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Alkoholismus und Alkoholchemie im Körper

von Sarah Rahnfeld Karolina Domagalski Meike Krohn

Facharbeit (Schule) 2000 12 Seiten

Chemie - Organische Chemie

Leseprobe

Alkoholismus und Alkoholchemie im Körper

Alkohol ist eine Erfindung der Natur. Trotzdem zeigt er beim Menschen Wirkungen, auf die der Körper nicht eingestellt ist. Diese verschiedenen Wirkungen beeinflussen sich gegenseitig und rufen so neue Wirkungen hervor.

Für den Chemiker bezeichnet ,,Alkohol" eine ganze Stoffgruppe. Der Alkohol, den wir trinken, heißt Ethanol oder Ethylalkohol (siehe Abb. 1).

Das Ethanolmolekül enthält zwei Bereiche mit unterschiedlichen Eigenschaften:

Die unpolare Ethylgruppe verleiht dem Alkohol die Fähigkeit, sich in Fett zu lösen. Dieses Verhalten bezeichnet man als lipophil (d.h. ,,fettliebend").

Die polare Hydroxylgruppe ermöglicht dem Alkohol, sich in jedem Verhältnis mit Wasser zu mischen. Diese Eigenschaft nennt man hydrophil (d.h. ,,wasserliebend"). Durch diesen amphiphilen Doppelcharakter kann das Ethanolmolekül an jeden Ort des Körpers gelangen: · hydrophil·gute Löslichkeit im Blut: Verteilung im gesamten Körper · lipophil: die Zellmembran kann ungehindert durchdrungen werden.

Jeder Mensch hat schon von Natur aus Alkohol im Blut und zwar 0,002- 0,0003 %.Der Grund dafür sind Bakterien und Hefen, welche im menschlichen Verdauungstrakt vorkommen und den Alkohol in geringen Mengen produzieren.

Würde Alkohol erst heutzutage entdeckt werden, so würden Verkauf und Verzehr niemals legalisiert werden.

Alkohol hat auf das Gewicht bezogen mit 30 kJ fast den gleichen Energieinhalt wie Fett mit 38 kJ. Alkohol kann somit also auch zur Übergewichtigkeit beitragen. Ferner gibt es aber auch Hinweise darauf, daß regelmäßiger Verzehr von Alkohol beim Menschen seltener Erkältungen und weniger häufig Erkrankungen an den Herzkranzgefäßen hervorruft.

Alkohol bzw. Ethanol ist nicht nur eine Droge sondern auch ein Gift. Trotzdem findet man ihn fast überall als Bestandteil von Nahrungsmitteln und Getränken.

Schon im Mund und in der Speiseröhre wird der Alkohol durch Diffusion aufgenommen. Weiterer Alkohol wird dann im Magen, der Rest im Dünndarm resorbiert. Nun durchdringt der Alkohol auch die Membranen der Gehirnzellen. Diese sind wichtig für das Weiterleiten von Nervenimpulsen und damit ausschlaggebend für die Funktion des Nervensystems. Ethanol löst sich in diesen Membranen und verändert die Ordnung der sich dort befindenden Moleküle. Die Molekülordnung ist entscheidend für die Funktion der Nervenzellen; deshalb zeigt der Alkohol hier seine erste Wirkung, indem die korrekte Funktion des Nervensystems zunehmend eingeschränkt wird. Das ,,Hemmzentrum" (Sittlichkeit und Benehmen) ist eines der zuerst betroffenen Gebiete.

Vom Magen und Darm gelangt der Alkohol mit dem Pfortaderblut auch zur Leber, dem wichtigsten Organ des Alkoholabbaus.

Ein kleiner Teil des Alkohols wird allerdings schon im Magen durch das Enzym ADH (Alkohol-Dehydrogenase) abgebaut.

Die Schutzfunktion der ADH verhindert, daß der Alkohol durch Diffusion zu benachbarten Organen gelangt, indem die ADH für einen frühen Abbau sorgt bevor der Alkohol den Blutkreislauf erreicht.

Die ADH besteht aus zwei Untereinheiten. Diese kommen in verschiedenen Formen, den sog. Isoenzymen, vor. Diese Isoenzyme weisen unterschiedliche Eigenschaften auf. Verschlüsselt werden diese Isoenzyme jeweils von verschiedenen Allelen (Varianten) des Gens der ADH.

Da einige Isoenzyme der ADH Alkohol besser oxidieren als andere, bestimmt die genetische Ausstattung des Menschen im Wesentlichen wie gut der Alkohol vertragen bzw. abgebaut wird.

Außerdem fällt bei einem Vergleich von ethnischen Gruppen verschiedener Kontinente auf, daß in verschiedenen Regionen bestimmte Allele vorherrschen. Zum Beispiel vertragen Japaner, Vietnamesen und Chinesen Alkohol in der Regel schlechter als Europäer.

Alkohol und Nahrung

Wie schnell die Alkoholaufnahme erfolgt hängt davon ab, ob, wieviel und welche Nahrung man zu sich nimmt.

Nahrungsbestandteile wie Zucker (z.B. Saccharose: , Aminosäuren (z.B. Glycin: und Neutralfette hemmen die Magenbewegung. Das heißt, daß der Mageninhalt nur verzögert weitertransportiert wird.

Wenn man z.B. ein Glas Wein zum kohlenhydratreichen Essen trinkt, bleibt der Alkohol lange genug im Magen um von der ADH abgebaut zu werden.

Gelangt der Alkohol aber in den Dünndarm sorgt dessen große Oberfläche für eine schnelle Aufnahme und für einen schnellen Übertritt ins Blut.

Also beeinflußt auf der einen Seite die Menge und die Art der Nahrung die Aufnahme und den Stoffwechsel des Alkohols.

Auf der anderen Seite beeinflußt aber auch der Alkohol den Stoffwechsel von Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten, da der Alkohol beim Alkoholismus beginnt, Kohlenhydrate und Fette bei der Energiebedarfsabdeckung zu verdrängen. Bald kommt es dann auch zur geringeren Verwertung der Proteine, so daß schließlich bis zu 41% des Energiebedarfes durch alkoholische Kalorien abgedeckt werden können.

Der Alkohol ersetzt dann also wichtige Nahrungsstoffe, die den Alkoholikern dann fehlen.

Auch läßt sich feststellen, daß der Alkohol den Durst eines Menschen nicht richtig stillt. Das kommt dadurch, daß der Alkohol die Absonderung des Hormons Vasopressin aus der Hirnanhangdrüse hemmt. Fehlt dieses Hormon, so sondert die Niere mehr Wasser ab. Auch das Blut ist davon betroffen. Die Salz -und Proteinkonzentrationen erhöhen sich zwangsläufig und das Durstgefühl nimmt zu.

Das Trinken von Wasser kann die Salzkonzentration des Blutes wieder normalisieren. Doch beim weiteren Alkoholgenuß bleibt der Durst bestehen.

Interessant ist auch, daß Alkohol bei Frauen schneller und stärker wirkt als bei Männern. Dieses hat zwei Ursachen:

Zum einen löst sich der Alkohol im Muskelgewebe besser als im Fettgewebe, da dort ein geringerer Wassergehalt vorherrscht.

Da Frauen anteilig mehr Fettgewebe als Muskelgewebe besitzen, steht dem Alkohol also bei Frauen ein geringerer Verteilungsraum zur Verfügung. Deshalb steigt der Alkoholspiegel im Blut einer Frau auf höhere Werte.

Zum anderen besitzt die ADH bei Frauen -nach einem amerik.-ital. Forscherteam (1990)- eine geringere Aktivität. So erreicht der Alkohol also schneller das Blut.

Alcotest

Die Alcotest- Röhrchen enthalten gelbes Kaliumchromat [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und Schwefelsäure [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] auf einem festen Trägermaterial (Silicagel). Strömt nun die Atemluft betrunkener Menschen (diese Luft enthält Ethanol) über das Nachweisreagenz, so färbt sich dieses grün.

Chemische Reaktion:

Es gibt eine vorgelagerte Reaktion, bei der die gelben Chromat- Ionen mit den WasserstoffProtonen der Schwefelsäure zu orangenen Dichromat-Ionen und Wasser reagieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Chromat- Ion Dichromat-Ion

In der eigentlichen Nachweisreaktion werden die Ethanol- Moleküle mit Hilfe der Wasserstoff- Protonen der Schwefelsäure zu Acetaldeyd (Ethanal) oxidiert. Entsprechend werden die orangenen Dichromat-Ionen mit Hilfe der Wasserstoff- Protonen zu grünen, dreifach positiv geladenen Chrom- Ionen reduziert, außerdem entsteht bei dieser Reaktion Wasser.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ethanol Dichromat-Ion Chrom- Ion Acetaldehyd

Auswirkungen des Alkohols auf die Organe:

Gehirn und zentrales Nervensystem:

- Aktivität wird verlangsamt
- Nervenzellen brauchen länger, um Signale zum Hirn zu leiten
- Reaktionen und Sprache werden langsamer und unpräziser

Ursache: Der Alkohol löst sich im Wasser, welches die Zellen umgibt und somit wird die chemische und elektrische Signalübermittlung von Zelle zu Zelle gestört.

Ohren:

- sie sind unser Gleichgewichtsorgan
- das Gleichgewicht wird gestört
- schwankender Gang bei betrunkenen Personen

Ursache: Der Alkohol verändert die Dichte des Gewebes.

Haut:

- angenehmes Wärmegefühl

Ursache: Aufgrund des Acetaldeyds werden die Gefäße erweitert, daher das Wärmegefühl. Es wird allerdings noch zusätzlich dadurch unterstrichen, daß die Pulsfrequenz und der Blutdruck vom Alkohol erhöht werden.

Der eigentliche Effekt ist aber gegenteilig, da der Alkoholgenuß den Wärmeverlust fördert.

Magen und Verdauungstrakt:

- Männer bauen Alkohol schneller ab als Frauen

Ursache: Männer besitzen mehr ADH, welches den Abbau von Alkohol zu Acetaldehyd herbeiführt.

Leber:

- Alkohol regt den Appetit an
- Alkohol = ,,doppelter Dickmacher"

Ursache: In der Leber ist der Alkohol für den Abbau von Glycogen zu Glucose verantwortlich, d.h. also, daß der Primärenergiespeicher des Menschen somit geplündert wird, es erklärt sich somit auch der Appetit.

Nieren:

- trinkt man _ Wein, so wird innerhalb der nächsten 2 Stunden _ Liter Urin ausgeschieden
- normalerweise recycelt die Niere das Wasser und führt es in den Kreislauf zurück

Ursache: Der Vorgang wird von einem Enzym, dem sogenannten Vasopressin geregelt. Alkohol reduziert jedoch diesen Vasopressingehalt und daher geben die Nieren Verstärkt Wasser an die Blase ab.

Sex:

- weniger Hemmungen
- Menschen sind leichter in Stimmung zu bringen
- sie sind außerdem empfänglicher für erotische Signale · Ausdauer beim Liebesspiel wird erhöht
- Alkohol übt Nachteile auf das Erektionsvermögen des Mannes aus

Ursache: Alkohol dämpft das Nervensystem, außerdem hat Alkohol eine muskelentspannende Wirkung.

Die Leber

Die Leber ist das wichtigste Entgiftungsorgan für den Alkoholabbau.

Sie ist die größte Drüse bei Wirbeltieren und liegt beim Menschen rechts unter den Rippen und erstreckt sich bis über die Körpermitte. Die Farbe ist rot-braun, das Gewicht beträgt ca. 1500g. Die Leber ist das blutreichste Organ nach dem Herzen. An ihrer Rückseite befindet sich die Gallenblase als Anhängsel des Gallengangs.

Die Eintritts- bzw. Austrittsstelle von Gefäßen, Nerven und dem Gallengang nennt man Leberpforte.

Die Leberarterie versorgt die Leber mit sauerstoffreichem Blut, die Pfortader transportiert nährstoffreiches Blut vom Darm zur Leber.

Eine gemeinsame Lebervene führt das Blut dem Blutkreislauf wieder zu.

Die Leber besteht aus etwa 1 Million meistens fünf -oder sechseckigen Leberläppchen, die einen Durchmesser von 1-2mm und eine Länge von 2mm besitzen.

Neben der klassischen Einteilung der Leber in Leberläppchen, unterscheidet man die Leberazinus, die sich jeweils zwischen zwei Periportalfeldern befinden.

Man unterteilt den Leberazinus in Zone I, II und III, denen jeweils verschiedene Funktionen zugewiesen werden können.

Diese Zonen lagern sich um eine Achse herum, die von einer terminalen Arteriole (sauerstoffreiches Blut) und einer terminalen Venole (Pfortaderblut) gebildet wird.

Diese beiden Gefäße speisen unendlich viele, winzige Blutkapillaren, die Sinus, die radial in Richtung auf eine Zentralvene verlaufen.

Die Sinus führen Mischblut. Durch die aufgrund der weiten Verzweigung sehr große Oberfläche der Blutkapillaren kann ein optimaler Stoffwechselaustausch mit den Leberzellen stattfinden.

Das die Innenwände der Blutgefäße bedeckende Epithel enthält Fenster und Poren, durch die Sauerstoff und Nährstoffe mit Stoffwechselschlacken ausgetauscht werden. Das schlackenreiche Blut sammelt sich in den Zentralvenen, die sich dann zu größeren Gefäßen, den Lebervenen, vereinigen. (siehe Zeichnung 1 und 2)

Aufgaben der Zonen:

Zone I kommt in den Genuß des sauerstoffreichsten Blutes. Der Sauerstoff wird hier zum Stoffwechsel und zur Glucosesynthese benutzt.

In Zone II werden vor allem Fette synthetisiert. Der Alkoholstoffwechsel aufgrund langfristigem Alkoholkonsum verursacht eine eingeschränkte Stoffwechselsituation. Die Bildung von unerwünschten Ausgangsstoffen wird nicht beschränkt sondern gefördert, Fette werden synthetisiert anstatt abgebaut.

Schließlich ist die Leber überhaupt nicht mehr in der Lage Fette abzugeben und lagert sie ein. Die bekannte Fettleber entsteht. Dabei kommt es notwendigerweise zum Anschwellen der Zellen, wodurch die benachbarten Blutkapillaren eingeengt werden. Die Blut- und Sauerstoffversorgung der Zone III werden dadurch behindert, die Zellen der Zone III werden geschädigt und es kommt zum Zelltod. Somit kann die Zone III ihre Funktion, die besonders in der Entgiftung besteht, nicht mehr wahrnehmen.

Die chemische Reaktion beim Alkoholabbau:

Alkohol wird im Stoffwechsel durch Oxidation zu Kohlendioxid, den wir ausatmen, und Wasser abgebaut. Dafür sind drei Enzymsysteme verantwortlich:

Die ADH (siehe vorne), das mikrosomale ethanoloxidierende System (MEOS) und die Katalase.

Jedes dieser Enzymsysteme befindet sich in der Leber (siehe vorne), die 90% des Alkoholabbaus als Aufgabe hat.

Im ersten Schritt wird Ethanol zu Acetaldehyd (Ethanal) oxidiert.Dabei werden Elektronen von Ethanol auf das Coenzym Nicotinamid-adenin-dinucleotid (NAD+) übertragen. Dieses Coenzym wird zu NADH reduziert.

Das Gleichgewicht wird auf die reduzierende Seite verschoben und es kommt zu einem Überschuß an NADH. Dieser Überschuß sorgt für die Folgen des Alkoholismus. Im zweiten Schritt wird dann das Acetaldehyd weiter zu Essigsäure (Ethansäure) oxidiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es kann jedoch passieren, daß sich das Acetaldehyd an Proteine bindet, zu deren Funktionsstörung es dann kommt. Das bedeutet also, daß es sich bei Acetaldehyd um ein giftiges Zwischenprodukt des Alkoholabbaus handelt.

Zusätzlich zur Leistungsfähigkeit der Leber hängt der Alkoholabbau weiterhin auch vom allgemeinen Gesundheitszustand, der jeweiligen Verfassung der Person und davon ab, ob der Alkohol auf nüchternen Magen getrunken wurde.

Alkohol wirkt auch auf den Schlaf.

Der Schlaf besteht aus Phasen, deren Dauer und Reihenfolge für eine erholsame Nachtruhe ausschlaggebend sind. Nach dem Genuß von Alkohol werden zum Beispiel die REM-Phasen unterdrückt (REM = rapid eye movement). Während dieser Phase bewegen wir unsere Augen schnell und träumen. Da diese unterdrückt werden, müssen sie in den folgenden Nächten nachgeholt werden. Deshalb kommt es zu einem unruhigen Schlaf.

Das Zittern ist eine erste Entzugserscheinung als Folge des Alkoholexzesses vom Vorabend. Das Nervensystem versucht, dem beruhigenden Effekt des Ethanols entgegenzuwirken und arbeitet nun mit erhöhter Aktivität. Ohne Alkohol ist dies jedoch zuviel für den Körper und führt zu einer unkoordinierten Stimulation der Muskeln, dem sog. Tremor.

Der Morgen danach

Der Körper muß erst den Alkohol und anschließend das Acetaldehyd abbauen. Dies ist auch für den sogenannten ,,Kater" verantwortlich, es verursacht Kopfschmerzen und Übelkeit. Der beste Rat ist, nach dem Alkoholgenuß ins Bett zu gehen und den Alkohol im Schlaf abzubauen. Am Morgen danach ist der Körper dann mit dem Abbau des Acetaldehyds beschäftigt.

Man kann einen Kater nicht vermeiden, denn die Abbauvorgänge verlaufen langsam und können nicht beschleunigt werden.

Die unangenehmsten Symptome lassen sich jedoch abmildern, indem man

- vor dem ersten Glas Alkohol ein Glas Milch trinkt. Dadurch wird vermieden, auf nüchternen Magen zu trinken
- bei einer Sorte Alkohol bleibt und zwischendurch ein Glas Wasser trinkt
- bevor man ins Bett geht ein großes Glas Wasser trinkt, nicht zuletzt um einem Flüssigkeitsverlust vorzubeugen
- zum Frühstück etwas Süßes ißt, wie beispielsweise Honig oder Marmelade, da Fructose eine wichtige Rolle beim Aufbau eines Enzyms spielt, welches am Abbau von Alkohol beteiligt ist; außerdem wird so das Glycogendepot wieder aufgefüllt.

Langzeitfolgen

Folgende Langzeitfolgen werden durch den ständigen Genuß von Alkohol verursacht:

- Störung der Gehirnfunktion
- Nachlassen des Gedächtnisses
- eventuell Magenentzündungen
- insbesondere Männer, die regelmäßig Alkohol trinken, sind empfänglich für Magengeschwüre.

Alkoholismus - Die schleichende Krankheit

Alkohol ist eine Droge, die zur Abhängigkeit führen kann. Diese verändert normale Körperfunktionen dauerhaft und führt so zu Entzugserscheinungen. Diese können zur körperlichen Abhängigkeit führen. So sind 7% der Erwachsenen als schwere Trinker einzustufen.

Das Kernproblem: Die Psyche

Alkoholismus betrifft meist Personen, deren soziales Umfeld gestört ist und die keine andere Möglichkeit der Verarbeitung ihrer Probleme sehen als durch den Genuß von Alkoholika. So beginnt für diese Person im Augenblick des Griffes zur Flasche ein sog. circulus vitiosus (Teufelskreis, siehe Abb. 2). Der Alkohol führt nicht zur Lösung des Problems, sondern verstärkt dieses. Es wird also immer wieder zur Flasche gegriffen, die Konsummenge stets gesteigert. In diesem Stadium ist der Betroffene bereits psychisch abhängig; er meint, ohne Alkohol nicht mehr leben zu können. Diesen Zustand empfindet der Körper nach einiger Zeit als ,,normal"; es kommt zu Entzugserscheinungen.

Toleranz

Der erste Schritt zur Abhängigkeit ist die Toleranz. Der Körper toleriert immer mehr Alkohol, d.h. er gewöhnt sich sehr schnell an den Alkohol. So kommt es oftmals vor, daß der Körper eines chronischen Alkoholikers mit einer tödlichen Alkoholmenge zurecht kommt (siehe Tabelle 2).

Folgende grundlegende Mechanismen sind für diese Anpassung verantwortlich:

1. Metabolische Toleranz

Sie beruht auf beschleunigtem Abbau des Alkohols durch die Erhöhung der Menge der zuständigen Enzyme (z.B. ADH). Zusätzlich werden neue Ethanolabbauwege erschlossen (z.B. das mikrosomale ethanoloxidierende System - MEOS).

2. Neuronale Toleranz (siehe Abb. 3)

Darunter versteht man den Versuch des Organismus durch Anpassung an veränderte Bedingungen die Funktion des Nervensystems aufrecht zu erhalten. Durch diese Reaktionen kommt es zu den ersten Entzugssymptomen. Die äußeren Membranen der Nervenzelle sind für die Weiterleitung von Nervenimpulsen verantwortlich. Diese Nervenimpulse werden über Ionenkanäle vermittelt. Hier strömen Ionen ein und aus, so daß sich an dieser Stelle das Membranpotential verändert - das führt zu einem elektrischen Impuls. Dieser wird von Zelle zu Zelle weitergeleitet. Diese Aufgabe übernehmen die sog. Neurotransmitter. Sie werden von einer Zelle ausgeschüttet und docken an den Rezeptoren der Nachbarzelle an. Die Ionenkanäle und die Rezeptoren können nur funktionieren, wenn sie von speziellen Membranbestandteilen umgeben sind.

Ethanol schwächt nun den Zusammenhalt der Membranmoleküle; dadurch wird die Funktion der Ionenkanäle und Rezeptoren beeinträchtigt. Bestimmte Rezeptorsysteme können sich dann nicht mehr zuverlässig öffnen oder schließen. Ein Beispiel dafür ist das sog. GABA-System. GABA ist die

_-Aminobuttersäure. Die Folge davon ist die anhaltende Hemmung der nachgeschalteten Nervenzellen, die dadurch zustande kommt, daß die Ionenkanäle dauerhaft geöffnet sind.

Die Zellen wirken nun der erhöhten Molekularveränderung bzw.-störung entgegen, indem sie die Zusammensetzung ihrer Membranen selbst verändern. Dieser Vorgang ist bis heute ungeklärt. Durch diese Anpassung des Körpers - seine Toleranz - verträgt der Körper immer mehr Alkohol.

Der körperliche Zwang zu trinken

Wenn der Organismus den Alkoholspiegel als ,,normal" betrachtet und seine Funktion auf diesen Zustand eingerichtet hat, so bezeichnet man dies als physische Abhängigkeit.

Die Stärke der Entzugserscheinungen hängt von dem Grad des Alkoholismus ab. Sie entstehen dadurch, daß das Nervensystem bei Abwesenheit des Alkohols überaktiv ist. Nach wenigen Stunden kommt es zu Krampfanfällen. Diese entstehen dadurch, daß die Nervenimpulse für Muskelgruppen nicht mehr gehemmt werden. Die Anfälle können im sog. status epilepticus -einem Krampfzustand- enden.

Bei Alkoholikern, die drei bis fünf Jahre abhängig sind, kommt es nach einigen Tagen zum sog. delirium tremens. In diesem Zustand halluziniert die betreffende Person und wird aggressiv. Sie muß behandelt werden, denn 15 % der Alkoholiker sterben an seinen Folgen. Zu Todesfällen kommt es infolge des starken Wasserverlustes und der überhöhten Körpertemperatur während dieser Zeit. Der Zustand endet meistens mit einem Kreislaufkollaps.

Der Entzug

Zur Bekämpfung von Entzugserscheinungen setzt man Mittel ein, die die gleiche beruhigende Wirkung wie Alkohol haben und die dem Körper das Vorhandensein der Droge vortäuschen. Der Unterschied zum Alkohol besteht darin, daß diese Mittel die Zusammensetzung der Membranen nicht beeinflussen. Bei Personen, die an den gefährlichsten Entzugserscheinungen (an Krampfzuständen) leiden, werden Benzodiazepine eingesetzt. Ein Beispiel dafür ist Valium (siehe Abb. 4). Es wirkt nur in hohen Dosen; Benzodiazepine öffnen die Ionenkanäle (Chloridkanäle) der GABA-Rezeptoren und gleichen somit die fehlende Alkoholwirkung aus (siehe Abb. 5).

Hat die betreffende Person diese Entzugsphase überstanden, so ist die Funktion des Organismus nicht mehr vom Alkohol abhängig.

Die Therapie danach

Die meisten Alkoholiker werden noch nach dem Entzug rückfällig. Sehr schnell passt sich der Körper dem Alkohol wieder an. Deshalb ist eine psychologische Nachbehandlung nötig. Früher wurde eine Therapie mit einer ,,Schocktherapie" kombiniert. Als Entzugsmedikament wird ,,Antabus" eingesetzt. Dieses Medikament sollte als Wurmkurmittel dienen und wurde von zwei dänischen Wissenschaftlern getestet.

Sie tranken etwas Alkohol und nahmen das Mittel zu sich. Eine geringe Dosis löste bei ihnen den sog. ,,Atabus-Effekt" aus: Übelkeit, Herzrasen, Schwitzen, Kopfschmerzen und Angst bis zur Todesangst. Die Ursache dafür ist die Inaktivierung der Acetaldehyd-Dehydrogenase (ALDH). Das giftige Aldehyd, daß beim Alkoholabbau entsteht, häuft sich an und verursacht diese Symptome.

Heute verzichtet man auf diese Therapie; die psychologische Therapie wird bevorzugt.

Wenn Alkohol das Brot ersetzt

Häufige Begleiterscheinungen des Alkoholismus sind Fehlernährung und Vitaminmangel. Alkoholiker decken bis zu 60 % ihres Energiebedarfs durch Alkohol. Andere Nährstoffquellen werden häufig vernachlässigt. Das führt dazu, daß der ,,Vitaminhaushalt" zusammenbricht. Es fehlen vor allem Vitamin B12 , B6 , B1 und Pantothensäure. Die Aufnahme von Vitamin B1 kann bis zu 90 % verringert werden. Fehlt dieses Vitamin, so arbeiten viele Enzyme unzureichend. Das macht sich in Geweben mit einem intensiven Energiestoffwechsel bemerkbar. Dies gilt vor allem für Muskel- und Nervengewebe. Lähmungen und Schwächungen aller Muskeln können zum Tode führen.

Neben den physischen Folgen gibt es auch psychische Folgen. Dazu gehören nachlassende Intelligenz, Desorientiertheit, Phantasien, Verwirrungen und Halluzinationen. Diese Symptome werden als Wernicke-Korsakow- Syndrom bezeichnet.

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Details

Seiten
12
Jahr
2000
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97391
Note
14 Punkte
Schlagworte
Alkohol

Autoren

  • Sarah Rahnfeld

    1 Titel veröffentlicht

  • Karolina Domagalski

  • Meike Krohn

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Titel: Alkoholismus und Alkoholchemie im Körper