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Was ist Globalisierung?

Essay 2002 6 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Weit verbreitet ist der Globalisierungsbegriff der Londoner Forschungsgruppe um David Held: „Wir betrachten Globalisierung als einen historischen Prozess, in dessen Verlauf die Netzwerke und Systeme gesellschaftlicher Beziehungen sich räumlich ausdehnen und die menschlichen Verhaltensweisen, Aktivitäten sowie die Ausübung gesellschaftlicher Machttranskontinentalen (oder interregionalen) Charakter annehmen. [Perraton et al. 1998, 136]. Oder wie der Ökonom Edward Luttwak das neue Zeitalter der Globalisierung beschreibt als eine mit kaum noch faßbarer Geschwindigkeit voranschreitende „Vereinigung der Pfützen, Teiche, Seen und Meere von dörflichen, provinziellen, regionalen und nationalen Wirtschaften zu einem einzigen globalen Wirtschaftsozean, der die kleinen Bereiche riesigen Wogen wirtschaftlichen Wettbewerbs statt wie früher nur kleinen Wellen und ruhigen Gezeiten aussetzt.“ [Martin/Schumann 1998, 37]. Globalisierung umfaßt eine Vielzahl miteinander verwobener grenzüberschreitender Kommunikationsprozesse, die technisch möglich geworden sind und politisch von den Metropolen der Prosperitätszonen[1] gewollt wurden und werden. Dazu gehören unter anderem „eine zunehmende transnationale[2] Bewegung von Kapital, Gütern und Menschen; eine engere Vernetzung mittels neuer Kommunikationstechnologien (z. B. durch Internet, Mobiltelefone, E-Mail und Mediennetzwerke); eine komplexere internationale Arbeitsteilung durch die Zerlegung der Produktion von Waren und Dienstleistungen an verschiedene Orte; ein rascher Fluss von Ideen, Bildern und Konsummustern sowie -objekten; ein wachsendes Bewusstsein für Risiken und Gefahren, die die Welt als Ganzes bedrohen; ein quantitativer Anstieg und Bedeutungszuwachs transnationaler Institutionen sowie global vernetzter politischer Bewegungen. Es geht somit um die wechselseitige, horizontale wie vertikale Durchdringung dieser Prozesse, und zwar auf nationaler, subnationaler[3] und transnationaler Ebene.“ [Randeria 1998, 16]. Der US-amerikanische Soziologe Roland Robertson (der den Begriff Globalisierung populär gemacht hat) hat Globalisierung als einen geschichtsmächtigen, von Europa ausgehenden Transformationsprozess definiert, der mit der Krise des mittelalterlichen Feudalismus[4] begann. Dabei unterscheidet er vier Hauptbestandteile oder Bezugspunkte der Konzeption von Globalität, mit denen es möglich sei, Globalität zu erkennen und ihren Sinn zu deuten. Gleichzeitig würden sie auch die Form repräsentieren, in der sich der jahrhundertelange Globalisierungsprozess vollzogen hätte. [Robertson 1992, 27]:

- die nationale Einheitsgesellschaft (Nationalstaat),
- das internationale System von Gesellschaften (Weltsystem),
- das Individuum (mit Menschenrechten und Grundfreiheiten),
- ein Begriff von Menschheit (Eine Welt).

[...]


[1] Prosperität: Beschäftigungslage, Aufschwung

[2] zwischenstaatliche

[3] innerstaatlicher

[4] Lehnswesen

Details

Seiten
6
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638161596
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v9460
Institution / Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Wolfenbüttel – FB Volkswirtschaft
Note
1,3
Schlagworte
Globalisierung

Autor

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Titel: Was ist Globalisierung?