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Hesse, Hermann - Der Steppenwolf

Referat / Aufsatz (Schule) 1999 12 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Autorin: Kerstin Schulz

Hermann Hesse: Der Steppenwolf

1. Der Handlungsplan

Übersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort des Herausgebers

- fiktiver Herausgeber schildert Bekanntschaft mit Harry Haller

- H.H., ein Mann um die 50, mietet sich im bürgerl. Haus der Tante eine kleine, möbilierte Mansardenwohnung

_ S.9 Beschreibung desäußerl. Erscheinungsbild

- Eindringen in die Wohnung aus Mißtrauen & Neugier:

verwahrloste Whng. eines Intellektuellen: verstaubt, vollgestopft mit Büchern, Zeitschriften, leeren Wein- & Schnapsflaschen, Zigarrenresten

- ungeselliges Leben ohne Beruf und tgl. Pflichten, besucht Bibliotheken und Konzerte...

- Gespräch: Haller aus ,,gutbürgerlichen" Familie - Erinnerungen, kann jedoch nicht mehr so leben, Bezeichnung selbst als Steppenwolf

- einerseits Eindruck eines abgeklärten Menschen, alle Gedanken schon gedacht, auf viele Fragen Antwort

- andererseits kein Ehrgeiz, zu überzeugen oder sich hervorzutun, Gegenteil; Selbstkritik & Selbsthaß

- eines Tages wieder verschwunden, Aufzeichnungen über seine realen & traumatischen Erlebnisse

Harry Hallers Aufzeichnugen (I)

- Motto ,,Nur für Verrückte", in Ich-Form

- früheres Schicksal: zusammengebr. Familienleben, Frau geisteskrank geworden, Trennung; als Schriftsteller national. Srömungen entgegengestellt, mit Haßtiraden beschimpft

- bürgerlicher Lebensstil anziehend wie abstoßend, Zeit als bürgerlich & geistlos

- fühlt sich als Steppenwolf und ruppiger Eremit: teilt keine Ziele, empfindet keine Freunden der Welt

_ S. 40 /41 Hallers Kulturverständnis

- in der Altstadt, eine alte Mauer, plötzlich aufleuchtende Schrift (Anschein): ,, Mag. Theater. Eintritt nicht für jedermann"

- anschließend farbige Lichtbuchstaben auf regennassem, spiegelndem Asphalt: ,,Nur für Verrückte"

- Heimweg, Mann mit Bauchladen und Plakat: ,,Anarchist. Abendunterhaltung! Mag. Theater! Eintritt nicht für jed..." - kein Gespräch, jedoch ein auf schlechtes Papier gedrucktes Jahrmarktbüchlein

Tractat vom Steppenwolf. Nur für Verrückte

- Unterbrechung der eigentlichen Romanhandlung

- Verallgemeinerung der Probleme des Steppenwolfs, Sachlichkeit (objektive Perspektive) · Verwendung wissenschaftl. Forschungsergebnisse, jedoch assoziative Schreibweise: Gedankenverknüpfung im Bild und Vergleich, anschauliche Beschreibung

- Schicksalsproblematik um die Zwiespältigkeit eines Menschen namens Harry mit einer ,,menschlichen" und ,,wölfischen" Seele

- beide Seelen im Gegensatz zueinander, Kontrolle und Bekämpfung; selten Ergänzung

(Glücksmoment Hallers): Leiden zwischen polarer Spannung: Wolf als das Triebhafte, Wilde & Chaotische, Mensch als das Geistige, Sublimierte oder doch Kultivierte

- jedoch nur vereinfachte Hilfskonstruktion: Mensch aus tausend Wesen/Seelen bestehend - lediglich äußere Einheit (Körper) läßt an innere Einheit glauben

_ S. 68/69 Bürger dem Steppenwolf gegenübergstellt

- Bürgertum trotzdem stark und gedeihend und nie untergehend, zuzeiten sogar die Welt beherrschend: lakonisch, wegen der Steppenwölfe

_ S.66/67 Charakteristika des Steppenwolf

- Steppenwölfe durch bürgerl. Erziehung in Abhängigkeit bürgerl. Leben & Denken, Outsider

- Drang nach Freiheit, Unabhängigkeit führt zu innerer Isolation

- selbstmordgefährdet - bringt sich nicht tatsächlich um, jedoch Gedanke als letzte Fluchtmöglichkeit

- Andeutung einer Hoffnung: Erlangen der Ausgeglichenheit durch Humor

- Humor, d.h. Erheben über die eigenen Schwächen und Unfähigkeiten in der Erkenntnis des unüberbrückbaren Zwiespalts von Ideal und Wirklichkeit

- Humor nur beim Lösen der inneren Konflikte - als Ergebnis von Selbsterkenntnis - möglich

Harry Hallers Aufzeichnugen (II)

- Konfrontation mit eigenem Ich und Erinnerung an ein Gedicht von ihm _ S.87/88

- Erinnerung an Halluzination auf der Kirchmauer - innerer Aufruf zum Ausbruch aus den Fesseln der Bürgerlichkeit

- Professorenerlebnis: Einladung, Erinnerung an alte Diskussionen, doch Lächerlichkeit da ,,artiger Professor" als Repräsentant seiner Verachtung - offener Zusammenstoß - letzte fehlgeschlagene Chance, mit sich und Lebensbedingungen fertig zu werden,

Selbstmordgedanken

_ S.111 Widerstreit zwischen Todeswunsch & Sehnsucht nach Leben

- lernt schließlich im Vorstadtswirtshaus junge Frau kennen - Hermine, eine Prostituierte mit unkonventionellem Leben

- Hermine errät seine Probleme, hält ihm Einseitigkeit vor (zu viel studiert, zu wenig gelebt), redet ihm Selbstmordgedanken aus und führt ihn in eigene unkomplizierte Welt ein

_ S.163 Seelenverwandtschaft mit Hermine: Spiegel für ihn (versteht ihn)

- zeigt Welt des Tanzen & der Jazzmusik, der Drogen und der Prostitution

- Prostituierte Maria bringt viele schöne Liebeskünste bei

- bleibt trotzdem unruhig, Träume nicht erfüllbar

_ S.194/95 Leiden an der Welt

- Maskenball: Höhepunkt, am Schluß Besonderes geplant

- Versetzung in ein Opiumrauch durch Pablo, den Saxophonist - Durchlauf des Magischen Theater

- Vernichtung der eigenen Persönlichkeit durch Auslachen des Spiegelbildes

- anschließend Betrachtung zahlloser Harrys in einem Wandspiegel - Abbilder seines eigenen Ichs

- plötzlich alleine vor vielen Türen mit zum Eintreten verlockenden Aufschriften

- im Reich ohne Zeit und Realität, voller phantastischer Bilder

- Hochjagd auf Automobile: Maschinenschlacht, grausame Vision eines zukünftigen Krieges, Technik als selbstzerstörerische Tendenz der Zivilisation

- erfährt die Anleitung zum Aufbau der Persönlichkeit und erlebt die Wunder der Steppenwolfdressur

- trifft Mozart, erlebt mit ihm den letzten Akt des ,,Don Giovanni", hört Mozart lachen - das Lachen der Unsterblichen, einen Klang aus der ewigen Gegenwart

- sieht Pablo und Hermine erschöpft nach Liebesspiel, ersticht aus Eifersucht (gespiegelte) Hermine mit (gespiegeltem) Messer

- Reife und Befreiung nicht erlangt: besudelte phantastische Bilderwelt - Strafe: Lachen der

Unsterblichen

- sitz mit Pablo nochmals zusammen, weiß, er wird das Figurenspiel besser spielen

_ S.277/78

Faust-Vergleich

- Haller, wie Faust zu Anfang: alternder Mann mit gesamter intellektueller Bildung der Zeit

- jedoch Frage bitterster Ekel am Leben: gewillt durch Selbstmord ein Ende zu bereiten

- Bewahrung vor der Selbstvernichtung durch rechtzeitiges Eingreifen eines übersinnlichen Wesen

- ein das Verbotene bedenklich streifende Übereinkommen: an die Überlieferung gemahnender Teufelspakt

- Einführung in jene Gebiete der Existenz, deren Kenntnis sie bislang zu ihrem Schaden allzu sehr vernachlässigt haben: verwandte Sphären der Weltkenntnis, der Liebe und Sinnlichkeit

- Liebesverhältnis Haller & Maria - Faust & Gretchen

- großer Maskenball - Walpurgisnacht

2. Entstehungsgeschichte

Enstehungsgeschichte

- Nov. 1924 Mietung einer kleinen möbilierten Mansardenwohnung in Basel (Hesse ist 47), Beginn der Arbeit am Steppenwolf

- Belastungen: zwei gescheiterte Ehen hinter sich, Erkrankung der zweiten Frau an Lungenturbukulose, erste Frau oft in pychiatr. Behandlung, Sorge um drei Kinder

- Winter 1925/26 und 1926/27 in Zürich

- Jan. und Febr. 1926 Teilnahme an verschiedenen Maskenbällen, extra Tanzstunden

- um Jahreswechsel 1926/27 sechs Wochen Tag-und-Nacht-Arbeit am ,,ProsaSteppenwolf" (Gegensatz ,,Steppenwolf" Gedichte)

- 11. Jan. 1927 Beendigung der Reinschrift des ,,Prosa-Steppenwolf"

- Juni 1927 Erscheinen der Buchausgabe ,,Der Steppenwolf" im S. Fischer Verlag, Berlin (nach mehreren Teilvorabdrucken und Vorlesungen)

Entstehungszeit

1927 erschienen

- mitten in der krisengeschüttelten Weimarer Republik

- durch die technische Entwicklung verändertes, oft widersprüchlichem Erscheinungsbild (Tradition - Experiment) in Kunst und Kultur

- ,,Goldene Zwanziger" mit vielen Formen trivialer Unterhaltung, aber auch Prostitution und Drogenhandel

,,Allerlei Lebenswertes steht eigentlich auch in meinem ,Steppenwolf`, einem Roman, der mit mehr Bewußtsein und mehr Kunst gebaut ist, als seine Kritiker ahnen. Da jedoch die bürgerliche Presse dieses Buch als böse und unanständig ablehnt, scheint es in der Tat nicht empfehlenswert zu sein."

(ironische Eigenempfehlung Hesses)

3. Literarische und sprachliche Form

Realistisches und Modernes Erzählen im ,,Steppenwolf"

Kennzeichen traditioneller Erzähltechnik: Kennzeichen moderner Erzähltechnik:

- eine Hauptperson - kein ,,Held" mehr

- klarer und übersichtlicher Handlungsverlauf - Verschachtelung mehrerer Handlungsebenen

- Zeit: chronologischer Ablauf

- eine Perspektive: meist auktorial

- formal einheitlich

- realitätorientiert

- eine Sprachebene

- Zeit: Raffung, Dehnung, Sprünge

- Perspektive kann häufig wechseln

- unterschiedliche Teile

- Verknüpfung von Realität, Unterbewußtsein, Vorstellungen

- Sprach: viele Ebenen (vulgär - wissenschaftlich)

- keine ungewöhnliche, parallele Verwendung alter und neuer Formen

- Entwicklung neuer Formen aus alter

- verschiedene Perspektiven und Formen fordern zum Nachdenken auf:

- Perspektiven im Steppenwolf:

- Vorwort des Hrsg.: auktorial (Wie wird Haller von außen gesehen?)

- H. Hallers Aufzeichungen: subjektiv (Wie geht Haller mit seinen Problemen um?)

- Tractat: objektiv (Welche Erklärung gibt es?)

- jedoch gegenseitige inhaltliche Unterstützung

- äußerlich formal unterschiedliche Teile sind sprachlich einheitlich

Wortwahl und Satzbau

- Grund Hesses` Population in der Sprache mit ihren verschiedenen Besonderheiten

Sprache ist sehr suggestiv (seelisch beeinflussend, vorstellungsmäßig bestimmend):

- Eindruck durch häufig wiederkehrende Begriffe, starke Bilder und Metapher

- Verstärkung der Aussage durch Häufung von Adjektiven und Adverbien:

- einfaches Aneinanderreihen: eine feine edle Empfindung

- ungewohnte Begriffsverbindungen: schauerlich komisch und verlegen

- Ironie gibt Interpretationsrichtung vor:

- verdeckte Ironie: einen schönen Gedanken

- offene Ironie: dieses ganze edle Theater, eine sogenannte gute Tat

Satzbau:

- inhaltlich bestimmter Gegensatz ,,Wolf" und ,,Mensch" auch in der Satzstruktur gespiegelt:

,,[...] wenn Harry als Mensch [...], dann bleckte der Wolf [...] - und, vom Wolf aus

gesehen, wurde dann jede menschliche Handlung [...]"

einerseits:

- Sprache durch Bildhaftigkeit anschaulich und direkt (Blut saufen, Zähne blecken)

- ständige Betonung des Grundproblems (antithet. Satzbau, widersprüchl. Begriffsverbindungen)

- leichte Orientierung durch Häufung bedeutungsgleicher Adjektive und Begriffswiederholung

andererseits:

- suggestive Wirkung durch Anschaulichkeit gepaart mit wiederholter, aber nicht präzisierter Begrifflichkeit und durch eine übersichtliche Handlungsstruktur

- breiter Spielraum für den Wunsch nach Indentifikation

- sehr große Gefahr von Mißverständnis und Fehlinterpretation

d.h.: sehr attraktive sprachliche Form für unterschiedl. Leserschichten, aber deshalb sehr unterschiedl. auslegbar

4. Zum Verständnis: Leitmotive und Symbole Thema: Bewahren und Finden der Persönlichkeit

,,Man mußan Stelle der zeitgötzen einen Glauben setzen können. Das habe ich stets getan, im ,Steppenwolf` sind es Mozart und die Unsterblichen und das magische Theater [...]"

Die Unsterblichen:

- Hesses Kulturverständnis im Begriff: wenig Interesse an modernen Kulturentwicklungen (wie H. Haller), von einer Welt des ewigen Wertes überzeugt

- (weit verbreitete Auffassung, absoluter kultureller Gipfel v.a. in der dt. Klassik und Romantik)

- für Haller diese Meinung zum Fixpunkt seiner Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt

- Betonung des hohen Stellenwert durch Ewigkeitsattribute: im zeitlosen Raume, kristallne Ewigkeit, Reich Gottes

- in diesem Zusammenhang entwickelt Hesse auch Vorstellung vom Humor, vom Lachen aus der Distanz zu sich, zur Umwelt - eine Qualität der Unsterblichen

Steppenwolf: Doppelnatur Mensch-Wolf

- Wolf, als das einzig lange Zeit in Europa wirklich gefährliche Raubtier, in der Kulturgeschichte meist negativ besetzt

- Wolf als Repräsentant des unberechenbaren Elements, welches in die geordnete Welt einbricht - vom Wege ablockt - und bekämpft werden muß

- Etikettierung triebhafter Verhaltensweisen als ,,Wolf im Mensch" durch S. Freud und C. G. Jung

- Hesse mit Thema und Titel ,,Steppenwolf" voll im Trend der Zeit

- Begriffsverbindung ,,Steppe" - ,,Wolf" von Hesse selbst:

- ,,Steppe" in Verbindung mit unwegsamen, unbewohnbaren Gelände

- ,,Steppe" und ,,Wolf" als Verdichtung des Bildes des Einzelgängers, der einsam umherirrt

_ S. 24 Schilderung des Herausgebers

- Steppenwolf als ziemlich kluger, aber unzufriedener Mensch; nicht nur selbst unglücklich, auch andere unglücklich machend (da er weder Menschen- noch Wolfsnatur verbirgen kann); ein Abendmensch; ausgesprochenes Bedürfnis nach Einsamkeit und Unabhängigkeit, Beziehungsunfähigkeit und zugrunde Gehen als Folge

Das magische Theater

- Magisches Denken als wichtiger Begriff im Roman, für Hesse als ,,Weg zur seelischen

Neueinstellung", es sei ,, das Annehmen des Chaos, Rückkehr ins Ungeordnete, Rückweg ins Unbewußte, ins Gestaltlose, ins Tier zurück, Rückkehr zu allen Anfängen. [...] um uns neu zu orientieren, um an den Wurzeln unseren Seins vergessene Triebe und

Entwicklungsmöglichkeiten aufzufinden, um aufs neue Schöpfung, Wertung, Teilung der Welt vornehmen zu können. [...]"

- auf realistischer Ebene: Opiumphantasie, gleich einem wirren, drängenden und bedrückendem Traum

- auf magischer Ebene: Spiegelung von Hallers Innerem

_ S.224 Erklärung Pablos

- offener Schluß, Optimismus Hallers jedoch unverkennbar

5. Zeitbezüge und Kritik im Werk

- Zeitbezüge für Leser und Kritiker faszinierend wie auch erschreckend

- Warnung vor dem Krieg - Hesse: ,,In diesem Buch habe ich den zweiten Weltkrieg mit lauten warnzeichen an die Wand gemalt und bin dafür ausgelacht worden."

_ S.151/52

- Verknüpfung der Probleme des ,,Helden" H. Hallers direkt mit denen der Intellektuellen in der Weimarer Republik:

- polit. Auseinandersetzungen und zunehmenden Rechtsradikalisierung werden von Haller deutlich kommentiert

- Kulturlosigkeit als ein Hauptübel der Zeit, Hallers Auseinandersetzung mit der Kultur seiner Zeit setzt seine Identitätskrise frei

- Technikfeindlichkeit: Technik als Sündenbock, da Verführung der Leute zur seichten Unterhaltung

- Unterhaltungsszenerie (sichtbarstes Zeichen oberflächlichen Kulturkonsums) als Medium, in dem Hallers zur Selbsterkenntnis finden soll

- zwar aktuelle Probleme, aber fast nur verurteilend: gesellschaftl., soziale und polit. Zusammenhänge bleiben vage oder fehlen ganz

- Hesse setzt dagegen einen engen, rückwärtsgewandten, nur sehr Gebildeten zugänglichen Kulturbegriff

- durch Urteile ohne Basis viel Spielraum für Interpretation und unerwünschte Identifikation

6. Rezeption des Werkes

Hesse bereits im Mai 1927: ,, Ü ber den Steppenwolf höre ich jetzt viel, es ist aber nichts dabei, was mich interessiert. Warum sollte gerade dies Buch verstanden werden! Auch meine nächsten Freunde tun es ja mit Witzen ab."

Hesse räsoniert später weiter: ,,Mein letztes Buch, der Steppenwolf, wird von der gesamten Presse mit freundlichen Mißverständnis begr üß t."

Hesse fünf Jahre nach dem Erscheinen: ,,Der Steppenwolf ist ganz und vollkommen unverstanden geblieben, und dabei sogar, aber aus Mißverständnis, ein Mode-Erfolg gewesen."

Literaturkritik in Deutschland vorwiegend ablehnend, Mißverständnisse:

- ,,neue Form" der Dichtung nicht erkannt, für fragmentarisch gehalten, dabei sei sie ,,wie eine Sonate oder Fuge proportional gebaut"

- Vorwürfe: Hesse wühle im Schmutz, schildere Unzucht, sein ,,Steppenwolf" sei häßlich und jüdisch und handle nur von Schweinereien

- nicht nur die Problembehandlung eines 50järigen: ,,[...] tatsächlich habe ich das Buch dicht vor meinem 50. Jahr geschrieben. Aber daßich dabei an nichts andres gedacht habe als an ein Thema wie etwa ,das Problem des 50järigen`, stimmt natürlich nicht [...]"

- Schluß nicht als ,,Tür ins Unendliche" erkannt: ,,[...] es wäre mir doch lieb, wenn viele von ihnen merken würden, daßdie Geschichte des Steppenwolfes zwar eine Krankheit und Krisis darstellt, aber nicht eine, die zum Tode führt, nicht einen Untergang, sondern das Gegenteil: eine Heilung."

_ Selbstmordreaktion ähnlich wie bei Goethes ,,Werther"

Wandlung in den 60er Jahren: das Buch der jungen amerikanischen Generation:

- Hesse als ,,Meisterführer" in die Zonen psychedelischer Erlebnisse, als Guru der Ausgeflippten

- Timothy Leary, der sogenannte Drogen-Apostel sorgte für entsprechende Popularität: ,,[...] der Roman ist ein soziales Modell, und das Soziale in Hesse ist exoterisch. Auf einer anderen Ebene ist Hesse der Meisterführer zum psychedelischem Erlebnis und seiner Anwendung. Vor deiner LSD-Sitzung solltest du ,Siddhartha` und ,Steppenwolf` lesen. Der letzte Teil des ,Steppenwolfs` ist ein unschätzbares Lehrbuch"

Entwicklung einer Hesse-Rezeption von weltweitem Ausmaß:

- über eine Millionen deutschsprachige Gesamtausgaben

- ,,Steppenwolf" bisher in 30 Sprachen - in einige mehrmals - übersetzt

Quellenverzeichnis:

Pfeifer, Martin: Königs Erläuterungen und Materialien, Bd. 138 - Erläuterungen zu Hermann Hesse: Demian, Siddharta, Der Steppenwolf. Hollfeld: C. Bange Verlag 1994.

Pfeifer, Martin: Analysen und Reflexionen, Bd. 24 - Hermann Hesse: Siddharta, Der Steppenwolf. Hollfeld: Joachim Beyer Verlag 1994.

Zierlinger, Ursula / Deutsch-Leistungskurs der Hohen Landesschule Hanau: LektüreDurchblick, Bd. 312 - Hermann Hesse: Der Steppenwolf. München: Mentor Verlag Dr. Ramdohr KG 1996.

Buchzitate nach:

Hermann Hesse: Der Steppenwolf. Frankfurt a. M.: suhrkamp taschenbuch 1974.

Details

Seiten
12
Jahr
1999
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95737
Note
Schlagworte
Hesse Hermann Steppenwolf Deutsch-LK

Autor

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Titel: Hesse, Hermann - Der Steppenwolf