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Berufseinstiegsverläufe bei AbsolventInnen sozial- und geisteswissenschaftlicher Studiengänge - Wandel der Einstellungsparadigmen in den letzten dreißig Jahren?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 19 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Ulrich Teichler: Faktenlage
Abbildung 1
Abbildung 2

Karl-Heinz Minsk: AbsolventInnen der Sozialwissenschaften []
Abbildung 3
Abbildung 4
Abbildung 5

H. Kromrey: Diplom-Soziologe - und was dann?
Abbildung 6

Udo Bankhofer und Andreas Hilbert: Eine empirische Untersuchung zum

Berufseinstieg Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern
Abbildung 7: Branchen, kategorisiert
Abbildung 8: Einstellungskriterien aus Unternehmersicht

Resümee

Literatur

Einleitung

Bei der Recherche zum Thema „Berufseinstiegsverläufe von AbsolventInnen sozialwissenschaftlicher Studiengänge“ fällt wohl zuallererst und überraschend die Fülle vorhandenen Studien und Aufsätzen in diesem Bereich auf und es ergibt sich durchaus die Frage, ob es hier nicht um den langfristigen und breit angelegten Versuch einer wissenschaftsspezifischen Apologie in eigener Sache geht und ob -wenn ja - eine Berechtigung oder zumindest Begründung für derartige und vermeintliche Selbstreferenzialität nachvollzogen werden kann.

Übereinstimmend geht aus der Mehrzahl der hier in Betracht gezogenen Materialien eine Verbesserung sowohl der Einschätzung von studienbedingten Kompetenzprofilen als auch bei der Bewertung von arbeitsmarktrelevanter ‚Verwertbarkeit’ von SozialwissenschaftlerInnen innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte hervor. Die möglichen Ursachen dieser Aufwertung können hier allerdings nur umrissartig skizziert werden.

Die vorliegende Arbeit macht sich zum Ziel eine begrenzte Auswahl von kurzen Studien neueren Datums vergleichend darzustellen. Dabei handelt es sich weniger um einen systematischen Vergleich als vielmehr um die knappe Zusammenstellung einiger Kernaussagen. Nach einem kurzen, auf Ulrich Teichler gestützten Blick über die Entwicklungen der Einstellungsparadigmen für SozialwissenschaftlerInnen in den vergangenen drei Jahrzehnten, werden stichprobenartig Elemente einzelner ausgewählter Studien fokussiert, die sowohl Bewertungen aus Studierendensicht als auch aus Sicht der freien Wirtschaftsunternehmen ausleuchten. Die Sichtweisen und allgemeinen Einschätzungen der Studierenden gehen in hinreichendem Umfang aus den Absolventenstudien von Karl-Heinz Minsk, Helmut Kromrey, sowie von Roger Berger und Peter Kriwy hervor. Udo Bankhofer und Andreas Hilbert analysieren in ihrer empirischen Untersuchung von 1995 die unternehmerischen Positionen und Erwartungen gegenüber AbsolventInnen sozialwissenschaftlicher Studiengänge, wobei sie explizit auf Unterschiede in den verschiedenen Branchen eingehen.

Dieser doppelseitige Einblick in die Thematik dient dem Zweck der bündigen deskriptiven Gegenüberstellung mit welcher eventuell vorhandene Diskrepanzen zwischen den verschiedenen Erwartungen aufdeckt werden können.

Die verwendeten Abbildungen sind jeweils den entsprechen Materialen entnommen und bedürfen daher keiner weiteren Quellenangaben. Ulrich Teichler: Faktenlage1

Während im Jahr 1961 laut Volkszählung gerade einmal 2,9% aller Erwerbstätigen in der BRD einen Hochschulabschuss und etwa 1% Fachhochschuldiplom hatten, waren es 1987 bereits 11,5% aller Erwerbstätigen, die einen Hochschulabschluss hatten; hiervon 6,9% einen universitären, weitere 4,6% einen Fachhochschulabschluss. Das entspricht einer Verdreifachung Absolventenzahlen in 26 Jahren. Nach einer vom PROGNOS Institut durchgeführten Prognose betrug die Akademikerquote in Jahr 2000 bei steigender Tendenz bereits 15%. Einer Prognose des PROGNOS Institutes und des Instituts für Arbeitsmarkt- & Berufsforschung wird die bedurfte Akademikerquote im Jahr 2010 bei 17-18% liegen Gegen Ende der 70er Jahre hatte eine allmähliche Gewöhnung an die hohen Absolventenzahlen stattgefunden. Ebenso hatte man sich gewöhnt an ein relativ hohes Maß der Diskrepanz zwischen den an Hochschulabschlüsse geknüpften Erwartungen und den vorhandenen Stellenangeboten.

Aufgrund der unzureichenden Datenlage sei an dieser Stelle kurz auf die von Teichler erwähnte Spiegel-Studie von 1980 mit dem Titel „Akademiker in Deutschland2 “ verwiesen, der zufolge die Beschäftigungsaussichten für Ökonome, Ingenieure und Naturwissenschaftler als relativ günstig, die Aussichten hingegen für Lehrer, Geistes- und Sozialwissenschaftler als relativ günstig bewertet werden.

Teichler bilanziert den Wandel der Beschäftigungssituation von deutschen HochschulabsolventInnen in den letzten zwei Jahrzehnten und hält erstens die Eindeutigkeit der beruflichen Kompetenzausprägung und zweitens die Potentiale zur vertikalen Substitution am bedeutendsten für die Chance eines reibungslosen Übergangs in den Beruf. An dritter Stelle sieht er die Relevanz der fächerinternen Unterschiede.

Für Absolventen von Fächern ohne klare berufliche Kompetenzausprägung, wie z.B. Soziologie, Politologie und geisteswissenschaftliche Magister sieht er eine doppelte Erschwernis: In Organisationen, die traditionell Absolventen bestimmter Fächer einstellen, besteht zunächst bei ohnehin wachsender Anzahl von Absolventen nicht der Bedarf fachliche „Exoten“ zu rekrutieren. In kleineren Betrieben, so Teichler, besteht überdies eine geschärfte Konkurrenzsituation für Politologen, Soziologen und geisteswissenschaftliche Magister durch Absolventen der „eindeutigen“ Fächer wie Ökonomie oder Rechtswissenschaften.

Nach einer Befragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) GmbH von 1988/89 berichten 90% der Absolventen aus den Fachrichtungen Soziologie, Politik und Verwaltungswissenschaften Probleme bei der Stellensuche.

Allerdings ist nicht nur die Wahl des Studienfaches von maßgeblicher Bedeutung, sondern auch der jeweilige Hochschultyp. Nach einer Umfrage des DIW (Institut der deutschen Wirtschaft) von 1982/83 werden Universitätsabsolventen von ArbeitgeberInnen mehrheitlich für Generalisten, Theoretiker, Langsamstarter und Anwärter für mittleres und oberes Management gehalten, wohingegen Fachhochschulabsolventen als Praktiker, Spezialisten, Schnellstarter und Anwärter für mittleres und unteres Management gesehen werden.

Roger Berger, Peter Kriwy: Erste Ergebnisse der Münchener Absolventenstudie3

Die in ihren Ergebnissen vorläufige Studie von Roger Berger und Peter Kriwy erlaubt eine schlaglichtartige Betrachtung der Motivationsthematik im Vorfeld des Studiums sowie der fachspezifischen Ausprägung von Interessen und der fachlichen Vertiefung in bestimmten Fachgebieten bei AbsolventInnen des Soziologiestudiums an der Universität München.

Von 363 zur Umfrage versandten Bögen wurden 260 beantwortet, das entspricht einer Rücklaufquote von 71%.

Wie aus Abbildung 1 hervorgeht, sind fachliches sowie politisches Interesse, aber auch die Möglichkeit zu persönlicher Entfaltung die insgesamt meistgenannten Motive für die Aufnahme des Soziologiestudiums. Bei den älteren Jahrgängen, deren Abschlusse bis 1996 reichen, sind diese Motiv stärker bewertet als bei den jüngeren Jahrgängen, deren Abschlüsse zwischen 1997 und 2000 liegen. Besonders auffällig ist an die geringe subjektive Gewichtung der guten Verdienstmöglichkeiten, die am seltensten genannt wird.

Abbildung 1

Innerhalb der Vertiefungsgebiete (Abbildung 2 ) scheint mir an dieser Stelle besonders der deutliche Zuwachs im Bereich der Wirtschaftssoziologie bei den Abschlussjahrgängen 1997 bis 2000 beachtlich, da sich hieran eine gewisse Aussöhnung zwischen den scheinbar noch immer konträren Sphären von liberaler Marktwirtschaft und kritischer Sozialwissenschaft verzeichnen lässt. Allerdings darf ein solches Beispiel auch nicht überbewertet werden - in keine Richtung.

Erstaunlicherweise steht die politische Soziologie als Vertiefungsgebiet sehr weit im Abseits, bedenkt man , dass doch das politische Interesse bei der Entscheidung zum Soziologiestudium für insgesamt 53,3% eine wichtige Rolle gespielt hat. Allerdings ist bei der Unterstellung dieses fehlenden Zusammenhangs sicher eine gewisse Genauigkeit geboten, denn freilich sind auch die meisten anderen Gebiete der Soziologie, wenn auch Politik nicht unmittelbar zu ihren Themenbereichen zählt, politisierbar oder gar politisch. Insbesondere ist hier die Ungleichheitsforschung zu nennen, die die Reihe der Vertiefungsgebiete mit insgesamt 30,4% anführt und die politisch zum Teil in ihren Resultaten hochbrisant ist.

Abbildung 2

Karl-Heinz Minsk: AbsolventInnen der Sozialwissenschaften […]4 Karl-Heinz Minsk stellt in seiner Studie eine Reihe von Ergebnissen der Längsschnittanalyse zusammen, die von Beginn des Jahres 1990 bis Mitte 1992 durchgeführt worden ist. Es handelt sich bei den Befragten insbesondere um DiplomSoziologen, Diplom-Politologen und Diplom-Sozialwirte, die 1988/89 erfolgreich das Examen abgeschlossen haben.

[...]


1 vgl. Ulrich Teichler, 1996

2 Akademiker in Deutschland. Hamburg: Spiegel-Verlag, 1980 4

3 vgl. Berger/ Kriwy, August 2001

4 vgl. Minsk, 1996

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638162708
ISBN (Buch)
9783638757195
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9615
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
gut

Autor

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