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Zum Schutz des Klimas - Regimestruktur, Verhandlungsverlauf, aktuelle Tendenzen

Seminararbeit 1999 22 Seiten

Politik - Klima- und Umweltpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

DIE PROBLEMSTELLUNG

KONFERENZEN UND VEREINBARUNGEN

KONFERENZEN UND VEREINBARUNGEN VOR RIO

DER WELTGIPFEL IN RIO UND SEINE VORARBEITEN
Die Klimarahmenkonvention

DIE ZEIT NACH RIO - FOLGEKONFERENZEN UND VEREINBARUNGEN
Die COP
COP-1: Konstitution, Berlinmandat COP-2: Zwischenbilanz
COP-3: Protokoll von Kyoto
Das Protokoll von Kyoto
COP-4: Aktionsplan
Künftige COPs und Meetings

DIE BRD

LANGSAMER FORTSCHRITT - EINE SCHLUßBETRACHTUNG BIBLIOGRAPHIE

Zur Klimatologie

Zur Weltpolitik

Internetadressen

,,Wir leben alle unter dem gleichen Himmel,

aber wir haben nicht den gleichen Horizont."

Einleitung

Das globale Klima befindet sich in einem Wandlungsprozeß, ausgelöst durch Aktivitäten der Menschheit. Diese Erkenntnis verbreitet sich nicht nur unter Wissenschaftlern zunehmend seit Anfang der 70er Jahre des auslaufenden Jahrhunderts. Ursachen, Ausmaß und Folgen dieser Änderung sind bis heute nicht restlos erforscht und basieren zu großen Teilen auf Gedankenmodellen, deren Zutreffen im komplexen Ökosystem Erde im voraus schwer zu überprüfen sind. Klar ist eigentlich nur: es wird sich etwas ändern. Was, ist noch nicht ganz genau geklärt. Die weitaus meisten Wissenschaftler sind heute der Ansicht, daß der Klimawandel bereits in erlebbaren Zeiträumen Folgen verursacht, die das Ökosystem Erde empfindlich stören und verändern können - mit teilweise erheblichen Folgewirkungen auf seine Eigenschaft als Lebensraum auch für den Menschen. Abschmelzen der Polkappen, Anstieg der Meeresspiegel, Änderungen der Standortbedingungen für Pflanzen, Störung der allgemeinen atmosphärischen Zirkulation und Desertifikation (Bildung und Ausweitung von Wüsten) sind hier die wesentlichsten Punkte, die in der Öffentlichkeit debattiert wurden.

Parallel zur Einsicht in diese Ergebnisse moderner naturwissenschaftlicher Forschung wuchs auch im Rahmen der allgemeinen Umweltdiskussion der öffentliche Druck auf die politischen Gremien, hier steuernd einzugreifen, um das Schlimmste zu verhindern. Hierbei zeigte sich aber, daß der Wandel des Klimas ein internationales Problem ist. Zwar sind es im Wesentlichen die industrialisierten Nationen, die zu dieser Belastung beitragen, die Auswirkungen sind jedoch weltweit zu spüren. Entsprechend kann das Problem nur effektiv auf internationaler Ebene angegangen werden.

Diese Arbeit bietet eine Einführung in die Problematik der Klimabeeinflussung und zeigt die politische Landschaft auf, die sich international mit diesem Thema beschäftigt. Da bei der zu untersuchenden Thematik eine relativ klare Handlungskette vorliegt, orientiert sich diese Arbeit bewußt nicht am Schema der thematischen Aufteilung zwischen Regimestruktur, Verhandlungsverlauf und aktuelle Tendenzen, sondern integriert diese Bereiche in eine chronologische Aufzählung. Die Konferenzen und Beschlüsse aus der Zeit vor dem Weltgipfel von Rio sind hier nur kurz behandelt. Ihnen fällt heute, außer der Basislegung für das Zustandekommens des Weltgipfels, nur eine recht unbedeutende Rolle zu.

Nicht alle Textstellen und Informationen enthalten Quellenangaben; dies würde das Volumen der Fußleisten sprengen. Als Basistext zum vorliegenden Papier diente der infokit von der Homepage des UNFCCC (siehe Literaturliste). Informationen, deren Herkunft nicht ausgewiesen ist, stammen in der Regel aus diesem Schriftstück.

Die Problemstellung

Seit den siebziger Jahren dieses Jahrhunderts verbreitet sich nicht nur unter Wissenschaftlern die Einsicht, daß viele der menschlichen Aktivitäten das Ökosystem Erde verändern. Gerade auch die Atmosphäre, die Lufthülle der Erde, ist Veränderungen ausgesetzt. Noch sind sich die Forscher nicht ganz sicher, was alles passieren kann, wenn der Mensch die Zusammensetzung der Atmosphäre weiterhin ändert. Klar ist jedoch: es wird Veränderungen geben, und viele davon können die Natur und so die Lebensgrundlage auch des Menschen dauerhaft schädigen. Neben der Zerstörung der Ozonschicht durch FCKW ist die Verstärkung des natürlichen Treibhauseffektes einer der einschneidendsten Eingriffe des Menschen in die Natur. ,,Treibhauseffekt" bedeutet, daß einige der Gase, die in der Atmosphäre sind, einen Teil der Wärmeabstrahlung der Erde wieder reflektieren, zur Erde zurückschleudern und so für eine zusätzliche Erwärmung der erdnahen Luftschicht sorgen. Vor allem Wasserdampf ist hierzu in der Lage, viele andere Gase verstärken diesen Effekt zusätzlich.

Da diese Gase natürlicherweise in der Erdatmosphäre vorkommen, ist auch der Treibhauseffekt natürlich vorhanden. Ohne ihn wäre es auf der Erde im Durchschnitt über 30° C kälter1.

Aktuell ist jedoch der Mensch dabei, mit seiner Arbeit zusätzlich einige Gase in die Atmosphäre zu entlassen, die diesen Treibhauseffekt verstärken. Dem entsprechend steigt auch - wenngleich sehr langsam - die Temperatur auf unserem Planeten. Man erwartet heute, daß mit dieser Erwärmung eine Reihe von Folgeerscheinungen einhergehen, unter anderem ein Abschmelzen der Polkappen und damit verbunden ein leichter Anstieg des Meeresspiegels der Welt, eine Veränderung der Windsysteme der Erde, eine Änderung der Niederschlagsverteilung gekoppelt mit einer Ausbreitung der Wüstengebiete, die Änderung der Vegetationsdecke der Erde, das gehäufte Auftreten von Naturkatastrophen und einiges mehr. Einige dieser Folgen fallen weniger schlimm aus, als bisher angenommen. So gibt es zwar genug Inlandeis, um bei dessen Abschmelzen den globalen Meeresspiegel um 80 m anzuheben2, doch wird die erwartete Temperaturerhöhung von wenigen Grad nur einen kleinen Teil davon freisetzen können.

Andere Folgen wie die Änderung der Vegetation und also die Ausbreitung der Wüstengebiete der Erde sind dagegen durchaus ernstzunehmende Faktoren. Bereits heute merken wir einige Folgen. So hat in den letzten Jahren die Häufigkeit und Stärke von Orkanen weltweit zugenommen. Auf bis zu 4° C schätzen Forscher den Anstieg der Temperaturen der Erde bis zum Jahr 2030, für die Polargebiete gar bis zu 7° C3. Bewirkt der Mensch durch weitere Freisetzung (Emission) klimarelevanter Gase weiterhin diesen Temperaturanstieg, so sind weitreichende Folgen denkbar. Aus diesem Gedankengang resultiert der Wille, den Ausstoß dieser Gase zu reduzieren. Die zusätzliche, menschliche Erwärmung wird vor allem durch folgende Gase verursacht: zu etwa 50% ist das Kohlendioxyd (CO2) beteiligt, es ist also das wichtigste Treibhausgas. Es stammt aus Atmungs-, Verbrennungs- und Gärungsprozessen und wird der Luft durch die Aktivität von Pflanzen wieder entzogen. Gerade die Freisetzung durch Verbrennung fossiler Brennstoffe setzt es aber in solchen Mengen frei, daß die Pflanzen, die gleichzeitig weltweit zurückgedrängt (z. B. gerodet) werden, nicht mehr genug davon aufnehmen können. Weil der Anteil des Kohlendioxyds so hoch ist, konzentrieren sich viele Gegenmaßnahmen auf es. FCKW aus Spraydosen, Kühlschränken und chemischer Anwendung haben einen weiteren Anteil von ca. 22% am zusätzlichen Treibhauseffekt. Da sie aber auch die Ozonschicht der Erde angreifen, fallen sie untere andere Abkommen und werden in der Klimadiskussion meist nicht berücksichtigt. Methan aus der Landwirtschaft hat einen Anteil von etwa 13%, bodennahes Ozon etwa 7%, Distickstoffoxid 5% und stratosphärischer Wasserdampf, von Flugzeugen in große Höhen gebracht, 3%.4 Maßnahmen, die darauf zielen, den Ausstoß dieser Substanzen zu verringern und so die Folgen abzuwenden, werden allgemein unter dem Begriff ,,Klimaschutz" zusammengefaßt. Nach allgemeiner Ansicht ergibt er nur einen Sinn, wenn er koordiniert auf der ganzen Welt betrieben wird. Das Hauptproblem im internationalen Klimaschutz ist es also, die Staaten der Welt zu gemeinsamen Schritten zu führen, damit die zu befürchtenden Folgen abgewendet werden können.

Konferenzen und Vereinbarungen

Wohl die bekannteste Konferenz im internationalen Klimaschutz war die ,,Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung" (UNCED), die vom 3. bis 14. Juni 1992 in Rio de Janeiro, Brasilien, stattfand. Doch Rio war nur ein Höhepunkt - wenngleich ein wichtiger - in einer ganzen Kette von Konferenzen und Beschlüssen.

Konferenzen und Vereinbarungen vor Rio

Bereits 1972 veranstalteten die UN in Stockholm5 ihre erste große UN- Weltumweltkonferenz ,,Mensch und Umwelt". Dabei wurde allerdings das Klima noch nicht eigenständig behandelt. Erst im Jahr 1979 fand die erste Weltklimakonferenz statt6. Hier wurden die wesentlichen Probleme bereits erkannt und auch ihre Tragweite gesehen. Diese Konferenz appellierte in ihrem Schlußprotokoll an die Staaten der Erde ,,to foresee and prevent potential man-made changes in climate that might be adverse to the well-being of humanity". Als konkreten Handlungsrahmen wurde bereits ein ,,Weltklimaprogramm" (WCP) vorgeschlagen, das auf internationaler Ebene koordiniert werden sollte von der World Meteorological Organisation (WMO), dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und dem ,,International Council of Scientific Unions" (ICSU). Drei Jahre später, im Dezember 1983, setzten die Vereinten Nationen eine neue Kommission ein, die ,,World Commission on Environment and Development", eher bekannt als ,,Brundtlandkommission". Ziel dieser Kommission war es, Vorschläge zu erarbeiten, wie die zukünftige Entwicklung umweltverträglicher gestaltet werden könne. Die Brundtlandkommission veröffentlichte 1987 ihren Abschlußbericht. Teil dieses Berichtes war auch der Treibhauseffekt, vor allem als Folge der Treibstoffverbrennung gesehen. Die Forderung des Berichtes war neben Beobachtung und Erforschung des Phänomens auch die Entwicklung international anerkannter politischer Strategien zu seiner Bekämpfung. Außerdem taucht hier erstmals die Forderung nach einer weltweit international zu treffenden Vereinbarung auf, und erstmals wurden Umweltschutz und Entwicklungspolitik miteinander in Beziehung gesetzt.

Vor allem in den späten achtziger Jahren begann eine Welle von Konferenzen zum internationalen Klimaschutz. Auch die Konferenz von Villach im Oktober 1985 erkannte wiederum die Gefahren und den wesentlichen Handlungsbedarf. Die Tagung, die gemeinsam von UNEP, WMO und ICSU veranstaltet wurde, forderte die Regierungen der Staaten der Welt und ihre Zusammenschlüsse auf, diese Problematik in ihrer Politik zu berücksichtigen und international im Klimaschutz zusammenzuarbeiten.

Konkretisiert wurden diese Ziele bei der ,,World Conference on the Changing Atmosphere, Implications for Global Security" in Toronto im Juni 1988. Gefordert wurde die Verringerung der CO2-Emissionen um ca. 20% bis zum Jahr 2005 und der Emissionen von CO2 und einigen weiteren Spurengasen um 50% bis zum Jahr 2050. Außerdem solle der Energiewirkungsgrad gesteigert, eine Kennzeichnungspflicht für klimaschädliche Produkte eingeführt und ein Klimafonds errichtet werden. Zusätzlich taucht auch hier die Forderung nach einer Klimarahmenkonvention auf.

Die ersten größeren Meinungsverschiedenheiten ergaben sich bei der Sachverständigentagung in Ottawa im Februar 1989. Die Tagung war zusammengekommen, um einen Konventionsentwurf vorzubereiten. Hierbei gab es zwei wesentliche Meinungen, wie das auszusehen habe: vor allem Kanada bevorzugte die Ausarbeitung eines Papiers, welches generell auf den Schutz der Erdatmosphäre zielen sollte, also beispielsweise auch den Schutz der Ozonschicht mit einbezieht, während die USA ein reines Klimarahmenpapier bevorzugten, welches nur den Schutz der Wälder und die Reduktion des Ausstoßes klimarelevanter Gase berücksichtigt. Letztere Sichtweise ist es, die heute praktiziert wird.

Auch die Abschlußerklärung der ,,Internationalen Umweltschutzkonferenz" in Den Haag im März 1989 fordert internationales Handeln. Bestehende Grundsätze sollen konsequenter angewendet, neue völkerrechtliche Grundsätze und neue UN- ,,Befugnisstrukturen" geschaffen werden. Dies wurde in einer Schärfe vorgetragen, die nur möglich war, weil die Konferenz nur von Frankreich, den Niederlanden und Norwegen veranstaltet wurde und wichtige Klimagasemittenten wie die USA daher fehlten.

In der Folge sprachen sich 1989 und 1990 bei zwei unterschiedlichen Gelegenheiten die Vertreter der G7-Staaten (der sieben weltweit größten Industrienationen) entschieden für ein internationales Eingreifen in die Klimapolitik aus. Sie legten dabei einen besonderen Schwerpunkt auf den Erhalt der Tropenwälder, Die Möglichkeit der Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen wurde nicht ernstlich erwogen. In der Frage der Umsetzung herrschte allerdings keine Einigkeit.

Weitere Höhepunkte im internationalen Klimaschutz bis 1990 waren die ,,Conference on Global Warming and Climate Change" in Neu Delhi (Februar 1989), die ,,Internationale Umweltkonferenz über atmosphärische Verschmutzung und Klimaveränderung" in Noordwijk (November 1989), die Vereinbarung von Kairo (Dezember 1989) und die ,,Konferenz über dauerhafte Entwicklung" in Bergen (Mai 1990). Bei diesen Konferenzen wurde zunehmend die Forderung vor allem in Richtung der Industrienationen erhoben, den Ausstoß klimarelevanter Gase zunächst zu stabilisieren, dann mit der Zeit zurückzufahren. Da diese sich dagegen aber sträubten, wurden keine erwähnenswerten Maßnahmen eingeleitet. Im November 1990 wurde dann die ,,Second World Climate Conference" durchgeführt. Mehr als 600 Wissenschaftler aus über 100 Ländern wiesen erneut auf die Ernsthaftigkeit des Problems hin. Sie stellen auch fest, daß eine Reduzierung der Kohlendioxydemissionen um 20% bis zum Jahr 2005 in den Industriestaaten technisch und wirtschaftlich machbar sei. Zwei Szenarien zum Klimaschutz lagen zur Diskussion vor: das IPCC (s. u.) schlug drastische Sofortmaßnahmen für die OECD- Staaten und eine spätere generelle weltweite Emissionsreduktion vor, bei der bis 2050 die Emissionen von Treibhausgasen um 46% unter dem Niveau von 1987 sinken sollten, ein sogenannter ,,Ministervorschlag" sah weit weniger drastische Einschnitte vor. Beide Vorschläge räumten jedoch eine weitere Zunahme der Emissionen aus den Entwicklungsländern ein7. Hauptergebnis der Konferenz ist die Aufforderung, mit ernsthaften Verhandlungen im internationalen Klimaschutz zu beginnen. Keine der bislang genannten Konferenzen hatte allerdings eine verbindliche, internationale Regelung zum Klimaschutz hervorgebracht.

Der Weltgipfel in Rio und seine Vorarbeiten

Im Herbst 1988 errichteten die WMO und das UNEP nach einem Anstoß durch die Generalversammlung der UN das ,,International Panel on Climate Change" (IPCC). Das IPCC wurde beauftragt, das bestehende Wissen über das Klimasystem, seine Veränderung und mögliche Maßnahmen zu sammeln und zu bündeln. Drei Arbeitsgruppen zu Entstehung, Folgen und Maßnahmen zum Treibhauseffekt wurden zunächst gebildet. 1990 brachte es dann seinen ersten Bericht heraus, in welchem die bis dahin gesammelten Fakten präsentiert wurden. Dieser Bericht sorgte für weltweites Aufsehen und förderte so die internationale Bereitschaft, das Problem in der Form einer Klimarahmenkonvention weiter anzugehen.

Diese wurde im Dezember 1990 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen initiiert. Ein internationales Komitee (International Negotiating Committee for a framework convention, INC) wurde beauftragt, eine Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) zu erarbeiten, die Diskussionsgrundlage für einen bereits angedachten Klimagipfel von Rio 1992 sein sollte. Mit der Hilfe zweier Arbeitsgruppen, die sich mit den Quellen und Senken der diversen Treibhausgase, finanziellen Mechanismen, Fragen des Technologietransfers und den institutionellen Mechanismen zur Durchführung einer Konvention beschäftigten, erarbeiteten Experten aus rund 150 Ländern innerhalb von 16 Monaten eine solche Klimarahmenkonvention. Gleichzeitig erarbeiteten auch Regierungen, UN-Mitarbeiter, Vertreter internationaler Organisationen (z. B. der Weltbank) und Repräsentanten der Nichtregierungsorganisationen (Non-Governmental Organisations, NGO) unterschiedliche Stellungnahmen und Papiere, die sie in die Konvention einarbeiten lassen wollten8.

Vom 3. bis 14. Juni 1992 fand in Rio de Janeiro (Brasilien) erneut eine Weltklimakonferenz statt, die ,,Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung" (UNCED), auch ,,Weltgipfel" oder ,,Erdgipfel" genannt. Über 15000 Delegierte aus 178 Staaten, 115 Staats- und Regierungschefs, Vertreter von 1420 NGO und 7000 Journalisten waren anwesend9. Der Weltgipfel ist bis heute die größte Zusammenkunft von Staatsoberhäuptern aller Zeiten.

Die Ziele der Konferenz waren wesentlich von der Koppelung zwischen Entwicklung und Klimaschutz geprägt: es sollten Wege für eine ,,nachhaltige Entwicklung" (sustainable development) aufgezeigt, Erkenntnisse über das Ausmaß globaler Zerstörung und der weltweiten sozialen Verelendung in konkrete Vorhaben umgesetzt und das Thema ,,globale Verteilungsgerechtigkeit" in die Diskussion gebracht werden.10

Eine Reihe von Papieren wurde hier beschlossen, darunter die Deklaration von Rio, die Agenda 21, die Konvention über biologische Vielfalt und eine Sammlung von Grundsätzen zum Umgang mit den globalen Waldbeständen. Dies war auch deshalb möglich, weil sich durch den Abbau der Ost-West-Spannungen das Verhandlungsklima wesentlich verbessert hatte.

Das für den internationalen Klimaschutz wohl wichtigste Papier ist die Klimarahmenkonvention, welche das INC inzwischen erarbeitet hatte. Sie wurde beim Weltgipfel von Rio von den Vertretern von 154 Staaten unterzeichnet. Auch die Vertreter der EU als Ganzes unterzeichneten sie. Die Klimarahmenkonvention trat am 21. März 1994 in Kraft, 90 Tage, nachdem der 50. Staat sie ratifiziert hatte.

Die Klimarahmenkonvention

Die Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) ist zur Zeit die Basis des internationalen Klimaschutzes. Ziel der 1992 beim ,,Weltgipfel" in Rio verabschiedeten Konvention ist nach Artikel 2 die ,,stabilization of greenhouse gas concentrations in the atmosphere at a level that would prevent dangerous anthropogenic _man-made_ interference with the climate system. Such a level should be achieved within a time-frame sufficient to allow ecosystems to adapt naturally to climate change, to ensure that food production is not threatened and to enable economic development to proceed in a sustainable manner", also die Stabilisation der Konzentration klimarelevanter Gase in der Atmosphäre auf einem Niveau, welches einen Fortbestand des Menschen und seiner Lebensbedingungen auf diesem Planeten ermöglicht.

Die Klimarahmenkonvention enthält einige Leitlinien. Eine der wichtigsten unter ihnen ist die Aufforderung, die noch bestehenden wissenschaftlichen Unsicherheiten nicht zur Entschuldigung fehlender Handlungen heranzuziehen, wenn ernstzunehmende Gefahr droht. Andere Leitlinien beschäftigen sich mit der besonderen Verantwortung der Industriestaaten für den Klimaschutz, mit den besonderen Bedürfnissen von Entwicklungsländern sowie mit der Notwendigkeit, eine nachhaltige, dauerhafte Weltwirtschaftsweise zu installieren.

Mit der Klimarahmenkonvention erlegen sich die Vertragsstaaten selber eine Anzahl von Verpflichtungen auf. So sollen alle Staaten generell ermitteln, wieviel Treibhausgase sie produzieren und wieviel sie wieder aufnehmen (durch Bindung in Pflanzen etc.), den Ausstoß klimarelevanter Gase verringern, indem sie die Emissionen solcher Gase reduzieren, sparsame Technologien und die nachhaltige Wirtschaftsweise fördern und sogenannte ,,Senken" erhalten, also Gebiete, die in der Lage sind, der Atmosphäre klimarelevante Gase zu entziehen (z. B. Wälder, Ozeane). Die Konvention verpflichtet außerdem die Vertragsstaaten zur Kooperation im Klimaschutz, zur Umsetzung in den staatsinternen politischen Gremien und zum Einbringen in die öffentliche Diskussion.

Eine spezielle Regelung gilt für die meisten OECD-Mitglieder und die Staaten Zentral- und Osteuropas (zusammen Annex I - Länder genannt): sie sollen anhand gesetzlicher Maßnahmen bis zum Jahr 2000 ihren Ausstoß auf den Stand von 1990 zurückfahren und Pläne zur weiteren Reduktion erstellen, wobei sich auch einzelne Staaten zusammenschließen und die Regeln gemeinsam erfüllen können. Generell gelten hierbei für die OECD- Staaten höhere Anforderungen, die Oststaaten können, analog zu ihrem Entwicklungspotential, auf eine größere Flexibilität dieser Regeln zurückgreifen.

Die reichsten Länder der Welt, Annex II genannt (bestehend v. a. aus den Ländern der OECD), sollen neue Gelder für den internationalen Klimaschutz bereitstellen und den Transfer von effizienter Technologie erleichtern.

Ein Problem der Konvention ist ihre Verbindlichkeit: sie ist juristisch zwar rechtsverbindlich, enthält aber größtenteils Willensbekundungen und sieht keine Sanktionen vor, so daß faktisch keine nennenswerte Rechtsbindung existiert.11

Die Zeit nach Rio - Folgekonferenzen und Vereinbarungen

Im Februar 1995 wurde das INC nach weiteren sechs Sitzungen aufgelöst. Die Konferenz der (Vertrags-) Parteien (,,Conference of the Parties", COP) übernahm die Überwachung und weitere Ausarbeitung der Konvention. Sie nahm bereits Ende März 1995 ihre Arbeit auf. Am ersten Treffen vom 28. März bis zum 5. April 1995 nahmen 117 Staaten teil, die die Konvention bereits ratifiziert hatten, sowie als Beobachter Vertreter von 53 weiteren Staaten und über 2000 Journalisten aus aller Welt. Noch bevor die COP ein zweites Mal zusammentrat, veröffentlichte das IPCC im Dezember 1995 seinen zweiten ,,Assessment Report", verfaßt von 2000 Wissenschaftlern und Experten aus aller Welt. Es stellte noch einmal heraus, daß alle wissenschaftlichen Untersuchungen zusammen zeigten, daß der Mensch das Klima beeinflußt. Auch effektive, kostengünstige Gegenmaßnahmen wurden aufgezeigt. Der dritte ,,Assessment Report" des IPCC wird erst im Jahr 2001 erwartet; bis dahin wird es aber wohl noch eine Reihe von technischen Papieren und Sonderberichten veröffentlichen.

Die COP

Die Konferenz der Vertragsparteien (Conference of the Parties - COP) ist gewissermaßen das aus dem Weltgipfel von Rio entstandene Gremium, oft auch als ,,Nachfolgekongreß" bezeichnet. Jeder Staat, der die Konvention unterzeichnet und ratifiziert hat, wird 90 Tage nach der Ratifizierung zeitgleich mit Geltungsbeginn der Konvention in dem jeweiligen Land Mitglied der COP. Im Mai 1999 werden so 175 Staaten der Erde Mitglieder der COP sein (von rund 230 Staaten weltweit). Seit ihrem ersten Treffen 1995 tritt sie jährlich zusammen. Ihre Hauptaufgabe ist es, zu prüfen, ob die Vertragsparteien ihren Verpflichtungen nachgekommen sind. Wichtig ist hierbei auch das Sammeln von Informationen über Fortschritte und Kooperationen, um ein Gesamtbild von der aktuellen Klimasituation bekommen zu können. Die COP überwacht und regelt auch den zusätzlichen Finanzfluß von den reichen zu den armen Staaten, da erst dieser Finanzfluß die ärmeren Länder befähigt, aktiv am Klimaschutz mitzuwirken, Berichte zu erstellen, in der Bevölkerung zu werben, neue Technologie einzuführen und vieles mehr.

Neben der COP existieren, erschaffen durch die Konvention, noch zwei Nebengremien, das Nebengremium für den Vollzug (Subsidiary Body for Implementation, SBI) und das Nebengremium für wissenschaftlichen und technologischen Rat (Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice, SBSTA), die der COP zuarbeiten. Die COP kontrolliert sie und legt ihre Geschäftsordnung fest. Die COP kann nach Bedarf weitere Nebengremien einsetzen.

COP-1: Konstitution, Berlinmandat

Von dem Recht, neue Nebengremien einzusetzen, hat die COP aber erst einmal Gebrauch gemacht: bei ihrem ersten Treffen (,,COP-1") in Berlin. Gemäß den Bestimmungen der Konvention trat sie zusammen, um zu überprüfen, ob die Verpflichtung der Industrienationen, Maßnahmen zur Stabilisierung ihrer Emissionen auf dem Niveau des Jahres 1990 zu treffen, dem Ziel der Konvention gerecht wurde. Allgemeiner Konsens bestand bezüglich der Notwendigkeit, auch für die Zeit nach dem Jahr 2000 verbindliche Regelungen zu schaffen. Die COP-1 verabschiedete ein ,,Berlinmandat". In diesem bezeichnete sie die bisher getroffenen Regelungen und Maßnahmen als vor allem juristisch unzureichend. Auch gingen ihr die Verpflichtungen der Industrieländer nicht weit genug.. Sie setzte daher ein neues Nebengremium ein, die ,,Ad hoc Group on the Berlin Mandate" (AGBM). Ihre Aufgabe war es, ein ,,Protocol or another legal instrument" zu entwerfen, welches 1997 der COP-3 vorgelegt werden sollte. Die Berichte von 15 Industrieländern wurden verglichen und untersucht.

COP-2: Zwischenbilanz

Eine Zwischenbilanz zum Sachstand des Berlinmandates wurde 1996 auf der COP-2 in Genf gezogen. In der ,,Genfer Deklaration" würdigten die Vertragsstaaten den zweiten Assessment Report des IPCC als die derzeit umfassendste und zuverlässigste Einschätzung der Wissenschaft der Klimaänderung, ihrer Folgen und Gegenmaßnahmen und beschlossen, bedeutende Schadstoffverringerungen anzustreben. Wiederum prüfte die COP die bisher vorliegenden nationalen Klimaschutzberichte und bestimmte die Form und Inhalte der ersten von Entwicklungsländern vorzulegenden Berichte, die für 1997 vorgesehen waren. Es zeigte sich, daß in den meisten Industrieländern die Kohlendioxydemissionen weiterhin steigende Tendenz hatten. Die Grundsätze der Klimarahmenkonvention wurden also weitgehend nicht eingehalten. Außerdem zeigte sich im Rahmen der Berichte, daß allein die Industrieländer zu 80,5% an der Produktion der Treibhausgase beteiligt sind und die Konzentration des Klimaschutzes auf diese Staaten so ihre Berechtigung findet.

COP-3: Protokoll von Kyoto

Die dritte Sitzung der COP fand 1997 in Kyoto statt. Ziel des Treffens war es, den zwei Jahre zuvor mit dem Berlinmandat eingeschlagenen Weg abzuschließen. Dies geschah durch die Vereinbarung eines ,,Protokolls von Kyoto", vorbereitet durch die AGBM. Dieses Protokoll ist eine rechtlich verbindliche Vereinbarung, welche den Industrienationen vorschreibt, in den Jahren 2008 bis 2012 ihren gemeinsamen Ausstoß von sechs klimatisch relevanten Gasen im Durchschnitt dieser fünf Jahre um 5,2% zu reduzieren. Um den Vertragspartnern zu helfen, diese Reduktion kosteneffektiv durchzuführen und gleichzeitig eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu fördern, enthält das Protokoll drei ,,Mechanismen": den Mechanismus der sauberen Entwicklung, den Emissionshandelsmechanismus und das joint implementation.

Das Protokoll von Kyoto

Im Rahmen der COP-3 im japanischen Kyoto gelang endlich die Verabschiedung eines Protokolls mit völkerrechtlich bindender Wirkung, welches erste Maßnahmen zur globalen Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen vorsah. Die COP-3 verabschiedete das Papier einstimmig. Es sieht konkrete Reduktionsziele für sechs klimarelevante Substanzen vor, die die Annex-I-Staaten (die Industrienationen) nach dem Jahr 2000 zu erfüllen haben. Bis zum Jahr 2005 sollen sie einen ,,vorzeigbaren Fortschritt" bei der Reduktion vorlegen können, in den Jahren 2008 bis 2012 den Ausstoß jener sechs Gase um 5% senken (die Gesamtheit der Gruppe im Durchschnitt dieser fünf Jahre, gemessen am Stand von 1990). Die sechs Gase sind das Kohlendioxyd (CO2), Methan (CH4), Distickstoffoxid (N2O), Hydrofluorcarbone (HFCs), Perfluorcarbone (PFCs) und Schwefelhexafluoride (SF6). Die drei letztgenannten können statt 1990 wahlweise auch an 1995 gemessen werden. Eine weitere wichtige Gruppe, die Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) wurden ausgeklammert, da sie beim Montrealer Protokoll zum Schutze der Ozonschicht 1987 bereits behandelt worden waren.

Diese Reduktion darf nach dem Kyotoprotokoll unterschiedlich aufgeteilt werden, so daß einige Länder größere Einsparungen vornehmen müssen als andere. So ist vorgesehen, daß die Schweiz, die Staaten der EU und die meisten anderen mittel- und osteuropäischen Staaten ihre Emissionen um je 8% reduzieren (wobei die EU diese Quote wiederum über ihre Mitgliedsländer verteilt), die USA um 7%, Kanada, Ungarn, Japan und Polen um 6%, während Rußland, Neuseeland und die Ukraine ihre Emissionen lediglich auf dem Stand von 1990 fixieren sollen. Andere Staaten dürfen dadurch sogar ihre Emissionen erhöhen, nämlich Norwegen um 1%, Australien um 8% und Island um 10%. Rein rechnerisch ergibt dies eine Gesamtreduktion um ca. 5% bei den Annex-I-Staaten; Veränderungen bei den Entwicklungsländern sind hier nicht inbegriffen.

Als Reduktion wird es einem Staat auch angerechnet, wenn er neue ,,Senken" schafft, also z. B. durch die Aufforstung neuer oder die Wiederherstellung alter Waldflächen dafür sorgt, daß der Atmosphäre Treibhausgase entzogen werden.12 Seit 1990 sind allerdings die Emissionen in den meisten Ländern noch weiter angestiegen, so daß ein Zurückfahren der Emissionen auf einen Wert von 5% unter dem von 1990 eine tatsächliche Reduktion um einen deutlich größeren Betrag bedeutet. Gemessen am erwarteten Stand des Jahres 2000 bedeutet dies eine durchschnittliche Reduktion um 10% gegenüber dem erwarteten Stand von 2010 unter der Annahme, daß keine Maßnahmen getroffen würden, ergäbe das eine Reduktion von rund 30%13.

Die Reduktionsvereinbarungen des Kyotoprotokolles sollen weite Teile der Wirtschaftssektoren betreffen. Die Regierungen der einzelnen Staaten sollen hierbei kooperieren, die Energieeffizienz erhöhen, die Energie- und Transportsektoren reformieren, erneuerbare Energien vorantreiben, unangebrachte finanzielle Maßnahmen auslaufen lassen und Marktschlupflöcher schließen, die Methanemissionen aus der Abfallwirtschaft und der Energiegewinnung zurückfahren sowie Wälder und andere Kohlendioxydsenken schützen.

Das Protokoll von Kyoto gestattet ausdrücklich einige Methoden wie Handel mit Emissionsrechten, joint implementation und Clean Development Mechanism. Es ist vorgesehen, ein ,,Emissionshandelsregime" zu errichten, in dessen Rahmen die Vertragsstaaten untereinander mit Emissionsrechten handeln können, daß also ein Staat, der seine Höchstgrenze an Emissionen nicht erreicht, die Umweltverschmutzungsrechte auf dem freien Markt anbieten oder direkt an einen anderen Staat verkaufen kann, der entsprechend weniger reduzieren muß. Auch können Staaten, insbesondere Industrienationen, zusätzliche Emissionsrechte erwerben, indem sie durch Investitionen in Entwicklungsländern dort den technologischen Klimaschutz voranbringen (clean development mechanism, CDM). Nähere Bestimmungen stehen aber noch aus; bei der konkreten Ausgestaltung haben die Vertragsstaaten also eine weitreichende Handlungsfreiheit, aber auch noch ein erhebliches Maß an Unsicherheiten.

Ein weiteres Ziel des Protokolls ist es, die Einhaltung der bestehenden Verpflichtungen aller Staaten zu verbessern. Es enthält daher die Zusage aller beteiligten Staaten, Maßnahmen zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes zu treffen, Rechenschaft über bereits getroffene Maßnahmen abzulegen, den Technologietransfer voranzubringen, in der wissenschaftlichen und technischen Forschung miteinander zu kooperieren sowie die öffentliche Aufmerksamkeit, Bildung und Schulung zum Thema Klimaschutz zu fördern. Außerdem soll ein neuer Finanzfonds gegründet werden, der den Entwicklungsländern hilft, die ihnen durch den Klimaschutz entstehenden Kosten zu tragen.

Die Conference of the Parties (COP) der Klimarahmenkonvention bekommt somit eine neue Bedeutung: sie wird gleichzeitig zum Meeting of the Parties (MOP) des Protokolls von Kyoto.

Das Protokoll von Kyoto soll regelmäßig überarbeitet werden, jeweils auf der Basis der aktuellen wissenschaftlichen Sachstände. Die erste Überprüfung findet bei der zweiten COP statt, die sich mit dem Protokoll beschäftigt, neue Bestimmungen für die Zeit nach 2012 sollen ab ca. 2005 getroffen werden. Außerdem sollen nach dem Willen der COP-3 in Kyoto noch einige protokollrelevante Fragen geklärt werden.

Das Protokoll wurde am 16. März 1998 für ein Jahr zur Unterzeichnung freigegeben. Es tritt in Kraft 90 Tage nachdem insgesamt 55 Vertragsstaaten des Klimarahmenabkommens das Protokoll unterzeichnet haben; unter diesen Staaten müssen so viele Industriestaaten sein, daß diese mindestens 55% des CO2-Ausstoßes dieser Gruppe vertreten. Bis dahin gelten für die Vertragsparteien nur die Inhalte der Klimarahmenkonvention. Mit der Erfüllung der Bedingungen und dem Inkrafttreten wird für das Jahr 2000 gerechnet.

Viele Umweltverbände kritisieren die Maßnahmen als ,,vollkommen ungenügend"14, gerade auch im Hinblick auf das Stabilisationsziel der Klimarahmenkonvention. Außerdem hätten die weltweiten Treibhausgasemissionen bereits 1995 durch den Zusammenbruch des Ostblockes um 4,5% unter dem Bezugswert des Protokolls von 1990 gelegen, so daß lediglich eine weitere Reduzierung von 0,5% anstehe, was weit unter dem möglichen und sinnvollen liege.

Das Protokoll wird voraussichtlich im Jahr 2000 in Kraft treten und sollte dann möglichst funktionsfähig sein. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen also weitere Unklarheiten ausgeräumt sein, sofern sie Maßnahmen betreffen, die von Beginn an gelten (z. B. der clean development mechanism).

Eine Unsicherheit besteht auch noch bei der rechtlichen Wirkung des Protokolls. Es ist zwar völkerrechtlich bindend, Sanktionen sind bei Nichteinhaltung aber nicht vorgesehen. So ist das einzige Druckmittel gegenüber den Vertragsstaaten deren völkerrechtliche Glaubwürdigkeit.

COP-4: Aktionsplan

Die COP-4 beschloß 1998 in Buenos Aires einen Zweijahres-Aktionsplan zur Klärung der im Protokoll noch offengelassenen Fragen. ,,Deadline" für diese Klärung ist die COP-6, welche im Jahr 2000 stattfinden wird. Hier soll dann die Wirkungsweise der oben genannten Mechanismen festgelegt werden. Zusätzlich enthält der Plan Einverständniserklärungen, Grundsätze, Maßnahmen und konventionsbezogene Erklärungen, z. B. über den Transfer klimaschonender Technologie an Entwicklungsländer und die besonderen Bedürfnisse der am meisten von der globalen Erwärmung und von den notwendigen Gegenmaßnahmen am meisten betroffenen Länder.

Der Aktionsplan befaßt sich vor allem mit der Klärung der Ausgestaltung der flexiblen Instrumente, also der Instrumente des Emissionshandels und der ,,gemeinsamen Umsetzung" von Verpflichtungen. Hierunter fallen das Joint Implementation und der Clean Development Mechanism. Von der Einigung über die Ausgestaltung dieser Instrumente machte u. a. die USA die Ratifizierung des Protokolls abhängig.15 Der Zeitpunkt 2000 scheint sehr kurzfristig und unnötig, zumindest im Fall des Emissionshandels, der ja erst mit Beginn des Wirkungszeitraumes des Protokolls im Jahr 2008 an Bedeutung gewinnt. Doch alle Industriestaaten verbinden die Entwicklung dieses Instruments mit einem anderen - mit dem Clean Development Mechanismus, der laut dem Protokoll von Kyoto schon ab dem Jahr 2000 den Industrieländern die Möglichkeit geben soll, von ihnen durch Investitionen in Entwicklungsländern verursachte Einsparungen ihren eigenen Emissionskonten gutzuschreiben. Bis dahin muß also eine Norm gefunden werden, wie diese Verrechnung auszusehen hat. Mit diesem Instrument, welches von den Entwicklungsländern durchaus gewünscht wird, und dem sich ergebenden Zeitdruck machen die Industrieländer Druck bei der Ausgestaltung des Emissionshandels und der ,,gemeinsamen Umsetzung" in ihrem Sinne. Daher soll bei der COP-6 ein anläßlich des Aktionsprogrammes erarbeitetes Konzept für all diese Bereiche gleichzeitig verabschiedet werden.16

Teilweise steht zur Debatte, ob für die Nutzung der flexiblen Instrumente Obergrenzen festgelegt werden sollen, damit Staaten generell zumindest ein wenig ihrer eigenen Emissionen verringern müssen, ihre Verpflichtungen also nicht ausschließlich über diese Instrumente decken können. Hiergegen sperren sich vor allem die USA, die an eigenen Einsparungen nicht interessiert sind und mit der Ablehnung des gesamten Protokolls von Kyoto drohen. Diese Drohung hat viel Gewicht, weil ein Ausstieg der USA aus dem Verhandlungsprozeß das Gesamtprojekt mindestens entscheidend schwächen, möglicherweise sogar ganz kippen würde.17

Bei der Ausarbeitung des Aktionsplanes habe gerade noch ein Rückschritt in der Klimapolitik verhindert werden können, so Hermann E. Ott vom Wuppertal-Institut. Dieser Aktionsplan sei aber nicht in verbindlicher Sprache verfaßt; welche Ergebnisse er erbringt, bleibe also abzuwarten.

Künftige COPs und Meetings

Vor der COP-6, bei welcher über den Aktionsplan beraten werden soll, steht allerdings noch eine COP-5 an. Sie wird vom 25. Oktober bis 5. November 1999 in Bonn stattfinden und wird wohl in erster Linie eine neuerliche Bestandsaufnahme durchführen und den Zwischenstand der Ausführung des Aktionsplanes diskutieren. Leider ist dieses Treffen nicht öffentlich; auch interessierte Studierende haben hier keinen Einlaß18.

Weiterhin treffen sich gelegentlich verschiedene Gremien, die ebenfalls das Thema Klimaschutz bearbeiten, z. B. im April 1999 die Konferenz der Umweltminister der G8 unter Leitung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Dieses Treffen wurde allerdings nach diversen Presseberichten allgemein als belanglos bezeichnet und hatte reinen Appellcharakter.

Die BRD

Auch der Staat, in dem wir leben, die Bundesrepublik Deutschland, beteiligt sich am internationalen Klimaschutz. Die BRD hat im November 1990 beschlossen, bis zum Jahr 2005 ihren Ausstoß von Kohlendioxyd um 25% zu reduzieren, gemessen am Ausstoß des Jahres 198719. Wie absehbar, ergab allein schon der Zusammenbruch der Industrie in der neuen Bundesländern eine Einsparung um rund 15%. mit Stand von 1998 war also die Aufgabe, innerhalb von sieben Jahren weitere 10% einzusparen. Einige Umweltorganisationen sind dabei kritisch, ob dieses Ziel wirklich angegangen wird. Das Forum für Umwelt und Entwicklung jedenfalls ist sich sicher: ,,Zusätzliche Reduktionen lassen sich nur durch eine aktive Klimaschutzpolitik erzielen. Die bisher durchgeführten und eingeleiteten Maßnahmen reichen nicht aus, um das nationale Klimaschutzziel zu erreichen"20. Um darauf aufmerksam zu machen, hat z. B. die BUNDjugend, die Jugendorganisation im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), eine Wette mit der Bundesregierung gestartet, auf die diese eingegangen ist: die BUNDjugend wettet, daß es bereits möglich ist, diese Einsparung von 10% innerhalb von sieben Monaten zu erreichen und belegt dies, indem sie Schülerinnen und Schüler von mindestens 100 Schulen bundesweit dazu anleitet, den Kohlendioxydausstoß, den ihre Schulen verursachen, durch Energieeinsparungen innerhalb dieses Zeitraumes um 10% zu reduzieren. ,,Eine Wette, die wir gerne verlieren", urteilt das Bundesumweltministerium im Internet.21

Langsamer Fortschritt - eine Schlußbetrachtung

Schon seit vielen Jahren steht das Thema ,,Globaler Klimaschutz" auf der internationalen Tagesordnung. Eine große Zahl von Konferenzen hat bereits stattgefunden, viele Vereinbarungen wurden getroffen, deren wohl bislang umfangreichste und wichtigste wird wohl mit dem Protokoll von Kyoto zum Ende dieses Jahrtausends in Kraft treten. Jahrzehntelange internationale politische Bemühungen haben zu diesem Ergebnis geführt.

Dennoch: den meisten Naturwissenschaftlern und Umweltschutzverbänden ist der erreichte Stand nicht weitgehend genug. In den Mühlen der politischen Debatten wird so mancher Sinn einfach zermahlen, so manch Forderung von Naturwissenschaftlern als nicht umsetzbar abgelehnt. Noch ist der entscheidende Durchbruch nicht da, der es schaffen könnte, in alle Ewigkeit das Klima der Erde stabil zu halten. Dennoch - aus politischer Sicht ist schon beachtlich, was bislang geleistet worden ist. Der größte Teil der Staaten der Erde hat sich in gemeinsamer Kooperation bereit gefunden, die ersten Maßnahmen einzuleiten, um das Klima zu schützen - trotz aller Gegenwehr einzelner Staaten, trotz einer großen Menge von Konfliktpotential, welches diese Materie birgt. Und möglicherweise ist der jetzige Stand ja ein geeigneter Zwischenschritt auf dem Weg zu einem Weltabkommen, welches sich primär an den naturwissenschaftlichen Erfordernissen orientiert.

Es geht auf keinen Fall so weiter,

wenn es so weiter geht."

Erich Kästner

Bibliographie

Zur Klimatologie

- Blüthgen / Weischet, Allgemeine Klimageographie, 3. Auflage, Berlin 1980.
- Lauer, Wilhelm, Klimatologie, 3. Auflage, Braunschweig 1999.
- Robin Wood e. V. (Hrsg.), Ökokalender 1997, Bremen 1996.

Zur Weltpolitik

- Bleischwitz / Comes / Kaiser / v. Weizsäcker, internationale Klimapolitik, eine Zwischenbilanz und ein Vorschlag zum Abschluß einer Klimakonvention, Bonn 1991.
- BUNDjugend (Hrsg.), Die Wette, Faltblatt, Ratingen 1998.
- Forum Umwelt und Entwicklung (Hrsg.), Umweltschutz und Entwicklung, Klimaschutz nach Kyoto, Bonn 1998.
- Fritzler, Marc, Ökologie und Umweltpolitik, Bonn 1997.
- Germanwatch (Hrsg.), Ergebnisse der ersten nach Kyoto in Bonn stattfindenden Runde der UN-FCCC Klimaverhandlungen, Pressehintergrundpapier, Bonn 1998.
- Ott, Hermann E., Kein Erdrutsch bei den Klimaverhandlungen in Buenos Aires, Wuppertal 1998.
- Schmitz, Angela / Stephan, Petra, Die Weltkonferenz zu Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992, in: Institut für Entwicklung und Frieden (Hrsg.), Weltkonferenzen und Weltberichte, Ein Wegweiser durch die internationale Diskussion, Bonn 1996.
- Simonis, Udo E., Klimaprotokoll - zu den Verteilungsproblemen der Weltumweltpolitik, in: Simonis, Udo E. (Hrsg.), Weltumweltpolitik, Grundriß und Bausteine eines neuen Politikfeldes, Berlin 1996.

Internetadressen

- http://www.bmu.de (Bundesumweltministerium)
- http://www.unfccc.de (Klimabüro der UN)

[...]


1 Wilhelm Lauer, Klimatologie, 3. Auflage, Braunschweig 1999, S. 223.

2 Rechnung von Prof. Dr. Richard Dikau, Geographische Institute der Rheinischen Friedrich- Wilhelms-Universität Bonn, im Rahmen der Grundvorlesung ,,Physische Geographie" im WS 1998/99.

3 Lauer, Klimatologie, S. 223-226.

4 Prozentzahlen entnommen aus: Robin Wood e. V. (Hrsg.), Ökokalender 1997, Bremen 1996, S. 190. Andere Quellen ergeben ähnliche Zahlen.

5 Vgl. zu diesem Kapitel: Karl Kaiser, Stefan Comes, Ernst U. v. Weizsäcker, Raimund Bleischwitz, internationale Klimapolitik, eine Zwischenbilanz und ein Vorschlag zum Abschluß einer Klimakonvention, Bonn 1991.

6 unfccc-Homepage, infokit

7 Udo E. Simonis, Klimaprotokoll - zu den Verteilungsproblemen der Weltumweltpolitik, in: Udo E. Simonis (Hrsg.), Weltumweltpolitik, Grundriß und Bausteine eines neuen Politikfeldes, Berlin 1996.

8 Angela Schmitz, Petra Stephan, Die Weltkonferenz zu Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992, in: Institut für Entwicklung und Frieden (Hrsg.), Weltkonferenzen und Weltberichte, Ein Wegweiser durch die internationale Diskussion, Bonn 1996.

9 Schmitz / Stephan, Weltkonferenz.

10 Schmitz / Stephan, Weltkonferenz.

11 Schmitz / Stephan, Weltkonferenz.

12 Germanwatch (Hrsg.), Ergebnisse der ersten nach Kyoto in Bonn stattfindenden Runde der UN-FCCC Klimaverhandlungen, Pressehintergrundpapier, Bonn 1998.

13 UNFCCC Homepage, Infokit, Sheet 21 (The Kyoto Protocol).

14 Forum Umwelt und Entwicklung, Klimaschutz nach Kioto, Bonn 1998.

15 Hermann E. Ott, Kein Erdrutsch bei den Klimaverhandlungen in Buenos Aires, Wuppertal 1998

16 Ott, Kein Erdrutsch.

17 Ott, Kein Erdrutsch.

18 Information gemäß Telefonat mit der UNFCCC-Zentrale in Bonn vom 22. April 1999.

19 Kaiser, Comes, v. Weizsäcker, Bleischwitz, internationale Klimapolitik.

20 Forum Umwelt und Entwicklung (Hrsg.), Klimaschutz nach Kioto, zur Umsetzung und Weiterentwicklung des Kioto-Protokolles, Bonn 1998.

21 BUNDjugend (Hrsg.), die Wette, Faltblatt, Ratingen 1998; Website des BMU.

Details

Seiten
22
Jahr
1999
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95106
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
Schlagworte
Schutz Klimas Regimestruktur Verhandlungsverlauf Tendenzen Politische Wissenschaft Politik) Seminar Internationale Umweltpolitik Raimund Bleischwitz

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Titel: Zum Schutz des Klimas - Regimestruktur, Verhandlungsverlauf, aktuelle Tendenzen