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Literatur um die Jahrhundertwende

Referat / Aufsatz (Schule) 1999 14 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

1 Einleitung

2 Haupteil
2.2 Der Realismus
2.2.1 Definition des Realismus
2.2.2 Dichtung des Realismus
2.2.3 Erzählliteratur des Realismus
2.3 Der Naturalismus
2.3.1 Definition des Naturalismus
2.3.2 Literatur des Naturalismus
2.4 Gegenströmungen zum Naturalismus
2.4.1 Decadence und Fin de Siécle
2.4.1.1 Definition der Literaturströmung
2.4.1.2 Aktualisierung
2.4.2 Der Jugendstil
2.4.2.1 Definition des Jugendstils
2.4.2.2 Lyrik des Jugendstils
2.4.3 Der Impressionismus
2.4.3.1 Definition des Impressionismus
2.4.3.2 Literatur des Impressionismus
2.4.4 Die Neuklassik
2.4.4.1 Definition der Neuklassik
2.4.4.2 Bezug zur Klassik
2.4.5 Die Heimatkunst
2.4.5.1 Definition der Heimatkunst
2.4.5.2 Formale Darstellung
2.4.6 Die Neuromantik
2.4.6.1 Definition der Neuromantik
2.4.6.2 Erzählliteratur der Neuromantik
2.4.6.3 Vertreter der Literaturströmung
2.4.7 Der Symbolismus
2.4.7.1 Definition des Symbolismus
2.4.7.2 Sprache und Vertreter
2.4.8 Die Arbeiterliteratur
2.4.8.1 Die Entwicklung der Arbeiterliteratur
2.4.8.2 Literarische Gattungen der Arbeiterliteratur
2.4.8.3 Sprache und Form
2.5 Der Expressionismus
2.5.1 Herkunft des Expressionismus
2.5.2 Definition des Expressionismus
2.5.3 Erste des Expressionismus
2.5.4 Franz Kafka
2.5.5 Zweite Phase des Expressionismus
2.5.6 Literatur des Expressionismus

3. Resümee

Deutsche Literatur um die Jahrhundertwende

Das Thema dieser Hausarbeit befaßt sich mit den Literaturepochen- und strömungen der Jahrhundertwende. Dabei ist wichtig zu nennen, daß alle Strömungen aus dem Realismus entstanden sind. So muß man, um die anderen Epochen zu verstehen, den Realismus als Grundlage in die Betrachtung mit einbeziehen. Es folgt der Naturalismus mit seinen Gegenströmungen und sich der danach anschließende Expressionismus. Die Fragen, die ich in dieser Arbeit beantworten möchte, sind folgende: Welche Ziele verfolgten die Autoren in den einzelnen Epochen? Was war für sie typisch und welche Gegenströmungen gab es? Um die Literatur um die Jahrhundertwende verstehen zu können, ist es wichtig, die historischen Hintergründe vorab zu klären. Der Realismus ist im Besonderen geprägt von der Bismarck`schen Politik, sowie vom einsetzenden Imperialismus, der sich unter der Wilhelminischen Politik bis zum Ersten Weltkrieg entwickelt. Gesellschaftliche Aspekte zu jener Zeit sind die sich im Höhepunkt befindende Industrialisierung, die damit verbundene Urbanisierung und der Pauperismus. Von den politischen Hintergründen beeinflußt, setzen sich die Dichter mit den gesellschaftlichen Problemen in ihren Werken auseinander. Besonders auf Kafka möchte ich eingehen, da er dies, in meinen Augen, am besten verwirklichte.

Der Realismus

Die Literaturepoche des Realismus setzt noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert ein und ist eine Gegenströmung zur Klassik und der romantischen Kunstauffassung. Er wendet sich gegen die für die Romantik typische Wirklichkeitsfremde und allem Idealistischen und Exemplarischen der Goethezeit. Gekennzeichnet ist er durch Sach- und Dinggebundenheit, dem Versuch einer objektiven Wirklichkeitsdarstellung, genauen Zustandsbeschreibungen und dem Rückgriff auf Zeitungsmeldungen und Gesellschaftsnachrichten. Die Kunst des Realismus soll ein wahres Bild des menschlichen Lebens darstellen. Dadurch wird eine exakte Milieuschilderung vorgenommen, wobei die Personen so charakterisiert werden, daß das Typische ihrer Zeit erkennbar ist. Mit dem Wort ,,typisch" ist gemeint, daß Erscheinungen für bestimmte Gruppen, Schichten und Klassen und historische Tendenzen im politischen, sozialen und geistigen Sinne repräsentativ und wesentlich sind. Die weitgehenden technischen und wirtschaftlichen Ursachen sind die Gründe für das Aufkommen des Realismus, denn die Menschen haben keinen Sinn mehr für romantische Schwärmereien sondern sind eher nüchtern, diesseitsgewandt und wirklichkeitsnah.

Die Dichtung ist realistisch und will die Wirklichkeit beschreiben. Es soll nicht das erträumte Leben gezeigt werden, wie es die Klassiker taten, sondern es soll so beschrieben werden, wie es im Hier und Jetzt ist. Die Hinwendung zum Alltäglichen und zur Natur, als reale Begebenheit ist die Grundlage dieser Epoche, jedoch wird keine Kritik an gesellschaftlichen oder politischen Verhältnissen laut. Man kann dadurch von einem oberflächlichen Optimismus reden, der über die Probleme der Zeit hinwegtäuscht. Das heißt, bürgerliche Literatur ist die Dichtung des Realismus. Diese stellt das Leben des Großbürgertum dar, während das kleinbürgerliche Milieu so wenig in den Blick kommt, wie die soziale Lage der Fabrikarbeiter.

Die Erzählliteratur, als Vertreter der Epik, wie z.B. Novellen, Romane und Erzählungen nehmen schnell zu. Gesellschaftsromane wie ,,Effi Briest" von Theodor Fontane geben Einblicke in die Gesellschaft des deutschen Kaiserreiches. Historische Romane, Bildungs- und Abenteuerromane werden zu beschreibenden Darstellungen des Realismus. Diese sind aber weder in der Lyrik noch im Theater angemessen zu dokumentieren. Im Drama gibt es keine neuen oder nennenswerten Entwicklungen. Nur Friedrich Hebbel ist als einziges Talent anzusehen, der mit ,,Maria Magdalene" das erste bürgerliche Trauerspiele des 19. Jahrhunderts schrieb. Die Lyrik wird von einem Übergang der Erlebnislyrik zur Symbolischen Bildlyrik bestimmt. Durch die zunehmenden problematischen Verhältnisse des Einzelmenschen zu seiner Umwelt rücken die traditionellen Gattungen des Erlebnis- und Stimmungsgedicht in den Hintergrund, jedoch die Ballade und das Dinggedicht in den Vordergrund.

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts löst sich die bislang recht einheitliche Epoche des Realismus in verschiedene Stilrichtungen auf.

Der Naturalismus

Der Naturalismus (1880-1900) wird als ,,...künstlerische Richtung, die sich um die unmittelbare Naturnachahmung bemüht und bestimmte Ausschnitte der natürlichen oder gesellschaftlichen Wirklichkeit mit den je eigenen literarischen, bildnerischen oder musikalischen Mitteln ,,naturgetreu" wiedergeben will " (Deutsche Literaturgeschichte, Metzler, S.309) definiert. Das Ziel der Autoren ist es, den Mensch bzw. die Natur nicht als Bild, sondern als Abbild zu betrachten und zu gestalten. Sie sind darum bemüht, die sinnlich erfahrbare Wirklichkeit und die Natur exakter wiederzugeben und verzichten vollkommen darauf diese zu poetisieren, ganz im Gegensatz zu den Realisten. Das Beschreiben von den kleinsten Einzelheiten, mit einer fotografischen Genauigkeit, wird dazu verwendet, um ein getreues Spiegelbild der Umwelt zu schaffen. Dazu gebrauchen die Naturalisten nur die Eindrücke, die auch nur mit den fünf Sinnen des Menschen wahrnehmbar sind. Dies nennt man den Positivismus, der gleichzeitig auch die Grundlage für den Naturalismus darstellt. Er geht davon aus, daß nur das existiert, was durch die Sinne wahrnehmbar und durch wissenschaftliche Experimente nachweisbar ist. Ebenfalls wird der Positivismus davon gekennzeichnet, daß der Einzelne durch drei Faktoren der ,,race" (Herkunft), ,,milieu"(soziale Umgebung) und ,,temps"(Zeitumstände) bestimmt wird. Dies wird unverändert auf die Literatur und Kunst übertragen und erklärt, warum der Naturalismus, Darstellungen des sozialen Elends, des Häßlichen, des Hungers, der breiten Masse und des Kampfes entwickelt. Das Mitleid gegenüber den Opfern der Industrialisierung und den erbarmungswürdigeren Menschen, ließen Dichter wie Gerhard Hauptmann, Arno Holz und Emil Zola zur Feder greifen.

Im Naturalismus ist das Drama die vorherrschende Gattung. Der dramatische Dialog und die ausführlichen Regieanweisungen scheinen am besten dazu geeignet, Lebensverhältnisse und psychologische Eigenheiten darzustellen. Jedoch steht, im Gegensatz zum Drama, die naturalistische Lyrik und auch die moderne Großstadtlyrik hinter der des Impressionismus und Symbolismus. Die ,,Heidebilder" (1890) von Liliencron, Stefan Georges ,,Das Jahr des Seele" (1897) und Gedichte anderer, befruchteten die Lyrik der nachfolgenden Generationen. Leider bleibt auch das Romanschaffen der deutschen Naturalisten hinter dem Europas zurück. Nur beispielsweise Max Kretzers ,,Meister Timpe" bildet die Ausnahme.

Gegenströmungen zum Naturalismus

Decadence, Fin de Siécle

Mit der Literaturepoche Fin de Siécle entwickelt sich eine ganz neue Art der Gegenströmung zum Naturalismus. Während der Naturalismus die Kunstauffassung hat, alles so detailliert wie möglich darzustellen, versucht diese Epoche, die auch als Dekadenz bezeichnet wird, sich mit dem Ende des Jahrhunderts und den damit verbundenen Ängsten der Menschen auseinander zu setzten. Die Ängste drücken sich in der Literatur so aus, daß die Schriftsteller eine besondere Vorliebe für schwierige Seelenzustände entwickeln. Die ganze Literatur tendiert zu einem leichten Weltschmerz. So ist die Seele des Menschen der Hauptgestaltungsgegenstand mit ihrer ganzen Tiefe und Weite. Das Lebensprinzip der Autoren und Anhänger dieser literarischen Strömung werden von der Gestaltung von Niedergangserscheinungen, Verinnerlichung, Askese, Melancholie sowie dem Bekenntnis des Verfalls bestimmt.

Ebenfalls erscheinen diese Lebensauffassungen als Inhalte von Novellen und als Motive in Theaterstücken. Verfeinerte psychologische Analysen, impressionistische Stilverfahren und eine gekonnte literarische Technik der Schilderung mitmenschlicher Beziehungen dienen als Grundlage des europäischen Fin de Siécle.

Die Angst vor dem 20. Jahrhundert verlief wahrscheinlich damals ähnlich, wie die heutige vor der Jahrtausendwende. Das Geschäft mit Angst vor dem endgültigen Aus boomte damals wahrscheinlich so wie jetzt. So war diese Zeit geprägt von Fragen über den Verfall der Gesellschaft und dem Aus der Menschheit. Ein vorläufiger, sowie aktueller Höhepunkt für dieses Bestreben war die Sonnenfinsternis am 11. August diesen Jahres. Wahrsager wiesen darauf hin, daß die Finsternis den Beginn des Untergangs der Menschheit darstellen sollte.

Der Jugendstil

Die Epoche des Jugendstils ist ebenfalls eine Gegenströmung des Naturalismus und bezieht sich hauptsächlich auf die angewandten Künste. Deshalb ist die Übertragung des Jugendstils auf die Literatur sehr umstritten. Jedoch ist eine kunstvolle Stilisierung und die Verknüpfung von Kunst und Leben kennzeichnend für diese Literaturepoche.

Gedichte sind voll von Reimen, Alliterationen und Vokalharmonie. Dieses betonte Spiel mit den Lauten wird von einem anziehenden Rhythmus unterstrichen und schafft eine Beziehung, die die Selbständigkeit einzelner Worte oft völlig zurücktreten läßt. Stefan George schafft es, das Gleichgewicht von Laut und Sinn in der Sammlung ,,Das Jahr der Seele" (1897), in welcher einige der schönsten Gedichte der neueren deutschen Lyrik zu finden sind, herzustellen. Sie beinhalten die Bekenntnisse einer Einsamen, im Wechsel der Jahreszeiten, durch Wehmut und Intimität bestimmten und zugleich farbigen Poesie.

Schließlich steht man gegen 1900 einer Vielzahl von literarischen Modeströmungen gegenüber. Dazu zählen der Impressionismus und Symbolismus ebenso wie die Neuromantik, Neoklassik und Heimatkunst.

Der Impressionismus

Die literarische Stilrichtung des Impressionismus kommt aus der französischen Freilichtmalerei und stützt sich auf die Dichtungen Baudelaires, Verlaines und Prousts. Gleichzeitig ist er mit eines der wichtigsten Gegenstücke zum Naturalismus. Sie entstand dadurch, daß Autoren sich nicht mehr mit den Dichtungsidealen des Naturalismus identifizieren konnten und um 1890 neue Konzeptionen und Intentionen suchten. Die Dichter versuchen nun, genau wie die Naturalisten, eine Augenblicksstimmung einzufangen und geben momentanen Eindrücken (Impressionen), also dem subjektiven Wahrnehmen von Erscheinungen, mit assoziierten und ins tiefste Detail gehenden Empfindungen, wieder. Sie lehnen es ab, in ihren Werken nur die Realität abzubilden, sondern konzentrieren sich auf das Naturobjekt, welches der Anreiz und Auslöser für seelische Regungen ist. Einzelbeobachtungen werden sinnvoll aneinandergereiht und ein mosaikartiges Verfahren angewendet, welches den Beobachter mit der ihn umgebenden Welt eins werden läßt.

Durch eine erhebliche Armut an Handlung bringt der Impressionismus auch kaum bedeutende Dramen hervor. Nur Schnitzlers ,,Anatol"(1893), ,,Liebelei" (1895) und ,,Der grüne Kakadu" (1899) fanden einen festen Platz auf den impressionistischen Bühnen. In der Epik tendiert man auch nur zu kleineren Skizzen und Novellen, wie beispielsweise Thomas Manns ,,Tonio Kröger" (1903). Die impressionistischen Lyriker wie Liliencron , Dehmel und Dauthendey schufen Gedichte von bleibendem Wert. Ebenfalls wurde durch Schnitzler der Innere Monolog in die deutsche Sprache eingeführt, welcher es dem Dichter ermöglicht, eine enge Beziehung zwischen der literarischen Figur, der Welt, die sie umgibt und dem realen Leser aufzubauen. Damit wird bewirkt , daß sich dieser gleichsam in das erfundene Geschehen eingebunden glaubt.

Die Neuklassik

Auch die Neuklassik richtet sich gegen den Naturalismus und wendet sich ebenfalls vom Impressionismus und der Dekadnzrichtung ab. Die klassische Form und Strenge, Hervorhebung des ideellen Gehalts der Dichtung und die Gattungseinheit werden verwendet, um ein aristokratisches Lebensgefühl auszudrücken und bestimmte Werte darzustellen. Wilhelm von Scholz und Paul Ernst (,,Der Weg zur Form" 1906) gründeten diese Literaturströmung um die Jahrhundertwende, jedoch gilt Isolde Kurz als Vorläuferin. Wie der Name dieser Strömung schon sagt, werden die Ziele der Klassik neu belebt. Unter anderem wird das klassische Humanitätsideal wieder aufgegriffen, um den Menschen eine Richtung in ein besseres Zusammenleben zu weisen. Dazu zählt, daß das zwischenmenschliche Harmoniebestreben durch Optimismus, Offenheit und Ehrlichkeit geprägt wird.

Die Heimatkunst

Diese Literaturströmung wird durch die Gattungen der Dorfgeschichte und des Bauerndramas, welche beide aus dem Realismus stammen, gebildet. Sie richtet sich gegen die Dekadenz, Verständigung, Intellektualisierung, Verfeinerung und Internationalisierung und strebt somit nach der Pflege des Bäuerlichen und Bodenständigen. Die durch die Industrialisierung entstandenen chaotischen, sozialen Verhältnissen in den Städten führen zu einer Gesellschaft, in der die althergebrachten Normen langsam zerbrechen. Aus diesem Grunde sehnen sich die Vertreter der Heimatkunst zurück in eine Art Dorfidylle, wo Regeln und Vorschriften noch immer Bestand haben und nicht zerstört sind.

,,Dem Stoffgebiet nach Heimatkunst, in der Form vorwiegend Erzählung, trägt ihre gesamte geistige Haltung und Darstellung zunächst die charakteristischen Merkmale des beginnenden Realismus." (Deutsche Literaturgeschichte, Metzler S.293) Mit diesem Zitat trifft Alvaters Definition den Kern. Zugleich verbirgt sich in dieser neuen Literaturströmung ein neues Kulturprogramm, welches eine Geschlossenheit des Weltbildes fordert. Damit wird für die Leser in den Städten die Heimat zu einem zeitlosen, idyllischen Urbild der Wirklichkeit, und die Heimatverbundenheit ruht auf dem Ausdruck einer inneren irrationalen Haltung. Formale Aspekte, wie z.B. Parallelisierung Mensch- Natur; Erklärung menschlichen Handelns und menschlicher Charaktere aus der Landschaft; der heimatlichen Gewohnheit und der Sitte, leisten dieser Entwicklung einen Vorschub. Natur und Landschaft werden somit zur Kulisse und zum Stilmerkmal der Epoche. Außerdem weißt die Heimatkunst allgemeinmenschliche Verhaltensweisen auf und nimmt keine Rücksicht auf Stand oder Klasse.

Die Neuromantik

In der Neuromantik werden die alten Motive, Sinnbilder und Symbole aus der Romantik noch einmal neu aufgegriffen. Diese Stilrichtung ist ebenfalls aus dem Realismus neu entstanden und stellt außerdem eine Gegenströmung zum Naturalismus dar. Die Neuromantiker richten sich gegen die einseitige Betonung des Materiellen und gegen die verstandesmäßige Darstellung der alltäglichen Welt. Kennzeichnend für diese Richtung ist, wie in der Romantik, das Abwenden von der Gegenwart und das Hinwenden zur Vergangenheit. Dem Leser wird in romantischen Texten eine Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag angeboten, wobei das Besondere, bzw. das Außergewöhnliche, Wunderbare und Geheimnisvolle thematisiert wird. In epischen Texten, wie z.B. dem Roman, werden in der Neuromantik wieder Sehnsüchte hineinprojeziert, die man im Naturalismus vernachlässigt hat. Er ist tolerant gegenüber Phantasie und interessiert an ungewöhnlichen, nicht alltäglichen Schicksalen, Helden der Vergangenheit und die Schönheit besonderer Augenblicke.

Bedeutende Vertreter für diese Strömung sind Rilke, Hugo von Hofmannsthal und Stefan George. Einer der bis heute noch berühmtesten Vertreter dieser Epoche, Stefan Zweig, war ein Meister der kleinen Form. Er verstand es, in der Novelle und dem Essay feine Seelenschilderungen abzubilden. Werke über Kleist, Hölderlin und Maria Stuart, was schon Schiller bearbeitet hatte, zeugen von besonders guten Darstellungen der romantischen Züge.

Der Symbolismus

Die krasseste Gegenströmung des Naturalismus, der Symbolismus, hat seinen Ursprung in Frankreich. Seine Vorbilder sind Baudelaire, Verlaine, Marlane und Stephane. Er wendet sich konsequent gegen eine Wirklichkeitswiedergabe und lehnt den Sinn der Kunst und ihren Zusammenhang mit gesellschaftlichen Bedingungen ab. Die Vertreter dieser Epoche glauben nicht, daß sich die politischen, psychischen, moralischen oder sozialen Zustände verändern können. Sie versuchen vielmehr die Kunst als Mittel dafür zu sehen. Durch Abstraktion und Entdinglichung lassen sie eine tiefere Wirklichkeit hinter der sichtbaren Realität erkennbar werden. Das Ziel des Symbolismus besteht darin, nicht nur den Verstand des Lesers anzuregen, sondern er solle auch seelisch für Dinge, die hinter der ihrer Meinung nach stehenden Realität, empfänglicher werden.

Um den Sachverhalt der Symbole auszudrücken, bedienen sich die Autoren des Symbolismus einer Art ,,Musikalität der Sprache" (Blickfeld Deutsch, S.325), welche sehr anspruchsvoll und künstlerisch ist. So werden Satzzeichen vermieden und auf die Großschreibung verzichtet. Durch Symbole soll dem Menschen ,,die Geheimnishaftigkeit der Welt und seines eigenen Wesens" (Blickfeld Deutsch, S. 325) dargestellt werden. Ähnlich wie die Romantiker versuchen die Symbolisten in eine tiefere gefühls- und seelenbetonte Sphäre einzutauchen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß Stefan George und Hugo von Hofmannsthal, die eigentlich bei den Neuromantikern eingeordnet werden, auch im Symbolismus wichtige Vertreter sind.

Die Arbeiterliteratur

Das anonyme Weberlied ,,Das Blutgericht" von 1844 ist der Beginn der proletarischen Lyrik in Deutschland. Darausfolgend entstehen eine Vielzahl von Webergedichten, unter anderem von Freiligrath, Pfau, Weerth und Heine. Der Inhalt dieser Lyrik wird hauptsächlich von dem sentimentalen Mitleid für das Elend der Weber bis zum revolutionären Appell (Heine: ,,Deutschland wir weben Dein Leichentuch") gekennzeichnet. Die frühe Arbeiterlyrik erscheint nicht in Buchform sondern in Zeitungen und wird häufig in der Öffentlichkeit gesungen oder rezitiert. Die Klassendichtung entstand aus der Gelegenheitsdichtung, die für das aktuelle, politische Ereignis geschrieben wurde. Sie ist ausschließlich an die Organisationsformen der Arbeiterbewegung gebunden, weil sie ihr Publikum nur im Proletariat sieht. Im Jahre 1900 erscheint die erste Sammlung früher Arbeiterlyrik. Der Name dieser Anthologie heißt ,,Stimmen der Freiheit" und ihr Hauptthema beschäftigt sich mit der optimistischen Zuversicht auf die Veränderung der Verhältnisse und somit nicht mit den sozialen Problemen der Arbeiterklasse. Die alltägliche Misere wird aufgehoben und eine sozialistische Zukunftsperspektive in den Vordergrund gestellt.

In der Lyrik der Arbeiterliteratur wird die Natur nicht zitiert, sondern als Allegori für politische Situationen bzw. Perspektiven benutzt. Neben der griechischen Mythologie werden christlichen Festen durch Allegorien einen politisch-funktionalen Sinn verliehen. Beispielsweise wird aus Weihnachten die Geburt des Sozialismus und aus Ostern die Auferstehung des Proletariats. Als Mittel der proletarischen Selbstdarstellung und der Agitation ist das Theater als literarische Form am geeignetsten. Es bildet sich unabhängig vom bürgerlichen Theater in Arbeitervereinen heraus.

In der Sprache der Arbeiterlyrik herrscht meistens das ,,Wir" vor. Folglich ist sie antisubjektiv und antiindividualistisch, statt dessen gebunden zu Klassen und Parteien. Außerdem weißt sie dadurch einen unpersönlichen Zug auf und ist aus diesem Grund eine stets politisch und kollektive Klassensprache. Das Vokabular besteht meistens aus dem Wortschatz des Sozialismus und dem bürgerlichen Idealismus. In der Form stützt sie sich auf die klassischen Vorbilder wie Ode, Stanze und Sonett.

Der Expressionismus

Der Expressionismus richtet sich gegen die ,,Eindrucks"-Kunst des Impressionismus und Symbolismus, der den Ausdruck des inneren Lebens und nicht die Vorstellung von äußeren Erscheinungen darstellt. Der Name, der einzigen noch ungefähr abgrenzbaren literarischen Epoche des 20. Jahrhunderts (1910-1925), stammt von dem lateinischen Wort ,,expressio" ab und steht im Deutschen für ,,Ausdruck".

Die Künstler des Expressionismus sehen das Leben als sinnlos und verlogen an. So verwenden sie einen leidenschaftlichen Pathos um ihren Vorstellungen von einer neuen Brüderlichkeit und menschenwürdigen Dasein Ausdruck zu verleihen und geben sich mit der Darstellung der Realität nicht zufrieden. Sie wollen die Wirklichkeit verändern und, ihren Idealen anpassen. Diesen Zusammenhang nennt man ,,Aktivismus" und er wurde von dem Literaten Kurt Hiller geprägt. Dessen Ziel ist es, den Menschen von den Zwängen der Maschinenwelt und es modernen Kapitalismus zu befreien.

Man kann den Expressionismus in zwei Phasen einteilen. In der Frühphase thematisieren die Künstler den Generalkonflikt, auch genannt die Vater - Sohn - Problematik, die auch Franz Kafka in seinem ,,Brief an den Vater" verarbeitet. Damit lehnen sie sich gegen die väterliche aber auch im weiteren Sinne gegen die staatliche Autorität.

Wie eben schon angesprochen setzte sich der am 3.7.1883 in Prag geborene Franz Kafka mit dem Vater-Feind-Bild auseinander. Er war von Natur aus kontaktarm, ängstlich, sensibel und introvertiert. Außerdem war er in seinen jungen Jahren einem starken und erfolgreichen Vater ausgeliefert, der ihn bevormundete und unterdrückte. Besonders deutlich wird das Verhältnis zwischen Vater und Sohn in dem folgenden Zitat: ,,Für mich so ungeheuer maßgebend - durch beständig Vorschriften und Verbote für mich niederdrückend - der Du Dich selbst an die Gebote nicht hieltest, die Du mir auferlegtest - wo ich, der Sklave, lebte unter Gesetzen, die nur für mich erfunden waren." , welches aus dem ,,Brief an den Vater" stammt. Daß Kafka nie den Brief an seinen Vater abschickte, beweist eigentlich nur welchen Respekt er vor seinem Vater hatte, nicht umsonst wird er, der ,,Dichter der Angst und Hoffnungslosigkeit" (Deutsche Literaturgeschichte, Haerkötter, S.104) genannt. Die Angst wird zum Mittelpunkt seiner Weltanschauung, die gleichzeitig ein Beleg dafür ist, das er dem Existentialismus, einer Philosophie des Expressionismus, angehörte. In der Erzählung ,,Die Verwandlung" (1916) sind die Anschuldigungen seines Vaters, daß Franz Kafka ein ,,Mistkäfer" sei, wahr geworden. Die Hauptperson gerät bei Kafka nicht nur ständig in Konflikt mit der Hierarchie seiner Familie, sondern er ist auch stets einsam und somit dem unweigerlichen Untergang ausgeliefert. Man erlebt in diesem Werk wie langsam der zum Mistkäfer gewordene Sohn einer Familie, aus ihr herausgedrängt wird und dadurch keinen Ausweg aus dem Verderben finden kann. Dieses Buch trägt autobiographische Züge, in dem die für Kafka unterdrückende Familiensituation deutlich wird. Nur durch die junge Dora Demant konnte er sich vom Elternhaus lösen. Doch sein Leben war durch die Erziehung so geprägt worden, daß er sich ständig mit ihm konfrontiert fühlte. Eine Krankheit zwang ihn zur Rückkehr nach Prag, was für ihn die endgültige Niederlage gegenüber seinem Vater bedeutete. So starb er am 3.6.1924 bei Wien. Er war einer der bedeutesten Dichter des 20. Jahrhunderts und seine Werke gelten heute als die wichtigsten der Weltliteratur.

Die zweite Phase des Expressionismus ist bestimmt von dem Ersten Weltkrieg und dessen Folgen. Die Expressionisten konzentrieren sich auf dieVerbesserung der Welt mit Hilfe der Literatur und klagen die menschliche Wahrhaftigkeit in ihren Werken an. Dadurch entsteht eine klare Gegenposition zum Militarismus, Kapitalismus und zur Industrialisierung, also alle Entwicklungen, die die Entfremdung des Menschen zu verantworten haben.

Die literarischen Gattungen, Lyrik und Drama, sind die meist angewandten Gattungen des Expressionsmus. Die Lyrik wird vorallem vom Impressionismus und Naturalismus beeinflußt. Außerdem wird an den Sturm und Drang angeknüpft, da meist das Gefühl über dem Verstand gestellt wird. Die Sprache der Lyrik des Expressionismus wird gekennzeichnet durch extreme Subjektivität, Leidenschaftlichkeit, Pathetik, Dynamik und bizarre Bildlichkeit. Im Drama sehen die Literaten die beste Möglichkeit, Gegensätze die man im Dasein erblickt, darzustellen. Mit dem Abwenden vom Realismus und Naturalismus folgt auch eine Abkehr zum bis dahin gepflegten Bühnenrealismus. Dies bedeutet, daß die Autoren keine individuellen Figuren, sondern nur modellhafte Typen zeigen, die Stoffe transportieren sollen.

Ich hoffe meine Arbeit hat gezeigt, daß die Literatur um die Jahrhundertwende sich inhaltlich und stilistisch sehr in ihren Stilepochen unterscheidet. So stehen Gefühle, Stimmungen, Eindrücke und Beschreibungen, die auf den Leser wirken sollen, im Vordergrund. Zusammenfassend kann man behaupten, daß sich die Schönheit der Kunst gegen den Materialismus durchsetzte. Ursachen für die Epoche der Moderne (1890-1920) waren die pessimistische Ahnung eines kulturellen Untergangs , der sich besonders in der Stilepoche der Dekadenz niederschlug.

Da ich leider nur mit Sekundärliteratur arbeiten konnte, blieb mir der tiefgründige Eindruck leider verschlossen. Somit kann ich nur sagen, daß ich neugierig auf diese Epoche geworden bin, und die Eindrücke, die mir verschafft worden, sehr interessant finde. Jedoch kann ich, mangels Lesen von Werken dieser Epoche, es nicht genau beurteilen, ob ich Gefallen an ihr haben werde.

Dichter wie die Gebrüder Mann, die in ihren jungen Jahren als Vertreter des Expressionismus galten, führten diese Epoche weiter in die Weimarer Republik, wo unter anderem Herman Hesse großen Einfluß hatte.

Literaturverzeichnis

1. ,,Deutsche Literaturgeschichte in einem Band", Prof. Dr. Hans Jürgen Geerdts (Hg.), Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, Berlin, 1966.
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3. ,,Blickfeld Deutsch", Oberstufe, Peter Mettenleiter und Stephan Knöbl (Hg.), Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, 1991.
4. ,,Geschichte der deutschen Literatur im 19. Jahrhundert", Vom Vormärz zum Naturalismus, Hans Günther Thalheim (Hg.), Sonderausgabe der Bände 8,1 und 8,2 der Geschichte der deutschen Literatur, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, Berlin, 1987.
5. ,,Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1870 - 1900", Von der Reichsgründung bis zur Jahrhundertwende, Peter Sprengel, Band IX,i der Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart, C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München, 1998.
6. ,,Geschichte der deutschen Literatur", Von 1830 bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts, Hans Günther Thalheim (Hg.), 8 Band, 1. Halbband, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, Berlin, 1975.
7. ,,Geschichte der deutschen Literatur", Vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis 1917, Hans Günther Thalheim (Hg.), 9.Band, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, Berlin, 1974.
8. ,,Kleine Geschichte der deutschen Literatur", Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Viktor Zmegac (Hg.), 6. Auflage, Beltz Athenäum Verlag, Weinheim, 1997.
9. ,,Deutsche Literaturgeschichte", Heinrich Haerkötter, 48. Auflage, Winklers Verlag Gebrüder Grimm, Darmstadt, 1990.
10. ,,Deutsche Literatur Geschichte", Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Wolfgang Beutin, Klaus Ehlert, Wolfgang Emmerich, Helmut Hoffacker, Bernd Lutz, Volker Meid, Ralf Schnell, Peter Stein und Inge Stephan, 5. Auflage, J.B. Metzler Verlag Stuttgart-Weimar, Stuttgart, Weimar, 1994.
11. ,,Neue deutsche Literaturgeschichte", Von Ackermann zu Günter Grass, Peter J. Brenner, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, 1996.
12. ,,Literaturgeschichte kurzgefaßt", Eva - Maria Kabisch, Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart, 1985.
13. ,,Literaturgeschichte", Textband, Christoph Wetzel, Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart, 1988.
14. ,,Abitur Training", Deutsche Literaturgeschichte Grund- und Leistungskurs, Claus J. Gigl, Stark Verlagsgesellschaft mbH, Freising, 1993.
15. ,,Deutsche Literatur", Eine Sozialgeschichte, Weimarer Republik - Drittes Reich: Avantgardismus, Parteilichkeit, Exil 1918 - 1945, Horst Albert Glaser (Hg.), Band 9, Rowohlt Taschenbuchverlag GmbH, Reinbek, 1983.

Details

Seiten
14
Jahr
1999
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95768
Note
13 Punkte
Schlagworte
Literatur Jahrhundertwende Deutsch

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Titel: Literatur um die Jahrhundertwende