten, daß mit neun bewaffneten Kriegermönchen die Pilger im Orient zu schützen seien [76]. Hier wird mit verschiedensten Spekulationen angesetzt, angefangen bei einem Schatz im Tempelbezirk von Jerusalem, zu dessen Bergung und Sicherung eine Elitetruppe gebraucht wurde [77], bis hin zu der zweifelhaften Theorie, die Templer seien ein Orden, von Bernhard ins Leben gerufen, um die Geheimnisse des Orients zu sammeln, zu archivieren und für die Kirche nutzbar zu machen (ähnlich wie die columbanischen Klöster die keltischen, die benediktinischen Klöster die abendländischen Geheimlehren aufbewahren würden! [78] ). Begründet werden diese abenteuerlichen Erkenntnisse nicht etwa mit Quellen, sondern mit dem Fehlen der Quellen - Baigent und seine Mitarbeiter beispielsweise stützen sich auf die Tatsache, daß die Bestätigung des templerischen Schutzauftrages in den Chroniken des angeblich sonst so peniblen zeitgenössischen Chronisten Fulcher von Chartres, der von diese Angelegenheit einfach gehört haben müsse, fehlt; sie gehen davon aus, daß es möglicherweise ein Verbot gab, über diese Dinge zu berichten, was nach ihnen auch erklären würde, warum die ersten Quellen über die Sendung des Hugo erst frühestens 60 Jahre nach der Gründung des Ordens erscheinen [79] / [80].

Hier greift die These von Krusekamp, die besagt, daß der Mythos nicht den Anfang protokolliert - wie sollte er auch, bei der momentanen Quellenlage - sondern daß er die Geschichte des Anfangs aus der Gegenwart heraus erzählt und somit notwendigerweise das tatsächliche Geschehen verfälscht [81].

Ein weiterer Aufhänger spekulativer Ideen ist der kometenhafte Aufstieg der Templer. Eine so rasante eigenständige Entwicklung hält Bos nicht für möglich, er geht davon aus, daß der Orden schon vor 1120 existierte, Bernhard auch davon gewußt, ihn möglicherweise selbst ins Leben gerufen habe, und den Templern nur zur Anerkennung verholfen hätte, um eine große Mission zu erfüllen. Über die Art dieser Mission hüllt sich Bos allerdings in Schweigen, gelegentlich geht die Rede vom ,Heiligen Gral`, doch legt er sich nicht fest [82]. Festzuhalten wäre jedoch, daß diese Theorie, von Rudolf Steiner ebenso vertreten, Grundlage für die Behandlung des Templerthemas in der Anthroposophie und der Theosophie wurde [83]. Nach den Untersuchungen Bulst-Thieles jedoch stand Bernhard dem Orden anfangs recht skeptisch gegenüber [84], was gegen die Mutmaßung der Ordensgründung durch seine Hand spricht.

III.2. Die Templer in Outremer bis zum Fall der Kreuzfahrerstaaten

Die Aura des Geheimnisvollen, von der die Templer umgeben werden, ist zu einem großen Teil auf die Verbindung des Ordens mit dem Orient zurückzuführen. Gegründet zum Schutz der Pilger im Heilige Land, liegen seine ursprünglichen Betätigungsfelder im Königreich Jerusalem, einem Teil der Welt, der die europäische Bevölkerung durch die enormen kulturellen und religiösen Unterschiede [85] stets zu Spekulationen anregte. Diese Fremdartigkeit der Region, die sich auf den Orden übertrug, sollte ihm letztendlich auch im Prozeß zum Verhängnis werden [86].

Immer wieder wurden über das Verhältnis der Templer mit den Sarazenen eine Vielzahl von Vermutungen angestellt. Beispielsweise beschuldigt sie der König von Armenien, sich um 1200 an den Sultan von Aleppo verkauft zu haben - allerdings in einer Zeit, als der König exkommuniziert ist und er sich mit den Templern um die Besitzungen in Armenien streitet [87].

Nicht alle Vorwürfe sind so weit hergeholt wie dieser, ist es doch nachvollziehbar, daß ein Orden, der fast 200 Jahre im Orient lebt, nicht nur militärischen Kontakt zu den Einheimischen hat, ja daß es sogar überlebenswichtig ist, das Wissen der Moslems - in Medizin, Orientierung, Umgangsformen mit der Bevölkerung - zu lernen und anzuwenden. Viele Templer sprechen die arabische Sprache, der Orden unterhält wie alle Kreuzritterheere Turkopolenregimenter, er ist auf die Hilfe einheimischer Spione angewiesen. Es ist bekannt, daß es diplomatische Verträge mit den Sarazenen gab, doch wie weit diese gingen, liegt im Dunkeln, und die Templer legten darüber auch keine Rechenschaft ab [88]. Neuankommende Kreuzritter sind oft erstaunt, wenn nicht gar entrüstet über die Gewohnheiten der Templer im Umgang mit dem ,Feind` - viele Berichte heimgekehrter Kreuzfahrer erzählen von friedlichem Zusammenleben von Templern und Sarazenen - doch sollte man diese Eintracht eher als Mittel zum (Über-)Leben in Outremer, aber auch als Repräsentation ritterlicher Tugenden ansehen, als den Orden zu Verbündeten der Moslems zu machen [89].

Man möchte hier mit Erbstösser übereinstimmen, der postuliert, daß die Templer die Gruppe in der europäischen Ritterschaft bildete, die wegen ihrer militärische Stärke von den Sarazenen am meisten gehaßt und gefürchtet wurde, ,,...denen sie weder Gnade gewährten noch [ von ihnen ] erwarteten" [90] ; von den Muslimen wurde der Orden als Bedrohung empfunden und dieser trug ständig dazu bei, dieses Bild zu festigen. Die Wertung Charpentiers, die Templer hätten eher Siedlercharakter, sie würden die ,Eingeborenen` verstehen und deren Gefühle und Glaubensgrundlagen nicht verletzen wollen [91], ist sicher nicht unbedingt realistisch, sind die Templer doch aus der Kreuzzugsmentalität heraus entstanden, doch er hat recht, wenn er postuliert, daß zum Verständnis der Völker ständiger Umgang mit ihnen notwendig ist und das die Tempelritter als eine das Land kennende Institution den Pilgern große Dienste geleistet haben werden [92].

Die Beschuldigungen, die Templer könnten verkappte Moslems sein oder sie seien auf dem Weg zu einer Synthese zwischen Juden, Christen und Moslems [93], sind in keiner Weise haltbar.

Auch eine Verbindung der Templer mit den Assassinen, einer ebenfalls kämpfenden und religiösen Vereinigung der Ismaeliten [94], wird immer wieder gesucht. Es ist sicher richtig, daß es zwischen diesen beiden Gemeinschaften mehrere Gemeinsamkeiten gab, doch diese ergaben sich zum großen Teil zwangsläufig aus der Form ihres Zusammenlebens als Kämpfer für eine Religion. Die Assassinen werden für diejenigen interessant, die die Templer mit gnostischem Denken in Verbindung bringen wollen. Eine Erklärung, wie die Templer an gnostische Schriften gelangt sein könnten, sei der Weg über die Assassinen. Diese seien im Besitz gnostischer und apokrypher Texte gewesen, ein Botschafter Ludwig des Heiligem hätte diese betrachten können [95].

Es ist anzunehmen, daß die Templer während ihres Bestehens in Jerusalem tatsächlich mit den Assassinen und anderen Elementen der orientalischen Kultur in Berührung traten, Verhandlungen mit den Muslimen werden allenthalben bestätigt [96], und es stellt sich hier auch nicht die Frage, ob oder in wie weit sie von diesen beeinflußt wurden: Die bloße Vorstellung über diese Kontakte ist ausreichend, um den Templern den Nimbus des Undurchschaubaren aufzusetzen [97].

III.3. Der beneidete Orden

Nachdem die Belagerung Damaskus' im zweiten Kreuzzug, die mit Hilfe der Templer durchgeführt wurde, fehlschlug, häuften sich die ohnehin schon recht laut werdenden Anschuldigungen an den Orden. In Europa schürten sein unaufhörliches und rasantes Wachstum sowie die überragenden Privilegien Neid und Feindschaft, ,,nicht ohne eigene Schuld, da die Templer oft hartnäckig auf ihre Privilegien bestanden" [98]. Am 29. März 1139 veröffentlichte Innozenz II. die Bulle ,Omne datum optimum`, in der er alle im Laufe der Zeit von den Templern errungenen Privilegien, Vorrechte und Exemtionen zusammenfaßte [99]. Das wohl wesentlichste darin enthaltenen Element war die Entziehung der bischöflichen Weisungsgewalt über den Templerorden, in erster Linie bedeutsam für die Beziehung des Ordens zum Patriarchen von Jerusalem, und die damit gleichzeitige direkte Unterstellung unter den Schutz des Papstes. Diese Regelung implizierte weiterhin, daß nur der Orden selbst über die Wahl seines Großmeisters entschied, die ordensinterne Struktur nur von den Templern oder vom Papst modifiziert werden durfte, die Templer - nun offiziell - eigene Priester einsetzen konnten und von der Abgabe des Zehnten befreit wurden, letzteres jedoch nur unter großem Zorn des Säkularklerus [100]. Mit der Bulle ,Militia Dei`, veröffentlicht im April 1145, wurden diese Privilegien noch erweitert: Den Templern wurden eigene Friedhöfe zugestanden [101].

Unter Coelestin II. wurde schließlich erwirkt, daß die Templer und das Umfeld des Ordens vom Interdikt oder der Exkommunikation ausgeschlossen wurden.

Mit diesen Vollmachten und Privilegien ging der enorme Reichtum der Templer einher. Als Hugo de Payens nach seiner ersten Werbereise für den Orden Frankreich wieder verließ, hatte er so viele Schenkungen erhalten, daß er einige seiner neu rekrutierten Männer zur Verwaltung dalassen mußte [102]. In der Tat - es wäre an dieser Stelle kaum möglich, alle Schenkungen aufzuzählen, es handelt sich um Ländereien, Grundstücke, Geld, Reliquien, aus den bedeutendsten Familien Europas, aber auch von alltäglichen Pilgern [103]. Man schenkte für das eigene Seelenheil und der Vergebung der Sünden, mit einer größeren Spende konnte man auf einem Templerfriedhof in weißes Tuch gehüllt mit einem roten Kreuz versehen bestattet werden - eine sehr begehrte Zeremonie [104].Aber Auch die Unterstützung der Kreuzzüge war ein häufiger Grund für Schenkungen [105].

Sehr schnell versuchten die Templer, ihre erworbenen Ländereien durch Tausch, Erwerb und Veräußerung einem einheitlichen Besitz zusammenzufassen und auf ihrem Grund weitestgehend Autonomie zu erreichen, also auch die Rechte Dritter anzukaufen [106]. Fest steht, daß die Templer als unermesslich reich galten und zeitgenössische Kritiker wie etwa Matthäus Paris die Templer als einen im Luxus lebenden, verschwenderischen Orden beschrieben [107]. Umsomehr erstaunt war man, als man nach der Verhaftung der Templer keinerlei Hinweise in den Güterverzeichnissen fand, die solch einen extravaganten Lebensstil auch bestätigten. Der Reichtum wurde genutzt, um die Brüder in Jerusalem zu versorgen, eine überaus kostspielige Angelegenheit [108].

Neid kam den Templern allenthalben entgegen. Obwohl ihr Orden nicht der einzige reiche und privilegierte war - Johanniter und Deutschordensritter zogen in den meisten Punkten recht schnell nach - so war er doch meist der Erste, der ein neues Privileg zugestanden bekam [109]. Und im Gegensatz zu seinen Bruderorden war der Templerorden keinerlei kostspieligen caritativen Aufgaben verpflichtet - und machte auch keinen Hehl daraus, die Armen- und Krankenpflege als nebensächlich abzutun [110].

Reichtum und Privilegien - beides besaßen die Templer - in den Augen der Zeitgenossen übermäßig und unvorstellbar viel - und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß sich Legenden und Geschichten entwickeln; von Templerreichtum zum Templerschatz ist es nur ein kurzer Weg.

III.4. Das Geheimnis der Templer

III.4.1. Der Templerschatz

Der ominöse Templerschatz ist sicher das esoterische Gemüter am häufigsten bewegende Element der Templergeschichte. Die individuelle Bedürfnislosigkeit, die die Regel dem einzelnen Ritter vorschrieb, ging mit einem ungeheueren kollektiven Reichtum einher.

Ausgehend von diesem Reichtum entstand die Theorie, daß es eine andere Quelle für das Vermögen des Ordens geben müßte als die Schenkungen allein. Die Templer wurden deshalb u.a. mit dem Stein der Weisen, der alchemistischen Kunst des Goldmachens, in Verbindung gebracht [111]. Des weiteren gibt es Annahmen, daß die Templer beim Graben in den Ställen des Tempels in Jerusalem den Lageplan eines Schatzes, von dem angeblich auch die ,Qumran- Rollen` sprechen, gefunden haben und durch die Hebung dieses Schatzes ihren Reichtum aufbauten [112].

Die Tatsache, daß nach der Verhaftung das Auffinden eines riesigen Vermögens ausblieb, führte zur Theorie, daß der Schatz der Templer hauptsächlich aus Schuldverschreibungen bestand, nicht zuletzt aus Schulden Philipps des Schönen, womit auch eine Intention Philipps zum Eröffnen des Prozesses gefunden wäre [113].

Es existieren auch Spekulationen, wonach die Templer noch kurz vor ihrer Verhaftung Vermögen auf Karren aus Paris in Sicherheit brachten [114]. Selbst die Auslagerung eines Schatzes in den katharischen Süden von Frankreich - einer Region, in der das Ansehen der Krone durch den Albigenserkreuzzug sehr gelitten hatte - beispielsweise nach Rennes-le- Château [115], wird nicht ausgeschlossen [116].

Ein interessante Erklärung, warum nach der Verhaftung der Templer der Fund des großen Schatzes ausblieb, führt Demurger auf, der zu bedenken gibt, daß die Schenkungen, die den Orden so reich machten, nicht in Regelmäßigkeit und gleichbleibender Intensität auftraten - mit der Krise des Kreuzzugsgedankens gingen auch die Schenkungen an die Ritterorden zurück [117]. Der Schatz - also der sagenumwobenen Reichtum - konnte also nicht gefunden werden, weil es ihn -möglicherweise nicht mehr gab, da die Templer durch das Absinken der Schenkungen im Laufe des 13. Jahrhunderts einen erheblichen Teil davon einbüßten [118].

Der Blick des Betrachters wird jedoch in eine andere Richtung gelenkt, wenn er sich den Spekulationen derer annimmt, die den Schatz der Templer nicht in ihrem Vermögen sehen, sondern in einem sehr viel wertvolleren, von dem Orden gehüteten Geheimnis vermuten.

III.4.B. Das Templergeheimnis

Es ist in der esoterischen Literatur schon fast ein Gemeinplatz geworden, die Templer mit einem Schatz, der mehr ist als nur angehäufter materieller Reichtum, in Verbindung zu bringen [119].

Bekräftigt wurden die Spekulationen über ein Templergeheimnis durch die Abgeschiedenheit, ja durch die strikte Trennung, die von den Templern gegenüber ihrer Umwelt, gerade in Europa, ausging.

Der Tempelbezirk in Paris war, so formuliert Hauf, ,,der sicherste Ort Frankreichs" [120]. Selbst Philipp hatte noch 1305 in seinen Mauern Zuflucht vor der aufgebrachten Pariser Bevölkerung gesucht, als seine Soldaten ihn nicht mehr zu schützen vermochten [121].Ohne päpstliche Erlaubnis durfte niemand in den Templerbezirk eindringen [122],der in seinen Mauern und im angrenzenden Land alles beherbergte, um ein autonomes Leben zu ermögliche: eine Kirche, eine Mühle, immer wieder wurden Grundstücke abgesteckt, um neue Häuser zu errichten [123]. Das Abgrenzen der Templer von der Außenwelt ging bis zu ihren Regelung ihres Begräbnisses. So wurden verstorbene Tempelritter stets anonym und ohne prunkvollen Grabschmuck, nur mit ihrem Schwert und den Ordenssymbolen (dem Tatzenkreuz, Harnisch, dem Beausseant - der Ordensstandarte) bestattet [124]. Diese Isolation bot einen Nährboden für Gerüchte, die mit der Bewahrung eines Geheimnisses, daß alle Vermutungen übertreffen sollte, verknüpft waren. Doch was sollte dieses Geheimnis nun beinhalten? Die Theorien darüber gehen in ganz unterschiedliche Richtungen. Der ,Stein der Weisen`, der Wunschtraum der Alchemisten und Hermetiker, den die Templer angeblich gefunden hätten, um damit ihren ungeheurer Reichtum zu begründen, wurde bereits erwähnt [125].

Den Templern wird jedoch auch nachgesagt, in die Sage um den heiligen Gral verwoben zu sein [126]. Bei dem die Stoff des heiligen Grals handelt es um eines der im 12. Jahrhundert aufkommenden Ritterepen, das eine Synthese aus Elementen des frühen Christentums, keltischer Mythologie und Anklängen an orientalische Traditionen darstellt [127]. Der heiligen Gral wird als ein Gegenstand beschrieben, der geheimnisvolle Kräfte besitzt, die aber in unterschiedlicher Weise interpretiert werden. Er zieht die besten Ritter der Christenheit an, die ab diesem Moment kein anderes Ziel mehr haben, als diesen zu suchen, wiederzufinden oder zu schützen [128].

Die geläufigste und für die Beschäftigung mit den Templern relevante Variante der Gralssage stammt aus der Feder des Wolfram von Eschenbach, eines Zeitgenossen der Templer [129], der dadurch sofort zum ,Eingeweihten` in das große Geheimnis wird [130]. Bei ihm sind die Hüter des Grals die Templeisen [131]. Sie werden auf sehr merkwürdige Weise gerufen, den von einem Engel auf die Erde gebrachten Gral zu verteidigen, indem ihr Name für kurze Zeit auf einem Stein erscheint. Warum Eschenbach gerade die Tempelritter zu den Gralshütern bestimmt, ist nicht genau zu sagen. Tatsache ist jedoch, daß er zur Zeit des Wirkens der Templer den Orient besuchte, den Orden dort also in seiner alltäglichen Situation beobachten konnte [132]. Möglich wäre deshalb, das ihn die Templer in Jerusalem einfach derart beeindruckten, daß er sie zu den Hütern des Grals erhob. In einer anderen Version der Gralssage aus dem Ende des 12. Jahrhunderts, dem ,Perceval` von Chrétien de Troyes, tauchen die Templer jedenfalls nicht auf. Freimaurerischen Logen genügt es jedoch, daß Parcival bei Chrétien de Troyes als ,Sohn der Witwe` bezeichnet wird und daß dieser Topos im freimaurerischen Vokabular auftritt, um eine Verbindung zwischen dem Gral, den Templern und der Freimaurerei herzuleiten [133].

Außerdem erhielt Chrétien de Troyes angeblich finanzielle Unterstützung von Marie de Champagne, einer Halbschwester des den Templern freundlich gesonnenen Richard Löwenherz aus erster Ehe seiner Mutter mit dem französischen König [134] - ein weiteres Argument für die Verknüpfung von Gral und Templern - das jedoch nur unter Aufbietung von sehr viel Phantasie schlüssig erscheint.

Auch in der letzten bedeutenden Gralsversion, dem ,Jüngeren Titurel` von Albrecht von Scharffenberg, entstanden um 1270, werden immer wieder Anklänge an die Templer ausgemacht. Der Autor befaßt sich in diesem Werk ausgiebig mit der Architektur der Gralsburg Munsalvaesche [135]. Besonders auffällig ist die permanente Bezeichnung der - auf einem oktogonalen Grundriß errichteten ! - Burg als ,Tempel` [136]. Die Burg wird sehr detailliert beschrieben, die Anzahl der Bauelemente, der Türme, Fialen, Fenster, Eingänge etc. exakt benannt. Durch diese Aufzählungen werden kabbalistische Zahlendeutungen möglich [137]. So kann die Anzahl der Türme auf der Burg - von Albrecht werden 36 gezählt - nach kabbalistischer Zahlenmystik als Synonym für die Weltseele gesehen werden. Des weiteren werden die Turmspitzen der Gralsburg als von kristallenen Kreuzen und darauf sitzenden Adlern bekrönt beschrieben. Auch die Großmeister des Templerordens führten den auf einem Kreuz sitzenden Adler in ihrem Siegel - für viele Esoteriker ein weiteres verbindendes Element zwischen den Templern und dem Gral [138].

Wie auch immer - die Tatsache, daß der Gral noch nicht einmal genau definiert werden kann [139], er also selbst Ausgangspunkt für Mythenbildung ist, macht ihn zu einem geeigneten Gegenstand, ihn in den Templermythos einzuflechten.

Ein Geheimnis ganz anderer Art begegnet uns bei der Beschäftigung mit dem heute noch existierenden Orden der ,Prieuré de Sion`, einer sehr obskuren Gemeinschaft, der Baigent und seine Coautoren jedoch nähergekommen sein wollen [140]. Dieser Orden gibt vor, seit dem 11. Jahrhundert eine Konstante in der Kirchengeschichte zu sein und bei der Gründung des Templerordens mitgewirkt zu haben. Sie verstehen die Templergeschichte als einen Teil ihrer eigenen Historie, der Orden sei gewissermaßen nur ein Intermezzo in ihrer eigenen Geschichte. Beweise für diese recht waghalsige Theorie sollen sich in den sogenannten ,Dossiers Secrets` befinden, einer unedierten, weil meist unzugänglichen Sammlung diverser Dokumente von unbekannter Herkunft in der Pariser Bibliothèque Nationale [141]. Im Rahmen dieser Arbeit war es leider nicht möglich, die Existenz dieser Dossiers zu überprüfen - doch die Tatsache, daß sie nur bei Baigent und seinen Mitarbeitern, jedoch nicht in einem Werk der im Literaturverzeichnis aufgeführten Arbeiten, Erwähnung finden [142], läßt an der Authentizität dieser Dokumentensammlung zweifeln.

Viele obskure Theorien werden angeblich in diesen Dossiers genannt: Die weitreichendste besagt, daß die Merowingerdynastie nicht ausgestorben sei, da Dagobert II., der letzte Merowingerkönig, einen Nachfolger - Siegebert - gehabt haben soll, der bei dem Anschlag auf Dagobert - der das Ende der Merowingerdynastie darstellt - entgegen der Meinung der Historiker gerettet wurde und die Familie der ,Plantard` gründete, die damit die eigentliche französische Königsfamilie wäre. Des weiteren wird über problematische genealogische Beziehungen eine Verbindung von den Plantards zu Hugo de Payens, dem Gründer des Templerordens gezogen, womit die Templer ein Orden der rechtm äß igen französischen Krone wäre - ein Anhaltspunkt für das massive Vorgehen Philipps des Schönen gegen die nunmehr sehr starken ,rechtmäßigen Thronfolger` [143].

III.5. Kunst, Architektur und Symbolik der Templer

III.5.A. Die Templer und die Baukunst

Die bisher fast ausschließlich von der Kirche dominierte abendländische Kunst erfährt im 12. Jahrhundert eine maßgebliche Zäsur. Von der Ile de France ausgehend breitet sich die Gotik als eine neue Strömung in der bildenden Kunst und der Architektur aus. Die Kunstgeschichte bietet mehrere Erklärungsansätze für die äußerst rasche und weite Verbreitung dieser Stilrichtung an, allen gemeinsam aber ist die Annahme einer Übernahme von in Europa bisher unbekanntem orientalischen Wissen über Technik, Geometrie oder Materialkunde [144]. Des weiteren wird die Entwicklung der Gotik auch stets mit den großen Entfaltungsmöglichkeiten der monastischen Gemeinschaften im Frankreich des 12. Jahrhunderts in Verbindung gebracht [145]. So ist es zu den Templern nur ein kleiner Schritt. Lincoln und seine Mitarbeiter vermuten eine Verbindung der raschen Entwicklung des Zisterzienserordens und des kometenhaften Aufstiegs der Templer in einem größeren Maße, als es die momentanen Forschungen bestätigen können - die waghalsige Herleitung dieser Verknüpfung soll an dieser Stelle unberücksichtigt bleiben - und stellen eine Überlieferungslinie von den sich im Orient aufhaltenden Tempelrittern nach Europa dar. Dem Autorenteam zufolge sei die Entwicklung der Gotik maßgeblich durch Überlieferung des Wissens durch die Templer und dessen Nutzung durch die Zisterzienser zu erklären [146]. Die Tatsache, daß das Bauelement des Rippenbogens zuerst in der Herkunftsregion der Templer, der Champagne auftritt, veranlaßt auch Sippel, die Entstehung der Gotik mit den Templern zu verknüpfen [147]. Es wird jedoch vernachlässigt, daß die neue gotische Stilrichtung ihre Wurzeln nicht nur in neu erworbenem morgenländischen Wissen, sondern auch in der Wandlung der geistigen Haltung [148] oder der Beziehung der Kirche zur französischen Krone hat [149].

Wie groß auch immer der Einfluß der Templer auf die Entwicklung der Gotik tatsächlich gewesen ist, ist zweitrangig - der wesentliche Punkt ist, daß die Templer, und nicht etwa die Deutschordensritter oder pilgernde Bauleute (die es häufig gab) mit der Innovation der Kunst in Europa in Verbindung gebracht werden.

Die Bedeutung des Ordens für die Baukunst des Mittelalters ist ungeachtet der Spekulationen zu deren Einflußnahme auf die Gotik nicht zu unterschätzen. Zum einen sind einige der o.g. Thesen nicht völlig von der Hand zu weisen, da man eine ideelle Beeinflussung der Templer durch Bernhard von Clairvaux nicht abstreiten können wird [150], sowie die Impulse der Zisterzienser für die weitere Entwicklung künstlerischer Gestaltungsformen von grundlegender Bedeutung sind [151]. Zum anderen existiert eine Vielzahl von Zeugnissen templerischer Baukunst im Orient und in Europa, die in der Tat entscheidende Neuerungen aufweisen. Die Bauten der Ritterorden in Outremer mußten sich, bedingt durch ihre Aufgabe, von europäischen Bauwerken durch ihre Dimensionen unterscheiden: Die Außenmauer der Johanniterfestung Krak de Chevalier besaß beispielsweise eine Länge von rund 500 Meter [152]. Sie war eine der größten Burgen im Orient, doch die Templerfesten Saphet, Sidon, Tortosa und Athlit standen ihr nur um weniges nach [153]. Diese monumentale Bauweise führten die Orden in ihren Bauten in Europa fort, vor allem dort, wo sie militärische Aufgaben zu versehen hatten [154]. Der deutsche Orden engagierte sich nach dem Verlust des Orients im Baltikum als Bauherr, die Johanniter auf Rhodos und Malta, die Templer hingegen errichteten ihre Bauwerke hauptsächlich in Mitteleuropa [155] (die Burg Tomar sei wegen ihrer Monumentalität an dieser Stelle aufgeführt) - ihre Architektur war ihren ,Erben` alltäglich vor Augen, was diese zu ihren Spekulationen angeregt haben mag. Und in der Tat gab es viel zu deuten: Allein der bei den Templern auftretende Typus des achteckigen Zentralbaues war in Europa eine Rarität. Doch es gibt keine schlüssigen Beweise für beispielsweise eine kabbalistische Deutung des oktogonalen Grundrisses durch die Templer selbst, so sehr es sich esoterische Forscher auch wünschen [156]. Demurger führt den Autor Violet-le-Duc an, der die Zahl acht kabbalistisch mit Wiedergeburt und Erneuerung interpretiert, um den Faktor der Kontinuität des Templerordens zu untermauern [157].

Der Nimbus des Innovativen - und damit des mythischen - wird den achteckigen Templerkirchen schon allein dadurch genommen, daß es schon vor der Gründung des Ordens beispielsweise in Laon Kirchen mit oktogonalem Grundriß gab [158]. Im übrigen waren die Templerkirchen und -kapellen üblicherweise von schlichter Gestalt [159], mit viereckigem Grundriß, ohne Ausschmückungen und Verzierungen [160]. Dennoch werden oktogonale Zentralbauten mit den Templern gleichgesetzt - auf einer Illustration einer französischen Chronik von 1493 wird die Auflösung des Ordens mit einem brennenden, achteckigen Turm illustriert [161]. (Abb.1)

Auch den ,Tempel des HErrn` oder die Grabeskirche als Vorbild für die Templerkirchen zu benennen und sich dabei auf die geheime Alchemie der Zahlen zu berufen (ebenfalls geschehen bei Violet-le-Duc [162] ), entbehrt jeder Beweisführung [163]. Kabbalistik, Zahlenmystik, muslimische Kunst: Esöffnet sich ein weites Feld an Mutmaßungen, ist der erste Schritt erst einmal gegangen, die Templer (wie in Abschnitt III.2. beschrieben) mit den mythischen Vorstellungsweisen, die ihren Ursprung im Orient hatten und Stück für Stück nach Europa drangen, in Verbindung zu setzen. Doch gleichgültig, ob sich die Templer an urchristlicher Architektur orientierten, ob eine dreifache Burgbegrenzung esoterische Bedeutung hat - die Templer besaßen außerordentlich gute Baumeister und leisteten einen wichtigen Beitrag in der Architekturgeschichte [164].

III.5.B. Die Symbolik des Ordens

Nicht nur die Baukunst der Templer, auch ihre übrige Symbolik ist Auslöser für Mythenbildung. Selbst das Weiß der Ordensmäntel ist für diverse Spekulationen ein Ausgangspunkt geworden: Die Rosenkreuzer machen ihre Identität als Templernachfolger u.a. daran fest, daß in der ,Chymischen Hochzeit` des Christian Rosenkreutz [165], eine der Urschriften rosenkreuzerischen Gedankengutes [166], ,,zwei Knaben mit hellen Fackeln, in schneeweiß glänzenden Kleidern" auftreten [167]. Warum allerdings in der Darstellung von Frommel diese Gewänder sofort mit dem ,,Weiß der Templer" [168] identifiziert werden, verrät der Autor in seinen Ausführungen leider nicht - seine Schlußfolgerung ist so zwingend nicht, denn auch die Deutschordensritter waren mit weißem Mantel ausgestattet [169]. Auch fehlt ein Hinweis darauf, daß die weiße Chlamys von den Templern selbst als ein Symbol für die Ordenstracht der Zisterzienser betrachtet wurde [170], und nicht etwa auf esoterische Anschauung zu beziehen ist. Vielmehr liegt es auf der Hand, worauf die Gewandung des Templerordens tatsächlich zurückzuführen ist - durch sein Aussehen symbolisiert der ungefärbte und -veredelte Habit, der aus bleichem Tuch gemacht wird, das Armutsideal des Ordens, was u.a. auch durch den Artikel 17 der Templerregel belegt ist [171]. Bis heute ist das weiße Gewand ein Bestandteil der Kleiderordnung aller ,neotemplerischen` oder sich auf angeblich templerisches Gedankengut stützenden Gruppierungen [172]. Zu einem wichtigen Element erwächst in der Rezeptionsgeschichte des Ordens auch das Kreuz auf dem Mantel der Templer, das jedoch in keiner ihrer Regeln Erwähnung findet.

1147 gewährte Papst Eugenius III. den Templern, ein rotes Kreuz auf der linken Schulter zu tragen: das Tatzenkreuz [173]. Viel gäbe es über die symbolische Bedeutung des ,Kreuznehmens` zur Zeit der Kreuzzüge zu sagen, doch für die Rezeption der Templergeschichte nehmen solche Überlegungen eine eher untergeordnete Rolle ein. Viel entscheidender ist, daß nach der Auflösung des Ordens fieberhaft nach Tatzenkreuzen gesucht wurde, um sein Fortbestehen zu beweisen. Beispielsweise findet sich ein solches Kreuz an der Leiche des Viscount of Dundee, John Claverhouse, der 1689 in der Schlacht von Killiecrankie fällt [174]. Ein Glücksfall für Mysterienjäger: Einerseits dient ihnen das Kreuz als ein Beweis für den Fortbestand des Templerordens, zum anderen bekräftigt es die Theorie, daß Schottland tatsächlich der Ort ist, an dem das Weiterleben nach der Bulle ,Vox in excelso` möglich war. Somit läßt das Tatzenkreuz des Viscount of Dundee die Gründungslegenden einiger freimaurerischer Logen glaubhafter erscheinen [175].

Nicht nur die Freimauer, auch andere Gemeinschaften suchen überall nach Tatzenkreuzen und sehen deren Auftreten als einen Beweis für die Fortführung des Ordens und somit ihrer Legitimation an. Auch beispielsweise Baron von Hund, der Gründer der legendären ,Strikten Observanz`, benutzt das massive Auftreten templerischer Kreuze in Verbindung mit freimaurerischen Symbolen in Argyll in Schottland oder auf einem Friedhof in Balantrodoch/Temple, um seine freimaurerisch beeinflußte Loge in die Templergeschichte einzugliedern [176].

Ein weiterer wichtiger Gegenstand freimaurerischer Templerrezeption ist der Abakusstab, das Attribut des jeweiligen amtierenden Großmeisters des Ritterordens. Der Abakus als Deckplatte einer Säule, auf dem Kapitel aufliegend und den Architrav stützend, ist bereits ein Element der griechischen Säulenordnug seit dem Aufkommen der dorischen Säule [177]. Aus dieser Bedeutung heraus schließt Sippel, daß es sich bei dem Abakusstab, seiner Meinung nach der ,,Stab der Meister aller Baumeister" [178], um ein weiteres Zeichen der Beeinflussung der europäischen Architekturgeschichte durch die Templer handelt (siehe dazu Abschnitt III.5.A), und die Freimaurerei einen direkten Ursprung in den Templern und deren Baumeistern hat.

Eine weitere für das Wesen der Templerrezeption typische Geschichte bringt hingegen Hauf mit dem Meisterstab in Verbindung. Am Anfang steht die Nachricht, bei der Verhaftung der Templer in Paris sei ein silberner Frauenkopf gefunden worden. Diesen verknüpft Hauf mit einer Legende über Gerbert von Aurillac: Der große Gelehrte habe eine ,Rechenmaschine` in Form eines silbernen Kopfes erfunden, die auf alle seine Fragen mit ,Ja` und ,Nein` antworten konnte. Auf die Frage, welcher Mechanismus dieses Wunderwerk steuere, soll er deren Funktion nur auf das Auftreten zweier Zahlen gegründet haben. Mythenjäger und Esoteriker wollen hierin das erste Auftreten einer Rechenmaschine, die auf dem Dualsystem basiert, sozusagen einen Prototyp des ersten Computers, erkannt haben [179]. Die Vermutung, Gerberts Erfindung sei in Form des Pariser Frauenkopfes in die Hände der Templer gelangt, soll zusätzlich dadurch gestützt werden, daß die ersten mechanischen Rechenmaschinen den Namen ,Abakus` tragen [180]. Selbstverständlich wird diese Bezeichnung nun von dem Meisterstab der Templer hergeleitet! Auch hier werden Wahrscheinlichkeiten und Nachweise außer Acht gelassen, um die Rechenmaschine Gerberts über verschlungene Pfade mit dem Abakusstab der Templergroßmeister zu verbinden. Und die Beschäftigung mit der Frage, ob die Templer möglicherweise einem ,Kopfkult` anhingen [181], wird mit dem Auftreten des ,Baphomet` bei den Verhören im Templerprozeß wieder aktuell [182].

Von solcherart Überlegungen (von populärwissenschaftlichen Autoren wie beispielsweise Baigent oder Lincoln) ausgehend, werden die Templer zu Hütern eines Geheimnisses von ungeahnter Dimension, eines Weltgeheimnisses [183] - für Okkultisten und Esoteriker sicherlich eine großartige Vorstellung. Die Tradierung dieses Geheimnisses bis in die heutige Zeit oblag und obliegt den Templern und ihren selbsternannten Nachfolgern.

Zum Verhängnis sollte den Templern ihre Darstellung auf einem Siegel werden (Abb.2). Der Sachverhalt ist bekannt und wird oft erzählt: auf der Rückseite eines Templersiegels sind zwei Templer mit eigenen Lanzen, jedoch nur auf einem Pferd dargestellt. Mitnichten mußten die Ritter, die Nachtlager und Eßgeschirr teilten [184], auch das Pferd mit einem Bruder zusammen nutzen. Das Pferd bildete ein wesentliches Element des Ritterordens, neben seiner essentiellen Bedeutung für den Kampf legte es auch die Hierarchie unter den Templern fest. Jeder Ritter besaß vier Pferde, beim Großmeister kam noch ein turkomanisches hinzu [185]. Zum Zeitpunkt des Prozesses allerdings wurde die Darstellung der zwei hintereinander sitzenden Brüder als homoerotische Anspielung ausgelegt, die Anklagepunkt der Sodomie wurde mit diesem Siegel untermauert [186]. Am schlüssigsten erscheint, die Darstellung als ein Zeichen für das enge, monastische Zusammenleben der Brüder der Armen Ritter des Salomonischen Tempels zu deuten [187].

Diese Aufzählung jener Symbole, die den Anlaß für zum Teil merkwürdigste Spekulationen gaben und geben, ist bei weitem nicht vollzählig, sie soll lediglich einen Eindruck über die verschiedensten Interpretationsmöglichkeiten der Templersymbolik vermitteln.

III.6. Der Untergang der Templer

III.6.A. Der Orden nach der Niederlage im Orient

Der Fall von Akkon im Jahr 1291 stellt in der Ordensgeschichte eine Zäsur dar, die sich im weiteren Verlauf als schicksalhaft entpuppen sollte. Demurger geht sogar soweit, ihn als das ,Todesurteil` für die Templer zu bezeichnen [188]. Die Bruderorden der Johanniter und der Deutschordensritter, die ebenso vom Verlust des Orients betroffen sind, haben sich im Unterschied zu den Templern neue Aufgabenfelder gesucht. Nachdem sich die Deutschordensritter in Preußen niedergelassen haben, errichten auch die Hospitaliter nach der Eroberung von Rhodos im Jahre 1306 ein theokratisches Fürstentum [189]. Doch wo sollen sich die Templer niederlassen? Im Jahr der Eroberung Rhodos` durch die Johanniter unterstützen die Templer die Revolte König Amalrichs gegen seinen Bruder Heinrich von Zypern. Spekulationen, die Templer hätten es den Johannitern gleichtun und auf Zypern einen Ordensstaat errichten wollen, weist Demurger allerdings zurück; die Übernahme der Insel kann seiner Meinung nach nicht das Ziel der Templer gewesen sein [190]. Auch eine Stärkung des Ordens durch die Wiedererrichtung einer Stellung, wie sie zuvor auf dem Festland bestand, ist nicht durchführbar. Zypern ist als Templerstaat verloren, seit der Orden die Insel 1209 an Richard Löwenherz weitergibt, und dieser sie wiederum an Guido de Lusignan abtritt [191].

Die Situation im Orient wandelt sich naturgemäß während der zweihundertjährigen Anwesenheit der Tempelritter - es stehen seit Beginn des 13. Jahrhunderts den Ritterorden starke weltliche, an die im Okzident erinnernden Mächte gegenüber - mit den bisherigen, im Kampf mit den Sarazenen gängigen Lösungen können die Templer ihre Position nicht behaupten [192].

In dieser Situation ziehen sie sich nicht wie ihre Bruderorden in ihre eigenen Gebiete - die sie gar nicht haben - zurück, sondern halten am Kreuzzugsgedanken fest, an den Lösungen, die sie bisher gewohnt sind, obwohl diese schon längst nicht mehr greifen [193]. Noch im Jahre 1304 verhandelte der Großmeister Jacques de Molay mit dem Papst über die Möglichkeiten eines neuen Kreuzzuges, obwohl dieser schon längst kein allgemeines Anliegen mehr war [194]. Auch die Eroberung der Insel Antarados im Jahre 1300 durch die Templer änderte nichts an der Tatsache, daß der Orden kein eigenes Gebiet besaß, getreu seinen Prinzipien ging das eroberte Land in päpstliche Hand über [195]. Ohne einen eigenen Staat zu besitzen, bleibt den Templern nur der schrittweise Rückzug nach Europa, und auch dort wird alles verhindert werden, was den Templern zu einem souveränen Gebiet verhelfen könnte. Es kommt hinzu, daß die Ritterorden nicht wie beispielsweise die Benediktiner oder die Franziskaner auf eine ,Leitfigur` oder einen ,Gründungsvater` bauen können, der für neue Aufgaben richtungsweisend gewesen sein könnte. Eine Art der Anknüpfungsmöglichkeit wäre für die Entwicklung und Pflege der templerischen Spiritualität von großem Vorteil, doch leider gibt es diese nicht [196]. Dieser Sachverhalt macht es eventuell erst möglich, auf jeden Fall aber leichter, ein so breites Spektrum an Spekulationen und Interpretationen des Ordens zu schaffen: es muß bei der Mythosbildung keine Rücksicht auf mögliche von der katholischen Kirche bereits in Anspruch genommene Personen, die mit ihren Namen das Fortbestehen der Templer im kirchlichen Bereich ermöglicht hätten, genommen werden. Indem also die Templer keine Möglichkeit bzw. Notwendigkeit sehen, sich nach dem Verlust der Besitzungen in Outremer neue Aufgaben zu suchen, verlieren sie die Legitimation, da sie ihre Aufgaben (der Schutz der Pilger in Jerusalem und der aktive Kampf im Kreuzzugsgeschehen) nicht weiter wahrnehmen können. Durch diesen Legitimitätsverlust verlagern die Templer ihr Aufgabenfeld in ihre - ursprünglich zur Aufrechterhaltung des Ordens im Orient ausgebauten - Stützpunkte in Europa und führen ihre Existenz in mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschlossenen Templerbezirken (siehe Kapitel III.4.B.) weiter. Es ist nicht weiter erstaunlich, daß der nunmehr im Okzident tätige Orden, dessen Handlungen, die mit den ursprünglichen Funktionen wenig gemeinsam haben und in die Außenstehende keinen Einblick haben, in der Gesellschaft zu Spekulationen reichlich Anlaß bietet.

III.6.B. Der Prozess

Im Verlauf dieser Arbeit wurde schon mehrfach auf den Prozeß verwiesen, den Philipp der Schöne gegen die Templer führte - ein für seine Art einzigartiger politischer Schauprozeß, kein Strafprozeß im eigentlichen Sinne [197], mit vielen Rechtsbeugungen und -brüchen von Seiten der Anklage [198]. Es soll hier nicht im Einzelnen die Prozeßführung und deren genauer Ablauf nachvollzogen werden - der Stoff würde eine eigenständige Ausarbeitung erfordern. Deshalb soll nun nur exemplarisch auf den Prozeß eingegangen werden.

Bemerkenswert ist, daß die meisten der Anklagepunkte, die der französische König während des Prozesses gegen den Orden vorbrachte, eben jene sind, die maßgeblich zur Entwicklung eines Mythos um die Templer beigetragen haben. Die einzelnen Punkte waren zu einem in sich stimmigen Komplex zusammengefaßt worden, in dessen Essenz die Praktiken der Templer auf islamischen Einfluß zurückgeführt und schließlich als ketzerisch verurteilt wurden [199].

Von der Homosexualität als einem der Anklagepunkte wurde in Verbindung mit dem Templersiegel von Abb.2 [200] bereits gesprochen. So wurde dem Orden vorgeworfen, er habe homosexuelle Verbindungen nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert. Dagegen spricht natürlich der in der Templerregel festgelegte Verlust des Habits, also die Ausstoßung aus dem Orden, bei derlei Betätigungen [201].

Weiterhin wurden die Templer verdächtigt, von neuen Ordensmitgliedern während der Aufnahmezeremonien obszöne Gesten, infame Küsse, Bespucken des Kreuzes und Verleugnen Jesu Christi gefordert zu haben. Charpentier versucht, gerade die intimen Küsse ,,oberhalb der Stelle, an der sonst der Gürtel getragen wird" [202], mit der Bedeutungen der sieben Plexi, die der menschliche Körper haben soll - zu denen der Anus und der Nabel gehört - zu erklären; er rückt jedoch damit die Templer sehr weit in das Gebiet der arabisch dominierten (Geheim-)Wissenschaft. Die Theorie Sippels erscheint hingegen einleuchtender: Er behauptet, die Auffälligkeiten bei den Aufnahmeritualen seien als grober Scherz unter Berufssoldaten aufzufassen, eine Art Lehrlingsprobe, die oft mit den an den Postulanten gerichteten Worten ,,Geh` beichten, du Dummkopf" [203] endeten.

Doch es ist letztendlich nicht mit Sicherheit auszuschließen, daß diese Vorfälle alles andere als ein ,,Scherz" waren und ihre Ursprünge tatsächlich in orientalischen Gnostikerströmungen liegen; es sei hier nur auf die im Orient nie völlig verschwundenen Manichäer verwiesen, die ebenfalls das Kreuz ablehnten [204].

Einen anderen für die Mythenbildung äußerst spannenden Aspekt liefert der Anklagepunkt der Götzenanbetung. Es handelte sich hierbei um den berüchtigten Baphomet, das gehörnte Haupt einer zwitterhaften, bärtigen Teufelsgestalt, ähnlich dem Kopf eines Ziegenbockes, um das in einem Ritual Schnüre gezogen worden sein sollen, die sich die Templer dann um ihren Leib auf die bloße Haut banden [205]. Angeblich sei der Baphomet im Prozeß von Anklägern und Befragten immer unterschiedlich dargestellt worden. Dieses Fehlen eines einheitlichen Bildkanons veranlaßt Okkultisten, die Erfindung des Baphomets von Seiten der Kirche oder des Königs auszuschließen, da von einer derart offiziellen Stelle die Festlegung einer immer gleichen Darstellung erfolgt wäre [206]. Interessant ist auch, daß durch die ungeklärte Etymologie des Wortes Baphomet Rückschlüsse auf das lateinische Wort ,Bufo` - Kröte - gezogen werden, die das wichtigste Wappentier der Merowinger gewesen sei [207], womit der Kreis zur Theorie der Königsnachfolge der Templer geschlossen wäre [208]. Es soll an dieser Stelle nicht weiter auf den Baphomet eingegangen werden. Er dient den Esoterikern als Zeichen für einen nicht transparenten, geheime Praktiken tätigenden Orden, und spielt im Kanon des Obskuren bei den Templern eine wichtige Rolle, da er sicherlich eines der am wenigsten historisch-wissenschaftlich faßbaren Symbole ist. Auch hier gilt wieder: Wer ein Geheimnis finden will, der findet es auch, selbst wenn er die Darstellungen von Dämonen an gotischen Kirchen zu Abbildern des Baphomet erklären muß [209].

Auch die Begebenheiten vor dem eigentlichen Prozeß, die Ereignisse um die Verhaftung der Templer, regt die Phantasie einzelner Autoren an. So ist für Baigent und seine Mitarbeiter die Tatsache, daß das schlagkräftigste Ritterheer des Orients bei seiner Verhaftung keinerlei Widerstand leistet, mehr als merkwürdig, ebenso die Tatsache, daß die Ritter, mit den wichtigsten Familien Frankreichs verwandt, nichts von dem geheimen Komplott Philipps gewußt haben sollen [210] - und nach seiner Ansicht haben die Templer durchaus über die Aktionen des Königs Kenntnis gehabt [211]. Auch das eigenartige Verhalten der Templer, sich erst schuldig zu bekennen und später zu widerrufen, führt Baigent zu der Überlegung, daß die historisch belegbaren Fakten nicht das eigentliche Geschehen widerspiegeln, sondern daß die Reaktionen der Templer vor einem uns unbekannten Hintergrund abliefen [212]. Baigent spricht in diesem Zusammenhang von einem Geheimnis, daß den Templern wichtiger war als ihr Leben, das erst außer Landes gebracht werden mußte [213] - womit wieder ein Anknüpfungspunkt an den Gral oder andere mögliche Weltgeheimnisse (Vgl. Abschnitt III.4.B.) gefunden wäre [214].

Man muß sich jedoch nicht einmal so tief in esoterisches Gedankengut versenken: Es bleibt viel Spielraum für Spekulationen, wenn man sich bewußt macht, daß ein Ritterorden, gegründet zur Ehre Gottes, zum Schutz des Christentums, nach etwa 200 Jahren wegen Gotteslästerung und Häresie angeklagt und verurteilt wird.

III.6.C. Die Person des Jakob von Molay

Die vielen Möglichkeiten für Spekulationen, die Gerade die Auflösung des Ordens liefert, werden noch erweitert durch die Gestalt des letzten Großmeisters Jakob oder Jacques de Molay.

In den Quellen wird er als sehr widersprüchlicher und undurchschaubarer Charakter geschildert (So stellt u.a. Bulst-Thiele fest: "Eine eigentümliche Starrheit und das geringe Entgegenkommen des Großmeisters fällt auf." [215] ). Seine Wahl zum Großmeister fand unter merkwürdigen Umständen statt. Es stand ihm dabei als Mitanwärter der Praeceptor Francie Hugo de Peraudo gegenüber [216], doch Jacques hatte bereits die Funktion des den Großmeister vertretenden Großpräzeptor inne und erlangte bei der Wahl den Titel des Großmeisters durch ,,ein gewaltsames Verfahren" [217], mehr oder weniger sich selbst ernennend, obwohl ihm als Großpräzeptor die Anwesenheit zur Wahl nach den Regeln nicht gestattet war [218]. Jedoch - eindeutige Beweise für Intrigen bei dieser Wahl sind nicht existent [219].

Wenn dem Orden vorgeworfen wurde, die Zeichen der Zeit nicht erkannt und eine dringende Erneuerung versäumt zu haben, gehen diese Vorhaltungen hauptsächlich zu Lasten Jacques [220]. Es ist jedoch belegt, daß Jakob durchaus Strukturen im Orden erkannte, die er beseitigen wollte: ,,er wolle einiges im Orden, was ihm mißfiele, ausrotten, wovon er annehme, daß es dem Orden noch schlecht bekommen würde" [221] Dieser angebliche Ausspruch des Großmeisters wird im Prozeß als eine Andeutung für die vorgeworfenen Ketzereien betrachtet. Da nicht benannt wird, was eigentlich dem Großmeister nicht genehm war, eröffnet dieser Ausspruch auch Möglichkeiten für Spekulationen. So wird z.B. angenommen, daß es neben der bekannten, allgemein gültigen Ordensregel noch eine weitere, geheime Regel gegeben haben soll, deren Ausführung oder Inhalte Jacques verändern wollte [222].

Im Zusammenhang mit dem Prozeß erscheint auch Merkwürdig, daß Jacques de Molay nach der Anklage dreimal seine Schuld in allen ihm vorgeworfenen Punkten gestand [223], danach alle Templer durch ein Schreiben aufforderte, die ihnen zur Last gelegten Verbrechen zu gestehen [224], und nach zwei Jahren - 1309 - dieses Geständnis widerrief [225]. Dieses Verhalten wird von einigen Mythenjägern als eine Taktik des Zeitgewinnens angesehen. Ein eventuell noch in Frankreich befindlicher ,Schatz` mußte außer Landes gebracht werden, und diese Handlungen Jakobs sollten die nötige Zeit dazu beschaffen [226] (Vgl. dazu Abschnitt III.6.B.). Nicht zuletzt wird Jakob de Molay ein Ausspruch zugeschrieben, der in der Tat sehr die Phantasie anregen kann: Auf dem Scheiterhaufen - übrigens wurde er wie Johanna von Orléans auf eigenen Wunsch mit dem Blick zur Kirche (in diesem Fall zu Nôtre Dame) verbrannt, um seine Rechtgläubigkeit zu demonstrieren und im Anblick der ,Heiligen Mutter` zu sterben - soll er den König und den Papst mit der Prophezeiung verflucht haben, beide würden noch im Laufe eines Jahres ihr Leben beenden müssen [227]. Erstaunlicherweise trat genau dieser Fall ein. Der Papst ging an der Gicht zugrunde und Philipp starb auf eigentümliche Weise bei einem Jagdunfall [228]. Dieser ,,Bannfluch" [229] und seine ,Folgen` sind natürlich prädestiniert, den Großmeister und somit dem ganzen Orden in ein diffuses Licht zu setzen, es geht sogar so weit, daß die Templer bzw. ihre Nachfolger die Auslöser der französischen Revolution, also mit der Vernichtung des Adels, in Verbindung gebracht werden [230].

Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. soll sogar ein Passant auf das Schafott gestiegen sein und habe ausgerufen ,,Jacques de Molay - nun bist Du gerächt!" [231].

IV. Schlußwort

,,Der Templerorden ist mit den Katharern oder auch Johanna von Orl é ans eine der unerschöpflichen Fundgruben für Pseudogeschichte, die hungrigen Lesern Mysterien und Geheimnisse liefert. Es gibt die Geschichte des Templerordens und die Geschichte seiner Legende. Der Historiker beschäftigt sich nicht nur mit dem Wahren, sondern auch mit dem Unwahren, wenn man es für wahr gehalten hat, auch mit dem Imaginären und mit dem Traum. Freilich gibt er sich Mühe, sie nicht miteinander zu vermengen." [232]

Dieses Zitat Demurgers gibt recht genau die Situation wider, die diese Arbeit von ihrer Entstehung an begleitet hat. Oft war man der Versuchung nahe, einige Spekulationen insgeheim weiterzuverfolgen. Ebenso häufig allerdings blieb einem nur noch verblüfftes Kopfschütteln bei den - gelinde ausgedrückt: - gewagten Verschwörungstheorien einzelner Autoren. Doch auch hier hat Demurger recht: Diese Ansichten existieren und verdienen deshalb Beachtung. Selbst wenn diese Einstellung in keiner Weise den historischen Tatsachen entsprechen, so spiegeln sie doch die Eigenarten des Zeitgeistes in ihrem Entstehungszeitraum wider. Aus genau diesem Aspekt ist der - einige Leser durch seine Theoretisierungen möglicherweise abschreckende - erste Teil dieser Arbeit gerechtfertigt. Der Geschichtswissenschaftler beschreibt eben nicht nur, `wie es gewesen ist`, er hat die Aufgabe, ja die Pflicht, in Interaktion mit seinen Nachbarwissenschaften zu treten und deren Erkenntnisse in seine Forschungen aufzunehmen. Der Historie des Templerordens ist spätestens seit dem Erscheinen der Abhandlung Bulst-Thieles [233] weitestgehend geklärt. Jedoch: ,,Von einem wissenschaftlichen Standpunkt ist die Geschichte der Legende des Templerordens noch zu schreiben." [234]. Diese Arbeit konnte aus Gründen des Umfanges, der Zeit und vor allem der Fähigkeiten des Verfassers diese Aufgabe mitnichten erfüllen. Doch sie versuchte, ihr Ziel, nämlich eine Vorstellung davon zu vermitteln, in welch ein komplexes Gefilde von Betrachtungsweisen man eindringen muß, um sich einer wissenschaftlichen Darstellung dieser Thematik zu nähern, stets im Auge zu behalten. Es konnte - wie auch im Text mehrfach erwähnt wird - nur auf einen Bruchteil aller die Thematik tangierenden Fakten eingegangen werden. Ein Großteils bedeutsamer Sachverhalte - beispielsweise die Geschichte des Ordens nach dem Prozeß in den einzelnen Ländern Europas oder die für Mythosbildung sehr bedeutenden Rezeptionsgeschichten einzelner Organisationen wie beispielsweise der Rosenkreuzer oder der Freimaurer - konnte hier nur angerissen werden. Sie verdienen in einem viel größeren Rahmen, als der ihnen hier zur Verfügung stehende - Beachtung in diesen Überlegungen.

Eine weitere, in dieser Arbeit nicht betrachtete Thematik, welche jedoch eine baldigste Bearbeitung verlangt, ist eine mögliche Rolle der Templer im Prozeß der Bildung eines französischen Nationalmythos. Die Templer sind noch heute im Denken der französischen Bevölkerung präsent: In Paris wird das Stadtviertel des ehemaligen Templerbezirkes noch als Quartier du Temple bezeichnet, die umliegenden Straßen tragen noch Bezeichnungen, die auf die Templer hindeuten, die Redewendung vom ,,Saufen und Fluchen wie ein Templer" wird oft und gern gebraucht... Wie sehr die Templer in das Denken der Menschen verwurzelt sind, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, daß sich die meisten mythenbildenden Aspekte über die Jahrhunderte mündlicher Tradierung immer noch halten können.

Auch wenn der Templergeschichte viele Geheimnisse nicht mehr entlockt werden können, die Beschäftigung mit deren Auswirkungen wird sicherlich noch viele wesentliche und vor allem interessante Aspekte zum Vorschein bringen.

Thomas Klemm,

April 1999

V. Abbildungen

Die Abbildungen sind aus Platzgründen in dieser Datei nicht vorhanden !

Abb. 1 - Der Brand eines achteckigen Turmes als symbolische Darstellung der

Vernichtung des Templerordens.

Abb. 2 - Das oft fehlgedeutete Templersiegel - es werden zwei Ritter auf einem

Pferd dargestellt. Es stammt aus der Zeit

um 1259.

Abb. 3 - Der Templerbezirk in Paris

VI. Literaturverzeichnis Monographien

Von [235] Bieberstein, J.R.:Zur Fernwirkung der aufklärerischen Freimaurerei und des Illuminatenordens in Gestalt der Verschwörungstheorie, in: Reinalter, H. (Hg.): Aufklärung und Geheimgesellschaften: Freimaurer, Illuminaten und Rosenkreuzer: Ideologie - Struktur und Wirkungen, Internationale Tagung in Innsbruck, 22./23. Mai 1992, Bayreuth 1992, S. 89 - 91.

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VII. Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Brand des achteckigen Turmes: Bibliothèque Nationale, Paris, zitiert nach Sippel, Templer, S. 351.

Abb.2 Templersiegel um 1259, aus: Die Templer - Geschichte und Verfolgung: <http://www.omen.de/history/g_tem_z.htm>, 30.08.98.

Abb.3 Templerbezirk in Paris: Bibliothèque Nationale, Paris, zitiert nach Demurger, Templer, S. 345.

[...]


1 Esch, A.: Überlieferungs-Chance und Überlieferungs-Zufall als methodisches Problem des Historikers, in: Historische Zeitschrift, Band 240, 1985, S. 529 - 570.

2 Vgl.: ebd., S. 570.

3 Vgl.: <http://www.geocities.com/Athens/Oracle/1233/Tedesco.htm> ; 24.02.99.

4 Als Beispiel hierzu sei auf die Freimaurerei verwiesen, die sich selbst in ihren eigenen Reihen nicht klar über die Templerrezeption ist. Die ,,Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland - Freimaurer-Orden" betrachtet sich nach wie vor als Nachfolgeorganisation der Templer, die ,,Vereinigte Großloge der Freimaurer von Deutschland", der Dachverband der deutschen Logen, schließt eine Nachfolge kategorisch aus. Vgl. dazu : <http://www.freimaurer.org./lze.frankfurt/faq.htm>.

5 Außerdem wäre es fraglich, ob überhaupt eine vollständige Erfassung aller Organisationen erarbeitet werden könnte!

6 Hauptsächlich verwendet wurde L è vi-Strauss, C.: Mythologica I; Das Rohe und das Gekochte, Frankfurt / M. 1976. (Im folgenden: L è vi-Strauss, Mythologica)

7 Krusekamp, H.: Archäologen der Moderne. Zum Verhältnis von Mythos und Rationalität in der kritischen Theorie, Opladen 1992. (Im folgenden: Krusekamp, Archäologen)

8 Freyberg, K.: Die Dialektik des Mythos, in: <http://www.sicetnon.cogito.de//artikel/wesen/mythos.htm> 24.02.99. (Im Folgendem: Freyberg, DM) - diese Arbeit liegt bisher leider nur im Internet vor.

9 Demurger, A.: Die Templer; Aufstieg und Untergang; 1120 - 1314, München 41994. (Im folgenden: Demurger, Templer)

10 Sippel, H.: Die Templer; Geschichte und Geheimnis, Wien München 1996.(Im folgenden: Sippel, Templer)

11 Bulst-Thiele, M.L.: Sacrae Domus Militiae Templi Hierosolymitani Magistri; Untersuchungen zur Geschichte des Templerordens 1118/19 - 1314, Göttingen 1974. (Im folgenden: BulstThiele, Sacrae Domus)

12 Bei der Zitation dieser Quellen wurde nach den Empfehlungen der Internet-Zeitschrift ,Internationale Zeitschrift für Theorie und Wissenschaft der Architektur <http://www.theo.tu- cottbus.de/wolke/> vorgegangen.

13 Vgl.: Freyberg, DM, S.1.

14 Beispielsweise operiert Ernst Bloch in seiner Arbeit mit dem Mythosbegriff, doch ,,Das Prinzip Hoffnung" benötigt beispielsweise eine politische Betrachtung von Mythos - ebenso wie die Mythosauslegung bei Freud auf der Basis der Wunscherfüllung und der Triebabwehr entwickelt wird.

15 In beispielsweise der inhaltlich sehr spannenden Arbeit von Nelson (Nelson, G.K.: Der Drang zum Spirituellen; Über die Entstehung religiöser Bewegungen im 20. Jahrhundert, Olten 1991. [Im folgenden: Nelson, Drang zum Spirituellen] ) wird der Begriff des Mystikers in eben diesem unreflektierten Kontext benutzt - Ebd., S. 12 - 32.

16 Dinzelbacher, P.: Christliche Mystik im Abendland; Ihre Geschichte von den Anfängen bis zum Ende des Mittelalters, Paderborn München Wien Zürich 1994, S. 10. (Im folgenden: Dinzelbacher, Christliche Mystik)

17 Dinzelbacher, Christliche Mystik, S. 10.

18 Die Kurzform der Mystikdefinition nach Bonaventura und Thomas von Aquin nach Jean Gerson, zitiert nach Dinzelbacher, Christliche Mystik, S. 9.

19 Vgl.: Freyberg, DM, S. 1.

20 Zum Begriff des Referenz - bzw. Ursprungsmythos siehe L è vi-Strauss, Mythologica, S. 71.

21 L è vi - Strauss, C.: Strukturale Anthropologie, Frankfurt / M. 1967, S. 301.

22 Kluge, F.: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin New York 231999, s.v. Mythos, S. 578.

23 Vgl.: Hügli, A.:, Lübcke, P.: Philosophielexikon; Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart, Hamburg 1997, s.v. Mythos, S. 440.

24 Vgl.: Anm. 17.

25 Vgl.: Freyberg, DM, S. 2

26. Ebd.

27 Die folgende Gliederung ist übernommen von Freyberg, DM, S. 2. Freyberg verweist an dieser Stelle auf die Arbeit des Ethnologen L. Gernet (Gernet, L.: Anthropologie de la Grece antique, Paris 1968.), durch die er entscheidende Impulse erhielt.

28 L è vi-Strauss, Mythologica, S. 35.

29 Freyberg, DA, S. 2.

30 Cassirer, E.: Die Begriffsform im mythischen Denken, Leipzig Berlin 1922, S. 193.

31 Siehe Anm. 25.

32 Vgl.: Freyberg, DM, S. 5.

33 Vgl.: Anm. 17.

34 An dieser Stelle zitiert Freyberg (Freyberg, DM, S. 5) Marx (Marx, K.; Engels, F.: Werke, Bd. 3, Berlin 1960, S.7) - sicherlich gibt es weitere Ansätze zur Erklärung der Auflösung des Mythos, doch für das Ziel dieser Betrachtung sind diese nicht ausschlaggebend.

35 Ebd.

36 Ebd., S. 6.

37 Vgl.: Vernant, J.-P.: Mythos und Gesellschaft im alten Griechenland, Frankfurt/M. 1987, S. 199, zitiert nach Freyberg, DM, S. 7.

38 L è vi-Strauss, Mythologica, S. 27.

39 Ders., Mythos und Bedeutung, S. 43.

40 Die Fluchtvariante wird von der Schottischen Großloge der Freimaurer vertreten, eine Leugnung dieser Flucht geschieht mit dem Hinweis auf ein Geheimnis, dessen Wahrung die Templer an der Flucht gehindert haben soll. Hauf, Mythos, S. 204.

41 L è vi-Strauss, Mythologica, S. 59 f.

42 Krusekamp, DM, S. 13.

43 Nelson, Drang zum Spirituellen, S. 11.

44 Vgl.: Dialektik der Aufklärung, S. 5.

45 Krusekamp, Archäologen, S. 11 f.

46 Siehe dazu: Ebd., S. 12: ,,[ Diese] Einbindung [...] hat eine sinnstiftende Funktion und verschafft den Menschen [...] Verhaltenssicherheit [...]"

47 Vgl. Weber, M.: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: Ders.: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, 1. Teil, Tübingen 1920, S. 15 u.a.

48 Ebd.

49 Vgl.: Dialektik der Aufklärung, S. 9.

50 Es würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, über den Sinnverlust im ästhetisch - künstlerischen Bereich nachzudenken, doch die Parallelität von zunehmenden Rationalität und des Abhandenkommens der Fähigkeiten für ästhetisch - sinnliche Erfahrungen ist auch zu einem Schlüsselthema der Kunsttheorie geworden - Vgl. dazu z.B. Danto, A.C.: After the End of Art; Contemporary Art and the Pale of History, Princeton 1997.

51 Krusekamp, Archäologen, S. 13.

52 Mit dieser Problematik wird sich Kapitel III eingehend beschäftigen.

53 Vgl.: Von Bieberstein, J.R.: Zur Fernwirkung der aufklärerischen Freimaurerei und des Illuminatenordens in Gestalt der Verschwörungstheorie, in: Reinalter, H. (Hg.): Aufklärung und Geheimgesellschaften: Freimaurer, Illuminaten und Rosenkreuzer: Ideologie - Struktur und Wirkungen, Internationale Tagung in Innsbruck, 22./23. Mai 1992, Bayreuth 1992, S. 89.

54 Ebd.

55 Natürlich gelten die obigen Überlegungen auch für Rezeptionen von anderen Phänomen, sie sind nicht ,Templerfixiert` - zu erwähnen sei hierbei u.a. das gehäufte Auftreten der Isis- oder der Mithraskulte in dieser Zeit.

56 Anderson, J.: The constitutions of the free-masonry, London 1723.

57 Preston, W.: Illustrations of masonry, London 131821.

58 Krusekamp, DM, S. 16.

59 Die Strömung der Romantik des 18. und 19. Jahrhunderts ist nur ein Abschnitt der gesamten romantischen Bewegung als Gegenbewegung zur Aufklärung, die, wie schon mehrmals betont wurde, auch nicht einzig mit der philo-soziologischen Epoche des 17. Jahrhunderts gleichzusetzen ist. Eine sehr anschauliche Darstellung sozialromantischer Mechanismen und Eigenarten findet sich bei Elias, N.: Die höfische Gesellschaft; Untersuchungen zur Soziologie des Königtums und der höfischen Aristokratie, Frankfurt 81997, (im folgenden Elias, Höfische Gesellschaft ), S. 320 - 394.

60 Ebd., S. 329.

61 Vgl.: Ebd., S. 330.

62 Man möge diese Kurzfassung Elias` Arbeit verzeihen, doch es soll hier nicht um seinen figurationssoziologischen Ansatz gehen, sondern nur grob die Zunahme der Zwänge skizziert werden; der Gefahr, die von der Benutzung des Topos der ,stufenweisen Entwicklung` ohne weitere Ausführungen ausgeht, ist sich der Autor durchaus bewußt.

63 Zum elitären Selbstverständnis dieser Organisationen siehe beispielsweise LeForestier, R.: Die templerische und okkulte Freimaurerei im 18. und 19. Jahrhundert, o.O. 1987 (im folgenden: LeForestier, Freimaurerei), S. 43 ff. - im Übrigen finden wir diese Einstellung bei den Templern selbst wieder, nicht zuletzt manifestiert in der (wenn auch später dazugenommenen) Aufnahmebedingung, aus einer adligen Familie zu stammen. Vgl. dazu Hauf, M.: Der Mythos der Templer, Zürich, Düsseldorf 1998, (Im folgenden: Hauf, Mythos), S 150.

64 Elias, Höfische Gesellschaft, S. 331.

65 Ebd., S. 320.

66 Vgl.: Topitsch, E.: Erkenntnis und Illusion, o.O. 1988, S. 53.

67 Auch wenn die weitere Entwicklung der Templer nach dem Verlust des Orients nicht abzusehen ist: Wahrscheinlich hätten die Templer ohne den Prozeß noch lange weiter existiert - sie wären mächtig organisiert und etabliert genug gewesen, um eine neue Aufgabe für sich zu finden. (siehe dazu auch Kapitel III.6.A.)

68 Elias, Höfische Gesellschaft, S. 331.

69 Vgl.: Frommel, W.: Templer und Rosenkreuz. Ein Traktat zur Christologie Stefan Georges, in: Castrum Peregrini, 198 - 200, Amsterdam 1961, S. 26. (Im folgenden: Frommel, Templer und Rosenkreuz)

70 Zu den Vorwürfen, die den Templern - selbst bei Ausblendung des Prozesses - gemacht wurde, siehe Demurger, Templer, S.224.

71 Vgl.: Elias, Höfische Gesellschaft, S. 331.

72 So verweist beispielsweise Lex Bos als Vertreter der theosophisch/anthroposophischen Templerrezeption auf das vortreffliche Modell eines dreigliedrigen Sozialsystems, welches die Templer uns angeblich hinterlassen hätten, ohne auf die Strukturen innerhalb der Templerhierarchie überhaupt einzugehen. Vgl.: Bos, L.: Die Templer: Impulse für eine moderne Sozialstruktur, Stuttgart 21993, S. 12 u.a.(Im folgenden: Bos, Sozialstruktur)

73 Maurice, F.: ,Staat im Staate` oder ,Schule der Untertanen`? Die Freimaurerei im Staat des aufgeklärten Absolutismus, in: Reinalter, H. (Hg.): Aufklärung und Geheimgesellschaften: Freimaurer, Illuminaten und Rosenkreuzer: Ideologie - Struktur und Wirkungen, Internationale Tagung in Innsbruck, 22./23. Mai 1992, Bayreuth 1992, S. 10. (Im folgenden: Maurice, Staat im Staate)

74 Demurger, Templer, S. 18 f.

75 Ebd.

76 So zu finden bei Lincoln, H./Baigent, M./Leigh, R.: Der Heilige Gral und seine Erben; Ursprung und Gegenwart eines geheimen Ordens; Sein Wissen und seine Macht, BergischGladbach 41984, S. 48. (Im folgenden: Der heilige Gral und seine Erben)

77 Ebd., S. 48.

78 Bos, Sozialstruktur, S. 14.

79 Der heilige Gral und seine Erben, S. 48 f.

80 Da diese Arbeit die unterschiedlichen Rezeptionen des Templerstoffes klären soll, ist hier kein Platz zur Kritik der einzelnen Arbeitsweisen der Esoteriker, obgleich es viele der Spekulationen entkräften würde, wenn sie auf die Methode ihrer Erarbeitung hin geprüft würden. Den von Esch schon in der Einleitung erwähnten Hinweisen (Vgl. Anm.1) wird jedoch in den seltensten Fällen wirklich nachgegangen

81 Krusekamp, Archäologen, S. 82.

82 Bos, Sozialstruktur, S.10.

83 Möglicherweise, um den Ansatz der ,ständigen Suche`, die einhergeht mit der,Via Gradalis` durch die sieben planetarischen Sphären, in ihren Glaubensgrundsätzen zu untermauern. Beispielsweise zu finden in Steiner, R.: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? Dornach 1961.

84 Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 23.

85 Zur Betrachtung des Verhältnisses von Europa zum Orient empfiehlt sich das einleitende Kapitel aus Erbstösser, M.: Die Kreuzzüge; Eine Kulturgeschichte, Bergisch-Gladbach 1998, S. 7 ff. (Im folgenden: Erbstösser, Kreuzzüge)

86 Siehe dazu Abschnitt III.6.B.

87 Hauf, Mythos, S. 192.

88 Ebd., S. 231.

89 Erbstösser, Kreuzzüge, S. 114.

90 Vgl.: Ebd., S. 127.

91 Charpentier, J.: Die Templer, Stuttgart 1965, S. 129. (Im folgenden: Charpentier, Templer)

92 Ebd., S. 130.

93 So zu finden bei Hauf, Mythos, S. 215

94 Ebd., S. 227.

95 Ebd., S. 232.

96 So hat sich selbst Jacques de Molay vor seiner Zeit als Ordensmeister sehr dezidiert gegen das ständige Verhandeln mit den Muslimen geäußert. Siehe Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 301

97,,Die Beziehung zu morgenländisch-arabischer Weisheit, die Beschäftigung mit Naturwissenschaft und Mathematik, [...]: das alles hebt [ den Orden ] von anderen grundsätzlich ab und wird uns im weiteren Geist vom Templergeiste [ sic! ] erkennen lassen." - so formulieren die Rosenkreuzer die Bedeutung des templerischen Wirkens im Orient. Vgl.: Frommel, Templer und Rosenkreuz, S. 37.

98 Vgl.: Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 37.

99 Demurger, Templer, S. 69.

100 Ebd., S. 70.

101 Demurger, Templer, S. 71.

102 Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 26

103 Demurger, Templer, S. 136 f.

104 Ebd., S. 140.

105 Ebd.

106 Ebd., S. 141.

107 Ebd., S. 143.

108 Ebd., S. 144.

109 Sowie er eben auch der erste Ritterorden war - und Innocenz II. den Zisterziensern sehr verbunden war ; Demurger, Templer, S. 71.

110 Hauf, Mythos, S. 38.

111 Hauf, Mythos, S. 273

112 Ebd.

113 Ebd.

114 Ebd., S. 275.

115 Die Geschichte des Pfarrers Saumière, der 1891 in der kleinen Dorfpfarrei förmlich über Nacht unermesslich reich wurde, weil er angeblich templerische Dokumente, evtl. Schatzpläne, bei Renovierungsarbeiten fand und den Schatz heben konnte, ist in Esoterikerkreisen sehr verbreitet und dient vielen ,Schatzsuchern` immer wieder als Ausgangspunkt für ihre Spurensuche. Siehe dazu u.a.: Der heilige Gral und seine Erben, S. 37; oder Hauf, Mythos, S. 267 ff.

116 Hauf, Mythos, S. 276.

117 Demurger, Templer, S. 183.

118 Ebd., S. 142.

119 Ich verzichte hier bewußt auf eine Angabe von Literatur, da dieser Ansatz von allen hier in der Arbeit aufgeführten templerrezipierenden Autoren und Gemeinschaften - und weit darüber hinaus - vertreten wird.

120 Vgl.: Hauf, Mythos, S. 332.

121 Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 298.

122 Ebd.

123 Demurger, Templer, S. 211.

124 Hauf, Mythos, S. 160.

125 Siehe Anm. 108.

126 Wichtig ist diese Ansicht beispielsweise für die Anthroposophie: vgl. u.a.: Steiner, R.: Die Suche nach dem heiligen Gral; Seelenentwicklung und Geistesschulung, Dornach 1998; oder: Steiner, R.: Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zur modernen Weltanschauung, Dornach 1993. Eine Herleitung des Begriffes ,Gral` zu der bereits erwähnten ,Via Gradalis` ist in der Tat nicht ausgeschlossen, kann jedoch etymologisch nicht genau geklärt werden. Siehe Kluge, F.: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin New York 231999, s.v. Gral, S. 333.

127 Sippel, Templer, S. 263.

128 Hauf, Mythos, S. 248.

129 Eschenbach verfaßte seinen ,,Parsifal" etwa zwischen 1200 und 1210. Siehe dazu das Nachwort des Literaturwissenschaftlers W. Stapel in: Eschenbach, W.v.: Parsifal, Übertragen von W. Stapel, Hamburg 1942, S. 472.

130 So sehen es die Rosenkreuzer: Frommel, Templer und Rosenkreuz, S. 29.

131 Die Bezeichnung ,Templeisen` oder ,Tempeleisen` wird übrigens heute noch häufig von den Rosenkreuzern verwendet. Vgl. Frommel, Templer und Rosenkreuz, z.B. S. 85, 91 etc.

132 Hauf, Mythos, S. 250.

133 Ebd.

134 Ebd., S. 252.

135 Sippel, Templer, S. 266.

136 Ebd., S. 267.

137 Das auch die Templerkirchen mit der kabbalistischen Zahlenmystik in Verbindung gebracht werden, wird in Abschnitt III.5.A. beschrieben.

138 Sippel, Templer, S. 267.

139 Darauf wurde in Anm. 126 verwiesen.

140 Der heilige Gral und seine Erben, S. 87.

141 Hauf, Mythos, S. 256.

142 Hauf verweist lediglich auf die ,Forschungen` von Lincoln, Leigh und Baigent. (Hauf, Mythos, S. 256)

143 Der heilige Gral und seine Erben, S.96.

144 Sippel, Templer, S. 243.

145 Eine prägnante Darstellung der Entwicklung der Gotik findet sich beispielsweise bei Koch, W.: Baustilkunde, München 1994,S. 146ff. (Im folgenden: Koch, Baustilkunde)

146 Der heilige Gral und seine Erben, S. 72.

147 Sippel, Templer, S. 248.

148 Die Gedanken der Scholastik sind für die Ausbildung der Gotik ein wesentliches Element. Siehe dazu Koch, Baustilkunde, S. 147.

149 Koch, Baustilkunde, S. 147.

150 Detailliert beschrieben wird die Beziehung Bernhards zu dem Orden bei Demurger, Templer, S. 42ff.

151 Eine detaillierte Darstellung der Kunst - und Kulturleistungen der Zisterzienser findet sich bei Dinzelbacher, P. / Roth, H.J.: Zisterzienser, in: Dinzelbacher, P. / Hogg, J.L. (Hg.): Kulturgeschichte der christlichen Orden in Einzeldarstellungen, Stuttgart 1997, S. 365 ff. Siehe auch Koch, Baustilkunde, S. 140.

152 Sarnowski, J.: Geistliche Ritterorden, in: Dinzelbacher, P. / Hogg, J.L. (Hg.): Kulturgeschichte der christlichen Orden in Einzeldarstellungen, Stuttgart 1997, S. 336. (Im folgenden: Sarnowski, Ritterorden)

153 Hauf, Mythos, S. 110

154 Sarnowski, Ritterorden, S. 336.

155 Ebd., S. 338.

156 Demurger, Templer, S. 159.

157 Demurger, Templer, S. 159.

158 Ebd.

159 Sippel, Templer, S. 254

160 Demurger, Templer, S. 161.

161 Hauf, Mythos, S. 157.

162 Demurger, Templer, S. 159.

163 Ebd.

164 Ähnlich formuliert es Hauf, Mythos, S. 157, die auch noch einmal die Bedeutung der Templer als Baumeister hervorhebt.

165 Andreae, J.V.: Die chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz Anno 1459. Bearbeitet von Rosenberg, A., München 1957.

166 Edighoffer, R.: Die Rosenkreuzer, München 1995, S. 11.

167 Zitiert nach Frommel, Templer und Rosenkreuz, S. 22.

168 Frommel, Templer und Rosenkreuz, S. 22.

169 Dieser Sachverhalt wurde von den Templern nur sehr ungern gesehen. Demurger, Templer, S. 67

170 Demurger, Templer, S. 66.

171 Ebd., S. 67.

172 So hebt die bereits erwähnte italiensche ,Milicia di Tempio` in ihren Werbeschriften die Bedeutung der weißen Chlamys deutlich hervor. Milizia di Tempio: <http://www.geocities.com/Athens/Oracle/1233/Tedesco.htm >, 24.02.99.

173 Demurger, Templer, S. 67.

174 Die Templer - Geschichte und Verfolgung: <http://www.omen.de/history/g_tem_z.htm>, 30.08.98.

175 Siehe Anm. 40.

176 Hauf, Mythos, S. 325.

177 Koch, Baustilkunde, S. 16.

178 Vgl.: Sippel, Templer, S. 249.

179 Unglaublich, aber war: Hauf, Mythos, S. 190.

180 Mit einem Blick in ein griechisches Wörterbuch kann diese Theorie jedoch sehr schnell widerlegt werden: ,Abakus` bedeutet nichts anderes als ,Brett`, und ein Rechenbrett - so die Übersetzung für das merkantile Hilfsmittel - ist bei weitem kein Hinweis auf die Existenz eines dualen Zahlensystems.

181 Hauf beschreibt mögliche Verbindungen zu anderen Kulten und Mysterien, in denen ebenfalls ein Kopf eine wesentliche Rolle spielt. Hauf, Mythos, S. 188.

182 Siehe Abschnitt III.6.B.

183 Der heilige Gral und seine Erben, S. 66 f.

184 Sippel, Templer, S. 257.

185 Demurger, Templer, S. 75.

186 Hauf, Mythos, S. 122, siehe auch Abschnitt III.6.B.

187 Sippel, Templer, S. 257.

188 Demurger, Templer, S. 235.

189 Ebd., S. 238.

190 Ebd., S. 239.

191 Ebd., S. 213.

192 Demurger, Templer, S. 214.

193 Ebd., S. 239

194 Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 315.

195 Ebd., S. 310 f.

196 Kahl, H.-D: Die Spiritualität der Ritterorden als Problem; Ein methodologischer Essay. In: Nowak, Z.H. (Hg.): Die Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter. Torun, 1993, S. 274.

197 Demurger, Templer, S. 267. -So bezeichnet Demurger diesen Prozeß- jedoch unter der Prämisse: ,,Der Historiker hat nicht zu richten, sondern zu erklären. Er ist gleichwohl verpflichtet, seine Meinung zu diesem Prozeß zu äußern." (Vgl.: Ebd.)

198 Siehe beispielsweise Demurger, Templer, S. 245, oder Hauf, Mythos, S. 182, wo beschrieben wird, daß selbst die Verhaftung zum 13.10.1307 eine von Philipp zu unrecht durchgeführte Maßnahme war, da die Templer die Exemtion durch päpstliche Bulle genossen.

199 Demurger, Templer, S. 251. Der Orient als Quelle der Verderbtheit der Templer wird auch bei Sippel, Templer, S. 233, als ein Punkt der Anklage gesehen.

200 Siehe auch Abschnitt III.5.B.

201 Hauf, Mythos, S. 186

202 Vgl.: Ebd.

203 Vgl.: Sippel, Templer, S. 233.

204 Ebd., S. 234.

205 Eine Praktik, die auch den Katharern vorgeworfen wurde. Bei den Katharern bedeutet das Tragen der Schnüre den Erhalt des consolamentum. Demurger, Templer, S. 251.

206 Hauf, Mythos, S. 187.

207 Hauf, Mythos, S. 189.

208 Weder E. Ewig (Die Merowinger und das Frankenreich, Stuttgart Berlin Köln 31997), noch A. Angenendt (Das Frühmittelalter; Die abendländische Christenheit von 400 bis 900, Stuttgart Berlin Köln 21995) und R. Schneider (Das Frankenreich, München 31995) erwähnen das angeblich so wesentliche Symbol der Kröte im Zusammenhang mit den Merowingern.

209 Sippel berichtet, daß in Esoterikerkreisen das in der Gotik häufig gebrauchte Bauelement der Grille, einer Darstellung eines Dämons oder Götzen, allenthalben als templerisch und obskur angesehen wird. Sippel, Templer, S. 236 f.

210 Der heilige Gral und seine Erben, S. 57.

211 Ebd., S. 58.

212 Ebd.

213 Ebd.

214 Auf diese Vorgänge wird noch einmal im nächsten Abschnitt III.6.C eingegangen.

215 Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 298.

216 Ebd., S. 295.

217 Ebd., S. 299.

218 Ebd.

219 Demurger, Templer, S. 237.

220 Beispielsweise bei Demurger, Templer, S. 237.

221 Vgl. Michelet, J.: Le procès des Templiers; 1. Bd., Paris 1887, S. 42 f.; zitiert nach: BulstThiele, Sacrae Domus, S. 301.

222 Sippel, Templer, S. 233.

223 Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 321.

224 Ebd., S. 320.

225 Ebd., S. 328 f.

226 Hauf, Mythos, S. 274.

227 Bulst-Thiele, Sacrae Domus, S. 335.

228 Demurger, Templer, S. 261.

229 Vgl.: Ebd., S. 313.

230 Hauf, Mythos, S. 290.

231 Vgl.: Ebd.

232 Vgl.: D emurger, Templer, S. 10.

233 Bulst-Thiele, Sacrae Domus

234 Vgl.: Demurger, Templer, S. 10.

235 Die in der Arbeit verwendeten Kurztitel sind im Literaturverzeichnis mit eckigen Klammern gekennzeichnet.

Details

Seiten
52
Jahr
2000
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97446
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1.7
Schlagworte
Mythos Templer Hauptseminar Katharina Siena Frauenmystik Mittelalter

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Titel: Der Mythos der Templer