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Innerfamiliale Arbeitsteilung

Seminararbeit 1999 13 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Linien
2.1 Die Arbeitsteilung im Wandel der Zeiten
2.1.1 60er Jahre
2.1.2 80er Jahre

3. Single-Earner- und Dual-Earner-Familien

4. Wer macht was ?
4.1 Arbeitsteilung in den 70ern
4.2 und in den 80ern
4.3 Einflußfaktoren auf die Arbeitsteilung

5. Die rechtlichen 6/7 des Eisberges
5.1 Die Lebensentwürfe der Partner
5.2 Erwartungen an den Partner
5.3 Und die Folgen
5.4 Fazit
5.5 Strategien der Konfliktreduktion

6. Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"In familiensoziologischen Untersuchungen wird die innerfamiliale Arbeitsteilung häufig als Maßstab gewählt, um den Grad der Egalität zwischen den Ehepartnern zu messen und damit Aussagen über eheliche Machtstrukturen zu treffen." schreibt Rosemarie Nave-Herz (Nave-Herz 1988, S.61). Unter dieser Prämisse und mit dem Hintergedanken an die Formulierung des Artikel 3 des Grundgesetzes ("Männer und Frauen sind gleichberechtigt" (Birkmann 1996, S. 87) muß man also feststellen, daß eine gleichmäßige Arbeitsverteilung innerhalb der Familie gesellschaftlich gewollt sein müßte. Es soll also hier darum gehen, festzustellen, in wieweit die gleichberechtigte Arbeitsteilung Realität ist, wie sie sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat und was die Gründe und Auswirkungen der derzeitigen Situation sind. Innerfamiliale Arbeitsteilung nenne ich jene Arbeitsteilung zwischen den Lebenspartnern genauer gesagt, zwischen einer Frau und einem Mann, die eine längere Zeit zusammenleben, sei es in einer Ehe oder einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft, der Spezialfall der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft findet hier ebensowenig Beachtung wie die Arbeitsteilung zwischen den Eltern und ihren Kindern. Wenn ich mich hier also mit innerfamilialer Arbeitsteilung beschäftige, beschäftige ich mich mit der Aufteilung der Hausarbeit auf die Partner, also mit der Beteiligung der Männer an der häuslichen Arbeit. Diese Beteiligung ist, das kann man vorwegnehmen, weiterhin bescheiden "´Auto fahren´ und ´Frühstück machen´ dienen als Alibifunktionen. Diese Konzessionen des Mannes im täglichen ´Arbeitskampf´ der Ehepartner können wahrlich nicht als revolutionär bezeichnet werden« (Thiessen/Rohlinger 1988, S. 656)."

2. Historische Linien

Die Entstehung des Problems der familialen Arbeitsteilung hat zwei wesentliche Linien. Die erste liegt in der Industriellen Revolution begründet: In der vorindustriellen, bäuerlichen Familie gab es das Problem der Trennung zwischen häuslicher und außerhäuslicher Arbeit nicht, die Männer und Frauen beschäftigten sich beide fast den ganzen Tag mit Haus und Hof. In der urbanen Familie der Industrialisierung fand dann eine erste Unterteilung statt, nämlich in häusliche und außerhäusliche Arbeit. Diese unterteilte Arbeit wurde dann auch aufgeteilt, nämlich die häusliche auf die Frauen und die außerhäusliche (Erwerbs-)Arbeit auf die Männer. Damit folgte die Familie dem damals in der Gesellschaft herrschenden Trend nach Arbeitsteilung und Spezialisierung. Parsons beschreibt die Aufgabe des Mannes hauptsächlich als die finanzielle Versorgung der Familie, aber auch, da er durch den Beruf mit anderen, außerhalb der Familie Stehenden Kontakt hat, als den Kontakt zur Außenwelt, der Gesamtgesellschaft. Die Frau hingegen spezialisiert sich auf die familieninternen Aufgaben: Erziehung der Kinder, Hausarbeit und emotionale Stabilisierung der Familie (Parsons 1956, S. 3-33). In dieser arbeitsteiligen Familie übernimmt der Mann die instrumentelle und die Frau die emotionale Führung. Kaufmann nannte diese Form der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung den "Geschlechtervertrag" (Kaufmann 1990, S. 22).

Die zweite der oben erwähnten Linien sehe ich in der zunehmenden Gleichstellung der Frauen und Männer seit dem Ende des vorigen, besonders aber seit den 60er Jahren dieses Jahrhunderts. Frauen wurden die selben Chance in Bildung und Beruf eingeräumt, 1977 wurde in der BRD "... mit dem neuen Ehe- und Familienrecht [...] Die bis dahin gesetzlich fixierte Zuständigkeit der Frauen für Hausarbeit und Familie [...] aufgehoben und die Haushaltsführung in die Entscheidung der Eheleute gelegt. Ebenso sind beide berechtigt, erwerbstätig zu sein . Die elterliche Sorge für die Kinder haben Vater und Mutter, die bei Meinungsverschiedenheiten - so der Wortlaut des Gesetzes - »versuchen müssen, sich zu einigen« (vgl. Frauenlexikon, 1983, S. 79)." (Beck 1986, S. 165) Die Frauen haben also nunmehr grundsätzlich die gleichen Chancen wie die Männer und haben nach und nach auch angefangen, diese zu nutzen. Dies führt zu einer "...Angleichung der Lebensentwürfe und Lebensverläufe der Frauen an die der Männer" (Künzler 1994, S. 16), für junge Frauen nimmt Erwerbstätigkeit inzwischen eine genauso wichtige Stelle, ein wie Partnerschaft und Familiengründung.

Damit stoßen die Frauen in den Bereich vor, der gemäß dem oben skizzierten Geschlechtervertrag die Domäne der Männer gewesen ist. Der Geschlechtervertrag in dieser Form ist also nicht mehr vertretbar, durch die Erwerbstätigkeit der Frauen sind Ressourcen gebunden, die der Hausarbeit nicht mehr zur Verfügung stehen, es muß also nach Alternativen zum alten Geschlechtervertrag, nach einer neuen Arbeitsverteilung gesucht werden, sonst "... ist eine überproportionale Belastung der Frauen, ihre notorische Doppelbelastung [...] die Folge." (ebd., S. 18)

2.1 Die Arbeitsteilung im Wandel der Zeiten

2.1.1 60er Jahre

Wie unter 2. ausgeführt, war die Frage der familialen Arbeitsteilung in der Mitte dieses Jahrhunderts noch recht eindeutig geklärt, in der Bundesrepublik gar bis 1977 gesetzlich geregelt. Mitte der sechziger Jahre waren in der BRD zwei Drittel der Männer überhaupt nicht an der Hausarbeit beteiligt, dasselbe traf für Belgien zu, in der USA waren nur noch knapp die Hälfte Hausarbeitsabstinenzler. In Frankreich und der DDR hingegen beteiligten sich zu diesem Zeitpunkt schon die große Mehrheit der Männer an dieser Arbeit (s. auch Tabelle 1 des Anhangs). In der BRD müssen Frauen zu diesem Zeitpunkt ihre Erwerbstätigkeit noch mühsam rechtfertigen, intrinsische Gründe werden kaum akzeptiert, wohingegen das Familiengesetzbuch der DDR schon 1966 in seinem § 10 formulierte: "Beide Ehegatten tragen ihren Anteil bei der Erziehung und Pflege der Kinder und der Führung des Haushaltes. Die Beziehung der Ehegatten zueinander sind so zu gestalten, daß die Frau ihre berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit mit der Mutterschaft vereinbaren kann."

2.1.2 80er Jahre

Vor diesem Hintergrund sind also der Geschlechtervertrag und damit das klassische Modell der Arbeitsteilung in der Bundesrepublik noch ungebrochen aktuell. Erst als im Verlauf der Zeit bis in die 80er Jahre Frauenerwerbstätigkeit immer weniger legitimationsbedürftig wird, nimmt im Gegenzug die Legitimationsbedürftigkeit der männlichen Abstinenz an der Hausarbeit zu. Seit Ende der achtziger Jahre ein "Neuer Mann" und ein "Neuer Vater" als Typen, die sich gleichberechtigt, partnerschaftlich und im gleichen Umfang wie die Frau in der häuslichen Arbeit und Kinderbetreuung engagieren, diskutiert werden und die Erwerbstätigkeit der Frau und des Mannes gleichberechtigt nebeneinander stehen, gibt es eigentlich keinen Grund mehr, nicht auch im häuslichen Bereich gleichberechtigt miteinander umzugehen. Auch der Argumentation der durch die Gebärfähigkeit gegebenen, biologisch bedingten Prädestination der Frau zur Kinderbetreuerin und damit zum häuslichen "Teil" der Partnerbeziehung wird der Wind aus den Segeln genommen; es gibt inzwischen das "Drei-Phasen-Modell" einer lebenslangen Erwerbstätigkeit, die nur befristet der Kinder wegen unterbrochen wird." (Künzler 1994, S. 21)

3. Single-Earner- und Dual-Earner-Familien

In den Untersuchungen zur Arbeitsteilung wird grundsätzlich in zwei Kategorien unterschieden. In der ersten Kategorie stehen die kinderlosen Paare denen mit einer Elternschaft gegenüber, die zweite Kategorie unterscheidet die Familien, unabhängig vom Vorhandensein von Kindern, in Single-Earner- und Dual-Earner- Familien. Earner ist ein englisches Wort (die ersten Erhebungen zur Arbeitsteilung fanden in den USA statt) und heißt Verdiener. In Dual-Earner-Familien gehen also beide Partner einer Erwerbstätigkeit nach, während in Single-Earner-Familien einer der beiden Partner (i.d.R. der Mann) für die finanzielle Versorgung der Familie sorgt.

4. Wer macht was ?

4.1 Arbeitsteilung in den 70ern

Erst Ende der 60er Jahre begann das Problem der familialen Arbeitsteilung zum Forschungsgegenstand zu werden, deshalb gibt es kaum empirische Daten zu dem Thema aus den sechziger Jahren. Die Daten, die aus den 70er Jahren vorliegen, zeigen überwiegend noch das traditionelle Muster der klassischen Arbeitsteilung gemäß dem unter 2. dargestellten Geschlechtervertrag. Das trifft jedoch nicht nur auf die Single-Earner-Familien zu, die zu dieser Zeit zumindest in Westdeutschland noch die Mehrheit bildeten, sondern auch auf die Dual-Earner-Familien, in denen ja zumindest ein Teil des Geschlechtervertrages (der Mann ist allein für die finanzielle Versorgung der Familie zuständig) nicht mehr gültig ist und es nur zu logisch wäre, auch die andere Hälfte in Frage zu stellen. Die tatsächlichen Tätigkeiten der Männer beschränken sich auf Assistenz beim Geschirrspülen und Einkaufen, nicht aber beim Putzen, Kochen und Waschen, allein Reparaturen im Haushalt sind in beiden Familienformen hauptsächliche Männerdomäne. Der einzige Unterschied zwischen den Familien mit einer erwerbstätigen Frau und einer "Hausfrau" liegt in der Häufigkeit der männlichen Beteiligung, die ist in Dual-Earner-Familien erwartungsgemäß höher, eine Gleichheit der Arbeitsteilung liegt aber auch hier bei weitem nicht vor. Pross charakterisiert diese Art der häuslichen Arbeiten als "...eine Art Kavaliersdienst [...] , durch Dank entlohnt, günstig für die eheliche Stimmung und gewiß nicht belastend." (Pross 1976, S. 143) Pross resümiert: "Ob die Frau berufstätig ist oder nicht, der Haushalt ist ihr Ressort." (Pross 1978, S. 94) und "Die gewünschte Frau ist nicht die Berufsfrau, die gewünschte Frau ist die Familienfrau. [...] Berufsfrauen werden respektiert, mütterliche Frauen ersehnt." (ebd., S. 167)

4.2 und in den 80ern

In den 80er Jahren unseres Jahrhunderts sieht das ein bißchen anders aus. Die Akzeptanz der berufstätigen Frau ist gestiegen, 83% der Männer stimmen der Aussage "Für die Frau ist der Beruf genauso wichtig wie für den Mann" zu, nur 4% wollten davon überhaupt nichts wissen. Der "Neue Mann" (s. auch 2.1.2) hat auch konkrete Vorstellungen, wie die Partnerschaftlichkeit in der Arbeitsteilung aussehen soll. "Der Mann einer berufstätigen Frau [soll] auch zu hause mit [‚anpacken']". (Metz-Göckel/Müller 1985, S. 46) Was sich jedoch wirklich verändert hat seit den 70er Jahren und in Abgrenzung zu den Single-Earner-Familien, ist, so Metz-Göckel und Müller, ein "trübes Kapitel". Die "Verteilung" der Hausarbeit hat sich nicht wesentlich geändert, partnerschaftlich geht es allenfalls bei Einkauf, Geschirr und Kochen zu, der restliche Teil der Hausarbeit bleibt der Frau vorbehalten.

4.3 Einflußfaktoren auf die Arbeitsteilung

Interessant ist der von Metz-Göckel und Müller herausgearbeitete Effekt von Elternschaft auf die Arbeitsteilung der Partner: "polemisch überspitzt: Sobald ein Kind da ist, fällt den Männern auch noch der Staubsauger, mit dessen Handhabung sie ja ohnehin Schwierigkeiten haben, aus der Hand." (ebd., S. 55) Auch lassen sich Auswirkungen der Parameter Alter und Bildung auf die Gestaltung der Arbeitsteilung feststellen. So beteiligen sich ältere Männer weniger häufig und intensiv als jüngere an der häuslichen Arbeit, ältere Frauen befürworten dafür auch das klassische Modell der Arbeitsteilung eher als jüngere. Bei der Schulbildung ist es erwartungsgemäß so, daß in Familien mit Frauen mit höheren Bildungsabschlüssen eher nach alternativen Verteilungen gesucht wird und in Familien mit Männern mit niedrigeren Abschlüssen seltener.

Aus der Tabelle 2 des Anhang kann man die Unterschiede in der Arbeitsteilung verheirateter (Dual-Earner-) und ohne Trauschein zusammenlebender Paare erkennen. Es ist ziemlich deutlich, daß sich in nichtehelichen Lebensgemeinschaften der Mann viel intensiver an der Hausarbeit beteiligt. Ist es also so, daß der Trauschein einen ähnlichen Effekt auf die Arbeitsteilung ausübt wie das neugeborene Kind und dem Mann gleich nach der Hochzeit wiederum der Staubsauger aus der Hand fällt? Wäre also die nichteheliche Lebensgemeinschaft eine Alternative zur ehelichen Familie, wenn man an einer egalitären Arbeitsteilung interessiert ist? Ich denke, daß dieser Unterschied jedoch nur in der Verzerrung der Statistik gegründet liegt. In Deutschland ist ja die nichteheliche Lebensgemeinschaft zur beinahe zur zwingenden Vorstufe der Ehe geworden. Man kann annehmen, daß die meisten nichtehelichen Lebensgemeinschaften nach einer gewissen Zeit des Zusammenlebens der Partner in Ehen umgewandelt werden. In diesem Zusammenhang würde die Tabelle 2 unterscheiden zwischen lange (ehelich) und noch nicht so lange (nichtehelich) zusammenlebenden Partnern. Das bedeutet dann im Ergebnis, daß sich mit der Dauer einer Paarbeziehung auch die Arbeitsteilung traditionalisiert. Ich glaube, man kann zu recht behaupten, daß auch in langjährigen nichtehelichen Lebensgemeinschaften eine starke Traditionalisierung der Verteilung der Hausarbeit einsetzt.

5. Die restlichen 6/7 des Eisberges

Frau Elisabeth Beck-Gernsheim schrieb 1992 einen interessanten Artikel in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Darin machte sie sich ihre Gedanken zum Thema Arbeitsteilung. Sie behauptet, der Streit die Arbeitsteilung werde auf zwei verschiedenen Ebenen ausgefochten. Und nur zu einem geringen Anteil gehe es dabei tatsächlich um die Frage, wer nun den Abwasch realiter erledigt oder die Glühbirne auswechselt. Sie glaubt, daß es sehr wesentlich um die Lebensentwürfe der Partner und deren gegenseitige Vereinbarkeit geht. Ihre Darstellung veranlaßte mich, diesen Sachverhalt mit einem Eisberg zu vergleichen, dessen unter der Wasseroberfläche liegender, größere Teil diese Auseinandersetzung um die Lebensentwürfe darstellt, während das obere Siebentel der tatsächliche "Streit" ums Bettenmachen ist.

5.1 Die Lebensentwürfe der Partner

Um diese These verstehen zu können, muß man sicherlich erst einmal die wesentlichen Unterschiede dieser Lebensentwürfe betrachten. In den letzten Jahrzehnten hat sich, wie ich oben schon ausführte, der "Normallebensentwurf" (der sicherlich bei weitem nicht für alle Frauen gilt, aber das gilt es auch gar nicht zu betrachten) der deutschen Frauen sehr stark und sehr rasch geändert. Die Frau strebt jetzt ein Leben mit Beruf an, der Beruf bedeutet für sie Anerkennung, eigenes Geld (also ein Loslösen aus der Abhängigkeit des "breadwinners" Gatte) und Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung außerhalb der eigenen Familie. Mit diesem Entwurf stößt sie überall auf Schwierigkeiten. Seien es die Arbeitgeber, die geneigt sind, in jeder Frau eine potentielle Schwangere und damit einen Kostenfaktor zu sehen, oder sei es der Mangel an Kindertagesstätten oder Ganztagsschulen mit Horten, es gibt massive, gesellschaftliche Barrieren wider die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Lebensentwurf des Mannes hat sich dagegen in der letzten Zeit nur sehr langsam und recht unwesentlich geändert. Die Geschlechterrollen weichen zwar zusehends auf, aber es handelt sich meistens um eine lediglich "gedankliche Emanzipation der Männer" (Schneewind/Vaskovics 1991, S. 171), man akzeptiert die Gleichheit der Geschlechter, jedoch eher als allgemeine Idee, denn als Grundsatz für die eigene Praxis, die eigene Familie: "Die Männer sind in ihren Reaktionen geteilt, wofür sie mit dem Kopf eintreten, setzen sie in die Tat nicht um. Hinter Parolen von Gleichheit verstecken sie faktische Ungleichheit." (Metz- Göckel/Müller 1985, S. 18)

5.2 Erwartungen an den Partner

Bei Befragungen junger Paare über die Partner gaben die Frauen in der Regel an, daß sie sich wünschten, selbst emanzipierter zu sein, als sie es tatsächlich sind. Ihre Partner waren umgekehrt der Meinung, ihre Partnerin solle weniger emanzipiert sondern eher traditioneller sein. An sich selbst wollten die jungen Männer durchaus Veränderungen in Richtung "Neuer Mann" vornehmen oder geschehen lassen, jedoch waren die Abweichungen vom Wunschbild "Neuer Mann" und vom Selbstbild der Befragten nur minimal, so daß eine starke Veränderung, wie sie die meisten jungen Frauen an ihren Partnern befürworten würden, wohl ausbleiben wird.

5.3 Und die Folgen

Wir sehen, es gibt eine große Kluft zwischen den Vorstellungen der Partner voneinander. Besonders für Frauen, so Beck-Gernsheim, sei das ein besonderes Problem: "Der Partner, von dem sie Nähe und Unterstützung erhoffen, zeigt Einstellungen und Verhaltensweisen, die ihr Verständnis von gerechter Arbeitsteilung und Chancengleichheit verletzen, nimmt sich Privilegien heraus und überläßt den Großteil der Belastungen ihnen. Ein solches Verhalten bedeutet für viele Frauen heute nicht nur mangelnde Hilfe im Alltag. Es bedeutet aus ihrer Sicht - so meine These - auch die alltägliche Erfahrung von innerfamilialer Ungleichheit, einen Verstoß gegen Erwartungen und Anprüche, die zu ihrem Lebensentwurf gehören, damit mehr noch: eine Mißachtung ihrer Person, ihrer existentiellen Wünsche und Rechte. Aus solchen enttäuschten Erwartungen, so deutet sich aus vorliegenden Untersuchungen an, baut sich Groll auf gegen den Mann, Unzufriedenheit mit Ehe und Familie. [...] «Die Verheißungen der Moderne, ein selbstbewußtes, autonomes Individuum sein zu können, ... sind aus der Sicht der Frauen insgesamt um einiges weniger in Erfüllung gegangen.» (Wahl 1989, S. 280) " (Beck-Gernsheim 1992, S. 277)

Die Erwartungen der Frauen an ihrer Männer sind aber für diese nicht einfach nur unbequem, weil sie, Jahrhunderte von der Hausarbeit attestiert, plötzlich mitarbeiten sollen, das wäre zu einfach, wie auch Jan Künzler bemerkt: "Die Zurückhaltung der meisten Männer gegenüber der Hausarbeit ist so ausgeprägt und so verbreitet, daß es zu einfach wäre, sie einfach auf Bequemlichkeit zurückzuführen. Sicher hat sie auch und wahrscheinlich in hohem Maße damit zu tun, aber nicht nur damit. Die Gruppendiskussionen lassen vermuten, daß die Vorstellungen von Männlichkeit, von der Unvereinbarkeit der Hausarbeit mit der männlichen Würde ebenfalls eine Rolle spielen." (Künzler 1994, S. 25)

5.4 Fazit

Wir sehen, daß für beide Geschlechter die Frage der Arbeitsteilung an weit tieferen Schichten rührt, an Identität, Lebensentwurf und Selbstwertgefühl. "Wo sich in Ehe und Partnerschaft Konflikte um die Arbeitsteilung entzünden, da geht es um mehr als nur Hausarbeit. Denn Beruf [...] und Hausarbeit [...] stehen auch für Vorstellungen von richtiger Familie, vom Geschlechterverhältnis. [...] Was ist ein richtiger Mann, eine moderne Frau?" (Beck-Gernsheim 1992, S. 277)

Beck-Gernsheim betont, daß sie nicht der Meinung ist, daß die Ehezufriedenheit der Frau von der Beteiligung des Mannes an der Hausarbeit abhängt oder die des Mannes von der Akzeptanz der traditionellen Muster durch seine Frau. Dann wäre die Ehe nicht mehr als eine Arbeitsgemeinschaft mit der Frage, wer Einkaufen geht oder das Geschirr abwäscht. Es sollte aber noch mehr Gründe für das Zusammenleben zweier Menschen geben. Diese Gründe sieht sie in der Kompensation der Mangelerscheinungen, die aus der individualisierten Gesellschaft entstehen (z.B. Geborgenheitsgefühl u.dgl. mehr). Weiterhin betont sie, daß sie auch nicht der Meinung ist, eine nicht egalitäre Arbeitsteilung müsse zwangsläufig zu Konflikten führen. Sie glaubt, man kann diese Mangelerscheinung durchaus auch durch andere Qualitäten (z.B. Zuverlässigkeit, Zärtlichkeit, Humor) kompensieren. Jedoch befürchtet sie, daß es immer weniger möglich ist, da die ungleichmäßige Arbeitsteilung immer stärker als Ungerechtigkeit empfunden wird und so auch immer schwerer zu kompensieren ist.

5.5 Strategien der Konfliktreduktion nach Beck-Gernsheim 1992, S. 279ff.

Um dieses Konfliktpotential zu bewältigen haben die Paare verschiedene Methoden gefunden. Diese lassen sich in die Kategorien präventiv, also vor dem Zusammenleben bzw. der Familiengründung, und akut, also während des Zusammenlebens oder der Elternschaft, einordnen. In beiden Kategorien gibt es dann drei grundlegende Bearbeitungsformen:

1. Vermeiden: Präventives Vermeiden bedeutet zum Beispiel, sich einen Partner zu suchen, von dem man weiß, daß man die gleichen Ansichten über die Arbeitsteilung hat oder alternative Lebensformen, wie die kinderlose Partnerschaft, bei der ja der Arbeitsbereich "Kinderbetreuung" wegfällt und somit eine geringere Belastung besteht, auszuwählen. Akutes Vermeiden (des Konfliktes!) wäre z.B. Reduzierung der Berufstätigkeit des Mannes oder Reduzierung des häuslichen Arbeitsaufwandes, z.B. durch Delegation nach außen oder durch Verzicht auf weitere Kinder.

2. Verhandeln: Präventives Verhandeln kann durch Absprachen vor der Partner-/Elternschaft erfolgen, die den Modus der Arbeitsteilung festlegen (z.B. Ehevertrag). Akut wird verhandelt, indem man bei aufkommender Unzufriedenheit mit dem Status "quo" versucht, den Partner zu "überreden", ihm Verständnis für die eigene Position abzuringen.

3. Verdrängen: Präventive Verdrängungsstrategie findet man oft bei jungen Frauen, die unrealistischerweise "doppelte" Lebenspläne entwerfen. Die sich die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Mutterschaft einfacher vorstellen, als sie ist. Äußerungen wie "Karriere für fünf Jahre unterbrechen, um sich ganz den Kindern widmen zu können" zeugen von dieser Strategie. Akute Verdrängung heißt sich selbst zu täuschen, die Ungerechtigkeit der Arbeitsteilung, die Ungleichheit zwischen eigenem Ideal und Wirklichkeit zu leugnen. Oft werden dann "Familienmythen" aufgebaut, die behaupten, daß ein gerechtes Modell der Arbeitsteilung gefunden wurde, was aber der Wirklichkeit in keinster Weise entspricht.

6. Zusammenfassung

"Die Anfangsfrage, wer im Haushalt was tut, hat zu Fragen geführt, die tiefer reichen. Sie zeigen, wie eng die familiale Arbeitsteilung mit Selbstbild und Selbstbewußtsein beider Geschlechter verknüpft ist. Ein solcher Ansatz kann erklären, warum es den Beteiligten oft schwer fällt, Regelungen und Kompromisse zu finden. Er erklärt, wo die inneren Widerstände liegen, warum das Thema emotional hoch besetzt ist. Um die Diagnose noch einmal zusammenzufassen: Es geht für beide Geschlechter um mehr als nur Arbeit. Es geht auch um die Bewahrung der Identität." (Beck-Gernsheim 1992, S. 287)

Anhang

Tabelle 1

Hausarbeit - Partizipationsquoten der Männer im Multinational Comperative Time Budget Project 1966 (in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2

Verteilung einzelner Hausarbeiten in nichtehelichen Lebensgemeinschaften und Dual-Earner-Familien (nach Künzler 1994, S. 27) - in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3

Hausarbeit, Erwerbsarbeit und Gesamtbelastung von Frauen und Männern in Zeitbudget-Studien in der Bundesrepublik (1984-1990) - Angaben in Wochenstunden (außer Spalten 3, 9, 10)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Künzler 1994, S. 35

(die Durchschnitte in der untersten Zeile sind mit gebotener

Vorsicht zu betrachten, da Künzler keine Angaben machte, wieviele Nennungen sich hinter jeder Zeile im Einzelnen verbargen, so daß es nicht möglich war, die Daten zu wichten, C.H.)

Literaturverzeichnis

- Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/Main 1986.
- Beck-Gernsheim, Elisabeth: Arbeitsteilung, Selbstbild und Lebensentwurf. Neue Konfliktlagen in der Familie. in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44.Jg., 1992, S. 273-291.
- Birkmann, Andreas: Verfassung des Freistaats Thüringen. Erfurt 1996.
- Frauenlexikon, München 1983. zit. in Beck 1986.
- Künzler, Jan: Familiale Arbeitsteilung: Die Beteiligung von Männern an der Hausarbeit. Bielefeld 1994.
- Metz-Göckel, Sigrid / Müller, Ursula: Der Mann. Die BRIGITTE- Studie. Weinheim 1985.
- Nave-Herz, Rosemarie: Kinderlose Ehen. Weinheim 1988.
- Parson, Talcott: The American Family: Ist Relations to Personality an to the Social Structure. In Parsons/Bales/Olds/Zelditch/Morris/Slater: Family, Socialisation and Interaction Process. London 1956. nach Künzler 1994, S. 18.
- Pross, Helge: Die Wirklichkeit der Hausfrau. Die erste repräsentative Untersuchung über nichterwerbstätige Ehefrauen: Wie leben sie? Wie denken sie? Wie sehen sie sich selber? Reinbeck bei Hamburg 1976.
- Pross, Helge: Die Männer. Eine repräsentative Untersuchung über die Selbstbilder von Männern und ihr Bild von der Frau. Reinbeck bei Hamburg 1978.
- Schneewind, Klaus A./Vaskovics, Laszlo A.: Optionen der Lebensgestaltung junger Ehen und Kinderwunsch. München und Bamberg 1991.
- Thiessen, Victor / Rohlinger, Harald: Die Verteilung von Aufgaben und Pflichten im ehelichen Haushalt. in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 40.Jg., 1988, S. 640-657.
- Wahl, Klaus: Die Modernisierungsfalle. Gesellschaft, Selbstbewußtsein und Gewalt. Frankfurt/Main 1989. zit. nach Beck-Gernsheim 1992.

Details

Seiten
13
Jahr
1999
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v97048
Note
1,0
Schlagworte
Innerfamiliale Arbeitsteilung Seminar Familiensoziologie

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Titel: Innerfamiliale Arbeitsteilung