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Das Planspiel im Fach Arbeit/Wirtschaft am Beispiel des Unterrichtsvorschlags von Heinz Klipper "Ein Betriebsrat wird gewählt" (1993)

Seminararbeit 1999 12 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Kurze Einleitung

2. Grundsätzliche Darstellung der Methode des Planspiels zur ökonomischen Bildung

3. Grundsätzliche Darstellung des Betriebsrates

4. Konkretisierung dieser Methode an einem Unterrichtsbeispiel
4.1. Das „Storyboard“
4.2. Der Aufbau des Spiels
4.3. Die Umsetzung der Planspielkriterien

5. Überlegungen zu den unterrichtlichen Verwendungsmöglichkeiten
5.1. Vorbereitung der Lehrkraft
5.2. Die Lernziele des Spiels / Die Voraussetzungen der Lehrenden
5.3. Der Bezug auf die Rahmenrichtlinien

6. Kurzes Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Kurze Einleitung

In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Idee eines Planspiels im Fach Arbeit/Wirtschaft am Beispiel des Unterrichtsvorschlags von Heinz Klippert: „Ein Betriebsrat wird gewählt“ (1993), wobei es sich um ein Simulationsspiel mit arbeitsrechtlichem Schwerpunkt handelt und versuche diese in Hinblick auf Anwendung in der Praxis sowie in der Vereinbarkeit mit den zur Zeit gültigen Rahmenrichtlinien für die Realschule in Niedersachsen zu untersuchen.

Gerade das von Heinz Klippert gewählte Thema erscheint mir ideal geeignet zur Durchführung eines Simulationspiels, da man dieses mit relativ wenig Material- aber auch relativ wenig Zeitaufwand betreiben kann und so den Schülern genügend Motivationsgrundlagen bietet. Die Schüler beschäftigen sich nicht zu lange mit der Materie, so daß eine mögliche Ablehnung des Themas, die durch Langeweile hervorgerufen werden kann, vermieden wird. Im Gegenteil. Dadurch, daß es möglich ist den Lehrer mit in das Spiel einzubeziehen, kann er das Tempo entweder hoch- bzw. heruntersetzen. Sollte das Spiel also den zeitlich gesetzten Rahmen drohen zu sprengen, so kann der Lehrer intervenieren und das Tempo vorantreiben und natürlich auch umgekehrt das Tempo drosseln.

Um diese Methode aber auch anwenden zu können, möchte ich vorab Grundsätzliches zu der Methode des Simulationsspiels, bzw. des Rollenspiels sagen um diese Verständlich zu machen. Des weiteren darf natürlich die inhaltliche Aussage über das Zustandekommen und die Durchführung einer Betriebsratswahl nicht fehlen.

2. Grundsätzliche Darstellung der Methode des Planspiels zur ökonomischen Bildung

Das Planspiel ist eigentlich nur ein Element aus dem Bereich der Simulations-spiele. Diese sind sehr weitreichend und reichen von Rollenspielen über Kon-fliktspiele bis hin zu Computersimulationsspielen. Das Planspiel ist also eine bestimmte Form von Simulation.

Der Ursprung von Planspielen liegt weit in der Geschichte der Menschheit. So sollen schon 3000 v.Chr. die Chinesen die Methode des Planspiels genutzt haben, um so Kriegsspiele auf einem Brett zu spielen. „Man vermutet, daß strategische Spiele, wie das japanische go oder Schach sich daraus entwickelt haben.“1 Doch erst viele Jahre später sollte die Bedeutung dieser Kriegsspiele für militärische Zwecke genutzt werden. So sollte es die ersten topographischen Karten für Militärschlachten gegen Ende des 18. Jahrhunderts geben. Die Entwicklung brachte es dann mit sich, daß die Erweiterung von einem Brettspiel, über topographische Karten, bis hin zu exakten Nachbildungen der Szenerie, dem sogenannten „Sandkastenspiel“ von Reisswitz gelang. „Im 20. Jahrhundert wurde die Planspieltechnik von fast allen führenden Nationen zur Erprobung neuer Führungsgrundsätze und zur Vorbereitung militärischer Operationen benutzt.“2 Doch der Bezug, alleine auf das Militärische, reichte bald in den immer komplexer werdenden Handlungen und Zusammenhängen zwischen Wirtschaft und Militär nicht mehr aus. Es entstanden so die sogenannten Unternehmens-planspiele, die ursprünglich in den USA entstanden sind, wo die Lagerhaltung und der Nachschub bei militärischen Zwecken unter ökonomischen Gesichtspunkten behandelt wurde. Schnell nahmen die Wirtschafts- , aber auch die Bildungs-einrichtungen diese Methode auf, damit „...Manager, Studenten der Hochschulen bzw. kaufmännische Berufsschüler mit Entscheidungsprozessen vertraut gemacht und auf ihre Führungsaufgaben vorbereitet werden.“3 Mittlerweile wird diese Methode aber auch bei Schulungen der verschiedensten Art und auch an allgemeinbildenden Schulen angewendet.

Das Planspiel an sich besteht aus zwei grundsätzlichen Komponenten:

1. Dem Modell
2. Dem Spiel.

Zu 1:

„Mit dem Modell wird der Spielrahmen festgelegt und somit die Basis für das Spielgeschehen gelegt.“4 Natürlich können nicht alle Zusammenhänge und Sachverhalte in einem Modell dargestellt werden. Also muß es zu einer Auswahl von für relevant gehaltenen Faktoren kommen, die die Datengrundlage schaffen. Diese Daten sollten aber dennoch qualitativ hochwertig sein, damit es dem Schüler möglich ist, sich verhältnismäßig tief in das Szenario und die dadurch neu geschaffene „Realität“ einzudenken und somit „...ein Gemisch von Gewißheit oder mehr oder weniger kalkulierbarer Wahrscheinlichkeit empfindet.“5 Andererseits darf die Auswahl auch nicht zu komplex gehalten werden. Es sollte also darauf geachtet werden, wie viel Information bzw. Daten man der Zielgruppe, hier den Schülern, zur Verfügung stellt. Zu viele Informationen können eine Überlastung beim Schüler hervorrufen, zu wenig Informationen wiederum können zu Mißverständnissen bei der Ansicht des Modells führen. Nur durch die richtige „Portionierung“ der Daten kann eine bestimmte Wirklichkeits-nähe und ein gesicherter Spielfluss erreicht werden.

Zu 2:

Das Spiel an sich, besteht aus allen Abläufen und Handlungen, die in dem Modell geschehen. So müssen Spielentscheidungen getroffen werden, die zum Beispiel einen Sachverhalt, der vorher statisch erschien, dynamisiert. „Das Modell ändert seine ursprüngliche Form, so wie die Unternehmer- und Käuferentschlüße fortwährend ein Unternehmen oder einen Markt verändern.“6 Aber ebenso wie es in der Realität Zeitplanung und Perioden gibt, kommen diese in dem Spiel auch vor. So ist das Spiel ebenfalls in Zeiteinheiten oder auch Perioden eingeteilt, jedoch mit dem Vorteil, daß die Zeit in einem Spiel wesentlich schneller ablaufen kann, als in der Realität. So sind die Schüler eben auch darauf angewiesen, den Zeitablauf einzuhalten, wodurch das Spiel an Ernsthaftigkeit und Spannung zunimmt.

Da es sich bei einem Planspiel also um ein Spiel mit einem Modell handelt, so muß zwischen zwei Bereichen unterschieden werden: Dem Aktionsbereich der Schüler und dem Reaktionsbereich des Modells.

In dem Aktionsbereich können die Schüler sich in das Geschehen hineindenken und Aktionen und Entscheidungen treffen. Da aber auf jede Aktion eine Reaktion folgt, muß das Modell reagieren. Es sind also immer Phasen, die bestritten werden. Und so entstehen dann auch unter anderem die einzelnen Perioden eines Spiels. In der Praxis kann das so aussehen, daß die Schüler sich in ein Modell hineinversetzten und ihre ersten Entscheidungen treffen und dann durch den Lehrer, als Modellreaktion, eine möglicherweise, neue Ausgangssituation erhalten. Da die Spiele jedoch meistens recht komplex sind, sollte nach bzw. in dieser ersten Periode eine zweite, vertiefende Einführung in das Spiel stattfinden und auch mögliche, noch offene Fragen geklärt werden. In dieser Reflexions-phase, kann jetzt der Vergleich zur Realität wieder hergestellt werden. Durch diesen Modell-Realitätsvergleich, sollte „...den Lernenden eine gesellschaftliche Wirklichkeit ggf. unter Verwendung verschiedener Medien aus mehren Perspektiven zugänglich gemacht werden.“7 Weiterhin sollte in dieser Phase eine Möglichkeit geschaffen werden, daß Modell nach Bedarf zu modifizieren. Allerdings sollte das nur geschehen, wenn von allen Seiten das Modell verstanden und das Modellkonzept durchschaut wurde. Daher ist es unbedingt erforderlich, sämtliche Zweifel und Fragen der Schüler mit ihnen gemeinsam in dieser ersten Reflexionsphase zu erarbeiten und zu beheben.

Grafisch läßt sich diese Vorgehensweise so darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verlaufskonzept für den Einsatz von Simulationsspielen, in

Anlehnung an: Buddensiek 1979, 2148

3. Grundsätzliche Darstellung des Betriebsrates

Der Betriebsrat vertritt die Interessen der Arbeitnehmer im Betrieb und wird aufgrund des Betriebsverfassungsgesetzes alle vier Jahre gewählt. Eine wichtige Aufgabe des Betriebsrats ist es, darüber zu wachen, daß alle zugunsten von Arbeitnehmern geltenden Gesetze, Verordnungen, Tarifverträge und andere Schutzbestimmungen eingehalten werden.

In sozialen Angelegenheiten hat er zum Beispiel darüber mitzuentscheiden, ob Arbeitskontrollen eingeführt werden sollen, ob Überstunden oder Kurzarbeit gemacht werden, wie betriebliche Sozialeinrichtungen (etwa die Kantine) gestaltet werden, nach welchen Kriterien Werkswohnungen verwaltet und vergeben werden, aber auch, ob und für welche Arbeitsplätze leistungsbezogene Entgelte, sogenannte Akkord- oder Prämienlöhne, festgelegt werden.

Darüber hinaus hat er Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte in personellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten.

Ein im Betriebsverfassungsgesetz genau beschriebener Katalog zeigt auf, worüber der Betriebsrat vom Arbeitgeber "rechtzeitig und umfassend" zu informieren ist.

Betriebsratsmitglieder dürfen wegen ihrer Betriebsratszugehörigkeit gegenüber anderen Arbeitnehmern weder benachteiligt noch begünstigt werden, wenn es nach Umfang und Art des Betriebes erforderlich ist, müssen Betriebsrats-mitglieder zur Erledigung ihrer Aufgaben von ihrer normalen beruflichen Tätigkeit im Betrieb - ohne Minderung des Einkommens - befreit werden.

Die Kündigung von Betriebsratsmitgliedern ist erschwert. Die durch die Betriebsratsarbeit entstehenden Kosten muß der Arbeitgeber tragen. All das gilt auch für die Jugend - und Auszubildendenvertretung, die ebenfalls ein Organ der Betriebsverfassung ist.

4. Konkretisierung dieser Methode an einem Unterrichtsbeispiel

4.1. Das „Storyboard“

Das Simulationsspiel „Ein Betriebsrat wird gewählt“ von Heinz Klippert wurde 1993 in der Zeitschrift „a+I/Wirtschaft, Nr. 10“ vorgestellt.

In dieser Simulation nimmt die Klasse die Rolle einer kleinen Schuhfabrik an, in der es einen stark autoritären Chef gibt, der es geschafft hat, den kompletten Betriebsrat zum Rücktritt zu bewegen. Da sich die momentane Lage am Arbeitsmarkt in der Region als problematisch erweist und es der Firma wirtschaftlich nicht gut geht, stellt sich die Frage, ob eine sinnvolle Betriebsratsarbeit überhaupt möglich ist.

4.2. Der Aufbau des Spiels

Es werden diverse Arbeitsmaterialien in Form von Infoblättern an die, in 4 Gruppen aufgesplittete Klasse, vergeben. Die Klasse wurde in die Gruppen „Bodenfertigung“, „Schaftfertigung“, „Einkauf und Lager“ und „Verkauf und Modellherstellung“ eingeteilt. Des weiteren erhalten die Schüler die Materialien, die sie zum Verstehen des Backgrounds benötigen. Hierbei handelt es sich um einen Ablaufplan, um diverse Ausschnitte von Gesetzestexten des Betriebsrates und seiner Wahl betreffend, sowie drei Schriftstücke aus denen die momentane Situation des Betriebes, wirtschaftlich und innerpolitisch, hervorgeht.

Nachdem noch offene Fragen geklärt wurden, sollen dann die Schüler in ihren Gruppen versuchen eine Stellungnahme zu der entstandenen Situation zu erstellen und sich weiterhin mit der Wahl zweier möglicher Betriebsratskandidaten auf die bevorstehende „Betriebsversammlung“ vorzubereiten.

Die „Betriebsversammlung“ nimmt dann den dritten Teil des Spiels ein. Hier sollen jetzt die unterschiedlichen Plädoyers angehört werden und zu einer zusammenfassenden Meinung zusammengestellt werden. Die Befürworter dieser Meinung sollen diese dann, dokumentenähnlich, unterschreiben.

Danach wird dann ein Wahlvorstand, aus zwei Personen bestehend, gewählt und die aus der Diskussion hervorgehenden Betriebsratskandidaten bestimmt - vorausgesetzt, daß diese die Kandidatur annehmen. Jeder der Kandidaten trägt jetzt seine Meinung zu der Arbeit eines Betriebsrates vor und abschließend kommt es dann zu der geheimen Wahl des Betriebsrates aus fünf Personen.

4.3. Die Umsetzung der Planspielkriterien

In diesem Rollenspiel soll den Schülern vereinfacht die Problematik einer Unter-nehmung näher gebracht werden, wie sie diese später möglicherweise auch antreffen werden. Es wird ein Sachverhalt benutzt, wie er sehr häufig in der Realität vorkommt. Die daraus resultierende Problematik und das nötige Umgehenlernen mit Gesetzestexten wird hier durch einen Hintergrund abgedeckt, der es den Schülern leicht ermöglicht sich in ihre Rolle zu versetzten. Das Modell ist einfach, aber konkret gehalten und das Spiel selber ist flexibel gehalten, da die Schüler selber jeden Schritt und dessen Folgen bestimmen können. Auch der Lehrer hat hier die Möglichkeit flexibel auf mögliche, neu entstandene Situationen einzugreifen, da er sich selber mit in das Geschehen einbringen kann. Lediglich ein „roter Faden“ wird vorgegeben, aber gerade dieser existiert in der Wirklichkeit ebenso. Das Ziel eines Simulationsspiels, nämlich die Reproduktion der Wirklichkeit in einem Modell, ist hier in einer Weise gelungen, die genau auf die Anforderungen der 9. bzw. 10. Klasse abzielen. Es wurde stark auf die nötigsten Schritte reduziert. Spielerisch werden so z.B. Gesetzestexte von „drögen“ Arbeitsunterlagen zu interessanten Objekten, die die Schüler brauchen, um ihren Standpunkt deutlich machen zu können.

Das Simulationsspiel „Ein Betriebsrat wird gewählt“, bietet also den Schülern ein Kennenlernen der arbeitsrechtlichen Abläufe in einem Betrieb durch die direkte Teilnahme an Entscheidungen und das „Hineinschlüpfen“ in eine Rolle, wie sie diese möglicherweise bald selber in der Realität kennenlernen werden.

5. Überlegungen zu den unterrichtlichen Verwendungsmöglichkeiten

5.1. Vorbereitung der Lehrkraft

Bei der ersten Durchführung des Spiels „Ein Betriebsrat wird gewählt“ hat der Lehrer einen recht hohen Arbeitsaufwand, sofern er nicht die Vorlage von Heinz Klippert (siehe „a+I/Wirtschaft, Nr. 10, 1993“) gebraucht. Es müssen die nötigen Textpassagen aus den diversen Gesetzen zusammen gesucht werden und ein fiktives Unternehmen erschaffen werden. Um dem Ganzen mehr Ausdruck und Realitätsnähe zu verleihen, kann der Lehrer z.B. eine Unternehmung aus der Region nehmen und diese leicht umbennen. So wird aus dem Lacke- und Farbenhersteller Relius z.B. Ralius.

An materiellen Gegenständen braucht der Lehrer in diesem Simulationspiel nichts vorzubereiten. Am einfachsten ist es natürlich, die gegebene Vorlage zu nutzen, da diese schon ausgefeilt und vollständig ist.

Das ganze sollte sich allerdings in einem Kontext zu dem laufenden Unterricht erschließen. So sollte das Thema „Betriebsrat“ schon angerissen worden sein oder auch durch filmische Materialien in Betracht genommen worden sein.

Um das Spiel jetzt auch noch komplett in den Unterricht einzubetten, darf die Nachbereitung natürlich nicht fehlen. Beispielsweise kann der Lehrer schon im Vorfeld dafür gesorgt haben, daß sich der Besuch eines Betriebsratsmitglieds aus der Region im Anschluß an das Simulationsspiel ergänzt. So können die Schüler einen kompletten Realitätsbezug herstellen, indem dem Betriebsratsmitglied Fragen gestellt werden können, aber auch die Lösung ihres Problems mit seiner Hilfe erneut besprochen werden können. Selbstverständlich muß der Lehrer hier schon im Vorfeld dem Betriebsratsmitglied die nötigen Informationen zukommen lassen, da sich der zeitliche Rahmen sonst nicht planen lassen würde.

Generell sollte der Lehrer Kontakt zu diversen Unternehmen halten, nicht nur um an mögliche Praktikumsplätze zu gelangen, sondern auch, um aktuell in seinen Informationen zu bleiben, die er wiederum den Schülern weiter gibt.

5.2. Die Lernziele des Spiels / Die Voraussetzungen der Lehrenden

Mit dem Simulationsspiel sollen die Schüler mit einem Thema konfrontiert werden, das ihnen früher oder später in ähnlicher Form widerfahren wird. Man kann auch von einer leichten Sensibilisierung sprechen, da nicht nur die Situation der Arbeitnehmer, sondern auch die Situation der Arbeitgeber gegeneinander abgewogen werden muß. Es werden also beide Seiten betrachtet. Ein Effekt, der grundlegend bei Problemsituationen ist. Es muß zwischen diversen Entschei-dungsmöglichkeiten verglichen werden und möglicherweise auch Kompromisse geschaffen werden. Das kontrollierte Gespräch untereinander, aber auch der Freiraum für neue Ideen und Lösungsvorschläge wird in diesem Spiel durch die einzelnen Besprechungen ermöglicht.

Vorteilhaft wäre in diesem Zusammenhang, wenn sich der Unterricht immer über eine Doppelstunde bzw. im Blockunterricht abspielen würde. So würden die langen Pausen zwischen den Unterrichtseinheiten halbiert werden und den Schülern mehr die Möglichkeit gegeben, sich in ihre Rolle hineinzuversetzen. Es könnte intensiver gearbeitet werden.

Die Schüler brauchen hier als Voraussetzung lediglich einen inhaltlichen Zusammenhang zum momentanen Unterrichtsthema (z.B. „Der Betrieb) und natürlich ihre eigene Motivation ein solches Spiel durchführen zu wollen.

Alles weitere erhalten sie dann vom Lehrer.

5.3. Der Bezug auf die Rahmenrichtlinien

In den Rahmenrichtlinien für die Realschule des Landes Niedersachsen im Fach Arbeit/Wirtschaft heißt es in der Leitidee:

„Die Vorbereitungen der Schülerinnen und Schüler auf ihre künftige Erwerbs-tätigkeit wird durch die Auseinandersetzung mit betrieblichen Grundsach-verhalten und möglichen Konflikten erreicht.“9

In der dazugehörenden Übersicht unter „AW 6 - Wirtschaftliches und soziales Handeln im Betrieb“ steht:

„- Einsetzen von Rollenspielen zum Thema „Betriebliche Interessenkonflikte“.

Sie (die Schüler) stellen fest, daß Betriebe nicht nur Orte des ökonomischen, sondern auch des sozialen Geschehen sind. Sie erfahren, daß Konflikte auftreten können, für die es Regulierungsmechanismen und Organe gibt.“10

Genau diese Punkte werden mit dem Simulationsspiel von Heinz Klippert angesprochen. Wahlpflichtunterricht im Fach Arbeit/Wirtschaft wird in den Schuljahren 9 und 10 angeboten und genau dort setzt auch das Simulationsspiel an. Durch die Möglichkeit im Wahlpflichtunterricht mit der Arbeitszeit und der Unterrichtsform flexibel umgehen zu können, sind hier optimale Voraussetzungen geschaffen.

Weiterhin heißt es in den Rahmenrichtlinien im Bezug auf den Wahlpflicht-unterricht: „Handlungsorientierter Unterricht steht im Vordergrund. Längerfristig anzulegende Verfahren und Formen der Problemlösung im Fachbereich werden dabei besonders berücksichtigt: (...) Simulationsspiele (...)“11

6. Kurzes Fazit

Im Fach Arbeit/Wirtschaft sollen die Schüler möglichst nah an die kommenden Aufgaben des Arbeitsleben herangeführt werden. Da es sich um eine recht schwierige Altersgruppe handelt (ca. 14 bis 16 Jahre), in der das Thema „Betrieb“ besprochen wird, hilft es immer, wenn kleine Motivationsschübe vom Lehrer ausgehen. Es nützt nicht viel ein Thema trocken und nur nach den gegebenen Gesetzen zu vermitteln. Dies ruft eher eine Distanzhaltung bei den Schülern hervor, die sich schnell in eine Trotzhaltung entwickeln kann. Aber durch die Möglichkeit spielerisch mit einer Sache umgehen zu können, ergibt sich den Schülern eine Zugang, wie sie ihn in anderen Fächern nur recht selten erleben. Das Simulationsspiel setzt so auch neue Anforderungen an die Schüler, da diese die neue Situation auch recht schnell annehmen und auch mitunter auf sich persönlich beziehen. So bekommt ein Simulationsspiel recht schnell eine Dynamik, die von dem Lehrer nur noch in die gewünschte Richtung gesteuert werden muß. Das praktische Denken und das verantwortungsbewußte Handeln wird so gefördert, da sich jede Aktion der Schüler auf eine Reaktion des Models ergibt.

Der Spaß, der Eigeneinsatz und das schnelle Bezugnehmen auf die eigene Person sind es also, die ein Simulationsspiel in den Klassen 9 und 10 sicherlich recht erfolgreich verlaufen lassen werden.

Überdies könnte auch eine positive „Mundpropaganda“ der Schüler untereinander zu einer Stärkung des Wahlpflichtfaches Arbeit/Wirtschaft führen und dem Fach so zu mehr Gewichtung innerhalb der Schule verleihen, da es doch zur Zeit noch mehr als „kleines Nebenfach“ abgetan wird.

7. Literaturverzeichnis

1. Buddensiek, Wilfried (1979): Pädagogische Simulationsspiele im sozio- ökonomischen Unterricht der Sekundarstufe I, Stuttgart
2. Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung: wie?so! - Informationen für junge Leute, 1998, Bonn
3. Kaiser, Franz-Josef / Kaminski, Hans (1997): Methodik des Ökonomie- unterrichts, Bad Heilbrunn
4. Keim, Helmut (Hrsg.) (1992): Planspiel, Rollenspiel, Fallstudie, Köln
5. Klippert, Heinz (1993): Ein Betriebsrat wird gewählt - Simulationsspiel mit arbeitsrechtlichem Schwerpunkt. In: a+I/ Wirtschaft, Heft 10, Seite 27 ff.
6. Niedersächsisches Kultusministerium (1997): Rahmenrichtlinien für die Realschule - Arbeit/Wirtschaft - Technik, Hannover

[...]


1 Kaminski, H. (1997): Methodik des Ökonomieunterrichts, 2.Auflage, Bad Heilbrunn, Seite 163

2 Kaminski, H. (1997): Methodik des Ökonomieunterrichts, 2.Auflage, Bad Heilbrunn, Seite 163

3 Kaminski, H. (1997): Methodik des Ökonomieunterrichts, 2.Auflage, Bad Heilbrunn, Seite 163

4 Kaminski, H. (1997): Methodik des Ökonomieunterrichts, 2.Auflage, Bad Heilbrunn, Seite 164

5 Grimm, W. (1968): Das Unternehmensplanspiel. Wirtschafts- und sozialpolitische Grundinformationen IV, Nr. 32, Köln, Seite 7

6 Kaminski, H. (1997): Methodik des Ökonomieunterrichts, 2.Auflage, Bad Heilbrunn, Seite 164

7 Buddensiek, W. (1979): Pädagogische Simulationsspiele im sozio-ökonomischen Unterricht der Sek.I, Bad Heilbrunn/Obb.

8 Kaminski, H. (1997): Methodik des Ökonomieunterrichts, 2.Auflage, Bad Heilbrunn, Seite 167

9 Niedersächsisches Kultusministerium (1997): Rahmenrichtlinien für die Realschule - Arbeit/Wirtschaft - Technik, Hannover, Seite 17

10 Niedersächsisches Kultusministerium (1997): Rahmenrichtlinien für die Realschule - Arbeit/Wirtschaft - Technik, Hannover, Seite 76

11 Niedersächsisches Kultusministerium (1997): Rahmenrichtlinien für die Realschule - Arbeit/Wirtschaft - Technik, Hannover, Seite 61

Details

Seiten
12
Jahr
1999
Dateigröße
613 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95395
Note
Schlagworte
Planspiel Fach Arbeit/Wirtschaft Beispiel Unterrichtsvorschlags Heinz Klipper Betriebsrat Grundkurs Einführung Methodik Burkard) Erlangung ET-Scheines

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