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Lenz, Siegfried - Deutschstunde

Facharbeit (Schule) 1999 18 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. BIOGRAPHIE

2. INHALT DES ROMANS DEUTSCHSTUNDE

3. AUFBAU DES ROMANS

4. HISTORISCHER KONTEXT
4.1. Zusammenbruch des Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

5. INTERPRETATION
5.1. Erzählperspektive/-haltung
5.2. Sprache
5.3. Die Personen des Romans
5.3.1. Jens Ole Jepsen
5.3.2. Siggi Jepsen
5.3.3. Max Ludwig Nansen
5.4. Der Begriff der „Pflicht“ und seine Bedeutung im Roman

6. EIGENE MEINUNG ZU M ROMAN

Literaturverzeichnis

Endnoten

1. Biographie

Siegfried Lenz wurde am 17.März 1926 in Lyck (Ostpreußen) als Sohn eines Beamten geboren. Er wuchs dort auf und erlebte dort den Krieg. Mit 17 Jahren (1943) machte er sein Notabitur und wurde daraufhin in die Kriegsmarine eingezogen. Zwei Jahre später (1945) desertierte er und geriet kurz darauf in englische Kriegsgefangenschaft, wo er als Dolmetscher einer amtlichen Entlassungskommission fungierte. Noch im selben Jahr entließ man ihn nach Hamburg, wo er fortan lebte. Hier widmete sich Lenz dem Studium der Philosophie, Anglistik und Literaturwissenschaften, mit der Absicht, Lehrer zu werden. Nebenbei war er als Journalist für „Die Welt“ tätig, wurde Nachrichten - und schließlich Feuilletonredakteur.

Mit 25 Jahren (1951) wurde er freier Schriftsteller. Ein Jahr später (1952) zeichnete man ihn aus mit dem René-Schickele-Preis als ersten von ungefähr einem Dutzend weiterer Literaturpreise (u.a. Großer Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (1966) oder Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1988)).

Mit 34 Jahren (1960) brachte Lenz mit „ Das Feuerschiff “ seine ersten Erzählungen auf den Markt, mit 42 (1968) veröffentlichte er den Roman „ Die Deutschstunde “. In diesem und im folgenden Jahr hielt er sich vermehrt im Ausland auf, so in Australien und den USA, wo er als Gastdozent an der Universität Houston/ Texas arbeitete.

Zurück in Deutschland engagierte er sich verstärkt im Wahlkampf der SPD und wurde mit 44 Jahren (1970) von Willy Brandt, dem damaligen Bundeskanzler, nach Warschau eingeladen, wo er der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages beiwohnen durfte. Den „Demokratischen Sozialismus“ und die Aussöhnungspolitik mit dem Osten sah Lenz als ergänzendes Gegenstück zu seiner Literatur.

Mit 47 Jahren (1973) begann für Lenz eine Phase intensiven Schreibens mit vier aufeinanderfolgenden Romanen und Erzählungen: „ Das Vorbild “ (1973), „ Heimatmuseum “ (1978), „ Der Verlust “ (1981) und „ Der Exerzierplatz “ (1985). Nicht alle waren unumstritten, doch äußerst erfolgreich.

Im Alter von 64 Jahren (1990) erschien der Roman „ Die Klangprobe “, die harte Kritik an diesem Werk veranlasste Lenz dazu, sich mehr und mehr in sein Privatleben zurück zu ziehen. Auch sein Roman „ Die Auflehnung “ (1994) fand bei den Kritikern keine Anerkennung, erst sein Erzählband „ Ludmilla “ (1996) ließ ihn wieder als verdienten Autor erscheinen. Heute ist Siegfried Lenz 73 Jahre alt und lebt mit seiner Frau nach wie vor in Hamburg.

2. Inhalt des Romans Deutschstunde

Die Hauptfigur des Romans ist der 21-jährige Siggi Jepsen, der während der Jahre 1952 - 1954 in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche eine Strafe wegen Bilderdiebstahls absitzt. An einem Freitag muss er einen Aufsatz mit dem Thema „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Doch Siggi gibt ein leeres Heft ab, da ihm zuviel zu diesem Thema einfällt, als dass er es in einer Stunde zu Papier bringen könnte. Als Strafe für diese Arbeitsverweigerung bekommt er von dem Direktor und Jugendpsychologen Himpel Sonderhaft, die Zeit soll er nutzen, um seinen Aufsatz nachzuschreiben. Doch auch die vorgesehene Zeit reicht nicht aus, um Siggis Gedanken vollständig niederschreiben zu können. Er bittet also darum, weiterhin isoliert vom normalen Anstaltsleben an dem Aufsatz weiterschreiben zu dürfen, was ihm auch bewilligt wird. So füllt er Monat um Monat mehrere Hefte, muss einige Male darum ersuchen, dass der Abgabetermin weiter aufgeschoben wird, bis er schließlich ein Bündel von Heften abgeben kann.

Diese Hefte beinhalten Siggis Rückblende auf für ihn einschneidende Kindheitserlebnisse in Rugbüll während bzw. gegen Ende des Zweiten Weltkrieges.

Im Mittelpunkt seiner Erzählung stehen zwei Personen, da ist zum einen sein Vater Jens Ole Jepsen, nördlichster Polizeiposten Deutschlands, zum anderen Max Ludwig Nansen, ein berühmter Maler.

Im Jahre 1943 ergeht an den Maler von Berlin aus ein Malverbot, da Nansens Werke, die zumeist karge Landschaft, das Meer und die Menschen des Nordens darstellen, nicht in das Konzept des nationalsozialistischen Regimes passen und somit der „entarteten“ Kunst zugeordnet werden. Dieses strikt einzuhaltende Malverbot hat Siggis Vater zu überbringen und zu überwachen. Die jahrelange Freundschaft, die ihn mit dem Maler verbindet und die Tatsache, dass Nansen ihm vor langer Zeit das Leben gerettet hat, halten den Polizisten nicht davon ab, seine Pflicht ordnungsgemäß und ohne Rücksicht auf das bestehende Verhältnis zu erfüllen.

Der zehnjährige Siggi wird Zeuge, wie sein Vater dem Maler nachstellt, ihn bespitzelt und ihn zum Verhör bei der Gestapo abholt. Diese Handlungsweise wird für Siggi zum Problem, denn einerseits hat er einen sehr guten Kontakt zum Maler, hält sich öfters bei ihm in seinem Atelier auf und schaut ihm bei der Arbeit zu, andererseits aber wird er von seinem Vater dazu angehalten, ihm bei der Ausführung seines Auftrags zu helfen. Diese Situation lässt ihn zwiespältig handeln: Er gibt seinem Vater auf dessen Aufforderungen hin einige Male Hinweise auf mögliche Verstecke oder Übertretungen des Verbots, gleichzeitig aber bringt er die Bilder des Malers vor dem Vater in Sicherheit und versteckt sie. Diese Sicherstellung nimmt in dem Maße zu, wie die Pflichtauffassung des Vaters sich zur Freude wandelt. Die Überwachung des Verbots wird für den Polizeiposten mehr und mehr zum Zwang, er kennt nur noch seine Pflicht. Sie führt sogar so weit, dass er seinen Sohn Klaas, der nach seiner Selbstverstümmlung aus der Truppe desertiert ist und verwundet zu ihm gebracht wird, an die Gestapo ausliefert.

Selbst als das Malverbot aufgehoben und der Krieg schon längst zu Ende ist, hört Jens Ole Jepsen nicht damit auf, Bilder zu beschlagnahmen und sogar zu zerstören. Diese Tatsache löst in Siggi den Zwang aus, Nansens Bilder an sich nehmen zu müssen, auch wenn sie offensichtlich gar nicht in Gefahr sind. So wird er in den Augen seiner Umwelt, seines Vaters und selbst seines Freundes, dem Maler, zum Bilderdieb, doch auch die ihm entgegengebrachte Ablehnung veranlasst ihn nicht, mit den Diebstählen aufzuhören; wo immer er die Bilder des Malers entdeckt, sei es in Museen, Banken oder in seinem Atelier, ist er gezwungen, sie an sich zu nehmen. Dies geht so lange gut, bis er eines Tages von der Polizei überrascht und festgenommen wird und in die Besserungsanstalt eingeliefert wird.

Bei Abgabe der Strafarbeit, deren Umfang längst über den einer normalen herausgegangen ist, erfährt Siggi von Direktor Himpel, dass ihm wegen überdurchschnittlicher Leistung auf der Gefangeneninsel noch zehn Tage bis zur Entlassung bleiben.

Siegfried Lenz hat an zwei Stellen des Romans selber das Wesentliche zusammengefasst. So ist zum einen der Dialog im 19.Kapitel zwischen Direktor Himpel und Siggi Jepsen zu nennen, der vor den anwesenden Psychologen den Grund für seine Einlieferung in die Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche erläutern soll. Die andere wichtige Stelle findet sich im 12.Kapitel, das treffend mit der Überschrift „Unterm Brennglas“ eingeleitet wird. Hier liest Siggi Wolfgang Mackenroths Diplomarbeit über seine, d.h. Siggis Schulzeit und sein Verhältnis zu Max Ludwig Nansen.

3. Aufbau des Romans

Deutschstunde ist eine Rahmenerzählung, wobei in der Literatur unter Rahmenerzählung eine Erzählform gesehen wird, in der eine oder mehrere Erzählungen in eine umgebende Erzählung eingebettet sind [1].

Die Handlung des Rahmens in Lenz` Roman spielt auf einer Insel in Hamburg, gelegen an der Elbe, genauer gesagt in einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche, später in Hamburg selber und zwar in der Zeit von 1952 bis 1954.

Die Binnenerzählung dagegen bezieht sich auf den erdachten Ort Rugbüll an der deutsch- dänischen Grenze, nahe der Nordsee, als Zeitpunkt wurden die Jahre zwischen 1943 und 1945 gewählt.

Diese Binnenerzählung wird an mehreren Stellen durch Wiedereintritt in die Rahmenerzählung unterbrochen, was zur Folge hat, dass die zeitlichen Ebenen mehrmals wechseln im Verlaufe des Romans („ Ich sah dem davonfahrenden Auto nach, blickte auch schon kurz zum Stall hinüber, wo sie immer noch bei ihrer Notschlachtung waren - soüberhörte ich den Schlüssel, im Schloßund Joswigs Schritte, und sogar seinen ersten Grußbeim Eintrittüberhörte ich[2] ). Lenz benutzt die Technik der Unterbrechung bewusst, der Leser ist so in der Lage, eine gewisse Distanz zu wahren und aus dieser heraus mittels der Perspektive Siggis die verschiedenen Situationen zu analysieren und wenn nötig, auch zu kritisieren.

Verbunden werden diese beiden Erzählungen durch das Leitmotiv des Aufsatzthemas „Die Freuden der Pflicht“, das sich durch den ganzen Roman zieht und ihn strukturiert. Der erste Teil der Rahmenerzählung handelt von dem Zustandekommen der Strafarbeit, der zweite Teil des Rahmen befasst sich mit dem Beendigung dieser und in der Binnenerzählung werden „Die Freuden der Pflicht“ beschrieben und gestaltet.

Es gibt auch noch eine dritte Ebene der Darstellung, und zwar die Ebene, auf der der Psychologe Mackenroth sozusagen parallel zu Siggis Erinnerungen die Ereignisse der Jahre 1943-1945 analysiert.

Der Roman ist in zwanzig Kapitel unterteilt, die durch Überschriften und Nummerierungen gekennzeichnet sind. Die Überschriften wurden so gewählt, dass sie einen Teil des Inhalts vorwegnehmen oder einen bestimmten Aspekt des Kapitels besonders betonen, so z.B. Kapitel 3 „Die Möwen“. In diesem Kapitel bezieht sich die Überschrift auf zwei Themen, zum einen auf die Möwen, die Siggi angreifen, zum anderen auf die Karikatur Nansen „Lachmöwen im Dienst“.

Die Erwartungen, die der Leser durch die verschiedene Überschriften entwickelt, werden oftmals aber nicht bestätigt, da der Erzähler sich auf andere Dinge konzentriert, ein Beispiel dafür ist das 9. Kapitel, das mit der Überschrift „Heimkehr“ versehen ist. Siggi erzählt hier von seinem älteren Bruder, der verwundet im Moor aufgefunden wird und zwangsweise zu seinen Eltern gebracht wird. Mit dem Wort „Heimkehr“ werden positive Begriffe verbunden, wie Geborgenheit oder Freude, doch diese Assoziationen finden keine Bestätigung, Klaas wird von seinen Eltern verstoßen und an die Gestapo ausgeliefert. Die Unstimmigkeit zwischen Überschrift und Inhalt der Kapitel weisen auf eine tiefere Ironie hin.

Unabhängig von der Unterteilung in zwanzig Kapitel lässt sich eine Großgliederung in drei Abschnitte vornehmen:

1. Das erste Kapitel: Der Leser wird über den Erzähler informiert, über den Gegenstand der Erzählung und über die Situation, in der sich der Erzähler befindet.
2. Die Kapitel 2 bis 17 handeln zum großen Teil von den Kindheitserlebnissen Siggis, es werden aber immer wieder Teile der Rahmenhandlung eingeschoben.
3. Die letzten drei Kapitel spielen wieder in der Gegenwart, wobei aber im 18.Kapitel eine Situation außerhalb der Strafanstalt geschildert wird, die noch vor der Einweisung stattgefunden hat.

4. Historischer Kontext

4.1. Zusammenbruch des Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

Die Handlung des Romans Deutschstunde hat als Hintergrund historisch wahre Begebenheiten und setzt verstärkt das Vorwissen des Lesers voraus. So wird der Verlauf des Zweiten Weltkrieges an kaum einer Stelle ausdrücklich geschildert, er spielt aber in das Geschehen des Romans hinein und ist deshalb für sein Verständnis wichtig. Siggis Geschichte beginnt im April 1943, ein Zeitpunkt, an dem sich im Kriegsgeschehen eine Wende zuungunsten Hitlers vollzogen hatte. Im Januar 1943 verlor die deutsche Armee bei Stalingrad unter ungeheuren Verlusten, sowohl am Boden als auch in der Luft machte sich die Übermacht der Alliierten deutlich. Hitlers Armee befand sich seit diesem Jahr auf dem Rückzug, Eroberungspläne hinsichtlich Afrika wurden aufgegeben, erwiesen sich als Illusion. Im Juli 1943 brach das italienische faschistische Regime zusammen, 1944 landeten die Alliierten in der Normandie, Frankreich wurde zum Kriegsschauplatz. Im September 1944 erreichten die Alliierten die Grenze des Dritten Reiches im Westen, im Osten eroberte die sowjetische Armee mehr und mehr Landstriche.

Am 7.Mai, bei Kriegsende, waren viele Gebiete von den Alliierten allerdings noch nicht eingenommen worden, darunter ein großer Teil Schleswig - Holsteins, auch das Gebiet, in dem die Binnenerzählung spielt.

Der Zusammenbruch des Dritten Reiches bedeutete für die Deutschen, die bisher in blindem Gehorsam an Hitler geglaubt haben und bereitwillig im Krieg ihre Pflicht getan hatten, einen großen Wandel. Sie mussten sich an neuen Normen orientieren und dem Nationalsozialismus zumindest äußerlich abschwören. Viele Menschen reagierten unterschiedlich auf die neue Situation, einige schwiegen, blieben aber dem Nationalsozialismus verbunden, für andere bedeutete die Niederlage im Krieg auch ein Ende des diktatorischen Staates. [3]

Siegfried Lenz beschreibt in der Deutschstunde an einigen Figuren die unterschiedlichen Reaktionen auf den Untergang des Dritten Reiches. Als Beispiele sind hierbei natürlich Jens Ole Jepsen und seine Ehefrau Gudrun an erster Stelle zu nennen, doch auch an Lehrer Tetjus Prugel, der den Kindern bis zur letzten Minute die Ideologie des Nationalsozialismus vermittelt, werden die verschiedenen Einzelschicksale deutlich.

5. Interpretation

5.1. Erzählperspektive/-haltung

Der Roman Deutschstunde ist in der Ich-Form geschrieben, der Leser erfährt über die einzelnen Vorgänge aus der Perspektive Siggis. In der Art der Ich- Erzählung gibt es bei Lenz eine eigentümliche Besonderheit, so betont Siggi nämlich immer wieder, wie er seine Geschichte aufbaut und sie dann letztendlich zusammensetzt. Es gibt dafür zahlreiche Beispiele, hier seien nur einige erwähnt:

„Also.[...] Im Jahr dreiundvierzig, um mal so zu beginnen,...“[4] ;„[...] ich rolle jetzt einfach das flache Land aus, schneide ein paar Gräben und dunkle Kanäle hinein...“[5] ;„Das Gewitter stand jetzt über der Halbinsel, und es liegt nahe, schulmäßig zündende Blitze zu beschreiben “. [6] Es lassen sich noch weitere solcher Beispiele finden, meist zu Beginn eines Kapitels, wenn Siggi versucht, sich wieder in die weit zurückliegenden Ereignisse zu hineinzuversetzen.

Dadurch, dass es kein reines Erzählen ist, sondern Siggi immer wieder Hinweise auf die Art seines Erzählen und auf seine schriftstellerische Tätigkeit gibt, bekommt der Leser so eine gewisse Distanz zum Erzählten, wie dies auch bei der Unterbrechung der Binnenerzählung der Fall ist.

5.2. Sprache

Da der Autor die Perspektive eines 21-jährigen gewählt hat, muss er auch in dessen Sprache schreiben. Aus diesem Grund werden sehr viele umgangssprachliche Wendungen benutzt, wie z.B. „linsen[7] für gucken oder Ausdrücke wie „scheißegal“ oder „ anquatschen“[8] Hierzu gehören auch diejenigen Ausdrücke, die typisch für die Jugend ist, wie z.B. „leg einen Zahn zu[9] oder „zieh Leine[10]

Auch das Stillmittel des Pars pro toto findet seine Anwendung , so nennt die Siggi die Gestapobeamte „Ledermäntel[11] oder die Kriminalbeamten „Staubmäntel[12]. Ich denke, auch dies ist auf Siggis Jugend zurückzuführen, er ordnet die Menschen zu erst einmal durch den äußeren Anblick ein.

Für diese Jugendsprache lassen sich noch weitere Beispiele finden, z.B. benutzt Siggi teils stark übertreibende Vergleiche : „Eine Frau, die von hinten wie ein angekohltes Vierkantbrotaussah“[13] ;oder auch Hyperbeln : „Haus, wo Ditte sich aus einem der vierhundert Fensterlehnte“ [14] oder „bis zu zwölfhundert Psychologen[15]. Diese Übertreibungen lassen sich relativ leicht als solche erkennen.

Es fällt auch auf, dass Siggi an einigen Stellen nur verstümmelte Satzfragmente wiedergibt, wenn er ein Gespräch zwischen Erwachsenen wiedergibt : „Was es für ihn, den Polizeiposten Rugbüll, bedeuten würde, falls ? Ob er noch einmal betonen müsse, daßes nun keinerlei ?“ [16] (Jepsen). Ich denke, dass Siggi damit die inhaltslosen Gespräche der Erwachsenen darstellen will; nicht nur bei seinem Vater finden sich diese Verstümmlungen, sondern auch bei anderen Erwachsenen, wie z.B. beim Galeriebesitzer Schondorff.

Im Kontrast zu dieser Jugendsprache stehen die ungewöhnlich detaillgenauen Schilderungen der Natur, aber auch der Menschen, die weitaus mehr ins Auge stechen als die saloppen Redewendungen, auch wenn diese zahlenmäßig überlegen sind. Durch die präzisen Darstellungen fällt es dem Leser leichter, die Personen charakterisieren zu können, da Siggi auch sehr genau deren Reaktionen zu Papier bringt, oder sich die Landschaft vorzustellen. Auch Metapher verwendet Lenz des öfteren, allerdings fällt dabei auf, dass er Passagen in der Deutschstunde gibt, die relativ arm an Metaphern sind, dagegen andere, in denen sie häufig benutzt werden. Ein Beispiel dabei ist die Beschreibung von Nansens Geburtstagsgästen[17]. Siggi bezeichnet sie als „ Meeresgetier “. Auch die Beschreibung der Geschenke, besonders des Bildes werden durch Metaphern unterstützt. So bekommt die ganze Szene einen leicht komischen Charakter. Spricht Siggi von seinen Erinnerungen an den Ort Rugbüll, dann benutzt er auch häufig Metaphern: „Tresor meiner Erinnerung“ [18], „Anker der Erinnerung“,[19] „die von Gräben durchschnittene Ebene meiner Erinnerung“[20]. Siggi scheut anscheinend die direkte Bezeichnung seiner Erinnerung, ein Anzeichen dafür, dass hier eine kritische Situation vorliegt.

Charakteristisch für den Stil des Romans ist auch die häufige Benutzung von Farbbezeichnungen : „Die Wiesen und fern nach Husum laufenden Knicks gaben sich noch als grün aus, hatten jedoch schon gelbbraunen Schimmer. Die schattigen Gräben spendeten Bleifarbe. Immer wieder drängte sich Ziegelrot ins Blickfeld. Kein Berg , nur diese Ebene, grün und gelb und mit braunen Streifen. Erlenspaliere mit schwarzen Früchten [...]. Ich blieb im Sand liegen, stütze die Ellenbogen auf und sah Hilke nach, wie sie sich entfernte, Blau vor Grün, Blau vor Sandbraun...“ [21] Die Farben gewinnen hier insofern eine Bedeutung, dass sie Personen, aber auch Dinge vertreten, zudem wird die Landschaft anschaulicher und farbenreicher.

5.3. Die Personen des Romans

5.3.1. Jens Ole Jepsen

Jens Ole Jepsen ist Polizeiposten in der Außenstelle Rugbüll, „der nördlichste Polizeiposten Schleswig-Holsteins“ [22]. Informationen zu seiner Herkunft und seiner Kindheit erhält der Leser erst im späteren Verlauf der Handlung, ab Seite 90. Anhand der Fotografien in Jepsens Büro wird der Leser in dessen Vergangenheit eingeweiht. Sein Vater war ein Fischhändler und hatte fünf Kinder, die Familie stammt aus einfachen Verhältnissen. Jepsen wird auf diesen Fotografien als Fußballspieler, als Konfirmand, als Chorknabe, Soldat und Polizeischüler dargestellt. Auffällig an den Fotografien ist, dass Jepsen immer inmitten einer Schar von Menschen - sei es die komplette Fußballmannschaft oder der gesamte Chor - abgelichtet ist. So bekommt man von einen gewöhnlichen, normalen Eindruck, auch wenn er sich von der Masse durch seine Blässe und seine verkrampfte Haltung abhebt. Diese Fotografien allerdings geben kaum einen Aufschluss über Jepsens Charakter und seine Eigenschaften. Will man mehr über ihn wissen, so muss man besonders die Stellen im Verlauf der Binnenerzählung untersuchen, in denen er sich im Kreise seiner Familie, in der Konfrontation mit seinen allmählich erwachen werdenden Kindern und vor allen in der Auseinandersetzung mit Nansen befindet.

Im Laufe des Romans bekommt der Leser immer stärker den Eindruck, dass Jepsen ein Feind seiner eigenen Kinder und seines langjährigen Freundes und Lebensretters Nansen sei aufgrund seiner strengen Pflichterfüllung. Doch zu Beginn zeigt sich ein anderes Bild von ihm, er zögerte, das Malverbot zu überreichen („hin und her ging und offenbar nach Gründensuchte, um seinen Aufbruch zu verzögern“[23] ). Zu diesem Zeitpunkt ist er offensichtlich noch nicht der strenge und fanatische Pflichterfüller, zu dem er später werden soll. Jepsen ist bei Überreichung des Verbots „freudlos“ [24] und er betont, „wie sehr er seine Mission bedauere und wie wenig er selbst mit der ganzen Sache zu schaffen habe“ [25]. Er zeigt eine gewisse Distanz zu seiner Aufgabe und demnach auch keine „Freude an der Pflicht“ .

Auch Jepsens Verhältnis zu seinem Sohn Klaas ist ein anderes, als es dem Leser zum Schluss des Romans im Gedächtnis bleibt. Seine erste Reaktion, als er von der Gestapo erfährt, dass Klaas aus dem Lazarett geflohen ist, beinhaltet keine Wut oder lässt erkennen, dass er Klaas ausliefern will. Er versucht eher, die Ereignisse zu verarbeiten „Steif saßer da[...], sein Gesicht ließerkennen, dass er nicht nur den Grund, sondern auch die Folgen desfrühen Besuches verstanden hatte. Er rechnete.“ [26]. Zudem weiß er nicht, wie er reagieren wird, wenn Klaas tatsächlich zu ihm kommen würde, er hat noch keinen Plan gefasst. Dies erkennt man daran, dass Jepsen seiner Frau antwortet, als sie nach seinen Absichten fragt : „Ich weißnicht [...], ich weißnicht, was ich tun soll.“[27]

Jepsen befindet sich hier in einen Zwiespalt, einerseits liebt er seinen Sohn und erwägt in Gedanken, ihm zu helfen, zumal er verletzt ist ( so deute ich die Unentschlossenheit), andererseits ist da aber sein Polizeiberuf, der ihn dazu verpflichtet, alle Deserteure auszuliefern. Hinsichtlich dieser Thematik ist sicherlich auch die Situation zu untersuchen, als Klaas, von dem Tiefflieger getroffen, zu seinen Eltern gebracht wird [28]. Die Reaktion Jepsens zeigt, dass er doch eine Art väterliche Fürsorge in sich trägt und versucht, die Distanz zu seinen Kindern zu überwinden. Sein Herz ist anscheinend nicht so aus Stein, wie man an manchen Stellen des Romans den Eindruck bekommt : „Er fühlte sich allein mit ihm und wollte ihm etwas sagen. Anscheinend hatte er ihm etwas Wichtiges mitzuteilen. Klaasöffnete nicht die Augen. Mein Vater angelte sich behutsam einen Stuhl, zog ihn zum Kopfende der Couch, setzte sich und beugte sichüber meinen Bruder, und nach einer Weile nahm er seine Hand, die verstümmelte, verbundene Hand, und er drehte und betrachtete sie mit Aufmerksamkeit . Er ließdie Hand nicht los. Seine Lippen bewegten sich. [...] Leise, wie gesagt, und eilig sprach er so auf Klaas hinab, unbekümmert, ob seine Worte verstanden wurden, er sprach, als ob er sich damit einer alten Pflicht entledigte, einer längst fälligen Pflicht “ [29]

Auffällig an dieser Textpassage ist auch, dass von einer Pflicht die Rede ist (vgl. Siggis Aufsatzthema). Allerdings ist es diesmal nicht die Pflicht, die die Nationalsozialisten von ihm verlangen und der er sich verpflichtet fühlt, sondern es ist die Pflicht gegenüber seinem Sohn und damit auch der ganzen Familie. Es ist die Pflicht, die gebietet, als Familie zusammenzugehören und füreinander dazu sein, egal in welchen Situationen. An Jepsen scheint typisch zu sein, dass er nur durch äußere Einflüsse zu Handlungen bewegt wird. Selbstständigkeit scheint nicht seine Stärke zu sein, so nennt ihn Siggi „hilflos, da er ohne Auftrag war und ohne Auftrag nur ein halber Mensch“.[30] Auch betrachtet er stundenlang den brennenden Ofen, wenn er nichts zu tun hat. Zu Handlungen bewegt wird er einerseits durch seine Vorgesetzten, bzw. deren Aufträge; durch seine Ehefrau Gudrun, die oftmals mit hohen Erwartungen an ihn herantritt; und durch die zunehmende Feindschaft mit Nansen. Letzteres zeigt sich in seinem Verhalten bei Übergabe des Malverbots. Zuerst sucht er „freudlos“ [31] den Maler auf und überreicht ihm das Verbot, aber als Nansen anders reagiert, als er sich das vorstellt, nämlich seine Verachtung für die Verursacher des Verbots in der Beschimpfung „diese Idioten[32] ausdrückt und damit Jepsens Vorgesetzte kritisiert anstatt zu gehorchen, ändert sich dessen Verhalten und der Anfang zur sich entwickelnden Feindschaft ist gemacht.

Gudruns Einfluss zeigt sich in der Szene, in der Jepsen seinen Sohn Siggi verprügelt .[33] Er tut dies, um den Ansprüchen seiner Frau gerecht zu werden; er haut um so stärker, um so weniger sie ihm Anerkennung zukommen lässt.

Jepsen steigert sich mit der Zeit so in die Rivalität mit Nansen und auch in die Auseinandersetzung mit seinen Kindern hinein, dass er letzten Endes nur noch Hass und Wut verspürt und bis zur endgültigen Zerstörung nicht eher ruht.

Im Verlauf des Romans übernimmt Jepsen mehr und mehr die nationalsozialistische Ideologie, er ist der Meinung, durch Gewalt könne er seine Ziele, sogar Vertrauen und Zuneigung erreichen. Doch das genaue Gegenteil tritt ein, Siggi flüchtet sich immer mehr zu den Nansens und auch Klaas geht lieber zum Maler, als sich seinem Vater auszuliefern. Diese Situation, nämlich dass seine eigenen Kinder lieber dem Feind, also Nansen, vertrauen und ihn unterstützen, fördert die Wut in Jepsen, hinzu kommt ein Gefühl der Unterlegenheit. Doch anstatt zu überlegen, woran es liegen könnte, dass er das Vertrauen und die Liebe seiner Kinder nicht gewinnen kann, bedauern er und seine Frau sich lieber selber : “ denn sie kamen nicht davon weg, sich selbst zu bemitleiden und zu bedauern, und was sie für Hilke an Erbitterung aufbrachten, fanden sie für sich selbst an Mitleid. Daßsie uns das antun konnte!“

[34] Auch in Zusammenhang mit Klaas fühlen sie mehr ihre Schmerzen als die von ihrem Sohn: „...nach allem, was er uns angetan hat, wird er es wohl nicht wagen, hier aufzutauchen.“ [35]. Für diese „Schmerzen“ rächt sich Jepsen dann auch später an seinen Kindern, er liefert Klaas an die Gestapo aus, verbannt ihn aus der Familie, selbst eine Rückkehr nach Kriegsende ist ausgeschlossen. Die Erinnerung an ihn wird gelöscht. [36] Dasselbe passiert mit Siggi, auch er wird aus dem Haus getrieben und verbannt. [37]

Die Feindschaft zu Nansen nimmt bei Jepsen im Verlauf der Handlung immer drastischere Formen an, letzten Endes will er ihn sogar erschießen, als dieser sich weigert, dem von Jepsen gegründeten Volkssturm zur Abwehr der Alliierten über Nacht beizustehen. Nur ein Eingreifen der anderen verhindert schlimmeres.

Jepsen ist zwar vernünftig genug, seine eigenen Unzulänglichkeiten zu bemerken, doch versucht er nicht, diese zu ändern, sondern sucht den Grund für seine Fehler bei anderen. Er selbst befindet sich seiner Meinung nach im Recht, weil er sich immer noch auf seinen Auftrag und seine Vorgesetzten berufen kann, mit der nationalsozialistischen Ideologie ist er im Gleichgewicht.

Der entstehenden Eindruck der Einfältigkeit und Normalheit nimmt Lenz ihm wieder, indem er ihm die Gabe des Zweiten Gesichts verleiht. Diese Fähigkeit lässt aber nicht nur ihn leiden - er bekommt des öfteren Horrorvisionen- sondern auch seine Mitmenschen, vor allem Siggi, der das Gefühl hat, zu jeder Zeit und an jedem Ort von seinem Vater gesehen zu werden. Ich denke, dass Jepsen im Grunde kein schlechter Mensch ist, doch da er so unselbstständig ist, braucht er einen Halt, der ihm durch die Befehle und damit durch die Pflichterfüllung gegeben ist. Diese Befehle befolgt er, ohne Fragen zu stellen oder auf seine Mitmenschen Rücksicht zu nehmen.

5.3.2. Siggi Jepsen

Über Siggi erfahren wir im Grunde nur aus seiner Selbstdarstellung etwas über ihn. Doch auch die Diplomarbeit des angehenden Psychologen Mackenroth über Siggi ist bei dessen Charakterisierung hilfreich.

In der Selbstdarstellung der Binnenerzählung ist Siggi neun Jahre alt. Er gerät in mehrfachen Konflikt, so soll er einerseits seinen Eltern gehorchen und gegen den Maler und seine Geschwister integrieren, doch diese stehen ihm näher als seine eigenen Eltern und aus diesem Grund hilft er Nansen, seine künstlerische Freiheit behalten zu können und rettet Klaas das Leben. Das bedeutet natürlich einen ungeheuren Druck für ihn, da er gezwungen ist, seine Eltern zu hintergehen.

Siggi muss tagtäglich mit der Angst leben, von seinem Vater bei seinen illegalen Aktionen entdeckt zu werden, da dieser die Gabe des Zweiten Gesichts hat und Siggi denkt, dass er dadurch das Verborgene entdecken könne. Aus diesem Grund kann er nicht richtig auf die Wirklichkeit reagieren , bekommt Halluzinationen und wird so zu seinen Zwangshandlungen verleitet. Seine erste Wahnvorstellung zeigt sich, als die alte Mühle, das Versteck seiner Bilder, abbrennt: „Ich war auf einmal allein, schloßdie Augen, spürte nichts, als einen immer schneller klopfenden Schmerz, ein Drängen, ein Stoßen, [...] ich wehrte mich gegen den Zwang, der immer spürbarer wurde...“ [38]. Anfangs wehrt er sich gegen den Zwang, dann aber muss er ihm nachgeben und stürzt sich in die brennende Mühle, um seine Bilder zu retten. Nansen bringt ihn zu sich und legt in ins Bett, wo die Visionen und die Angst Siggi wieder einholen: „Da war das Bild. Da war die kleine offene Flamme. Da war die Furcht. [...] ich mußte einfach das Bild herunternehmen, mußte es umdrehen, den Papprücken lösen [...]. Wo waren sie sicher ? Unter dem Kopfkissen ? Im Schrank ?“ [39]. Ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich die krankhafte Vorstellung, Nansens Bilder vor der Flamme retten zu müssen.

In der Rahmenerzählung ist Siggi 21 Jahre alt und versucht, die Erlebnisse aus seiner Kindheit zu verarbeiten, was ihm aber nicht gelingt. Er erkennt, dass „Zeit nichts, aber auch gar nichtsheilt.[...] Scheitern an Rugbüll ? Vielleicht kann man es so nennen.“ [40]

Die Anstalt ist bei seiner Selbstfindung auch keine Hilfe, da nicht anerkannt wird, dass Siggi aus seelischen Problemen so handelte, die Gründe für die Diebstähle werden nicht erkannt. Erst wenn er sich dem Willen der Autoritätspersonen beugt, gilt er als geheilt. Siggi wirkt heimatlos und ohne Orientierung, als er von seiner bevorstehenden Entlassung erfährt .„Wassoll ich tun, wenn sie mich entlassen, wo ein Versteck für mich suchen ? Klaas ist fort, undHilke ist fort- kann ich da noch nach Rugbüll zurückgehn ? Aber selbst wenn ich in Hamburgbleibe: bin ich dann schon Rugbüll entkommen ?[41] Ich denke, dass sich Siggi selbst als Opfer sieht, dass er stellvertretend für seine verbohrten Eltern eine Haftstrafe absitzt. Er ist also ein Opfer der Ungerechtigkeit, die nicht die wahren Täter zur Rechenschaft zieht, also die Erwachsenen, sondern die Kinder, die eigentlichen Unschuldigen.

Mackenroth gibt dem Leser durch seine Diplomarbeit eine andere Sicht der Dinge. Siggis frühe Kindheit scheint ohne Probleme verlaufen zu sein [42]. Laut Mackenroth war Siggi ein „bescheidenes, still-vergnügtes und unauffälliges Kind[43], das seine Eltern liebte. Allerdings wird diese Idylle durch „krankhaftes Reinheitsbedürfnis[44], „agressiv künstlerischer Sinn“[45] oder seinem „Willen zum Einzelgängertum“ [46] wieder aufgehoben. Dieses wird aber nicht durch Beispiele veranschaulicht.

Mackenroth stellt Siggi als einen Jungen dar, der gerne zur Schule ging, allerdings interpretiert er dies nicht weiter. Ich denke, dass die Schule für Siggi eine Art Ausgleich zum Elternhaus war, er in den Lehrern sozusagen seine Ersatzeltern sah.

Im weiteren Verlauf seiner Arbeit geht der Psychologe auch auf den „Zwiespalt[47], in dem Siggi sich befindet; dabei rücken vor allem die Dinge in den Vordergrund, die dazu führen, dass Nansen und Jepsen zu Feinden werden. Siggi gerät zwischen die Fronten, da einerseits sein Vater ihn dazu verpflichtet, bei der Überwachung Nansens mitzumachen, und andererseits Nansen ihn bittet, die Bilder vor Jepsen zu retten. Mit diesem Vorgang beginnt laut Mackenroth die kritische Phase in Siggis Entwicklung. Siggis Sammelleidenschaft der Reiterbilder erklärt er als „Ausdruck einer unbewußten Rivalität gegenüber dem Maler[48], er geht aber nicht darauf ein, so dass diese These ziemlich unklar bleibt. Siggi soll schon recht früh einen Sinn für die „ Notwendigkeiten der Zeit“[49] gezeigt haben, also eine Art politisches Bewusstsein. Auch wird erwähnt, dass Siggi ohne Liebe aufwachsen musste: „Allein, ohne Liebe, in einer Zeit, in der es keine sicheren menschlichen Werte mehr gab, [...] wuchs der Junge heran...“[50]

Mackenroth hebt heraus, dass sowohl Jepsen als auch Siggi ein Opfer ihrer Zwangsvorstellung gewesen sind, eine indirekte Rechtfertigung für den Vater also. Siggis Zwang, die Bilder an sich nehmen zu müssen, erklärt er folgendermaßen: „Im Falle der entwendeteten Bilder [...] fehlt ein klares Rechtsbewußtsein; Siggi nahm für sich sogar eine gewisse Prädestination in Anspruch, indem er darauf verwies, daß er ausgesucht sei, „Bedrohtes zu sammeln“.[51]

Siggi ist mit der Arbeit nicht einverstanden, was an seinem Ausspruch „ich brauche alles, nurkeine mildernden Umstände.[...] Was ich erwartete, war die Beschreibung einer Krankheit und keine mühsame Rechtfertigung“.[52] deutlich wird.

Der Leser kann nicht entscheiden, welche Analyse Siggis Charakter mehr entspricht - seine Selbstdarstellung oder die Diplomarbeit, da hier jeweils nur die subjektive Sichtweise dargelegt ist. Doch es fällt schon auf, dass Mackenroth die Welt der Erwachsenen in seiner Suche nach den Gründen für Siggis Fehlverhalten nicht berücksichtigt. So erklärt er die fehlende Liebe mit der Kriegssituation und obwohl er Jepsen als Opfer seiner Zwangsvorstellungen sieht, verlangt er nicht nach Einweisung in eine Klinik.

5.3.3. Max Ludwig Nansen

Nansen, der Maler, ist zusammen mit Jepsen in Glüserup aufgewachsen und ist 8 Jahre älter als dieser. Als Jepsen noch ein Kind war, rettete Nansen ihn vor dem Ertrinken. Als junger Künstler lebte er zusammen mit seiner Frau Ditte in Armut, in der Romanhandlung allerdings führt er ein komfortables Leben, lebt mit Ditte und zwei Adoptivkindern in einem großen Haus auf Bleekenwarf.

Nansen ist ein gesprächiger Zeitgenosse, oft diskutiert und zankt er mit seinem imaginären Freund Balthasar, der immer bei ihm ist, wenn er malt. Allerdings ist er kein Freund von großen Worten, wie er selber von sich sagt.

Sein Wesen gleicht nicht dem von Jepsen, nur in der Ausdauer, in der Unnachgiebigkeit und Unbeugsamkeit zeigen sie Gemeinsamkeiten, doch diese Eigenschaften scheinen typisch für die Menschen um Rugbüll und Glüserup zu sein. Nansen ist ein großzügiger, menschlicher und hilfsbereiter Mensch, aber er kann es nicht leiden, wenn man sich anmaßt, in seinen Bereich des Lebens einzugreifen, dann kann er „herrisch[53] und „ außer sich[54] werden. Von Anfang an ist klar, dass Nansen sich nicht dem Befehl von Berlin beugen wird : „Hör zu, Jens,es gibt Dinge, die kann man nicht aufgeben. Ich habe damals nicht aufgegeben, als ich nachDir tauchte, und ich kann ebensowenig diesmal aufgeben. Damit Du klar siehst: Ich werdeweitermalen. Ich werde unsichtbare Bilder machen. Es wird so viel Licht in ihnen sein, daßihrnichts erkennen werdet. Unsichtbare Bilder.“ [55] Auf das Verbot reagiert er mit Bitterkeit, aber auch mit Nachsicht für Jepsen, der sich solch einem Regime verschrieben hat. [56] Diese Nachsicht schlägt aber im Laufe des Romans in „behutsame Verachtung“ [57], die Geringschätzung für Jepsen nimmt in dem Maße zu, wie dieser immer blinder und verbissener das Malverbot überwacht. Nansen zeigt kein Verständnis mehr für Jepsen, der unfähig ist, die Unmenschlichkeit der Nationalsozialisten zu erkennen.

Der Maler ist oft nachlässig gegenüber Vorschriften, ganz im Gegensatz zu seinem ehemaligen Freund. Als Beispiel hierfür dienen die mangelhafte Verdunklung [58] oder die Notschlachtung. [59]

Seine Menschlichkeit und das Mitgefühl zeigen sich darin, dass er sich und seine Familie für andere Personen in unmittelbare Gefahr bringt, was man an der Rettung von Klaas sehen kann.

Mit seinem Auftritt in Hamburg zeigt sich dem Leser allerdings ein anderes Bild von Nansen. Er wirkt seltsam entfremdet, man erkennt ihn kaum wieder. Er scheint abweisend, verbittert und ausgebrannt. Die Energie, die er während des Krieges noch hatte, ist nach dem Krieg verschwunden. Auch künstlerisch hat er keine Erfolge mehr, was wahrscheinlich auf den veränderten Kunstgeschmack zurückzuführen ist, dem Nansen sich nicht angepasst hat. Es geht so weit, dass er verspottet wird. [60] Siggi versucht zwar, seinen alten Freund zu verteidigen, wird aber verprügelt. Hier zeigt sich eine Parallele zu der Vergangenheit, Siggi wurde von seinem Vater verprügelt, wenn er versuchte, für Nansen einzustehen.

5.4. Der Begriff der„Pflicht“und seine Bedeutung im Roman

Der Roman will keine Definition des Begriffes „Pflicht“ geben, sondern zeigt unterschiedliche Pflichtauffassungen und die damit verbundenen Verhaltensweisen.

Wie schon zuvor angesprochen, wandelt sich die Freundschaft von Jens Ole Jepsen und Nansen durch deren unterschiedliche Auffassung von „Pflicht“ in Feindschaft. Jepsen ist Polizist und damit Beamter, er ist an seine Pflicht gebunden und legt Wert auf die peinlich genaue Ausführung eines Befehls, in diesem Falle des Malverbots von Nansen. Für Nansen hat das Wort „Pflicht“ keine absolute Bedeutung, dies wird auf Seite 166f deutlich: „Gut, sagte er leise, wenn Du glaubst, daßman seine Pflicht tun muß, dann sage ich Dir das Gegenteil: man mußetwas tun, das gegen die Pflicht verstößt. Pflicht, das ist für mich nur blinde Anmaßung. Es ist unvermeidlich, daßman etwas tut, was sie nicht verlangt.“

Die beiden haben also eine unterschiedliche Auffassungsweise der „Pflicht“, nun ist zu untersuchen, wer im Recht ist. Jepsen hat vordergründig recht, denn er ist durch das Beamtengesetz und den Beamteneid dazu verpflichtet, zu tun, was seine Vorgesetzten verlangen. Doch seine Pflichterfüllung geht über die eigentliche hinaus, so wie es auch Okko Brodersen, der Postbote von Rugbüll, richtig erkannt hat: „Es wird erzählt, daß Du mehr tust, als einer tun sollte, jedenfalls mehr als die Pflicht erwartet. [...] Es wird erzählt, dass Du Dir persönlich was vorgenommen hast.“[61] Sein persönliches Anliegen ist, das Gefühl der Unterlegenheit gegenüber dem Maler auszugleichen und es ihm heimzuzahlen. Jepsen hinterfragt nicht das System, er klammert sich mit allem, was er ist, an die Ideologie des Regimes. Aus diesem Grund denke ich, dass Jepsen im Unrecht ist, er hat sich einer Ideologie verschrieben, die die Menschlichkeit und die Moral außer Acht lässt. Dies und auch die Vergänglichkeit dieses Regimes hat Jepsen sein ganzes Leben lang nicht durchschaut. Auch der Maler unterliegt in seiner Arbeit einer gewissen Pflicht, nämlich der Pflicht, seine Arbeiten bis zur Vollkommenheit zu bringen. Aus diesem Grund ist er auch nicht in der Lage, Jepsen zu gehorchen. Doch im Gegensatz zu diesem gefährdet er niemanden und verletzt auch niemanden.

Nicht nur bei Jepsen findet sich eine fanatische Pflichterfüllung, sondern auch bei Siggi und Nansen selber. So ist Siggi von der Pflicht erfüllt, Bilder, die er bedroht sieht, vor seinem Vater in Sicherheit bringen zu müssen, was nicht nur dazu führt, dass er die Freundschaft zu Nansen verliert und aus der Familie verstoßen wird, sondern auch, dass er in der Strafanstalt näher über „Die Freuden der Pflicht“ nachdenken muss.

Nansens Pflicht dagegen ist eher von harmloses Natur, die niemandem schadet. Diese Pflicht bezieht sich auf seinen privaten Arbeitsbereich, er ist davon besessen, seine Bilder vollkommen zu machen und aus diesem Grund ist er auch nicht in der Lage, Jepsen zu gehorchen. Anders als bei Siggi und Jepsen schadet er dabei allerdings niemandem.

6. Eigene Meinung zum Roman

Ich habe den Roman freiwillig zum ersten Mal in der 9.Klasse gelesen und fand ihn langweilig und viel zu weitschweifig. Doch als ich ihn aufgrund meiner Facharbeit zum zweiten Mal lesen musste, habe ich meine Meinung geändert. Die Deutschstunde ist im Grunde einfach geschrieben, nicht schwer zu verstehen, die Idee, die hinter dem ganzen Geschehen steckt, ist sehr interessant und auch die Handlung selber ist spannend. Die Passagen, die ich früher einfach nur langweilig fand, begeistern mich heute durch ausführliche Beschreibungen und durch die dadurch erzeugte Atmosphäre. Mittlerweile habe ich einiges über die Interpretation eines Romans gelernt, so dass ich mit den Figuren des Romans und den Ereignissen viel mehr anfangen kann als noch vor vier Jahren. Auch meine historischen Kenntnisse zum Dritten Reich und der Ideologie des Nationalsozialismus haben an Umfang gewonnen, so dass mir die eigentliche Problematik des Romans viel bewusster als früher ist. Es gibt im Grunde soviel zu interpretieren, dass es mir gar nicht möglich ist, alles auf 12 Seiten unterzubringen, wichtige Aspekte mussten leider außen vor bleiben. So habe ich mich entschlossen, die Rahmenerzählung und in ihr vorkommende Personen nur kurz, bzw. gar nicht anzusprechen, und meine Interpretation auf die Binnenerzählung zu beschränken. Personen wie Jepsens Ehefrau Gudrun und Siggis Geschwister habe ich dabei nur kurz angesprochen, da sie meiner Meinung nach nicht zur Interpretation beitragen, zumindest nicht in Hinsicht auf „die Freuden der Pflicht“. Auch die weitläufige Meinung, dass Lenz bei der Erschaffung von Max Ludwig Nansen an Emil Nolde[62] gedacht habe, konnte ich nicht mehr untersuchen.

Ich denke, dass Lenz mit Deutschstunde ein Werk geschaffen hat, das in allen Bereichen, sowohl rein sprachlich, anschaulich, gesellschaftlich oder historisch, überzeugen kann, und es aufgrund seiner Aussagekraft Wert ist, im Unterricht, egal in welcher Form - sei es nun als gemeinsame Besprechung oder als Facharbeit - behandelt zu werden. Allerdings sollte dies meiner Meinung nach erst in der Oberstufe geschehen, es wäre schade, wenn fehlende Kenntnisse der Schüler zu einem Nichtverständnis oder zu einer Ablehnung des Romans führen würden.

Literaturverzeichnis:

Siegfried Lenz - „Deutschstunde“ DTV-Ausgabe

Königs Erläuterungen und Materialien zu Siegfried Lenz` Roman „Deutschstunde“ Schülerduden Literatur

DTV-Lexikon

Kurt Schreiner - Geschichte - Von der französischen Revolution bis zur Gegenwart Rudolf Wolff - Siegfried Lenz, Werk und Wirkung

Deutschstunde Seite 14

Endnoten:

[...]


[1] Schülerduden Literatur

[2] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.224

[3] vgl. Kurt Schreiner - Geschichte - Von der französischen Revolution bis zur Gegenwart

[4] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 19

[5] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 39

[6] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 52

[7] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.193

[8] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 430

[9] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 139

[10] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.309

[11] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.214

[12] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.419

[13] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.272

[14] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.59

[15] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.8

[16] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.393

[17] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.60

[18] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.12

[19] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.13

[20] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S.13

[21] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 232

[22] vgl. DTV-Ausgabe „Die Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 19

[23] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 20

[24] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 24

[25] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 34

[26] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 94

[27] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 94

[28] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 199

[29] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 199f.

[30] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 57

[31] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 24

[32] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 31

[33] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 55

[34] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 383

[35] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 95

[36] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 346

[37] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 401

[38] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 373

[39] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 377

[40] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 448

[41] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 445

[42] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 256-260

[43] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 256

[44] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 257

[45] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 258

[46] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 258

[47] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 260

[48] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 260

[49] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 260

[50] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 261

[51] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 400

[52] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 401

[53] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 71

[54] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 71

[55] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 73

[56] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 72

[57] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 302

[58] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 165

[59] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 211

[60] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 217

[61] vgl. DTV-Ausgabe „Deutschstunde“ Siegfried Lenz S. 101

[62] vgl. Königs Erläuterungen und Materialien

Details

Seiten
18
Jahr
1999
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95699
Note
Schlagworte
Lenz Siegfried Deutschstunde Deutsch

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Titel: Lenz, Siegfried - Deutschstunde