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Hesse, Hermann - Demian und Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues - Vorbildrollen in

Hausarbeit 1999 8 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Paul Bäumer und Stanislaus Katczinsky

3. Emil Sinclair und Max Demian

4. Wie beeinflussen die Vorbilder die Hauptpersonen?

5. Vergleich Max Demian, Kat

6. Vergleich Emil Sinclair, Paul Bäumer

7. Persönliche Stellungnahme

8. Literaturliste

9. Nachwort

1. Einleitung

Wie wichtig sind Vorbilder im Leben eines Menschen? Die ersten Vorbilder im Leben eines Menschen sind meistens seine Eltern; von ihnen lernen wir die grundlegendsten Dinge wie zum Beispiel Sprechen, Gehen und vieles mehr. Später lernen wir von mehreren verschiedenen Personen, dies sind Lehrer, Freunde, Arbeitskollegen, oder auch durch verschiedene Medien. Eigentlich sind das auch Vorbilder, aber nicht im Allgemeinen, sondern nur für einen Bereich. Wenn ich zum Beispiel sage, ich möchte Gitarre spielen wie Jimi Hendrix, ist er für mich in diesem Bereich ein Vorbild. Meiner Ansicht nach ist das Lernen durch Vorbilder etwas Grundlegendes in der Entwicklung der Menschheit. So können wir Wissen, alltägliche Verhaltensweisen und Arbeitsabläufe von einer Generation zur anderen weitergeben.

Ich versuche, in dieser Arbeit die Wirkung von Vorbildern anhand zweier Bücher zu beantworten. In ,,Demian" von Hermann Hesse sieht man, wie die Hauptfigur Sinclair vom Kind zum Erwachsenen wird und wie er dabei verschiedene Phasen der Entwicklung durchmacht. In ,,Im Westen nichts Neues" wird erzählt, wie der jugendliche Paul Bäumer den Kriegsalltag kennenlernt und dabei von Kat, einem erfahrenem Soldaten, geprägt wird. Ich werde zuerst die Beziehungen zwischen den Hauptpersonen und ihren Vorbildern analysieren, dann die Personen vergleichen und mit meiner persönlichen Stellungnahme abschliessen.

2. Paul Bäumer und Stanislaus Katczinsky

,,..Stanislaus Katczinsky, das Haupt unserer Gruppe, zäh, schlau, gerissen, vierzig Jahre alt, mit einem Gesicht aus Erde, mit blauen Augen, hängenden Schultern und einer wunderbaren Witterung für dicke Luft, gutes Essen und schöne Druckposten."1

So wird Kat am Anfang des Buches beschrieben. Paul und Kat kennen sich erst seit kurzem, Paul ist mit seinen Schulfreunden zur Kompanie gekommen und wird von Kat ins Kriegsleben eingeführt. Paul bewundert Kat vom ersten Augenblick an, und Kat wird gerne bewundert. Es entsteht eine tiefe, intensive Freundschaft zwischen den beiden, obwohl Kat fast doppelt so alt ist wie Paul. Es kommt also nicht zufällig, dass Kat eine Art eine Vaterrolle für ihn einnimmt, und Väter haben, wie ober erwähnt, Vorbildfunktion. Paul muss an der Front noch viel lernen, und Kat gibt ihm sein Wissen gerne weiter.

Paul handelt sehr geschickt, indem er sich an jemanden wendet, der schon Erfahrung mit dem Kriegsgeschehen hat und mit seinem Verhalten erfolgreich ist. Er schaut sich Kats Verhalten und seine Strategie ab und versucht, Kat so gut wie möglich zu kopieren. Wie wir später auch sehen, sind Kat und Paul die zwei Soldaten, die am längsten überleben, was bedeutet, dass sie die beste Strategie oder am meisten Glück hatten. Von grosser Bedeutung ist auch Kats Spürsinn für Essbares, der das Leben an der Front einiges leichter macht. Auch später im Buch lobt Paul immer wieder das Wissen und die Fähigkeiten von Kat. Wieviel Kat für Paul bedeutet, sehen wir ganz am Schluss des Buches, als Kat verwundet wird und Paul ihn bis zur nächsten Sanitätsstation trägt. Unterwegs machen sie einen Halt, bei dem Paul sich bei Kat für die gute Zeit, die sie zusammen verbracht haben, bedankt. Sie werden nun nach drei Jahren getrennt, Paul überlegt sich noch, sich in den Fuss zu schiessen, nur, um mit Kat zusammenbleiben zu können. Als sie dann in der Sanitätsstation ankommen, ist Kat tot und Paul völlig verzweifelt. Von da an stumpft er ab. Er hat seinen letzten Freund, zu dem er eine besonders tiefe Verbindung hatte, verloren. Er verliert seinen Lebenswillen, da er kein Ziel mehr vor Augen hat.

3. Emil Sinclair und Max Demian

Der erste Kontakt zwischen Sinclair und Demian entsteht, als Demian an die selbe Schule wie Sinclair kommt. Sinclair ist sofort von ihm begeistert. Nach einiger Zeit spricht Demian Sinclair auf dem Heimweg an, wo sie über die Geschichte von Kain und Abel sprechen. Demian unterbreitet Sinclair seine Deutung der Geschichte, in der Kain als Mann mit Mut und Charakter dargestellt wird, und nicht als Übeltäter. Demian zählt sich und Sinclair zu den Menschen, die diese Eigenschaften erbten und ein Kainszeichen auf der Stirn tragen. Sinclair bewundert die Kühnheit der Interpretation, denkt dann über diese unübliche Interpretation nach, kann sich aber nicht für die eine oder andere Deutung entscheiden. So beginnt eine Freundschaft zwischen den beiden. Diese Freundschaft wird enger und Demian beginnt, Sinclair zu zeigen, wie man seine Gedanken kontrolliert, befreit ihn von seinem Peiniger Kromer und zeigt ihm später im Konfirmationsuntericht immer wieder diejenigen Stellen, die seiner Meinung nach einer anderen Interpretation bedürfen. Sinclair bewundert Demian, er ist begeistert davon, wie Demian die Gedanken anderer lesen oder deren Bewegungen vorhersagen kann. Mit Demians unkonventionellen Interpretationen der Bibel bröckelt Sinclairs heile Welt des Elternhauses Stück für Stück auseinander.

Als Sinclair die Schule wechselt, verliert er Demian aus den Augen. Er sucht nach anderen Vorbildern, besucht Kneipen und findet in Pistorius einen Freund und Führer. Im Innern aber bleibt Demian Sinclairs Vorbild. Es wird im Buch geschildert, dass sich Sinclair in der Schule nun Demians Techniken der Gedankenbeherrschung zu Nutze macht.

Bei einem Spaziergang trifft er auf ein Mädchen, von dem er zu Hause ein Bild malt. Er nennt die Person auf seinem Bild Beatrice. Er himmelt dieses Gemälde an und erkennt darin bei genauerer Betrachtung Demians Gesichtszüge. Doch es sind nicht Demians Züge, sondern die Züge von Demians Mutter, die er, ohne sie zu kennen, vergöttert.

Als er sein Studium beendet hat, kehrt er in seine Heimatstadt zurück, um nach Demian zu suchen. Doch er hat keinen Erfolg. Nach den Ferien zieht er in die Stadt, in der er sein Studium beginnen wird und trifft dort zufällig auf Demian. Dieser lädt Sinclair zu sich nach Hause ein, wo er Demians Mutter kennenlernt.

Sie ist diejenige, von der er geträumt und deren Bild er als Beatrice gemalt hatte. Sie verkörpert alles für ihn. In ihr hat er Abraxas gefunden. Sie nennt sich Frau Eva, was den Bezug zur biblischen Eva, der Mutter von Kain, herstellt. Sie ist also die Mutter aller Menschen, die das Kainszeichen haben. Mit dem ersten Gespräch mit Frau Eva löst sich Sinclair aus Demians Schatten. Sinclair hat in Frau Eva ein neues Ideal gefunden, sie ist jedoch nicht ein Vorbild für ihn. Er hat sich selbst gefunden.

4. Wie beeinflussen die Vorbilder die Hauptpersonen?

Sinclair kommt aus einer heilen Welt, in dieser gibt es jedoch einen Schatten: die Abhängigkeit von Kromer. Als Demian dazukommt, löst er Sinclair aus dieser Abhängigkeit und lässt ihn in seine Vater-Mutter-Welt der Geborgenheit zurückkehren. Diese stellt er jedoch langsam und stückweise in Frage mit seinen Interpretationen der biblischen Geschichte. Dann überlässt er Sinclair sich selbst und wartet darauf, dass dieser die Welt von derselben Seite aus anschaut wie er.

Demian weiss von Anfang an, welchen Weg Sinclair gehen wird, lässt ihn sein Ziel aus eigener Kraft finden. Sinclair ist für ihn eine Lebensaufgabe, denn er wendet viel Energie und Zeit auf, Sinclair zum Ziel zu führen. Dieser entwickelt sich unter Demians Einfluss von einem eingeschüchterten Jungen zu einem kritisch denkenden Mann. Doch er entwickelt sich auch selbst, ohne direkte Führung von Demian. Würde er von Demian geführt, so könnte er nicht aus dem Innersten heraus an sich glauben und sein Ich wäre eine Fassade ohne Tiefgang.

Ganz anders ist es bei Kat, der tut nichts mit Absicht. Es ist wie bei den meisten Vorbildern, sie merken am Anfang gar nicht, dass sie Vorbilder sind. Er macht alles so wie immer. Hier kommt die Initiative von Paul, der ihn genauso unbewusst zu einem Vorbild macht; er handelt nach dem Instinkt, das Verhalten eines erfahrenen Menschen zu kopieren. Paul ist schon fast erwachsen, als er Kat zum ersten Mal sieht, da ist nicht mehr so viel zu formen wie beim kindlichen Sinclair.

5. Vergleich Max Demian, Kat

Kat und Demian sind zwei sehr verschiedene Menschen und haben doch einiges gemeinsam. Sie haben beide ein grosses Allgemeinwissen und geben es gerne weiter. Kat ist ein rational denkender Mensch, er weiss, was er tut und wie er seine Fähigkeiten einsetzen kann. Wenn Kat etwas sagt, sollen die anderen gleich wissen, was er meint. Seine Aussagen sind durchdacht und klug. Er ist ein Mensch mit Herz, was er beweist, als er Paul nach dessen Aufenthalt in einem Granattrichter hinter der gegnerischen Front unterstützt und nicht verurteilt. Kat kritisiert Paul nicht. Er greift mit seiner Vorbildrolle nicht aktiv in Pauls Leben ein, fällt kein Urteil über ihn.

Demian hingegen kritisiert Sinclairs Verhalten, beispielsweise beim Treffen während

Sinclairs Schulferien, offen und mit voller Absicht. Demian spricht gerne in Bildern, so dass Sinclair das Gesagte zuerst deuten muss. Er bezweckt damit, dass Sinclair nicht nur kopiert, sondern alles selber für sich lernt. Demian greift aktiv in Sinclairs Leben ein. Er korrigiert Sinclair, wenn dieser, seiner Meinung nach, nicht auf dem richtigen Weg ist. Er übernimmt damit Verantwortung für Sinclairs Entwicklung.

6. Vergleich Emil Sinclair, Paul Bäumer

Paul und Sinclair sind zwei ruhige Personen. Sie suchen Geborgenheit und Kontakt zu anderen Menschen. Sinclair findet sie bei Frau Eva, Paul in seiner Kompanie. Im Gegensatz zu Paul ist Sinclair ein Individualist. Paul sucht die Geborgenheit einer Gruppe. In seiner Kindheit war er nie alleine an einem Ort, und auch in der Schule und in der Kaserne hatte er immer seine Freunde um sich. Sinclair zieht zu Hause aus, um in eine andere Schule zu gehen und geht dann in eine zweite fremde Stadt, um dort zu studieren. Er ist also viel alleine in seinem Zimmer und hat Zeit, um nachzudenken.

Sinclair ist Demian vom ersten Augenblick an unterlegen. Er arbeitet sich jedoch während der Geschichte auf Demians Entwicklungsstufe empor. Paul hingegen ist Kat nie richtig unterlegen. Doch die 20 Jahre Altersunterschied beeinflussen die Freundschaft der beiden. Kat behält seine Vater-Vorbild-Rolle während der ganzen Geschichte.

7. Persönliche Stellungnahme

Viele Menschen behaupten, keine Vorbilder zu haben. Meiner Meinung nach stimmt das nicht. Jeder und jede hat Vorbilder. Die meisten haben nicht nur ein Vorbild, sondern viele verschiedene. Ohne Vorbilder wäre die Menschheit nicht da, wo sie heute steht. Vorbilder sind für die Entwicklung eines Menschen enorm wichtig, sie garantieren das Weitergeben von Informationen über Generationen hinweg. Die Einflüsse von Vorbildern werden oft unterschätzt.

In diesen Geschichten sehen wir, wie wichtig Vorbilder sind. Kat ist ein Fixpunkt in Pauls Leben, an ihm kann er sich halten und orientieren. Er gibt ihm Rückhalt, unterstützt und motiviert ihn. Er ist ein klassisches Vorbild, er lebt sein Leben und Paul schaut sich diverse Verhaltensweisen von ihm ab.

Demian übernimmt selbst eine führende Rolle. Er greift in Sinclairs Leben ein und gibt ihm eine neue Richtung. Es ist zweifelhaft, ob es richtig ist die Entwicklung eines Menschen auf diese Weise zu lenken, und doch geschieht es täglich, bewusst wie auch unbewusst. Wir alle machen im Leben diverse Wandlungsphasen durch, doch die meisten Entscheidungen fällen wir selbst. Es ist uns dabei nicht immer bewusst, wie stark wir uns an Vorbildern orientieren.

8. Literaturliste

Primärliteratur:

Hesse, Hermann: Gesammelte Werke, Fünfter Band. Demian Klingsor Siddhartha. Verlag Suhrkamp. Frankfurt am Main 1970.

Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues, Mit einem Nachwort von Tilman Westphalen. Verlag Kiepenheuer & Witsch. Köln 1998.

Sekundärliteratur:

Der Brockhaus in einem Band. Dritte Auflage. Verlag F.A. Brockhaus. Mannheim 1990.

Die Bibel. Die heilige Schrift des alten und neuen Bundes. Verlag Herder. Freiburg im Breisgau 1965.

9. Nachwort

Mich fasziniert, der Einfluss von Vorbildern. Manchmal fällt mir bei politischen Diskussionen auf, dass viele Freunde von mir die Meinungen und Gesinnungen ihrer Eltern übernehmen und sich gar nicht genau überlegen, was das für sie selbst bedeutet. Auch bei mir selbst erkenne ich ab und zu Verhaltensweisen meines Vaters. Ich glaube nicht, dass ich sie geerbt habe, ich habe sie von ihm abgeschaut. Den Erbsubstanzen wird zu viel Bedeutung beigemessen, da wir nicht genau wissen, was darin enthalten ist. Ich glaube, es ist für die Persönlichkeit eines Mensch wichtiger, wie man ihn erzieht, als was in seinen Genen steht.

Diese beiden Bücher habe ich ausgewählt, da ich zum einen mal etwas von Hesse lesen wollte und zum andern von ,,Im Westen nichts Neues" begeistert war, als ich es zum ersten Mal las. Doch der eigentliche Grund war eine Semesterarbeit, die ich zu schreiben hatte. Da die gegeben Themen schon vergeben waren, oder mir nicht gefielen, wählte ich ein eigenes Thema.

Das grösste Problem der Arbeit war das Zeitmanagement. Ich hatte nicht genug Selbstdisziplin, meinen Zeitplan einzuhalten. Ich konnte manchmal kaum widerstehen als die Computerspiele vom Desktop aus nach mir riefen, doch jetzt habe ich es mir verdient.

[...]


1 Remarque 1957, S.12.

Details

Seiten
8
Jahr
1999
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v96970
Note
Schlagworte
Hesse Hermann Demian Erich Maria Remarque Westen Neues Vorbildrollen

Autor

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Titel: Hesse, Hermann - Demian und Erich Maria Remarque - Im Westen nichts Neues - Vorbildrollen in