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Indien - Last und Erbe der Kolonialzeit

Referat / Aufsatz (Schule) 1997 3 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Indien: Last und Erbe der Kolonialzeit

In Indien hatten sich im 17. Jahrhundert europäische Handlungsniederlassungen angesiedelt, die nach dem Zusammenfall des Mogulreiches die Machtkämpfe der einzelnen Regionen unterstützten. Hierbei erlangte die britische Ostindiegesellschaft bald die Oberhand. Als sie 1757 schließlich die Bengalen in der Schlacht von Plassey besiegten, begann die indirekte Herrschaft Englands durch die Ostindiengesellschaft über Indien. Später fügten die Briten auch noch die Gangesebene, Zentral-, und Nordindien sowie den Panjab ihrem Einflußgebiet hinzu. Direkt an die Macht kam England 1857 nach der Sepoy Rebellion, die von indischen Söldnern der Ostindiengesellschaft mit Unterstützung der ländlichen Bevölkerung ausging. Die britische Regierung schlug diesen Aufstand in mehreren blutigen Aktionen nieder und übernahm somit offiziell die Führung. 1877 wurde Königin Victoria zur Kaiserin von Indien proklamiert. Ihr zur Seite wurde ein Vizekönig gestellt, der, unterstützt von einem Legislativ-, und einem Exikutivrat die Regierung stellte.

Als Folge der Unterdrückung und Ausbeutung des indischen Volkes wurde 1885 der ,,Indian National Congress" (INC) gegründet, der von indischem Nationalismus geprägt war. Ziel des Kongresses war eine größere Beteiligung der Inder an der Regierung. Als dies aber von den Briten abgelehnt wurde radikalisierte sich die Vereinigung. 1905 ließ der Vizekönig Bengalen aufgrund verschiedener Konflikte in einen hinduistischen und einen muslimischen Bereich teilen. Das rief großen Widerstand der Inder gegen die Briten sowie eine weitere Radikalisierung des Kongresses hervor, was zu einem Boykott britischer Waren führte, die bis dahin die indische Wirtschaft geschwächt hatten. 1909 reagierte die britische Regierung mit einigen Zugeständnissen: es wurde eine Verfassungsreform durchgeführt. Die Moslems erhielten eine separate Wählerschaft, die Mitgliederzahl des Legislativrats wurde erhöht und im Exikutivrat wurden Inder zugelassen. Erneute Widerstände wurden jedoch blutig niedergeschlagen. Nachdem Mahatma Gandhi 1914 aus Südafrika zurückgekehrt war, gelang es ihm, aus der Elitebewegung des INC eine Massenbewegung zu machen, aus der sich später auch die Kongreßpartei gründete. Der verstärkte Druck durch diese Bewegung veranlaßte die Briten 1921 zu den Montfort-Reformen: eine neue Verfassung besagte, daß 10% der männlichen Bevölkerung das Wahlrecht erhielten. Den Provinzen wurden finanzielle und normative Kompetenzen zugebilligt. Außerdem wurde der Legislativrat durch eine zweite, gewählte Kammer unterstützt. Doch damit gab sich der INC nicht zufrieden.

Unter Gandhi wurde zu indienweiten gewaltfreien Widerständen aufgerufen, die sich auch trotz Gandhis Inhaftierung fortsetzten. In dieser Zeit wurden viele wichtige Verbände, wie die Gerechtigkeitspartei, Gewerkschaften und Studentenverbände gegründet. Als die Engländer 1928 eine Kommission mit der Überprüfung der indischen Selbstverwaltung beauftragten, die allerdings nur aus Briten bestand berief der Kongreß eine Allparteienversammlung ein, die sich als Ziel die völlige Unabhängigkeit bis 1930 setzte. Außerdem organisierte Gandhi einen Marsch der Massen ans Meer zur Salzgewinnung und bedrohte so Englands Salzmonopol. In Folge dessen wurden 100.000 Personen sowie die Führung der Kongreßpartei inhaftiert. Als Gandhi wieder frei war, kämpfte er in London um eine neue Verfassung, die den Föderalismus einführte und die Reservierung von Parlamentssitzen für Minderheiten beinhaltet. 1937 erlangte die Kongreßpartei eine deutliche Mehrheit bei Provinzwahlen.

Während des zweiten Weltkrieges hatte Indien unter der militärischen Ausbeutung durch die Engländer sowie einer Wirtschaftskrise zu leiden, die zu großen Hungersnöten führte. Als die Briten auf erneuten zivilen Ungehorsam nicht reagierten, organisierte die Kongreßpartei weiter Protestaktionen, die jedoch von den Engländern niedergeschlagen wurden. Außerdem wurde die Kongreßführung inhaftiert. Als 1945 der Kampf um die Unabhängigkeit durch die Regierungsübernahme der Laborparty in England begünstigt wurde, konnten dich allerdings die Kongreßpartei und die Muslimliga nicht über den weiteren Verlauf der Regierungsbildung nicht einigen, was den Rückzug Englands aus Indien verlangsamte. So war 1947 die Teilung in religiös-politische Teile die einzige Lösung, um weitere Konflikte zu verhindern. Es entstanden also die Teile Indien, in denen die Kongreßpartei die Regierung übernahm, sowie Pakistan, die Region, auf deren Abspaltung die Muslimliga bestanden hatte. Aber die Teilung brachte große Probleme für beide Regionen. Auf beiden Seiten bildeten sich gewalttätige Gruppen, die die Minderheiten unterdrückten. Circa eine Million Menschen starben. Außerdem hatte die Teilung nicht wirklich eine religiöse Separation gebracht. Ein Drittel der Moslime lebte immer noch im hinduistischen Indien. Im Zuge dieser Konflikte wurde Gandhi von einem Hindu-Fanatiker ermordet, der ihm vorwarf, daß er der muslimischen Minderheit die gleichen Rechte zugebilligt hatte. Gandhi hatte bis zuletzt dafür gekämpft, allen Gruppen des alten Indiens die gleichen Rechte und materiellen Unterstützungen zukommen zu lassen.

Aber Indien hatte bei seinem Start in die Unabhängigkeit nicht nur schlecht Bedingungen. Es hatte auch die Möglichkeit, bald eine Konstante Regierung aufzubauen, da eine unabhängige Justiz, fähige Beamten und Politiker, sowie eine professionelle Armee bereits vorhanden waren. Und alle diese Institutionen waren auch unbedingt notwendig für den Aufbau eines souveränen ökonomischen Staates. Denn unmittelbar nach der Trennung mußte Indien das Problem der Integration der Fürstenstaaten bewältigen. Nachdem in Hyderabad der muslimische Herrscher versucht hatte allein die Unruhen unter Kontrolle zu bekommen um so einen selbständigen Staat aufzubauen, mußten aber doch indische Truppen einmarschieren. Auch in Kaschmir schaffte es der Maharadscha nicht, einen unabhängigen Staat aufzubauen und trat schließlich Indien bei. International aber konnte sich Indien zunächst durch die geschickte Außenpolitik des Premierministers Nehru etablieren. Die junge Demokratie galt als bestrebt, Frieden gewaltfrei zu bewahren. Erst nach der Niederlage im indisch- chinesischen Krieg um territoriale erlitt Indien einen Prestigeverlust. Nach Nehrus Tod 1964 kam schließlich seine Tochter Indira Gandhi an die Regierung als Premierministerin. Doch sie hatte mit wirtschaftlichen und anderen innenpolitischen Problemen zu kämpfen. Und diese brachten sie auch schließlich um ihr Amt. Doch ihre Nachfolger zeigten nur, dass die allgemeinen Probleme durchaus nicht leicht zu lösen waren, und so kam sie einige Jahre später wieder an die Macht. Indien verlor an dem Zusammenhalt, den der Kampf um die Unabhängigkeit gebracht hatte. Die Bevölkerung litt unter den wirtschaftlichen Problemen und die religiösen Auseinandersetzungen und separatistischen Bewegungen veranlaßten Indira Gandhi zu einem gewaltsamen Schlag gegen die Sikhs. Diese rächten sich 1984 durch ein Attentat, an dem die Premierministerin starb. Ihr Nachfolger wurde ihr Sohn Rajiv Gandhi. So hatte Indien bis Heute mit den Folgen der Kolonialzeit zu kämpfen aber sie hat Indien auch zu einem Staat mit einer demokratischen, fortschrittlichen Verfassung gemacht.

Details

Seiten
3
Jahr
1997
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97340
Note
1
Schlagworte
Indien Last Erbe Kolonialzeit

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Titel: Indien - Last und Erbe der Kolonialzeit