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Alkohol - Eine Gesellschaftsdroge

Referat / Aufsatz (Schule) 1997 13 Seiten

Biologie - Krankheiten, Gesundheit, Ernährung

Leseprobe

1. Der chemische Alkohol

Ist die allgemeine Bezeichnung für organisch - chemische Verbindungen mit einer (1wertige Alkohole, z. B. Äthyl - Alkohol) oder mehreren Hydroxyl (OH) - Gruppen (mehrwertige Alkohole, z. B. Glyzerin). Die kohlenstoffarmen Alkohole sind leicht bewegli- che, mit Wasser mischbare Flüssigkeiten; mit steigender Anzahl von Kohlenstoffatomen werden sie ölig (und somit mit Wasser nicht mischbar) bis fest. Wichtige Alkohole sind z.

B. Methanol, Äthyl- Alkohol und Glyzerin.

Mit Alkohol meint man in der Regel den wichtigsten Alkohol, den Äthyl- Alkohol (C2H5OH). Er ist bekannt als Äthanol, Weingeist oder Feinsprit. Er ist eine wasserhelle, brennbare und mit Wasser in jedem Verhältnis mischbare Flüssigkeit. Der Siedepunkt liegt bei 78ºC. Die Herstellung kann durch alkoholische Gärung erfolgen, wobei Enzyme der Hefezelle Traubenzucker zu Alkohol und Kohlensäure spalten. Ausgangsmaterial sind z. B. zucker- haltige Rohstoffe oder zellulosehaltige Produkte, wobei zuerst die Stärke (durch ver- dünnte Säure oder Enzyme) bzw. die Zellulose (durch verdünnte Säure) in Traubenzucker überführt werden muß.

2. Der umgangssprachliche Alkohol

Umgangssprachlich bezeichnet „Alkohol“ den berauschenden Bestandteil aller alkoholischen Getränke. Ihr Alkoholgehalt wird in Prozent vom Volumen (%-Vol.) angegeben.

Hergestellt werden alkoholische Getränke mittels des seit Jahrtausenden bekannten Verfahrens der Gärung (wie bei Wein oder Bier) oder - seit dem 11. Jahrhundert - durch die Destillation (Branntwein, Whisky), seltener mittels Gärung und Zusatz von Alkohol (Portwein, Sherry) bzw. dem Zusatz von Alkohol allein (Fruchtsaftlikör).

Das spezifische Gewicht von Alkohol liegt bei etwa 0,8 g/cm3. Der Alkoholgehalt in Gramm errechnet sich daher nach der Formel: Alkoholgehalt in %-Vol. x Volumen in cm3 x 0,8 g/cm3.

Ein Alkoholgehalt von mehr als 0,5 %-Vol. ist nach dem Lebensmittelgesetz kennzeichnungspflichtig. Das heißt umgekehrt, daß auch alkoholfreie Getränke geringe Mengen Alkohol enthalten dürfen; bei sogenannten alkoholfreiem Bier und Malzbier können das bis zu fünf Gramm pro Liter sein.

Alkoholgehalt verschiedener Getränke:2

Bier ca. 5 %-Vol.

Wein, Sekt ca. 7 - 9 %-Vol.

Liköre ca. 24 - 42 %-Vol.

Korn ca. 40 - 70 %-Vol.

Whisky ca. 40 - 45 %-Vol.

Wodka ca. 40 - 50 %-Vol.

Rum ca. 40 - 70 %-Vol.

3. Die Wirkung von Alkohol

Alkohol dringt über die Schleimhäute rasch in die Blutbahn und durchströmt den gesam- ten Organismus. Er beeinflußt vor allem die Zentren des Gehirns, die das Bewußtsein und die Gefühle steuern. Die Wirkung ist zunächst anregend, geht später aber in eine Betäubung über.

Ab ca. 0,2 Promille verändern sich subjektives Erleben und persönliches Verhalten. Man fühlt sich zwangloser und freier. Alles scheint machbar. Gut zu beobachten ist z. B. , daß Männer im alkoholisierten Zustand offener auf Frauen zugehen und sie ansprechen (um- gekehrt ebenso), als sie es nüchtern tun würden. Der Widerstand gegen weiteren Alko- holkonsum sinkt. Sehfähigkeit, Konzentrationsvermögen und Bewegungskoordination lassen nach.

Bei ca. einem Promille Blutalkoholkonzentration beginnt das Rauschstadium mit läppischheiterer oder depressiver Stimmung. Es kommt zu Gleichgewichts- und Sprachstörungen (Torkeln und Lallen). Dies bemerkt der Angetrunkene nur vage. Tatsächlich verstehen sich Betrunkene untereinander noch prächtig, während nüchterne Personen nur mit Mühe die Worte verstehen können. Auch das Gehen kommt den Betrunkenen ganz normal vor, obwohl er einen Bogen nach dem anderen schlägt.

Bei ca. zwei Promille wird das Betäubungsstadium erreicht. Störungen des Gedächtnisses (Filmriß) und der Orientierung treten auf.

„ Von den letzten drei Monaten wei ß ich absolut nichts mehr. Meine Frau hat mir gesagt, ich h ä tte nur dagesessen und gesoffen. “ 3

Die Alkoholkonzentration des Blutes kann näherungsweise (!) nach folgender Formel berechnet werden: Getrunkener Alkohol in Gramm / Körpergewicht in kg x 0,7 (bei Männern, bei Frauen 0,6). Anzuwenden ist diese Formel nur unter normalen Umständen. Ist man erregt, wütend, hat man lange nichts gegessen oder lange nicht mehr geschlafen, verstärkt sich die Wirkung des Alkohols.

Pro kg Körpergewicht baut der Körper stündlich rund 0,1 g Alkohol ab. Diese Arbeit erle- digt die Leber zu 90 bis 95 Prozent. Der Rest wird direkt ausgeschieden, z. B. über die Haut.

Bei über drei Promille beginnt die schwere, akute Alkoholvergiftung, die im schlimmsten Fall zum Tod durch Atemstillstand führen kann. Für Erwachsene liegt der kritische Punkt bei etwa 6g Alkohol pro kg Körpergewicht.

4. Süchtige und nicht - süchtige Alkoholiker

Alkoholiker kann man nach Prof. E. M. Jellinek grundsätzlich in zwei Lager spalten: In Süchtige und Nicht - Süchtige Alkoholiker. Während sich bei der süchtigen Gruppe nach mehreren Jahren übermäßigen Trinkens der „Verlust der Kontrollierbarkeit“4 der Alko- holaufnahme einstellt, entwickelt sich dieses Phänomen niemals bei der anderen Gruppe. Die Gruppe mit dem Verlust der Kontrollierbarkeit wird Alkoholsüchtige genannt.

4.1 Alpha (a) - Trinker: Sie sind nicht - süchtige Trinker und werden auch Erleichte- rungstrinker genannt. Sie versuchen, mit Alkohol ihre Probleme unterschiedlichster Art zu lösen. Sie sind zwar einer fortschreitenden Alkoholabhängigkeit ausgesetzt, können jedoch ihren Alkoholkonsum unter Kontrolle halten.

4.2 Beta (b) - Trinker: Sie sind ebenfalls nicht - süchtige Trinker. Sie trinken nur gele- gentlich ohne eine eintretende Alkoholabhängigkeit. Bei ihnen treten vor allem Be- schwerden durch Folgekrankheiten auf, z.B. Leberschäden, Gastritis, etc. .

4.3 Gamma (g) - Trinker: Tritt ein Kontrollverlust ein, wird aus dem nicht - süchtigem a - Trinker ein süchtiger g - Trinker. Diese sind Suchtkranke, die vom Alkohol körperlich und seelisch abhängig sind. Über ihren Alkoholkonsum haben sie keine Kontrolle mehr.

„ Die Kinder waren morgens in der Schule, der Mann arbeitete, und ich hab ‘ gesof- fen.[...] Und ich hab ‘ immer mehr gesoffen. Ich hab ‘ mir den Fusel in Vasen versteckt, hinter die W ä sche gestellt, in die Waschmaschine gelegt, [...]. Meinen Schnaps sollte niemand finden. Ich hab ‘ ihn im Blumenbeet vergraben, bin nachts wieder in dem Dreck rumgerobbt und hab ‘ ihn wieder rausgepult. [...] Und wenn ich im Flur auf dem Boden lag, mich nicht mehr r ü hren konnte und mich bepi ß t hatte, [...] da hab ‘ ich mir gew ü nscht, da ß eines meiner Kinder durch einen Unfall sterben soll, dann h ä tte ich endlich einen Grund zum Saufen. “ 5

4.4 Delta (d) - Trinker: Verlieren b - Trinker die Kontrolle, werden sie zu süchtigen d - Trinkern. Diese werden nur körperlich vom Alkohol abhängig, können ihre Trinkmen- gen relativ lange unter Kontrolle halten.

4.5 Epsilon (e) - Trinker: Abweichend von den o. gen. gibt es noch den sogenannten e - Trinker. Sie trinken periodisch, d. h . sie trinken tagelang völlig unkontrolliert und dann wochenlang nichts. In der Umgangssprache nennt man sie auch Quartals - Trinker.

5. Die vier Phasen der Alkoholsucht

Alkoholabhängigkeit bzw. -sucht entwickelt sich in der Regel langsam. Es ist auch egal, in welchem Alter sich der Betroffene befindet. Wie die Grafik unten zeigt, sind es in der Regel Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, die unter der Alkoholabhängig- keit leiden.

Fehler! Keine gültige Verknüpfung.

Diese Grafik gilt nur für den Wirkungsbereich der Kreisstadt Eschwege. Ähnlich wird es in den übrigen Regionen aussehen, versicherten mir die Mitarbeiter der Drogenberatungsstelle in Eschwege.

Auch die Berufsschichten sind unterschiedlich betroffen. Unverkennbar ist aber, daß hauptsächlich Arbeitslose dem Alkohol verfallen sind. Zum einem liegt es daran, daß diese Menschen aus Frust, Hoffnungslosigkeit und Wut über andere trinken; zum anderen sehen sie - aufgrund der momentanen Arbeitslage - keine Perspektiven mehr für ihr Leben und suchen so Trost im Alkohol. Schließlich ist es „Allgemeinwissen“, daß Alkohol entspannt, anregt, tröstet, wärmt, belohnt, kurzum: das Leben angenehmer macht.

Fehler! Keine gültige Verknüpfung.

Wer regelmäßig Alkohol trinkt, um die oben genannten Faktoren besser ertragen zu können, ist hochgradig gefährdet. Und je öfter Alkohol scheinbar für das Wohlbefinden sorgt, desto schwerer wird es, schwierige Situationen ohne Alkohol zu bewältigen.

Ein kritischer Punkt ist erreicht, wenn man sich ohne Alkohol kaum noch entspannen oder wohl fühlen kann. Ernste Warnzeichen sind Gedächtnislücken nach durchzechten Nächten, Einschlafstörungen und Unruhe, wenn man nichts getrunken hat.

„ Als ich einmal nach einem Kneipenbummel am folgenden Tag aufwachte, lag ein junger Mann neben mir nackt im Bett. Ich war total fertig, denn ich kannte ihn nicht und hatte keine Ahnung, wie ich mit ihm in meine Wohnung gelangt war.6

Weitere Folgen wie Streitereien mit Angehörigen über Alkohol, nachlassende Leistungsfähigkeit im Beruf, Schuld- und Schamgefühle können hinzukommen.

Zahlen aus einer Studie, die 1978 in der Schweiz veröffentlicht wurde, belegen, daß ein Alkoholabhängiger durchschnittlich 30 Tage im Jahr fehlt, ein nicht abhängiger Mitarbeiter knapp 12 Tage/ Jahr. Amerikanische Studien zeigen, daß ein Alkoholabhängiger 16mal häufiger fehlt, 2,5mal häufiger krank ist, 3,5mal häufiger in Betriebsunfälle verwickelt ist und 1,4mal länger nach Unfällen fehlt als von Alkoholismus nicht betroffene Mitarbeiter.7

Die Gewöhnung an die Wirkungen des Alkohols kann dann bereits so stark sein, daß eine Senkung des Konsums bzw. dauerhafte Abstinenz ohne psycho - soziale Hilfe nicht mehr zu erreichen ist.

Diese Entwicklung kann man in vier Phasen unterteilen, wobei die Symptome weder zwangsläufig noch in jeder Phase auftreten müssen. Schon einige Symptome innerhalb einer Phase reichen aus, ein Alkoholproblem zu kennzeichnen.

5.1 Die voralkoholische symptomatische Phase

Der erste Beginn des Genusses alkoholischer Getränke ist beim Süchtigen immer sozial motiviert. Heutzutage wird auf jeder Feier, Fete, Fest oder Versammlung Alkohol getrunken. Nicht selten kommt es dabei zu alkoholischen Exzessen. Der Unterschied zwischen nicht - süchtigem und süchtigem Trinker ist nun, daß der Süchtige bald eine befriedigende Erleichterung im Trinken findet. Dies kann an folgenden zwei Punkten liegen: Entweder sind seine inneren Spannungen viel größer als die Spannungen der Anderen, die in der geselligen Runde sitzen, oder er hat nicht gelernt, wie die anderen seine Spannungen unter Kontrolle zu halten.

Anfänglich schreibt der Alkoholiker seine Erleichterungsgefühle eher der geselligen Runde, als dem Trinken von Alkohol zu. Deshalb sucht er auch häufig nach Gelegenheiten, bei denen nur beiläufig getrunken wird, sei es nun beim Fußballverein oder bei dem allwöchentlichen Skatabend.

Anfangs sind diese gelegentlichen Erleichterungszustände nur sehr selten, aber im Laufe eines halben bis zu zwei Jahren fällt seine Toleranz für seelische Belastungen in einem solchen Maße ab, daß er praktisch täglich Zuflucht zu alkoholischer Erleichterung nimmt.8

„ An den Wochenenden versuchte ich, meinen Frust ü ber diesen Arbeitsplatz durch Alkohol abzureagieren. [...] So war es kein Wunder, da ß ich mit achtzehn Jahren schlie ß lich durch die Kaufmannsgehilfenpr ü fung fiel. [...] Ich glaubte, die Vorw ü rfe meiner Eltern nicht ertragen zu k ö nnen, und „ ers ä ufte “ meine Blamage in Alkohol. [...] Die Zeit, als ich mich nur an den Wochenenden betrank, war bald vorbei; fast jeden Tag lie ß ich mich nach Feierabend vollaufen. “ 9

Nachteil bei dieser Sache ist nur, daß sein Trinken nicht in Trunkenheit ausartet. Er trinkt nur so viel, bis sein seelischer Druck durch den Alkohol beseitigt oder einge- dämmt ist. Deshalb erscheint weder ihm noch seinen Freunden sein Verhalten verdächtig.

Nach einer bestimmten Zeit kann eine erhöhte Alkoholtoleranz festgestellt werden. Das heißt nicht, der Trinker würde jetzt mehr vertragen. Vielmehr bedeutet es, daß der Trinker eine etwas höhere Menge Alkohol als früher zur Erreichung des gewünschten Beruhigungsstadiums benötigt. Mal trinkt er vier Bier, wo er doch früher nur zwei Bier getrunken hat, mal trinkt er Cola - Cognac, obwohl er früher das Zeug nie angerührt hat. Die Tatsache, daß der Trinker in diesem Stadium nicht unbedingt einen Vollrausch haben muß, erschwert den Freunden die genaue Analyse, ob der Trinker das Stadium des Alkoholikers erreicht hat.

Diese Trinkmethode dauert je nach Umständen einige Monate oder bis zu zwei Jahren. Sie geht vom Stadium des gelegentlichen zum dauernden Erleichterungstrin- ken über.10

5.2 Die Vorläufer - Phase der Sucht (Prodromale Phase)

Die Prodromale Phase wird durch daß plötzliche Auftreten von Erinnerungslücken (Gedächtnislücken) - auch Amnesie genannt - eingeleitet. Diese Gedächtnislücken, in der Fachsprache auch Alkoholische Palimpseste11, können ohne Anzeichen einer Trunkenheit auftreten. Der Trinker, der noch nicht mal drei Bier (ª 60g Alkohol) getrunken haben muß, kann eine vernünftige Unterhaltung führen oder schwer körperlich arbeiten, ohne am nächsten Tag eine Spur von Erinnerung daran zu haben.

„ Nach zehn Tagen ist es so schlimm, da ß ich beim Erwachen oft nicht mehr wei ß , wo ich die letzten Stunden verbracht habe. “ 12

Alkoholische Getränke wie Bier, Wein oder „Klare“, werden nicht mehr als gewöhnliche Getränke, sondern als Medizin angesehen, die der Trinker täglich benötigt.

Ab diesem Zeitpunkt weiß der Trinker, daß mit seinen Trinkgewohnheiten etwas nicht stimmt. Er versucht, den Alkohol heimlich zu konsumieren, damit andere Personen ihn durch sein Trinkverhalten nicht falsch beurteilen können. Ständig muß er an Alkohol denken. Bekommt er ihn in die Finger, wird er gierig „runtergekippt“.

Da der Trinker sich bewußt wird, wenn auch nur schwach, daß sein Trinken unge- wöhnlich ist, entwickeln sich bei ihm Schuldgefühle wegen seiner Trinkart. Dies wie- derum führt dazu, daß er bei Unterhaltungen die Anspielungen auf Alkohol vermeidet.

Aufgrund seiner Schuldgefühle beginnt aber ein weiterer Teufelskreislauf: Um seine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen (Beruhigungsstadium), trinkt er noch mehr. Dieses Benehmen, zusammen mit der „zunehmenden Häufigkeit alkoholischer Palimpseste“13, wirft den Schatten der Alkoholsucht voraus; es ist ein ernstes Warn- zeichen.

Die prodromale Phase kann von sechs Monaten bis zu vier oder fünf Jahre dauern. Sie endet und die nächste Phase, die kritische Phase, beginnt mit dem Einsetzen des Kontrollverlustes. Ab hier beginnt die Alkoholsucht.

5.3 Die kritische Phase

Der „Verlust der Kontrolle“ bedeutet, daß, sobald eine kleine Alkoholmenge in den Körper gelangt, ein Verlangen nach mehr Alkohol entsteht, das vom Trinker als körperlicher Bedarf empfunden wird. Nachprüfen läßt sich dies freilich nicht, so daß es sich hierbei um ein Phänomen handelt.

Das Verlangen nach Alkohol hält solange an, bis der Trinker zu betrunken („randvoll“ in der Umgangssprache) oder zu krank für eine weitere Alkoholaufnahme ist. Dieser Exzeß muß nicht durch ein Bedürfnis ausgelöst werden. Ein zwangloses Bier mit Ar- beitskollegen nach Feierabend kann diesen Exzeß auslösen. Hat der Körper diesen Rauschzustand überwunden, ist es nicht das körperliche Verlangen, welches nach einigen Tagen oder Wochen zu einem neuen Exzeß führt; der Wiederbeginn des Trinkens wird von ursprünglichen Konflikten oder durch einen einfachen gesellschaftlichen Anlaß, bei dem getrunken wird, eingeleitet.14

Der Kontrollverlust beginnt erst, wenn der Trinker mit der Alkoholaufnahme begonnen hat. In diesem Stadium hat er immer noch die Kontrolle darüber, ob er nun Trinken will oder nicht. Dies wird durch die Tatsache bestätigt, daß der Trinker nach dem Beginn des Kontrollverlustes durch eine Periode freiwilliger Abstinenz gehen kann.

Nun kann man sich die Frage stellen: Warum trinkt der Trinker immer wieder, obwohl er wiederholt verhängnisvolle Erfahrungen gemacht hat? Diese Frage muß man mit den Augen des Süchtigen betrachten. Dieser glaubt, daß er seine Willenskraft verloren hat und diese wieder erlangen muß. Genauso wenig wie der Alkoholsüchtige dies zugeben kann, so ist ihm nicht bewußt, daß in ihm ein Vorgang abgelaufen ist, der es ihm unmöglich macht, seine Alkoholaufnahme zu kontrollieren. Er glaubt, wenn er seinen Willen beherrscht, kann er auch den Alkohol kontrollieren; jedoch durch die erhöhte Spannung in ihm, trinkt er Alkohol als natürliches Hilfsmittel und denkt dabei, daß es diesmal nur bei einem oder zwei Glas bleiben wird.

Zusammen mit dem Beginn des Kontrollverlustes beginnt der Alkoholsüchtige, sich „Alkoholausreden“ (Alibis) einfallen zu lassen, um so sein Trinkverhalten zu erklären. Dabei ist es für ihn nur sekundär, ob diese Erklärungen von den Anderen akzeptiert werden oder nicht. Diese Ausreden sind allein für ihn von Bedeutung. Sie sollen ihn davon überzeugen, daß er nicht die Kontrolle verloren hat, und daß er einen guten Grund zum trinken hat, obwohl es lediglich Ausreden sind. Er ist nach wie vor überzeugt davon, jederzeit ein Glas Bier stehenlassen zu können. Diese Erklärungen geben ihm die Möglichkeit, weiter zu trinken. Und das ist für ihn, der keine andere Möglichkeit zur Lösung seiner Probleme kennt, von größter Wichtigkeit.

Dies ist der Anfang eines ganzen „Erklärungssystems“15, das sich immer weiter auf alle Ebenen seines Lebens ausweitet. Sie dienen als Widerstand gegen die sozialen Belastungen, die der Kontrollverlust mit sich führt. Denn in diesem Stadium fällt seine Trinkart auf: Eltern, Frau, Freunde und Arbeitgeber beginnen zu tadeln und zu warnen.

Je weiter die Alkoholabhängigkeit fortgeschritten ist, desto gravierender werden die körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Schäden. Die Schäden kompensie- ren sich zum Teil gegenseitig, so daß der Zusammenbruch immer schneller voran- treibt. Der Alkoholiker hingegen nimmt dies nur vage wahr. Vielmehr versucht er durch übergroße Selbstsicherheit nach außen, seine Umwelt davon zu überzeugen, daß es ihm doch nicht so schlecht geht, wie es den Anschein hat. Dies gelingt ihm durch extravagante Verschwendungen und großspurige Reden. Auch wenn die Um- welt den Alkoholiker längst nicht mehr für voll nimmt, hat er dadurch ein Ziel erreicht: Durch diese Reden hat er sich selbst davon überzeugt, daß er noch nicht so schlecht dran ist, wie er manchmal gedacht hat.

Der Teufelskreis beginnt sich jetzt immer schneller zu drehen. Der Alkoholiker versinkt in eine Art Isolation, in der er versucht, die Fehler seiner Handlungen zu suchen. Die Fehler haben seiner Meinung nach nur die Anderen gemacht, er kann für seine Lage gar nichts. Dies wiederum hat eine fortschreitende Abkehr von der sozialen Umgebung zur Folge. Die Anzeichen hierfür sind ein gesteigertes aggressives Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen. Nun sucht er nach der Schuld. Während er Anfangs, wie in der prodromalen Phase bereits beschrieben, nur von Zeit zu Zeit von Gewissensbissen geplagt wurde, entsteht jetzt eine „dauernde Zerknirschung“16, die wiederum für Belastung und folglich zu mehr trinken veranlaßt.

Der Alkoholiker kann aus Angst- oder Schamgefühl nicht zu einer Beratungsstelle gehen. Vielmehr versucht er, sich durch ein geeignetes Trinksystem selbst zu helfen. So schreibt er sich selber vor, wieviel und wann er Alkohol trinken darf. Diese Regeln sind natürlich seinen Bedürfnissen angepaßt, so daß ein echtes kontrollieren nicht möglich ist.

Das größte Problem ist ohne Frage die Kollision von Alkohol und Arbeitsplatz. Da der Alkoholiker schon morgens unter Alkoholeinfluß steht, wird er an der Arbeitsstelle von den Kollegen gemieden. Der Chef selber ermahnt und tadelt ihn. Dadurch fühlt der Alkoholiker sich angegriffen und sieht sich in seiner Argumentation bestätigt, daß nicht er, sondern die Anderen die Auslöser seiner Alkoholprobleme sind. Seine Konsequenz daraus ist überaus einfach: Er geht entweder nur sehr unregelmäßig zur Arbeit oder gar nicht. Wird er deswegen entlassen, steigt sein Alkoholkonsum weiter an.

Auch die Familie hat unter diesen Auswirkungen zu leiden. Ständig ist der Ehepartner betrunken und trinkt auch nach der Arbeit. Nicht selten gibt es darüber Streit, der nicht selten in eine Schlägerei ausartet. Viele Berichte, in denen Frauen von ihren betrunkenen Ehemännern geschlagen wurden, kann man täglich in der Tagespresse lesen. Der Partner ist zu nichts mehr zu gebrauchen. Nicht selten ist Alkohol der erste Grund zur Scheidung.

Zwei Punkte sind weiterhin logische Erscheinungen der dritten Phase: Die Abnahme des Sexualtriebes und die sogenannte alkoholische Eifersucht. Alkohol beeinflußt negativ den Sexualtrieb, so daß sich gegen die Ehefrau (oder in seltenen Fällen auch der Ehemann) die Feindschaft vermehrt und ihr Desinteresse an Sex außerehelichen Geschlechtsverkehr zugeschrieben wird.. In dieser Zeit haben Gewissensbisse, Unwillen, Kampf zwischen Alkoholverlangen und Pflichten, Verlust der Selbstachtung, Zweifel und falsche Ermutigungen (ein Bier schadet doch nichts) den Süchtigen so zerrüttet, daß er den Tag nicht beginnen kann, ohne sich nach dem Aufstehen oder noch vorher mit Alkohol zu beruhigen.

Ist es soweit gekommen, gibt es in der Regel kein zurück mehr. Unweigerlich schließt sich die vierte Phase der Alkoholsucht an.

5.4 Die chronische Phase

Die zunehmend beherrschende Rolle des Alkohols und das durch das morgendliche Trinken entstandene Verlangen brechen schließlich den Widerstand des Süchtigen, und zum ersten Mal ist der Süchtige am Tage und mitten in der Woche betrunken. Plötzlich finden sie sich mit Personen zusammen, die weit unter ihrem Niveau sind und trinken bis zur Besinnungslosigkeit. Bei etwa 10 Prozent aller Alkoholiker können jetzt auch echte „alkoholische Psychosen“, d. h. alkoholische Geistesstörungen, auftreten.17

In ganz schlimmen Fällen wird auch mal zu technischen Produkten gegriffen, sei es zu Franzbranntwein, Haarwasser und ähnlichen Produkten, in denen eine ausreichende Menge von Alkohol vorhanden ist.

Diese Phase endet in der Regel mit einem nervlichen Zusammenbruch. Der Süchtige kann jetzt nur noch von einem Arzt behandelt werden.

Ein trauriges Beispiel kann ich aus eigenen Erfahrungen anbringen: Mein Vater selbst war Alkoholiker. Die Phasen hat er mehr oder weniger auch durchgemacht, incl. eines einjährigen Aufenthaltes in einer Klinik für Alkoholkranke. Zwölf Jahre hat er nach dieser Kur keinen Tropfen mehr angerührt, erst an seinem 50. Geburtstag trank er wieder. Und obwohl niemand zu diesem Zeitpunkt daran gedacht hätte, hatte dieses Glas Bier fatale Auswirkungen auf den weiteren Lebensabschnitt meines Vaters und natürlich auch auf die der anderen Familienmitglieder.

Mein Vater verursachte einen schweren Verkehrsunfall mit 1,9 Promille. Der Firmenwagen war Schrott. Führerschein und Job verlor er noch in der selben Woche. Nun soff er richtig und war ständig betrunken. Meine Mutter ließ sich nach vielen schrecklichen Monaten von ihm scheiden. 1997 ist mein Vater gestorben. Todesursache: Alkohol...

6. Die Polizei und der Alkohol

Die Polizei wird fast täglich mit Alkohol konfrontiert. Schwerpunkt hier sind die Verkehrsunfälle, die unter Alkoholeinfluß zwar nur einen kleinen Teil ausmachen, dennoch vorhanden sind. Eine Statistik der Polizeidirektion Eschwege ergab, daß 1996 135 Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluß geschehen sind. 1997 waren es 140 Unfälle. Meistens gehen diese Unfälle glimpflich aus, nur ein Bruchteil davon sind tödlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Problem sind aber nicht die entdeckten Delikte, sondern die Dunkelzahl. Nimmt man die Verkehrsunfall - Fluchten mit in die Rechnung dazu, so schnellt diese enorm an. Allein 1996 gab es im Bereich Personenschaden 34 Unfallfluchten, wobei nur etwa 60 Prozent aufgeklärt werden konnten. Gravierend wird der Vergleich im Bereich Sachschaden. 1996 gab es 671 Verkehrsunfall - Fluchten im Werra-Meißner-Kreis, aber nur ca. 35 Prozent (235) konnten geklärt werden.

Nun muß nicht davon ausgegangen werden, daß alle die, die sich vom Unfallort entfernen auch Alkohol getrunken haben. Fakt ist aber, daß Unfallteilnehmer, die etwas getrunken haben, nicht am Unfallort bleiben. Und wenn die Polizei keine Hinweise über den Täter ermitteln kann, kommt dieser Fall nicht zu den Statistiken wie oben, sondern fällt raus. In Wirklichkeit sind also die Zahlen „Unfall unter Alkoholeinfluß“ um einiges höher.

Sieht man sich jetzt die zweite Statistik an, so stellt man fest, das von 135 sichergestellten Führerscheinen nach einem Unfall oder bei einer Routinekontrolle, 113 einbehalten wurden, weil ein Verdacht auf Fahren unter Alkoholeinfluß bestand. Zum Vergleich: Nur ein Führerschein wurde eingehalten, weil ein Verdacht auf Fahren unter Drogeneinfluß bestand. Sogar im Verkehrsbereich wird Alkohol nicht als Droge angesehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aber nicht nur im Verkehrsbereich hat die Polizei mit Alkohol zu tun. Da Alkohol überall gekauft werden kann, kann er überall auftreten. Da ist die Person, die nach einer Kneipentour besoffen in einem Flur eines Mietshauses liegt, den die Polizei nach Hause oder aufs Revier bringen muß. Oder Jugendliche, die nach einer feuchten Disconacht betrunken in der Innenstadt randalieren.

Das Problem ist einfach, daß heutzutage jeder Alkohol kaufen kann. Wenn abends die Geschäfte schließen, holt man sich halt an der Tankstelle den Alkohol. Der ist dort zwar etwas teurer, dafür können sogar Kinder dort Alkohol kaufen („ist für meinen Vater“). Die Polizei ist dagegen machtlos. Es gibt zuwenig Polizisten, als daß man ständig dieses Delikt verfolgen könnte. Und selbst wenn man mal Glück hat, und erwischt einen Jugendlichen, der Alkohol kauft, was passiert schon? Ermahnung, vielleicht eine kleine Geldstrafe, und das war es schon.

Und so sieht man immer mehr frustrierte Beamte, die zusehen müssen, wie die Jugend von heute die abhängigen Kriminellen von morgen werden. Viele kommen damit nicht klar und versuchen, einfach zu vergessen. Und wenn man sich in der Bevölkerung so umhört, gibt es eine Sache, mit der man hervorragend vergessen kann: Den Alkohol! Und so kann an in der Polizei immer mehr Beamte entdecken, die erhebliche Probleme mit dem Alkohol haben.

7. Alkoholprobleme bei der Polizei

Im vergangenen Jahr wurde in Kassel ein besonderes Seminar für Polizisten angeboten. In diesem Seminar ging es um Alkohol im Dienst, denn der Alkohol hat in den Polizeiberuf Einzug gehalten.

Das Bild der Polizei hat sich in der Bevölkerung gewandelt. Von dem Helfer der Bevölkerung, dem Retter in der Not, ist eine Person geworden, die mit der untersten Schicht der Gesellschaft konfrontiert und von der Regierung im Stich gelassen wird. Die Polizei ist heutzutage der Puffer zwischen Regierung und verärgerter Bevölkerung, der Sündenbock für alles.

Zudem kommen noch die schlechten Arbeitsbedingungen. In der Regel gibt es den Schichtdienst. Das bedeutet, daß der normale Lebensrhythmus (morgens arbeiten, abends schlafen) gestört wird. Das dies auf lange Sicht hin schädlich für den Betroffenen ist, weiß man bereits aus wissenschaftlichen Studien. Dazu kommen Sonderdienste, die in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Das reicht von den „normalen“ Sonderdiensten wie Wache und KvD, bis zu den Dingen wie Kastor - Transport, Fußballspiel oder, wie vor ein paar Jahren, Kurden auf der Autobahn.

Ein weiterer Faktor ist die schlechte Bezahlung. Obwohl der Beruf des Polizisten einer der gefährlichsten überhaupt ist, versucht man auch hier noch zu sparen. Auf der einen Seite will man einen verantwortungsbewußten Polizisten, auf der anderen Seite streicht man die 800 DM Jubiläumsprämie für 40 Jahre Dienst. Man überlegt sogar, ob man das 13. Monatsgehalt kürzen oder gar wegfallen lassen sollte.

Nächster Faktor: Ausrüstung. Die Kriminellen sind heutzutage besser ausgerüstet als die Polizei. Überall kann man sich High - Tech Waffen zulegen. Sogenannte Cop-Killer, Geschosse, welche die Schutzwesten der Polizei durchdringen. Präzisionsschleudern, die Stahlmuttern durch Helmvisiere jagen. Abgesägte Schrotflinten, die Löcher so groß wie Kürbisse reißen. Handgranaten, Panzerfäuste und so weiter. Da kommen einem Sachen wie Totschläger, Stahlruten und Baseballschläger richtig harmlos vor. Hinzu kommt, daß Polizisten selbstbeschaffte Verteidigungswaffen, z.B. Stahlteleskope, im Dienst nicht benutzen dürfen. Ein Beispiel: Ein Polizist setzt seine MAGLITE (große Taschenlampe) in einer Schlägerei ein. Ein Störer wird verletzt, und der Polizist wird auf Körperverletzung im Amt verklagt. Resultat: Der betroffene Polizist hat neun (!) Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 3000 DM aufgebrummt bekommen.

Zum Schluß ist da der Familiensegen angesprochen. Durch die Schichtzeit sehen sich Ehemann und Ehefrau nur sehr selten. Geht er zur Arbeit, ist sie noch im tiefen Schlaf, kommt er nach Hause, ist sie vielleicht an der Arbeit oder gerade ins Bett gegangen. Das Ehepaar kann sich nicht aussprechen, die zwischenmenschliche Beziehung leidet. Von den Kindern ganz zu schweigen.

Dann die Angst des Ehepartners um das Leben des anderen. Seit die Kriminalität auf Deutschlands Straßen zugenommen hat, kann jeder Einsatz der Letzte sein. Selbst ein als harmlos eingeschätzter Familienstreit kann urplötzlich ein ernster Einsatz mit tödlichem Ausgang für den Polizisten sein.

Polizisten, die ständig mit dem Elend der Bevölkerung konfrontiert werden, sind in hohem Maße gefährdet. Sie stumpfen gegenüber ihrer Außenwelt ab und versuchen, sich ein „dickes Fell“ wachsen zu lassen. Niemand soll merken, wie es hinter der Fassade aussieht. Diese Belastung, daß ständige stark - sein - wollen, kann der menschliche Körper nur schwer verkraften. So müssen Mittel her, die dabei helfen. Und da Alkohol im ersten Moment hilft, Probleme zu lösen, ist der Griff zur Flasche nicht mehr weit.

Noch ist der Alkoholkonsum im Dienst gegenüber anderen Mittelchen sehr gering. Aber das Bier am Abend kann schnell zu ein paar mehr Bieren werden und schon ist man leicht angeheitert und geht so zum Dienst. Die Auswirkungen können im Extremfall katastrophal werden. Aufnahme - und Reaktionsvermögen sind geschwächt, ein Fehler einfach vorprogrammiert. Den weiteren Ablauf - von der Entlassung bis zur Verhandlung wegen Tötung (ggf.) - muß man nicht weiter aufführen. Der Anfang vom Ende.

8. Hilfe für Alkoholkranke

Um einem Alkoholiker helfen zu können, muß eine wichtige Voraussetzung vorliegen: Der Alkoholiker selbst muß sich helfen lassen wollen. Er muß erst einsehen, daß er ohne fremde Hilfe nicht vom Alkohol wegkommt.

Auch sein soziales Umfeld muß stimmen. Er muß merken, daß er gebraucht wird, sei es nun in der Familie oder bei Freunden. Sein Selbstwertgefühl muß einen positiven Schub bekommen, nur so kommt er aus seinem Depressionsloch heraus.

Entscheidend für die nun folgenden Maßnahmen ist der Grad seiner Alkoholsucht. Befindet er sich erst im Anfangsstadium, kann womöglich die Familie allein schon für eine Genesung ausreichen. Ist er bereits schwer abhängig, hilft nur noch eine Therapie mit Klinikaufenthalt, sogenannte Entziehungskuren. Diese können je nach Patient bis zu mehreren Monaten dauern.

Dies ist für den Abhängigen eine besonders schwere Zeit. In Therapien versuchen Pädagogen, Soziologen und Ärzte dem Betroffenen zu helfen. In Diskussionsrunden werden Ursprung der Sucht sowie die Möglichkeiten der Abhilfe besprochen. Der Alkoholiker wird also direkt mit seiner Sucht konfrontiert. Keiner redet mehr schön drumherum.

Aber auch körperlich hat der Alkoholiker zu leiden. Sein Körper verlangt einfach nach dem, was ihm ständig zugefügt wurde. Entziehungserscheinungen sind an der Tagesordnung. Der ganze Körper ist aufgewühlt, riecht und schwitzt. Der Abhängige ist gereizt, jede noch so kleine Erregung zündet in ihm ein Pulverfaß. Meistens nimmt er an Gewicht ab und sieht eingefallen aus.

Hier wird die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft der anderen Patienten gefragt. Sie ver- suchen untereinander, sich aus diesen Horrortrips zu befreien. Und dies ist auch das Ziel dieser Kuren: Sich gegenseitig so zu helfen, daß der Alkohol nur noch zur Nebensache erklärt wird.

Ist der Alkoholiker erstenmal über die ersten Monate hinweg, hat er das Schlimmste überstanden. Das heißt aber nicht, daß er nun für immer gegen den Alkohol gefeit ist. Schon der kleinste Tropfen kann eine erneute Alkoholsucht auslösen, die genau wie die erste Sucht enden wird: Im Klinikum...

9. Zusammenfassung

Alkohol wird wohl auch in Zukunft eine bedeutende Droge bleiben. Obwohl in den letzten Jahren neue Designer - Drogen auf dem Markt erschienen sind (z. B. Extasy), wird wohl Alkohol die einzige legale Droge bleiben. Und solange der Staat an dieser Droge verdient, wird es auch so bleiben.

Niemand nimmt die Probleme der Betroffenen so richtig ernst. Wenn wir draußen einen Besoffenen in der Gosse rumliegen sehen, heißt es doch nur: Ein Penner, ein Asozialer usw. . Niemand kümmert sich um ihn und sucht nach den Grund, warum er eigentlich dort liegt.

Die Bundesregierung richtet für Heroinsüchtige Spritzenautomaten ein, damit sie immer eine saubere Spritze für ihren tödlichen Schuß nehmen. Absolut paradox. Manche Politiker wollen sogar weiche Drogen legal betreiben lassen, um so die Kriminalität bekämpfen zu können. Da frag‘ ich mich, warum wir nicht gleich den Deckel zu machen.

Letztendlich ist es nur eine Frage der Zeit, dann sind alle Drogen erlaubt und Alkohol wird in ferner Zukunft verboten. Warum? Vielleicht, weil im neuen Jahrtausend die neuen Drogen dem Staat mehr einbringen als die Alkoholsteuer. Und das ist dann der Anfang vom Ende.

[...]


2 Dt. Hauptstelle gegen Suchtgefahren e. V. , Hamm, 1995

3 Flaschenpost, Berichte anonymer Alkoholiker, Klartext, 1986, S.12

4 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Aufl. 1996, Kassel

5 Flaschenpost, Berichte anonymer Alkoholiker, Klartext, 1986, S.12

6 Flaschenpost, Berichte anonymer Alkoholiker, Klartext, 1986, S.37

7 Alkoholprobleme am Arbeitsplatz, Dt. Hauptstelle gegen die Suchtgefahren, 3. Auflage 1990, Kassel

8 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

9 Flaschenpost, Berichte anonymer Alkoholiker, Klartext, 1986, S. 28

10 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

11 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

12 Flaschenpost, Berichte anonymer Alkoholiker, Klartext, 1986, S. 94

13 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

14 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

15 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

16 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

17 Phasen der Alkoholsucht, NICOL - Verlag, 41. Auflage 1996, Kassel

Details

Seiten
13
Jahr
1997
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95972
Note
Schlagworte
Alkohol Eine Gesellschaftsdroge

Autor

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Titel: Alkohol - Eine Gesellschaftsdroge