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Architektonische Ratgebersendungen im Fernsehen - Das Beispiel `zuhause`

Hausarbeit 1997 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Problemaufriß

3. Untersuchungsgegenstand
3.1. Ratgebersendungen - historisch, Definition
3.2. Thesen zur Darstellungsart und Begriffsdefinitionen
3.2.1. Text-Bild Nähe
3.2.2. Sachthemen vs. Personenthemen
3.2.3. Erscheinungsbild
3.2.4. Schnitttechnik
3.3. Vermittlung von Normen - Definition
3.4. Vermittlung von Werten - Definition

4. Norm- und Wertanalyse von zuhause
4.1. Differenzierung der Untersuchungsebenen
4.2. Deskriptive Analyse
4.2.1. Macroebene
4.2.2. Mesoebene
4.2.3. Microebene
4.3. Quantitativ-qualitative Analyse
4.4. Microanalyse
4.4.1. Methodische Vorgehensweise
4.4.2. Normen im Text
4.4.3. Werte im Text
4.4.4. Assoziationen zur Bildebene
4.4.5. Werte im Bild
4.5. Mesoebene
4.5.1. Schnittechnik
4.5.2. Textmenge
4.5.3. Text-Bild Analyse
4.5.4. Personen- und Sachthemen
4.5.5. Erscheinungsbild
4.6. Macroebene

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Anhang

Einleitung

Ratgebersendungen führen in Fernsehprogramm wie in der publizistischen Literatur ein bescheidenes Nischendasein. Im Fernsehen sind sie als notwendige Ergänzung und als Gegengewicht zum unterhaltenden Mehrheitsprogramm konzipiert und kommen im öffentlich-rechtlichen Systems dem Anspruch nach, umfassende informationelle Grundlagenversorgung zu leisten. Sie versuchen Lebenshilfe zu geben und reagieren damit auf eine Entwicklung, in der der Fernseher für viele Menschen zum täglichen Leben dazu gehört, für viele sogar Lebensmittelpunkt geworden ist. Das Medium setzt sich so gesehen über Ratgebersendungen sowohl mit seinem eigenen Erfolg wie auch mit seinem Selbstverständnis auseinander. Angesichts der zur Verfügung stehenden Sendezeiten scheint dies nicht mehr als ein Feigenblatt zu sein.

In der publizistischen Literatur ist die Sachlage nicht anders: Nur an ganz vereinzelten Stellen lassen sich Verweise auf Ratgebersendungen finden, als eigenständiges Forschungsgebiet sind sie noch nicht erschlossen. Zu eindeutig mag ihr Sendeauftrag erscheinen, zu klar die Absichten, zu herkömmlich Aufbau und Sendeform. Trotzdem birgt dieses Genre, wenn man es einmal so nennen mag, einige Ansatzpunkte, die es für Untersuchungen interessant werden lassen.

Durch die letztsemestrige Beschäftigung mit dem Thema Architektur im Fernsehen rückten die möglichen Perspektiven in den Mittelpunkt: Als Studio-Dekoration, als Thematisierung über Architekten, Gebäude oder Bestandsschutz, als Hilfsmittel zur gesellschaftlichen Positionierung von Filmfiguren oder als symbolischer Einsatz in Spots. Jeweils trug Architektur eine Bedeutung, eine Bedeutung, die im Zusammenhang mit der Aussage und den Charakteren stand. Diese Qualität herauszufinden, die dahinter stehenden Intentionen und die Art, wie es umgesetzt wurde, war Aufgabe des Seminars. Es wurde gezeigt, daß, wie und in welche Richtung Architektur als Bedeutungskonstruktion eingesetzt wird. Deutlich wurde, daß sie dazu diente, Gefühle zu erzeugen, Einstellungen zu Personen und Handlungen zu beeinflussen, Personen zu charakterisieren und Reflexion über Architektur selbst in Gang zu setzen. Zwei Untersuchungslinien werden in den unterschiedlichen Arbeiten sichtbar: Einmal der Einsatz der Architektur als unterstützendes Mittel und einmal als Gegenstand der Betrachtung. Ratgebersendungen gehören zur zweiten Kategorie. In ihnen wird Architektur reflektiert und diskutiert. Jede Sendung kommt zu unterschiedlichen Einschätzungen und folgt eigenen Wertvorstellungen. Die Technik aufzuzeigen, wie dies beispielhaft transportiert werden kann und welche Werte in einer Sendereihe vermittelt werden, soll Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein.

Problemaufriß

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist die Frage, inwiefern Architektur auch in Ratgebersendungen thematisiert wird und mit welchen Implikationen dies geschieht. Ein Genre steht im Mittelpunkt, daß sich explizit um Wissenserweiterung, Lebenshilfe und Handlungsanleitung seinen Zuschauern gegenüber bemüht. Auf vielfältigem Gebiet geschieht dies sehr ausführlich: Medizinische Gesundheitsratgeber, Finanzratgeber und Verbrauchertips sind auf mehreren Kanälen zu finden. Zum Thema Architektur ist die Sendelage dahingegen etwas dürftig. Mit der Sendung zuhause des mdr wurde eine Reihe ausgewählt, die sich der Innenarchitektur und den Menschen, die diese Architektur nutzen, zuwendet. Hintergrund der Betrachtung ist die Annahme, daß auch und gerade in derartigen Sendeformen eine Einstellung zur Architektur vermittelt wird, die prägend für den eigenen Umgang mit baulichen Gegebenheiten sein kann. Leitend ist deshalb die Frage, welche Normen und, daraus folgend, welche Werte eine Sendereihe vermitteln möchte, die in den ehemals neuen Bundesländern das Thema Wohnen aufgreift. Zunächst soll in 3.1. soll ausgeführt werden, wie sich Ratgebersendungen im deutschen Fernsehen entwickelt haben und wie sie inhaltlich zu beschreiben sind. Daß die spezifische Thematik besonderer Vermittlungsbemühungen und damit Darstellungsarten bedarf, wird in 3.2. ausgeführt. Es wird die These aufgestellt, daß in Ratgebersendungen besonders stark Normen und Werte vermittelt werden. Was darunter verstanden wird, wie sich diese Vermittlung äußert und wie sie zu quantifizieren ist, ist Thema der folgenden Abschnitte. Mit Beginn des Kapitels vier wird die Konzeption der Sendung zuhause ausgeführt, an der im Anschluß eine Norm- und Wertanalyse durchgeführt wird, die zeigen soll, wie das Selbstverständnis dieser Sendung ist und welcher Aufbau ihr zugrunde liegt. Gearbeitet wurde auf drei Ebenen: Auf der Microebene wird der einzelne Beitrag analysiert, die Ergebnisse werden mit Analysen auf der Mesoebene, die Gesamtsendung betreffend, ergänzt, um zu einer abschließenden Bewertung der Sendereihe auf Macroebene zu gelangen. Zu diesem Zweck werden die Ebenen zunächst differenziert und im ersten Schritt deskriptiv behandelt.

Untersuchungsgegenstand

Beispielhaft für Ratgebersendungen zum Thema Architektur soll eine Folge einer Sendereihe untersucht werden. Zu diesem Zweck ist es hilfreich, das Genre etwas einzugrenzen und wichtige Begriffe zu klären. Im nächsten Schritt kann dann sowohl eine quantitative wie auch eine qualitative Untersuchung vorgenommen werden.

Ratgebersendungen - historisch, Definition

Ratgebersendungen sind im deutschen Fernsehen eine relativ neue Erscheinung. Anfang der sechziger Jahre gab es erste Ansätze, daß im Fernsehen Rat erteilt wurde. Es erschienen die "Tips für Fotofreunde", der "Kochclub" oder die Sendung "Meine Groschen - Deine Groschen", die Hilfe bei finanziellen Fragen anbot. Diese Angebote waren noch meist als Ratgeberteile in andere Sendungen integriert.

Wenn ein Ratgeber ein "Büchlein o.ä., in dem Anleitungen, Tips o.ä. für die Praxis auf einem bestimmten Gebiet enthalten sind" (Duden 1980: 2100), ist, dann hat das Fernsehen in Ratgebersendungen genau diesen Auftrag zu erfüllen. Sie geben Hilfestellungen oder Empfehlungen für Situationen, die schwer alleine zu bewerkstelligen sind und versuchen, den Zuschauer bei der Suche nach dem besten Weg zu unterstützen. Diese konkrete Lebenshilfe trat erst mit der Einführung des Zweiten Deutschen Fernsehens in eine qualitativ umfassende Stufe, die, durch mehr Sendezeit, erweitertes Programmangebot und Spezialisierung der Themengebiete einer Ratgeberfunktion entsprach. ZDF-Intendant Karl-Günther von Hase wird denn auch aus einer Ansprache des Jahres 1977 in dem Sinne zitiert, daß das Fernsehen hier einer seiner wichtigen Aufgabe nachkommt: "Fernsehen muß mithelfen, Unüberschaubares erfaßbar zu machen, Lebens- und Orientierungshilfe in einer für viele Mitbürger heillosen Welt zu bieten." (Sachwörterbuch des Fernsehens. 1982: 166)

In diesem Sinne entwickelte das ZDF von Beginn der Sendetätigkeit an Magazinsendungen mit Ratgebercharakter wie das "Gesundheitsmagazin Praxis", das 1964 erstmals ausgestrahlt wurde.

1971 zog die ARD in ihrem Angebot nach und startete eine wöchentliche Sendereihe unter dem Titel ARD-Ratgeber, die von den Länderanstalten zu verschiedenen Themen (Geld, Recht, Gesundheit uvm.) produziert wurden. Erstmals wurde nicht nur Ratgeberfunktion erfüllt, sondern sie auch im Titel als solche bezeichnet. Mit der Einführung der Dritten Programme stand erneut mehr Sendezeit zur Verfügung, die unter anderem für ganze Ratgeber-Abende mit Diskussionen und telefonischer Zuschauerbeteiligung.

Das UTB stellt neben der Beratung der Zuschauer eine weitere wichtige Funktion der Ratgebersendungen heraus: "Wichtig ist jedoch, daß die R. nicht nur den Anspruch haben, auf gezielte Fragen gezielte Antworten zu geben, sondern sie sollten vielmehr beim Zuschauer Interesse wecken und ihn schließlich bewegen, selbst aktiv zu werden..." (Sachwörterbuch des Fernsehens. 1982: 167). Des weiteren wird festgestellt, daß es einen Wandel in der Darstellungsform gibt. Früher seien Ratgebersendungen häufig mit erhobenen Zeigefinger präsentiert worden, wohingegen heute Versuche mit unterhaltsameren Arten wie Quizsendungen oder Tests unternommen würden.

Beides, sowohl der letztgenannte Trend als auch der doppelte Anspruch an eine Ratgebersendung stellen Untersuchungsfragen für die Analyse von zuhause dar. Die Ergebnisse können erweisen, ob zuhause eine Ratgebersendung im klassischen Sinn ist oder ob sie bereits neuartige Auftritte umgesetzt hat, bei denen zu hinterfragen ist, ob sie den Sendeaufträgen noch gerecht werden.

Thesen zur Darstellungsart und Begriffsdefinitionen

Bei dem beschriebenen besonderen Inhalt und Auftrag der Ratgebersendungen liegt es nahe anzunehmen, daß sie zu diesem Zweck spezielle Darstellungsweisen entwickelt hat. Im folgenden sollen einige Leit-Hypothesen aufgestellt werden.

Text-Bild Nähe

Es ist anzunehmen, daß sich Ratgebersendungen durch eine besonders hohe Text-Bild-Nähe auszeichnen. Sie sind bemüht, ihren Zusehern einen Sachverhalt zu erläutern und ihn für sie nachvollziehbar zu machen. Gerade bei komplexen Themen wie Geldanlagen, Gesundheitsvorsorge oder auch bei Renovierungstips müssen die Autoren der Sendungen versuchen, ihre Aussagen mit Bildmaterial zu belegen und zu untermalen. Zweierlei Ziel verfolgen sie dadurch: Erstens können sie bei textunterstützten Bildern davon ausgehen, daß Inhalte besser memoriert werden. Und zweitens erhöhen sie auf diese Weise Akzeptanz und halten die Zuschauer bei der Sendung.

Es läßt sich über diese Vorüberlegungen die folgende These formulieren: Je höher die Nähe zwischen Text und Bild ist, desto stärker ist der beratende Charakter der Sendung ausgeprägt. Es ist ein Zeichen für belehrende Darstellung im Gegensatz zu unterhaltender.

Sachthemen vs. Personenthemen

Ratgebersendungen beschäftigen sich mit Sachthemen. Es wird über eine Sache informiert (Geld, Gesundheit, Sport, Liebe uvm.) und es werden Anregungen und Tips zum Umgang mit ihnen gegeben. Dem stehen Personenthemen gegenüber, die über Leben, Werden, Vergangenheit von Menschen berichten, die Privates, Intimes oder Geschäftliches in portraitierender Weise darstellen. Die inhaltliche Vermittlungsleistung in Sendungen mit Sachthemen kann unter Zuhilfenahme von Personen geschehen, die beispielhaft für eine größere Gruppe oder als Beispiele dargestellt werden. Der ratgebende Charakter wird dadurch hinzugefügt, indem Moderator oder Sprecher Vor- und/oder Nachteile aufzeigt und Richtungen weist. Ohne diesen Zusatz bleiben Personenthemen potentiell Normen und Werte vermittelnde Beiträge.

Sachthemen können auch mit Hilfe von Studiogästen vermittelt werden. Der Betroffene, der in das Studio gebeten wird, hat die Aufgabe, ein Erlebnis zu schildern und positives oder negatives Beispiel zu sein, an dem Verhaltensweisen veranschaulicht werden können. Der Experte hat dahingegen die Aufgabe, eine neutrale Rolle einzunehmen und objektiv, das heißt losgelöst von eigenen Erfahrungen, eine Bewertung des vorliegenden Problems vorzunehmen, um daraufhin eine Entscheidung beim Zuschauer nahezulegen.

Die Einblendung von Grafiken oder Zeichnungen wird ebenfalls dazu genutzt, Sachthemen zu visualisieren. Hier, wie auch bei Studiogästen, werden erst in zweiter Priorität Normen und Werte vermittelt. Im Vordergrund steht der direkte Hinweis auf ein anzuratendes Verhalten.

Erscheinungsbild

Zum Erscheinungsbild zählen die Studioausstattung, die Kleidung von Moderatoren, Vorspann, Abspann, Inserts und Logo. Das Erscheinungsbild trägt auch zur Vermittlung den der Sendung zugrundeliegenden Werte mit. Es kann zum Beispiel Modernität, Jugendlichkeit, Vorsicht, Aufregung, Spaß oder Seriosität vermitteln. Eine Beschreibung des Erscheinungsbild soll hier auf rein subjektiver Ebene erfolgen.

Schnitttechnik

Schnitttechnik umfaßt den Einsatz von Schwenks und Zooms sowie die Schnittfrequenz. Ältere Beiträge uns solche, die sich an älteres Publikum richten arbeiten in der Regel mit einer geringeren Schnittfrequenz.

Die Schnittfrequenz und die Anzahl von Zoom und Schwenkeinsätzen wird mit den Prädikaten gering, mittel, hoch charakterisiert.

Vermittlung von Normen - Definition

In einer ersten Annäherung bezeichnen Normen das, wie etwas sein sollte. Sie vermittelt ganz unmittelbar Handlungsanleitungen und Denkvorgaben. Auf sprachlicher Ebene werden sie sichtbar durch Formulierungen wie Du sollst, man macht oder niemals darf, also durch den Einsatz von Modalverben . Normen können auch über vorgeführte Handlungen übermittelt werden: Das Bezahlen an der Kasse kann als Norm interpretiert werden Du sollst nicht stehlen. Gleiches gilt für nicht Norm-konformes Handeln: Das Zerschlagen einer Scheibe weckt sowohl bereits internalisierte Vorstellungen von richtigem Verhalten wie der die Tat später verfolgende Polizist über die Folie des Normbruchs gutes Verhalten deutlich macht.

Vermittlung von Werten - Definition

Hinter Normen verbergen sich Werte. Sie liegen den vordergründigen Handlungsanleitungen zugrunde und geben Anleitung zur Bewertung, Neuentwicklung oder Aufweichung von Normen. Sie sollen innerhalb dieser Untersuchung als positiv gerichtete Kategorien angesehen werden, zu deren Umsetzung und Aufrechterhaltung Normen, welche sowohl Verbote wie Motivationen umfassen können, genutzt werden.

Wenn sich der Wert Umweltschutz in unserer Gesellschaft durchsetzt, so zieht dies eine Reihe normativer Setzungen nach sich. Man soll seinen Abfall nicht mehr auf die Straße werfen (was vorher selbstverständlich war), man darf den Motor nicht laufen lassen (was ein Zeichen von Wohlstand darstellte) und man soll keine Einwegverpackungen mehr kaufen (was praktisch war). Das bedeutet, daß Normen die handlungsanleitende Übertragung von Werten sind. Über Normen sind Rückschlüsse auf zugrundeliegende Werte zu treffen. Werte sind jedoch die eigentlichen Leitlinien, an denen Handlungen und Konzepte aufgebaut werden, sie sind deshalb besonders interessant herauszuarbeiten, wenn der Frage nachgegangen wird, welche Intentionen eine Sendung antreibt und welchen Umgang sie mit dem Gegenstand ihrer Betrachtung vermitteln möchte.

Norm- und Wertanalyse von zuhause

Nach der Differenzierung der Untersuchungsebenen wird in zwei Schritten vorgegangen: Im ersten deskriptiven Teil wird das vorhandene Material vorgestellt und die Ebenenbegriffe mit Inhalt gefüllt. Der zweite Teil besteht aus einer quantitativ-qualitativen Analyse, in der versucht wird, über quantitative Verfahren aus Text, Bild und technischer Umsetzung qualitative Aussagen zu Aufbau, Normen und Werten der Sendung zuhause zu treffen.

Differenzierung der Untersuchungsebenen

Unter Microebene soll der einzelne Beitrag verstanden werden. Er ist die kleinste hier untersuchte Einheit. Sie werden zusammengefaßt zu einer Sendung, die damit die Mesoebene darstellt. Eine Untersuchung auf der Macroebene ist gekennzeichnet durch Überlegungen zum Gesamtaufbau der Sendereihe, der zugrunde liegenden Struktur und den vermittelten Normen und Werten.

Deskriptive Analyse

Macroebene

Die Sendereihe zuhause ist eine Produktion des mdr. Sie umfaßt 30 Minuten Sendezeit und ist unterteilt in fünf Abschnitte, die durch Beiträge gebildet werden. Durch die Sendung führt Birgit Keller. Der Vorspann ist durch verschwimmende Gegenstände auf weißem Grund gekennzeichnet, auf den in Proportionalschrift der Titel zuhause gelegt ist. Die Moderatorin befindet sich in allen Moderationen, die zwischen die Beiträge und an das Ende der Sendung geschaltet sind, in derselben Umgebung.

Fixpunkte in der Ordnung der Beiträge sind der Besuch bei einer prominenten Person im Sendegebiet als letzten Beitrag und der ratgebende Beitrag, der an dritter und damit mittlerer Position gesendet wird. Um diesen herum sind zwei juristische Tips für Mieter gruppiert, die sich auf aktuelle Gerichtsentscheide beziehen. Die drei verbleibenden Beiträge sind wechselnden Themen aus den Bereichen Einrichtung, Freizeit, Geschichte, Neuigkeiten, Pflege oder beispielhaftes Wohnen vorbehalten. Die Beiträge haben eine Länge von drei bis fünf Minuten, die juristischen Tips überschreiten eine Minute nicht. Moderation und Trailer nehmen jeweils etwa zwanzig Sekunden in Anspruch, am Anfang und bei Gewinnspielen etwas mehr. Es gibt keine Einblendung von Adressen, an denen weiterführende Informationen zu beziehen wären.

Mesoebene

In der analysierten Sendung fanden sich die folgenden Themen in der aufgeführten Reihenfolge; die jeweilige Länge steht in Klammern: Hinterh ö fe (4’50), Kammerj ä ger (4’10), Gerichtstip Tierhaltung (0’55), Holzfu ß b ö den (3’40), Gerichtstip Grillen (0’55), Luxusb ä der (4’00), Prominente Hildebrandt (4’30).

Deutlich wird der doppelt geklammerte Aufbau auch in diesem Beispiel sichtbar: Um den zentralen Ratgeberbeitrag Holzfußböden herum sind zwei Gerichtstips angeordnet, um die sich wiederum vier Personen- oder bunte Themen gruppieren.

Microebene

Der Beitrag Holzfußböden ist aus sechs unterscheidbaren Abschnitten aufgebaut. Ein Abschnitt ist gekennzeichnet durch einen inhaltlichen Zusammenhang und wird durch schnittechnische Eingriffe wie Ortswechsel beendet. Nachfolgend fett gedrucktes kennzeichnet den Beginn eines neuen Abschnittes, der aus mehreren Sequenzen aufgebaut sein kann. Falls Sequenzen eindeutig abzugrenzen sind, sind sie aufgeführt. In Klammern ist die Länge angegeben.

Anmoderation (30"). Allgemeines zu Böden (23"), Parkett (36"), Verkleben, Sägen, Feder, Verkleben, O-Ton Handwerker (19"), Neue Fußböden, Infos zu Massivholz (12"), Experte zu Massivholz (15"), Übersicht Fertigparkett (9"), Experte zu Fertigparkett (14"), Infos zu Fertigparkett (19"), Infos zu Dielen (17"), Dielen schleifen (36"), Lackieren (30"), Schluß (8")

Quantitativ-qualitative Analyse

Microanalyse

Zur Microanalyse wurde der Beitrag zum Thema Holzfußböden ausgewählt, weil er einer derjenigen ist, die den ratgebenden Teil von zuhause bilden. In ihm wird die höchste Konzentration von Werten und Normen vermutet, wodurch er besonders gut Auskunft über den Geist der Sendung geben kann. Im vorliegenden Material kam alternativ ein Beitrag zum Thema Dachisolierung in Frage. Dieser wurde verworfen, weil das veranschaulichte Thema weniger komplex als das ausgewählte war und damit auf weniger Ergebnisse hoffen ließ. Prinzipiell ist aber anzunehmen, daß in diesem Beitrag ähnliche Befunde hätten festgestellt werden können.

Methodische Vorgehensweise

Ausgangspunkt der Untersuchung ist ein ausführliches Szenenprotokoll bis hin zur Einstellungsebene. Der gesamte Text wurde dementsprechend protokolliert. Bei der quantitaiv-qualitativen Analyse wurden die Ebenen in umgekehrter Reihenfolge des deskriptiven Teils durchlaufen.

Im ersten Schritt wurde auf der Microebene der Text auf Werte und Normen hin analysiert. Diese wurden in einem zweiten Schritt zu Obergruppen zusammengefaßt und quantitativ ausgewertet. Dadurch lassen sich besondere inhaltliche Schwerpunktsetzung herausarbeiten. Die Bildebene wurde dadurch erfaßt, daß Assoziationen zu dem ohne Ton ablaufenden Beitrag protokolliert wurden. Diese wurden analog der Textanalyse auf Normen und Werte hin überprüft und den oben bereits gebildeten Obergruppen zugeordnet bzw. ihnen hinzugefügt.

Im einem weiteren Schritt wurden Text und Bild zueinander in Bezug gesetzt und Kohärenzen sowie Dissonanzen festgehalten. Dies mündet in die Bewertung nach der Text-Bild Genauigkeit.

Die Fragen nach Schnittfrequenz, Einsatz von Zooms und Schwenks sowie der Textmenge wurde entsprechend den oben aufgeführten Kategorien ausgewertet. Sie bilden einen Teil der Analyse der Mesoebene, zu der auch die Zusammenfassung und die Reduktion der nicht auf der Microebene analysierten Beiträge auf Kernthesen und zentrale Werte gehört.

Im letzten Schritt wurde die gesamte Sendung in das Blickfeld gerückt. Dabei war die Frage leitend, welche der gebildeten Oberkategorien für die gesamte Sendung kennzeichnend und prägend sein könnten. Die Argumente, die zu einer abschließenden Aussage geführt haben, welche Normen und Werte zuhause vermittelt, sind am Ende des folgenden Abschnittes in diskutiver Weise aufgeführt.

Normen im Text

Normen können im Text über unterschiedliche semantische Strukturen transportiert werden. Zwei Strukturen fallen bei dem untersuchten Beitrag besonders auf: Der Einsatz von Modalverben und von normativen Kategorien. Die folgenden Modalverben wurden eingesetzt, die Anzahl der Nennungen in stehen Klammern: können (8), müssen (4), wichtig (3), es wird (4), sollen (1), man macht (2) und falsch (1). Qualitativ bezeichnen sie praktisch (5), umweltfreundlich (4), ordentlich (4), individuell (4), preiswert (1) und schwierig (4).

Normative Kategorien werden erst sichtbar, wenn die verwendeten Aussagen qualitativ abstrahiert werden. Beispielsweise wurden der Gruppe gesundheitsschonend die folgenden Aussagen zugeordnet: "Der elastische Belag schont die Gelenke und man bekommt keine kalten Füße", "Den Atemschutz nicht vergessen." "Buchen- und Eichenstaub sind krebserregend.", "... wasserlösliche Lacke [...] enthalten nur zehn Prozent Lösungsmittel". Auf diese Weise entstanden sieben Kategorien, die im folgenden aufgelistet sind, die Anzahl der Nennungen steht in Klammern: preisbewußt (8), einfach (6), gesundheitsschonend (5), praktisch (4), schwierig (4), umweltfreundlich (2), vielfältig (2).

Werte im Text

Es wird die These aufgestellt, daß die leitenden Werte, die sich aus der Textebene ableiten lassen, die folgenden sind:

1. Gesundheitsbewu ß tsein. An fünf Stellen werden ausführliche Ratschläge und zwingende Hinweise gegeben, wie Verhalten gerichtet sein sollte, um die eigene Gesundheit zu schützen.

2. Preisbewu ß tsein. Herausgestellt wird nicht, daß die vorgestellten und vorgeschlagenen Dinge und Handlungen etwas Exklusives haben, die eine Auszeichnung wären, sondern, daß sie mit einfachen Mitteln zu erreichen sind. Auf der Mesoebene zeigt sich, daß selbst in dem Fall, daß alte, kostbare Bademöbel vorgestellt werden, der Ton derart gehalten ist, daß ein Kuriosum vorgestellt wird, für das unangemessen hohe Preise gezahlt werden, obwohl es einfacher und preiswerter auch umzusetzen wäre.

3. Eigeninitiative. Über die Norm es ist einfach zu realisieren, den Wert Preisbewu ß tsein und die Hinweise auf mögliche Vielfalt ergibt sich ein Wert, der Eigeninitiative zu nennen ist. Eigeninitiative ist einer der pädagogischen Werte, die zuhause vermitteln möchte. Die ratgebenden Sendeanteile sind deutlichster Ausdruck des Aufrufes zu eigenständigen und eigenverantwortlichem Handeln, da hier auf der einen Seite die Möglichkeiten aufgezeigt werden, über die Nennung von Preisen und ersten Ansprechpartnern die Herangehensweise erleichtert wird und bildlich vermittelt wird, daß das Vorgehen realisierbar ist. Auch in den Beiträgen zu Wohnmodellen oder Wohnstilen taucht der Wert insofern auf, daß Beispiele gegeben werden, die mit etwas persönlichem Einsatz Wohnqualität und Behaglichkeit erheblich verbessern und die nachahmenswert wie nachahmbar sind.

4. Umweltschutz. Der Wert Umweltschutz tritt wenig prominent auf, sondern ist begleitend angelegt. Die Folgen für die Umwelt sollten mitbedacht werden, die Sendung hat jedoch nicht das Ziel, über Umweltschutz zu informieren.

Assoziationen zur Bildebene

Bei der Assoziationsbildung zur Bildebene des Beitrages entstanden vielfältige Ausdrücke. Zu Analysezwecken wurden diese analog zu dem in Punkt 4.4.2. beschriebenen Verfahren Gruppen gebildet. Es ergaben sich neun Gruppen, die teilweise mehrfach genannt wurden. Nachfolgend sind sie aufgezählt, die Nennungen stehen in Klammern: Vielfalt/unübersichtlich (4), Expertenwissen (3), ordentlich (3), geht schnell (2), ästhetisch (2), schützen (2), gefährlich (1), langwierig (1), detailgenau (1).

Werte im Bild

Aus den erfaßten Assoziationen zu der Bildebene ergeben sich weitere Werte, die zu den oben aufgeführten Thesen hinzugefügt werden sollen.

1. Formschön. Positiv besetzt sind warme Materialien, ausgewogene Muster oder glatte Oberflächen. Als Wert kann daraus auch gefolgert werden, daß gute Wohnatmosphäre anstrebsam ist.
2. Genauigkeit. Die im Bild gezeigten Experten, die arbeitenden Handwerker und der beispielhaft vorgeführte Heimwerker symbolisieren Akkuratesse, sorgfältiges Vorgehen und behutsames, und damit umsichtiges Verhalten Material und Maschinen gegenüber.

Mesoebene

Die einzelnen Beiträge der ausgewählten Sendung zuhause übermitteln ebenso wie in der Microanalyse für den Beitrag Holzfußböden ausgeführt, Normen und Werte. Um die empirische Basis ein wenig zu erweitern und den Blick auf die Konzeption einer Sendefolge zu richten, ist es notwendig, die Implikationen und Tendenzen aller fehlenden Beiträge zu beleuchten. Über eine kurze Inhaltsangabe und den subjektiven Eindruck, welche Aussagen über diesen Beitrag transportiert wurden, soll dies geschehen.

Grüne Hinterhöfe

Dargestellt wird, daß man nicht ein eigenes Haus besitzen muß, um Garten, Pflanzen und Tiere genießen zu können. Die Autoren stellen Orte vor, an denen die Bewohner es auf unterschiedliche Weisen geschafft haben, sich eine grüne Rückzugsmöglichkeit zu schaffen. Die Beispiele sind ein historisches Gelände, das seit Jahrzehnten in Familienbesitz ist und immer wieder gepflegt wurde, ein Hof in der Stadt, bei dem die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind, die Stadt aber einen Nutzungsplan erarbeitet hat, eine genossenschaftliche Wohnanlage, die in Eigenregie gemeinsam das Grün pflegen und erneuern möchte und ein Mieter, der hinter seinem Häuschen ein kleines Stück Garten angelegt hat.

Garten und Natur sind in allen Beispielen uneingeschränkt positiv besetzt. Sie bieten Rückzugsmöglichkeit, Schutz vor lärmenden Autos und damit einen Ort der Ruhe. Sie sind kommunikative Flächen, die besonders dann Lebensqualität entfalten, wenn sie gemeinsam genutzt, gemeinsam geplant und gemeinsam bearbeitet werden. Die zentralen Werte dieses Beitrages sind zuallererst Gemeinschaftlichkeit und Kooperation (mit der Familie, der Stadt, den Anwohnern, den Mietern). Hinzu kommen Ausdauer und Beharrlichkeit (betont wird der hohe Arbeitsaufwand des Gartens) und die positive Assoziation zu Eigeninitiative (sich zusammentun, selber anfangen, Partner suchen).

Kammerjäger

Es wird der Tag eines Kammerjägers vorgestellt. Er wird bei der Vertreibung von Ameisen, Wespen und Ratten gezeigt und äußert sich derart, daß es sein Traumberuf sei, er jedoch nicht überall vorzeigbar sei, da Nachbarn häufig schlecht redeten, wenn der Kammerjäger zu Besuch kommt.

Hinsichtlich der Werte ist an diesem Beispiel wenig zu finden. Toleranz wird angemahnt (es kann jeden betreffen) und für - auch ungewöhnliche - Jobwünsche geworben. Aus dieser Perspektive könnte der Beitrag für Eigeninitiative stehend gedeutet werden, da der Protagonist mit seinem ungewöhnlichen Beruf Arbeit gefunden hat.

Gerichtstips Tierhaltung und Grillen

Die beiden Gerichtstips lassen sich auf die Mitteilung reduzieren, daß jeder seine Rechte nutzen sollte und sich weder von Vermieter, noch von Eigentümer oder Nachbarn alles gefallen lassen muß.

Luxusbäder

Vorgestellt wird ein Ehepaar, das alte Badmöbel restauriert und wieder zum Verkauf anbietet. Vermittelt wird, daß die alten, gebrauchten Gegenstände einen hohen Wert besitzen, da sie handwerklich hervorragend gefertigt sind und beste Technik besitzen. Es wird argumentiert, daß sich auch derartige Luxusanschaffungen lohnen, da sie weniger schnell im Wert verfallen als die "schnöde Baumarktware" (Zit. Text). Gleichzeitig wird darauf verwiesen, daß eine Badewanne so viel wie zwei Urlaube kosten kann.

Der Beitrag rät nicht wirklich zum Kauf derartiger Möbel, sie sind zu ungewöhnlich und zu exklusiv. Trotzdem verhehlt er nicht Achtung vor den alten Gegenständen und stellt die Restauratoren nicht als Spinner dar. In Werte umgesetzt kann es als die Vermittlung der Wertschätzung von Antiquitäten gedeutet werden und ein weiteres Beispiel für Eigeninitiative, hier gekoppelt mit etwas Eigensinn.

Prominente Hildebrandt

Die brandenburgische Sozialministerin Hildebrandt wird in dem letzten Beitrag der Sendung in ihrer Wohnung besucht. Sie erzählt über die Einrichtung und das Leben in dieser Wohnung, garniert mit einigen Geschichten aus der DDR-Zeit. Sie und ihre Wohnung werden dargestellt als flexibel, praktisch, lebendig, nicht zu ordentlich, fröhlich, familienorientiert und gemeinschaftlich.

Die vermittelten Werte sind Gemeinschaftlichkeit in mehreren Zusammenhängen:

Zusammengehörigkeit der Familie über mehrere Generationen, Gemeinschaftlichkeit im Zusammenleben und Gastfreundschaft gegenüber vielen Freunden. Hinzu kommt beispielhafte Eigeninitiative, in dem Sinn, daß es die Familie immer schaffte zusammen zu leben und nun sogar plant, ein eigenes Haus zu bauen.

Damit schließt die Sendung mit der Hoffnungsvollen Aussicht, daß starke Träume eines Tages umgesetzt werden können und Gemeinsinn wie Eigeninitiative sich durchsetzt.

Die Beiträge überblickend ist festzustellen, daß der Wert Gemeinschaftlichkeit in drei Beiträgen, Eigeninitiative viermal und Kooperation, Rechte nutzen und Individualit ä t je einmal vorkommen. Die Werte werden mit vielfältigen Konnotationen verwandt und beziehen sich auf teils unterschiedliche vorbildliche Verhaltensweisen. Zunächst ist festzuhalten, daß Gemeinschaftlichkeit und Eigeninitiative - mit inhaltlichen Spielräumen - die leitenden Werte der Mesoebene darstellen.

Nachfolgend sollen technische Aspekte beleuchtet werden.

Schnittechnik

Hinsichtlich der Schnittechnik sind nur wenige Auffälligkeiten festzuhalten, es wird nicht nach Musik geschnitten, auch nicht mit hoher Geschwindigkeit und es wird ohne rasende Fahrten und schnelle Zooms gearbeitet. Auffällig sind der häufige Einsatz von Zooms und Blenden. Letztere werden an Stellen eingesetzt, an denen der Zeitfortschritt dargestellt werden soll. Zooms dienen dazu, Sachverhalte zu fokussieren und den Blick der Zuschauer auf Details zu konzentrieren. Hinsichtlich der Einstellungslängen ist zu sagen, daß die Beiträge durchaus dynamisch aufgebaut sind und längere Einstellungen nur bei Interview-Situationen auftauchen. Wenn O-Töne eingebunden werden, sind auch die sich äußernden Menschen zu sehen.

Textmenge

In den Beiträgen von zuhause wirken nicht die Bilder allein. Sie sind fast durchgehend durch Text begleitet. Es muß offenbar viel Information vermittelt werden, mehr als in der vorgegebenen Zeiteinheit Platz findet. Dadurch kann es dazu kommen, daß inhaltliche Wechsel kurz übertextet werden. Es wird viel Wert auf den Text gelegt, dies zeigt sich gerade dann, wenn als Bildinformation lediglich aneinandergereihte Dinge zu sehen sind, die stellvertretend für einen abstrakten, zu erläuternden Sachverhalt stehen.

Text-Bild Analyse

In zuhause begleitet der Text das Bild. Die Autoren sind bemüht, beide Ebenen in Einklang zu bekommen. Schwierigkeiten entstehen an den Stellen, an denen mit den von ihnen bevorzugten personalen Einstellungen abstrakte Sachverhalte nicht bebildert werden können. Zuhause verzichtet völlig auf Inserts, Grafiken und Illustrationen, wie dies beispielsweise Wirtschaftsratgeber häufig eingesetzt wird. Dadurch kommt es bei ratgebenden Elementen zwangsläufig zu Entfernungen beider Ebenen. Auf die oben angeführte Unterscheidung sich beziehend, herrscht bei zuhause eine mittlere Erklärungstiefe: Viele Informationen werden Experten überlassen und Handgriffe eher übergreifend beschrieben. Das Magazin erläutert nicht detailgenau Handlungsabläufe, sondern visualisiert handwerkliche Möglichkeiten, zu deren Umsetzung es animiert.

Personen- und Sachthemen

Zuhause setzt überraschend häufig auf Personenthemen. Es war zu vermuten, daß eine Ratgebersendung zum Thema Innenarchitektur Einrichtungsgegenstände in den Vordergrund rücken würde oder die Beschäftigung mit der Einrichtung selbst im Vordergrund steht. Statt dessen werden häufig Personen vorgestellt, die entweder etwas Besonderes erreicht haben (Prominente), in außergewöhnlichen Verhältnissen leben (Bewohner) oder in herausragender Weise mit Wohnen im Zusammenhang stehen (Berufe). Der Ratgeberanteil bei zuhause scheint im Vergleich zu traditionellen Magazinen etwas verschoben zu sein. Die Ratschläge werden weniger explizit denn mehr implizit über die vorgestellten Handlungsweisen vermittelt.

Erscheinungsbild

Auffallend ist bei zuhause der Einsatz aufwendig gestalteter Trailer in modischem, frischem, luftigen Stil. Gekennzeichnet ist dieser Stil durch eine weiße Fläche, auf der Personen, Tiere oder Gegenstände zu schweben scheinen. Die Konturen verwischen und klaren wieder auf, es wird mit Überblendungen und Nahansichten gearbeitet. Dazu spielt Musik ("Ready or not") und die Einblendung der auch im Logo zu findenden Proportionalschrift kennzeichnet den nächsten Beitrag. Die Trailer wirken außerordentlich ästhetisch, wohl durchdacht und gekonnt produziert. Sie vermitteln edles Ambiente, klare Ziele und eine freundliche, liebevolle, beinahe etwas schelmische Art, wie an die Dinge herangegangen wird.

Auch auf die Umgebung, in der die Moderatorin auftritt, wird sehr viel wert gelegt. Vermieden werden sterile Studiodekorationen, die durch üppig ausstaffierte, selbst eine Geschichte erzählende Dekorationen des eigenen Wohnens oder des schönen Lebens im eigenen Garten und Haus ersetzt werden. zuhause zeigt hier, daß sie selber die Stilsicherheit umzusetzen vermögen, die sie in ihren Beiträgen vermitteln.

Macroebene

Dies gesamte Sendung überblickend, schälen sich wenige zentrale Leitthemen heraus. Es ist bereits erwähnt worden, daß Personenthemen überwiegen, sie werden jedoch ebenfalls als Ratgeberbeiträge eingesetzt. Ihre Funktion besteht darin, Vorbilder zu schaffen, die auf ganz bestimmte Weise vorleben, wie mit Wohnen umgegangen werden kann. Ein tragender Wert ist Gemeinschaftlichkeit. Mehrere Beiträge gruppieren sich um diesen Bereich: Beispielhafte Nutzung von Gemeinschaftsflächen, die Wohnung als die Familie vereinendes Element oder die Umwandlung von Plattenbauten. Zweiter Leitwert ist Eigeninitiative. In zuhause wird positiv dargestellt, sich für seine Wohnumgebung zu engagieren, sich Gedanken zu machen, wie sie mit wenigen Mitteln verschönert oder auf Werte wie Umweltschutz, Gesundheitsschutz oder Praktikabilit ä t hin umgeändert werden können. Positiv ist auch, die gegebenen Chancen zu nutzen, die sich für die Realisierung eigener Wohnwünsche bieten. Hier schließt der dritte Wert der Individualit ä t an: Gemeinschaftlichkeit kann am besten dann erreicht werden, wenn alle ihre Stärken und Fähigkeiten einbringen und in Richtung ihrer Wünsche arbeiten. Zuhause stellt außergewöhnliche Tätigkeiten vor, die jedoch im Zusammenhang von Gemeinschaften Nützlichkeit behalten, die Sendung betreibt insofern keinen Einzigartigkeitskult. Sie nutzt vielmehr die Eigenarten als Darstellung der neuen Möglichkeiten und bezieht sich darüber wieder auf das Thema Eigeninitiative.

Zusammenfassung und Fazit

Zuhause ist als moderne Ratgebersendung für einen Teil der neuen Bundesländer konzipiert worden. Sie vermeidet es, Arbeitsanleitungen zu geben, sondern arbeitet mit Beispielen. Zuhause wirkt nur in seinem Mittelteil wirklich ratgebend, ist aber durchzogen von einer pädagogischen Leitlinie, die über deutlich zutage tretende Werte erfahrbar ist. Die Beiträge folgen der Idee, daß im Sendegebiet der Umgang mit der Wohnumgebung einer Neudefinition unterlegen ist: Eigentum greift Raum, Verantwortungen werden stärker auf Einzelne delegiert und Zusammenhalt ist nicht mehr institutionell garantiert. Aus dieser Perspektive ist verständlich, wie die Redaktion zu der Programmatik gelangte, Wert auf Eigeninitiative, Gemeinschaftlichkeit und Individualität zu legen. Sie schafft es auf leichte Weise und durch den Einsatz von impliziten wie expliziten Normen, diese Werte positiv zu vermitteln und ihren Chancencharakter zu betonen. Durch die Schwerpunktsetzung auf Personenthemen bekommen die Handlungsalternativen ein Gesicht und werden als Möglichkeiten greifbar; der beispielhafte Charakter der Sendung ist sicher vorteilhaft gegenüber der Erfahrung, Verhalten vorgeschrieben und Handlungsalternativen dogmatisch nahegelegt bekommen zu haben.

In dieser Arbeit ist versucht worden, auf drei Ebenen zu argumentieren. Zunächst wurden deskriptiv die Ebenen voneinander getrennt, ausgehend vom Ganzen, hin zu dem einzelnen Element. Im folgenden analytischen Abschnitt wurde das Vorgehen umgekehrt und Erkenntnisgewinn am Einzelnen versucht, der Rückschlüsse auf den Gesamtzusammenhang ermöglichen sollte. Der Ansatz, an den kleinsten Bestandteilen anzusetzen und Textbausteine, Einzelbilder und Schnitte zu betrachten, hat Schwierigkeiten in der Art mit sich gebracht, daß wichtige Implikationen erst im Zusammenhang sichtbar werden. Der tragende Wert Gemeinschaftlichkeit ist bei der Norm- und Wertanalyse des Beitrages nicht erkennbar gewesen. Er mußte bei der Betrachtung der Mesoebene hinzugefügt werden und dies ohne, daß eine ausreichende Analysemethode im Rahmen dieser Arbeit angewandt werden konnte. Ähnliches gilt für die zusammenfassenden Bewertungen über die gesamte Sendereihe. An ihnen ist einiger Anteil von spekulativem Charakter. Nichtsdestotrotz hat die Beschäftigung mit Wortwahl, Satzaufbau und inhaltlicher Zusammensetzung auf unterster Ebene den Schlüssel zum Verständnis des programmatischen Hintergrundes von zuhause geliefert. Wenn trotz methodischer Schwächen Stringenz in der Argumentation erreicht wurde und die Schlüsse nachvollziehbar geworden sind, dann hat diese Arbeit ihr Ziel erreicht.

Anhang

Aufbau der analysierten Sendung zuhause

Textinhalt des Beitrags Holzfu ß b ö den

Analyse von Modalverben und normative Kategorien

Assoziationen zur Bildebene

Aufbau der analysierten Sendung zuhause

Trailer, Vorstellung der Beiträge, Anmoderation (2’43)

Beitrag Hinterhöfe (4’50)

Trailer und Anmoderation (0’27)

Beitrag Kammerjäger (4’10)

Trailer (0’10)

Gerichtstip Tierhaltung (0’55)

Anmoderation (30")

Beitrag Holzfußböden (3’40)

Allgemeines zu Böden (23")

Parkett (36"), Verkleben, Sägen, Feder, Verkleben

O-Ton Handwerker (19")

Neue Fußböden, Infos zu Massivholz (12"), Experte zu Massivholz (15"), Übersicht Fertigparkett (9"), Experte zu Fertigparkett (14"), Infos zu Fertigparkett (19"), Infos zu Dielen (17")

Dielen schleifen (36")

Lackieren (30")

Schluß (8")

Abmoderation und Gewinnspiel (0’35

Gerichtstip Grillen (0’55)

Anmoderation (0’25)

Beitrag Luxusbäder (4’00) Abmoderation (0’50)

Beitrag Prominente Hildebrandt (4’30)

2. Textinhalt des Beitrages "Holzfußböden" der Sendung zuhause

Anmoderation:

Heiß begehrt sind ja abgeschliffene Dielen und Parkett. Kein Wunder auch Sie sehen gut aus, sie sind pflegeleicht und sie halten ein Leben lang. Aber, Holzfußböden sind ein kostspieliges Vergnügen. Hier ein paar Tips und Ratschläge:

Text des Beitrags:

Egal ob Dielen oder Parkett. Holzfußböden sehen nicht nur gut aus - sie sind auch praktisch und langlebig. Der elastische Lack schont die Gelenke und weil Holz gut isoliert, bekommt man keine kalten Füße. Und Holz hält viel Jahrzehnte. Es kann mehrmals abgeschliffen und neu versiegelt werden.

Selbst klassisches Parkett aus Massivholz wird heute meistens verklebt und nicht mehr genagelt. Wichtig: Der Klebstoff muß möglichst wenig Lösungsmittel enthalten. Die noch unbehandelten Holzstäbe werden erst vor Ort zum Verlegen bearbeitet. An der Stirnseite wird ein Verbindungsstück, eine Feder eingeklopft. Entscheidend für die Haltbarkeit jedes Holzfußbodens ist der Untergrund: Er muß fest, eben, trocken und sauber sein. Die Arbeiten sollte am besten ein Parkettleger machen, denn der Umgang mit dem natürlichen Material ist eine kleine Kunst.

"Parkett vom Fachmann verlegen, ist deshalb wichtig, damit man den Untergrund beachtet, letzendlich Dehnungsfugen einhält, Mechanik des Holzes beachten, artengleiche Materialien verwenden, ausreichende Befestigung und richtige Verlegetechnik".

Das Verlegen kostet etwa einhundert Mark pro Quadratmeter, das Rohmaterial etwa zwischen 30 und 150 Mark. Dafür kann man beim Stabparkett seiner Geschmack freien Lauf lassen. "Massivholz läßt auch von der Fertigung der jeweiligen Optik alles zu. Man kann also dort, im Gegensatz zu fertigen Produkten Intarsien, Friese, unterschiedliche Holzarten miteinander kombinieren" Die Alternative: Fertigparkett. Die Platten mit Nut und Feder kann jeder gute Heimwerker selbst zusammenstecken. "Also, Es wird vor Ort, bei Ihnen in der Wohnung nicht mehr lackiert, geschliffen oder oder, es ist einfach fertig. Ein fertiges Produkt" Ein großer Vorteil, Fertigparkett ist flach und paßt auch bei Neubauwohnungen unter jede Tür. Aber, die Edelholzschicht ist relativ dünn und kann nur zweimal abgeschliffen werden. Mit Preisen zwischen 25 und 150 Mark pro Quadratmedet ist Fertigparkett nicht immer preiswerter als Massivholz.

Dielen sind vor allem 012

Details

Seiten
23
Jahr
1997
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95156
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Publizistik, Architektur und Fernsehen
Note
Schlagworte
Architektonische Ratgebersendungen Fernsehen Beispiel Johannes Gutenberg-Universität Mainz Institut Publizistik Architektur Prof Karl Renner

Autor

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Titel: Architektonische Ratgebersendungen im Fernsehen - Das Beispiel `zuhause`