Lade Inhalt...

Thomas Mann - Die Buddenbrooks - Hannos Hinwendung zur Musik

Seminararbeit 1995 22 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Thematisierung von Musik im Roman
2.1. Verfall und Musik
2.2. Rolle der Musik im Familienleben der Buddenbrooks

3. Hannos Hinwendung zur Musik
3.1. Ausgangssituation für Hanno
3.1.1. Hoffnungen und Erwartungen von Seiten der Familie
3.1.2. Hannos Voraussetzungen
3.2. Die Prägung durch die Eltern
3.2.1. Der Einfluß seines Vaters
3.2.2. Der Einfluß seiner Mutter
3.3. Die ersten Schritte Hannos auf dem Gebiet der Musik
3.4. Hannos zweite Phantasie

4. Schlußbemerkungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Erstlingsroman "Buddenbrooks" von Thomas Mann, der im Oktober des Jahres 1901 erschien, erfreut sich heute noch großer Beliebtheit und wird von immer neuen Generationen gern gelesen. Ein Grund für den ungebrochenen Erfolg dieses Werkes liegt gewiß in der Vielschichtigkeit, mit der Thomas Mann sein Buch gestaltet hat. Der Leser ist immer wieder überrascht, mit welcher Präzision und Detailtreue der Autor das Thema des Verfalls in die Handlung des Romans eingearbeitet hat.

Bei der Verfallsproblematik nimmt auch die Musik eine wichtige Funktion ein. Musik war aber ebenso von großer Bedeutung beim Entstehen der "Buddenbrooks". Mann wurde durch die Musik Wagners beeinflußt, die ihm den Gebrauch von Symbolen und Leitmotiven nahebrachte. Thomas Mann charakterisierte seinen Roman als "eine wunderbare Verbindung"1, welche die "niederdeutsche Humoristik und die epische Motiv-Technik Richard Wagners"1 eingingen. Nicht nur bei der literarischen Gestaltung des Werkes zeigt sich der Einfluß Wagners, sondern auch in der Handlung selbst wird die Musik Wagners thematisiert und als ein Zeichen für Verfall und Verfeinerung eingearbeitet. Musik bestimmte im Roman das Leben Hannos, des letzten Vertreters der vier Generationen, der sich der Musik zuwandte. Er war damit der erste innerhalb seiner Familie, der die bürgerliche Rolle ablehnte und sich der Kunst hingab.

In dieser Arbeit wird versucht , die Hinwendung Hannos zur Musik zu analysieren und herauszufinden, welche Ursachen dazu geführt haben. Dabei soll berücksichtigt werden, wie Thomas Mann das Thema Musik über diesen Zusammenhang hinaus in den Roman einfließen läßt. Das musikalische Schaffen von Hanno wird in den letzten beiden Kapiteln des dritten Teils untersucht, und es wird versucht, mögliche Parallelen zur musikalischen Entwicklung in dieser Zeit aufzuzeigen.

2. Die Thematisierung von Musik im Roman

2.1. Verfall und Musik

Die Verfallsgeschichte der Buddenbrooks dokumentiert sich am stärksten bei deren letztem Vertreter Hanno. "Alle Symptome der schwindenden Vitalität und zunehmenden Nervosität der vorangegangenen Generationen vereinigen sich"2 in ihm. Zu diesen Symptomen gehört die abnehmende Lebenskraft durch Zunahme von Krankheiten. Die gesundheitlichen Probleme seiner Vorfahren übernahm er schon im Kindesalter, und bei ihm traten sie in konzentrierter und potenzierter Form auf. Der Prozeß der Sensibilisierung fand in Hanno den Abschluß, aber das Interesse seines Großvaters für Religion und Glauben und seines Vaters für ethische und ästhetische Fragen des Lebens deutete bereits an, daß sich auch bei ihnen eine Distanz zu ihren Positionen im bürgerlichen Leben entwickelte.3 Der sensible Hanno schließlich konnte den Anforderungen des praktischen Lebens nicht standhalten. Je mehr die Vitalität der Buddenbrooks abnahm, desto stärker trat die Musik in den Vordergrund. "Die Musik ist innerhalb des Romans eine und mutmaßlich die bedeutendste Macht, die die Lebenskraft der Buddenbrooks unterhöhlt."4 Der Funktionswandel der Musik für das Familienleben der Buddenbrooks wird im nächsten Kapitel dargestellt, aber es sei auch darauf hingewiesen, daß die Rolle der Musik - als Symbol der Verfeinerung und des Verfalls -nicht nur negativ gesehen werden sollte. Der "Aufstieg der Kunst aus der bürgerlichen Kaufmannswelt"5 dokumentiert eine Entwicklung, die in dieser Phase noch keine Durchsetzungskraft besitzt, aber die Perspektive zuläßt, daß eine Verbindung von Bürgertum und Kunst, Rationalität und Gefühlswelt möglich werden kann.

2.2. Rolle der Musik im Familienleben der Buddenbrooks

Gerda und ihr Sohn Hanno waren nicht die ersten Personen innerhalb der Familie Buddenbrook, die sich mit Musik beschäftigt haben. Der Erzähler schildert die Buddenbrooks allerdings als unmusikalisch: "Tony war unmusikalisch; die meisten Buddenbrooks und alle Krögers waren es" 6. Thomas räumte beim Kennenlernen von Gerda selbst ein, daß sie ihm auf dem Gebiet der Musik weit überlegen war (vgl. S. 288). Ob die Buddenbrooks wirklich so unmusikalisch waren, wie sie der Erzähler darstellt (siehe auch S. 535) und es selbst empfanden, ist nicht ganz eindeutig. Gerda stellte nämlich fest, daß die Buddenbrooks "alle Nonen und Dezimen greifen" (S. 501) können, aber bisher keinen Wert darauf gelegt haben. Das Harmoniumspiel der Konsulin (vgl. S. 36) - wenn sie ihren Schwiegervater begleitete, oder die Familie christliche Lieder sang - und das Flötenspiel von Johann Buddenbrook sprechen gegen die Aussage des Erzählers. Es soll daher untersucht werden, welche Funktion die Musik im Familienleben der Buddenbrooks bis zum Eintritt Gerdas in die Familie hatte.

Johann Buddenbrook ließ es sich nicht nehmen, bei Gesellschaft in seinem Haus seine Gäste mit einem Flötenspiel zu unterhalten. Er musizierte "eine kleine, helle, graziöse Melodie, die sinnig durch die weiten Räume schwebte" (S. 36). Johann Buddenbrook machte sich die Musik dienstbar, vertrieb sich damit die freie Zeit und nutzte sie für repräsentative Zwecke.7 Die Musik, die Johann mit seiner Flöte spielte, erfüllte das ganze Haus und hatte einen verbindenden Charakter. Diese leichte Musik war für die Ohren aller angenehm und verbreitete eine familiäre Atmosphäre. Thomas erlebte Musik in seinem Haus später ganz anders. Sie war zum Zeichen von Trennung und Entfremdung geworden. Thomas empfand sie als feindliche Macht (vgl. S. 508), die er nicht beherrschen konnte. Repräsentativ war das Musizieren in seinem Haus auf keinen Fall mehr, und er litt sehr unter den musikalischen Rendezvous seiner Frau Gerda mit Leutnant von Throta. Sie spielten die neue Musik der Zeit, die Thomas verschlossen blieb und die nichts Verbindendes im Hause darstellte. Thomas hatte Freude an einfachen und schönen Melodien (vgl. S. 509), aber der Zugang zur Musik - so wie ihn seine Frau Gerda verstand - blieb ihm verschlossen. Melodien mit leichter Grazie wurden im Hause Buddenbrook nicht mehr gespielt.

Bei Johanns Sohn Jean und dessen Frau Bethsy blieb der repräsentative Charakter des Musikgebrauchs bestehen. Er veränderte sich insofern, daß das Musizieren in den religiösen Zusammenhang gesetzt wurde. "Wie in der ersten Generation ist die Musik nicht künstlerischer Selbstzweck, sondern Dienerin des Menschen."8 Die Kinder Tony, Clara, Christian und Thomas setzten die Tradition des häuslichen Musizierens zur Begleitung christlicher Lieder nicht fort. Über Clara und ihr Verhältnis zur Musik wird nichts ausgesagt, Tonys Unmusikalität wurde am Anfang dieses Kapitels bereits erwähnt. Christian schwärmte zwar für Musikdarbietungen wie bei Opern und bei Konzerten, aber der Erzähler spricht ihm musikalische Talente ab: "denn er konnte durchaus nicht spielen und warüberhaupt unmusikalisch wie die meisten Buddenbrooks" (S. 263). Mit dieser Aussage des Erzählers muß allerdings auch kritisch umgegangen werden, denn bei einem Weihnachtsfest bewies Christian durchaus Musikalität, als er seinem Neffen Hanno etwas aus der Oper "Fidelio" vorführte (vgl. S. 539). Es entsteht vielmehr der Eindruck, daß Christian seine künstlerischen Begabungen aufgrund seiner Labilität und der Familienräson nicht entwickeln konnte. Musik bei den Buddenbrooks beschränkte sich auf eine untermalende, begleitende Funktion. Da der repräsentative Charakter der Musik im Vordergrund stand und der religiöse Rahmen nicht verlassen werden sollte, konnten sich eventuell vorliegende Begabungen nicht entfalten. Gerda prägte eine grundsätzlich neue Einstellung zur Musik: "Die Musik wird nun nicht mehr in den Dienst des Menschen gestellt..., sondern nunmehr wird der Mensch der Musik dienstbar."9 Diese Einstellung zur Musik konnten die anderen Familienmitglieder nicht nachvollziehen, nur Hanno wurde durch ihre Leidenschaft zur Musik geprägt.

3. Hannos Hinwendung zur Musik

3.1. Ausgangssituation für Hanno

3.1.1. Hoffnungen und Erwartungen von Seiten der Familie

Im vierten Jahr der Ehe von Thomas und Gerda kam ihr erstes und einziges Kind, ihr Sohn Hanno, zur Welt. Der so lang ersehnte Sohn, Erbe und potentielle Nachfolger für den Vorsitz der Firma Buddenbrook beendete vorerst die Sorgen vieler Familienmitglieder in bezug auf die weitere Existenz der Familie und ihrer Kaufmannstradition. Die Mutter von Thomas, die Konsulin Buddenbrook, war über die Kinderlosigkeit ihres ältesten Sohnes beunruhigt und sprach bereits mit dem Hausarzt Doktor Grabow Maßnahmen ab, um diesem Zustand entgegenzuwirken (vgl. S. 364). Thomas sorgte sich ebenfalls, weil "für das Fortleben des Familiennamens noch immer keine Sicherheit gegeben war" (S. 364).

Um so mehr schien es, daß die Geburt von Hanno eine neue Ära der Familie und der Firma Buddenbrook einleiten könnte. Aus gutem Grund wurde der Neugeborene auf die Namen "Justus, Johann, Kaspar" (S. 399) getauft. Entscheidend ist der Vorname, der in der Mitte auftritt. Justus wurde vom Taufpaten Justus Kröger übernommen, Kaspar wurde er genannt, weil Thomas als zweiten Taufpaten den Bürgermeister Doktor Kaspar Oeverdieck gewinnen konnte. Der eigentliche Rufname entspricht dem Vornamen Hannos Urgroßvaters. Mit der Namensgebung wird der Wunsch der Familie deutlich, an die glanzvollen Zeiten Johann Buddenbrooks anzuknüpfen, der die Firma souverän und erfolgreich leitete, in dessen Haus die bessere Gesellschaft der Hansestadt verkehrte und der, wie Tony sich so gern erinnert, "anno 13 vierspännig nach Süddeutschland gefahren" (S. 12) war. Vergessen und verdrängt werden sollten die keineswegs gern gesehene Entwicklung von Christian, die Kinderlosigkeit der Ehe von Tiburtius und Clara, die zwei gescheiterten Ehen von Tony und die Stagnation der Firma. Tony faßte die Erwartungen der Familie zusammen: "Jetzt, wo der kleine Johann da ist - es ist so schön, daßwir ihn wieder Johann genannt haben -, jetzt ist mir, als ob noch einmal eine ganz neue Zeit kommen muß!" (S. 402). Die nächsten Ereignisse schienen diese Erwartungen zu erfüllen. Thomas wurde in den Senat seiner Heimatstadt gewählt und "seine Geschäfte gingen in diesen Jahren so ausgezeichnet wie ehemals nur zur Zeit seines

Großvaters" (S. 419).

Hanno, "auf dem längst so viele Hoffnungen ruhen, von dem längst so viel gesprochen, der seit langen Jahren erwartet, ersehnt worden" (S. 396) war, wurde bereits vor seiner Geburt mit der Bürde des späteren Firmenchefs beladen. Es stellte sich weder für Thomas noch für die anderen Familienmitglieder die Frage, ob Hanno diesen vorgezeichneten Weg einschlagen möchte und ob er überhaupt befähigt und gesundheitlich in der Lage wäre, eine solch anspruchsvolle Tätigkeit auszuführen. Hanno wuchs als Einzelkind auf und konnte sich nicht hinter Geschwistern verstecken. Alle Blicke der weiteren, wie z. B. die der Töchter Gottholds, und der engeren Verwandtschaft richteten sich auf ihn. Seiner Tante Tony Buddenbrook bereitete es Sorgen, daß seine Entwicklung nicht wie geplant verlief: "Aber ich will dir sagen, Ida, es ist nicht gut, ich halte es nicht für gut, daßihm alles so nahegeht...Das Kind...neigt dazu, alle Dinge mit zu eindringlichen Augen anzusehen und sich alles zu sehr zu Herzen zu nehmen..." (S. 464). Da Tony ganz besondere Hoffnungen in Hanno setzte, konnte oder wollte sie nicht akzeptieren, daß der kleine Johann keineswegs in die Fußstapfen des Urgroßvaters treten würde. Selbst die Liquidierung der Firma durch die testamentarischen Bestimmungen von Thomas hielten sie nicht davon ab, zu glauben, "daßihr Neffe eben ein junges und neues Werk beginnen müsse, um...die Familie zu neuer Blüte zu bringen" (S. 696). Durch Tony wird deutlich, welche Hoffnungen die Familie in Hanno setzte. Die Tradition der Patrizierfamilie und das gesellschaftliche Ansehen ließen keine andere Erwartungshaltung gegenüber Hanno zu: Ausbildung zum Kaufmann und zukünftiger Firmenchef waren die Eckpfeiler für sein Leben, die er unbedingt erfüllen mußte.

3.1.2. Hannos Voraussetzungen

Ein geebneter und vorbestimmter Weg erwartete Hanno in seinem Leben. Sein Vater und die traditionsbwußte Familie Buddenbrook planten seinen Lebensweg. Hanno schlug die vorgegebene Richtung nicht ein. Im Roman finden sich kurz nach seiner Geburt einige Hinweise, die andeuten, daß Hanno die Voraussetzungen fehlten, um den Erwartungen seiner Familie gerecht zu werden.

Der auktoriale Erzähler berichtet auf Seite 396 von der großen Freude, die über die Geburt des Jungen in der Familie herrscht. Am Ende dieses Abschnittes bemerkt der Erzähler am Rande, daß Hanno "ganz unscheinbar" (S. 396) aussieht. Zu dieser Unscheinbarkeit kommen noch die bläulichen Schatten, die er von seiner Mutter geerbt hat, hinzu. Sie stehen dem 4 Wochen alten Kind schlecht zu Gesicht und deuten bereits eine ungünstige Entwicklung an. Blau bzw. bläulich ist der Bestandteil eines Leitmotivs, das im Roman für Verfall und Verfeinerung steht.

Still und kraftlos (vgl. S. 422) war Hanno auf die Welt gekommen, und sein junges Leben rang oft mit dem Tod. Die gesundheitlichen Probleme von Hanno in den ersten Lebensjahren bis zu seinem frühen Tod sind Ausdruck seiner Verweigerung der an ihn herangetragenen Aufgaben. Sie spiegeln seine Lebensunfähigkeit unter den gegebenen Voraussetzungen wider. Ernst Keller schlußfolgert in bezug auf seine Lebenskraft: "Hanno leidet an der Beschaffenheit des Lebens selbst."10 Seine schwache Gesundheit stand im Widerspruch zu seinem nicht selbst gewählten Vorbild Johann Buddenbrook und den hochgesteckten Erwartungen der Familie. Rein äußerlich besaß er zwar die Buddenbrookschen Hände, "und seine Nase war genau die seines Vaters und Urgroßvaters" (S. 423), aber die zarteren Nasenflügel und das schmale Untergesicht, das er von der mütterlichen Familie übernahm (vgl. S. 423), weisen darauf hin, daß die weicheren Züge in seinem Gesicht auch ein Spiegel seiner inneren Befindlichkeit sind. Hanno erbte nicht die Gesundheit und Lebenskraft seines Urgroßvaters, ganz im Gegenteil - sein Leben wurde von gesundheitlichen Schwierigkeiten begleitet. Das Zahnen stürzte ihn wieder in Überlebenskämpfe und hatte nicht nur Auswirkungen auf die Gemütsverfassung des Jungen. Magenverstimmungen, unregelmäßiger Herzschlag und Schwindelanfälle begleiteten die Zahnbeschwerden sein ganzes Leben. Hanno entwickelte sich auch langsam. Das Gehen und das Sprechen ließen bei ihm länger auf sich warten, als es normalerweise üblich war. Wenn der Erzähler mehrfach erwähnt und wiedergibt, daß ihm "im Alter von fünf Vierteljahren, noch kein selbständiger Schritt gelungen" (S. 422) war, weist er auf eine Grundproblematik in Hannos Leben hin. Ihm fiel es schwer, selbständig zu werden und auf eigenen Füßen zu stehen. Unter diesem Aspekt kann auch der frühe Tod von Hanno gesehen werden. Im Alter von sechzehn bis siebzehn Jahren emanzipiert sich ein Kind von seinen Eltern und beginnt, sein eigenes Leben aufzubauen. Hanno hatte innerlich mit der Tradition seiner Familie gebrochen und wollte keinesfalls Kaufmann werden. Mit der Musik konnte er sich keine andere Zukunftsperspektive schaffen, so daß er den Schritt in die Selbständigkeit verweigerte und sich dem Typhus ergab. Was sich bereits in der frühesten Kindheit andeutete, setzte sich bis zu seinem Tod fort. Die mühsamen Fortschritte beim Sprechen (vgl. S. 422) und seine Scheu, sich anderen mitzuteilen ("wie auch vor allem sein Mund, der frühzeitig - schon jetzt - dazu neigte, sich in zugleich wehmütiger undängstlicher Weise verschlossen zu halten" (S. 423)), kennzeichnete ebenso sein späteres Auftreten. Bei Gesprächen mit seinem Vater gab er einsilbige Antworten, und Kommunikation mit anderen Figuren des Romans - außer mit Kai - wird kaum wiedergegeben. Gut ausdrücken konnte sich Hanno mit Hilfe der Musik, auf diesem Gebiet gelang es ihm, seine Gefühle und Stimmungen darzustellen. Der Organist Pfühl ahnte schon frühzeitig die Bedeutung der Musik für Hanno: "Später einmal im Leben, das vielleicht seinen Mund immer fester verschließen wird, mußer eine Möglichkeit haben, zu reden" (S. 502).

Neben den gesundheitlichen Voraussetzungen, die Hanno stark belasteten, waren seine

schulischen Leistungen nicht auf dem Niveau, wie es ganz besonders sein Vater erwartete.

Hannos schwerfällige Auffassung, sein Mangel an Konzentration und die körperliche Zartheit (vgl. S. 461, 620) ließen nur mäßige Schulergebnisse zu. In dem für einen werdenden Kaufmann so wichtigen Fach Rechnen erhielt Hanno Nachhilfeunterricht, um mit der Klasse mithalten zu können (vgl. S. 483). Innerhalb der Klasse war Hanno mit seinem einzigen Freund, Kai Graf von Mölln, isoliert. Seine Weichheit und Verletzlichkeit gab ihm keine Möglichkeit, mit den leistungsstarken oder robusten Mitschülern mitzuhalten. Gemessen an den Voraussetzungen, die Hanno gegeben waren, entsprachen die an ihn gestellten Forderungen keineswegs seinen Möglichkeiten. Die vielen Anzeichen der körperlichen Schwäche, die mäßigen schulischen Leistungen und die fehlende Durchsetzungskraft gegenüber den Gleichaltrigen wurden zwar von den Eltern und Verwandten registriert, führten aber nicht dazu, den Erwartungsdruck von ihm zu nehmen. Da Hanno diesem Druck nicht gewachsen war, ebnete das Verhalten der Familienmitglieder seine Hinwendung zur Musik.

3.2. Die Prägung durch die Eltern

3.2.1. Der Einfluß seines Vaters

Für Thomas stand fest, wie bereits unter 2.1. dargestellt, daß sein Sohn "Kaufmann werden und dereinst die Firmaübernehmen mußte" (S. 619). Die Namensgebung kündigte indirekt an, welche Gedanken er sich über den Werdegang von Hanno machte: "Ein Bild schwebte ihm vor, nach dem er seinen Sohn zu modeln sich sehnte: das Bild von Hanno's Urgroßvater, wie er selbst ihn als Knabe gekannt - ein heller Kopf, jovial, einfach, humoristisch, stark..." (S. 522). Thomas klammerte sich an das Vorbild seines Großvaters, das er selbst nicht erfüllen konnte. Er hätte umdenken müssen, als er spürte, daß die Eigenschaften, die er an seinem Großvater schätzte, bei seinem Sohn nicht einmal in den Ansätzen vorhanden waren und so kaum die Möglichkeit bestand, diese Eigenschaften zu entwickeln. Hannos Veranlagungen zeigten vielmehr, daß er sich zum ganzen Gegenteil seines Großvaters entwickelte. Trotzdem projizierte Thomas dieses Ideal der Familie auf seinen Sohn. Thomas fiel natürlich auf, daß Hanno diesem Bild keineswegs entsprach. Er war allerdings durchdrungen von dem Gedanken, den Ansprüchen der Familie und der Firma gerecht zu werden. "Sein Familiensinn, dieses ererbte und umerzogene, rückwärts sowohl wie vorwärts gewandte, pietätvolle Interesse für die intime Historie seines Hauses hinderte ihn daran..." (S. 618), seinen Sohn so zu akzeptieren, wie er war und Hannos Entwicklung gemäß seinen Voraussetzungen und seinen Interessen zu fördern. Thomas war in der Tradition seiner Familie, die auch seine eigene Tradition wurde, verfangen und konnte deshalb die vorbestimmten Aufgaben nicht von Hanno nehmen. Eine andere Alternative bot sich ihm auch nicht, da Hanno das einzige Kind, der einzige Sohn blieb. Durch seine bewußte und unbewußte Orientierung auf seinen Großvater, der "für ein rückgewandtes Ideal"11 steht, "werden neue Wachstumskräfte erstickt."11 Das bezieht sich besonders auf die psychologische Ebene. Hanno kannte von seinem Vater nicht das Gefühl, angenommen zu sein. Ständig mußte er spüren, daß er den Vorstellungen des Vaters nicht gerecht wurde. Bedingt durch diese Konstellation scheiterten die Erziehungsziele von Thomas, und die Entfremdung von Vater und Sohn war vorprogrammiert. Anstatt schon frühzeitig dem Vater aus eigenem Interesse heraus in der Firma über die Schulter zu schauen, wendet sich Hanno der Musik zu.

Eine Schlüsselszene für den Bruch zwischen Vater und Sohn, und die Hinwendung Hannos zur Musik findet sich im fünften Kapitel des achten Teils: beim 100jährigen Firmenjubiläum. In diesem Abschnitt wird nicht nur die Entfremdung von Vater und Sohn illustriert, auch die Musik als Zeichen der Verfeinerung und des Todes wird ab diesem Zeitpunkt verstärkt vom Autor eingearbeitet.

Inmitten der Feierlichkeiten, die scheinbar einen glanzvollen Höhepunkt für die Firma darstellen, spielte das Stadttheater-Orchester ein buntes Potpourri von Chorälen bis hin zu Volksliedern. Das Orchester untermalte musikalisch den Wechsel von Licht und Schatten, der sich in der Natur abspielte. Doch ging es dem Autor bei dieser Schilderung nicht nur um ein Naturschauspiel, sondern um die Darstellung der Verhältnisse in Familie und Firma. Dieses fünfte Kapitel des achten Teils endet auch mit Musik: "Die Musik...die Musik setzte wieder ein" (S. 494) - kurz nachdem Thomas die Mitteilung von der Vernichtung der Pöppenrader Ernte erhalten hatte, drängte sich ihm die nervende Musik wieder auf. Sie untermalte diesen herben geschäftlichen Verlust, und die Musik war es auch, die seinen persönlichen Abstieg begleitete. Die Musik war es, die die Distanz zu seiner Frau Gerda immer größer werden ließ und - vor allen Dingen - sich zwischen ihn und seinen Sohn stellte. Das fünfte Kapitel endet mit dem Wort "Flöte". Es ist jenes Instrument, das Thomas' Großvater so gern gespielt hatte und das sich durch eine geradlinige und einstimmige Melodieführung auszeichnet. Der Übergang in das nächste Kapitel deutet eine neue Dimension der Musik an. Die Instrumente werden komplizierter und erfordern eine intensivere Beschäftigung mit Musik. Hanno stellte sich diesen Anforderungen und wandte sich in den Bereich, in dem keiner etwas von ihm erwartete.

In diesen Übergang, der durch die Untermalung von Musik gekennzeichnet ist, fällt der Gedichtvortrag von Hanno auf dem Jubiläumsfest. Die Szene ist beispielhaft für das unsensible Verhalten von Thomas gegenüber Hanno, und - durch die Stellung im Roman - endgültiger Auslöser für die Hinwendung Hannos zur Musik. Hanno war vor dem Gedichtvortrag ganz unsicher und ahnte, daß er - wie so oft, wenn seine Fähigkeiten und Geistesgegenwart vom Vater abgeprüft wurden - versagen würde. Thomas wußte wie alle anderen, daß Hanno Schwierigkeiten in solchen Belastungssituationen hatte. Trotzdem ermutigte er ihn nicht und schuf keinesfalls eine Atmosphäre, in der Hanno Sicherheit und Selbstbewußtsein hätte gewinnen können. Ganz im Gegenteil: Hanno spürte die Augen des Vaters mit "prüfendem, ja sogar kaltem Blick" (S.485). Thomas unterbrach seinen Sohn zwei Mal zu Beginn des Vortrages auf fast schon grausame Art undWeise: Er hatte ihm "den letzten Rest von Haltung und Widerstandskraft" (S. 485) geraubt. Hanno hatte Halt am Flügel gefunden (vgl. S. 484, 485), aber auch diese Stütze nahm ihm der Vater. Ein Konflikt zwischen Vater und Sohn, der im weiteren Verlauf der Handlung noch stärker zum Tragen kommt, wird hier bereits vom Autor angedeutet. Für Hanno wird die Musik ein Zufluchtsort sein, sie wird zum Teil sein Halt im Leben sein. Mit Hilfe des Flügels kann er seine Empfindungen ausdrücken und spricht mit seiner Umwelt. Hannos Hinwendung zur Musik wird durch das Anlehnen am Flügel vorbereitet. In dieser Situation gelang es Thomas, seinen Sohn vom Klavier zu trennen. Später versuchte er immer wieder, Hanno und die Musik voneinander zu trennen, scheiterte damit jedoch und verhinderte durch die Interventionen eine ungezwungene musikalische Entwicklung Hannos. Hanno war in seinen Gedanken vor Beginn des Vortrages in der Marienkirche und erinnerte sich sich an besonders bewegende Orgeltöne von Herrn Pfühl. Der spätere Musiklehrer von Hanno, den er sehr verehrte, wird ebenfalls an dieser Stelle vom Autor eingearbeitet. Die Thematisierung von Musik erhält einen immer größer werdenden Raum.

Hanno wußte, daß sein Vater ihn nicht verstehen konnte und sah dessen Unfähigleit und Unwillen, auf seine Charaktereigenschaften einzugehen. Im folgenden Kapitel lernte Hanno die Welt der Musik kennen, und er ließ sich darauf ein. Dort erzielte er jene Erfolge, die ein Kind so dringend benötigt und die er bei seinem Vater nicht erreichen konnte. Die Verhaltensweise von Thomas gegenüber seinem Sohn Hanno während des Firmenfestes verwundert um so mehr, wenn der Kontext dieser Begebenheit berücksichtigt wird. Thomas verlangte von seinem Sohn, daß er "Festigkeit und Männlichkeit gewinnen" (S. 485) sollte. Wie stand es mit den geforderten Eigenschaften bei ihm selbst? Thomas ließ gerade diese Eigenschaften in jenen Tagen vermissen. Das Gespräch mit Tony über eine Hilfe für Herrn Ralf von Maiboom hatte ihn in tiefe Selbstzweifel geworfen. Er spürte ganz deutlich, daß er als Kaufmann und Firmenchef nicht die praktischen Eigenschaften seines Vaters und vor allen Dingen seines Großvaters verkörpern konnte (vgl. S. 469, 470). Für ihn war die eingenommene Position eine Rolle, die er glänzend spielen wollte. Seine persönlichen Voraussetzungen reichten dafür allerdings nicht aus. Sein "ganz ungewöhnlicher Grad formaler Bildung" (S. 410) und sein Interesse für Malerei und Literatur halfen ihm im harten Geschäftsleben kaum weiter. Oft mußte er "sein Fühlen korrigieren...Härte zufügen, Härte erleiden" (S. 469) und war sich bewußt, nicht in Übereinstimmung mit seinem Inneren zu sein. Da er weder ganz "praktischer Mensch" noch "zärtlicher Träumer" (S. 470) war, konnte er mit großen Anstrengungen, deren er später nicht mehr fähig war, seine Rolle weiterspielen. Thomas, der seine Neigungen kannte, billigte diese seinem Sohn nicht zu. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen hätte er reagieren müssen, als er merkte, daß sich die Ansätze bei seinem Sohn Hanno noch verstärkt hatten. Da er es nicht vermochte, Hanno als noch zärtlicheren Menschen anzuerkennen, drängte er ihn in die Musik ab. "Der Zwiespalt zwischen Erkennen und Handeln, an dem er als Kaufmann gescheitert ist, hindert ihn auch in seinem Verhältnis zu Hanno, aus dem richtig Erkannten die angemessenen Schlüsse zu ziehen."12

3.2.2. Der Einfluß seiner Mutter

Gerda Buddenbrook bleibt im ganzen Roman eine geheimnisvolle Persönlichkeit, die vom Autor nur blaß und schemenhaft dargestellt wird.13 Schon bei der ersten Erwähnung Gerdas beschreibt der Erzähler sie als elegante und fremdartige Erscheinung (vgl. S. 86). Ihre Liebe gilt der Musik, die sie mit ihrer Stradivari erklingen läßt. Gerda schwärmt für die neue Musik, die in dieser Zeit (ca. ab 1865) aufkommt und durch Richard Wagner bestimmt wird. Sein Streben nach dem Gesamtkunstwerk, die Einarbeitung mythologischer Themen, die Auflösung des konservativen Tonartenempfindens und der Einsatz von musikalischen Symbolen und Leitmotiven charakterisieren die neue Musik Wagners in seinen Opern.14 Gerda Buddenbrook bestand darauf, daß beim gemeinsamen Musizieren mit dem Organisten Edmund Pfühl diese neue Musik berücksichtigt wurde. Die Diskussionen mit dem von der Kontrapunktik geprägten Pfühl über Wagners Musik belauschte auch Hanno (vgl. S. 500). Viel wird er von den Auseinandersetzungen nicht verstanden haben, aber Hanno wurde mit Wagner und ganz besonders mit Motiven aus "Tristan und Isolde" vertraut gemacht, und im Theater verfolgte er eine Aufführung von "Lohengrin". Gerda unterstützte seine ersten Versuche auf dem Klavier und sorgte dafür, daß er Klavierunterricht erhielt; Hanno sollte nach ihrem Verständnis Musik verstehen. Gerda prägte ihn in seiner späteren Leidenschaft für Wagner, aber sie ergriff nicht selbst die Initiative, um Hanno unbedingt zur Musik zu führen. Im Gegensatz zu Thomas übte sie keinen Druck auf Hanno aus. Sie war es auch, die ihm den Rufnamen Hanno gab (vgl. S. 422). Der Autor schildert keine Gründe für die Einführung des Rufnamens, aber es ist möglich und wahrscheinlich, daß Gerda erkannte, ihr Sohn würde kein Nachfolger des Urgroßvaters werden und nahm ihn von ihrer Seite aus der Traditionslinie heraus. Der bis dahin nicht benutzte Rufname Hanno bei den Vorfahren der Buddenbrooks, die ebenfalls Johann hießen, deutet an, daß eine neue Tradition - die der Musik - eingeführt wird.

Anders als ihr Mann erkannte sie schon früh seine Fähigkeiten sowie Möglichkeiten und steckte die Erwartungen nicht zu hoch: "Ich glaube, er inkliniert nicht zum Solistentum" (S. 500). Für Gerda war Musik eine Passion, die sie auf ihren Sohn Hanno übertrug. Dadurch wurde "eine Art künstlerischer Gegenwelt"15 geschaffen, die Hanno von den Zielen seines Vaters immer weiter wegführte und seine Lebenstüchtigkeit noch mehr einschränkte. Das Verhältnis zwischen Hanno und seiner Mutter ist nicht eindeutig beschreibbar. Gespräche zwischen Mutter und Sohn werden dem Leser nicht wiedergegeben. Sie unterhielten sich mit Hilfe ihrer Instrumente. Beim gemeinsamen Musizieren (vgl. S. 506-507, S. 747, S, 607) fanden sie eine Ebene, die sie miteinander verband. Eine äußere Gemeinsamkeit verband Gerda und Hanno über die Musik hinaus: in den Winkeln der Augen "lagerten bläuliche Schatten" (z. B. S. 303, S. 423). Hanno hatte diese Schatten von Geburt an; bei der ersten Beschreibung von Gerda (S. 86/87) gab es diese Schatten bei ihr noch nicht, erst mit dem Eintritt in die Familie Buddenbrook erhält sie dieses Merkmal, das sie an ihren Sohn weitergibt. "Gerda, die Mutter zukünftiger Buddenbrooks" (S. 303) bringt nicht nur die Kunst mit in die Familie; die äußere Beschreibung - "das schwere, dunkelrote Haar umrahmte das weiße Gesicht" (S. 303) - kennzeichnet sie ebenso als Todesfigur.16 Die 'bläulichen Schatten' werden vom Autor leitmotivisch eingesetzt. Das Leitmotiv "bringt Sensitivität, Musik und Tod miteinander in Zusammenhang und unterstreicht so den Gedanken von Verfall und Verfeinerung."17 Bei beiden wird durch die 'bläulichen Schatten' ihre Beziehung zum Tod verdeutlicht. Hanno erhielt von seiner Mutter nicht nur äußere Merkmale, sondern die damit verbundenen Symptome erhielt er ebenfalls. Sie kamen bei ihm noch stärker zum Ausdruck. Er übernahm die Neigung zur Musik und die Sensibilität für die Härte des Lebens. Das Wesen Gerdas prägte und beeinflußte Hanno mehr, als der eigene Vater und die übrige Familie Buddenbrook es vermocht hätten.

3.3. Die ersten Schritte Hannos auf dem Gebiet der Musik

Die Zuwendung Hannos zur Musik vollzog sich ohne direkten Einfluß von außen. Seine Mutter unterstütze zwar seine ersten zaghaften Versuche, aber sie lenkte seine Schritte nicht zielstrebig in diese Richtung. Die Musik drängte sich ihm nicht auf, niemand erwartete auf diesem Gebiet etwas von ihm. Das erleichterte ihm den Zugang zu dieser Kunstwelt. Hanno lauschte immer wieder entspannt und frei von allen Verpflichtungen dem gemeinsamen Musizieren seiner Mutter mit dem Organisten Pfühl. Hannos Unbefangenheit und Interesse drückt der Erzähler durch einen Satz aus, der in variierter Form die äußere und innere Haltung Hannos verdeutlicht: "Hanno, lauschend in einem Sessel, eines seiner Kniee mit beiden Händen umspannte" (S. 495). Zwei Seiten später findet sich eine ähnliche Haltung: "Dort ließer sich nieder, umfaßte seine Kniee mit beiden Händen, verhielt sich still und lauschte" (S. 497). Nur im Zusammenhang mit Musik stellt uns der Erzähler Hanno in dieser Haltung vor ( weitere Textbeispiele finden sich auf S. 500 und S. 533). Diese Sitzhaltung drückt einerseits seinen entspannten Zustand aus, andererseits verdeutlicht sie die Bereitschaft zum Zuhören und Aufnehmen, eine innere Spannung ist hergestellt, eine Erwartungshaltung aufgebaut, die nicht von außen aufdiktiert wurde.

Ganz im Gegensatz zur Schule zeigte Hanno für den Klavierunterricht Eifer und machte für sein Alter von 7 Jahren große Fortschritte. Diese positive Einstellung entstand dadurch, daß "er der Musik als einer außerordentlich ernsten, wichtigen und tiefsinnigen Sache gewahr wurde" (S. 500). Der Unterricht von Edmund Pfühl, der sich nicht nur auf das Üben von Tonleitern beschränkte, befähigte Hanno, mit Hilfe der Musik zu reden und seinen Stimmungen Ausdruck zu verleihen. Das nötige Handwerkszeug zu seiner ersten öffentlich vorgespielten Phantasie an seinem achten Geburtstag hatte er sich schnell angeeignet (vgl. S. 503). Hannos Talent machte "jenes intuitive Herrschaftsgefühlüber die Klaviatur" aus, "das zur Phantasie und Improvisation verführt" (S. 502).

Das Bemerkenswerte an dieser Phantasie war Hannos Umgang mit den ihm zur Verfügung stehenden musikalisch einfachen Mitteln. Leidenschaftlich und raffiniert setzte er seine bescheidenen Möglichkeiten ein. Hanno variierte Akkorde in einer Tonart und wechselte von einer Harmonie zur nächsten. Dabei fällt auf, daß er die Übergänge zwischen den Wohlklängen besonders stark hervorhebt. Hanno verweilte durch Verzögerung und Akzentuierung bei den disharmonischen Übergängen und hielt die Spannung bis zur Auflösung des unvollständigen Akkordes länger, als das normalerweise üblich wäre. Das Seelenleben Hannos offenbart sich in dieser musikalischen Gestaltung. Hanno empfand, daß sein Leben durch Disharmonien beherrscht wurde und die Augenblicke der Harmonie nicht lange anhielten. Den größeren Raum nahmen die disharmonischen Übergänge ein. Das Mißverhältnis zu seinem Vater, die für ihn erdrückenden Forderungen der Familie, seine Mißerfolge in der Schule und die wenigen Lichtblicke in seinem Leben fanden sich in dieser Phantasie musikalisch ausgedrückt wieder. Der Schluß setzte die Tendenz des ganzen Stückes fort. Hanno zog ein dissonierendes cis anstelle des c hinzu, steigerte die entstandene Dissonanz bis zum fortissimo und hielt die Auflösung in H-Dur zurück. Als er endlich "nach H-Dur hinüberglitt" (S. 507) brach er die Auflösung schnell ab. Ein längeres Ausspielen der erreichten Harmonie wäre folgerichtig gewesen. Für Hanno war jedoch der Weg zu diesem Wohlklang wichtiger, als der Wohlklang selbst. Ihm fehlte die Perspektive für eine Auflösung, für eine Harmonie, die nicht nach einem kurzen Moment sofort wieder entschwindet. Aber Hanno "wußte: Das Glück ist nur einen Augenblick" (S. 507). Er hatte in seinem Leben noch nicht das Element gefunden, das ihm über längere Zeit Glück und unbeschwerte Freude bescheren könnte.

Diese kleine Komposition war durch Wagner inspiriert.18 Sein Lehrer Pfühl bemerkte, daß Hanno gerade den Schluß sich abgeschaut hatte. Wagner wurde zwar nicht direkt als Quelle erwähnt, aber der Textzusammenhang gibt darüber Aufschluß: "Das hast du irgendwo aufgeschnappt...Du hast zu gut zugehört, wenn ich deiner Frau Mama gewisse Sachen vorspielen mußte" (S. 505). Hanjo Kesting weist darauf hin, daß Thomas Mann in seinen frühen Erzählungen, in denen Musik eine Rolle spielt (z.B. "Tristan", "Der kleine Herr Friedemann") und auch in den "Buddenbrooks" eine Verbindung von Musik und Erotik herstellt. Diese Verbindungen von Musik und Erotik stehen in Zusammenhang mit der Musik Wagners.19 Die Beschreibung vom Ende der Improvisation beinhaltet erotische Momente: "Noch ein letztes, allerletztes Auskosten dieser drängenden und treibenden Sehnsucht, diese Begierde des ganzen Wesens, dieseräußersten krampfhaften Anspannung des Willens, der sich dennoch die Erfüllung und Erlösung verweigerte" (S. 507). Der Höhepunkt sollte noch hinausgezögert werden, "damit die Befriedigung köstlicher sei" (S. 507). Ken Moulden bemerkt dazu: "Eine solche Erotik...strebt indessen nicht nach außen. Sie artikuliert vielmehr ein Ich, das in sich selbst gefangen und befangen ist, seine Erfüllung in sich selbst findet."20 Im Gegensatz zu seiner Rezitation zum Firmenjubiläum überwand Hanno die Scheu vor öffentlichen Auftritten, weil er wußte, daß der Vater in seine Musik-Welt an diesem Tag nicht eindringen konnte. Hanno blieb jedoch mit seiner Musik isoliert. Die Zuhörer an seinem Geburtstag bemerkten sein Engagement kaum und konnten seine Leistung nicht würdigen. Die Glücksmomente, die sich Hanno mit dem Musizieren bescherte, konnten allerdings nicht die harte Realität auslöschen, die speziell durch seinen Vater verkörpert wurde. Aus entwicklungspsychologischer Sicht muß deshalb erwähnt werden, daß seine Minderwertigkeitsgefühle und die Nichtanerkennung seines Wesens innerhalb der Familie Kompensationstendenzen hervorriefen, die die Energie in eine Richtung leiteten, die nicht versperrt wurde.21 Genau diese Bedingungen treffen bei Hanno zu, und so muß berücksichtigt werden, welche Funktion die erste Phantasie bzw. das Musizieren in diesem Lebensabschnitt hatte. Seine Improvisation war ein Mittel der Seelenerweiterung, das mehr der Selbstfindung als der Werkbildung diente.22 Hannos Kunst ist eine Ausdruckskunst, das heißt die Musik ermöglicht ihm die Kommunikation, und mit ihrer Hilfe konnte er Grenzen, wie z. B. Angst vor öffentlichen Auftritten, überwinden. Michael Zeller bemerkt dazu, die Kunst von Hanno "meint subjektive Phantasiegebilde unter Auslassung des Lebens...Das in Hanno angelegte Künstlertum ist das des Süchtigen, bei dem an die Stelle der verlorenen sozialen Bindung die Verführung durch ein Rauschmittel tritt."23 Hanno erlebte vor und nach der Phantasie Momente von Glück. Diese Glücksmomente führten allerdings nicht zu einem neuen Lebensgefühl. Die Musik konnte unter der Aufsicht seines Vaters nicht die Rolle einnehmen, wie Hanno es sich wahrscheinlich wünschte. Sie war zwar zu diesem Zeitpunkt Spiegel seiner inneren Wirklichkeit; Hanno war jedoch mit Hilfe der Musik nicht in der Lage, eine andere Wirklichkeit hervorzubringen.

3.4. Hannos zweite Phantasie

Bei seiner ersten Improvisation hatte Hanno nach nur ca. einjährigem Unterricht bewiesen, daß er bei vorhandener Motivation überdurchschnittliche Leistungen erbringen konnte. Der Erzähler berichtete von seiner weiteren musikalischen Entwicklung, daß seine Neigung zum freien Spiel zwar Talent verriet, aber "im regelrechten Unterrichte bei Edmund Pfühl war er keineswegs außerordentlich weit fortgeschritten" (S. 619). Nebenbei erwähnte der Erzähler das fehlerhafte Spiel Hannos (vgl. S. 607) und erweckte mit diesen beiden Bemerkungen den Eindruck, Hannos musikalische Fähigkeiten hätten sich nicht weiterentwickelt. Der regelrechte Unterricht bei Pfühl konnte sein Talent nicht im entsprechenden Maße fördern. Pfühl, der sich der neuen Musik, die Hanno liebte, nie ganz öffnen konnte, gab ihm nicht das notwendige Selbstbewußtsein, weil er die musikalische Entwicklung Hannos nicht uneingeschränkt guthieß (vgl. auch S. 505). Außerdem fehlte die Anerkennung durch seinen Vater, so daß er selbst zu dem Schluß kam, daß sein freies Spiel, in dem er sich voll entfalten konnte, ohne die Erfordernisse der Form ständig vor Augen zu haben, kein besonderes Talent sei: "Ich kann nichts, ich kann nur ein bißchen phantasieren, wenn ich allein bin" (S. 743).

Aber gerade bei der zweiten Phantasie bewies Hanno seine pianistischen Fähigkeiten und sein beträchtliches Talent. Das - vom Erzähler immer wieder als 'armselig', 'dumm' oder 'nichtig' bezeichnete - kleine Motiv und Hannos Umgang mit dieser Figur von anderthalb Takten offenbaren seine Fertigkeiten. Dieses kleine Motiv behielt Hanno im Kopf und setzte es immer wieder ein. Er hatte die Fähigkeit, dieses Motiv zu entwickeln, Wechsel einzuleiten und das Musikstück in schulmäßiger Art und Weise dramaturgisch aufzubauen. Bei genauerer Analyse der Improvisation läßt sich feststellen, daß der Ablauf dem klassischen Sonatenhauptsatz entspricht.24 In der Exposition führte Hanno als erstes Thema das kleine Motiv ein. Durch die Synkopen, die gegen das Taktmaß arbeiteten, setzte das zweite Thema ein, das als Bläserchoral seinen Abschluß fand. Hanno war zu diesem Zeitpunkt Herr der Komposition und leitete nach einem Augenblick der Ruhe (durch eine Fermate) zur Durchführung über: "Da entstand ein ungeheurer Aufruhr" (S. 748). Das von Hanno ausgedachte Motiv spielte auch in der Durchführung eine wichtige Rolle und erklang in verschiedenen Variationen: "und immer wieder war zwischen allem, in verzerrten und bizarren Harmonien, quälend, irrselig und s üß , das Motiv, jenes erste rätselhafte Motiv zu vernehmen" (S. 749). An dieser Stelle setzte eine Zäsur ein. Hanno verlor die Herrschaft über die Komposition. Was jetzt geschah, in der poetischen Beschreibung Manns mit Motiven des Ring-Zyklus unterlegt, konnte Hanno nicht mehr steuern. Die Reprise brachte den Höhepunkt, bei dem Hanno alle Register zog, aber durch diese Gestaltung zeigt sich auch der Mangel seiner Musik: "etwas Brutales und Stumpfsinniges" (S. 750) liegt bei diesem Ende vor; Hanno legte zu großen Wert auf Affekte, die eine vorprogrammierte Wirkung erreichen sollten.

Für die Deutung der Phantasie muß der Kontext untersucht werden. Die Improvisation ist in die Todesthematik eingebettet. Kurz davor gestand Hanno gegenüber Kai: "Ich möchte schlafen und nichts mehr wissen. Ich möchte sterben, Kai!" (S. 743). Im nächsten Kapitel stirbt Hanno an Typhus. Die musikalische Ausführung seiner Phantasie lehnte sich an Wagner an. Deutlich wurde diese musikalische Quelle durch das "Hinsinken von einer Tonart in die andere" (S. 749) . Diesen Umgang mit den Tonarten hatte Wagner bei "Tristan und Isolde" eingeführt. Moulden sieht auch Parallelen zwischen dem Todesmotiv von "Tristan und Isolde" und der Phantasie von Hanno.25 Die Helden aus Wagners oben genannter Oper suchen Erfüllung und Befreiung von ihren Leiden im Tod. Solch eine Todessehnsucht läßt sich ebenfalls in der Phantasie Hannos feststellen. Das Motiv, das so rätselhaft erschien, weil es den Tod in sich barg, bestimmte das ganze Musikstück. Auf dem Weg zum Triumph erzeugte das Motiv Unruhe in Hannos Seele und versprach eine "selige Verheißung" (S. 749), die Hanno nicht mehr losließ. Der Tod konnte ihn von all den Mühen und Leiden des Lebens endgültig befreien. Der biblisch anmutende Vorhang, der zerriss, symbolisiert den Durchbruch. Die Musik Wagners führte Hanno zu seiner persönlichen Lösung, die er nicht wieder verwarf. Obwohl er Schopenhauer nicht kannte, setzte er praktisch das um, was sein Vater bei der Lektüre erkannt hatte. Der Erzähler scheint sich bei der Schilderung des Höhepunktes fast zu überschlagen. Vier Nomen benutzte er, um diesen Augenblick adäquat festzuhalten. "Die Lösung" aller Probleme tat sich für Hanno auf, "die Auflösung" der eigenen Persönlichkeit stand bevor, sie würde "die Erfüllung" aller Träume nach Ruhe und Ausgeglichenheit bringen und "die vollkommene Befriedigung" über diese Aussichten brach herein. Ein Wohlklang setzte ein und sank in das erste Motiv hinüber. Das Motiv hatte sich durchgesetzt, und im Gegensatz zur ersten Phantasie spielte Hanno die Harmonie voll aus. Die Perspektive, die ihm vor Jahren noch fehlte, tat sich ihm jetzt auf. Diese Improvisation nahm sein weiteres Schicksal vorweg. Hanno wurde zum Objekt der Musik, der er nicht mehr gewachsen war. Das Todesmotiv hatte sich durchgesetzt, und er selbst entschied sich auch für den Tod. "Nunmehr jedoch führt die Auflösung nicht bloß zu physischer Erschöpfung, sie führt zum Tode."26 Die Wagner-Musik wurde zum Symptom und Inbegriff seiner "Unfähigkeit, die Existenz zu ertragen."27 Hanno war mit der Musik Wagners groß geworden, sie hatte ihn immer mehr in den Bann gezogen und sich seiner bemächtigt. Die Gedanken der Musik übertrugen sich auf ihn und nährten allmählich seine Todessehnsucht.28 So war die Phantasie auch die Darstellung eines Entwicklungsprozesses bei Hanno. Das Motiv, das schon lange bekannt war, setzte sich im Laufe der Zeit mächtig durch. Die Verbalisierung Thomas Manns ("etwas wie Glaube und Selbstaufgabe in dem fanatischen Kultus dieses Nichts...etwas wie Wille zu Wonne und Untergang in der Gier" (S. 750)) ließ keine Zweifel offen - der Todeswunsch hatte gesiegt.29 Wie bereits bei der ersten Komposition wurde eine Verbindung von Erotik und Musik hergestellt, die aber bei der zweiten noch exzessiver ausgestaltet wurde.

Im nächsten Kapitel wehrt sich Hanno nicht ernsthaft gegen eine besiegbare Krankheit: Er "flüchtet auf dem Wege, der sich ihm zum Entrinnen geöffnet hat...nun, es ist klar, dann wird er sterben" (S. 754).

4. Schlußgedanken

Hanno wandte sich der Musik zu, ohne zu ahnen, daß sich daraus Konflikte für ihn mit seiner bürgerlichen Herkunft ergeben würden. Am Anfang noch unbewußt entwickelte er eine Leidenschaft für die Musik, die ihn in das Konfliktfeld zwischen Bürger und Künstler brachte. Aufgrund seiner Voraussetzungen und der Umstände war er nicht in der Lage, diesen Konflikt zu seinen Gunsten zu entscheiden. Viel bewußter war aus diesem Grund sein Weg in den Tod; er war die Flucht vor einem vorgezeichneten Leben, das auch nach dem Tod seines Vaters nichts von seiner Vorherbestimmung verlor. Hanno floh ebenso vor den Zuständen in der Schule, deren Ungerechtigkeit und menschliche Kälte er nicht ertragen konnte. Es bot sich ihm keine andere Perspektive als der Tod. Entsetzt hatte er erlebt, wie sein Vater bei geschäftlichen Gesprächen seine Rolle großartig spielte, die Fassaden dann aber zwischendurch hinunterfielen (vgl. S. 627/628) - die Perspektive als Kaufmann zerschlug sich endgültig. Wie bereits erwähnt, sah Hanno für sich keine Möglichkeiten, mit der Musik sein Leben zu gestalten. Die Hoffnungslosigkeit wäre für Hanno möglicherweise zu ertragen gewesen, wenn ihm Liebe entgegengebracht worden wäre.30 Liebe brachte ihm Ida Jungmann entgegen (die Liebe seiner Tante Tony (vgl. S. 758) war mehr von eigenen Interessen bestimmt), aber ansonsten fehlte ihm anerkennende und fürsorgliche Liebe. Das Motiv vom Verzicht auf Liebe webte Thomas Mann mehrfach in den Roman ein. Tony verzichtete auf Morten, und Thomas durchlebte die unerfüllte Liebe zu der Blumenverkäuferin Anna. Das Bindeglied der Liebe war bei den Buddenbrooks bei all den Gedanken an Tradition, Geschäft und gesellschaftliches Ansehen verlorengegangen.

Literaturverzeichnis:

Fähnrich, Hermann; 1986: Thomas Manns episches Musizieren im Sinne Richard Wagners. Parodie und Konkurrenz. Hg. und ergänzt von Dr. Maria Hülle-Keeding. Frankfurt am Main: Alfred Hercher.

Keller , Ernst; 1988. Leitmotive und Symbole. In: Buddenbrooks-Handbuch. Hg. v. Ken Moulden und Gero von Wilpert. Stuttgart: Kröner.

Keller, Ernst; 1988: Das Problem "Verfall". In: Buddenbrooks-Handbuch.

Keller, Ernst; 1988: Die Figuren und ihre Stellung im Verfall. Die Vertreter der Generationskette. Hanno.

Kesting, Hanjo; 1976: Krankheit zum Tode. In: Thomas Mann. Text und Kritik. Sonderband. Hg. v. Heinz Ludwig Arnold. München: Text und Kritik.

Mann, Thomas: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag, 1995.

Mann, Thomas: Rede und Antwort. Über eigene Werke, Huldigungen und Kränze: Über Freunde, Weggefährten und Zeitgenossen. Hg. v. Peter de Mendelssohn. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 1986.

Moulden, Ken; 1988: Die Musik. In: Buddenbrooks-Handbuch.

Nipperdey, Thomas; 1993: Deutsche Geschichte - 1866 bis 1918. Bd. 1. Arbeitswelt und Bürgergeist. 3., durchgesehene Auflage. München: Beck.

Spranger, Eduard; 1929: Psychologie des Jugendalters. Leipzig: Quelle & Meier.

Zeller, Michael; 1986. Seele und Saldo. Ein textgetreuer Gang durch Buddenbrooks. In:

Thomas Manns "Buddenbrooks" und die Wirkung. Hg. v. Rudolf Wolff. Bonn: Bouvier. Teil 2.

[...]


1 Mann, Thomas: Rede und Antwort. Über eigene Werke, Huldigungen und Kränze: Über Freunde, Weggefährten und Zeitgenossen. Hg. v. Peter de Mendelssohn. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 1986. S. 9.

2 Keller, Ernst; 1988: Das Problem "Verfall". In: Buddenbrooks-Handbuch. Hg. v. Ken Moulden und Gero von Wilpert. Stuttgart: Kröner. S. 163.

3 vgl. ebd. S. 169.

4 Moulden, Ken; 1988: Die Musik. In: Buddenbrooks-Handbuch. S. 317.

5 ebd. S. 317.

6 Mann, Thomas: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag, 1995. Alle weiteren Zitate aus dem Roman werden im Anschluß an die Textstellen in Klammern mit der entsprechenden Seitenzahl angegeben.

7 vgl. Moulden, Ken; 1988. S. 306.

8 ebd. S. 307.

9 ebd. S. 311. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, welche körperlichen Anstrengungen Gerda das Musizieren teilweise bereitete und wie stark sie von der Musik in Anspruch genommen wurde: "Ich hatte heute nachmittag musiziert und fühlte mich ein wenig merkwürdig...jetzt ist mein Gehirn so tot, daßhier der Blitz einschlagen könnte, ohne daßich bleich oder rot würde." (S. 305).

10 Keller, Ernst; 1988: Die Figuren und ihre Stellung im Verfall. Die Vertreter der Generationskette. Hanno. In: Buddenbrooks-Handbuch. S. 185.

11 Zeller, Michael; 1986. Seele und Saldo. Ein textgetreuer Gang durch Buddenbrooks. In: Thomas Manns "Buddenbrooks" und die Wirkung. Hg. v. Rudolf Wolff. Bonn: Bouvier. Teil 2. S. 29.

12 ebd. S. 35.

13 vgl. Keller, Ernst; 1988: Die Figuren und ihre Stellung im Verall. 2. Die Ehepartner. Gerda. In: Buddenbrooks-Handbuch. s. 191.

14 Nipperdey bemerkt zu Wagner: "Wagner ist das musikalische Ereignis, die bewegende und polarisierende Gestalt der Musik, ja der Kunst der Epoche...Wagners Musik ist in einem bis dahin unerhörten Maße Musik der Ambivalenz...Die Tristan-Harmonik und die Mischung von Liebes- und Todesgefühl ist aus der Erlebnis- und Gefühlswelt des späten Jahrhunderts gar nicht mehr wegzudenken." In: Nipperdey, Thomas; 1993: Deutsche Geschichte - 1866 bis 1918. Bd. 1. Arbeitswelt und Bürgergeist. 3., durchgesehene Auflage. München: Beck. S. 748.

15 Moulden, Ken; 1988. S. 311.

16 vgl. Keller , Ernst; 1988. Leitmotive und Symbole. In: Buddenbrooks-Handbuch. S. 136.

17 ebd. S. 136.

18 vgl. Fähnrich, Hermann; 1986: Thomas Manns episches Musizieren im Sinne Richard Wagners. Parodie und Konkurrenz. Hg. und ergänzt von Dr. Maria Hülle-Keeding. Frankfurt am Main: Alfred Hercher. S. 83.

19 vgl. Kesting, Hanjo; 1976: Krankheit zum Tode. In: Thomas Mann. Text und Kritik. Sonderband. Hg. v. Heinz Ludwig Arnold. München: Text und Kritik. S. 34.

20 Moulden, Ken; 1988. S. 315.

21 vgl. Spranger, Eduard; 1929: Psychologie des Jugendalters. Leipzig: Quelle & Meier. S. 65.

22 vg. ebd. S. 66.

23 Zeller, Michael, 1986. S. 39.

24 vgl. auch Fähnrich, Herrmann; 1986. S. 85-86.

25 vgl. Moulden, Ken; 1988. S. 316.

26 ebd. S. 316.

27 Kesting, Hanjo; 1976. S. 31.

28 Ken Moulden weist darauf hin, daß Thomas Mann die geistige Quelle der Musik Wagners in der Metaphysik Schopenhauers sah. vgl. S. 316.

29 In der Beschreibung der musikalischen Orgie zum Ende der Phantasie finden sich Elemente von Nietzsches Wagner-Kritik wieder.

30 vgl. Fähnrich, Herrmann; 1986. S. 88.

Details

Seiten
22
Jahr
1995
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97374
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
Schlagworte
Thomas Mann Buddenbrooks Hannos Hinwendung Musik Seminar Manns

Autor

Zurück

Titel: Thomas Mann - Die Buddenbrooks - Hannos Hinwendung zur Musik