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Der strukturelle Realismus nach Kenneth Waltz

Seminararbeit 2000 17 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Theoriebegriff

3. Der Strukturelle Realismus nach Kenneth Waltz
3. 1. Die Analyseebene
3. 2. System und Struktur bei Waltz
3. 3. Die Implikation des Strukturellen Realismus - Balance-of-Power

4. Kritik am Strukturellen Realismus

5. Schluß

6. Literaturverzeichnis

Im Bereich der Theorien der Internationalen Beziehungen ist man gegenwärtig mit einer auch für Fachleute fast schon unübersehbaren Fülle von Theorien, Modellen, Paradigmen und sonstigen Erklärungsversuchen konfrontiert, welche das Geschehen, das sich oberhalb der Ebene der Nationalstaaten, also zwischen diesen, abspielt, erklären wollen.

Gerade im Zeitalter der Globalisierung in dem die innerstaatlichen Entscheidungsträger immer mehr Kompetenz zu verlieren scheinen, wird es zunehmend notwendig Gesetzmäßigkeiten im Bereich der Internationalen Beziehungen herauszuarbeiten, um den nationalen Akteuren Orientierungshilfen oder vielleicht sogar Präskriptionen an die Hand zu geben, welche sich aus einer systematischen Beschäftigung mit dem Gegenstand des Interesses ergeben haben.

Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll der Ansatz von Kenneth N. Waltz stehen, welcher dem Bereich des Neorealismus zuzurechnen ist und spezifischer als "Struktureller Realismus" eine Bezeichnung gefunden hat.

Waltz, der als meistzitierter Wissenschaftler des Bereichs der Internationalen Beziehungen in den letzten Jahre gilt (Mouritzen 1997: 66), veröffentlichte 1979 sein Hauptwerk "Theory of International Politics" (Waltz 1979), in welchem er den Versuch unternahm, eine allgemeine Theorie nach deduktivem Muster zu erstellen. Die Besonderheit liegt hierbei darin, daß Waltz die entscheidenden Kräfte im Spiel der Nationen nicht auf deren Ebene, auf der Akteursebene also, vermutet, sondern auf der darüber gelagerten systemischen Ebene. Das versetzt ihn in die Lage eine Theorie zu entwickeln, welche seiner Ansicht nach nicht nur über "Prä- und deskriptive Kompetenz" verfügt, sondern auch über "Eleganz" (Waltz 1979: 69).·

Der Kern dieser Arbeit wird nun von der Darstellung eben jener Theorie ausgemacht, wobei sich die Analyse eng am Originaltext entlang entwickeln soll.

Da Waltz sich gerade durch die Art, wie er sich dem Problem nähert, von den vorgängigen Theorien abhebt, erschien es sinnvoll, zunächst den Theoriebegriff, wie Waltz ihn verwendet, in einem seperaten Abschnitt zu behandeln und in seiner wissenschaftstheoretischen Konstruktion etwas näher zu beleuchten.

Im Anschluß daran beginnt dann die eigentliche Darstellung der Theorie, welche dreigeteilt erfolgen soll. Zum ersten wird gezeigt werden warum Waltz seine Theorie auf der Ebene des internationalen Systems ansiedelt und warum er die entscheidenden Prozesse eben da vermutet. Im dann folgenden zweiten Abschnitt wird dieses System näher definiert, es werden ihm konkrete Variablen und Konstanten zugeordnet, und es soll gezeigt werden, durch welche Strukturen dieses System sozusagen "von oben herab" auf die Akteure und deren Interaktionen einwirkt. Im letzten, dem dritten, Teil der Darstellung der Waltzschen Theorie soll schließlich die konkrete Implikation beschrieben werden, derzufolge Balance-of- Power das grundlegende Prozeßmuster im Bereich der internationalen Beziehungen darstellt, welches nicht akteurs-intendiert ist, sondern vielmehr strukturell bedingt wird.

Im folgenden Abschnitt sollen zwei wesentliche Kritikansätze der Theorie dargestellt werden, um dem Leser den Einstieg in eine eigene kritische Auseinandersetzung mit dem Thema zu erleichtern. Dies kann aufgrund des Rahmens dieser Arbeit allerdings nur holzschnittartig geschehen.

Dem Schlußteil bleibt wie üblich die Aufgabe vorbehalten, die erlangten Kenntnisse noch einmal zu systematisieren und abschließend zu bewerten.

Ich hoffe, daß es mir gelingen wird im Rahmen dieser Ausarbeitung eine kurze aber prägnante Darstellung der Theorie des "Strukturellen Realismus" zu geben, sowie die Stärken und Schwächen dieses Ansatzes herauszustellen.

2. Der Theoriebegriff

Waltz setzt sich gerade auf dem wissenschaftstheoretischen Gebiet intensiv mit seinen Vordenkern auseinander. Er lehnt deren induktive, also durch Systematisierung von Beobachtung erfolgende, Theorienbildung ab, da sie nur beobachtbare Zusammenhänge erfaßt, diese aber prinzipiell nur ungenügend erklären kann. Der strukturelle Realismus ist dagegen ein rein deduktiver Ansatz, welcher aus allgemeinen Gesetzen heraus durch deren Verknüpfung mit Randbedingungen die Erklärung der beobachteten Phänomene anstrebt (Sidschlag 1997: 86-7). Er steht damit in der Tradition des Wissenschaftsverständnisses von Karl R. Popper:

Der Lösungsversuch - das heißt: die Erklärung - besteht immer in einer Theorie, einem deduktiven System, das es uns erlaubt, das Explikandum dadurch zu reklären, daß wir es mit den anderen Tatsachen (den sogenannten Anfangsbedingungen) logisch verknüpfen. Ein völlig exp lizite Erklärung besteht immer in der logischen Ableitung (oder Ableitbarkeit) des Explikandums aus der Theorie, zusammen mit den Anfangsbedingungen. (Popper 1988: 117)

Desweiteren stimmt Waltz mit Popper in der Auffassung überein, daß Systemphänomene auf keinen Fall mit Akteursattributen erklärt werden dürfen, da hier die Systemkräfte aus dem Erklärungsansatz ausgeschlossen werden und dieser somit niemals erschöpfend sein könne (Mouritzen 1997: 72-73; siehe auch Punkt 3.1).

Der Sinn einer Theorie liegt für ihn in ihrer Fähigkeit zu "erklären" und nicht "abzubilden"; aus diesem Grunde heraus ist es möglich "die meisten Punkte von praktischem Interesse" wegzulassen und sich auf wenige Schlüsselmerkmale in seiner Betrachtung zu beschränken (Waltz 1996: 75). Das entscheidende Kriterium zu Bewertung einer Theorie liegt also nicht in ihrer Genauigkeit - im deskriptiven Sinne -, sondern in ihrer Nützlichkeit - im analytisch-präskriptiven Sinne. Er möchte von unhandlichen mit empirischen Elementen vollgestopften Theorien weg, hin zu einer simplifizierten Theorie, welche sich auf die "zentralen Tendenzen" und die "am stärksten prägenden Kräfte" konzentriert (Waltz 1979: 68). Da das methodischen Werkzeug dafür in der Politikwissenschaft nicht ausreichend vorhanden sind, greift Waltz hierfür auf das anderer Wissenschaften zurück, vor allem auf die ökonomische Mikrotheorie (Markttheorie). Auf diesem Feld wird bereits seit längerer Zeit mit "falschen", da zu sehr simplifizierten, Annahmen gedacht (z. B. homo oeconomicus) bzw. werden gewisse Ausschnitte der Realität isoliert betrachtet, obwohl sie eigentlich in Wechselwirkung mit anderen Bereichen stehen (z. B. Wirtschaftsbetrachtung losgelöst von Politik). Es wurde also, um die Leistungsfähigkeit der Theorie zu erhöhen, bewußt in einem Maße abstrahiert, daß die Realität nur noch sehr rudimentär wiedergegeben ist (Waltz 1979: 89).

A theory selects and organises facts, processes and relationships into a seperate domain so that importance and significance can be identified. The isolation of one domain from another in order to study it is artificial, but this is a intellectuel strenght rather than a weakness. (Burchill 1996: 84)

Wie können nun diese Erwartungen praktisch in einer Theorie der Internationalen Beziehungen umgesetzt werden. Waltz erklärt dies in drei einfachen Schritten:

...first, one must conceive of international politics as a bounded realm; second, one must discover some law-like regularities within it; and third, one must develop a way of explaining the observed realities. (Waltz 1979: 116)

Kennth N. Waltz konstruiert also eine deduktive Systemtheorie der internationalen Beziehungen, welche gerade aus ihre Einfachheit ihre Nützlichkeit und ihre generelle Anwendbarkeit entwickelt. Im folgenden Hauptteil soll nun diese Theorie an sich dargestellt werden.

3. Der Strukturelle Realismus nach Kenneth N. Waltz

Die Vorgängertheorien, hierbei besonders der klassische Realismus, werden von Waltz als "reduktionistisch" beschrieben, da sie alle Erscheinungen auf der Ebene der internationalen Beziehungen durch das Studium der Akteure, d. h. der Staaten und Staatsmänner, der nationalen und transnationalen Organisationen usw., sowie durch deren Interaktionen erklären wollen. Die über den Staaten befindliche systemische Ebenen entstehe somit durch die Interaktionen der subsystemischen Akteure und werde ausschließlich von deren intendierten Handlungen konstituiert. Um nun die Gesetzmäßigkeiten auf dieser Ebene zu erforschen, müsse man also die Akteure hinsichtlich ihrer Motivation, ihrer Möglichkeiten usw. studieren. "Their attention focuses on the behaving units." (Waltz 1979: 62)

Waltz sieht diesen Ansatz als nicht weit genug greifend an, um seinen Anspruch einer allgemeingültigen Theorie zu erfüllen, da es auf Akteursebene eine ständige Fluktuation gibt, z. B. hinsichtlich Staatsaufbau, gesellschaftlichen Zielen und nicht zuletzt der handelnden Personen, so daß man auf diesem Wege zwar konkrete Problemlagen beschreiben könne, jedoch bei dem Versuch auf diese Art und Weise eine Großtheorie zu formulieren, welche allgemein und immer gelten soll, an der sich dann ergebenden unbegrenzten "Variablenproliferation" scheitern würde und man zum zweiten nicht in der Lage wäre Regelmäßigkeiten, welche ja evident sind, z. B. Krieg, mit ihrer Natur nach wechselhaften Variablen zu erklären. (Sidschlag 1997: 88)

Auch würde ein solcher Ansatz der deduktiven Logik Waltz' widersprechen, da er ja eine Verallgemeinerung des Einzelnen hin zur Theorie als unwissenschaftlich ablehnt.

Er siedelt somit die grundsätzlichen Kräfte, welche die internationalen Beziehungen determinieren auf der Systemebene an: "Since the variety of actors and the variations in their actions are not matched by the variety of outcomes, we know that systemic causes are in play." (Waltz 1979: 69)

3.1. Die Waltzsche Analyseebene

Wie wir gesehen haben verfolgt Waltz vor allem das Ziel seine Theorie klein und handlich zu halten, um ein hohes Maß an Generalisierungsfähigkeit zu erzielen. Im vorigen Absatz wurde deutlich warum die Akteursebene schwer oder eher gar nicht in eine generelle Theorie einzubinden ist, das besagt aber noch nicht, das die Akteursebene nicht notwendig ist, um eine schlüssige Theorie zu formulieren. Waltz nutzt hier einen Kunstgriff und bezieht sich auf eine ökonomische Theorie, welche seiner Meinung nach einen ähnlichen Erkenntnisgegenstand hat wie der Strukturelle Realismus, nämlich die Markttheorie. Diese betrachtet den Markt als artifizielles Konstrukt, welches, wie ein elektrisches Feld in der Physik, Einfluß auf die Marktteilnehmer ausübt, ohne daß dieser mit dem inneren Aufbau der Marktteilnehmer korreliert. Durch das Zusammenspiel der Akteure konstituiert sich ein System, welches seinerseits Zwänge auf die Akteure ausübt.

System theories, whether political or economic, are theories that explain how the organization of a realm acts as aconstraining and disposing force on the interacting units within it. [...] From them [den Theorien], we can infer some things about the expected behavior and fate of the units: namely, how they will have to compete with and adjust to one another if they are to survive and flourish. (Waltz 1979: 72)

Waltz setzt also den Markt, auf welchem mehrere Akteure, zwar in einem bestimmten Rechtsrahmen, prinzipiell aber recht unabhängig agieren, also ohne höhere Entscheidungs- und Sanktionsinstanz, gleich mit dem internationalen System, und leitet somit seine Prämisse von der Weglassbarkeit der Akteursattribute ab, welche einer eleganten Großtheorie im Wege gestanden hätten.

Wir wissen jetzt also, daß diejenigen Kräfte, welche die grundlegenden Prozeßmuster im internationalen System manifestieren auf der Systemebene angesiedelt sind. Aber wie entstehen diese Kräfte und wie entfalten sie ihre Wirkung?

3.2. System und Struktur bei Waltz

Systeme wirken durch Strukturen. "...[Struktur] designates a set of constraining conditions." (Waltz 1979: 73) Sie selektieren, indem sie bestimmte Verhaltensweisen honorieren und andere bestrafen. Strukturen dürfe laut Waltz nicht so verstanden werden, daß sie bestimmte outcomes produzieren, sondern, daß sie jede Entwicklung in eine bestimmte Richtung (ab-) lenken.

Waltz sieht Strukturen auf zwei verschiedene Arten wirken: durch Sozialisation der Akteure einerseits, sowie durch Wettbewerb unter diesen Akteuren andererseits.

Unter Sozialisation ist die gegenseitige Beeinflussung in Gruppen zu sehen, welche das Verhalten der einzelnen Gruppenmitglieder in eine bestimmte Richtung kanalisiert. Jegliche Gruppenbildung führt in einem bestimmten Maße zu Uniformität. Wettbewerb ist der zweite Mechanismus. welcher die Angleichung des Verhaltens und der Attribute von Gruppenmitgliedern fördert. Derjenige der etwas erfolgreich tut wird gefördert, der andere muß sich anpassen oder geht unter. Durch diese beiden Effekte, Sozialisation und Wettbewerb, werden in jedweder Gesellschaft Angleichungsprozesse ausgelöst; so auch auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen. (Waltz 1979: 73-7)

Das Waltzsche System besteht also aus Akteuren und Struktur. Im vorigen Abschnitt wurde gezeigt wie Struktur wirkt, aber was ist die Struktur auf Ebene der internationalen Beziehungen?

Um den Strukturbegriff einerseits nicht der erwähnten Variablenproliferation auszusetzen sowie andererseits auch weiterhin eine klare Trennung zwischen den Variablen auf der Systemebene und der Akteursebene zu ziehen, muß auch hier wieder auf alle die einzelnen Akteure unterscheidenden Attribute sowie deren einzelne Interaktionen verzichtet werden. Das einzige übrigbleibende Merkmal ist dann ein bestimmter Begriff von Beziehung:

But if attributes and interactions are omitted, what is left? The question is answered by considering the double meaning of the term "relation". [...] "Relation" is used to mean both the interaction of units and the position they occupy vis -à-vis each other. [...] How units stand in relation to one another, the way they are arrangend and positioned, is not property of the units. The arrangement of the units is property of the system. (Waltz 1979: 80)

Waltz definiert Struktur im internationalen System also als die Position eines Staates in Relation zu den anderen. Diese Definition bringt an sich erst einmal nicht viel weiter und somit werden die Konstitutionsbedingungen dieser Struktur mit in die Überlegung einbezogen. Er sieht hierbei drei Prinzipien, welche die Herausbildung von Struktur in politischen Systemen bedingen, welche er aus einem umfangreichen Exkurs auf das besser erforschte Gebiet der Innenpolitik herleitet (Waltz 1979: 81-8).

Dieser Ansatz ist auch als der "strukturelle Dreisatz von Waltz" bekannt (Siedschlag 1997: 94); nämlich: (1) das Ordnungsprinzip der Struktur (ordering principle), (2) die Funktion der differenzierten Einheiten (character of the units) und (3) die relativen Fähigkeiten der Einheiten (capabilities). (Vogt 1999: 44)

Im folgenden sollen diese drei Ebenen des Waltzschen Ansatzes näher dargesetllt werden.

(1) Im Gegenteil zu innenpolitischen Systemen, welche nach dem hierarchischen Prinzip gegliedert sind, ist das internationale System nach dem Prinzip der "Koordination" aufgebaut. Es gibt keine zentrale Ordnungs- und Sanktionsgewalt, sondern es handelt sich um ein dezentralisiertes anarchisches System: "The prominent character of international politics, however, seems to be the lack of order and of organization." (Waltz 1979: 89)

Das logischerweise aus dieser Organisationslosigkeit resultierende Problem ist die Schwierigkeit ein Ordnungsprinizip zu erkennen, wo dies auf den ersten Blick fehlt. An dieser Stelle greift Waltz wieder auf das Theoriegerüst der Mikroökonomie zurück. Auch bei der Betrachtung eines Marktes fehlt, zumindest vordergründig, ein Ordnungs instanz, trotzdem ist der Markt Ordnungs mechanismus anerkannt. Beide Systeme, ökonimische Märkte und internationale Beziehungen, sind nur durch die Koaktion der einzelnen unabhängig handelnden Akteure konstituiert und wirken als solche auf diese Akteure zurück; und zwar auf einem Wege, welcher von den Akteuren nicht intendiert und auch nicht beeinflußbar ist. Der Unterschied zwischen beiden Systemen liegt lediglich auf der quantitaven Ebene, ökonomische Märkte sind zumindest ordnenden Rahmenbedingungen unterworfen während auf der Ebene des internationalen Systems "anything goes" (Waltz 1979: 91), nicht aber auf der qualitativen Ebene, da es sich hier wie da um einen selbstkonstituierenden Ordnungsmechanismus handelt.

In jeglicher Mikrotheorie, sowohl der ökonomischen als auch in der Waltzschen politischen, wird die Motivation der Akteure eher angenommen als realistisch beschrieben. Hier kommt wieder der Umstand der weitestgehenden Reduktion von Komplexität ins Spiel, der notwendig ist um eine aussagekräftige Großtheorie zu entwickeln. So ist die ökonomische Annahme, daß jeder Akteur die Gewinnmaximierung anstrebt in der Realität bestimmt vielen Variationen unterworfen. Nichtsdestotrotz läßt sich mit dieser simplifizierten und verallgemeinerten Motivationsunterstellung eine brauchbare Theorie kreieren. Das Pendant der Gewinnmaximierung auf Ebene des internationalen Systems sieht Waltz im Streben nach Überleben (Survrival) der Staaten. Dieser Begriff ist seiner Ansicht nach so weit gefaßt, daß sich sämtliche Ziele, die ein Staat möglicherweise verfolgen könnte, aus ihm ableiten lassen.

"Beyond the survival motive, the aims of states may be endless varied; they may range from the ambition to conquer the world to the desire merely to be left alone. Survival is a prerequisite to achieving any goals that states may have [...] The survival motive is taken as the ground of action in a world where the security of states is not assured, rather than as a realistic description of the impulse that lies behind every act of state." (ebenda: 91-2)

Diese Motivation der Staaten ist wiederum nicht aus den einzelnen Staaten abgeleitet, sondern aus dem System, was wiederum die Voraussetzung ist, um die Theorie in einem 'handlichen' Rahmen zu halten.

Verschiedene Systeme haben unterschiedliche Ansprüche an Partizipation der Akteure. Der Straßenverkehr z. B. fordert ein hohes Maß an bewußter Unterordnung unter bestimmte Prämissen, um das System an sich am Funktionieren zu halten; nicht so das internationale System. Es bestraft durch seine Struktur bestimmtes Verhalten und belohnt anderes. Das Verhalten der Akteure an sich hat für das Funktionieren des Systems nur minimale Bedeutung:

Where selection according to behavior occurs, no enforced standard of behavior is required for the system to operate, although either system may work better if some standards are enforced or accepted. ( ebenda: 92-3)

Im Umkehrschluß wird also klar, daß es für einen einzelnen Akteur auch nicht möglich ist, sich durch bestimmtes Verhalten den durch das System konstituierten Zwängen zu entziehen.

Wir sehen also wie die Struktur des Systems der internationalen Beziehungen Zwänge hinsichtlich ihres Organisationsprinzips auf die Akteure ausübt. Aber welchen Einfluß hat die nachgelagerte Ebene der Funktion der einzelnen Einheiten.

(2) Die erste Frage welche auftaucht, wenn man seinen Blick auf die einzelnen Einheiten, auf die Akteure, des Systems richtet, ist die, wer diese Akteure sind. Für Waltz sind das ganz klar die Staaten und nichts anderes.

Er setzt sich hierzu mit den oft gebrachten Einwand auseinander, daß Staaten nicht die einzigen Akteure sind und das gerade die transnationalen Akteure - Konzerne, Institutionen usw. - immer mehr an Einfluß gewinnen und somit die Konstruktion einer Theorie ohne sie zu beachten unmöglich machen.

Waltz räumt diesen steigenden Einfluß ohne weiteres ein, sieht aber keine konkreten Implikationen für seine Theorie. Dafür führt er zwei Gründe an: Erstens rekurriert er wieder auf die ökonomische Mikrotheorie, welche auch die Firmen als alleinige Akteure ansieht, obwohl sie dem ständigen Einfluß von 'Nicht-Firmen-Akteuren' ausgesetzt sind so z.B. dem Staat, Gerichten usw. was aber wiederum die Aussagekraft der abgeleiteten Theorie nicht schmälert und zum zweiten sieht er keinen wirklichen Einfluß der transnationalen Institutionen auf die Politik der Staaten, insbesondere der Großmächte: "When the crunch comes, states remake the rules by which other actors operate." (Waltz 1979: 94) Nichtstaatliche Akteure werden laut Waltz erst dann einen entscheidenden Einfluß auf das internationale System haben, wenn sie einen Punkt erreicht haben, an dem sie "die Supermächte hinsichtlich der Machtfülle erreicht oder sogar überholt haben" (Waltz 1979: 95). Die Einflüsse der transnationalen Organisationen siedelt Waltz eher auf der Ebene der internationalen Prozesse, denn der Strukturen, an und kann sie somit für eine Systemtheorie als unbedeutend erklären. Staaten sind für ihn ganz klar die Akteure, deren Interaktion die Struktur des internationalen Systems konstituieren.

Die zweite Frage welche in diesem Zusammenhang auftaucht ist die, ob man die Staaten an sich, welche ja in einer recht großen Unterschiedlichkeit existieren in eine Kategorie stecken kann. Implizit ist die Problematik, das wenn alle Staaten auf derselben Ebene anzusiedeln sind, sie eine jeweils autonome politische Einheit darstellen und somit über eine Souveränität verfügen, welche im Widerspruch zu den systemischen Zwängen stehen würde.

Waltz unterscheidet deswegen zwischen Unabhängigkeit und Autonomie. Staaten sind nicht unabhängig, sondern vielmehr zahlreichen Zwängen unterworfen; sie sind aber autonom zu entscheiden wie sie unter diesen Zwängen agieren. Allen gemeinsam sind also die Zwänge unter denen sie agieren, unterschiedlich ist lediglich die Fähigkeit der einzelnen Staaten damit umzugehen: "The differences are of capability, not of function." (Waltz 1979: 96)

Es ist also einerseits möglich alle Staaten in eine Kategorie zu stecken und andererseits die Staaten als alleinige Akteure im System der internationalen Beziehungen zu betrachten. Wie aber, um zum Ausgangsproblem zurückzukehren, wirkt sich die Funktion der einzelnen Einheiten des Systems auf die Struktur aus? Kurz gesagt überhaupt nicht. Während in hierarchische Systemen, also z. B. innenpolitischen, die Funktion der einzelnen Einheiten durch Super- und Subordination die Struktur mitbestimmt, kommt es in einem anarchischem System nur zu einer Koordination der einzelnen Akteure, jeder muß aber die gleichen Funktionen wahrnehmen. Die Struktur des internationalen Systems wird also durch die Funktion der einzelnen Akteure nicht geprägt, da alle die gleiche Funktion haben. (Waltz 1979: 93) Arbeitsteilung findet aus Angst vor entstehenden Abhängigkeiten im internationalen System nicht statt. (Waltz 1979: 106)

(3) Wie wir gesehen haben unterscheiden sich die Staaten nicht auf der zweiten Ebene, nämlich der ihrer Funktionalität, wohl aber auf der dritten Ebene nämlich in ihrer relativen Fähigkeit: "The units of such an order are then distinguished primarily by their greater or lesser capability for performing similar tasks." (Waltz 1979: 97)

Die Fähigkeit der Akteure ist auf den ersten Blick ganz klar auf der Akteursebene angesiedelt. Dies würde den Anspruch verletzen eine Theorie zu entwickeln, welche alle Akteursattribute vernachlässigt. Diesen Widerspruch löst Waltz dahingehend auf, daß zwar die Fähigkeit an sich ein Merkmal auf Akteursebene ist, daß aber die Verteilung der Fähigkeiten ein Merkmal des Systems ist.

Die capability ist also die Fähigkeit mit den Zwängen, welche aus dem System der internationalen Beziehungen resultieren zurechtzukommen. Wenn man aber von allen Attributen der Staaten abstrahiert, außer ihrer relativen Fähigkeit, erhält man ein Bild der Staatenwelt in Form einer Rangliste.

What emerges is a positional picture, a general description of the ordered overall arrangement of a society written in terms of the placement of units ratherthan in terms of their qualities." (Waltz 1979: 99)

Macht wird in diesem Zusammenhang zu einer ableitbaren Größe, welche sich aus den Unterschieden der relativen Fähigkeiten der Staaten ergibt. Wenn also ein Staat A einen anderen Staat B hinsichtlich seiner Fähigkeit übertrifft, daher eine relativ größere Fähigkeit besitzt, dann ist er mächtiger. Andersherum muß ein Staat also seine relativen Fähigkeiten vergrößern um mächtiger zu werden. Er rutscht dann in der Rangliste der Staaten nach oben. (Waltz 1979: 97-9)

Im Strukturellen Realismus, wie ihn Kenneth Waltz entwickelte, sind also die Staaten die alleinigen Akteure des internationalen Systems, sie kreieren durch ihre Interaktion ein System, welches durch Strukturen von den Akteuren nicht intendierte Zwänge auf dieselben ausübt, und das es dadurch möglich macht eine generalisierte Theorie der internationalen Beziehungen zu formulieren, welche ohne die Berücksichtigung der spezifischen Attributen der einzelnen Akteure in der Lage ist Zusammenhänge zu erklären und sich dadurch deutlich von den meisten anderen Ansätzen in diesem Bereich abhebt.

3. 3. Die Implikation des Strukturellen Realismus - Balance-of-Power

Wie ich bereits am Anfang dieser Arbeit gezeigt habe ist der Strukturelle Realismus ein rein deduktiver Ansatz. Er konstruiert also zuerst die Theorie und trifft dann die entsprechenden Ableitungen. Im vorhergehenden Teil wurde nun das Konzept der Waltzschen Theorie umrissen. Was aber ist der empirisch zu beobachtende Effekt, welchen es dem popperschen Anspruch an eine Theorie nach geben muß? Es ist Balance-of-Power. Oder mit Waltz' Worten: "If there is any distincively political theory of international politics, balanceof-power theory is it." (Waltz 1979: 117)

Dieses Konzept beschreibt das Verhalten von Staaten sich immer zu gleichgewichtigen Allianzen zusammenzuschließen. Da Staaten ja wie wir gesehen haben als Primärziel das eigene Überleben haben, welches jedoch in einem anarchischen System wie dem der internationalen Beziehungen jederzeit gefährdet ist (Stichwort: Sicherheitsdilemma), stellt die Selbstverteidigung die primäre Aufgabe eines jeden Staates dar. Um hier seine Machtposition zu stärken, kann er einerseits intern versuchen seine relativen Fähigkeiten auszubauen, also entsprechend militärisch aufzurüsten, seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu vergrößern usw., diesen Bestrebungen sind aber logischerweise Grenzen gesetzt. Andererseits kann er aber auch extern durch Allianzbildung versuchen seine Position im System verbessern. (Waltz 1979: 118)

Auch in diesem Zusammenhang greift Waltz wieder auf die ökonomische Mikrotheorie zurück und versucht parallele Ableitungen zu treffen. Jedem Marktakteur wird als elementare Motivation die Gewinnmaximierung unterstellt, genau wie einem Staat das Streben nach Selbsterhaltung. Wie Marktteilnehmer also nach Geld streben, strebt ein Staat nach "Sicherheitseinheiten" (Vogt 1999: 50). Da aber diese Sicherheitseiheiten ein begrenztes Gut sind, ist Balance-of-Power, der allgemein sicherste Zustand, derjenige in dem die Sicherheitseinheiten annähernd gleich verteilt sind. (Vogt 1999: 50)

Damit dieses Prozeßmuster sich vollzieht, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: die Grundordnung des Systems muß anarchisch sein, es muß also seinem Wesen nach ein Selbsthilfesystem sein, und die darin agierenden Einheiten müssen überlebenswillig sein.

Aufgrund dessen, daß die Sicherheitsüberlegungen bei den Staaten absolute Priorität haben und nicht das Machtstreben, ist Balance-of-power das grundlegende Prozeßmuster der internationalen Beziehungen und nicht das Bandwagoning, welches das Scharren aller Akteure um den Stärksten bezeichnet.

Because power is a means and not and end, states prefer to join the weaker of two coalitions [...] If they wished to maximize power, they would join the stronger side, and we would see no balances forming but a world hegemony forged. This does not happen because balancing, not bandwagoning, is the behavior induced by the system. The first concern of states is not to maximize power but to maintain their position in the system. (Waltz 1979: 126)

Die grundsätzliche Ableitung aus dem Strukturellen Realismus von Kenneth Waltz liegt also in der Tatsache, daß Staaten dazu neigen Allianzen zu bilden, die sich gegenseitig im Gleichgewicht halten und somit den Frieden und damit den Bestand der einzelnen Staaten erhalten. Im konkreten Fall bedeutet das dann, daß die Außenpolitik eines konkreten Staates, welcher noch nicht in einem Bündnis integriert ist, immer danach streben wird sich der schwächeren Allianz anzuschließen um damit seine Position im internationalen System zu verbessern, da es in dieser Allianz einen höheren Stellenwert einnimmt als in der anderen, die ja ohnehin bereits stärker ist und damit von den Führungsmächten dominiert wird.

4. Kritik am Strukturellen Realismus

Aufgrund des Rahmens möchte ich die nach Waltz' Postulierung der Theorie des Strukturellen Realismus folgende Diskussion auf zwei Punkte beschränken. Zum einen (1) soll dem Kritikansatz Rechnung getragen werden, welcher den empirischen Kern des Strukturellen Realismus in Frage stellt, nämlich Balance-of-Power. Die Anhänger dieser Argumentation sehen dieses Phänomenen nicht als grundlegendes Prozeßmuster der internationalen Beziehungen an, sondern gerade dessen Gegenteil, das Bandwagoning. Dies würde genau im popperschen Sinne die Theorie falsifizieren: "wenn [...] in einem gültigen Schluß die Konklusion falsch ist, so ist es nicht möglich, daß die Prämissen alle wahr sind." (Popper 1988: 116)

Zum zweiten (2) soll ein Kritikansatz dargestellt werden, welcher eher innerhalb der Theorie ansetzt und in diesem Zusammenhang die Grundannahmen in Frage stellt, so vor allem den Punkt, daß die Staaten als gleichartig betrachtet werden können sowie die Vernachlässigung der transnationalen Akteure.

(1) Balancing und Bandwagoning sind zwei völlig konträre Annahmen über das Verhalten der Akteure im internationalen System. Während beim ersteren sich ein noch nicht gebundener Staat immer der schwächeren von zwei (oder mehr) Koalitionen anschließt, um dadurch eine Machtbalance zu erreichen, welche zur Sicherheit führt, schließt sich eben jener Staat gemäß der zweiten Annahme der stärkeren Koalition an, da er hier auf größere Mitnahmeeffekte hoffen kann. (Vogt 1999: 54)

Dieser Ansatz beruht dabei vor allem auf historischen Untersuchungen, welche klar belegen sollen, daß die Waltzsche Annahme einer Dominanz von Balance-of-Power klar von den Tatsachen widerlegt wird; statt dessen gibt es ein Nebeneinander von verschiedenen Prozeßmustern, welche auch durch verschiedene Strategien von Staaten (also durch bottomup-Prozesse) geprägt werden. Wenn man aber eine dieser Strategien als prädominant bezeichnen sollte, dann das Bandwagoning. (Vogt 1999: 55-7)

Waltz setzt sich mit diesen Vorwürfen auseinander, indem er auf die Allgemeinheit seiner Theorie hinweist, was dazu führt, daß auch die Ableitungen nur generell sein können. Er versucht sich also hier etwas der exakten empirischen Überprüfung zu entziehen: "Scientific theories deals with idealizations. If the results of scientific experiments are carried to enough decimal points, hypotheses are always proved wrong." (Waltz 1997: 914)

Auf der anderen Seite weist er auf die geringen Partizipationsansprüche des internationalen Systems hin. Balancing sei sehr wohl das vom System induzierte Ordnungsmuster, nichtsdestotrotz könnten die Staaten in ihrer Handlungsautonomie gegenteilig handeln, was dann aber mit Strafaktionen durch die Systemzwänge verbunden wäre.

States may have the choice between joining a stronger state and balancing it, and they may made the wrong one. [...] States' actions are not determined bei structure. Rather [...] structures shape and shove; they encourage states to do some things and to refrain from doing others. Because states coexist in a self-help-system, they are free to do any fool thing they care to, but they are likely to be rewarded for behavior that is responsive to structural processes and punished for behavior that is not. (Waltz 1997: 915)

(2) Nachdem dieser Kritikansatz eher innerhalb der Theorie ansetzt, soll an dieser Stelle noch ein weiterer kurz umrissen werden, welcher eher die grundsätzlichen Ausgangsannahmen in Frage stellt. Er setzt z. B. bei der Annahme der Gleichartigkeit der Staaten an. Selbst bei einem gleichen Ziel aller Staaten (Sicherheit) könne man noch nicht auf die gleichen Strategien schließen und müsse somit immer noch von der Verschiedenartigkeit ausgehen. Das Waltzsche Modell sei daher wohl gültig für die monarchische Epoche des 17. und 18. Jahrhunderts, nicht aber für die aktuelle komplexe Staatenwelt. Der Neorealismus stelle also nur für den "aufgeklärten Absolutismus eine durchaus stimmige Theorie" dar. (Czempiel 1991: 134-5)

Auch sei die Systemstruktur zwar ein bestimmender Faktor der Außenpolitik der Staaten, nicht aber der alleinige, da durch sie zwar Gemeinsamkeiten, nicht aber Unterschiede erklärt werden könnten. So solle man den richtig erkannten Strukturwirkungen des internationalen Systems nun auch dessen Prozeßwirkungen hinzufügen, in die aber auch die transnationalen Akteure hineinspielen, um eine stimmige Großtheorie zu erhalten. Daß dies, infolge der schon von Waltz erkannten infiniten Variablenproliferation, scheitern müsse, wird zumindest für die Gegenwart anerkannt; die Konstitution einer eleganten Großtheorie der internationalen Beziehungen also in die Zukunft verschoben, wenn dann einmal das methodologische Rüstzeug dafür zur Verfügung steht. (Czempiel 1991: 132-3)

5. Resümee

Die vorliegende Arbeit stellte den Strukturellen Realismus von Kenneth Waltz vor, dem es damit gelang den Morgenthauschen Realismus auf einen wissenschaftlichen Begriff zu bringen und ihn zu einer schlanken Theorie weiterzuentwickeln, "die luzide, einfach und elegant ist." (Czempiel 1991: 130)

Er hat eine rein deduktive Theorie entwickelt, welche die Gesetzmäßigkeiten des internationalen Systems allein auf Ebene des Systems wirken sieht und alles Akteurshandeln als im wesentlichen durch systemische Strukturen determiniert betrachtet. Er greift in diesem Zusammenhang gern und häufig auf die ökonomische Mikrotheorie zurück, welche nach ähnlichen Prämissen und gemäß einer ähnlich starken Reduktion der Realität in der Lage ist hochkomplexe Zusammenhänge relativ erschöpfend zu erklären. Gerade diese Reduktion an Komplexität ist einer der Punkte der Theorie, welcher die größte Angriffsfläche bietet. Alle Staaten als einheitliche Akteure darzustellen und ihnen jegliche Einflußmöglichkeit auf die Rahmenbedingungen des durch sie konstituierten Systems abzusprechen, ist eine provokante These, welcher aber bei der genauen Beschäftigung mit Waltz ein gewisser Charme nicht abzusprechen ist. Wenn man die Möglichkeit einer Großtheorie der internationalen Beziehungen nicht von vornherein ausschließen will, wie es etwa Czempiel tut, muß man wohl diesen oder zumindest einen ähnlichen Weg beschreiten. Gerade die empirische Implikation des Strukturellen Realismus, Balance-of-Power, ist ebenfalls recht umstritten, was aber zum Teil mit Wahrnehmungsproblemen zusammenhängt, in deren Folge identische Ereignisse von den einen Wissenschaftlern als Balancingprozesse und von den anderen als Bandwagoningprozesse bezeichnet werden. (Vogt 1999: 57)

Trotzdem ist der Strukturelle Realismus gerade durch seinen Ansatz als allgemeine generalisierte Großtheorie, und gerade durch sein immenses Diskussionspotential nicht mehr aus der Ideengeschichte der Internationalen Beziehungen wegzudenken und kann ganz sicher immer einen Beitrag leisten bei dem Versuch einer weitergehenderen, erschöpfenderen Erklärung der Zusammenhänge im internationalen System, sei es durch seine Integration als Teiltheorie in eine neue Großtheorie oder auch nur durch die in der Auseinendersetzung um ihn gewonnenen Erkenntnisse

Unbestritten dürfte sein, daß gerade was die Systemwirkungen auf die Akteure angeht der Strukturelle Realismus ein Meilenstein in der Theoriegeschichte der Internationalen Beziehungen darstellt.

Burchill, Scott (1996): Realism and Noe-realism, in: Burchill, Scott und Linklater, Andrew (Hg.): Theories of International Relations, New York

Czempiel, Ernst - Otto (1991): Gleichgewicht oder Symmetrie?, in: Jahrbuch für Politik, 1. Jg., Halbband 1, S. 127 - 150

Mouritzen, Hans (1997): Kenneth Waltz: A Critical Rationalist Between International Politics And foreign Policy, in: Neumann, Iver B. ind Waever, Ole (Hg.): The Future Of International Relations, London und New York, S.66 - 89

Popper, Karl R. (1988): Die Logik der Sozialwissenschaften, in: Adorno, Theodor W. (Mitverf.): Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie, Darmstadt, S. 103 - 123

Siedschlag, Alexander (1997): Neorealismus, Neoliberalismus und postinternationale Politik, Opladen

Vogt, Thomas (1999): Der Neorealismus in der Internationalen Politik - Eine wissenschaftstheoretische Analyse, Wiesbaden

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Details

Seiten
17
Jahr
2000
Dateigröße
368 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v95074
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1.3
Schlagworte
Realismus Kenneth Waltz Seminar Neuere Theorien Internationalen Beziehungen Internationaler Politischer
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Titel: Der strukturelle Realismus nach Kenneth Waltz