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Rolle der Arbeitsmarktpolitik

Hausarbeit 2000 8 Seiten

VWL - Mikroökonomie, allgemein

Leseprobe

Literaturliste

Rothschild, K.W. (1994), Theorien der Arbeitslosigkeit- Einführung, 2. Auflage.München: Oldenbourg, S. 36-58

Möller, J. (1991), Die Insider-Outsider-Theorie, WiSt, Heft 7, S.333-339

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Den Aufschwung sichern- Arbeitsplätze schaffen. Jahresgutachten 1994/1995. Stuttgart: Metzler-Poeschel 1994. Fünftes Kapitel.

Fragestellung: Wie lässt sich die Persistenz von Arbeits-losigkeit erklären? Was kann die Arbeitsmarktpolitik dagegen tun?

Zur Erklärung von anhaltender Arbeitslosigkeit unterscheidet man zunächst in konjunkturelle und strukturelle Arbeitslosigkeit. Die konjunkturbedingte Arbeitslosigkeit nimmt als Basis das wirtschaftliche Wachstum und dessen Auswirkung auf den Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung wird hierin maßgeblich durch die Kapazitätsauslastung der Unternehmen bestimmt, welche ihrerseits ihre Personalpolitik an der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage orientiert. Fällt die Nachfrage in einer Periode durch beispielsweise die Durchsetzung einer restriktiven Finanzpolitik zur Konsolidierung des Staatshaushaltes, so wird die Produktion entsprechend angepaßt. Kapazitäten werden abgebaut oder werden nicht voll ausgelastet, so daß Arbeitslosigkeit entsteht. Der demographische Faktor nimmt auch maßgeblichen Einfluß auf das Arbeitskräfteangebot in einer Volkswirtschaft.

Das Arbeitskräfteangebot ist in den letzten Jahren gestiegen durch die gestiegene Beteiligung des weiblichen Geschlechts in den Arbeitsprozessen, Steigerung der Wohnbevölkerung und erhöhten Produktivitätszuwachs der Unternehmen.

Viel interessanter hingegen ist die Frage der strukturellen Arbeitslosigkeit. Als erstes Problem stellt sich das Beharrungsvermögen der Arbeitslosigkeit bzw. der Beschäftigten heraus. Aufgrund vieler Rahmenbedingungen wie zum Beispiel das Arbeitsrecht (Kündigungsschutz, Gewerkschaften ,Inflexibilität des Unternehmens etc.) ist die Fluktuation von Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit und umgekehrt in Deutschland im Mittel verglichen zu Europa, aber verglichen mit der USA sehr gering. Als Indikator wird der Fluktuationskoeffizient gewählt, der sich zusammensetzt aus dem arithmetischen Mittel der über ein Jahr kumulierten Zugänge und Abgänge in Relation zum Jahresdurchschnittsbestand an Arbeitslosen. Dieser Indikator mißt also die Anpassung der Nachfrage nach Arbeitskräften, welcher in Deutschland vornehmlich durch die Arbeitszeitregelung (Kurzzeit/Vollzeit) geschieht, während aufgrund gelockerter Arbeitsschutz-bestimmungen in den USA die Anpassung eher über Entlassung bzw. Einstellungen von Arbeitskräften geregelt wird. Demzufolge reagiert der Arbeitsmarkt in Deutschland auf Konjunkturimpulse sehr viel mehr verzögert, als dies beispielsweise in der USA der Fall ist.

Eine geringe Fluktuation hat den Vorteil, daß mühsam erarbeitetes Humankapital durch Entlassungen nicht verloren geht und das Arbeitsplätze erhalten bleiben. Demgegenüber ist es von Nachteil vom Blickpunkt der Arbeitslosen aus im Falle eines Konjunkturaufschwungs auch einen Arbeitsplatz zu erhalten. Die Dauerarbeitslosigkeit entsteht eben durch diesen Nachteil und der damit verbundenen dauerhaften Abstinenz vom Berufsleben. Dequalifikation und Entmutigung der Arbeitslosen verstärken diesen Prozeß.

Ein weiteres Strukturmerkmal für Dauerarbeitslosigkeit ist der sogenannte „Mismatch“ zwischen Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage. Dabei kann zunächst die regionale Diskrepanz zwischen Unternehmen und Arbeitsuchenden genannt werden. Es gibt Unternehmen, die Arbeitskräfte nachfragen, diese aber in ihrer Region nicht finden. Gleichermaßen gibt es Arbeitskräfte, die der Qualifikation des Unternehmen entsprechen, diese können Aufgrund bestimmter Mobilitätsbarrieren nicht in den nachfragenden Unternehmen eingestellt werden. Die Gründe für Mobilitätsdefizite können hohe Grundstückspreise, Schulsystem, soziale Bindungen, unzulängliche Bereitschaft und Fähigkeit neue Qualifikationen zu erwerben, mangelnde Bereitschaft für Lohneinbußen sein. Der Mismatch kann auch darin bestehen, daß die Anforderungen an die Qualifikation in der Unternehmung nicht mit der Qualifikation der Arbeitslosen übereinstimmt. Dies trifft insbesondere in Branchen zu, die starken technischen Veränderungen unterliegen. Indirekt kann auch eine Diskrepanz zwischen den Leistungen der Bildungssysteme und der Wirtschaft den Mismatch fördern.

Arbeitsplätze werden geschaffen und vernichtet durch die schlichte Tatsache, das Unternehmen entstehen, expandieren oder schrumpfen oder gar schließen. Der Strukturwandel in den Wirtschaftsektoren und der Trend von der Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft ist der Motor für die Dynamik der Entstehung und Vernichtung von Unternehmen und damit auch Arbeitsplätzen. Der Indikator für die Erfassung dieses Phänomens ist die sogenannte Umschlagsrate. Die Umschlagshäufigkeit hat natürlich einen Einfluß auf die Fluktuation in den Betrieben und die Erkenntnis aus diesem Wert ist jener, daß in bestehenden Betrieben die Fluktuation der Belegschaft wesentlich höher ist, als dem Saldo der Beschäftigungsveränderungen aus Betriebsschließungen und Neugründungen. Dennoch ist anzumerken, daß das Beschäftigungswachstum langfristig auf Betriebsneugründungen beruht. Es wird also deutlich, daß Langzeitarbeitslosigkeit gefördert wird durch die zu geringe Zahl von Neugründungen.

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Details

Seiten
8
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638162456
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9582
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Volkswirtschaftspolitik
Note
1,7
Schlagworte
Rolle Arbeitsmarktpolitik Volkswirtschaftspolitik

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Titel: Rolle der Arbeitsmarktpolitik