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Bevölkerungsentwicklung Berlins

Referat / Aufsatz (Schule) 2000 12 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Gliederung des Referats

1. Die Gründung der Stadt Berlin

2. Von den Anfängen bis 1945
2.1. Von den Anfängen bis zur Gründung des Königreichs Preußens (1701)
2.2. Von der Gründung des Königreichs bis zum Kaiserreich
2.3. Zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik
2.4. Weimarer Republik bis zur Zeit des Nationalsozialismus (1933)
2.5. Von 1933 bis zum Kriegsende 1945

3. Die Nachkriegszeit bis 1949

4. Während der Teilung Deutschlands 1949 bis 1989
4.1. Westberlin
4.2. Ostberlin

5. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands; Aktuelle Zahlen und Fakten

6. Bevölkerungsprognosen für die Stadt

(Thema 2)

Sprechen Sie im Rahmen eines Vortrages von ca. 30 min. Dauer über die Bevölkerungsentwicklung der Stadt Berlin. Gehen Sie dabei auf wichtige historische Ereignisse ein, die zu Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung geführt haben.

1. Die Gründung der Stadt Berlin

,,Berliner" gibt es schon seit der Eiszeit. Schon vor ungefähr Zehntausenden Jahren ließen sich Rentierjäger an Havel und Spree nieder. Ihnen folgten die Jäger und Sammler der Bronzezeit, schließlich auch die Germanen und Slawen aus näherliegenden Jahrtausenden, die Burgen und Siedlungen im märkischen Sand errichteten.

Die erste schriftliche Nachricht zur Gründung Berlins stammte aus dem Jahre 1237. In einem Vertrag zwischen dem Bischof Gernand von Brandenburg und den Markgrafen Johann der 1. und Otto der 3. wird der Pfarrer Symeon von Cölln als Zeuge genannt. Obgleich der Name Berlin hier nicht auftaucht, sondern nur der der Schwestergemeinde Cölln, war diese Urkunde vom 28.11.1237 der Anlaß für die 750-Jahr-Feier Berlins. Erst am 26.1.1244 erscheint auch der Name Berlin zum ersten Mal, wiederum in einer Urkunde der Marktgrafen, hier wird Symeon als Propst von Berlin erwähnt. Als Stadt wird Berlin erstmals 1251 urkundlich genannt. Diese beiden Ursprungsgemeinden waren an einer günstigen Stelle der Spree gelegene Handelsplätze. Berlin erstreckte sich nunmehr über eine Fläche von 0,7 km² und hatte etwa 6000 bis 7000 Bewohner. Die Gründung der Stadt war vor allem eine Leistung der großen, den Fernhandel entwickelnden Kaufleute. Ihre Familien bildeten das Patriziat und übernahmen als Ratsgeschlechter die Stadtregierung. Die übrigen Einwohner mit vollem Bürgerrecht, die kleineren Kaufleute, die Krämer und Handwerker, hatten keinen Anteil an der Regierung der Städte. Etwa die Hälfte der städtischen Bevölkerung stellten die Gesellen und Lehrlinge, Knecht, Mägde und Tagelöhner ohne Bürgerrecht. Die Herkunft der Bewohner war zum überwiegenden Teil aus dem Schwabengau (Nordosthang des Harz) sowie aus der Gegend des Niederreihns.

1307 schlossen sich Berlin und Cölln zu einer Städteunion zusammen, um den erreichten Rechtsstand zu sichern und auszuweiten. Begünstigt durch seine Lage, durch den Erwerb des Rechtes auf Niederlage aller durchgehenden Waren und des ländlichen Zolls(1298) sowie durch die Mitgliedschaft in der Hanse(1356) entwickelte Berlin sich schnell zu einem Fernhandelsplatz von überregionaler Bedeutung. Dies trug ebenfalls zur steigenden Bevölkerungsentwicklung bei. Dieser rasante Aufschwung, den Berlin erlebte, war jedoch immer bedroht und gefährdet durch räuberische Nachbarn, finanzielle Forderungen sowie sozialen Konflikten. So wurde die Stadt mehrmals von verheerenden Bränden heimgesucht. In der Nacht vom 10. zum 11.8.1380 wurde Berlin vollständig von einer Feuersbrunst zerstört. Wieviele Einwohner den Flammen zum Opfer fielen, ist unbekannt. Dennoch bedeutete die Katastrophe nicht den Ruin der Stadt, sie wurde aber in ihrer Entwicklung gebremst. Schon durch die Pest 1348 waren starke Bevölkerungsverluste zu verkraften gewesen, denn sie wurde durch einen verstärkten Zuzug vom Lande ausgeglichen. Außerdem kam es zu Judenverfolgungen, die für die Katastrophen verantwortlich gemacht wurden und 1573 aus Berlin und der Mark Brandenburg ausgewiesen wurden.

2.1 Von den Anfängen bis zur Gründung des Königreichs Preußens

Ende des 14.Jh. lebten in Berlin\Cölln etwa 8000 bis 8500 Menschen in etwa 1000 Häusern. Die Bedeutung der aufstrebenden Doppelstadt wuchs, nachdem sie Mitte des 15.Jh. Residenz der Kurfürsten von Brandenburg geworden war. Die Einwohnerzahl der jungen Residenz- und Behördenstadt stieg ständig. Neben dem engeren Einzugsgebiet spielte dabei vor allem die Zuwanderung aus Sachsen und Thüringen sowie aus Franken eine große Rolle. Der Bevölkerungszuwachs nahm bald solche Ausmaße an, dass im ersten viertel des 16. Jh. bereits eine vorstädtische Bebauung vor den beiden Toren erfolgte. Die Zahl der Einwohner stieg auf schätzungsweise 12000an.

Einen erheblichen Rückschlag in seiner Entwicklung erlitt Berlin durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Als Folge direkter Kriegseinwirkungen, aber auch durch Hungersnöte und Epidemien, sank die Bevölkerungszahl um annähernd 40% und lag 1648 bei nur noch 6000 Personen. Um diese Verluste auszugleichen und die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, förderten die brandenburgischen Kurfürsten die Einwanderung von Gewerbe- und Handelsfachleuten. Zunächst kamen Friesen und Holländer. 1654 lebten wieder in Berlin ungefähr 10000 Menschen. Später um 1660 konzentrierten sich die Anwerbebemühungen auf Glaubensflüchtlinge aus verschiedenen Teilen Europas, darunter die Hugenotten, die wegen ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse sehr gefragt waren. 1671 ein Jh. nach dem Ansiedlungsverbot von Juden, bot Kurfürst Friedrich Wilhelm, 50 wohlhabenden jüdischen Familien Aufenthaltsrecht in Berlin an. Sie sollten Finanzmittel für den Wiederaufbau beschaffen und neue Handelsbeziehungen aufbauen. Um 1700 wurden 117 jüdische Familien registriert und trotz Zuzugsbeschränkungen nahm die Zahl der jüdischen Einwanderer überproportional zu: 1770 lebten 3800 Juden in Berlin, das waren knapp 3% der Bevölkerung. Von 1695 bis 1705 trafen im Durchschnitt jährlich 600 Emigranten in Berlin ein. Zeitweise bestand fast ein Viertel der Bewohner aus zugewanderten Ausländern.

2.2 Von der Gründung des Königreichs bis zum Kaiserreich

Als Hauptstadt des 1701 zum Königreich proklamierten und im Verlaufe des 18. Jh. unter Friedrich den 2. zur Großmacht aufgestiegenen Preußens entwickelte sich Berlin zu einer Stadt von internationaler Bedeutung. Durch den Zusammenschluß mit den 4 Vorstädten, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheen- und Friedrichsstadt, die Ende des 17.Jh. entstanden, vergrößerte sich die Einwohnerzahl 1709 auf 56000.

Durch die Millitarisierung Preußens erlitt der geistig-kulturelle Aufschwung Berlins während der Regierungszeit von König Friedrich Wilhelm 1.\Soldatenkönig (1713-1740) ernsthafte Rückschläge. Durch ihn begannen Zwangsrekrutierungen mit der Folge, dass 1713/14 Tausende Personen Berlin verlassen haben, darunter zahlreiche Handwerker. Als jedoch der Soldatenkönig zuerst die Berliner Handwerker und später ganz Berlin von der Wehrpflicht befreite, ließ die Massenabwanderung rasch nach. In diesem Zeitraum ist die preußische Armee von 40000 auf 80000 Mann angewachsen. Die auf 20000 Mann angewachsene Berliner Garnison machte nahezu ¼ der Stadtbevölkerung aus. Wie seine Vorgänger entwickelte auch der Soldatenkönig eine rege Bautätigkeit, insbesondere wurde der Bau von Bürgerhäuser in der Friedrichsstadt gefördert. Schon 1737 war sie nicht nur flächenmäßig größte, sonder mit fast 30000 Einwohnern auch der bevölkerungsreichste Stadtteil Berlins. Eine kontinuierliche Bau- und Wirtschaftspolitik des Königs sorgte dafür, dass die Einwohnerzahl auf fast 90000 anstieg. Die Fläche der Stadt vergrößerte sich dabei von 5,6 auf 13,2 Quadratkilometer. In dieser Zeit wuchs Berlin zur größten Manufakturstadt Europas heran. 1750 hatte Berlin 113000 Einwohner.

Mit dem Regierungsantritt Friedrich des 2., dem Großen (1740-1786), hielt in Preußen die Aufklärung ihren Einzug, und Berlin wurde zu ihrem Zentrum. Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur erlebten in der Stadt eine neue Blüte.

Während des 7-jährigen Krieg (1756-1763) sank die Bevölkerung von rund 12700 0 auf 98000 ab. Das nachfolgende erneute Bevölkerungswachstum wurde maßgebend durch die Garnison sowie durch die Gewerbeentwicklung bestimmt Am Ende des 18.Jh. betrug die Bevölkerungszahl 170000. Damit lag Berlin an sechster Stelle unter den großen europäischen Städten.

Jedoch in der Folge der Französischen Revolution wurde Europa durch Napoleon mit Krieg überzogen, der auch Preußen erfasste. Am 27.10.1806 zog Napoleon mit seiner großen Armee durch das Brandenburger Tor in die preußische Residenz- und Hauptstadt ein und besetzte sie. Die Folge war, dass staatliche Behörden und wohlhabende Familien Berlins in großer Zahl verließen. Nach dem Abzug der französischen Truppen und mit dem Wiederaufstieg Preußens im Zuge der Industrialisierung im frühen 19.Jh., baute Berlin seine Stellung als bedeutendes Gewerbezentrum aus. Zu den traditionellen Tuch- und Porzellanmanufakturen kamen neue Industrien, im Bereichen des Maschinen- und Lokomotivenbaus, Elektrotechnik und Chemie, aber auch als Modeplatz wurde Berlin zunehmend bekannt. Mit der Ansiedlung entsprechender Betriebe war ein verstärkter Zuzug von Arbeitskräften verbunden. 1850 wurden rund 420.000 Berliner gezählt.

2.3 Zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik

1871, als Berlin Reichshauptstadt wurde, zählte man 825.000 Einwohner. Dabei hat die Eingemeindung von Moabit, Wedding und Gesundbrunnen eine wesentliche Rolle gespielt. Insgesamt stieg die Bevölkerung von 1815 bis 1860 um über 255%!

Ende des 19., Anfang des 20. Jh. waren etwa drei Fünftel der Berliner Einwohner nicht in Berlin geboren. 1907 zeigte sich nach den wichtigsten Geburtsprovinzen gegliedert folgendes Bild:

- 40,5% der Einwohner waren in Berlin geboren
- 18% in Brandenburg
- 7,1% in Schlesien und 6,3% in Pommern
- 5,2% in Posen, 4,9% in Ostpreußen
- 4,2% in Sachsen und 4% in Westpreußen (Buch: Werte unserer Heimat)

Die Bevölkerungskonzentration hatte um 1890 ihre Grenzen erreicht. Deutlich verlangsamte sich von da an das Bevölkerungswachstum, 1885-90 stieg die Zahl noch um 20%, hingegen 1890-95 nur noch um 6%.

2.4 Weimarer Republik bis zur Zeit des Nationalsozialismus

Die Zeit zwischen Reichsgründung und Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 brachte Berlin einen beispiellosen Aufschwung und enorme Zuwanderungen. In nur 40 Jahren stieg die Zahl der Einwohner innerhalb der traditionellen Stadtgrenzen um das Eineinhalbfache auf 2 Mio. Den größten Teil des Zuwachses stellte das städtische Proletariat, dass in den Mietskasernen im Norden und im Osten lebte. Geradezu explosiv verlief die Entwicklung in den angrenzenden Vorstädten. Dort entstanden die neuen Fabriken, es wurden ganze Industriesiedlungen wie Siemensstadt und Borsigwalde gebaut. Die dortigen Wohngebiete dehnten sich rasch aus. Der gesamte Ballungsraum hatte 1914 rund 3,7 Mio. Einwohner Die Zuwanderer kamen von überall her, aus landwirtschaftlich geprägten Gebieten östlich der Elbe, aus Pommern und Schlesien. Die Ursache dieser Entwicklung lag in der ungeheuren Dynamik der Stadt. Diese hatte zwar schon in den sechziger Jahren des 19.Jh. begonnen, aber erst der Aufstieg Berlins zur Hauptstadt des Deutschen Reiches und die 5 Milliarden Francs, die das besiegte Frankreich nach dem Krieg 1870/71 an Reparationen zahlen mußte, führten zu dem wirtschaftlichen Boom Berlins.

1910 waren vier der Vororte Berlins Großstädte mit mehr als 100000 Einwohnern.

Der erste Weltkrieg und das Ende des Kaiserreiches im Jahre 1918 belasteten die wirtschaftliche Entwicklung Berlins im starken Maße. Das Wachstum der Bevölkerung wurde jedoch nur kurz unterbrochen. 1920 wurde Berlin, als Ergebnis der Novemberrevolution, mit den angrenzenden Städten, Landgemeinden und Gutsbezirken zur Einheitsgemeinde - zu Gross-Berlin - verschmolzen. Damit waren auch die administrativen Voraussetzungen für die Entwicklung Berlins zu einer Metropole geschaffen. Die neue Stadt, in 20 Bezirke mit weitgehenden politischen Selbstverwaltungsrecht gegliedert, erstreckte sich über ein Gebiet von 878 km_ und war damit flächenmäßig einer der größten Städte der Welt. Mit 3,8 Mio. Einwohnern rangierte sie hinter New York und London an dritter Stelle. Gleichzeitig wuchs Berlin zum Bedeutesten Industriestandort des Kontinents heran und wurde wichtigster europäischer Verkehrsknotenpunkt. In den 20iger Jahren erlebte Berlin kulturell eine weltweit beachtete Blütezeit. Die große Ausstrahlungskraft und die Hoffnung auf bessere Lebenschancen zogen Menschen aller Bevölkerungsschichten und aus vielen Gegenden an. Die Zahl der Einwohner stieg bis 1933 nochmals um mehr als 400.000 auf 4,24 Mio. Gegen Ende der 20er Jahre war dann der Höhepunkt des Bevölkerungswachstums überschritten. Im Folge der Weltwirtschaftskrise, die in der Industriestadt Berlin Hunderttausende arbeitslos machte, kam es vorübergehend sogar zu einem Rückgang der Einwohnerzahl. Zu Beginn des 2. Weltkrieges erreicht Berlin den höchsten Stand der Bevölkerung der Stadtgeschichte. Die Zählung von 1939 ergab 4,32 Mio. Einwohner. Den amtlichen Fortschreibungen zufolge stieg die Bevölkerungszahl bis 1943 sogar auf 4,49 Mio. an. Diese Zunahme resultierte u.a. aus der Rekrutierung von Zwangsarbeitern für die Rüstungsindustrie. Sie verdeckte allerdings die nahezu völlige Auslöschung des jüdischen Bevölkerungsteils. Von den 160.000 Juden, die anfangs 1933 in Berlin lebten, waren 10 Jahre später nur noch wenige Hunderte in der Stadt, ein Teil konnte auswandern, die übrigen wurden in Konzentrationslagern verschleppt. Nach 1943 kam es, aufgrund direkter Kriegseinwirkungen, durch Deportationen und Evakuierungen zu einem rapiden Rückgang der Bevölkerungszahl (1 Mio. Menschen). Bei Einstellung der Kampfhandlungen im Mai 1945 glich die Stadt Berlin einer Trümmerwüste. Von den etwa 245000 Gebäuden waren rund 48000 zerstört, 23% der Industriekapazität waren vernichtet, weitere 43% durch Demontage. 75 Mio. Kubikmeter Schutt, mehr als ein siebentel aller Trümmermassen in Deutschland, gehörten zur Hinterlassenschaft der Kriegseinwirkungen. In der dichtbesiedelten Innenstadt überstieg der Zerstörungsgrad die 50%-Marke. Unter der Zivilbevölkerung zählte man 78000 Tote, davon 50000 Opfer des Luftkrieges. Im Mai 1945 lebten in Berlin nur noch 2,8 Mio. Menschen, (vor Kriegsbeginn 4,8 Mio.).

3. Die Nachkriegszeit bis 1949

Unmittelbar nach Ende des Krieges setzte ein gewaltiger Rückstrom von Evakuierten und Kriegsgefangenen ein. Monatlich kehrten rund 100.000 Personen in die Stadt zurück. Der rasche Bevölkerungsanstieg wurde allerdings im November 1945 durch eine von der Alliierten Kommandantur angeordnete Zuzugssperre abgeschwächt. Am Jahresende 1945 lebten den amtlichen Angaben zufolge 3,02 Mio. Menschen in den Trümmern. Die Bevölkerung war geprägt durch einen außerordentlichen hohen Frauenüberschuß, auf 1.000 männliche kamen 1.562 weibliche Einwohner (1939 betrug das Geschlechterverhältnis 1.000:1.200). Auch die Altersstruktur hatte sich deutlich verschlechtert. Die über 50jährigen stellten mit 36,2% (1939: 28,5%) einen nur geringfügig kleineren Bevölkerungsanteil als die Altersgruppe von 21-50 Jahren mit 40% (1939: 50,1%). Besonders drastisch machte sich die Auswirkungen des Krieges bei der männlichen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 40 Jahren bemerkbar. Diese Personengruppe war gegenüber 1939 um fast 70% geschrumpft, wobei sich ein Geschlechterverhältnis auf 1.000:2.500 veränderte. Im Zuge des Wanderungsbewegung in die Stadt hat sich das extreme Mißverhältnis zwar zurückgebildet, der Frauenüberschuß blieb jedoch bestehen. Die ungünstige Alters- und Geschlechtsstruktur, aber auch die hohe Säuglingssterberate hatten einen gravierenden Sterbeüberschuß zur Folge. 1949 wurden 3,3 Mio. Einwohner gezählt. Im gleichen Jahr erfolgte die administrative Spaltung Berlins. Vier Jahrzehnte lang galten für die beiden Teilstädte unterschiedliche Rahmenbedingungen, die sich auch auf die Bevölkerungsentwicklung niedergeschlagen hat.

4. Während der Teilung Deutschlands

4.1 West-Berlin

In West-Berlin erhöhte sich die Bevölkerungszahl nach der Blockade von 1948/49 im Zuge des Flüchtlingsstrom aus der SBZ und Ost-Berlin ständig, obwohl die Wohnsitznahme in West-Berlin nur in bestimmten Fällen genehmigt war und ein großer Teil der Flüchtlinge in das übrige Bundesgebiet\ Westdeutschland weitergeleitet wurde. Innerhalb des Jahrzehntes bis 1958, dem Jahr des ,,Chruschtschow-Ultimatums", wuchs die Bevölkerung um 125.000 auf 2,26 Mio. Danach ist die Zahl der Einwohner fast Jahr für Jahr zurückgegangen- bis auf einen Tiefstand von knapp 2 Mio. zu Beginn der 80er Jahre. Dann stieg die Bevölkerung wieder an und erreichte Ende 1989 einen Stand von 2,13 Mio.- das waren rund 87.000 weniger als im Jahr des Mauerbaus 1961.

Von wesentlich größerer Bedeutung als der Rückgang der Bevölkerung waren Veränderungen in der Zusammensetzung der Bevölkerung. Besonders sichtbar wurden diese Veränderungen in der Nationalitätenstruktur. Verringert hatte sich lediglich die Zahl der Deutschen um etwa 310.000. Die Zahl der Ausländer dagegen ist um 220.000 angestiegen. Die Abnahme der deutschen Bevölkerung West-Berlins ist Resultat der besonderen demographischen Struktur, die sich in der Stadt als Folge von Kriegs- und Nachkriegseinflüssen herausgebildet und zu anhaltenden Sterbeüberschuss geführt hat.

Durch die sogenannte ,,Berlinförderung", wobei die Bundesregierung sowie der Senat von Berlin durch vielfältige Anreize den Zuzug insbesondere von Arbeitskräften aus dem Westdeutschen Teil förderte, fand ein Ausgleich des biologischen Defizits bei der Bevölkerung statt. Dies hielt aber nur bis Mitte der 60er Jahre an, von den frühen 70er bis hin zum Beginn der 80er Jahre gab es immer mehr Fort- als Zuzüge in nahezu allen Altersgruppen. Bei den Fortzügen hatte das Erwerbsmotiv, bei den Zuzügen das Ausbildungsmotiv ein hohes Gewicht. Nach 1983 wies die Statistik wieder einen positiven Wanderungssaldo auf, bedingt durch den Wachstum der regionalen Wirtschaft sowie durch die großzügigere Genehmigung von Ausreiseanträgen der DDR.

Der Rückgang der deutschen Bevölkerung zwischen 1960 bis 1989 wurde nur zur Hälfte durch die Zunahme der ausländischen Einwohner Berlins ausgeglichen. Die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte - Hauptgrund für den Anstieg der Ausländerzahl - setzte in Berlin zwar wesentlich später ein als im übrigen Bundesgebiet; noch 1961 lebten lediglich 20.000 Ausländer in der Stadt. Ab Mitte der 60er Jahre expandierte die Zuwanderung von Ausländern sehr stark. 1975 wurden knapp 190.000, Ende 1989 rund 297.000 Ausländer gezählt. Unter ihnen dominierten die Türken, aber auch Polen, Jugoslawen und auch Immigranten aus der EG (Europäische Gemeinschaft), aus den übrigen Europa sowie von anderen Kontinenten bildeten die Ausländerstruktur. Insgesamt betrug der Ausländeranteil bis 1989 rund 12%.

Zwischen 1950 und 1989, nicht zuletzt als Folge der Entkernung überalterter Wohnquartiere, nahm die Zahl der deutschen Einwohner in den dichtbesiedelten Innenstadtbezirken- Tiergarten, Wedding, Kreuzberg, Charlottenburg, Schöneberg- um 237.000 ab. Zugleich stieg sie in den peripheren Bezirken (weitgehend Neubausiedlungen) Spandau, Tempelhof, Neukölln und Reinickendorf kräftig an. In den nun geräumten Innenstadtquartieren, die trotz erheblicher Sanierungsanstrengung doch schlechtere Bausubstanzen aufwiesen, zogen weitgehend Ausländer. Besonders auffällig ist dies im Bezirk Kreuzberg, hier stieg der Ausländeranteil von 10% auf 30% an. Bemerkenswert jedoch ist, dass der Ausländerzustrom nicht nur die rückläufige Entwicklung der deutschen Einwohner gemildert, sondern auch zu einer deutlichen Verjüngerung der Bevölkerung beigetragen hat. Die Volkszählung vom 25.Mai 1987 ergab einen Anteil der ausländischen Mitbürger an der Gesamtbevölkerung von 11,1%, dass waren 223.498 Menschen.

Nach dem Verlust der Hauptstadtfunktion, der Zerschlagung des gewachsenen Wirtschaftsraums und der Abwanderung wichtiger Unternehmenszentralen konzentrierten sich die wirtschaftspolitischen Bemühungen auf den Ausbau der Industrie, wodurch es gelang Berlin wieder zur größten Industriestadt Deutschlands zu entwickeln.

4.2. Ost-Berlin

Als der sowjetische Sektor Berlins am 7.10.1949 zur Hauptstadt der DDR erklärt wurde, betrug die Einwohnerzahl etwa 1,2 Mio. Bis 1989 unterlag die Bevölkerungsentwicklung OstBerlins relativ geringeren Schwankungen, deren Eckpunkte durch wichtige politische Ereignisse markiert wurden.

In der Zeit von 1950-1961 nahm die Einwohnerzahl Ost-Berlins um etwa 150.000 Personen ab. Dies lag in erster Linie an der starken Fluchtbewegung, nach offiziellen Angaben der DDR verließen 22.000-30.000 Personen pro Jahr Ost-Berlin in Richtung Westen. Aber auch der nachkriegliche Sterbeüberschuß spielte eine Rolle, wenn aber hier eher sekundär. Der daraus resultierende Bevölkerungsverlust konnte nicht durch Zuwanderungen aus anderen Teilen der DDR kompensiert werden, wobei Ost-Berlin für die Einwohner der DDR durchaus eine attraktive Stadt, die sich zunehmend als politisches, wirtschaftliches und geistig- kulturelles Zentrum etablierte und eine Vorrangstellung unter allen DDR-Städten besaß. Zum schnelleren Aufbau wurden Arbeitskräfte gebraucht, die durch günstige Arbeits- und Lebensbedingungen angezogen werden sollten. Mit dem Bau der Mauer versiegte der Flüchtlingsstrom schlagartig. Zu diesen Zeitpunkt hatte die Bevölkerungszahl Ost-Berlins ihren Tiefpunkt mit 1,05 Mio. erreicht. Da die Stadt bevorzugtes Ziel von Zuwanderer blieb und 1962-70 einen durchschnittlichen jährlichen Wanderungsgewinn von fast 4.000 Personen erzielte, stieg die Zahl der Einwohner in der Folgezeit kontinuierlich an und lag 1970 bei knapp 1,09 Mio. Außerdem zu dieser Entwicklung hat beigetragen, dass der Sterbeüberschuss jährlich zurückging auf durchschnittlich 1.100 Personen. Ohne die Zuzugssperre, die bereits seit 1954 existierte, wäre der Anstieg wohl noch deutlicher ausgefallen. Mit der Unterzeichnung des ,,Vier-Mächte-Abkommens" am 3.9.1971 und des ,,Grundlagenvertrages" am 21.12.1972 normalisierten sich die Beziehungen der beiden deutschen Staaten. Im Jahr 1974 erfolgte auch die Aufhebung der Zuzugssperre. Diese Maßnahme hat dazu beigetragen, dass der Wanderungsgewinn hoch blieb und im Durchschnitt der Jahre 1971-86 rund 9.000 Personen jährlich betrug.

In Ost-Berlin wie in der ganzen DDR war der Zugang für Ausländer strikt reglementiert, ihr Anteil an der Bevölkerung betrug 1989 mit knapp 21000 Personen nur 1,6%. Mit massiven bevölkerungspolitischen Maßnahmen ist es gelungen, die Geburtenhäufigkeit zu steigern, so dass man von 1979 an einen Geburtenüberschuss verzeichnen konnte. Als Folge der gelockerten Ausreisebestimmungen waren seit Beginn der 80er Jahre allerdings auch wieder zunehmend Wanderungsverluste gegenüber West-Deutschland zu verzeichnen. Nachdem der Bevölkerungsbestand von 1949 wieder erreicht war, zählte man 1988 mit 1,29 Mio. die höchste Einwohnerzahl der DDR Geschichte. Um die Zuwanderer aufnehmen zu können, wurde 1973 ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm gestartet, so dass in den folgenden Jahren drei neue Bezirke entstanden- Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf.

5. Nach der Wiedervereinigung 1990

Durch die Wiedervereinigung wurde Berlin wieder Mittelpunkt des zweitgrößten Ballungsraum Deutschlands. Innerhalb des 60 km Radius lebten um das Stadtzentrum am Jahresende 1990 knapp 4,3 Mio. Menschen.

Von den 3,43 Mio. Einwohner, die am 3.Oktober 1990 mit Hauptwohnsitz in Berlin gemeldet waren, entfielen 2,16 Mio. (63%) auf die 11 ehemaligen West-Berliner, 1,27 Mio. (27%) auf die 12 ehemaligen Ost-Berliner Bezirke. Damit hat die Zahl der Einwohner in den über 40 Jahren der Teilung nur um knapp 100.000 Personen zugenommen.

Eine nach Deutschen und Nichtdeutschen differenzierte Betrachtung zeigt , dass der minimale Wanderungsgewinn bei den Deutschen nicht ausgereicht hat, um den Sterbeüberschuss zu kompensieren, die Zahl der deutschen Bewohner abgenommen hat. Der Bevölkerungszuwachs ist damit allein auf den Anstieg der Zahl der Nichtdeutschen zurückzuführen. Von den 3,44 Mio. Einwohner Berlins am 30.6.1991 waren 341.000 (9%) Ausländer. Mehr als neun Zehntel von ihnen leben im Westteil der Stadt. Für die Zukunft wird generell ein kräftiges Wachstum der Bevölkerung erwartet. Die Schätzungen differieren allerdings ganz erheblich. Das ,,Deutsche Institut für Bevölkerungsforschung" sprechen in den Zeitraum 1993 bis 1998 von einem wachsenden ,,natürlichen" Bevölkerungsdefizit. Diese Vermutungen bestätigen Statistische Zahlen des ,,Statistischen Landesamt Berlin". Lebten 1995 3,471 Mio. Einwohner in Berlin, waren es 1996 nur noch 3,458 Mio. Ein minus von 13.000. 1997 kam man auf 3,425 Mio., 1998 auf 3,398 Mio. Bewohner Berlins. In den Zeitraum 1993 bis 1998 nahm die Bevölkerung Berlins um 77.000 Personen ab. Der radikale Bevölkerungsumbruch (siehe Folie) fand zwischen 1995 zu 1996 statt. Zu dem Bevölkerungsrückgang in Berlin hat, laut Statistischen Landesamt, neben den Sterbeüberschuss, von durchschnittlich 5500 (1998) bis 6000 (1997) Personen jährlich, in geringem Maße auch die Abwanderung von ehemals Ost-Berlinern in das frühere westliche Bundesgebiet dazu beigetragen. So verlegten 1997 168.000 Menschen ihren Wohnsitz von Ost- nach Westdeutschland. Der daraus resultierende Abwanderungstrend betrug rund 10.000 Personen.

Nach neusten Angaben (Bevölkerungsstand Ende September 1999) leben in Berlin 3.392.347 Mio. Einwohner auf einer Gesamtfläche von 888,38 Quadratkilometern. In den 12 Berlin- West Bezirken (Tiergarten, Wedding, Kreuzberg, Charlottenburg, Spandau, Wilhmersdorf, Zehlendorf, Schöneberg, Steglitz, Tempelhof, Neukölln und Reinickendorf) sind es 2.121820 Mio. Einwohner, in den 10 Berlin-Ost Bezirken (Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Treptow, Köpenick, Lichtenberg, Weißensee, Pankow, Marzahn, Hohenschönhausen, Hellersdorf) 1.270.527 Mio. Bürger.

6. Bevölkerungsprognosen

Nach den neusten Prognosen, die am 1.2.2000 vom Senat von Berlin zur Kenntnis genommen und sehr stark diskutiert wurden, geht man davon aus, dass die wirtschaftliche Expansion Berlins, besonders im Dienstleistungssektor sowie in den Bereichen der Telekommunikation und der Informatik, qualifizierte Arbeitskräfte erfordert, die aus dem heimischen Potential allein nicht gewonnen werden können und so einen Wanderungsgewinn mit sich führen könnte. Dazu kommen ebenfalls immer noch Zuzüge im Zusammenhang mit der Verlagerung der Parlaments- und Regierungsfunktionen von Bonn nach Berlin. Außerdem ist damit zu rechnen, dass Berlin bevorzugte Anlaufstelle für Aussiedlungswillige aus Osteuropa und den Kriesengebieten der Dritten Welt bleibt. Alle diese Effekte lassen sich jedoch nicht quantifizieren.

Jedoch wird sich die Altersstruktur verändern, der Anteil der über 65jährigen wird bis zum Jahr 2010 um mehr als 30% zunehmen, gleichzeitig dürfte der Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre sinken.

Der Ausländeranteil wird von gegenwärtig etwa 13% auf 16% ansteigen. Damit liegt er aber immer noch weit unter den höchsten Werten, die in anderen deutschen Städten verzeichnet werden, in Frankfurt am Main beträgt er gegenwärtig bereits über 25%. Fazit: Berlin entwickelte sich in den 756 Jahren seit seiner Gründung, zu einer der bedeutendsten Metropole in Europa. Berlin ist eine Stadt die von Zuwanderern lebte und auch weiter leben wird. Jedoch wird man in Zukunft aber gezwungen sein, Maßnahmen gegen diese Rückläufige Bevölkerungsentwicklung einzuleiten.

Details

Seiten
12
Jahr
2000
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97345
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Schlagworte
Berlin Bevölkerung Stadt Stadtentwicklung

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Titel: Bevölkerungsentwicklung Berlins