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Methodologie und Klassifikation von Emotionen - Der Kreis der Emotionen

Seminararbeit 1997 33 Seiten

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe

Leseprobe

INHALT

I. Einführung

II. Problemaufriß

III. Meßverfahren für Emotionen
a) Physiologische Komponenten
b) Expressive Komponente
c) Erlebnishafte Komponente
d) Implikationen des Meßverfahrens
e) Nachteile konventioneller Verfahren
f) Ausweg Kreisform - die möglichen Vorteile

IV. Versuche allgemeiner Emotionskategorisierungen
a) eindimensionalen Ansätze
b) zweidimensionale Ansätze
1. Schlosberg 1952
2. Abelson und Sermat (1962)
2. Russell 1980
c) dreidimensionale Ansätze
1. Schlosberg 1954
2. Russell (1977)
3. Osgood (1966)
d) Ein dreidimensionales Cluster-Modell

V. Weitere Ergebnisse der Arbeit mit Emotionskreisen
a) Sind Emotionen von Geburt an unterscheidbar ?
b) Sind Emotionen kulturunabhängig ?
c) Kann mit dem Emotionskreis gemessen werden ?

VI. Offene Fragen, Kritik und Probleme mit Emotionskreisen VII. Abschließende Betrachtung

VIII. Literaturangaben
1. Rezipierte Literatur
2. Erwähnte Literatur:

I. Einführung

Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit bildete ein Referat zum Thema Methodologie und Klassifikation von Emotionen. Vorgestellt wurden Theorieansätze der psychologischen Emotionsforschung, Komponenten von Emotionen benannt und ein Einblick in die Diskussion um universale Emotionen des Menschen geboten. Damals sollte deutlich werden, daß auf diesem Gebiet sehr unterschiedliche Definitionen und Herangehensweisen für den Gegenstand der Betrachtung neben- und gegeneinander existieren. Forscher, die das Zentrum der Emotionen physiologisch suchten, unternahmen chirurgische Amputationen bei Tieren oder nahmen sich der Eingeweide des Menschen an, in der Annahme, daß diese dank feiner und schneller Muskeln einen herausragenden Speicher abgäben. Andere Forscher widmeten sich der Untersuchung der expressiven Komponente und konzentrierten sich auf den Ausdruck des Gesichts. Ein dritter vorgestellter Ansatz versuchte sich an der Messung des subjektiven Emotionserlebens. Hinzu kam ein kleiner Ausflug in den sozial- konstruktivistischen Ansatzes, der Emotionen primär als soziale und kulturelle Konstruktionen versteht, die sozialen Zwecken dienen.

Ein Teil des Referates bildete der Bericht über einen dimensionalen Ansatz, in dem Emotionen, durch zwei Achsen bestimmt, in vier Quadranten verortet werden konnten. Reges Interesse rief bei der Zuhörerschaft die Herleitung des Modells hervor, in der die These Russells vorgestellt wurde, daß Menschen nicht eine Emotion empfänden, sondern alle Emotionen gleichzeitig, diese allerdings jeweils in unterschiedlicher Quantität. Die Frage nach der momentanen Emotion, die im Rahmen des Arbeitens mit Basisemotionen gewöhnlich gestellt wird, erschien damit stark zu verkürzen und dem Wesen von Emotionen nicht gerecht zu werden.

Ausgehend von dem überblicksartigen Wissen des Referates entsprang der Entschluß, die eigentliche Arbeit des Seminars dem Thema der dimensionalen Darstellung und Erfassung von Emotionen zu widmen. Der bereits erwähnte Artikel von Russell (1989) bot einen guten Ausgangspunkt, die Literaturlage erwies sich jedoch als weit komplexer als zunächst angenommen. Allen Aspekten der nun mehr 45 Jahre dauernden Überlegungen über das Für, das Wider und das Wie des dimensionalen Modells kann im Rahmen dieser Arbeit nicht gerecht werden, nicht einmal sämtliche halbwegs relevante Literatur konnte rezipiert werden. Was geleistet werden konnte, ist ein Überblick über die Entwicklung eines neuen Verständnisses von Emotionen, seit Schlosberg 1952 den entscheidenden Anstoß gab, bis hin zu aktuellen Arbeiten, die in differenzierter Art zeigen, was aus der anfänglichen Idee geworden ist. Zudem sollte es gelungen sein, Probleme wie Vor- und Nachteile herauszustellen und auch die teils vehemente Kritik an diesem Modell zu Wort kommen zu lassen.

In dieser Arbeit ist im stillen der Gedanke mitgelaufen, wie der Schlosbergsche Ansatz aus seiner Modellhaftigkeit wieder zurückgeholt werden kann in die praktische Anwendung als Meßinstrument. Es spielte der Wunsch mit, den gegangenen Weg von der Untersuchung der Methodologie und Klassifikation von Emotionen zu einer Emotionstheorie wieder zu seinem Anfang zurückzubinden und damit zu vollenden. Aus diesem Blickwinkel wird verständlich, und so sei es erlaubt, daß den Abschluß der Arbeit ein Versuch bildet, aus fremden Daten ein anschauliches Modell zu erstellen, daß theoretisch die Chance beinhalten könnte, als praktisches Werkzeug zu dienen.

II. Problemaufriß

In der Geschichte der Versuche, Emotionen valide zu messen, ist meist davon ausgegangen worden, daß Emotionen unterscheidbare Entitäten darstellen. Dementsprechend wurde versucht, in Untersuchungen zum Ausdrucksverhalten des Gesichts, bei der Messung körperlicher Reaktionen, bei Befragungen und ähnlichem, Emotionen über jeweils abgeschlossene Werteskalen zu erfassen, wie solche für Angst, Traurigkeit, Wut oder Freude. Dabei traf man sehr bald auf die Frage, welche Emotionen als fundamentale anzusehen sind, die somit zur vollständigen Erfassung eines Zustandes ausreichen müßten. Acht fundamentale Emotionen wurden im Laufe der Jahre fixiert, sechs davon kehrten bei den verschiedenen Autoren konstant wieder und wurden wiederholt, auch in interkulturellen Studien, bestätigt (die vier oben genannten plus Ekel und Überraschung). Hinzu kamen wechselnde Kategorien, die in unterschiedlichen Schulen als fundamental angesehen wurden (wie Interesse oder Scham).

Die Schwierigkeiten, die in diesem Zusammenhang auftauchen, beruhen zum einen auf der Sprachfundierung der Untersuchungen, die eine sichere interkulturelle Vergleichbarkeit erschweren. Zum anderen fällt auch die Abgrenzung zwischen einzelnen Emotionen mit gerade acht Kategorien nicht leicht, Undifferenziertheiten sind unvermeidlich. Andererseits werden auf diese Art gute Ergebnisse bei der Zuordnung von fotografierten Gesichtern zu Emotionen erzielt. Diese Meßtechnik ist untrennbar mit einer Theorierichtung verbunden, die zum Beispiel durch Izards (1972) differentielle Emotionstheorie vertreten ist oder durch Ekmans kulturübergreifende Studien zum Gesichtsausdruck populär wurde.

Eine Möglichkeit, den genannten Ungenauigkeiten aus dem Weg zu gehen, bildet der Ansatz, Emotionen über nur zwei Faktoren zu beschreiben. Dies impliziert die Annahme , daß Emotionen keineswegs von einander unabhängig, sondern sehr weitgehend miteinander verwoben wären. Wenn die Beschreibung über zwei Variablen möglich wäre, so die Überlegung von Schlosberg (1952), könnte für jeden Zustand ein Wertepaar erfaßt werden, das ihn exakt beschreibt. Statt sechs, acht oder zwölf Skalen, könnte mit lediglich zwei Dimensionen gearbeitet werden. Dadurch wären sprachliche Hürden genommen, jegliche Abstufungen könnten erfaßt und komplexer mit Emotionen gearbeitet werden. Welches die beiden Faktoren sind, die nicht nur hinreichend, sondern zudem noch ausreichend den Untersuchungsgegenstand umschreiben, ist seit Jahren die zentrale Frage. Auch, ob nicht noch mehr Faktoren zur genauen Beschreibung nötig sind, ist umstritten.

Werden Emotionen auf diese Art verstanden, bedeutet dies eine andere Vorstellung von ihrem Wesen. Nicht mehr Abgeschlossenheit, sondern weiches Übergehen, ineinanderfließen, sind damit Kennzeichen von Emotionen.

Beide Ansätze existieren heute nebeneinander und es gibt auch Versuche, sie durch ein Clustermodell zu vereinen (Osgood, 1966; Shaver et al., 1987). In dieser Arbeit soll zunächst kurz der Hintergrund der Emotionsmessung beschrieben werden. Im nächsten Schritt werden die unterschiedlichen Ansätze porträtiert und mit klassischen Experimenten belegt. Dabei sollte deutlich werden, welche Implikationen die Modelle auf Meßverfahren besitzen. Hauptaugenmerk soll auf einem modernen Modell liegen, das mit drei Dimensionen arbeitet, die sämtliche menschliche Emotionen beschreiben und in diesen die bekannten fundamentalen Emotionen als Cluster lokalisiert.

III. Meßverfahren für Emotionen

a) Physiologische Komponenten

Die Emotionsforschung beschäftigt sich mit einem Gegenstand, dem keine leichte Meßbarkeit zuzuschreiben ist. Emotionen spielen sich im Innern der Probanden ab und können Signale auslösen, die von außen sichtbar sind. Inwiefern diese sicher interpretierbar sind und vor allem auf welche Weise, ist einer der großen Streitpunkte auf diesem Gebiet.

In einem Ansatz, der zuverlässige, unbeeinflußbare Indikatoren suchte, wurden körperliche Reaktionen untersucht und diese Emotionen zugeordnet. Das Ausmaß des Herzklopfens, der elektrischen Aktivität des Gehirns oder des Eingeweidesystems wurde als hinreichender Maßstab dafür angesehen, ob Versuchspersonen eine Emotion gesteigert empfanden. Die Unterscheidung einzelner Emotionen fiel in diesem Zusammenhang regelmäßig schwer: Einen bestimmten Herzrhythmus oder Hirnaktivitäten, die Angst oder Wut zuzuschreiben wären, konnten sich nicht bestätigen lassen. Lediglich ein Zusammenhang zwischen allgemeiner Erregung und verstärkter Emotionalität konnte festgestellt werden.

b) Expressive Komponente

Die Messung der expressiven Komponente von Emotionen bildete einen zweiten großen Bereich. Hier wurde versucht, über Fotografieren, das Anfertigen von Videoaufzeichnungen oder direkte Beobachtung von äußeren Merkmalen auf innere Zustände rückzuschließen. Neben Aufschlüssen über Körperhaltung und Gestik wurde vor allem die Erforschung der mimischen Ausdrucksweise vorangetrieben. Im Gesicht glaubte man Emotionen ablesen zu können. Grenzen, an die man mit dieser Methode stieß, bildeten Fragen, wie die nach der Unterdrückbarkeit von Emotionen, der Beschreibungsfähigkeit des Gesehenen oder der interkulturellen Unabhängigkeit von Emotionen.

c) Erlebnishafte Komponente

Am naheliegendsten aber auch am schwierigsten zu verifizieren ist der Weg der Selbstbeschreibung. Es wird versucht, über Skalen, die Probanden auszufüllen gebeten werden, Auskunft über das Befinden zu erlangen. Auch in diesem Fall stellt sich die Schwierigkeit nach der richtigen Zuordnung zwischen Worten und Emotionen, die Gefahr der Falschaussage liegt zudem relativ hoch. Schnelle Emotionswechsel sind auf diese Art gar nicht zu messen, es wird lediglich Auskunft über ein Grund- oder Endgefühl gegeben.

An diesen unterschiedlichen Ansätzen wird deutlich, daß es mehrere Komponenten von Emotionen gibt, die - oft und unglücklicherweise - unabhängig voneinander gemessen werden können. Lazarus (1991) zählt vier beobachtbare Variablen auf: Handlungen, Physiologische Reaktionen, Selbstauskünfte sowie Kontext und Umweltereignisse. Die Forscher sind sich einig darin, daß alles dies - und noch mehr, nicht meßbares - Bestandteil von Emotionen ist und für ein vollständiges Bild vollständig erfaßt werden müßte. Praktisch beschränkt sich die Forschung auf einen Aspekt, der durch die Wahl des Meßverfahrens deutlich wird.

d) Implikationen des Meßverfahrens

Dahinter stehen weitergehende Implikationen: Wird eindimensional gemessen, bedeutet dies, daß nach einer Theorie gearbeitet wird, die Emotionen zum Beispiel nur durch Erregung beschreibbar meint. Vieldimensionale Verfahren gehen zwangsläufig von der Grundannahme aus, daß Emotionen unterscheidbar und voneinander getrennt existieren und gemessen werden können. Skalen, die für bestimmte Emotionen entwickelt worden sind, sei es, daß sie zur Selbstbeschreibung oder zur Beobachtung genutzt werden, implizieren, daß der Beobachtete derzeit eine und nur eine Emotion empfindet. Werden verschiedene Skalen eingesetzt, wie eine zur Messung des Angstgrades und eine, die Aggressivität erfaßt, wird davon ausgegangen, daß diese mit den jeweiligen Emotionen korrespondieren und nicht miteinander korrelieren. Auch Adjektivlisten wie die von Izard (1971), in denen Emotionen über jeweils drei adjektivische Synonyme verschlüsselt sind, basieren auf der Annahme, daß Emotionen, wenn sie auftreten, abgeschlossene Entitäten darstellen und sich mit Worten treffend beschreiben lassen.

e) Nachteile konventioneller Verfahren

In vielen Fällen, stellen derartige Meßverfahren keine Schwierigkeiten dar. Wenn ausschließlich der Anstieg von Aggressivität erfaßt werden soll, kann sowohl eine geeignete Adjektivliste wie ein Skalierungsverfahren zuverlässige Ergebnisse liefern. Für die Einordnung nicht-selektierter Bildreihen zu Begriffen können mit einer notwendigerweise komprimierten Begriffsliste Zuordnungsungenauigkeiten auftreten. So wie Izard (1977) Schüchternheit und Scham in eine Emotion zusammenfaßte, können entsprechende Ausdrucksformen nicht mehr erfaßt werden. Der Ausgang einer Untersuchung kann dadurch durch die Auswahl der Kategorien stark beeinflußt werden. Je stärker die Probanden dazu gezwungen sind, eine bestimmte Kategorie auszuwählen, desto eher wird das Experiment die Annahmen bestätigen -desto größer werden aber auch die Ungenauigkeiten. Wenn im klinischen Bereich erfaßt werden soll, ob ein Patient unter Depression, Angstzuständen oder Feindseligkeit leidet und zu diesem Zweck drei unterschiedliche Adjektivlisten eingesetzt werden (Zuckermans und Lubins Multiple Affect Adjective Check List, 1965), so wird davon ausgegangen, daß ein hohes scoring auf einer der Listen auf eine der Krankheiten hinweist. Russell zitiert Untersuchungen, die jedoch hohe Korrelationen zwischen allen drei Skalen aufzeigen. Ein hoher Wert alleine scheint noch kein spezifisches Kriterium für einen der Fälle zu sein, eher eine allgemeine klinischen Prädestination anzudeuten, die über anderen Symptome spezifiziert werden muß, die für die jeweilige Krankheit charakteristisch sind. Allen Krankheiten gemein ist eine gewisse Zurückgezogenheit und ein unangenehmes Gesamtgefühl; dies kann ein Hinweis darauf sein, daß Emotionen keine abgeschlossenen Entitäten darstellen, nicht aber kann das Auftreten dieser Symptome zur Diagnose einer der Krankheiten ausreichen.

f) Ausweg Kreisform - die möglichen Vorteile

Für Schlosberg ergab sich die Überlegung zu der kreisförmigen Anordnung von Emotionen aus dem Studium von Woodsworths Gesichtsstudien. Ihm fiel auf, daß die Enden der von Woodsworth verwandten linearen Skalen zusammenfallen, er trug Ergebnisse zusammen, die auf die Kreisstruktur hinwiesen und verifizierte die Überlegungen. Erst anschließend untersuchte er, ob Achsen existieren könnten, die das Kreisbild sinnvoll abbilden können. Ihm wurde schnell deutlich, daß auf diese Art die schwierige Fragestellung um die Messung von Emotionen potentiell auf die Messung der beiden Achsen des Kreisbildes reduziert werden könnte.

Aus diesem pragmatischen Ansatz, endlich ein einfaches Instrument zur Emotionsbestimmung zu besitzen, entwickelte sich vor allem das zirkuläre Modell der Emotionen weiter. Russell nutzt es, um Forschern Fehler in ihrem Studienaufbau nachzuweisen, so bei einer Überprüfung des berühmten Schachter und Singer Experimentes. An der Position der Emotionen auf der Kreisfläche können zu erwartende Korrelationen im vorhinein festgestellt werden und damit Versuchsanordnungen mit vermeintlich unabhängigen Skalen hinterfragt werden. Weitere Vorteile sieht er darin, daß die sprachlichen Schwierigkeiten wegfallen würden, die bei Untersuchungen von nonverbalem Ausdrucksverhalten (wie die Gesichtstests) sowohl in Hinsicht auf mögliche Übersetzungsschwierigkeiten wie auch auf Schwierigkeiten bei der Übereinstimmung von persönlichen Bezeichnungen von Emotionen auftreten. Auch können seiner Ansicht nach bereits gewonnene Erkenntnisse in anderem Licht erscheinen, wenn sie über das Kreismodell analysiert werden. Die Überlegung, daß Drogenkonsum allgemein zu einer Erhöhung des Erregtheitsgrades führt, kann divergierende Erkenntnisse wieder zusammenführen, da im Kreismodell von einer Startemotion ausgehend, die Folge einer Erhöhung abzulesen wäre.

Larsen und Diener sehen die Vorteile eines bestätigten zirkulären Modells von Emotionen darin, daß eine klare Struktur erkennbar würde, wie sich Emotionen auf Verhalten auswirken. Zudem wäre es ein einfacher und leistungsstarker Weg, die bereits gesammelten Fakten über Emotionen zu organisieren, es könnte helfen, viele Untersuchungsergebnisse besser zu verstehen. Es könnte auch insofern über die deskriptive Ebene hinaus wirksam sein, als daß der Einfluß anderer Faktoren oder weiterer Emotionen auf bestehende Zustände vorausgesagt werden könnte sowie die Auswirkungen von Emotionen auf Verhalten, Wahrnehmung und Physiologie berechenbar würden. Weiterhin lassen sich über dieses Modell spezifizieren, welche Emotionen gleich und ungleich sind und welche selten oder häufiger zusammen erfahren werden.

Letztendlich besteht die Möglichkeit, unabhängig von Fundamentalemotionen zwei oder drei Faktoren zu ermitteln, im Kreismodell aufzutragen und die Bezeichnung von der Lage her abzulesen. Das damit entstandene Meßverfahren könnte sowohl bei beobachtenden Untersuchungen eingesetzt werden, in denen von außen bestimmt werden soll, wie sich der Zustand des Probanden verändert, wie auch in selbstbeschreibenden Verfahren, in denen die Auskunft über Veränderungen über Dimensionen statt über Worte benannt werden könnte.

Anhand des Kreismodell können nach Ansicht von Larsen und Diener für die Untersuchung von Emotionen Adjektive ausgewählt werden, die möglich präzise, eine Emotion faktorisierende Abfragen ergeben. So läßt sich ablesen, daß für einen Test, der depressive Patienten erkennen soll, am besten eine Unterscheidung in Ple01

IV. Versuche allgemeiner Emotionskategorisierungen

a) eindimensionalen Ansätze

Eindimensionale Ansätze sind beispielsweise durch Duffy (1962) bekannt. Er ging davon aus, daß Emotionen nur in der Intensität variieren, was seiner Ansicht nach durch ein Erregungsniveau beschrieben werden kann. Über den Grad der körperlichen Energiemobilisierung können Emotionen in einer Reihe aufgelistet werden.

Thayer verfolgte diesen Weg 1967 noch weiter. Er untersuchte, inwieweit Probanden mit Hilfe einer eindimensionalen Skala, welche von extremer Erregung bis hin zu tiefem Schlaf reichte, ihren eigenen Gefühlszustand zuverlässig beschreiben können. Als Überprüfungsinstrument nutzte er Apparaturen zur Messung des Hautwiderstandes und der Herzschlagsfrequenz. Es stellte fest, daß es in der Selbstbeschreibung zwischen vier Stufen der Erregung möglich ist zu unterscheiden. Diese waren allgemeine Aktivierung, allgemeine Deaktivierung, Deaktivierung - Schlaf, Hohe Aktivierung. Dies war insofern zuverlässig als daß Personen sowohl diesen Kategorien Emotionen zuordnen konnten (Beisp. Allgemeine Deaktivierung: ausruhen, faulenzend, ruhig, sanft) wie auch diese Zuordnung durch Meßinstrumente zu bestätigen.

Multidimensionale Ansätze sind von ihrer gedanklichen Herangehensweise lediglich eine Aneinanderreihung eindimensionaler Erfassungswege. Wenn Ekman die von ihm postulierten sechs Basisemotionen nachweisen möchte und mit sechs Skalen arbeitet, so ist dies Ausdruck der oben in aller Kürze vorgestellten Schule.

b) zweidimensionale Ansätze

1. Schlosberg 1952

Der von Schlosberg 1952 veröffentlichte Artikel stellt den eigentlichen Beginn einer konzeptionell neuen Einschätzung von Emotionen dar. Schlosberg zeigte sich überrascht über deutlich hohe Zuordnungsfehler von Fotografien von Gesichtern zu festgelegten Kategorien, die ihn an dieser Art zu messen zweifeln ließen, zumal die Fehler eine Ordnung erkennen ließen, in der Kategorien in ihrer Bedeutung überlappen. Ausgehend von einer Studie von Woodsworth, stellte Schlosberg fest, daß die dort genutzten sechs Stufen zur

Emotionskategorisierung mit ihren Enden zusammenfallen. Geleitet vom Bild des Farbkreises stellt Schlosberg die Annahme auf ("led the writer to suggest..."), daß Emotionen mit Hilfe zweier Achsen beschreibbar seien. Er benennt diese ohne weitere Herleitung mit pleasantness - unpleasantness (im folgenden übersetzt mit: angenehm - unangenehm) und attention - rejection (im folgenden übersetzt mit: Hinwendung - Abwendung). Im Testverlauf bekamen die Probanden, Studenten seines Projektes, die Aufgabe, eine Reihe Bilder mit emotionalen Gesichtsausdrücken auf einer 9-stufigen Skala zwischen maximal unangenehm (1) und maximal angenehm (9) einzuordnen. Nachfolgend wurden sie aufgefordert, einen gleichen Satz Bilder auf der Skala für Abwendung (1) bis Hinwendung (9) einzuordnen.

Der Mittelpunkt des Kreisbildes wurde auf 5-5 festgelegt und alle Daten entlang der Achsen aufgetragen. Um die derart erlangten Daten mit denen von Woodsworth vergleichen zu können, wurde vom Mittelpunkt eine Linie durch den Meßwert gelegt, welche mit der Horizontalachse einen ablesbaren Winkel bildete. Dieser Winkel geteilt durch den Faktor 60, da Woodsworth lediglich sechs Skalen und nicht 360 benutzte, ergab einen direkten Vergleichswert. Insgesamt ergaben sich bemerkenswert wenige Abweichungen zu den Woodworth-Daten. Es taten sich aber die Fragen auf, ob der Mittelpunkt bei 5-5 gesetzt werden kann, ob alle Stufen in der Skala gleich groß sind und ob die beiden Achsen orthogonal zueinander stehen sollen. Dies konnte nicht abschließend von Schlosberg geklärt werden.

Schlosberg kommt zu dem Schluß, daß der Farbkreis der Emotionen eher oval sei, mit einer längeren angenehm - unangenehm - Achse. Er stellt fest, daß er zwei verbreitete Bilderserien mit den genannten Achsen sehr gut beschreiben könne.

Abb. 1: Zweidimensionales Modell von Schlosberg

In der Folgezeit bestätigten mehrere Forscher, daß Emotionen in zwei Dimensionen erfaßbar sind, welche meist mit angenehm - unangenehm sowie dem Erregungsgrad bezeichnet waren. Abelson und Sermat (1962, siehe unten) kamen bei Ihrer Arbeit mit Fotos von Gesichtsausdrücken, die sie ohne Zuhilfenahme sprachlicher Kategorien nach Ähnlichkeiten anordnen ließen, zu ähnlichen Ergebnissen wie Schlosberg. Emotionen bildeten eine Kreisform und die Achsen waren in gleicher Art bezeichenbar. In der Geschichte der Kategorisierung von verbalen emotionalen Expressionen wurden Experimente mit eben solchem Ausgang durchgeführt. (Averill, 1975; Osgood, 1966; Russel and Mehrabian 1977 - Russell 1980).

2. Abelson und Sermat (1962)

Robert P. Abelson und Vello Sermat unternahmen 1962 den Versuch, das multidimensionale Erfassen von Gesichtsausdrücken zu verifizieren. Um die bekannten sprachlichen Hindernisse zu umgehen, baten sie ihre Probanden, jeweils Fotopaare nach ihrer Ähnlichkeit zu bewerten. Dadurch entstanden Daten, die den Abstand von Emotionen zueinander im Raum angaben. Diese verglichen sie sodann mit den Daten, die Engen, Levy und Schlosberg 1958 vorgelegt hatten und die nach allen drei Dimensionen aufgeschlüsselt vorlagen. Die Auswertung zeigte, daß die beste Kategorie zur Emotionsbeschreibung Pleasure - Displeasure darstellt. Die schon im vorhinein festgestellte hohe positive Korrelation zwischen den Dimensionen Attention - Rejection und Tension - Sleep zeigte sich erneut. Es genügte demnach, mit Pleasure - Displeasure und Tension - Sleep zu arbeiten, da diese zusammen 75 Prozent der Daten abdeckten. Die Autoren konnten über ihren Weg erstmals feststellen, ob die Abschnitte auf beiden entstehenden Achsen gleich groß sind oder nicht; sie empfehlen ein Kalibrierungsverhältnis von 5:4. Über eine multidimensionale Standard Faktorberechnung konnten sie wie Charles E. Osgood (s.u.) fünf Dimensionen ermitteln, deren erste wiederum der Schlosbergschen Pleasure - Dimension glich, deren zweite eine Mischung seiner beiden verbleibenden darstellte. Die weiteren Dimensionen hatten nur geringe Signifikanz. Die Form, die sich im Raum ergibt, sei ungefähr die eines gleichschenkliges Dreieck mit dem Schlaf Stimulus in einer Ecke und aktiv - erfreuten und unerfreuten Emotionen in den anderen beiden.

2. Russell 1980

Russell führte Studien durch, in denen er die beiden genannten Achsenbezeichnungen bestätigen wollte. Er ließ Bilder kreisförmig anordnen, Adjektive acht Emotionskategorien zuordnen und nach Ähnlichkeiten zusammenstellen und Selbstbeschreibungen des eigenen Gefühlszustandes durchführen. Immer wieder ordneten sich emotionale Bezeichnungen zu einem Kreis an und es gab Überschneidungen zwischen den einzelnen. Gleichzeitig kamen immer wieder in ihrer Art ganz unterschiedliche Emotionen sehr nahe beieinander zur Anordnung; ängstlich und wütend sind auf seinen Kreisbildern enge Nachbarn, obwohl sie zu den klassischen Fundamentalemotionen gehören. Gerade diese Befunde ließen Forscher wiederholt eine dritte Dimension für das Modell fordern, das die scheinbare Nähe unterscheidbarer Emotionen im Raum auflösen sollte. Russell nennt sein zweidimensionales Modell 1989 "a very good firts approximation".

c) dreidimensionale Ansätze

1. Schlosberg 1954

Die Unsicherheit über die Zahl der Faktoren, die zur präzisen Emotionsbeschreibung nötig sind, besteht von Beginn der Forschung an. Von Russel und von Schlosberg liegen Vorschläge für zwei wie für drei Dimensionen vor, wobei sich Schlosberg zu dreien hin und Russell von dreien wegbewegte.

Schlosbergs Vorschlags, eine dritte Dimension einzuführen, erfuhr weitgehende Resonanz in der Fachliteratur, Schlosbergs Ausführungen selbst sind dahingegen überraschend dürftig und vorsichtig formuliert. Zentral beschäftigt er sich in seinem Aufsatz mit voranliegenden Untersuchungen zur Activation (Aktivitätsgrad), welche über die Messung von Herzschlägen oder von Hautwiderständen ermittelt worden waren. Dieses Meßverfahren verteidigt Schlosberg, da es zu sehr deutlichen Resultaten geführt habe und sich beispielsweise als Richtwert für angemessenes Verhalten praktisch eignen könnte (Schach spielt sich besser im ruhigeren Zustand, ein Sprint braucht höhere Aktivität). Diese offensichtlich leicht zu handhabende Größe verknüpfte Schlosberg nun mit seinen Meßreihen zu Gesichtsausdrücken. Beim Auftragen der Daten entsteht ein Modell, das einem Kegel ähnelt, dessen obere Fläche allerdings geneigt ist.

Schlosberg selbst merkt an, daß dies nur ein erster Test sein könne, dem viele weitere Messungen folgen müßten. Leider hat er seine Zahlenreihen nicht angefügt, so daß heute nicht nachvollziehbar ist, inwieweit die dritte Dimension mit einer der anderen korreliert - denn dies war der Hauptkritikpunkt, den man an Schlosbergs Erkenntnis hatte. Später aufgenommen wurde lediglich die Idee des dreidimensionalen Raumes, selbst die Bezeichnung mit Activation war stets Gegenstand reger Diskussion.

2. Russell (1977)

Russell (1977) fand drei unabhängige bipolare Dimensionen, die allesamt notwendig wie genügend zur angemessenen Beschreibung von Emotionen seien. Er bezeichnete sie mit angenehm - unangenehm, Grad der Erregung und Dominanz - Unterwürfigkeit. Um diese zu bestätigen, setzte er sie 43 weitere Skalen im Vergleich aus. Studenten wurden gebeten, eine Beschreibung einer Situation durchzulesen und das Gefühl, das sie dabei empfinden würden, wenn sie es erlebten, in allen Skalen festzuhalten. Insgesamt wurden 200 Situationen jeweils zwei Mal getestet. Alle getesteten Skalen (bis auf eine) lieferten die beabsichtigten Situationsbeschreibungen mit hoher Zuverlässigkeit. Zwischen so unterschiedlichen Skalen wie denen für Freude (Johnson & Myers) und Überraschung (Izard) oder Ängstlichkeit (Nowlis) traten jedoch nicht unerhebliche Korrelationen auf, was Russell an der Theorie der abgeschlossenen Emotionen zweifeln ließ und als Hinweis auf eine notwendige neue Art der Beschreibung von Emotionen auffaßte. Die Beziehungen zwischen den getesteten drei Dimensionen von Russell waren dahingegen nicht signifikant, den höchsten Wert erreichten Freude und Dominanz (.40). Über diverse Berechnungen im Vergleich zu den Ergebnissen der anderen Skalen, kam er zu dem Ergebnis, daß Freude und Erregung als unabhängige Dimensionen anzusehen sind, da in weniger als fünf Prozent der Fälle Skalen für Freude mit denen für Erregung korrelierten. Die drei Dimensionen deckten zudem die Erfassung aller mitgetesteten Skalen ab, was Russell durch Korrelationskoeffizienten aufzeigte. In einer zweiten Studie ließ er die Probanden Emotionen, die sie sich vorstellen sollten, mit den drei Dimensionen beschreiben. Zentrales Ergebnis war, daß er selbst auf diese selbstbeschreibende Weise valide Daten erlangte, die die Dimensionen als praktikabel erscheinen lassen.

3. Osgood (1966)

Charles E. Osgood stellte 1966 ein Experiment vor, mit dem er versucht, die "dimensionale Struktur des sprachlichen Raumes, in dem Ausdrucksformen des Gesichtes bewertet werden, zu bestimmen" ("The primary purpose is to determine the dimensional structure of the semantic space within which facial expressions are judjed."). Zudem ging er der Frage nach dem Bestehen von "primären Emotionen" nach. Er arbeitete mit Darstellern, die Gesichtsausdrücke vor dem bewertenden Publikum einnehmen sollten. 40 verschiedene Zustände, die sich auf die von Woodsworth benannten bezogen, sollten von dem Auditorium in einer vorgegebenen Liste den ihrer Meinung nach passenden Begriffen zugeordnet werden.

Neben Berechnungen, die nachweisen sollten, wie stabil sowohl Wahrnehmung wie auch Darstellungsfähigkeit sind, unternahm Osgood eine Faktoranalyse, über die er drei Dimensionen ermittelte, mit denen Emotionen am genauesten beschrieben werden können. Er errechnete Wahrscheinlichkeiten, mit denen jede Emotion als eine andere bezeichnet werden könnte. Diese Wahrscheinlichkeiten lassen sich als Abstände darstellen, die Regelmäßigkeiten ergeben, die sich wiederum als Dimensionen lesen lassen. Da er keinerlei Skalen während der Datenerhebung verwandt hatte, waren seine Dimensionen unbenannt. Die ermittelten Korrelationen zu Schlosbergs drei Dimensionen waren allerdings durchgehend hoch. Mit Pleasantness und Activation stimmt Osgood gänzlich überein, die dritte Dimension möchte er lieber als Control-Dimension bezeichnet wissen. Die Werte im Raum angeordnet ergeben nach Osgoods Beschreibung die Form einer abgeschnittenen Pyramide. Die Tiefe wird durch Activation gebildet, Pleasantness hat seinen höchsten Punkt an der Spitze der Pyramide und seine Basis in der vorderen Basislinie, die wiederum das Spektrum der Control-Dimension abbildet.

Neben diesen schwer zu verifizierenden Ausführungen Osgoods, ist die von ihm vorgenommene Cluster-Bildung von hohem Interesse. Aus seinen Abstandsdaten errechnete er Cluster mit Emotionen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzen, vertauscht zu werden. Dadurch können sehr genau Felder beschrieben werden, die einem der Emotionskategorien zugeordnet sind. Durch die Einführung dieser Ungenauigkeit gelingt die Verbindung zwischen dem exakten Koordinatenmodell wie es Schlosberg oder Russell vertreten und der praktischen Anwendung der Emotionsskalen, die diverse Differenzierungen vermissen lassen. Prinzipiell könnte dies ein Weg sein, über drei Meßwerte für drei Dimensionen mit angemessener Wahrscheinlichkeit eine benennbare Emotion bestimmen zu können. In der Art, wie Osgood sie präsentiert und herausarbeitet, sind die Dimensionen noch zu ungenau definiert, Cluster unsauber lokalisiert und das Endergebnis seiner Forschung insgesamt weitestgehend undurchdringbar dargestellt.

d) Ein dreidimensionales Cluster-Modell

Den Weg, dessen Anfang Osgood durchblicken ließ, gingen 1987 eine Gruppe Wissenschaftler aus Denver weiter. Phillip Shaver, Judith Schwarz, Donald Kirson und Cary O'Connor beziehen sich mit ihrer Arbeit auf eine Theorie von Rosch (1978), die sie als Prototypenanalyse (prototype analysis) bezeichnen und nicht urtümlich aus der Emotionsforschung stammt. Rosch hat, ihren Ausführungen folgend, für Bezeichnungen eine vertikale und eine horizontale Differenzierungsebene unterschieden. Die vertikale besteht aus einem superordinate Level (ihr Beispiel ist der Begriff Möbel zur Bezeichnung der Gesamtheit), einem basic Level (Stuhl) und einem subordinate Level (Küchenstuhl). Auf der horizontalen Ebene befinden sich auf gleicher Höhe diejenigen Begriffe der gleichen Levels aus unterschiedlichen Zusammenhängen. Der Leitgedanke ist der, daß Kategorisierungen aus dem basic Level den besten Kompromiß zwischen Informiertsein und kognitiver Wirtschaftlichkeit bieten und deshalb von Menschen bevorzugt werden. Dieses Modell auf Emotionen übertragen, befinden sich die klassischen Basisemotionen (Wut, Furcht, Freude etc.) auf dem basic Level. Durch die Übernahme der Rechen- und Erfassungsmethoden des Rosch-Ansatzes versuchen die Forscher alle drei Level für Emotionen zu bestimmen - zunächst unabhängig von bisher in der Emotionsforschung getroffenen Unterscheidungen. Sie untersuchen zu diesem Zweck die hirarchische Struktur der Emotionen, die sie nachfolgend mit den Ergebnissen aus Faktoranalysen (Osgood, s.o.) und multidimensionalen Skalierungstechniken zu vergleichen gedenken.

Ausgehend von Averills Semantischem Atlas der Emotionalen Konzepte (1975) stellten die Forscher eine Liste mit 135 Worten zusammen, die in einem Vortest zuverlässig als emotionsbeschreibend identifiert wurden. 100 Studenten wurden im eigentlichen Experiment aufgefordert, die 135 Worte in Ähnlichkeitskategorien zu ordnen. Es war ihnen freigestellt, wieviele Kategorien sie bildeten, so daß deren Anzahl zwischen zweien und 64 schwankte. In einer 135 auf 135 Felder großen Matrix wurde aufgetragen, wie die Begriffe zusammengestellt wurden. Für jede Kombination wurde im entsprechenden Feld um eins aufaddiert, so daß die höchste Ähnlichkeit, in ihrer Terminologie Clusterstärke, durch 100 gekennzeichnet wurde. Aus diesen Daten wurde Durchschnittsdistanzen ermittelt, die als Ergebnisdaten veröffentlicht sind. Die oben erwähnten subordinated Levels sind dadurch gekennzeichnet, daß sie eine Clusterstärke größer 50 aufweisen. Basic Levels weisen eine entsprechend niedrigere Stärke auf, beispielsweise liegt love bei 27.5 (Siehe Abb. 7).

Die Benennung der Basic Levels erfolgte mit Rücksicht auf bereits bestehende Theorien; Offensichtliche Ähnlichkeiten in der Benennung wurden zugunsten der bestehenden Begriffe entschieden, auch wenn für andere, ihrer Meinung nach passendere Worte bessere Werte (meist unwesentlich) errechnet worden waren. So wurde love statt affection oder joy statt happiness gewählt. Weitere Basic Levels sind anger, sadness und fear, hinzu kommt surprise, welches später nicht mehr als selbständiges Level gewertet wird.

Die subordinated Level unterscheiden die Autoren in core und noncore subclusters. Core subcluster sind dadurch gekennzeichnet, daß in ihnen das Wort der Bezeichnung des übergeordneten Basic Levels wiederum enthalten ist. Für diese Cluster wurde eine hohe Repräsentivität für das gesamte Basic Level und hoch signifikante Differenz zu noncore subclusters ermittelt. Die Cluster des s01

adoration

*affection

love

fondness

liking

attraction

caring

tenderness

compassion

sentimentality

arousal

desire

*lust

passion

infatuation

*longing

amusement

bliss

*cheerfulness

gaiety

glee

jolliness

joviality

joy

delight

enjoyment

gladness

happiness

jubilation

elation

satisfaction

extasy

euphoria

enthusiasm

zeal

*zest

excitement

thrill

exhilaration

*contentment

pleasure

*pride

triumph

eagerness

hope

*optimism

*enthrallment

rapture

*relief

amazement

surprise

astonishment

Abb. 5: Hirarchische Clusteranalyse (Shaver et al., 1987)

Dargestellt ist beispielhaft der linke Teil einer umfassenderen Grafik. Es soll deutlich werden, wie die Autoren die Cluster bilden, in größeren Einheiten zusammenfassen und ihre Zusammenhänge visualisieren. Die Höhe der Knotenpunkte zeigt die Clusterstärke. Jeder Cluster besitzt >50, die Bezeichnung love befindet sich auf 25. Nicht abgebildet sind die adäquat strukturierten Diagramme für anger, sadness und fear.

Im nächsten Schritt errechneten die Forscher sowohl ein zwei- wie ein dreidimensionales Modell für ihre Daten und kamen zu dem Ergebnis, daß eine dreidimensionale Darstellungsweise ihren Werten eher gerecht wurde. Im zweidimensionalen Modell fallen die Werte grob in einer Kreisform, wie dies zuvor bereits Russel (1980) oder Schlosberg (1952) auf anderem Weg gezeigt hatten. Es fällt auf, daß große Teile unbesetzt bleiben, was damit begründet wird, daß weniger deutlich emotionale Begriffe nicht mit aufgenommen worden waren, die diese Bereiche abdecken könnten. Zudem tritt das altbekannte Problem auf, daß Kategorien, die im Alltag deutlich unterschieden werden können (Angst und Wut) im Modell weitgehend zusammenfallen und nicht differenziert werden können. Die beiden Achsen werden bezeichnet mit Evaluation und Intensity.

Die Hauptgründe, die für ein dreidimensionales Modell sprechen, sind nach ihrer Ansicht, daß ansonsten nicht deutlich wird, daß Emotionen aus dem Wut-Bereich sehr stark sind (high potency), die aus der Traurigkeit eher schwach (low potency) und die anderen vier Kategorien sich dazwischen bewegen. Außerdem kann nicht deutlich werden, daß Furcht und Überraschung hohe Werte in Aktivität aufweisen (high in activity), Liebeswerte eher ruhig sind (low in activity) und die anderen Kategorien sind dazwischen bewegen. Die im dreidimensionalen Ansatz weiterhin bestehenden Überschneidungen zwischen Basisemotionen erklären sie mit dem Hinweis auf die Eigenschaft von Emotionen, nicht klar abgrenzbar zu sein. Hier muß angemerkt werden, daß dies eine Annahme ist, die erst zu dieser Art von Darstellung führen konnte und trotz ihres aus Sicht der Forscher unangenehmen Auftretens zur Bestärkung der allgemeinen Theorie der kreisförmig meßbaren Emotionen dienen kann. Eigenartigerweise bauen Shaver et al. ihr entwickeltes Modell nicht weiter aus, obwohl es den Endpunkt ihrer Analyse bildet. Sie begnügen sich mit der Feststellung: "The three-dimensional solution helps to differentiate between what the cluster analysis suggests are separate basic-emotion categories, and it is clearly more informative as a representation of emotion knowledge than the two-dimensional solution."

V. Weitere Ergebnisse der Arbeit mit Emotionskreisen

Die Forschung um den Kreis der Emotionen beschäftigt sich offensichtlich vielfach mit sich selbst, sie betreibt weitgehend Grundlagenforschung und ist bemüht, das Modell zu bestätigen, zu verfeinern oder auch zu widerlegen. Einige andere Fragen, die Themengebiete der Emotionsforschung betreffen, wurden jedoch ebenfalls mit Hilfe des besprochenen Modell untersucht.

a) Sind Emotionen von Geburt an unterscheidbar ?

In einer Studie, die Russell und Bullock 1985 veröffentlichten, gingen beide der Annahme nach, daß eine kreisförmige Anordnung von Emotionen nicht durch Sprache und deren Ähnlichkeiten erlernt wird, sondern schon bei sehr jungen Kindern festzustellen ist. Dies könnte bereits möglich sein, bevor sie Emotionen in Klassen wie Ärger, Freude, Trauer usw. einzuordnen in der Lage sind. Die Autoren versuchten dadurch zu untermauern, daß sich Emotionen tatsächlich in einem zweidimensionalen Raum existieren, der späterhin mit Adjektiven belegt wird, unabhängig von sprachlichen Festlegungen.

Nach dem Modell, das Russell 1980 entwarf, entsprachen die beiden bipolaren Dimensionen pleasure-displeasure und degree of arousal.

300 Testpersonen wurden Fotografien vorgelegt, die zum Teil aus dem Repertoire der Gesichtsausdruckstest von Ekman stammten und zum Teil Eigenproduktionen waren. Welche Emotionen auf diesen Fotos dargestellt wurde, war für die Untersuchung von sekundärer Wichtigkeit, in jedem Fall waren es zwei pro Emotion. Kinder wie Erwachsenen bekamen die Aufgabe, die Bilder nach Ähnlichkeiten zusammenzustellen. Die Ergebnisse wurden wiederum kreisförmig angeordnet, wobei Nähe hohe Ähnlichkeit und Abstand geringe Ähnlichkeit bedeutete. Es stellte sich heraus, daß, beinahe unabhängig vom Alter der Versuchspersonen, gleiche Verhältnisanordnungen trafen, die wiederum mit dem Kreismodell von Russell hohe Korrelation zeigten. Die Forscher schlossen daraus, daß das Wissen um Verbindungen zwischen Emotionen nicht durch Sprache vermittelt wird, sondern ein andere, davorliegende, unbekannte Quelle besitzt.

b) Sind Emotionen kulturunabhängig ?

Eine weitere Studie befaßte sich mit der Frage, welche Emotionen Menschen aller Kulturen gemeinsam sind und welche nur in bestimmten zu finden sind. Der Streit um kulturspezifische versus universale Emotionen ist alt (Ekman 1982, vs. Averill 1980). Wiederum wurden Fotos vorgelegt (einer chinesischen und einer griechischen Gruppe), aber es wurde auch mit Begriffslisten gearbeitet. In beiden Fällen sollten die Probanden die gezeigten Emotionen in Gruppen nach Ähnlichkeit übertragen. Später wurden die Zuordnungen in die Kreisfläche umgerechnet. Die Autoren "cannot yet say that the circumplex model ist pancultural". Zu schließen ist lediglich, daß Kultur nicht der einzige Faktor bei der Entstehung von Emotionen sein kann, zu übereinstimmend sind die Ergebnisse. Gleichzeitig läßt sich auch zeigen, daß in den verschiedenen Kulturen Emotionen unterschiedlich in den vorgegebenen Dimensionen skaliert werden. "our evidence did demonstrate the generality of the circumplex across a broad range of cultures."

c) Kann mit dem Emotionskreis gemessen werden ?

Die Frage nach der Nutzung des Emotionskreises als Meßinstrument ist keine häufig verfolgte. Durchaus ergeben sich Überlegungen, inwieweit die Erkenntnisse für spätere Untersuchungen genutzt werden könnten (siehe III.F). Sehr selten sind dahingegen konkrete Anleitungen, wie bei Messungen vorgegangen werden könnte. Russell lieferte eine solche, indem er empfahl, zunächst Skalen für angenehm - unangenehm und Erregung - Schlaf einzusetzen. In dem Falle, daß eine spezifische Emotion von Interesse ist, sollte zusätzlich eine dieser entsprechende Skala eingesetzt werden. Außerdem sollten Probanden nicht nach einer einzelnen passenden Zuordnung gefragt werden, sondern die Möglichkeit gegeben werden, jede Beschreibung skalierend nach ihrem Zutreffen zu bewerten. Er plädiert damit für ein zweidimensionales Verfahren mit einer nachgeschalteten Verfeinerung - aus pragmatischer Gründen wie aus der damals bei ihm vorherrschenden Überzeugung heraus.

VI. Offene Fragen, Kritik und Probleme mit Emotionskreisen

Frijda sieht sich inmitten dieser Diskussion um Dimensionen oder fundamentale Emotionen letztendlich doch unbefriedigt: Ihm fehlt in beiden Beschreibungen das, was die spezifische Erfahrung einer Emotion ausmacht. Die dimensionale Beschreibung ist seiner Ansicht nach in dieser Hinsicht noch ungenügender, sie beschreibt die Erfahrung nicht wirklichkeitsgetreu. Furcht sei immer noch mehr als nur etwas Unangenehmes mit durchschnittlicher Erregung. Frijda: "Something essential seems to be lacking" und "apparently, emotional experience is richer, more diversified than suggested so far.

Als entschiedener Kritiker der Emotionsmessung über Dimensionen stellt sich auch Richard S. Lazarus (1991) dar. Seiner Ansicht nach gehört zu einer Betrachtung von Emotionen immer auch die Betrachtung des Prozesses hinzu, aus dem die Emotion hervorgegangen ist, dessen Stadium und die Umstände, die sie beeinflussen. Er argumentiert, daß es über eine Messung von Emotionen, wie es gewöhnlich geschieht, nicht möglich ist, Zustände zu erfassen, in denen sich Personen gleichzeitig enttäuscht und trotzdem froh fühlen, etwas, das viel häufiger vorkomme, als daß es vernachlässigbar sei. Zudem könne man Personen befragen, die sich in einer nicht stark emotionalisierenden Situation befinden und bei ihnen positive wie negative Emotionen ermitteln, die allerdings nicht, wie zu erwarten wäre, stark negativ miteinander korrelieren. Aus diesem Grund sei eine Mitbeachtung der Umgebung der Probanden unerläßlich.

Seine Kritik zielt weiterhin darauf, daß die Faktoranalyse wichtige psychologische Bedeutungen verwische und dadurch den gesamten emotionellen Prozess undeutlicher werden ließe. Lazarus: "The main critique, however, is that the words in Figure 2.1 (Anm.: Ein zweidimensionales Emotionsmodell nach Watson & Tellegen, 1985), though placed in the same position in the circular matrix, do not all represent the same state, and the differences among them are, perhaps, as important as their similarities."

Dabei schwingt allerdings auch eine Argumentation mit, die auf die Unzulänglichkeit der Alltagssprache verweist: Wer an einem Morgen, an dem er nichts Wichtiges zu tun hat, sagt, er fühle sich schläfrig, befindet sich nach Lazarus Ansicht durchaus in einem positiven Zustand. Fühlt sich die gleiche Person dahingegen während einer Sitzung schläfrig, muß er dieses Gefühl bekämpfen und empfindet es womöglich als unangenehm, womit die Emotion an einer gänzlich anderen Stelle im Modell erscheinen müßte.

Lazarus zitiert weiter aus einem Aufsatz von Clore, Ortony und Foss, in dem sie speziell Osgoods Ansatz (wie oben ausgeführt), aber damit die gesamte Forschungsrichtung in ihrer Sinnhaftigkeit bezweifeln. Den Kategorien, mit denen im mehrdimensionalen Modell Emotionen erfaßt werden, sprechen sie bestenfalls allgemeinen Aussagewert zu, sie seien "universal dimensions in terms of which any concept can be scaled." Und weiter: "If this is correct, then nothing unique is about the nature of emotions has been discovered...". Ihre Kritik zielt darauf, daß mit diesen Kriterien Emotionen nicht einmal von anderen Zuständen zu unterscheiden seien, das Modell würde damit gänzlich an dem eigentlichen Wesen der Emotionen vorbeimesse und für sie nicht signifikante Parameter erheben.

Zu den Problemen im Umgang mit dem Kreismodell der Emotionen äußerten sich 1992 ausführlich Randy J. Larsen und Edward Diener. Eines beschreibt ein Problem in der un0

VII. Abschließende Betrachtung

Shaver et al. leisten meiner Ansicht nach in ihrer Herangehensweise das, was heute von einer dimensionalen Emotionsanalyse zu erwarten ist und fassen gleichzeitig das zusammen, was in den damals vergangenen fast 40 Jahren an Erkenntnissen zusammengetragen worden war. Sie nähern sich der Aufgabe mit bemerkenswerter Unvoreingenommenheit, weder nehmen sie Dimensionen einfach an, wie Schlosberg (1954) dies tat, noch verfolgen sie das Ziel, vorgegebene Dimensionen zu bestätigen, wie Russell dies vorhatte (1966). Gleichzeitig lassen sie die Vorgaben der anderen Forscher nicht aus dem Blick, so daß sie eine verbindende und erhellende Rolle spielen. Sie treten auf, wie der Schlichter in einem verworrenen Rechtsstreit, der den Fall von Anfang an betrachtet und zu seinem eigenen Ergebnis kommt. Heraus kam eine Präferenz für ein dreidimensionales Modell, eine Entscheidung, die schon angesichts des endlosen Makels der Vermischung von Angst und Wut unvermeidlich scheint. Auch die Fortführung dessen, was Osgood undurchschaubar vorexerziert hatte, die Arbeit mit Clustern und jetzt auch Leveln trägt zur Strukturiertheit der Untersuchung nur bei. Größter Makel dieses Ansatzes ist die Arbeit mit Begriffen. Dies hatte schon bei der Arbeit mit Portraitfotos zu unbeherrschbaren Schwierigkeiten und Ungenauigkeiten geführt. Viele Forscher hatten sich bemüht, andere Wege der Messung zu finden, nun gehen Shaver et al. in dieser Hinsicht an den Beginn der Entwicklung zurück.

Bei der Betrachtung der Daten bleibt zudem die Frage, warum Shaver et al. ihren Ansatz, auf dem subordinated Level mit Clustern zu arbeiten, in der Auswertung ihrer Daten aus den Augen verloren haben. Dadurch könnten noch einmal differenzierter Bereiche herausgearbeitet werden, in denen sogar bei einer umgekehrten Anwendung benennbare Emotionen lokalisierbar wären. Dies wäre der Fall, wenn das dreidimensionale Modell der Emotionen als geeichtes Meßinstrument eingesetzt würde. Es ist höchst unwahrscheinlich, über die Skalierung von drei Faktoren Emotionen wie lustig und fröhlich auseinanderzuhalten - einen Cluster mit dem Titel Heiterkeit zu identifizieren, dagegen reichlich plausibel. Warum also nicht den Versuch unternehmen und die bereits bestehenden Cluster grafisch aufarbeiten und im dreidimensionalen Raum anschaulich machen ?

Die Achsen sind bezeichnet mit E (evaluation), P (potency) und A (activity). Jeder Cluster ist mit einer Zahl bezeichnet und mit seiner maximalen Ausdehnung in allen drei Richtungen versehen. Die Cluster 1-3 beschreiben love words, 4-10 joy words, 11-15 anger words, 16-21 sadness words und 22-23 fear words. Die mit Buchstaben gekennzeichneten Punkte sind offensichtlich aus den Clustern herausfallende Emotionsbezeichnungen. Diese sind: a) contempt, b) insult, c)sympathy, d) melancholy.

Die Bezeichnungen der Cluster sind wie folgt: 1) affection, 2) lust, 3) longing, 4) cheerfulness, 5) zest, 6) contentment, 7) pride (nicht darstellbar), 8) optimism, 9) enthralment, 10) relief, 11) irritation, 12) exasperation, 13) rage, 14) disgust, 15) envy, 16) torment, 17) suffering, 18) sadness, 19) disappointment, 20) shame, 21) neglect, 22) sympathy, 23) horror, 24) nervousness.

Die Daten der abgebildeten Grafik wurden derart errechnet, daß die Mittelwerte der Werte jedes Clusters gebildet wurden. Die Ausdehnung des Clusters ergibt sich aus dem Abstand der Extremwerte in jeder Achsenrichtung. Schwierigkeiten traten bei kleinen Gruppen, die aus zwei oder drei Begriffen bestehen, auf. In ihnen weichen die Werte zum Teil derart stark voneinander ab, daß der falsche Eindruck einer großen Region zustandekommen würde, obwohl lediglich zwei Werte miteinander verbunden wurden. Diese Fälle wurde insofern ausgelassen, als daß sie als Punkte dargestellt sind. Auffallend ist ohnehin, daß die Zusammenordnungen nicht mit einer Ähnlichkeit der Achsendaten einhergehen. Offensichtlich scheint es hier eine deutliche Diskrepanz zwischen der Wahrscheinlichkeit, Begriffe zu vertauschen und den Zuordnungen in den drei Dimensionen zu geben. Wie diese zustandekommen, ist mir nicht zugänglich, da sowohl Koordinatenerrechnung wie Clusterbildung auf der Basis der Vertauschungswahrscheinlichkeit, die die Probanden ermittelt hatten, beruhte. Mit diesen Einschränkungen behaftet, läßt sich trotz der offensichtlichen Ausreißer ein Modell zeichnen, in dem die Cluster voneinander unterschieden werden können.

Deutlich werden zwei Dinge: Erstens bleibt die Unterscheidung von Emotionen innerhalb einer Basisemotion weiter schwierig, die Cluster überlappen zum Teil und zweitens fällt in dieser Grafik noch deutlicher als im Originalmaterial auf, daß nur ein geringer Teil der zur Verfügung stehenden Fläche genutzt wird. Genauer betrachtet, sind die Emotionen Liebe und Furcht in ihren beiden Unterausprägungen sehr deutlich und abgrenzbar unterscheidbar, Liebe auf einem sehr geringen und Furcht auf einem hohen Level der Activity. Der kennzeichnende Wert für die Emotion Freude ist der hohe Wert in Evaluation. Die gebildeten Cluster scheinen jedoch nicht klar genug zu sein, optimism und cheerfulness überlagern sich fast vollständig. Der Bereich Wut erstreckt sich über einen großen Bereich der Evaluation, wodurch die einzelnen Cluster gut zu differenzieren sind, wenn auch der Eindruck entsteht, daß es ein fließendes Übergehen von schwacher zu starker Wut gibt. Im Gefühl Trauer sind die Unterkategorien nicht separierbar. Alle Begriffe sind gekennzeichnet durch sehr geringe Evaluation und mittlere Werte auf den beiden verbleibenden Dimensionen.

Gerade im Bereich Trauer sind die Ergebnisse enttäuschend zu nennen. Zwar konnte über dieses dreidimensionale Modell Wut und Ärger unterschieden werden, eine geradezu fundamental relevante Anforderung, sehr viel genauer scheint aber auch mit Hilfe dieses Ansatzes nicht gemessen zu werden. Daß Ekman Scham einst in eine große Trauerkategorie mit einordnete, wurde als deutlicher Schwachpunkt erkannt, da die Ausprägungen dieser Emotionen im sozialen Leben stark differieren. Im Bereich Trauer liegen nun Scham und Traurigkeit derart eng beieinander, daß sie sich praktisch überlagern. Hierbei sollte noch angemerkt werden, daß die Bezeichnungen der Cluster, die mathematisch ermittelt wurden, bei genauerer Betrachtung nicht so deutlich sind, wie von den Autoren suggeriert. In der Unterscheidung von passionate und companionate love mag dies noch zutreffen, die Benennung eines Clusters mit neglect (Vernachlässigung, Verwahrlosung - oder gibt es hier eine Übersetzungsschwäche?), der unter anderem Emotionen wie Heimweh, Einsamkeit, und Verlegenheit subsummiert, erscheint zumindest unglücklich.

Der Umstand, daß nur zwei kleine Bereiche des dreidimensionalen Raumes von 135 emotionalen Worten eingenommen wurde, läßt sich auf mehrere Arten erklären und gibt verschiedentlich zu denken. Die Autoren nannten in ihrer Auswertung als Grund für dieses Phänomen, daß Begriffe fehlten, die nicht ausdrücklich emotional in ihrem Sinn sind, die aber in den Zwischenräumen lokalisierbar sein könnten. Die Ausreißer, die in ihrer Studie selber auftauchen, sind Melancholie, Mitgefühl und Verlangen, die einen mittleren Evaluation- Wert aufweisen. Vergleicht man die Abbildung mit der von Russell (1980), fällt auf, daß der Bereich schläfrig, müde, gelangweilt fehlt, der wahrscheinlich in einem freien Bereich anzuordnen gewesen wäre. Auch Ruhe, Ausgeglichenheit und Zufriedenheit sind Begriffe, die Shaver et al. nicht als Emotionen mit aufgenommen haben und die jetzt fehlen. Wenn man noch einmal zurückgeht auf die Darstellung von Schlosberg, so lassen sich im aktuellen Modell zwei Sechstel des Kreisbildes vermissen: Die Abschnitte Zufriedenheit (Contempt) und Ekel (Disgust) tauchen in den Begriffsstudie von Shaver et al. nicht mehr auf.

Das Problem scheint schon durch die Vorauswahl der Begriffe und wohl auch durch die Arbeit mit Begriffen selbst begründet sein. Shaver et al. scheinen mit einer anderen Definition von Emotionen zu arbeiten, wenn ruhige Zustände keine Berücksichtigung finden. Auch die Differenzierungsfähigkeit der Probanden zwischen emotionalen Begriffen ist wohl überschätzt worden, oder sie ist schlicht nicht mit den angewandten Mitteln angemessen abbildbar: In dem vermißten Cluster disgust (Abscheu, Ekel aber auch Widerwille) - er geht in die Emotion Ärger ein - finden sich die beiden Begriffe Revulsion (Umschwung, Rückzug) und contempt (Verachtung). Nun lassen sich Abscheu und Verachtung wohl noch in eine inhaltliche Übereinstimmung bringen, die Interpretation der Worte legt aber eher nahe, daß Ekel auf Dinge und Erlebnisse bezogen ist, Verachtung dahingegen auf Personen und Verhaltensweisen. Wenn beides wegen Ungenauigkeiten im Wortverständnis der Probanden vermischt wird, müssen die Ergebnisse ungenau bleiben.

Auch wenn die sprachliche Hürde der Übersetzung weiter beachtet werden muß, lassen diese Beispiele die Ergebnisse doch in fahlem Licht erscheinen. Mir drängt sich der Eindruck auf, daß die Analyse von Emotionen über Begriffe kein guter Ansatz ist, um das ersehnte Meßinstrument zu eichen. Die Herangehensweise der Forscher war es, die mein Interesse auf dieses Experiment lenkte: Zunächst unabhängig von Vorgaben Basiskategorien ermitteln und späterhin mathematisch Cluster bilden, die eine stärkere Differenzierung ermöglichen könnten. Leider mußte ich feststellen, daß über diese Daten vom eigentlichen Kreismodell der Emotionen nicht mehr viel geblieben ist. Die über Jahre zusammengetragenen Ergebnisse, die auch in dieser Arbeit vorgestellt wurden und die zeigen, daß das Modell durchaus replizierbar ist, legen die Vermutung nahe, daß die Ursache für diese Ungenauigkeiten eher bei Shaver et al. als in der grundlegenden theoretischen Annahme zu suchen sind, daß Emotionen über unterschiedliche Dimensionen erfaßbar sind.

Beim Studium der Literatur zum Thema ist deutlich herausgekommen, daß es prinzipiell möglich ist, die Dimensionen Angenehm - Unangenehm und Grad der Erregtheit für die Klassifikation von Emotionen zu nutzen. Keines der vorgestellten Experimente hat den Nachweis erbracht, daß sie für die Erfassung der unterschiedlichen menschlichen Zustände nicht geeignet wären. Die Frage, ob sie tatsächlich dem komplexen Phänomen gerecht werden und zur Beschreibung genügen, läßt sich nur mit dem Hinweis auf die gewünschte Genauigkeit und den Umfang des Untersuchungsbereichs beantworten.

Die Kritik von Lazarus, Clore et al. und auch Frijda zielt genau in diese Richtung. Ihr gemeinsamer Nenner, daß Emotionen mehr seien als bloß zwei oder drei Faktoren, faßt Frijda zusammen: "The dimension values do not truly explain the experience". Damit wird deutlich, welche unterschiedlichen Erwartungen hier aufeinandertreffen. Einerseits existiert die Suche nach einfachen Instrumenten, welche den komplexen Zusammenhang, den Emotionen darstellen, erfassen und damit auch zerlegen helfen, wobei das Phänomen zwangsläufig zu reduzieren ist. Dies geschieht im Hinblick auf eine gewünschte Meßbarkeit von Emotionen und eine wissenschaftliche Unterscheidbarkeit der unterschiedlichen Zustände. Die Kritiker bewegen sich andererseits auf das Ziel zu, Emotionen in ihrer Differenziertheit mit ihren Besonderheiten, gerade in der Psyche und im Empfinden der Menschen, in aller Detailgenauigkeit zu erfassen. Dies kann nicht geradewegs in Richtung der Entwicklung von Evaluationsstrategien führen. Die Maßstäbe beider Ansätze müssen als unterschiedlich akzeptiert werden.

Ähnlich verhält es sich mit der Frage nach der benötigten Anzahl von Dimensionen. Richtig ist, daß es ein deutlicher Makel des Modells ist, daß Emotionen, die ansonsten als fundamental verschieden angesehen werden, nicht scharf getrennt werden können. Wünschenswert wäre es, hier eine genauere Trennung zu erreichen, sei es durch neue Phantasie in der Dimensionsbildung (auch wenn Experimente, die die Dimensionen erst ermitteln, nichts Neues zu Tage förderten (Shaver et al.) oder durch Einführung einer dritten Achse, die die Verschachtelungen aufhebt. Letztlich ist es aber auch eine Frage nach der nötigen Differenzierung. Hier sei noch einmal auf Russell verwiesen, der 1989 einmal Hinweise, nach Rezeption der gesamten Theoriediskussion, auf geeignete Methoden der Messung machte und anregte, die beiden Dimensionen zu akzeptieren und im Einzelfall nach Wegen zur spezifischen Differenzierung der Daten zu suchen. Dies könnte ein gangbarer Weg sein, zumal der Umgang mit einem dreidimensionalen Raum vielerlei Schwierigkeiten aufwirft und noch nicht die gewünschte Sicherheit gewährleistet.

Was bleibt, ist das große Problem der adäquaten Erfassung. Shaver et al. scheiterten mit ihrer Wort-Messung an Begriffsunklarheiten, Fotografien wurden derart ausgewählt, wie sie die besten Resultate geben, Hautmessungen sind zu eindimensional und Selbstbeschreibungen nicht verifizierbar. Es wird gearbeitet mit Schauspielern, Gefühlsimagination und Meßgeräten - aber keines der Instrumente ist geeicht und im wissenschaftlichen Sinne zuverlässig. Stattdessen wirft jedes einzelne neue Fragen auf: Können Menschen sich verstellen ? Werden Worte gleich gedeutet ? Messen Geräte Emotionen oder durch andere Anlässe ausgelöste Reaktionen ?

Den Abschluß kann deshalb keine Vorstellung eines einzelnen Modells bilden. Lediglich ein Eindruck bleibt bestehen, daß Emotionen nicht als voneinander abgeschlossen betrachtet werden können, die bislang erfaßten Dimensionen aber weiterhin ungenügend und unpräzise sind.

Der Verdienst der jahrelangen Diskussion um Sinn und Wesen der dimensionalen Emotionsmessung läge dann weniger in der Herausbildung eines neuen Meßintrumentes, sondern vielmehr in neuen Einsichten in Zusammenhänge des emotionalen Lebens der Menschen. Und selbst wenn dadurch nur Fehler im Meßaufbau vermieden werden konnten, dann hat die intensive Debatte der Wissenschaft einen wichtigen Dienst erwiesen.

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Details

Seiten
33
Jahr
1997
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95159
Note
Schlagworte
Methodologie Klassifikation Emotionen Kreis Proseminar Publizistik Rolle Kommunikation

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Titel: Methodologie und Klassifikation von Emotionen - Der Kreis der Emotionen