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Kommunikation zwischen Männern und Frauen

Referat / Aufsatz (Schule) 1999 5 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Referat

Kommunikation zwischen Männern und Frauen

von Christine Reich

Verwendete Quellen:

- Auszug aus: Irmtraud Morgner: ,,Leben und Abenteuer der Trobadora Baeatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura" , Roman, 19.Kapitel
- Deborah Tannen: ,,Du kannst mich einfach nicht verstehen", Goldmann Verlag

Der Auszug aus dem Roman von Irmtraud Morgner zeigt sehr gut, dass Männern und Frauen in unserer Gesellschaft bestimmte Rollen zugeteilt werden. Sind diese Rollen wie in dem Auszug vertauscht, so drängt sich uns das Gefühl auf, dass etwas falsch ist. Es gehört sich nicht für eine Frau sich wie ein Mann zu verhalten, ebensowenig wie ein Mann sich wie eine Frau verhält. Nach der Geschichte lässt sich einteilen, was für einen Mann und was für eine Frau in einer entsprechenden Situation korrektes Verhalten wäre, was also typisch ,,männlich" und typisch ,,weiblich" wäre. Diese Unterschiede will ich kurz in einer Tabelle nebeneinander stellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Tabelle läßt erkennen, dass sich diese Rollenverteilung auch auf das Kommunikationsverhalten von Männern und Frauen auswirkt: Männer neigen dazu in der Kommunikation die leitende Rolle zu übernehmen, nicht zuletzt wird dies auch von Ihnen erwartet. Frauen hingegen neigen gegenüber Männern oft dazu sich passiv zu verhalten und erwarten oft sogar, dass der Mann die Initiative ergreift, um dann mit ihm zu kooperieren und Harmonie zu erzeugen. Dieses sehr unterschiedliche Kommunikationsverhalten beruht nach Studien der Soziolinguistin Deborah Tannen darauf, dass für Frauen und Männer die Kommunikation einen unterschiedlichen Zweck hat.

Für eine Frau hat Kommunikation in erster Linie das Ziel Gleichheit, d.h. Symmetrie, zu erzeugen. Sie möchte auf der Metaebene vermitteln: ,,Wir sind gleich, wir sind uns nahe." Der Austausch von Intimitäten ist aus diesem Grunde extrem wichtig, die dadurch entstehende Abhängigkeit von den Kommunikationspartnern wird nicht negativ, sondern positiv gesehen. Sie ist die Grundlage für die sozialen Bindungen der Frau.

Im Gegensatz hierzu dient dem Mann Kommunikation sehr vielmehr dazu, mit dem Gesprächspartner den Status auszuhandeln und festzulegen, d.h. sein Kommunikationsverhalten geht von Asymmetrie aus. Wer die Führung in einem Gespräch übernimmt, wer mehr Informationen hat, der hat eine dominierende Position. Die Metamitteilung des Mannes ist also: ,,Wie ist unser Verhältnis? Wer hat den höheren Status?" Aus diesem Grunde versuchen Männer gerne sich Kommunikationssituationen zu entziehen, bei denen sie von vornherein wissen, dass sie unterlegen sein werden. So z.B. Gespräche mit einem Vorgesetzten oder Fachmann. Für einen Mann ist es wichtig seine Unabhängigkeit zum Ausdruck zu bringen und deshalb die dominierende Rolle innezuhaben.

Diese kommunikativen Verhaltensmuster, die so unterschiedliche Ziele auf der Metaebene verfolgen, sind die Ursache dafür, dass Männer und Frauen so oft aneinander vorbeireden und sich nicht verstehen. Sie können zwar dasselbe sagen, die Metamitteilungen, die sie damit übermitteln wollen, können aber völlig verschieden sein.

Das unterschiedliche Kommunikationsverhalten lässt sich in der Kindheit beobachten.

Mädchen spielen in kleinen Gruppen und sind innerhalb der Gruppe oft sehr eng miteinander befreundet. Sie tuscheln viel und vertrauen einander Geheimnisse an, um das Gefühl der Nähe und Intimität zu stärken. Ihre Spiele wie Gummitwist, Hüpfkästchen oder ,,Mutter und Kind" unterstreichen die Gleichheit innerhalb der Gruppe, indem die Rollen immer wieder wechseln und jeder einmal an die Reihe kommt. Zum Spiel wird mit Sätzen aufgefordert wie: ,,Wollen wir das spielen?" , ,,Habt ihr dazu Lust?"

Jungen hingegen spielen oft in großen Gruppen. Sie raufen viel, um die Hackordnung innerhalb der Gruppe auszuloten. Meist hat die Gruppe einen Anführer, der den anderen sagt, was gemacht wird. Dieser formuliert seine Wünsche direkt als Befehle: ,,Heute spielen wir das!" , ,,Kommt, ich will jetzt das spielen!"

Auch erwachsene Männer formulieren ihre Wünsche, wenn auch unbewußt, oft als Forderungen, wodurch sich Frauen häufig verletzt fühlen, da sich ihnen das Gefühl aufdrängt, dass der Mann sie unterdrücken will. Dies ist schließlich auch der Fall, nur ist es vielen Männer nicht bewußt.

Ähnlich ist es mit dem Austausch von Gefühlen zwischen Frauen und Männern. Frauen sind schon von Kindheit an gewöhnt, Gefühle mit den ihnen vertrauten Personen auszutauschen. Ihre Beziehungen werden dadurch gefestigt, dass immer wieder die Gleichheit, die Symmetrie betont wird, indem die eine von ihren Problemen berichtet und die andere, indem sie von ähnlichen Erfahrungen mit ähnlichen Gefühlen spricht, ihr das Gefühl gibt, verstanden zu werden, ,,gleich" zu sein.

Für Männer hingegen hat der Austausch von Gefühlen keinen so grundlegenden Wert.

Probleme werden lediglich als Herausforderung angesehen, die es zu meistern gilt. Sie erzählen einander Probleme, um eine Lösung dafür zu finden. Diese Herausforderung ist um so größer, da der, der eine Lösung für das Problem eines anderen anbieten kann, dadurch seinen Status gegenüber dem anderen erhöht, da er eine wichtige Information besitzt, die der andere nicht hat. Kann keine Lösung gefunden werden, werden die Probleme des anderen beschwichtigt und als ,,halb so wild" abgetan. Für Männer zählt also hauptsächlich die Vermittlung von Information, sie haben kein direktes Interesse am Ausdruck von Mitgefühl. In ihrem ,,Rahmen" gesehen, macht dieses Verhalten keinen Sinn.

Daher fällt es Frauen und Männern schwer, miteinander über Probleme zu reden, da sie dabei unterschiedliche Ziele haben. Ein Mann fühlt sich oft verletzt, wenn eine Frau, nachdem er ihr von seinem Problem berichtet hat, von ähnlichen Problemen erzählt. Er hört darin die Metamitteilung: ,,Dein Problem ist doch gar nicht so schlimm. Sieh mal, ich habe dieselben Probleme und werde auch damit fertig, also stell dich nicht so an." Er denkt auf der ,,Statusebene", während die Frau auf ihrer ,,Gleichheitsebene" dachte. Ebenso kann eine Frau sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn sie einem Mann von ihren Problemen erzählt und er dafür sofort eine Lösung parat hat. Während sie gerne von ihm hören wollte, dass er sie versteht und vielleicht ähnliche Sorgen hat, gab er ihr eine Antwort, die Asymmetrie hervorrief. Seine Metamitteilung ist: ,,Siehst du, wie einfach ich dein Problem lösen kann? Das ist doch gar kein echtes Problem!" Er übernimmt aus Sicht der Frau wieder eine dominante Rolle, da er ihr das Gefühl gibt, belehrt zu werden. Grundsätzlich kann es jedoch natürlich auch Situationen geben, in denen der Mann verstanden werden will oder die Frau tatsächlich eine Lösung für ihr Problem haben möchte, in der Tat ist es aber meistens so, dass Probleme eher in gleichgeschlechtlichen Kreisen besprochen werden.

Nicht zuletzt ist diese Problematik auch der Grund dafür, dass Frauen sich sehr viel mehr für diesen Bereich der Kommunikationswissenschaft interessieren, da sie es sehr viel häufiger als Problem ansehen vom anderen Geschlecht nicht verstanden zu werden als Männer.

Der Drang der Männer sich durch Belehrung anderer in ihrem Status kommunikativ aufzuwerten, macht sich besonders im Bereich des öffentlichen Redens deutlich, den Deborah Tannen ,,Berichtssprache" nennt, da hier vor allem sachliche Inhalte vermittelt werden. Männer sprechen oft und gerne öffentlich, wie immer wieder bei den verschiedensten öffentlichen Veranstaltungen, wie Parteisitzungen, Podiumsdiskussion, etc. deutlich wird. Dadurch dass sie hier lehren und dozieren dürfen und die anderen die ,,Belehrten" sind, stehen sie vom Status her gesehen, über allen anderen. Sie neigen oft dazu einen scheinbar endlosen Monolog zu führen und lassen sich nur ungern unterbrechen. Information und ihre Preisgabe sind daher für sie ein wichtiges Machtmittel, ein weiterer Aspekt für sie ist die Unabhängigkeit von anderen, die der Besitz von Information darstellt. Sie nutzen daher nicht nur Gelegenheiten um andere mit ihren Informationen zu belehren, sondern nehmen es gelegentlich auch in Kauf belehrt zu werden, also einen niedrigeren Status einzunehmen, um an Informationen zu gelangen.

Frauen hingegen tun sich in solchen Situationen oft schwer, da für sie die Rolle einer Dozentin eine Asymmetrie erzeugt, die von ihnen nicht gewollt ist. Sie scheuen deshalb oft Situationen, in denen sie sich nur auf die Übermittlung der Informationen beschränken müssen. Wenn sie Informationen vermitteln, sind sie sehr daran interessiert, eine Resonanz von ihren Zuhörern zu erhalten. Sie möchten durch ein ständiges Feedback eine Symmetrie erzeugen. Dies ist aber bei vielen öffentlichen Veranstaltungen nicht möglich, weshalb Frauen in diesem Bereich oft weniger häufig auftreten. Ein weiterer Grund mag vielleicht sein, dass ihr ständiges Bemühen um Resonanz im Publikum von Männern oft als Unsicherheit angesehen und behandelt wird, da sie keinen Sinn in einem solchen Verhalten sehen.

Die Stärke der Frau dagegen ist das private Sprechen, nach Tannen die ,,Beziehungssprache". Ihr fällt es leicht im privatem Kreis zu reden, da hier ohnehin meist eine Symmetrie vorhanden ist und es hauptsächlich darum geht private Dinge wie Gefühle, Erfahrungen, Sorgen etc. auszutauschen. Der gegenseitige Austausch erzeugt ein Gleichgewicht, so dass es zu sehr langen Gesprächen kommen kann, in denen alles Mögliche ausgetauscht wird.

Den Männern erscheint es, dass die Frauen ,,tratschen". Sie reden über scheinbar belanglose Dinge, die keinen wirklichen Informationswert haben. Männern fällt es hier oft schwer Gesprächsstoff zu finden. Hier wollen sie keine Statusunterschiede ausloten, da Freunde und Verwandte meist als ,,statusgleich" angesehen werden. In größeren Gesellschaften fallen sie meist doch wieder in eine Form der Berichtssprache, indem sie einander Witze erzählen und einer den anderen mit dem besseren Witz übertrumpft. Oder sie tauschen wieder Informationen aus, indem sie durch Fachsimpeln einander belehren.

Es gibt noch viele andere Beispiele, auf die sich die Einteilung von Tannen anwenden lässt. Im Großen und Ganzen lässt sich jedoch sagen, dass beide Formen, die Statussprache und die Beziehungssprache, ihre Vor- und Nachteile haben. Während es den Männern so schwer fällt Gefühle auszutauschen kann gerade diese Eigenschaft der Frau zum Verhängnis werden, indem eine andere das ihr anvertraute in Form von Klatsch weitererzählt, denn auch der Austausch von Klatsch kann Symmetrie erzeugen. Ebenso kann die Eigenschaft eines Mannes Informationen weiterzugeben, um einen höheren Status zu erlangen, von anderen als billige Informationsquelle ausgenutzt werden.

Ich denke, dass das Wissen um diese Dinge uns allein schon helfen kann, einander besser zu verstehen. Auch müssen wir immer wieder Metakommunikation betreiben, um mehr über einander zu erfahren.

Letztendlich ist zu sagen, dass es gut ist, dass es beide Seiten gibt und sie sich, wenn man sich ein wenig um Verständnis des anderen bemüht, auch sehr gut ergänzen können.

Details

Seiten
5
Jahr
1999
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95719
Note
Schlagworte
Kommunikation Männern Frauen

Autor

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Titel: Kommunikation zwischen Männern und Frauen