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Umwelterziehung

Seminararbeit 1998 37 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 WAS IST UMWELTERZIEHUNG?

2 NATUR UND UMWELTSCHUTZ
2.1 Unterschiede zwischen Natur- und Umweltschutz
2.2 Beispiele für frühen Naturschutz/Entstehung des Naturschutzgesetzes
2.3 Umweltzerstörung

3 GESCHICHTE DER UMWELTERZIEHUNG
3.1 Aufgaben der Umwelterziehung (nach Tiflis-Konferenz 1977)
3.1.1 Ergebnis der Konferenz von Tiflis
3.2 Kultusministerkonferenz
3.3 Grundlegende Prinzipien jeder Umwelterziehung
3.4 Umwelterziehung aktiviert alle menschlichen Betätigungsfelder
3.5 Ziele der Umwelterziehung (nach Eulenfeld 1979)
3.6 Aussagen über Umwelterziehung
3.7 Unterschied zwischen Umwelterziehung und Ã-kologie

4 UMWELTERZIEHUNG ALS EIGENES FACH?
4.1 Standortbestimmung der Umwelterziehung heute
4.2 Methodischer Ansatz zur Aktivierung sehr verschiedener menschlicher Betätigungssfelder "Lernen mit Kopf, Hand und Herz"

5 UMWELTINTERPRETATION
5.1 Sonderform der Umweltinterpretation
5.1.1 Wie kann eine Spurensuche ablaufen?
5.1.2 Spuren landwirtschaftlicher Nutzung
5.1.3 Spuren forstwirtschaftlicher Nutzung
5.1.4 Spuren der Verkehrswege
5.1.5 Spuren der gewerblichen Tätigkeit
5.1.6 Spuren der/am Fließgewässer
5.1.7 Spuren der/an Teichen
5.1.8 Weitere Spuren
5.1.9 Handlungsprodukte der Spurensuche
5.2 Nahraumkonzept

6 PROBLEME DER FACHLICH FUNDIERTEN UMWELTERZIEHUNG

7 SYSTEME
7.1 Fakten in Hinsicht auf das "Supersystem" Biosphäre

8 MöGLICHKEITEN SCHüLER MIT DER UMWELT VERTRAUT ZU MACHEN
8.1 Bedeutung des Naturerlebens
8.1.1 Kann man Naturerlebnisse an junge Menschen herantragen?

9 AUßERSCHULISCHE LERNORTE
9.1 Schulgärten
9.2 Schulbauernhof in Bielefeld-Ummeln
9.3 Weitere Schulbauernhöfe
9.4 Jugendwaldheime
9.5 Waldjugendherbergen
9.6 Umweltzentren in Deutschland
9.6.1 Arbeitskreis "Schule und Landwirtschaft"
9.6.2 Lumbricus
9.6.3 Weitere Zentren
9.7 Motive für die Arbeit an außerschulischen Lernorten

10 NATURSCHUTZVERBäNDE

11 EIGENE ERGäNZUNGEN
11.1 Naturschutz
11.2 Umweltschutz
11.3 Ã-kologie
11.4 Schullandheime
11.5 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e._V.
11.6 Umwelt
11.7 Deutscher Naturschutzring e._V._â “ Bundesverband für Umweltschutz
11.8 Vogelschutz
11.9 Tierschutz
11.10 Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e._V.
11.11 Stichmann über Umwelterziehung
11.12 Motive für die Arbeit an außerschulischen Lernorten
11.13 Spurensuche in der Landschaft als Beitrag zur Umwelterziehung
11.13.1 Phänomene entdecken und hinterfragen
11.13.2 Eine alt bewährte Methode mit neuer Intention
11.13.3 Beispiele für Zeugen der Landschaftsgeschichte
11.13.4 Zwischen Museum und Geschichtslosigkeit
11.13.5 Die Auswertung der gefundenen Spuren
11.14 Zusammenfassung Umwelterziehung

1 Was Ist Umwelterziehung?

Umwelterziehung - Umwelt- und Naturschutz

Hat eine enge Beziehung zum Umweltschutz, ist aber ein eigenständiges neueres Arbeitsfeld (ca. 25 Jahre). Anfang der 70er Jahre trat der Begriff Umweltschutz in den deutschen Sprachraum. Naturschutz ist eine wesentlich ältere Disziplin (ca. 100 Jahre). Umwelterziehung soll den Menschen vom Wissen zum Handeln bewegen, die Handlungsbereitschaft muß erhöht werden.

2 Natur und Umweltschutz

2.1 Unterschiede zwischen Natur- und Umweltschutz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

BNatSchG ist das Rahmengesetz, es gibt nur die Rahmenrichtlinien vor, ein Untergesetz ist das LG NRW, welches das BNatSchG vervollkommnet. Von §1 - §? ist es gleich im Text.

§1 Natur und Landschaft sind im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen zu pflegen und zu entwickeln, daß

1. die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes,
2. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
3. die Pflanzen- und Tierwelt sowie
4. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft

als Lebensgrundlage des Menschen und als Voraussetzung für seine Erholung in Natur und Landschaft nachhaltig gesichert ist.

· Naturschutz im Sinne des Gesetzes ist mehr als Arten- und Biotopschutz.

Politische Diskussion: Soll die Natur für sich selbst erhalten bleiben oder nur Naturgebiete, die einen Nutzen für den Menschen bringen.

Umfassender integraler Naturschutz: Schutz der Landschaft vor vielfältigen Einflüssen. Bester Weg über die Artenvielfalt, da diese besser auf Veränderungen reagieren kann. Artenvielfalt ist Indikator für Leistung und Zustand des Systems.

1970 war das erste europäische Naturschutzjahr.

2.2 Beispiele für frühen Naturschutz/Entstehung des Naturschutzgesetzes

- vor 125 Jahren hatten Bonner Bedenken, daß das Siebengebirge auf Schiffen nach Holland geschafft wird. Es waren große Steinbrüche, die viel Gestein abbauten. Es bildeten sich Bürgerinitiativen, die den Deutschen Kaiser überzeugten eine Lotterie in die Welt zu rufen, um mit dem Erlös der Lotterie Grundstücke zu kaufen, in denen die Steinbrüche keinen Zugang hatten. Ausschlaggebend für diese Bemühungen war eine romantische Einstellung der Menschen durch Sagen, der Drachenburg etc. - der Hintergrund war rein ästhetische Art. Nicht die Natur sollte erhalten bleiben, sondern die Idylle sollte bewahrt werden.

- Im Zuge der Industrialisierung entstanden mehr und mehr Ansätze zum Naturschutz. Je

weiter die Stadtbesiedelung voranschritt, desto sensibler waren die Menschen für ein kleines Wäldchen, eine Allee, etc.

- Hermann Löns schützte durch seine Novellen die Heide. Der Schutz resultierte aus seinen Schriften und dem Engagement anderer Künstler. Früher dachte man die Heidelandschaft sei eine ursprüngliche Landschaft.

- die ersten Naturschutzgebiete entstanden aus einer emotionalen Haltung heraus.
- Mitte des letzten Jahrhunderts wurden bereits erste Arten geschützt. Es begann mit dem Vogelschutz und nicht mit Reptilien. Vögel wurden geschützt, weil sie fliegen konnten, bunt waren, intensive Brutpflege betrieben etc. - emotionale Beweggründe. Diejenigen, die keinen emotionalen Zugang zu den Vögeln hatten, wurden mit dem Argument der biologischen Schädlingsbekämpfung überzeugt.
- Erstes Naturschutzgesetz für das gesamte Deutsche Reich kam während der NS-Zeit
- 1933 Reichsnaturschutzgesetz. Es wurde nicht von den Nationalsozialisten
vorbereitet, sondern nur von ihnen in Kraft gesetzt. Das Naturschutzgesetz war durch die NS-Zeit stark belastet - "Blut und Boden".
- nach dem 2. Weltkrieg wurde es als Spinnerei angesehen.
- in den 60er Jahren wurde Naturschutz zunehmend mehr beachtet, weil die Artenvielfalt abnahm.
- 1970 war die Zeit gereift, denn man begriff, daß das was einem Schwarzstorch heute geschieht kann in einigen Jahren auch dem Menschen geschehen. Es ging um den Lebensraum des Menschen, hierbei entstand der Begriff Umweltschutz.
- Besser wäre der Begriff "Mitweltschutz" gewesen - nicht nur die Umwelt für den Menschen schützen, sondern Schutz für die Natur seiner selbst wegen.

2.3 Umweltzerstörung

- erste Umweltzerstörung durch gezielte Brandrodung (Jungsteinzeit)
- weiter ging es durch die Nutzung des ehemaligen Waldes als Weideland. An Hängen fand Erosion statt.
- Die Baumarmut der Mittelmeerländer und die Besiedelung der Flächen durch Sträucher ist ein Resultat der Waldzerstörung. Gleiches gilt für die Highlands in Schottland.
- der Schiffsbau der Römer hat entscheidend für die Entwaldung der Pyrenäen gesorgt.
- Früher konnte man auf andere Gebiete ausweichen, heute ist die Erde so stark besiedelt, daß diese Möglichkeit nicht mehr besteht.
- Umweltzerstörung ist also kein Produkt aus diesem Jahrhundert, sondern begann in dem Moment, in dem der Mensch seßhaft wurde.

3 Geschichte der Umwelterziehung

1953 KMK-Beschluß: "Naturschutz und Landschaftspflege sowie Tierschutz" Forderung:

Naturschutzthemen in den Lehrplänen. Hiermit wurden die Schäden aus der NS-Zeit begrenzt. Nur solche Schulbücher sollten genehmigt werden, die diese Gebiete berücksichtigen. Zwei Jahre später wurde kein Lehrbuch mehr zugelassen, das kein Naturschutz beinhaltete. 1965 A. Beiler "Lebendige Natur im Unterricht" (Unsere Sorge um die Daseinsgrundlage)

1970 Europäisches Naturschutzjahr

1971 Erstes Umweltprogramm der Bundesregierung

1973 KMK-Bericht: Umweltschutz in den Lehrplänen

1977 Weltkonferenz der UNESCO über Umwelterziehung in Tiflis (UdSSR)

1980 Formulierung der Ziele der Umwelterziehung durch die KMK

1985 Umweltschutz in der Landesverfassung NRW

1986 Umweltschutz immer noch kein Forschungsschwerpunkt in NRW

1996 Umweltschutz als Forschungsschwerpunkt

3.1 Aufgaben der Umwelterziehung (nach Tiflis-Konferenz 1977)

1 "Ein grundlegendes Ziel der Umwelterziehung ist es, den Einzelnen und die gesellschaftlichen Gruppen das komplexe Wesen der natürlichen und künstlichen Umwelt verstehen zu lehren. Dieses ergibt sich aus dem Zusammenwirken ihrer biologischen, physischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte.

Ebenso ist es Ziel der Umwelterziehung, den Einzelnen und die gesellschaftlichen Gruppen die erforderlichen Kenntnisse, Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und praktischen Fertigkeiten erwerben zu lassen, die sie in die Lage versetzen, in verantwortungsbewußter und wirksamer Weise am Erkennen und Lösen von Umweltproblemen und an der Gestaltung der Umweltqualität teilzuhaben."

zu 1) Für Menschen ist es schwer komplex/global zu denken. Ein Beispiel hierfür ist das deutsche Wirtschaftswunder, denn in dieser Zeit sind die größten Umweltverschmutzungen in der BRD gemacht worden. Es wurde nur darauf geachtet, daß der Wohlstand wächst. Ebenfalls wurde eine Augenwischerei betrieben, z.B. wurden im Ruhrgebiet hohe Schornsteine gebaut, die den Dreck nicht verschwinden lassen, sondern ihn einfach nur großräumiger verteilen. Daraus resultiert das Waldsterben, denn die chemischen Verbindungen verändern sich in hohen Regionen - Photooxydanzien.

2 "Die wirtschaftlichen, politische und ökologische Interdependenz (gegenseitige Abhängigkeit) der modernen Welt deutlich aufzuzeigen, in der Entscheidungen und Handlungen einzelner Staaten internationale Rückwirkungen haben können."

3 "Einen Sinn für Verantwortung und Solidarität unter den Völkern und Regionen als Grundlage einer neuen internationalen Ordnung zu entwickeln, welche die Bewahrung und Verbesserung der Umwelt sicherstellt."

zu 2 + 3) Wenn schärfere Umweltbedingungen in der BRD erreicht würden, ginge die Industrie in die Tschechei. Daher ist es wichtiger, daß Umweltprobleme global gesehen werden. Es wäre sinnvoller, wenn man z.B. Polen, Tschechei, etc. in ihren Umweltbemühungen unterstützen würde, denn in der BRD bringt es wenig von 98% Schadstoffverringerung auf 99% Schadstoffverringerung zu kommen, aber z.B. in Polen von 20% auf 80% zu steigern, bringt für das gleiche Geld sehr viel.

Problem: Die Forderungen der Umwelterziehung und der realen Politik klaffen auseinander - Umweltschützer und umweltbewußte Menschen gelten fast schon als Exoten. Die Umwelterziehung hat immer eine Vorreiterrolle, denn die Politik hat bis jetzt nicht agiert, sondern nur reagiert (s. Abfalltrennung etc.). D.h. die breite Bevölkerung muß erst handeln, bevor die Politik erkennt, daß die Menschen dazu bereit sind.

3.1.1 Ergebnis der Konferenz von Tiflis

grundlegendes Ziel:

· Dem Einzelnen und Gruppen das komplexe Wesen der natürlichen und künstlichen Umwelt verstehen zu lehren.

- Zusammenwirken biologischer, physikalischer, sozialer, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten (·Interdisziplinarität)

weitere Ziele:

- erforderliche Kenntnisse, Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und praktische Fertigkeiten zu lehren, um verantwortungsbewußter und wirksam am Erkennen und Lösen von Umweltproblemen und an der Gestaltung der Umweltqualität teilzuhaben.
- wirtschaftliche, politische und ökologische Interdependenz der Welt aufzuzeigen.
- Entscheidungen und Handlungen einzelner Staaten haben internationale Rückwirkungen.
- Entwicklung von Verantwortung und Solidarität der Völker und Regionen als Grundlage einer internationalen Ordnung.
- Bewahrung und Verbesserung der Umwelt

3.2 Kultusministerkonferenz

Die KMK wollte die Umwelterziehung als eigenes Fach herausstellen, aber man kann die Schule nicht mit immer mehr Fächern anreichern, sonst könnte man ja auch Psychologie, Rechtskunde, etc. einführen.

Umwelterziehung sollte Unterrichtsprinzip sein, das sich durch alle Fächer zieht. Gäbe es nur das Fach Umwelterziehung, so wäre nur ein Lehrer für die Erziehung zuständig. Aber Umwelterziehung als Unterrichtsprinzip kann auch eine Beerdigung sein, denn keiner fühlt sich hierfür zuständig - Teile der Umwelterziehungen müssen feste Bestandteile einiger Unterrichtsfächer sein. Der Unterricht muß auch in andere Fächer hineingehen, d.h. es sollte nicht ausschließlich ein fachbezogener Unterricht durchgeführt werden, sondern ein problemorientierter Unterricht ist anzustreben - z.B. in der Biologie müssen dann auch geographische oder chemische Fragen geklärt werden.

3.3 Grundlegende Prinzipien jeder Umwelterziehung

- Problemorientiertheit

- Situationsorientiertheit

· Handlungsorientiertheit (- es soll zu Handlungen anregen und zu Handlungsprodukten führen)

- Interdisziplinarität

3.4 Umwelterziehung aktiviert alle menschlichen Betätigungsfelder

- Wissen

· Verstehen

- Interpretieren
- Kommunizieren
- Engagieren
- gefühlsmäßiges Erleben
- körperliche Betätigung

3.5 Ziele der Umwelterziehung (nach Eulenfeld 1979)

"Umwelterziehung aktiviert alle menschlichen Betätigungsfelder und Betätigungsmöglichkeiten, indem neben Wissen, Verstehen und Interpretieren auch Kommunizieren, gefühlsmäßiges Erleben und Engagieren sowie körperliches Betätigen gleichrangig gefördert werden."

- Die Anfänge der Umwelterziehung stammen aus den angelsächsischen Raum, v.a. aus England (schon 1965 bekannt).
- Die UNESCO hat den Begriff auf der Konferenz von Tiflis definiert.
- Die Umwelterziehung muß aufzeigen, daß Umwelt global zu betrachten ist:

a) es gibt nur eine Erde
b) alle Güter der Erde sind begrenzt
c) enger Zusammenhang zwischen Umwelterziehung und Entwicklungspolitik ( s. brennende Ã-lfelder in Kuwait)

Verhielten sich alle Menschen, wie die Menschen in der BRD, d.h. wenn sie den gleichen Lebensstandard hätten, würden die Ã-kosysteme nicht 1 Jahr mehr überleben. Das hieße, jeder Chinese, Afrikaner, etc. wurden ebenfalls ein Auto fahren. Ganz Afrika hat weniger Autos und â “Straßen als NRW. Jeder Europäer belastet die Umwelt mehr als 50 Afrikaner.

- Überfluß in den mitteleuropäischen Staaten muß zurückgeschraubt werden. Einige Wissenschaftler sagen aus, es wäre sinnvoll nicht den Lebensstandard herunterzuschrauben, sondern umweltgerechte Güter zu schaffen.

Konferenz von Rio - Agenda 21 - wie man lokal handeln kann, aber globale Auswirkungen erreicht.

3.6 Aussagenüber Umwelterziehung

· Umwelterziehung ist mehr als "Unterricht über Umweltschutz"

- Umwelterziehung meint "sämtliche pädagogischen Bemühungen zur Intensivierung des Erlebens und der Reflexion der Umwelt".

3.7 Unterschied zwischen Umwelterziehung und à -kologie

- Ã-kologie ist eine naturwissenschaftliche Disziplin.
- Die Umweltforschung benutzt die Ã-kologie zum Beantworten von Umweltfragen. Hier werden normative Gründe in den Vordergrund gestellt. D.h. man benötigt hierfür einen Grund, z.B. alle Tiere müssen erhalten bleiben. Es ist eine Forderung, die aus eigenen Wertesystemen entsteht, egal aus was für Beweggründen.
- Tierschutz: Naturschützer will eine Art oder Sippe erhalten, wogegen der Tierschützer auf das Individuum ausgerichtet ist

Denkmal: Jedes Objekt, das von der Kulturentwicklung Zeugnis ablegt.

4 Umwelterziehung als eigenes Fach?

Umwelterziehung als eigenes Fach, Zuordnung zu einem Fach oder Unterrichtsprinzip?

Möglichkeiten:

- "Teamteaching" - Lehrer unterschiedlicher Fachrichtungen unterrichten in Großgruppen - erfolglos.

- Fachlehrer alle dazu bewegen, zeitgleich die selbe Problematik zu unterrichten - planbar, aber nicht durchführbar.

Lösung:

- kein Fach "Umwelterziehung", da Umwelterziehung nicht das Lösen von Fachproblemen ist, sondern fächerübergreifend ausgerichtet sein muß.

·Ein Lehrer muß in der Lage sein, ein Umweltproblem so zu begreifen, daß er es fächerübergreifend, ganzheitlich den Schülern näher bringen kann - Unterrichtsprinzip.

4.1 Standortbestimmung der Umwelterziehung heute

· Problemorientiertheit: Umwelterziehung soll sich an spezifischen Problemen orientieren

- vom Phänomen her Zusammenhänge verdeutlichen

- Situationsorientiertheit: Umwelterziehung geht von der real erfahrbaren Umwelt aus. - "vor Ort"-Erfahrung: Phänomene in der unmittelbaren Umgebung.

- Handlungsorientiertheit: Weg von der Schule, die nur auf Wissen basiert (Wissen um seiner selbst Willen), sondern Wissen, das die Funktion hat, Wissen über die Umwelt zu erlangen, um handeln zu können (ganzheitlich).

· Interdisziplinarität: Umwelterziehung ist fächer- und berufsübergreifend.

4.2 Methodischer Ansatz zur Aktivierung sehr verschiedener menschlicher Betätigungssfelder "Lernen mit Kopf, Hand und Herz"

a) in Wertsetzung der Umwelt: wenn ich die Umwelt nicht wahrnehme, kann ich sie auch nicht begreifen, sie nicht schätzen zu lernen. (Kopf + Herz)
b) Umweltprobleme bewußt machen: Welche Probleme gibt es hier? - Situationsorientiert
c) Naturbetätigungsfelder in der unmittelbaren Umgebung
d) Möglichkeit von Wandertagen und Klassenfahrten nutzen (Hand)
e) Informations- und Umweltzentren nutzen (Kopf)
f) Problemlösungen deutlich machen
g) Nicht das Gefühl der Hilflosigkeit "Wir da unten, ihr da oben") vermitteln, sondern auch politische Bildung gehört dazu, um die Möglichkeiten unserer Demokratie aufzuzeigen. · nicht reden über Fakten und Daten, sondern: Fördern der Fähigkeit und Bereitschaft konkrete Probleme zu lösen. Handlungsergebnisse erzielen (Handlungsorientiert)

- selbst etwas tun, in die Entwicklung eingreifen.

5 Umweltinterpretation

Bei Problemen ist der Zusammenhang zwischen den Einzelthemen wichtig (Interdisziplinarität, Systemcharakter der Umwelt)

Beobachtungen auf einer Exkursion im Oktober (Phänomene zufällig herausgegriffen)

1. Hecke: unter biologischen, historischen und geologischen Hintergrund betrachten.)
2. Vogelzug - Erfassung des Vogelzugs (Wie), Wohin zieht der Zug?, Wer kommt hiervon wieder zurück?, Welchen Gefahren sind sie ausgesetzt?, Einzelvögel, Gruppen?, Welche Vorteile/Nachteile haben Zugvögel?, Wetterabhängigkeit
3. Zuckerrübenernte - Ertrag, Anlieferung zur Zuckerfabrik, Schließung von Zuckerfabriken aufgrund weiter Wege, weite Transporte - Umweltfrage
4. Maisfelder - Umweltrelevanz des Maisanbaus?
5. Größe der Ackerschläge - Vor- und Nachteile in wirtschaftlicher und ökologischer Sicht
6. Begegnung mit einem Hasen - Steppentier, Beute, Bioindikator, weil wenn die Vielfalt zurückgeht, kann es deutlich an der Hasenpopulation abgelesen werden.
7. Pappel - Verwertung der Bäume, Flachwurzler, Konkurrenz mit Ackerfrüchten â “ Auswirkungen auf andere Pflanzen, in 60er/70er Jahren Mode an Flurrändern Holz anzubauen
8. Misteln - Beziehung zu Mensch und physiologische Bedeutung
9. Erdmiete mit Silage - Silosickerwasser läuft in angrenzenden Graben - Umweltbelastung
10. Asphaltierte Wirschaftswege - Vergleich zu nicht versiegelten Wirschaftswegen: Radspuren mit Wasseransammlungen, Kleingewässer für Frösche und Molche, Laichgewässer; Bedeutung für die Landwirtschaft
11. Kopfbäume
12. Drainierung von Ackerland - stark nitrathaltiges Wasser tritt aus
13. Zwischenfruchtanbau - Gewinnung von Futter, Dünger für Folgepflanzen, Wind und Wetter kann nicht auf Boden einwirken (keine Erosion)
14. Ringeltaube - wirtschaftliche Folgen, warum nimmt gerade diese Tierart so zu, Kulturfolger, Anpassung der Tauben verbunden mit Aussterben anderer Arten

- Das, was unmittelbar wahrnehmbar ist, wird als Aufhänger benutzt, um die Hintergründe zu erläutern.

5.1 Sonderform der Umweltinterpretation

Ausgangssituation: Abgesehen von einigen Höhenlagen, gibt es in Mitteleuropa keinen Boden, der nicht durch menschliches Wirken beeinflußt wurde. Jede Landschaft ist eine Kulturlandschaft, ein Ergebnis menschlichen Wirkens. - die Entwicklung der Landschaft ist also ein Kulturauftrag.

Die Ã-kologie und der Umweltschutz beachtet selten die historische Entwicklung einer Landschaft - zu gegenwartsbezogen. Erst in jüngster Zeit wird die Umweltgeschichte miteinbezogen. In Dortmund befaßt man sich seit 10 Jahren gemeinsam mit der Umweltschutzakademie mit Fragen der historischen Umweltentwicklung. Auch bei dieser Form der Spurensuche geht es von den Phänomenen aus. Nichts, was man draußen sieht ist losgelöst von historischen Prozessen - Altlastenflächen, Zersiedlung der Landschaften, etc. - hieraus kann man viel über die zukünftige Wirkung lernen.

1. Schüler sollen bewußter sehen lernen, sie sollen Merkwürdiges als merkwürdig erkennen und es nicht auf sich beruhen lassen, sondern es hinterfragen.
2. Schüler sollen registrierte Phänomene sich erklären und Hypothesen aufstellen und überprüfen, Experten oder Zeitzeugen fragen, um Gründe für Phänomene zu finden.
3. Schüler werden mit dem Lebensraum vertraut und entwickeln emotionale Bindungen. Schüler beginnen zunehmend sich mit dem Lebensraum zu identifizieren - Schüler sind bereit sich für den Lebensraum einzusetzen.

5.1.1 Wie kann eine Spurensuche ablaufen?

1. Ausgewählte Rundwege: Die Spurensuche kann auf einen vom Lehrer oder Experten ausgesuchten Rundgang stattfinden, evtl. mit Arbeitsfragebögen - gebundener Weg mit Fragebögen.
2. Offene Form: Bei einer offenen Form kann man auf landschaftliche Besonderheiten achten. Voraussetzung hierfür: Schüler müssen bereits geübt sein Phänomene zu finden - Steinbruch, Brennesselsaum - welche Bedeutung für Menschen, Tiere, Pflanzen, Umwelt? - Spuren menschlichen Wirkens
3. Gezielte Form: Spuren suchen, die auf eine bestimmte Nutzung hinweisen , z.B. Verkehrsspuren, Bergbau, Industrie
4. Gezielte Nachforschung: Gezielte Nachforschung nach Spuren anhand von Flurnamen, alter Bilder und Karten. Alte Karten von einem bekannten Gebiet werden beobachtet. Wenn man Karten bis in die Gegenwart verfolgt, kann man feststellen, wie sich etwas entwickelt hat und in welcher Zeit sich was vollzog. Man kann also entweder Zeitzeugen befragen, Karten zu Rate ziehen, alte Flurkarten benutzen oder Ableitungen von Flurnamen machen.
5. Themenzentrierte Arbeit: Sucht auf konkrete Fragen Antworten. Themenzentrierte Fragen, z.B. Wo verlief die Emscher vorher? Welche Bedeutung haben die Kieselfelder? Wie groß dehnte sich der Wald vorher aus?

5.1.2 Spuren landwirtschaftlicher Nutzung

- Lesesteinhaufen - Steine, die vom Feld gesammelt wurden

- Trockenmauern
- Wallhecken
- Be- und Entwässerungsanlagen
- Auflageböden
- Vegetation als Hinweis auf extensive Beweidung
- Obsthänge
- Eichenhänge

· Feldscheunen

- Brunnen als Viehtränke
- etc.

·Aus einer stark differenzierten Fläche aus Wald, Wiese und Acker ist heute fast nur noch Ackerland über.

5.1.3 Spuren forstwirtschaftlicher Nutzung

· Überhälter - im Bestand verbliebene Einzelbäume aus altem Bestand, aus Vornutzung

- Bäume, die am Wuchs zeigen, daß sie Solitärbäume waren
- Grenzbäume
- Waldhude
- Niederwälder - aus Stockausschlag
- Zeugen vom Schneebruch (Arnsberger Wald d weißer Sonntag 1939, 100.000 Fichten sind abgebrochen, weil 50cm nasser Schnee auf ihnen lag). Bricht aus einer Fichte die Spitze heraus, so überwachsen die Zweige die "Spitze" und bilden eine oder mehrere Spitzen.

5.1.4 Spuren der Verkehrswege

- Postwege
- Fußwege (Kirchwege)
- Hohlwege
- Dämme
- Reste von Kanälen und Schleusen
- alte Eisenbahntrassen, heute häufig Rad- und Wanderwege

5.1.5 Spuren der gewerblichen Tätigkeit

- Kanäle mit Wehren und Schleusen
- Talauen entstanden durch menschliches Wirken
- Mühlenteiche
- Altwassergräben
- Bergwerksstollen
- Sand-, Mergel-, Tonkuhlen
- Feuerlöschteich

5.1.6 Spuren der/am Fließgewässer

- Dämme, Wehre - Stauweiher
- Schneid-, Mahl-, Hammermühlen - Wasserkraft
- Flußdeiche zum Schutz
- Künstliche Flußbetten

5.1.7 Spuren der/an Teichen

- Feuerlöschteich
- Fischteich
- Ententeich
- Stausee
- Ausgrabungsteiche
- Torfkuhlen
- Viehtränke
- wassergefüllte Steinbrüche
- Bombentrichter

5.1.8 Weitere Spuren

· Mergelkuhlen - Kalk wird ausgewaschen, Mergel wird entkalkt. Felder wurden gemergelt, mit Boden aus Mergelkuhle, da kalkreich

- Steinbrüche
- Meilerplätze

Wichtig ist, daß man solche Plätze bewußt erkennt und inwertsetzt. Z.B., daß man erkennt, daß ein alter Feuerlöschteich zwar menschlich entstanden ist, aber die Natur sich das Gewässer vereinnahmt hat und dieser Teil schützenswert ist.

Aber man soll solche Dinge nicht beschönigen, es geht darum

- aus menschlichen Irrwegen zu lernen
- solche Dinge zu sichern (Vielfalt = Erlebnislandschaft / Vielfalt = Pflanzen und Tiere).
- Eigenart und Vielfalt nicht irreversiblen, kurzfristigen Nutzungen preiszugeben

Die Argumente für den Schutz von historischen Dingen, können häufig durch die Argumente von Natur- und Umweltschutz gestützt werden. Z.B. alte Stollen nicht zuschütten, denn Fledermäuse u.a. überwintern in diesen Stollen, sie haben es über die lange Zeit gelernt.

·Aufhängung des Zusammenhangs an einem Phänomen.

·alles Kulturgebilde, keine Naturgebilde

·sind einer Dynamik unterworfen

- Mensch hat viele sekundäre Lebensräume geschaffen, die heute als schützenswert gelten.

5.1.9 Handlungsprodukte der Spurensuche

Die Spurensuche ist ein vielfältiges Arbeitsgebiet, das als Ziel ein Handlungsprodukt hat. Es ist wichtig, die Ergebnisse zu sichern und aufzubereiten.

- Dokumentation der gefundenen Spuren
- Wandzeitung
- Darstellung der Landschaftsumwandlung
- Modelle zur Landschaftsumwandlung
- Texte für Lehrpfad oder Quiz für jüngere Jahrgänge
- Nutzung der Ergebnisse als Kataster historischer Landschaftsgebiete
- Fachplanung
- Ergänzung des schulischen Landschaftsplans
- Formulierung eines Leserbriefs / Eingabe an Ämter
- Spuren erhalten ihren persönlichen Wert.

5.2 Nahraumkonzept

Hierbei geht es um das sog. Nahraumkonzept, d.h. vom Nahen zum Fernen. Erst wenn die nahen Phänomene erkannt und erklärt sind, wird ein Transfer in die Ferne vorgenommen. - Ã-ffnung der Schule für die Lebenswirklichkeit. Schon im ersten Drittel dieses Jahrhunderts setzten dort die Reformpädagogen an. Phänomene sollten ganzheitlich erlebt werden - Kopf, Hand etc. Es geht nicht nur darum Spuren zu lesen, sondern zu neuen Ansätzen zu kommen - Zukunftsmodelle sollen gebildet werden, aus Fehlern lernen. - Erlebnispäd. und handlungsorientierte Päd sind die Grundlage, aber die Inhalte sind neu.

Es kann aber auch dazu führen, bestimmte Spuren nicht nur zu erkennen, sondern auch zu sichern und zu bewahren.

Die Identifikation mit dem Lebensraum ist sehr wichtig, deshalb sind groß angelegte Flurbereinigungen tödlich, denn wer sich aufgrund von Veränderungen nicht mehr mit seiner Umwelt identifizieren kann (Bauer aus Soester Börde fühlt sich nach starken Veränderungen als Vertriebener ohne Heimat) tritt nicht mehr für die Erhaltung (Umweltschutz) ein. Die Vielfalt, Eigenart und Schönheit soll erhalten bleiben (§1 LG NRW & BNatSchG). In NRW gibt es sehr ähnliche aber auch sehr verschiedene Gebiete.

6 Probleme der fachlich fundierten Umwelterziehung

- Vernetzungen sind schwer zu durchdenken
- Schwierigkeiten des Systemcharakters
- häufig wird monokausal gedacht - wird dem System nicht gerecht.
- der Mensch entnimmt der Natur was er braucht, ungeachtet der Nebenwirkungen
- alle Eingriffe in die Natur sind ambivalent, sie sind mit zahlreichen ungewollten Nebenwirkungen verbunden.

Beispiele:

- Vogelnistkästen aufhängen nicht nur positiv, denn Höhlenbrüter die hier überwintern besetzen alle Höhlen, weil sie als Stammvögel hier durch den Winter gebracht werden und eher am Standort sind und so die selteneren Höhlenbrüter, die Zugvögel sind, verdrängen. - nichts ist nur positiv oder negativ - Artenvielfalt nimmt zu, weil die Vögel der freien Landschaft in die Waldgebiete einziehen - Konkurrenz unter den Arten - es ist eine normative Bewertung.
- Gutachten zum Bau der A4 (Rothaargebirge): Die A4 dient der Industrieanbindung, zur Zeit ist dort ein zusammenhängendes Waldgebiet. Die Folge der Schneisen im Waldgebiet wäre, daß Vögel, die die freie Landschaft brauchen sich dort ansiedeln würden. Es bleibt nur die Frage offen, ob es sinnvoll ist die Artenvielfalt zu erhöhen, denn zum einen treten sie in Konkurrenz zu den Waldvögeln, zum anderen Verändern sie die Eigenart des Gebietes.

·

- jede Handlung des Menschen hat gute und schlechte Konsequenzen.
- Umweltverträglichkeitsprüfungen sind nie so universell, daß alle Nebenwirkungen bedacht werden können.
- Schlußfolgerungen sind immer bestimmt durch Wertesysteme (normative Werte), sie sind nie nur umweltbezogen.

7 Systeme

- komplexe Systeme sind etwas anderes als nebeneinander, voneinander losgelöste Teile, weil sie sich gegenseitig durch Wechselwirkungen beeinflussen. Ein System ist so aufgebaut, daß es Ordnung, Struktur und Organisation beinhaltet.

Ein System verhält sich völlig anders als seine einzelnen Teile, es bildet neue Eigenschaften. Bsp. : Künstliches System - Fabrik, Schule

- Ein System unterliegt den Gesetzen der Stabilität, Organisation und Wandelbarkeit

- Systeme können größere Systeme ergeben. Wird ein Atom als System angesehen, so ist der Zusammenschluß mehr als ein - Molekül - Zelle - Organ - Lebewesen - Biotop - Biosphäre. - Ein System ist mehr als die Summe seiner Teile.

- Künstliche Systeme sind in der Regel nicht dauerhaft.

- Organisch entstandene Systeme zeichnen sich durch Dauerhaftigkeit aus.

- Man unterscheidet statische und dynamische Systeme:

- Dynamische Systeme tragen das Programm zur eigenen Veränderung in sich, es ist in den Organismen grundgelegt.
- Charakter individueller Identität.
- Die Welt ist in jeder Hinsicht ein vernetztes System - mit der Sonne, aber auch mit der Raupe am Kohlkopf, Wälder und Flüsse sowie Häuser und Städte
- Vernetzung in alle Bereiche.
- In der Realität sind alle Systeme offen, d.h. sie sind miteinander vernetzt. Geschlossene Systeme gibt es nur in der Theorie, es ermöglicht sich hierdurch ein leichteres Arbeiten.
- Dynamische Systeme sind offen und fließend - dynamische Systeme sind immer offen und offene Systeme sind immer dynamisch.

- Jedes System besteht aus Teilsystemen und jedes System ist Teil eines größeren Systems

- Die Menschheit hat bisher immer nur einzelne Teile des Systems gesehen und in diese eingegriffen. Meist sieht man nur die einzelnen Teile eines Systems, aber nicht die Wirkung. Wenn, dann wird es so stark vereinfacht, daß wir die Wechselwirkungen nicht mehr sehen.

7.1 Fakten in Hinsicht auf das "Supersystem" Biosphäre

Die Biosphäre hat einen Jahresumsatz von 200 Mrd. Tonnen Kohlenstoff, 100 Mrd. Tonnen Sauerstoff, 1.000de Tonnen Schwer- und Leichtmetalle. Es ist auch ein enormer Stoffumsatz. Der Wirkungsgrad des Energieumsatzes ist 98%. Dieses System arbeitet abfallfrei. Es hat sich der höchste Grad der Vollendung eingestellt. 3 Mrd. Jahre Evolution haben zur größtmöglichen Effizienz geführt. Die Gesetze der überlebensfähigen Systeme bestimmt die Biosphäre. Die Erde ist eine Kugel, die mit

- 1.400 Billiarden Tonnen Meerwasser,
- 250 Mrd. m3 /Jahr Süßwasserniederschlag über Land,
- 1180 Billionen Tonnen Luftsauerstoff,
- 4.200 Mrd. Megawattstunden täglicher Energieeinstrom aus der Sonne,
- 2,5 Mrd. Tonnen Uranreserven,
- 1.200.000 Tierarten,
- 500.000 Pflanzenarten,
- 90.000.000 km2 bewohnbare Erde.

Alle Vorräte/Reserven sind berechenbar und in Zahlen zu fassen. Die Erde ist eine Kugel, die außer der Sonneneinstrahlung, mit ihren Reserven auskommen muß, und dies bei steigender Bevölkerungsdichte. - Man muß bedenken, daß der Planet nicht mitwächst.

Die Erde hat über 6 Mrd. Menschen, die sich in den letzten 100 Jahren versechsfacht haben, in denselben 100 Jahren den Rohstoffverbrauch verzehnfacht, den Abfall verzwölffacht und den Energieverbrauch verzwanzigfacht haben. Im Jahre 2.000 werden es 7 Mrd. Menschen sein.

Umwelterziehung soll also darauf zielen, zu Veranschaulichen, daß die Erde nicht wächst, dafür aber die Bedürfnisse der Menschen sowie die Bevölkerungsdichte. Desweiteren muß die Vernetztheit des Systems vermittelt werden.

8 Möglichkeiten Schüler mit der Umwelt vertraut zu machen

Das Wissen über die Umwelt hat in den letzten Jahren enorm zugenommen, aber die Handlungsbereitschaft hat nicht zugenommen - man weiß viel, aber tut wenig. Hierfür ist der Projektunterricht sehr geeignet.

- Projekte im Rahmen der Umwelterziehung
- Wettbewerbe, z.B. Bundesumweltwettbewerb mit dem Untertitel "Vom Wissen zum Handeln". Einzelpersonen oder Kleingruppen bis zu 3 Personen nehmen daran teil. Diese erhalten ihre Anstöße häufig aus Schulen.
- Lehr- und Lernpfade. Hierbei unterscheidet man:

1. Die für jedermann konzipiert sind

- Waldlehrpfade
- Landwirtschaftliche Lehrpfade
- Stadtlehrpfade

Beschilderung der Landschaft, teilweise sogar Entwertung der Landschaft. Leider werden immer wieder die gleichen Plakate aufgehangen. - Lehrpfade ähneln sich, die Inhalte können auch in jedem Biologiebuch nachgelesen werden. - Wenn schon Lehrpfade, dann müssen sie individuell gestaltet sein, d.h. Individualgeschichte von der Eiche vor der ich gerade stehe.

Der Lehrpfad muß auf das bezogen sein, was ich wirklich sehe und höre, er muß der Umgebung angepaßt sein. Man muß vorher versuchen zu ergründen, was der Besucher des Lehrpfads wissen möchte. Der Text muß so angelegt sein. daß eine Beziehung zwischen Objekt und Text entsteht.

2. Lernpfade: Lehrpfade sind so konzipiert, daß keine Tafeln in die Landschaft gebracht werden, sondern Pfähle oder kleine Schilder mit Nummern oder Zeichen in die Landschaft eingebracht werden. In Faltblättchen oder Heftchen am Ausgang oder einer biologischen Station gibt es hierzu Fragen, Denkanstöße zu bestimmten Phänomen.

Problem: Schüler unterschiedlichen Alters und Erwachsene können nicht gleich gut bedient werden. · Möglichkeit zur Erstellung eines Lehrpfades im Schulumfeld, der den einzelnen Jahrgangsstufen individuell angepaßt werden kann. Diese Pfade sind in der Unterhaltung jedoch sehr arbeitsintensiv.

8.1 Bedeutung des Naturerlebens

Beispiel: Ertasten von Naturgegenständen - Muschelschale, Eichenblatt, leere Eierschale etc. Die Tastübung inkl. einer Nachbesprechung nimmt ca. 30 min. in Anspruch. Sinn der Übung ist, jungen Menschen anzuleiten, mit allen Sinnen zu erleben, besonders mit denen, die vernachlässigt werden (Tast- und Geschmacksinn). Wir sind einseitig auf den Gesichtssinn (Augen) festgelegt.

Damit man die Pflanzen auch anfassen kann, sollte man Wegränder mit verschiedener, vielfältiger Vegetation wählen.

Für eine Sinnesschulung bietet sich an:

- Nachtwanderungen, als Möglichkeit im Wald zu hören, welche Geräusche man wahrnehmen kann - Naturerlebnis mit allen Sinnen.
- Barfußschlange auf einem Sinnespfad
- Wahrnehmungen, die man normalerweise nicht hat - Filme/Medien machen es uns zu leicht.

8.1.1 Kann man Naturerlebnisse an junge Menschen herantragen?

Nein, genauso wenig wie man ästhetische Ansichten auf andere übertragen kann. Man kann aber Schüler in Situationen führen, die für sie erlebnishaft sein können. - Möglichkeit, das Schüler diese Erlebnisse selbst wiederholen.

9 Außerschulische Lernorte

In der Regel fangen außerschulische Lernorte direkt am Schulgebäude an, z.B. Schulbeete, Schulgarten, Schulumfeld. Jede 4. Schule in NRW besitzt ein Gelände für praktische Natur- und Umweltbeziehung. Als weitere außerschulische Lernorte kommen

· der Zoo,

- der Botanische Garten,
- der Schulbauernhof,
- das Schullandheim,
- die Umwelt- und Schulbiologiezentren,
- die Müllkippe,
- das Klärwerk,
- das Umweltamt und naturnahe Biotope in Frage.

Schüler sollen durch außerschulische Lernorte

- lernen mit "Kopf, Herz und Hand"
- entdecken von neuen Fähigkeiten
- "Begreifen" in wahrsten Sinne
- Phantasie + Kreativität = Neugier; neue Spielsituationen · Problemorientiertheit
- Lernen von landwirtschaftlichen Arbeitstechniken
- Begreifen: Arbeitsaufwand, Abhängigkeit von Umweltfaktoren, Pflege der Natur, Nutzung der Natur, aber umweltverträglich und nachhaltig
- Blick für die Zukunft öffnen

9.1 Schulgärten

Abgegrenzter, naturnah gestalteter Bereich des Schulgeländes, wo Nutz- und Zierpflanzen angebaut werden und Lebensräume für heimische Wildpflanzen und â “tiere nicht fehlen sollten.

- Säen, wachsen und ernten sind für viele Kinder, selbst aus ländlichen Gebieten keine selbstverständlichen Umwelterlebnisse mehr.
- Fensterbank als "Nutzgarten"
- "Erntefest"; essen und Verarbeitung der Ernte gehören dazu - Vollwerternährung ·biologische Kreisläufe
- Hecke, Teich, Reisighaufen verschiedene kleine und große Lebensräume für die verschiedensten Wildkräuter und -tiere

- praktische Hilfe für diese Pflanzen und Tiere sowie Artenkenntnis
- behutsamer Umgang mit der Natur

- Handlungsorientiertes Lernen!

Probleme:

- Die Nutzung des Schulgeländes wird durch Lehrpläne und Stundenpläne erschwert.
- zu wenig Ideen, wie es genutzt werden kann
- asphaltierte Flächen erscheinen als unveränderbar
- Ideen kommen von einzelnen, in der Praxis bleiben die Initiatoren an den Schulen oft allein ¾ der Schulen haben den Schritt noch nicht gewagt

9.2 Schulbauernhof in Bielefeld-Ummeln

Der Schulbauernhof in Bielefeld-Ummeln ist für Schüler unterschiedlichsten Alters konzipiert. Es ist immer nur eine Gruppe auf dem Bauernhof, die alle anstehenden Arbeiten unter Anleitung eines Lehrers ausführt.

Auf diesem Schulbauernhof wird der praktische Unterricht praktiziert, der handlungsorientiertes Lernen vermittelt. Das praxisnahe Lernen wirkt einer Zerstückelung von Lerninhalten entgegen. Die Idee wurde 1983 in Anlehnung an Pestalozzi geboren, hier soll mit Kopf, Herz und Hand gelernt werden. Durch Hilfe von Lehrern, Eltern, Schülern und Spenden ist dieser Schulbauernhof bis 1985 entstanden.

- Kinder sollen durch greifen Begreifen.
- Es ist ein ganzheitliches emotionales Lernen.
- Handwerkliche, gärtnerische und landwirtschaftliche Arbeiten werden problemorientiert vermittelt.
- Es wird eine umweltverträgliche Landwirtschaft betrieben und vermittelt. (Lernen von landwirtschaftlichen Arbeitsweisen)
- Der Anbau wird nicht nur zur Anschauung betrieben, sondern soll die Eigenversorgung weitgehend begleiten. (- Arbeitsaufwand, Abhängigkeit von Umweltfaktoren begreifen)
- Vollwertige Ernährung - pflanzen, pflegen - ernten · Biologische Kreisläufe.
- Alle Aspekt sollen berücksichtigt werden, auch das Schlachten der Tiere, die vorher noch liebevoll gepflegt wurden.
- Praktisches Lernen in der Gruppe ist gleichzeitig Erlernen des sozialen Lebens, z.B. durch Übernahme von Verantwortung.
- Auf dem Bauernhof soll fachübergreifendes Arbeiten vermittelt werden.
- Viel Zeit zum Beobachten, Aufspüren etc.
- Ziele

- Pflege der Natur
- Nutzen der Natur aber umweltverträglich
- Schaffung ökologischen Bewußtseins und Erkennen menschlicher Eingriffe

9.3 Weitere Schulbauernhöfe

Weitere Schulbauernhöfe befinden sich in Lüdinghausen, Hadehausen und Recklinghausen. In Recklinghausen geht man stärker auf das Umfeld des Bauernhofs ein. Die Schulklassen gehen einmal pro Woche auf den Bauernhof, um einen ganzheitlichen, den Jahreszeiten unterworfenen Ansatz zu bekommen. - von der Saat bis zur Ernte.

In Holland sind die Schulbauernhöfe schon länger bekannt. Dort wurden die Abstandsflächen der Satellitenstädte als Schulgärten oder Schulbauernhöfe benutzt. Die Schulbauernhöfe in Holland sind nicht an den Schulen angesiedelt, sondern an den Wohnquartieren der Schüler, wo die Schüler ein Teil des Gartens bewirtschaften. Es gibt eigens von der Stadt angestellte Schulgärtner. Auf den holländischen Schulbauernhöfen können die Schüler ihre eigenen Tiere halten, z.B. Kaninchen.

9.4 Jugendwaldheime

Jugendwaldheime sind zufällig nach dem 2. Weltkrieg entstanden, weil die Siegermächte einen Anspruch auf Reparationszahlungen machten. Es wurden ganze Waldgebiete abgeholzt und in die Länder der Siegermächte exportiert. Die entstandenen großen Kahlschläge wirkten sich auf die Böden aus - Gefahr der Erosion, Deflation des Bodens, Versteppung der Landschaft. Die "Schutzgemeinschaft deutscher Wald" hatte das Ziel den Wald zu erhalten und zu sichern. Schüler sollten bei der Wiederaufforstung beteiligt werden, weil viele Hände viel bewirken. Teilweise wurden aber Monokulturen gepflanzt und die Schüler verbrachten an Ort und Stelle z.T. eine Woche in Zelten. Kurz darauf wurden Baracken gebaut. Der anfängliche Ansatz galt ausschließlich der Wiederaufforstung. Als die erste Druckzeit vorbei war, kam man auf die Idee, daß die Schüler auch etwas anderes davon lernen und die eigentliche Arbeit in den Hintergrund trat. In den Vordergrund trat, daß die Schüler den Wald besser kennenlernen (Leben â “ erleben â “ kennenlernen). Man baute Häuser (Jugendwaldheime) und der pädagogische Ansatz drückte sich immer mehr durch, Es sollte Theorie, Praxis und Erfahrung vermittelt werden. Heute sind 3-4 Forstwirte für eine Schulklasse zuständig; die Trägerschaft ist immer noch das Landesforstministerium. Im Gegensatz zu Schulbauernhöfen wird hier nicht das ganze Haus von einer Schulklasse verwaltet/bewirtschaftet, sondern es wird ähnlich den Jugendherbergen benutzt.

Morgens fängt der Unterricht mit einer theoretischen Einweisung durch einen Forstwirt an, z.B. Holz als Rohstoff; anschließend folgen 2-3 Stunden praktische Arbeit, z.B. Bauen von Nistkästen.

Im Vordergrund steht heute das pädagogische Anliegen und die Werbung für den Wald. Ziel ist, die nachhaltige Nutzung des Waldes zu vermitteln.

Standorte der Jugendwaldheime:

- Schleswig Holstein
- Niedersachsen
- NRW

· Ringelstein

- Hilchenbach (auf dem Gillerberg)
- Urft (Eifel)
- Arnsberg Obereimer (das neueste)

Die Anmeldung erfolgt in der Regel über die Schutzgemeinschaft deutscher Wald in Essen.

9.5 Waldjugendherbergen

Es handelt sich hierbei um Jugendherbergen, die mit einem Labor ausgestattet sind - Euro- Umwelt-Studienplatz. Sie unterliegen der Trägerschaft des Jugendherbergswerks. Der praktische Ansatz fehlt hier leider, da sie nicht in forstwirtschaftliche Maßnahmen einbezogen werden können. In ihnen wird in der Regel umweltverträglich gearbeitet, vom Bau der Herberge bis zur Kompostierung über Energiequellen.

Bsp. Waldjugendherberge in Brilon

9.6 Umweltzentren in Deutschland

9.6.1 Arbeitskreis "Schule und Landwirtschaft"

Gefahr: Die Landwirtschaft verteidigen hierbei überwiegend ihre konventionellen Arbeitstechniken, z.B. Hühnerlegebatterien.

9.6.2 Lumbricus

Es ist ein Umweltbus der Umweltakademie in Recklinghausen. Der Bus verfügt über alle elek. Hilfsmittel zur biologischen Arbeit, z.B. Gewässer- oder Luftproben. Die Schule kann den Bus für einen Tag reservieren und mit seinen Einrichtungen arbeiten. Der Lumbricus wird von 2 Personen betreut, die den Lehrer in seiner Arbeit unterstützen. - Beschäftigung mit Umweltdaten an jedem Ort möglich.

9.6.3 Weitere Zentren

- Waldschule Cappenberg
- Schulbiologiezentrum Rombergpark
- Natur- und Umweltschutzakademie NRW
- Maximilian Park Hamm
- Natur und Umwelt Wuppertal
- Umweltzentrum Hagen
- Ã-kologiestation Edberg

Die Gefahr der Umweltzentren besteht darin, daß ein Lehrer seine Klasse dort nur abgibt und sich selbst nicht beteiligt.

9.7 Motive für die Arbeit an außerschulischen Lernorten

1. Umweltbezug des Lernens durch originale Begegnung mit dem Phänomen - Problemorientiertheit
2. Rückgewinnung von unvermittelten Erfahrungsräumen
3. Situationsbezogenes Lernen in realen Kontexten
4. Fächerübergreifendes, problem- und objektbezogenes Lernen · Interdisziplinär
5. Entdeckendes und forschendes Lernen in gemeinsamen Projekten - Handlungsorientiertheit
6. Entwicklung von Einstellungen und Wertehaltungen durch persönliche Betroffenheit - normativer Charakter
7. Möglichkeit zur eigenen Urteilsbildung durch direkte Auseinandersetzung

10 Naturschutzverbände

Hier sind Naturschutzverbände aufgeführt, die sich um außerschulische Einrichtungen kümmern. Es handelt sich um anerkannte Verbände nach §29 NSG.

· BUND: Untergliedert in Kreis- und Ortsgruppen. - Umwelt- und Klimaschutz, vertritt Position radikal

· NABU (Naturschutzbund Deutschland): Aus dem Deutschen Bund für Vogelschutz (DBU) entstanden. Heute beschäftigt er sich mit Arten- und Biotopschutz, wo stärker Umweltfragen diskutiert werden. Er betreibt die aktivste Jugendarbeit mit vielen Jugendgruppen.

· LNU (Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt): Verband, der als 1. nach §29 anerkannt wurde, mit den meisten Mitgliedern. Es handelt sich um einen Dachverband mit 75 Verbänden, die teilweise nur Regional aktiv sind. Die Einzelverbände können nicht anerkannt werden, da sie nicht landesweit tätig sind. Ebenfalls gehören diesem Dachverband Organisationen an, die nur Teilaspekte der Umwelt behandeln, z.B. "Schutzgemeinschaft deutscher Wald".

Die Verbände sind an der Ausweisung als Naturschutzgebiete beteiligt sowie an Eingriffen in die Natur. Sie können Planungen von den Schreibtischen in die Ã-ffentlichkeit bringen. Alle drei Verbände unterhalten in Essen ein gemeinschaftliches Büro der Naturschutzverbände.

11 Eigene Ergänzungen

11.1 Naturschutz

Gesamtheit der Maßnahmen zur Erhaltung und Pflege von Natur- oder naturnahen Kulturlandschaften und Naturdenkmälern, auch von seltenen und in ihrem Bestand gefährdeten Pflanzen und Tierarten sowie deren Lebensräumen und ihr Schutz vor Zivilisationsschäden. Wichtigste Naturschutzmaßnahmen sind: Einrichtung und Erhaltung von Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und Naturparks, Schutz und Pflege von Naturdenkmälern sowie der Artenschutz. Eigentümer, Besitzer oder Nutzungsberechtigte haben Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen zu dulden und sind an auferlegte Nutzungsbeschränkungen gebunden. Nach Umfang des Schutzes unterscheidet man:

1. Vollnaturschutzgebiete: Eingriffe und Nutzungen sind nur zur Erhaltung des natürlichen Zustandes erlaubt, das Betreten ist verboten;
2. Teilnaturschutzgebiete: Gebiete mit speziellen Schutzzielen und den dazu notwendigen Nutzungsbeschränkungen (z.B. Nationalparks); hierzu gehören auch Pflanzenschutzgebiete und Tierschutzgebiete (z.B. Vogelschutzgebiete);
3. Landschaftsschutzgebiete: naturnahe Flächen, die zur Erhaltung ihrer ökologischen Vielfalt sowie eines ausgeglichenen Naturhaushaltes und ihres Erholungswertes gegen Veränderungen (Abholzung, Aufforstung, Überbauung, Industrialisierung) geschützt werden (Umweltschutz). â “ Gesetzliche Grundlage ist das (Bundes-)Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege von 1987 (Rahmengesetz); die Einhaltung der gesetzlichen Naturschutzbestimmungen wird durch Naturschutzbehörden der Länder und private Naturschutzverbände überwacht.

11.2 Umweltschutz

Gesamtheit aller Maßnahmen und Bestrebungen, die dazu dienen, die natürlichen Lebensgrundlagen von Pflanze, Tier und Mensch zu erhalten bzw. ein gestörtes ökolog. Gleichgewicht der Natur wieder auszugleichen; i. e. S. der Schutz vor negativen Auswirkungen, die von der ökonomischen Tätigkeit des Menschen, seinen techn. Einrichtungen und sonstigen zivilisator. Gegebenheiten ausgehen, wobei die Umweltvorsorge für die Allgemeinheit effektiver und billiger ist als nachträglichen Maßnahmen des techn. Umweltschutzes.

Maßnahmen: Zum Umweltschutz gehören u.a. Maßnahmen zur Bewahrung von Boden und Wasser vor Verunreinigung durch chem. Fremdstoffe und Erdöl, durch Abwasser und durch Auslaugung abgelagerter Stoffe auf Deponien; ferner Vorschriften und Auflagen z.B. zur Erreichung größerer Umweltverträglichkeit von Wasch- und Reinigungsmitteln, zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt vor Gefährdung durch Pflanzenschutzmittel, Maßnahmen des Immissionsschutzes, die der Verunreinigung der Luft und Rauchschäden durch Emissionen (v.a. von Industriebetrieben, Kfz und aus dem Wohnbereich) entgegenwirken, der Strahlenschutz während des Betriebs von Kernkraftwerken und die Lagerung von radioaktivem Abfall und der Wiedergewinnung von Abfallstoffen (Recycling). â “ Teilaspekte des Umweltschutzes sind in zahlr. Gesetzen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften des Bundes und der Länder geregelt. Durch das Gesetz zur Bekämpfung der Umweltkriminalität vom 28.03.1980 werden schwerwiegende Schädigungen und Gefährdungen der Umwelt mit umfassenden strafrechtlichen Sanktionen bedroht (im Höchstfall Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren).

Umweltpolitik: Geplante und bewußte Umweltpolitik erfolgt erst seit dem Beginn der 1970er Jahre. In der BR Deutschland wurde 1986 nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl ein Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit eingerichtet, dem das Umweltbundesamt nachgeordnet ist. Bei den Landesregierungen liegt die Zuständigkeit für den Umweltschutz bei den Landwirtschafts- oder eigenen Umweltministerien. Um den Umweltschutz bemühen sich auf internationaler Ebene die UN und die EU. Infolge der Mangelhaftigkeit der Umweltpolitik staatl. Stellen und etablierter Parteien entstand aus der Ã-kologiebewegung Ende der 1970er Jahre die Partei der Grünen<. Internat. Aufsehen erregt ferner die 1972 in Kanada gegründete Umweltschutzorganisation >Greenpeace<.

11.3 Ã -kologie

aus der Biologie hervorgegangene Wiss., die sich mit den Wechselbeziehungen zw. den Organismen und der unbelebten (abiotischen Faktoren wie Klima, Boden) und der belebten Umwelt (biot. Faktoren) befaßt. Sie untersucht ihre zeitl. Entfaltung, Krisen in ihrer Entwicklung und Mechanismen der Wiederherstellung von Gleichgewichten. Teilgebiete der Ã-kologie sind Autökologie (untersucht die Umwelteinflüsse auf die Individuen einer Art), Demökologie (Populations-Ã-kologie; befaßt sich mit den Umwelteinflüssen auf ganze Populationen einer bestimmten Tier- und Pflanzenwelt) und Synökologie (beschäftigt sich mit den Wechselbeziehungen der Organismen einer Lebensgemeinschaft sowie zw. diesen und der Umwelt). Die Humanökologie untersucht die Beziehungen Mensch-Umwelt. In den Mittelpunkt des öffentl. Interesses rückte die Ã-kologie seit Ende der 1960er Jahre, als die Auswirkungen der Umweltverschmutzung und die Begrenzung der natürlichen Rohstoffvorkommen immer deutlicher wurden. Im Zuge der Ã-kologie-Diskussion hat die Ã- kologie seitdem eine inhaltliche und institutionelle Ausweitung erfahren, die über die Naturwissenschaft Ã-. weit hinausgeht. Ã-kologie steht nunmehr v.a. für eine neue Weltanschauung: Die Idee vom unbegrenzten Fortschritt und Wachstum gilt als korrekturbedürftig, es wird eine Rückbesinnung darauf gefordert, daß die Natur Veränderungen nur in sehr beschränktem Maß verträgt, ohne irreversible Schäden zu erleiden, und daß die Menschheit als ein Glied des globalen Ã-kosystems mit dessen Gefährdung sich selbst in ihrer Existenz bedroht.

11.4 Schullandheime

von Schulen bzw. deren Trägern unterhaltene Erholungsheime auf dem Lande.

11.5 Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e._V.

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e._V., Abk. BUND, 1975 gegr. unabhängige private Organisation zur Förderung des ökologischen Verständnisses; Bundesgeschäftsstelle: Bonn.

11.6 Umwelt

Umwelt, im engeren biologischen Sinn (physiolog. Umwelt) die spezifische, lebenswichtige Umgebung einer Tierart, die als Merkwelt (Gesamtheit ihrer Merkmale) wahrgenommen wird und als Wirkwelt (Gesamtheit ihrer Wirkungen) das Verhalten der Artvertreter bestimmt. Als einziges Wesen (und alleinige Art) ist der Mensch nicht an eine spezifische Natur-Umwelt gebunden. Im weiteren, kulturell-zivilisatorischen Sinn (Zivilisations-Umwelt, Kultur- Umwelt) versteht man unter Umwelt auch den vom Menschen existentiell an seine Lebensbedürfnisse angepaßten und v.a. durch Technik und wirtschaftl. Unternehmungen künstlich veränderten Lebensraum, wodurch eine Art künstlichen Ã-kosystem geschaffen wurde.

11.7 Deutscher Naturschutzring e._V._ â “ Bundesverband für Umweltschutz

Deutscher Naturschutzring e.V.â “ Bundesverband für Umweltschutz, Abk. DNR, 1950 gegr. Dachverband, der zahlr. sich mit Naturschutz, Landschaftsschutz, Landschaftspflege und der Erhaltung der natürlichen Umwelt befassende Organisationen zusammenfaßt; Sitz Bonn.

11.8 Vogelschutz

Vogelschutz, Schutz der wildlebenden (nicht jagdbaren) Vögel (Naturschutz). Dazu gehören einerseits Verbote (z.B. den Fang und den Abschuß einschränkend), andererseits die Einrichtung von Nistgelegenheiten und die Bekämpfung der natürlichen Feinde von Vögeln. Vogelschutzgebiete dienen als Regenerationsräume, Brut- und Raststätten für Vögel, aber auch für andere Tiere.

p> 11.9 Tierschutz

Tierschutz, im Unterschied zu Maßnahmen zur Erhaltung von Tierarten und deren Lebensmöglichkeiten (Naturschutz) Bez. für Bestrebungen zum Schutz des Lebens und zur angemessenen Behandlung von Tieren (insbes. der Haus- und Laborversuchstiere). Tierschutzvereine unterhalten Tierheime (zur Unterbringung herrenloser Tiere) und wirken aufklärend in der Bevölkerung, und zwar sowohl im Hinblick auf die Vermeidung von Tierquälereien als auch im Hinblick auf die nutzbringende Funktion freilebender Tiere. Verboten sind nach dem Tierschutzgesetz in der Neufassung 17.2. 1993 u.a. das Töten ohne einsichtigen Grund, Tierquälerei (unnötiges, rohes Mißhandeln von Tieren), das Schlachten und Kastrieren ohne vorhergehende Betäubung, die Verwendung schmerzbereitender Tierfallen, die zwangsweise Fütterung und das Aussetzen von Tieren, um sich ihrer zu entledigen (bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe, Geldbuße bis 50000 DM). Genauen Vorschriften sind mit etwaigen Leiden verbundene wiss. Versuche mit Wirbeltieren, der gewerbsmäßige Tierhandel und die Massentierhaltung unterworfen.

11.10 Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e._V.

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V., Abk. BBU, 1972 gegr. Zusammenschluß von rd. 1000 Bürgerinitiativen und zahlr. Einzel-Mgl., der die Erhaltung und Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen, den Schutz der Natur und der durch Umweltgefahren bedrohten öffentl. Gesundheit anstrebt; Sitz: Frankfurt am Main.

11.11 Stichmannüber Umwelterziehung

Ziel der Umwelterziehung ist es, zu einer möglichst umweltschonenden Lebens- und Wirtschaftsweise zu gelangen. Dazu bedarf es

a) der Einsicht in ökologische und ökonomische Zusammenhänge, woraus sich
b) ein durch Wissen fundiertes Umweltbewußtsein ergibt, das aber zur Bewältigung der Umweltprobleme nicht ausreicht.

Zentralere Aufgabe ist es, vom Wissen zum Handeln zu gelangen:

- Zur Mündigkeit im politischen und gesellschaftlichen Leben;
- zu einer vielseitigen Handlungskompetenz;
- vor allem aber zur Bereitschaft, für die Lebensführung, für den Alltag wie für die Freizeit Konsequenzen zu ziehen.

So leicht man fordert, "global zu denken und global zu handeln", so schwer ist dies angesichts

- der globalen Vernetzung der Ã-kosysteme,
- der Fernwirkung der Eingriffe,
- der oft langen Zeiträume zwischen Eingriff und Auswirkungen,
- der für die sinnliche Erfahrung unzugänglichen Langsamkeit aber Stetigkeit negativer Entwicklungsprozesse.

Trotz der unendlich vielfältigen, weltumspannenden Vernetztheit aller Phänomene verlangen Struktur und Entwicklung menschlichen Denkens und Erlebens

- eine Kompartimentierung der großen Systeme,
- eine Zentrierung der globalen Umweltprobleme auf die Erlebnis- und Erfahrungswelt des Einzelnen (persönliche Betroffenheit),
- eine Fokussierung auf sinnlich Wahrnehmbares (originale Begegnung).

Was für die originale Naturbegegnung gilt, läßt sich auf die Auseinandersetzung mit allen Bereichen der menschlichen Umwelt ausweiten:

"Man schützt am behutsamsten, was einem lieb und wertvoll ist;

man liebt vor allem was man auch versteht;

man lernt etwas leichter zu verstehen, wenn man es wirklich kennt;

man kennt vor allem das, was man sinnlich und möglichst erlebnishaft (ggf. sogar spielerisch) kennengelernt hat;

am besten lernt man etwas durch die originale Begegnung kennen."

Die Vielzahl der bereits angebotenen Wege ist groß. Die nachfolgende umsortierte Stichwortsammlung kann sie nur andeuten:

- Natur erleben - die Sinne wieder für die Natur sensibilisieren,
- praktische Naturschutzarbeit fördern, - an Umweltwettbewerben teilnehmen, - Natur- und Umweltbegegnungen fördern (durch Waldschulen, Jugendwaldheime, Schulbauernhöfe, Schulgärten, Umweltzentren, Infozentren; durch Wanderungen, Fahrten, Exkursionen, Besichtigungen; durch Lehr-, Lern und Erlebnispfade).
- Konflikte spielerisch lösen (Rollenspiele), - Umweltprobleme durch Computersimulation erschließen

Stichmann:

- Natur erleben sei wichtig, helfe allein aber auch nicht weiter; emotionale und kognitive Elemente müßten auf allen Stufen miteinander verwoben werden.
- Informationen über den Ernst der Lage seien unerläßlich, aber sie müßten auf die jeweilige Zielgruppe behutsam abgestellt sein; die Konsequenzen zu starker und zu schwacher Reize müßten von Fall zu Fall bedacht werden.

11.12 Motive für die Arbeit an außerschulischen Lernorten

1. Umweltbezug des Lernens durch originale Begegnung mit dem Phänomen
2. Rückgewinnung von unvermittelten Erfahrungsräumen
3. Situationsbezogenes Lernen in realen Kontexten
4. Fächerübergreifendes, problem- bzw. objektbezogenes Lernen
5. Entdeckendes und forschendes Lernen in gemeinsamen Projekten
6. Entwicklung von Einstellungen und Werthaltungen durch persönliche Betroffenheit
7. Möglichkeiten zu eigener Urteilsbildung durch direkte Auseinandersetzung

11.13 Spurensuche in der Landschaft als Beitrag zur Umwelterziehung

Vom Hochgebirge einmal abgesehen, gibt es in Mitteleuropa keinen Quadratmeter Boden, dessen Zustand und Bewuchs nicht schon zuvor â “ z.T. erstmalig vor Jahrtausenden und oft über Jahrhunderte hinweg â “ durch menschliches Wirken mehr oder weniger intensiv mitbeeinflußt wurden. Jedwede Landschaft ist Kulturlandschaft, die gegenwärtige Natur Mitteleuropas immer zugleich auch ein Kulturprodukt und damit die weitere Entwicklung von Natur, Landschaft und â “Umwelt der bedeutendste Kulturauftrag.

Angesichts der Reichweite dieser grundlegenden Feststellung überrascht es, wie unzureichend in der Regel Ã-kologie und Umweltschutz die Frage der historischen Entwicklung der Landschaft, der Landschaftselemente und Biotoptypen, der Pflanzen- und Tierwelt und der Umweltsituation unter dem Einfluß des Menschen in ihren Untersuchungen und v.a. in ihren Formulierungen von Zielvorstellungen berücksichtigen. Erst in jüngster Zeit mehren sich die Bemühungen, die Umweltgeschichte zur Bewältigung aktueller Umweltprobleme und die historische Geographie z.B. für die Landschaftsplanung nutzbar zu machen.

11.13.1 Phänomene entdecken und hinterfragen

Jede Landschaft mitsamt ihren Bestandteilen als Resultat sowohl natürlicher Gegebenheiten als auch kultureller Aktivitäten des Menschen zu begreifen, ist das zentrale Anliegen der hier als "Spurensuche in der Landschaft" beschriebenen Geländearbeit mit Schülern der verschiedenen Schulstufen. Die gegenwärtige Situation von Natur und Umwelt, v.a. der Landschaft ringsum, wird immer zugleich auch als etwas geschichtlich Gewordenes betrachtet. Überall sind in der Landschaft Phänomene zu entdecken, die nur vor dem Hintergrund früherer Aktivitäten des Menschen zu verstehen sind. Solche Zeichen menschlichen Wirkens in der Landschaft aufzuspüren und zu hinterfragen, will eingeübt sein. Bei entsprechender Fragehaltung gelangt man durchaus zu Erfolgen, Schüler und Lehrer gleichermaßen zu motivieren und zu einem neuen Verständnis von Landschaft und Umwelt zu bewegen.

Darüber hinaus gibt es gleich mehrere Ziele, die mit der Spurensuche in der Landschaft zu verfolge sind:

- Die Schüler lernen bewußter zu sehen, Merkwürdiges wahrzunehmen, nach Gründen und Zusammenhängen zu fragen.
- Sie versuchen registrierte Phänomene zu erklären, entwickeln Hypothesen und überprüfen sie mir verschiedenen Methoden und erfahren hierbei den praktischen Wert dieser Methoden.
- Sie werden mit dem eigenen Lebensraum intensiver vertraut und gelangen unter Umständen auch zu einer stärker emotional motivierenden Aufgeschlossenheit für bestimmte Elemente der Natur und der Landschaft ringsum.
- Sie beginnen sich zunehmend mit ihrem eigenen Lebensraum zu identifizieren, was oft die Bereitschaft erhöht, sich für dessen Schutz und positive Entwicklung einzusetzen.

Die Spurensuche in der Landschaft kann auf sehr unterschiedliche Weise erfolgen, z.B.:

a) auf einem vom Lehrer oder Experten ausgewählten Rundweg, auf dem über einen Arbeitsbogen (Quizpapier) Denkanstöße, Anregungen für Beobachtungen und Hinweise auf Besonderheiten gegeben und Fragen und Aufgaben gestellt werden (gebundene Form des Lernpfades);
b) bei einer offenen Form durch den Auftrag, bei einer Wanderung oder beim Streifen durch eine bestimmte Fläche alles zu registrieren, was an landschaftlichen Besonderheiten â “ von Veränderungen des Reliefs bis zu den Wuchsformen der Bäume â “ auf menschliche Eingriffe hindeutet.
c) in ähnlicher, aber etwas gezielteren Form mit der Aufgabe, nach Spuren einer bestimmten Art zu suchen (z.B. Industrie, Bergbau, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserbau, Verkehrswesen, Siedlung);
d) als gezielte Nachforschung nach Spuren, die man nach den Studium historischer Karten, heimatkundlicher Literatur oder alter Fotos und Gemälde oder aufgrund von Flurnamen oder von Aussagen älterer Mitbürger an bestimmten Orten vermutet;
e) im Rahmen themenzentrierter Arbeit, die auf konkrete Fragen Antworten sucht, die zusätzlich durch Spuren belegt werden könnten, wie z.B. die Frage nach dem früheren Verlauf eines Flusses, nach der ehemaligen Ausdehnung des Waldes oder eines Hochmoores, nach der Trinkwasserversorgung des Heimatortes früher und deren Entwicklung bis heute.

11.13.2 Eine alt bewährte Methode mit neuer Intention

Die Spurensuche in der Landschaft ist ein Teil des Unterrichts "vor Ort" wie es für den Heimatkunde-, Erdkunde-, und Biologieunterricht zunächst einmal nichts Neues ist. Auf Das Nahraumkonzept mit dem bekannten Unterrichtsprinzip "Vom Nahen zum Fernen" und die stärkere Einbeziehung der Umwelt der Schüler setzten schon die Reformpädagogen im ersten Drittel unseres Jahrhunderts. Dieses Unterrichtsprinzip hat auch heute noch Gültigkeit, es ermöglicht originale Begegnung und damit am ehesten den immer wieder geforderten Unterricht mit "Kopf, Herz und Hand", der sowohl induktiven Erkenntnisgewinn als auch den erlebnis- und handlungsorientierten Zugang ganzheitlich erfahrbarer Phänomene zu fördern. - Elemente der Erlebnispädagogik und Gedanken der Arbeitsschulbewegung, während sich Intentionen und Inhalte neuen Aufgaben stellen.

Im Gegensatz zur Geographiedidaktik wird in der Umwelterziehung der Schwerpunkt auf die Analyse der Vergangenheit gelegt, d.h. auf die Spuren, die der Mensch in der Landschaft hinterlassen hat, und die Beschreibung der gegenwärtigen Situation mit ihren Problemen und deren Lösungsmöglichkeiten auf die Entwicklung von Zukunftsmodellen, in denen sowohl die Defizite als auch die Anreicherungen, die auf menschliches Wirken in der Landschaft zurückgehen, nachdrücklich zu berücksichtigen sind. Der Wandel, der sich in der Vergangenheit vollzog und seine Spuren hinterließ, muß beim Nachdenken über die Zukunft und die Zukunftsplanung stets mitbedacht werden.

Darin sieht auch die Umwelterziehung ihre wichtigste Aufgabe. Wenn man in England Flächen kennt, deren Böden infolge des Bergbaus in der Römerzeit bedenklich hohe Schwermetallgehalte aufweisen, dann sollte so ein Phänomen schon ein besonderer Anlaß dafür sein, auch über die Frage nachzudenken, für welche Zeiträume unsere heutigen Abfalldeponien gesichert werden müssen. Aber nicht nur die chemischen Spuren der Umweltbelastung in früherer zeit lassen aufhorchen. Die Umweltgeschichte korrigiert manches lange Zeit verfälschte und romantisierte Bild: die Wachholderheide in Westmünsterland ist ebenso wenig ein Rest Urnatur wie der fälschlich so genannte Bentheimer "Urwald", sondern Ergebnis menschlicher Eingriffe in die Landschaft, die eben nicht alle so konstruktiv waren, wie die Anlage von Wallhecken, Kopfbaumreihen und Streuobstwiesen.

11.13.3 Beispiele für Zeugen der Landschaftsgeschichte

Zahl, Art und Alter der Spuren der Landschaftsgeschichte sind in einzelnen Gemarkungen sehr unterschiedlich. Die kleinflächig strukturierten Landschaften NRWs sind naturgemäß reicher ausgestattet als die großflächig uniformen. Viele Spuren der Geschichte heimischer Landschaften sind nach dem 2. Weltkrieg verlorengegangen. Flurbereinigungsverfahren haben dazu entscheidend beigetragen. Erst in jüngster Zeit wurden Landschaften und Landschaftselemente als wertvolles historisches Erbe betrachtet und verteidigt. Dabei sollte die Erhaltung von Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Natur und Landschaft (§1 BNatSchG) allein schon ausreichen, um den Blick stärker auch auf die geschichtlichen Spuren menschlichen Wirkens in der Landschaft und auf historisch bedingte Landschaftsbilder zu lenken.

In den verschiedenen Natur- und Kulturräumen von NRW gibt es sowohl einander sehr ähnliche als auch deutlich raumspezifische Phänomene, die als Spuren der Landschaftsgeschichte erfaßt und interpretiert werden sollen. Bsp. siehe 5.1.2 bis 5.1.8

11.13.4 Zwischen Museum und Geschichtslosigkeit

Jede Kulturlandschaft ist gekennzeichnet durch Dynamik. Sie museal zu konservieren kann ebenso wenig Sinn der Schutzbemühungen sein wie die Verharmlosung oder gar Verherrlichung jedweden Umgang unserer Vorfahren mit jener Umwelt, die sie zu ihrer Zeit antrafen. Die Argumente für den Schutz historischer Landschaften, Landschaftselemente und â “spuren können in etlichen Fällen von solchen des Arten- und Biotopschutzes mit gestützt werden. etwa die Argumente zur Erhaltung von Stollen und Pingen mit dem Hinweis auf Überwinterungsplätze für Fledermäuse und Feuersalamander.

11.13.5 Die Auswertung der gefundenen Spuren

Welche Erkenntnisse über die Suche, die Beschreibung und die Interpretation der Spuren in der Landschaft vermittelt werden sollen, muß jeweils für den Einzelfall entschieden werden. Die Aufarbeitung und Sicherung der Ergebnisse kann ebenfalls auf unterschiedliche Weise erfolgen. In jedem Falle aber muß ein faßbares Ergebnis, ein Handlungsprodukt, am Ende stehen. Das gilt v.a. für den Projektunterricht, aber auch für Aktivitäten von Arbeitsgemeinschaften, eigentlich für die gesamte Umwelterziehung. Es sind Handlungsprodukte anzustreben, die über die Arbeitsphase hinaus wirken, sichtbar sind oder die Ergebnisse der Spurensuche in irgendeiner Weise dokumentieren.

Für die unterrichtliche Arbeit kommen beispielsweise in Betracht:

- eine Dokumentation der Spuren mit Fotos, Zeichnungen und Kartenausschnitten, möglicherweise als Wandzeitung oder als kleine Veröffentlichung;
- eine Darstellung des Landschaftswandels auf einer Abfolge von Karten vom Urmeßtischblatt bis zur Gegenwart;
- der Bau von Modellen zum Landschaftswandel mit dem Ziel einer Ausstellung in der Schule, einer Sparkasse oder im Schaufenster eines Geschäfts im Schulbezirk;
- die Entwicklung von Texten für ein Quiz für jüngere Schülerjahrgänge oder für einen Lehrpfad, der sich an jedermann wendet und die zuvor entdeckten Spuren aufgreift;
- die Nutzung der Beiträge zu einem Kataster historischer Landschaftselemente, das dem Rat oder der Verwaltung der Kommune oder dem Heimatverein übergeben wird;
- die Einbringung bestimmter Ergebnisse in die Landschaftsplanung oder andere Fachplanungen, ggf. in die Planung von Schutzgebieten, etwa wenn es sich um besonders erhaltenswerte Objekte oder Biotope handelt;
- die Ergänzung des schulischen Standortplans oder Fundortachives um für den Unterricht besonders geeignete historische Bestandteile der Kulturlandschaft zu haben;
- die Formulierung einer Eingabe an zuständige Behörden oder eines Leserbriefes für den Fall, daß Ergebnisse der Geländearbeit einerseits Eingriffsplanungen und anderseits Handlungsbedarf signalisieren;

· etc.

Eine Auswertung der Arbeitsergebnisse findet oft auch dadurch statt, daß die Schüler angesichts ihrer Nähe die Orte der Geländearbeit wieder aufsuchen oder wiedersehen und bei dieser Gelegenheit sich selbst erinnern und vielleicht auch anderen ihre Kenntnisse weitergeben. Als im eigenen Lebensraum gegenwärtige Bezugsfälle behalten die erarbeiteten Spuren dann ihren besonderen Wert, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die ganz persönliche Sicht der gegenwärtigen und der künftig angestrebten Umweltqualität.

11.14 Zusammenfassung Umwelterziehung

Umwelterziehung soll den Menschen vom Wissen zum Handeln bewegen, die Handlungsbereitschaft muß erhöht werden.

Ziele der Konferenz von Tiflis

grundlegendes Ziel:

- Dem Einzelnen und Gruppen das komplexe Wesen der natürlichen und künstlichen Umwelt verstehen zu lehren.
- Zusammenwirken biologischer, physikalischer, sozialer, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten (·Interdisziplinarität)

weitere Ziele:

- erforderliche Kenntnisse, Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und praktische Fertigkeiten zu lehren, um verantwortungsbewußter und wirksam am Erkennen und Lösen von Umweltproblemen und an der Gestaltung der Umweltqualität teilzuhaben.
- wirtschaftliche, politische und ökologische Interdependenz der Welt aufzuzeigen.
- Entscheidungen und Handlungen einzelner Staaten haben internationale Rückwirkungen.
- Entwicklung von Verantwortung und Solidarität der Völker und Regionen als Grundlage einer internationalen Ordnung.
- Bewahrung und Verbesserung der Umwelt

Ziele der Umwelterziehung (nach Eulenfeld 1979)

"Umwelterziehung aktiviert alle menschlichen Betätigungsfelder und Betätigungsmöglichkeiten, indem neben Wissen, Verstehen und Interpretieren auch Kommunizieren, gefühlsmäßiges Erleben und Engagieren sowie körperliches Betätigen gleichrangig gefördert werden."

- Die Anfänge der Umwelterziehung stammen aus den angelsächsischen Raum, v.a. aus England (schon 1965 bekannt).
- Die UNESCO hat den Begriff auf der Konferenz von Tiflis definiert.
- Die Umwelterziehung muß aufzeigen, daß Umwelt global zu betrachten ist:

a) es gibt nur eine Erde
b) alle Güter der Erde sind begrenzt
c) enger Zusammenhang zwischen Umwelterziehung und Entwicklungspolitik ( s. brennende Ã-lfelder in Kuwait)

Aussagen über Umwelterziehung

- Umwelterziehung ist mehr als "Unterricht über Umweltschutz"
- Umwelterziehung meint "sämtliche pädagogischen Bemühungen zur Intensivierung des Erlebens und der Reflexion der Umwelt".

Unterschied zwischen Umwelterziehung und Ã-kologie

- Ã-kologie ist eine naturwissenschaftliche Disziplin.
- Die Umweltforschung benutzt die Ã-kologie zum Beantworten von Umweltfragen. Hier werden normative Gründe in den Vordergrund gestellt. D.h. man benötigt hierfür einen Grund, z.B. alle Tiere müssen erhalten bleiben. Es ist eine Forderung, die aus eigenen Wertesystemen entsteht, egal aus was für Beweggründen.
- Tierschutz: Naturschützer will eine Art oder Sippe erhalten, wogegen der Tierschützer auf das Individuum ausgerichtet ist

Standortbestimmung der Umwelterziehung heute

· Problemorientiertheit: Umwelterziehung soll sich an spezifischen Problemen orientieren

- vom Phänomen her Zusammenhänge verdeutlichen

- Situationsorientiertheit: Umwelterziehung geht von der real erfahrbaren Umwelt aus. - "vor Ort"-Erfahrung: Phänomene in der unmittelbaren Umgebung.

- Handlungsorientiertheit: Weg von der Schule, die nur auf Wissen basiert (Wissen um seiner selbst Willen), sondern Wissen, das die Funktion hat, Wissen über die Umwelt zu erlangen, um handeln zu können (ganzheitlich).

· Interdisziplinarität: Umwelterziehung ist fächer- und berufsübergreifend.

Methodischer Ansatz zur Aktivierung sehr verschiedener menschlicher Betätigungssfelder "Lernen mit Kopf, Hand und Herz"

a) in Wertsetzung der Umwelt: wenn ich die Umwelt nicht wahrnehme, kann ich sie auch nicht begreifen, sie nicht schätzen zu lernen. (Kopf + Herz)
b) Umweltprobleme bewußt machen: Welche Probleme gibt es hier? · Situationsorientiert
c) Naturbetätigungsfelder in der unmittelbaren Umgebung
d) Möglichkeit von Wandertagen und Klassenfahrten nutzen (Hand)
e) Informations- und Umweltzentren nutzen (Kopf)
f) Problemlösungen deutlich machen
g) Nicht das Gefühl der Hilflosigkeit "Wir da unten, ihr da oben") vermitteln, sondern auch politische Bildung gehört dazu, um die Möglichkeiten unserer Demokratie aufzuzeigen.

- nicht reden über Fakten und Daten, sondern: Fördern der Fähigkeit und Bereitschaft konkrete Probleme zu lösen. Handlungsergebnisse erzielen (Handlungsorientiert)
- selbst etwas tun, in die Entwicklung eingreifen.

Umwelterziehung als eigenes Fach?

Umwelterziehung als eigenes Fach, Zuordnung zu einem Fach oder Unterrichtsprinzip?

Möglichkeiten:

- "Teamteaching" - Lehrer unterschiedlicher Fachrichtungen unterrichten in Großgruppen - erfolglos.

· Fachlehrer alle dazu bewegen, zeitgleich die selbe Problematik zu unterrichten - planbar, aber nicht durchführbar.

Lösung:

- kein Fach "Umwelterziehung", da Umwelterziehung nicht das Lösen von Fachproblemen ist, sondern fächerübergreifend ausgerichtet sein muß.

·Ein Lehrer muß in der Lage sein, ein Umweltproblem so zu begreifen, daß er es fächerübergreifend, ganzheitlich den Schülern näher bringen kann - Unterrichtsprinzip.

Umwelterziehung soll also darauf zielen, zu Veranschaulichen, daß die Erde nicht wächst, dafür aber die Bedürfnisse der Menschen sowie die Bevölkerungsdichte. Desweiteren muß die Vernetztheit des Systems vermittelt werden.

Details

Seiten
37
Jahr
1998
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95806
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
Schlagworte
Umwelterziehung Universität Dortmund Seminar Umweltpädagogik

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Titel: Umwelterziehung