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Der Struve-Putsch: Seine Bedeutung für die Revolutionsgeschichte Deutschlands

Seminararbeit 2001 8 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Quellenkontext
a) zeitlich
b) politisch
c) personal

3.Die Quelle
a) Aufbau
b) Inhalt
c) praktische Ziele
d) republikanische Ziele
e) Wirtschaftliche Ziele
f) Zielgruppen
g) Rückhalt und Reaktion

4. Folgen und Bedeutung

5. Kritische Zusammenfassung Literaturangaben
Anlage: Republikanisches Regierungs-Blatt vom 22.September 1848, Seiten 1-4

1. Einführung

Am einundzwanzigsten September 1948 rief Struve die deutsche Republik aus. Dies erscheint als der siegreiche Endpunkt der Revolution im Süden Deutschlands, als die Umsetzung der von Radikaldemokraten formulierten Ziele. In Deutschland war erstmals bei der Volksversammlung in Freiburg vom 26.3.2848 die Forderung nach einem republikanischen Staates laut geworden. Friedrich Hecker hatte im Zuge der Märzrevolution 1848 auf einer Volksversammlung in Konstanz zur allgemeinen Erhebung aufgerufen und die Republik als die freieste und beste aller Staatsformen gepriesen. Struves Proklamation ging naturgemäß darüber hinaus: sie war die Folge der Machtübernahme in Teilen Badens und die erste Verfügung der von ihm eingesetzten neuen provisorischen Regierung. Dieser "Aufruf an das Volk" vom 21.11.1848 ist hier Gegenstand einer Quelleninterpretation. Er wird weithin als Struve-Putsch bezeichnet.

Die Quelle selbst ist leicht zugänglich und gut erschlossen. Sie ist in allen Quellensammlungen über die Zeit und in einschlägigen Werke über die Revolution von 1848/1849 enthalten. Es ist sogar anzunehmen, daß der Originaltext in Schriftform erhalten blieb, da sich Abdrucke mit Authenzitätscharakter finden ließen. Der Inhalt der ersten Regierungsverfügung Struves ist demnach unstrittig. Die Autorenschaft Struves ist nicht näher belegt, wird aber auch von keinem der rezipierten Autoren in Zweifel gezogen.

Die Fragen, die sich somit aus dem Text ergeben, sind qualitativer Art: welche Bedeutung hat er, und stellvertretend damit der Struve-Putsch für die deutsche Geschichte? Welche Chancen hatte die provisorische Regierung im Badischen Land? Was bewirkten diese ersten Beschlüsse? Welche Reaktionen ergaben sich bei den Anhängern der Revolution und denen der monarchischen Regierungsmacht? Hatte die neue Republik nur einen geistigen Vater oder doch breite Unterstützung in der Bevölkerung? Was bezweckte Struve mit seinem Aufruf? Schließlich soll noch angesprochen werden, wie der Putsch Struves in der Vergangenheit eingeordnet, benutzt und funktionalisiert wurde.

Gustav Struve - ein revolutionierender Einzelkämpfer oder ein Stellvertreter des Volkes.

2. Quellenkontext

a) zeitlich

Die Quelle wurde als Flugblatt am 21.9.1848 veröffentlicht. Unter dem Titel "Republikanisches Regierungsblatt" waren die ersten Verordnungen der gerade proklamierten Republik aufgeführt. Struve hatte sich zuvor per Selbsternennung zum Regierungschef erklärt und als eine seiner ersten Handlungen das oben genannte Blatt gegründet.

b) politisch

Deutschland war in der zu betrachtenden Zeit noch nicht existent. Es existierte ein "Deutscher Bund", dem ein Großteil der deutschen Kleinstaaten ab 1815 angehörte. Mit dem Beitritt Badens zum deutschen Bund am 26.Juli 1815 übernahm der damals regierende Großherzog Karl auch die Verpflichtung, eine landständische Verfassung zu erlassen. Sie wurde am 22. August 1818 unterzeichnet und zählte für die damalige Zeit zu einer der fortschrittlichsten. Geschaffen wurde ein monarchischer Staat mit beigeordneten zwei Kammern, deren erste feudal-aristokratisch blieb, die zweite von allen wirtschaftlich unabhängigen Bürgern des Staates gewählt wurde. Diese Kammer entwickelte sich zu einem Zentrum von demokratisch- liberalistischen Ideen und waren bald unter den Druck der übergeordneten Regenten geraten, die die Bestrebungen, Pressefreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz, Ausbau der Verkehrswege, Trennung von Justiz und Verwaltung, Abschaffung der Feudallasten u.a. erreichen zu wollen, zu unterbinden suchten. Erst durch die Hungersnot 1846/47 erlangten die Reformer wieder mehr Einfluß. Mit der Märzrevolution in Frankreich bekamen die auch von Struve vertretenen Ideen, die er mit der Forderung nach der Einigung Deutschlands verband, neuen Auftrieb.

Die Frankfurter Nationalversammlung, Vorparlament usw.

In Frankfurt kam es am 18.9.1848 nach einer Vollversammlung zu Aufständen, weil...

Am 21.September 1948 überschritt Gustav Struve mit einigen Anhängern in dem Glauben, die Aufständischen in Frankfurt seien erfolgreich gewesen, von Basel kommend bei Riehen die badische Grenze. Er erschien als harmloser Spaziergänger, da er die Waffen in einem Wagen vorausgesanst hatte. Ihm hatten sich einige Freunde und Sympathisanten angeschlossen und zogen mit ihm nach Lörrach, wo er erwartet wurde, das Republikanische Regierungsblatt gründete und die ersten Aufrufe und Erlasse publizierte.

c) personal

Gustav von Struve, geboren am 11.10.1805 in München, Sohn des russischen Staatsrats Johann Gustav von Struve. Er studierte Jura und ging daraufhin nach Mannheim, wo er das "Mannheimer Journal" redigierte. Infolge der oppositionellen Haltung des Blattes wurde er wiederholt zu Gefängnisstrafen verurteilt. Nach der Pariser Februarrevolution 1848 initiierte er zusammen mit Hecker einen bewaffneten Putsch, auf dessen Scheitern hin er in die Schweiz floh. (Er gehörte seit ... der zweiten Kammer im Herzogtum Baden an.)

Als "kompromißloser Agitator für demokratisch-revolutionäre Ideen" beschreibt Willy Real den Mannheimer Rechtsanwalt. Er entfernte sich früh von den allgemeinen Emanzipationsbewegungen der badischen Bürger und versuchte, die ihm naheliegenden Ideen der französischen Frühsozialisten umzusetzen. Schon im März 1848 beantragte er, das Vorparlament in des Status eines konstituierenden Reichsparlamentes zu verwandeln.

Seit dem 28.August 1847, der ersten Offenburger Versammlung, war die Abspaltung von den Liberalen offensichtlich. Struve war neben Hecker einer der Initiatoren und wirkte maßgeblich an der Formulierung der dreizehn Forderungen mit, in denen noch nicht von einer Republik die Rede ist, aber gebündelt verlangt wurde, was sie zu verändern gedachten: Presse und Redefreiheit, Versammlungsrecht, Überleitung der Rechtspflege an Geschworenengerichte und außerdem die Bewaffnung des Volkes und die gleichberechtigte Teilhabe an allen Bildungsgütern als neuartige, über die Vorstellungen gemäßigter Liberaler hinausgehenden Ziele.

Nach der Niederschlagung des von ihm geführten Aufstandes wurde er wegen versuchten Hochverrats zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Infolge der badischen Volkserhebung von 1849 kam er frei und floh 1851 in die Vereinigten Staaten, wo er in den Sezessionskriegen mitkämpfte. Er verstarb am 21.8.1870 in Wien.

3.Die Quelle

a) Aufbau

Die Quelle ist übertitelt mit "Republikanisches Regierungsblatt". Als Ort ihrer Veröffentlichung wird "Hauptquartier Lörrach" angegeben, am"ersten Tag der deutschen Republik, am einundzwanzigsten September 1848". Sie ist vierseitig mit den Unterpunkten "Aufruf an das deutsche Volk", "Dienstanweisung an sämtliche Bürgermeister", "Verfügung über Abgaben" (4 Artikel) und "Zollgesetz". Beigelegt waren die "Republikanischen Mitteilungen". "Im Namen der provisorischen Regierung" zeichnete Gustav Struve verantwortlich. Als Schriftführer ist Karl Blind und als "Kommandant des Hauptquartiers" M.W.Löwenfels angegeben.

b) Inhalt

Auf Seite 1 der Quelle rufen die Revolutionäre das "deutsche Volk" dazu auf, "zu den Waffen" zu greifen. Sie sollen gegen ihre "Unterdrücker" kämpfen und dazu beitragen, "das deutsche Volk" zu retten. Laut Unterzeichner Struve droht Deutschland ansonsten, daß es "auf dem sogenannten gesetzlichen Wege furchtbarer ausgesogen und geknechtet," wird "als dieses in den blutigsten Kriegen geschehen kann". Zum Ende läßt er "die deutsche Republik" hochleben.

In der "Dienstanweisung für sämtliche Bürgermeister", auf Seite zwei der Quelle, werden die Amtsinhaber dazu aufgefordert (und sind für die Umsetzung verantwortlich gemacht),

- dafür zu sorgen, daß "so lange das republikanische Heer sich in ihrem Bezirk befindet, den ganzen Tag über gestürmt und des Nachts auf den benachbarten Bergen Feuer angezündet werden.
- darauf zu achten, daß sich keine "der fürstlichen Partei angehörigen Personen" entfernen. Diese sollen verhaftet und alle ihre "Vermögenstheile mit Beschlag belegt werden".
- bewaffnete einheiten zur Verfügung zu stellen und sie zum "Hauptorte des Bezirks" zu entsenden.
- Kleidung, Munition und Nahrungsmittel herbeizuschaffen.
- Quartiere für die Truppen einzurichten.
- sofort und nachdrücklich die "Bestimmung des beifolgenden Erlasses der provisorischen Regierung am gleichen Tage" zu vollziehen.

Unter der Überschrift "Deutsche Republik! Wohlstand, Bildung, Freiheit für alle." erläßt die "provisorische Regierung Deutschlands" die folgenden vier Artikel:

1. Sämtliche Abgaben, die sich auf Grund und Boden oder persönliche Verpflichtungen stützen, werden entschädigungslos abgeschafft und alle Schulden, die aus Ablösen entstanden getilgt.
2. Alle an den Staat, die Kirche oder adelige Grundherren zu zahlenden Abgaben werden gestrichen. Es wird eine "progressive Einkomensteuer" eingeführt, von der Unbemittelte ausgeschlossen sind. Die Zölle "an den Grenzen Deutschlands" bleiben unverändert.
3. Dem Staat, der Kirche und der "auf Seiten der Fürsten kämpfenden Staatsbürger" gehörendes Grundeigentum geht provisorisch in die Hände der zuständigen Gemeinden über.
4. Eine "allgemeine Erhebung des Volkes" wird angeordnet.

Alle Männer zwischen 18 und 40 sollen die Waffen ergreifen. Es wurde das Kriegsrecht verhängt.

Auf Seite vier wird verfügt, daß die am 15.September 1848 eingeführte Erhöhung der Zollsätze um 10 Prozent herabgesetzt wird.

c) praktische Ziele

"Aber selbst mancher der Führer suchte freilich diesmal - wie sich in trauriger Weise offenbaren sollte - weniger den Erfolg des Sieges, als den Erfolg der Beute". So lautete die Interpretation des Putsches Struves noch 19 Heute wird dies nicht mehr unterstellt. .schreibt

Struves Lebensgeschichte in politischen Fragen...

Am 29.3.1848 beantragte er vor dem Siebenerausschuß einen Staat mit einer "föderativen Bundesverfassung nach dem Muster der nordamerikanischen Freistaaten" zu schaffen, was er vor dem Fünfzigerausschuß wiederholte und dort von "angeblich 1000 Anwesenden" unterstützt wurde. Zwei Tage später beantragte er die Permanenz der Vollversammlung, was nach B.Mann der Forderung nach Übernahme der "eigentlichen Regierungsgewalt über ganz Deutschland".

Er glaubte offenbar, nicht länger mit seinem erneuten Umsturz warten zu können, um seine Ideale Wirklichkeit werden zu lassen. Geblendet durch die Meldungen aus Frankfurt muß er die letzte Chance für eine Revolution und den günstigsten Zeitpunkt für den großräumigen Umsturz gesehen haben.

d) republikanische Ziele

Gustav Struves seit langem erklärtes Ziel war immer die Herstellung einer demokratischen Staatsform im nationalen Rahmen. Nur so können verwirklicht werden, wie in Rede In seinem "Republikanischen Regierungsblatt" auf Seite 1, die mit "Hoch lebe die deutsche Republik!" endet, heißt es: "Nur die Republik führt uns zum Ziele (,) nach dem wir streben". Zu diesem Zeitpunkt hatten sich lediglich einzelne Städte wie zu Republiken erklärt. Die Aufstände, die Struve aus Frankfurt gemeldet worden waren und aufgrund derer er sich zum Handeln entschloß, waren lange nicht so erfolgreich, wie er annahm. Die Ausrufung der Republik blieb dort, wie in anderen Landesteilen auch, aus, so daß eine Ausbreitung der Machtübernahme nicht realisiert wurde. Auch wenn Struve nicht gewußt hat, wie sich die Situation in Frankfurt oder Preußen gestaltete, muß doch festgestellt werden, daß sein primäres Ziel die Errichtung der Republik war. Alle verbreitete Sicherheit in seinen Erklärungen dienten nur der Mobilisierung von Unterstützern und der Verbesserung der Moral. Die "...Ziele nach denen wir streben" können erst der zweite oder dritte Schritt sein. Die Erinnerung daran sollte die Kräfte für die Durchsetzung der Republik mobilisieren, die durch die Verwendung von Schein-faktischen Formulierungen wie "Hoch lebe die deutsche Republik" gefestigt scheinen sollte.

e) wirtschaftliche Ziele

Mit den Artikeln eins bis vier auf Seite drei versucht Struve auch im finanziellen und wirtschaftlichen Bereich, seine gesellschaftlichen Vorstellungen umzusetzen. Mit der Betonung auf den "mittelalterlichen" Charakter von "persönlichen Diensten, Zehnten, Gülten, Frohnden und welche Namen sie sonst tragen", also den Insignien der Leibeigenschaft, beschreibt er mit deren Abschaffung seine Vorstellungen von Fortschritt. Nimmt man die angestrebte Einkommensteuer und die Vergesellschaftung sämtlicher Güter, die sind in der Hand von Kirche, Staat und fürstentreuen Bürgern befinden, dazu, so ergibt sich ein Bild eines modernen demokratischen Staates: Besteuerung der Bürger im Verhältnis zu ihrem Einkommen, Freiheit des Individuums und Übernahme aller Rechte durch das Volk. Im letzten Punkt sind frühsozialistische Ansätze erkennbar. Die Perspektive ist aber immer die der Abschaffung, nicht die der Konstruktion. Die Pläne Struves lassen sich nur aus anderen Quellen, aus Äußerungen und Veröffentlichungen Struves an anderer Stelle ablesen. Es waren dies die Umsetzung der damals gängigen Freiheitsforderungen, wie der der Pressefreiheit, der Religionsfreiheit sowie die Übergabe der Gerichtsbarkeit in die Hände des Volkes.

Rolle der Bürgermeister in den Planungen Struves. Auf sie übertrug er Verfügungs- und Kontrollgewalt, sowie Verantwortung für das Wohl und die Versorgung der republikanischen Truppen. Ihnen kam auch die Aufgabe zu, Truppen zu rekrutieren und in die Hauptorte ihres Bezirkes zu entsenden. Zu diesem gewaltigen Vertrauensvorschuß kam es, da Struve berichtet worden war, daß in dem badischen Landstrich der größte Teil der Menschen republikanisch eingestellt gewesen seien und die Revolution unterstützen würden.

Die Senkung der Zollsätze muß als primär symbolischer Akt gewertet werden, durch den der Vorrang der deutschen Einigung vor kleinstaatlichen Interessen verdeutlicht wurde.

f) Zielgruppen

Struve benannte mit "Aufruf an das deutsche Volk" beileibe nicht die alleinigen Adressaten seines Flugblattes. Schon wegen der damaligen Lage der Kommunikationsmöglichkeiten und der möglichen Geschwindigkeit von Informationsverbreitung konnte der Titel nur ein Zeichen seiner Absichten sein: Für das ganze deutsche Volk ist Struve in Lörrach einmarschiert und seine Ziele sollen nicht nur für den Bereich seines Einflusses, sondern am besten auf dem gesamten deutschen Territorium gelten. Ein Aufruf mit Vorbildcharakter demnach.

Mit dem Text der ersten Seite reiht er sich in die Geschehnisse der anderen Staaten ein, er stellt sich in die Reihe der Aufständischen in Frankfurt und will mit seiner Machtübernahme und dem Aufruf zur Bewaffnung einen Beitrag zur Errichtung der Republik leisten.

Seite zwei, drei und vier haben pragmatisch.praktischen Charakter. Er versucht durch den Aufruf an die Bürgermeister seine Einflußstrukturen aufzubauen, gibt deshalb diesen Verantwortungsträgern Verhaltenshinweise. Die Seiten drei und vier wenden sich an die gesamte Bevölkerung des besetzten Landstrichs. Es wird ihnen mitgeteilt, welche Beschlüsse die neue Regierung in ihrem Namen gefällt hat.

4. Folgen und Bedeutung

Der Struve-Putsch scheiterte. Die erlassenen Verfügungen waren schon nach wenigen Tagen hinfällig, die Reaktionskräfte hatten die alten Rechte wieder eingesetzt und die alten Zustände wiederhergestellt. Struve wurde verhaftet und am 30.3.1849 zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, kam aber schon im Mai während der Reichsverfassungskampagne wieder frei.

Die Ereignissse des 21.9.1848 blieben nur von regionaler Bedeutung, wurden aber in einer Proklamation des Märzministeriums erwähnt. Gottlieb Rau, hervorstechender, christlich- missionarischer Redner der damaligen Volksversammlungen, sah sich nach Darstellung Müllers durch diese Nachrichten in seinen Absichten bestärkt, von Rottweil aus einen republikanischen Marsch von Baden, Hohenzollern-Sigmaringen und Württembergisch- Franken nach Stuttgart anzuschließen. Ein kausaler Zusammenhang ist selbst hier nicht nachweisbar.

Wollstein ist sogar der Meinung, daß die Frankfurter Septemberunruhen und die darauf folgenden Erhebungen Struves denjenigen Bestätigung waren, die in "radikaldemokratischen, sozialreformerischen und sozialrevolutionären Elementen stets mehr oder minder bestialische Anhänger der "roten Republik"..." sahen.

floh in die Vereinigten Staaten von Amerika, Deutschland wurde erst 1871 vereinigt. Was blieb für die Zukunft.

Der Struve-Putsch ist heute zum einen Symbol für demokratische Kräfte in Deutschland, zum anderen aber auch für nationale Bestrebungen der Zeit und die jeweiligen Gegentendenzen. Gleichzeitig verbindet sich mit dem 21.9.1848 der in Deutschland so schlecht ausgeprägte Revolutions- und Veränderungswillen. Nur wenige folgten damals dem Ruf Struves als er den Umsturz zum zweiten Mal wagte. Doch schon im Frankfurter Vorparlament war er Vertreter einer kleinen Gruppe radikaler Kräfte. Die Mehrzahl der Abgeordneten zielten darauf ab, etwas mehr Rechte übertragen zu bekommen, zu verhandeln und eine konstitutionelle Monarchie zu errichten.

Struve war durchweg ein konsequenter für seine Ideale eines sozialisierten, demokratischen, geeinigten Deutschlands. Auch nach seinem Revolutionsversuch kämpfte er weiter für den Umsturz der herrschenden Mächte: Der Klub des entschiedenen Fortschritts war sein Kind. In ihm fanden sich alle radikal-revolutionären Kräfte, weswegen sich Lorenz Brentano dazu entschloß, ihn zu verbieten. Mit seinen republikanischen Vorstellungen stieß Struve auf immer weniger Gegenliebe, im Juli 1849 konnte er von Brentano verhaftet werden, ohne daß es Proteste in der Bevölkerung gegeben habe.

Die Ereignisse um Struve zeigen deutlich, was heute als Wesensmerkmal der Deutschen allgemein und als ihr Versäumnis in der Geschichte angesehen wird. In Deutschland scheitereten bis 1989 als revolutionären Versuche, was ihrer Halbherzigkeit und der fehlenden Radikalität, der Furcht vor dem Wagnis zugeschrieben wird. Das Konservative Element war immer groß genug, Männer wie Struve, Liebknecht oder SPD zu einsamen Rufern zu machen, deren Ziele erst Jahrzehnte später wieder aufgegriffen wurden.

5. Kritische Zusammenfassung

Dieser Quelle gebührt ein Platz in der Revolutionsgeschichte Deutschlands. Sie ist Zeichen davon, daß es Menschen gab, die vehement für die Republik und für die Demokratie eingetreten sind. Gleichzeitig sind anhand der Auswirkungen, die sie hatte und der Reaktionen, die sie bei den Menschen des 19.Jahrhunderts auslöste, sehr genau die Kräfte zu beobachten, die eine rasche Veränderung der kleindeutschen Staaten verhinderten. Man wird nicht sagen können, daß Struve den ungünstigsten Zeitpunkt für seine Proklamation gewählt hätte oder daß er die Möglichkeiten grundlegend falsch eingeschätzt hätte. Die Bevölkerung stand auf Seiten der Restauration, das war das bremsende Element aller seiner Umsturzversuche und nicht die zu starke Macht des Staates.

Literaturangaben:

Wolfgang Dreßen (Herausgeber), 1848-1849, Bürgerkrieg in Baden, Chronik einer verlorenen Revolution, Berlin, 1975

Enzyklopädie F.A.Brockhaus, Wiesbaden 1973, Bd.4/Bd.18

Walter Grab (Herausgeber), Die Revolution von 1848/49 - Eine Dokumentation, München 1980

Dieter Langewiesche, Liberalismus und Demokratie in Württemberg zwischen Revolution und Reichsgründung, Herausgegeben von der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Bonn-Bad Godesberg, 1974

Bernhard Mann, Die Württemberger und die deutsche Nationalversammlung 1848/49, Herausgegeben von der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der deutschen Parteien in Bonn-Bad Godesberg, 1975

Willy Real, Die Revolution in Baden 1848/49, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 1983.

Michael Wettengel, Die Revolution von 1848/49 im Rheim-Main-Raum, Historische Komission für Nassau, Wiesbaden 1989

Günter Wollstein, Das "Großdeutschland" der Paulskirche - Nationale Ziele in der bürgerlichen Revolution 1848/49, Düsseldorf 1977, S.88

Seine als Heckerzug in die Geschichte eingegangenen revolutionären Bestrebungen, im Verlaufe derer er beispielhaft ein größeres Gebiet im badischen Raum demokratisieren wollte, fand beginnend mit der Schlacht am Scheidegg bei Kandern ihr Ende.

Details

Seiten
8
Jahr
2001
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94825
Note
Schlagworte
Struve-Putsch Seine Bedeutung Revolutionsgeschichte Deutschlands

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Titel: Der Struve-Putsch: Seine Bedeutung für die Revolutionsgeschichte Deutschlands