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Brücken bauen - statt Mauern zu ziehen!

Wie führen Lehrer konstruktive Eltern -Gespräche und Elternabende?

Hausarbeit 2007 18 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Schule – eine Black Box

3. Gesprächsgrundlagen
3.1. Die vier Ebenen einer Nachricht
3.2. Organisatorische und inhaltliche Gesprächsvorbereitung
3.3. Gesprächsführung

4. Elternabend
4.1. Vorbereitung und Durchführung eines Elternabends
4.2. No No´s

5. Elternsprechtag
5.1. Vorbereitung und Durchführung eines Elternsprechtages
5.2. No No´s

6. Wie führen Lehrer tatsächlich Elterngespräche? Umfrageergebnisse an Grund-, Haupt- und Realschule

7. Fazit

8. Querverbindungen
8.1. zum Seminar „ Anthropologie“
8.2. zum Seminar „ Schülerzentriertes Arbeiten nach Celestin Freinet“

9. Literaturverzeichnis und Anhang

1. Einleitung

Als ich mich dazu entschieden habe eine Hausarbeit in „ Konfliktfeld Schule“ zu schreiben, war das Thema „ Konflikte Eltern und Lehrer“ eine Herausforderung für mich, mit dem ich mich intensiver beschäftigen wollte.

Da ich in einer Lehrerfamilie aufgewachsen bin, sind mir diese Konflikte, die nicht zu unterschätzen sind, bekannt. Für mich ist jedoch interessant gewesen, wie man als Lehrer solche Konflikte verhindern bzw. ein gutes Konfliktgespräch führen kann. Denn die Eltern auf seiner Seite zu haben, gibt einem als Lehrer Kraft und Zuversicht und wesentlich weniger Stress im Schulalltag. Wenn Eltern und Lehrer an einem Strang ziehen, so verringern sich auch die Probleme mit den Schülern.

Wovor Lehrer oftmals Angst haben, sind Elternsprechtage und Elternabende, darum habe ich mir die Fragestellung „ Wie führen Lehrer konstruktive Eltern – Gespräche und Elternabende ?“ ausgedacht. Auch der Übertitel „ Brücken bauen – statt Mauern zu ziehen“ zeigt deutlich, dass durch die Offenheit der Lehrer die Möglichkeit besteht, Eltern für die Arbeit des Lehrers zu begeistern. In dieser Hausarbeit werde ich zuerst auf die Regeln der allgemeinen Gesprächsgrundlagen eingehen, die man als Lehrer immer beachten sollte – bei jeder Art von Gespräch. Danach geh ich speziell auf den Elternabend und Elternsprechtag ein, da in diesen Situationen die meisten Gespräche geführt werden.

Was mir noch sehr interessant schien, war der Vergleich zur Wirklichkeit. Halten sich Lehrer eigentlich an die Regeln der Gesprächsgrundlagen, oder sind diese Ihnen gar nicht bekannt?

Im Fazit wird schließlich noch einmal zusammengefasst und die Theorie mit der Praxis verglichen.

2. Schule – eine Black Box

Warum kommt es eigentlich so oft zu Konflikten zwischen Eltern und Lehrern ?

Die Schule ist für die Eltern eine Art Black Box[1]. Alles was in der Schule geschieht, ist oftmals den Eltern verborgen und wenig verständlich. Die Lösung ist hier : Transparenz.

Wenn der Lehrer sein eigenes Tun im Unterricht durchschaubar macht, den Eltern seine Methoden, Unterrichtsziele und Klassenregeln offenbart und vor allem die Erwartungen an die Eltern formuliert, so wird aus der Black Box ein Glaskasten, der für alle Beteiligten offen einsehbar ist. Außerdem muss der Lehrer signalisieren, dass Kritik und Unterstützung gewollt ist. Dadurch können die Eltern sich nicht darauf zurück ziehen, sie haben nichts gewusst. So können auch die Konflikte auf neuer Basis angegangen werden. Es werden aber auch die Konfliktsituationen reduziert, da den meisten Eltern klar ist, was ihre und die Aufgabe ihrer Kinder ist. Missverständnisse werden durch die Transparenz von vorne rein gar nicht erst entstehen.

Wenn Lehrern bewusst wird, dass sie ihr Tun den Eltern offenbaren und sie als Partner ansehen sollen, so ist ein Teil der Grundlage für ein gutes Konfliktgespräch, für gute Elternabende geschaffen. Doch außer Acht lassen sollte man nicht die Prinzipien einer guten Gesprächsführung, der eine intensiven Gesprächsvorbereitung voraus geht.

3. Gesprächsgrundlagen

3.1. Die vier Ebenen einer Nachricht

Als Lehrer müssen Sie oft Gespräche mit Eltern führen. Sie gehören zum Schulalltag dazu.[2]

Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil Ihrer Arbeit, doch sie sind nicht nur ein Austausch von Informationen.

Nach Friedemann Schulz von Thun findet Kommunikation auf vier Ebenen statt.

Wenn Sie als Lehrer den Eltern eine Nachricht übermitteln, findet dies auf vier Ebenen statt, das reine Vermitteln von Sachinformationen ist nur eine davon.

Auf der Sach - Ebene werden die Eltern informiert. Sie teilen auf dieser Ebene klare und deutliche Fakten mit. Denn Ihnen muss bewusst sein, dass Sie nicht zu viele Sachinformationen erwähnen, da sonst Störungen auftreten können.

Hierzu ein Beispiel für eine Aussage auf der Sachebene : „ Maria vergisst oft ihre Hausaufgaben,

dadurch kann sie in letzter Zeit dem Unterricht kaum noch folgen.“

Die zweite Ebene, die Selbstoffenbarungs – Ebene vermittelt Ihr emotionales Befinden.

Auf dieser Ebene offenbaren Sie Ihre Gefühle. Wichtig dabei ist, dass Sie sich in die Lage der Eltern versetzen und Anteilnahme und Verständnis für sie zeigen, trotz Ihrer emotionalen Betroffenheit. Auch auf dieser Ebene dürfen nicht zu viele Nachrichten gesendet werden, sonst

ist Ihre professionelle Distanz nicht mehr gewährleistet. Ein Beispiel auf der Selbstoffenbarungs – Ebene : „ Es enttäuscht mich, dass Maria ständig ihre Hausaufgaben vergisst. Ihre Freundin Anna muss ihr dann während des Unterrichts den Stoff erklären. Ich erwarte von Maria, dass sie künftig ihre Hausaufgaben macht.“

Die Beziehungs – Ebene beschreibt die Sympathie, die Sie für Ihre Eltern hegen.

Wenn Sie auf dieser Ebene kommunizieren, sollten Sie rücksichtsvoll und sensibel vorgehen.

Auf dieser Ebene ist zu beachten, dass jede Eltern, ob Sie große Sympathie hegen oder nicht, Wertschätzung und Respekt verdienen. Ein Beispiel auf dieser Ebene : „ Sie müssen mehr darauf achten, ob Maria ihre Hausaufgaben macht. Eine tägliche Kontrolle wäre angebracht.“

Die Appell – Ebene ist die Ebene, auf der Sie sprechen, wenn Sie die Eltern zu etwas auffordern

wollen. Zu beachten ist, dass Sie sich klar und deutlich äußern, wozu Sie die Eltern motivieren möchten. Uneindeutige Aufforderungen sollten dabei vermieden werden, da sie zu Missverständnissen führen könnten.

Auch hierzu ein Beispiel auf der Appell – Ebene : „ Setzen Sie Maria klare Grenzen, zeigen Sie ihr, dass es selbstverständlich ist erst die Aufgaben zu erledigen und sich dann der Freizeit zu widmen.“

Diese vier Ebenen einer Nachricht führen häufig zu Missverständnissen. Die Gründe liegen darin, dass Ihnen ( und auch den Eltern ) nicht immer alle vier Ebenen bewusst sind.

Es kann vorkommen, dass zum einen Sie Botschaften aussenden, die Sie gar nicht aussenden wollen oder zum anderen viele Botschaften von den Eltern falsch interpretiert werden.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel : „ Sie teilen auf der Sach – Ebene mit, dass Maria oft ihre Hausaufgaben nicht macht. Die Eltern verstehen diese Nachricht aber auf der Appell – Ebene und fühlen sich angegriffen, weil sie denken, dass Sie ihnen vorwerfen, sie seien zu faul die Hausaufgaben zu kontrollieren.“

Viele Missverständnisse können Sie in einem Gespräch verhindern, wenn Sie diese Prinzipien verinnerlichen :

1. Formulieren Sie Ihre Aussagen klar und deutlich
2. Ihnen muss vor dem Gespräch bewusst sein, auf welcher Ebene Sie intensiver mit den Eltern sprechen wollen
3. Beachten Sie während des Gesprächs, auf welcher Ebene Sie mit den Eltern kommunizieren
4. Achten Sie auch darauf, wie die Eltern auf Ihre Botschaften reagieren. Auf welcher Ebene nehmen die Eltern Ihre Botschaft wahr?

3.2. Organisatorische und inhaltliche Gesprächsvorbereitung

Die Grundlage für ein gutes Gespräch mit Eltern ist eine intensive Vorbereitung sowohl organisatorischer, als auch inhaltlicher Art.

Bei der organisatorischen Vorbereitung sind fünf Punkte zu beachten.

Zuerst werden die Rahmenbedingungen festgelegt. Mit den Eltern legen Sie den Zeitpunkt,

die Dauer, die Teilnehmer ( Eltern, Lehrer, Kollegen, Schulleiter ) und den Ort des Gespräches fest.

Natürlich ist es wichtig, dass die Eltern über den Grund des Gespräches informiert werden. Anschließend lassen Sie sich Ihren Termin von den Eltern mündlich oder schriftlich bestätigen, damit Sie genügend Zeit für die Vorbereitung haben.

Für das Gespräch sollte ausreichend Zeit eingeplant werden, damit bei den Eltern nicht das Gefühl entsteht nur „zeitraubend und lästig“ zu sein. Die Gesprächsdauer sollte aber eine Stunde nicht überschreiten, weil sonst die Konzentration der Gesprächsteilnehmer rapide abnimmt.

Das zweite Kriterium, auf das Sie als Lehrer achten müssen, ist, dass bei einem Gespräch keine Störungen auftreten. Sie müssen Ihre ganze Aufmerksamkeit den Eltern widmen können.

Durch eine störungsfreie Kommunikation ist die Basis einer vertrauensvollen Atmosphäre geschaffen. Wählen Sie möglichst einen Termin für das Gespräch, der nicht in einem Stundenwechsel oder in der Pause liegt. Vergewissern Sie sich, dass keine Kollegen oder Schüler in dieser Zeit Ihr Gespräch stören könnten.

Sitzmöglichkeiten bereitstellen ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, der bei der organisatorischen Vorbereitung nicht fehlen darf. Ideal wäre ein runder Tisch mit Konferenzstühlen, die die Eltern und auch Sie zwingen eine aufrechte Körperhaltung einzunehmen. Dies fördert die geistige Anwesenheit.

Ist Ihnen dies nicht möglich, weil Sie Ihr Eltern – Gespräch in einem Klassenzimmer abhalten, so beachten Sie, dass nicht nur die Eltern auf den Kinderstühlen Platz nehmen, sondern auch Sie.

Hiermit verdeutlichen Sie die Gleichstellung zwischen Ihnen und den Eltern und keine hierarchische Ordnung, bei der Sie von dem höheren Stuhl auf die Eltern herunter blicken.

Das vierte Kriterium besagt, dass Sie als Lehrer eine angenehme Atmosphäre gestalten.

Der Gesprächsraum sollte vor dem Gespräch gut durchlüftet sein. Helligkeit und Ordnung schaffen ebenso einen angenehme Atmosphäre. Wasser, Kaffee oder Saft bereitgestellt, erleichtert den Eltern die bestehenden Hemmungen vor Lehrer – Gesprächen abzubauen.

Zuletzt werden die Unterlagen bereit gelegt. Wichtig ist, dass Sie eine Ordnung auf dem Tisch bewahren und alle wichtigen Unterlagen sofort zur Hand haben, so dass keine Unterbrechungen

im Gesprächsverlauf stattfinden. Ein Papierberg von Informationen wird die Eltern eher abschrecken. Deshalb sollten Sie sich verinnerlichen : „ So wenig wie möglich und so viel wie nötig.“[3]

Außer Acht lassen dürfen Sie auch nicht die inhaltliche Vorbereitung eines Gespräches. Bereiten Sie sich intensiv vor, sonst besteht die Gefahr, dass Sie Ihr Gesprächsziel nicht erreichen.

Folgende Aspekte sind für eine gute inhaltliche Vorbereitung notwendig.

Zuerst legen Sie die Gesprächsziele fest. Sie bestimmen das Thema. Worüber wollen Sie mit den Eltern sprechen ? Danach ist es wichtig, dass Sie ein oder mehrere Ziele für das Gespräch festlegen, die leicht zu erreichen sind. Denn es hat keinen Sinn sich ein großes Ziel zu stecken, das mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht erreicht werden kann. Ihre Ziele müssen Sie so genau wie möglich formulieren, damit bei den Eltern keine Missverständnisse entstehen.

Wenn Sie den ersten Aspekt beachtet haben, sammeln Sie Informationen über den Gesprächsgegenstand. Unterhalten Sie sich mit Ihren Kollegen über die Schwierigkeiten, die Sie mit dem Schüler haben. Je mehr Informationen Sie zu diesem Gesprächsgegenstand sammeln konnten, desto sicherer können Sie Ihre Aussagen in dem Gespräch untermauern und somit den Eltern besser helfen.

Anschließend hinterfragen Sie die zwischenmenschliche Ebene. Überlegen Sie, welche Informationen die Eltern benötigen. Danach setzen Sie sich mit den Vorlieben und Einstellungen

der Eltern auseinander, damit Sie ihre Einwände und Argumente „voraussehen“ können.

Stellen Sie sich folgende Fragen : „ Wie werden die Eltern reagieren, wenn Sie ihnen Ihre Sichtweise mitteilen? Welche Gegenargumente werden Ihre Gesprächspartner formulieren?“[4]

Beachten Sie auch, dass Sie Ihre Einstellungen zu den Eltern überprüfen und entwickeln Sie eine positive Haltung ihnen gegenüber.

Bei der inhaltlichen Gesprächsvorbereitung darf eine Gesprächsgliederung nicht fehlen. Strukturieren Sie das Gespräch in einzelne Phasen, indem Sie einen Gesprächsleitfaden erstellen, bei der jede Phase mit Inhalt gefüllt wird. Die Phasen bestehen aus Gesprächsbeginn, Erörterung des Gesprächsanlasses, gegenseitiger Austausch, Konsensfindung und Gesprächsabschluss.[5]

Hierzu ein Merkblatt zum Aufbau Ihres Gesprächsleitfadens auf Seite sechs.

Zuletzt sollten Sie sich auf Schwierigkeiten im Gespräch vorbereiten. Es können immer wieder Situationen auftreten, die nicht geplant waren. Doch Sie sollten damit rechnen, dass Eltern oft anders reagieren wie Sie erwarten. Setzen Sie sich somit im Voraus mit einem alternativen Gesprächsverlauf auseinander.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3. Gesprächsführung

Gewisse Fähigkeiten für eine erfolgreiche Gesprächsführung müssen Sie als Lehrer mitbringen,

auch wenn es oft schwer fällt, gewisse Grundregeln bei einer Kommunikation einzuhalten,

weil man sich zum Beispiel emotional betroffen fühlt. Sie müssen als Experte diese Regeln immer vor Augen haben.

Gespräche mit Eltern zu führen, ist oft nicht einfach, vor allem wenn Sie eine geringe Beziehung zu den Eltern haben.

Es gibt aber Grundprinzipien, die Ihnen die Gesprächsführung vereinfachen.

Wenn Sie mit den Eltern ein Gespräch führen, sollten Sie ihnen stets eine positive Haltung entgegenbringen. Wichtig ist zum einen Wertschätzung. Achten Sie die Eltern, auch wenn Sie von ihnen persönlich angegriffen werden. Bleiben Sie höflich und reagieren Sie nicht aggressiv.

Zum anderen zeigen Sie den Eltern, dass Sie ehrlich und offen zu ihnen sind, täuschen Sie nichts vor. Wenn Sie von den Eltern angegriffen werden, sagen Sie ihnen, dass Sie sich verletzt fühlen.

Der dritte Punkt um eine positive Haltung einnehmen zu können, ist die Empathie. Versuchen Sie die Sichtweise der Eltern nachzuvollziehen und versetzen Sie sich in deren Situation.

Stellen Sie sich immer die Frage:,, Wie würde ich an ihrer Stelle reagieren?“

Das zweite Grundprinzip, das aktive Zuhören ist ein wichtiger Aspekt, um Vertrauen der Eltern zu gewinnen. Richten Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Eltern, indem Sie Blickkontakt halten. Somit zeigen Sie auch hier Wertschätzung und unterstreichen Ihre Aussagen mit einer Sicherheit.

Was ebenfalls nicht zu unterschätzen ist, dass Sie als Lehrer Ich- Botschaften formulieren sollten. Dadurch vermitteln Sie den Eltern Ihre subjektive Wahrnehmung. Die Eltern fühlen sich nicht von Ihnen angegriffen, weil Sie Ihr Gefühl ausdrücken und nicht eine allgemeine Aussage machen. Die Vorteile von Ich-Aussagen sind, dass Sie den Eltern Ihre Gefühle zeigen können und gleichzeitig Ihnen bewusst machen, welches Problem Sie wahrnehmen.

[...]


[1] ( vgl. Petra Frie 2006, S. 92 )

[2] (vgl. Schlamp u.a. 2005, S.8 )

[3] ( Schlamp u.a. 2005, S.16 )

[4] ( Schlamp u.a. 2005, S.18 )

[5] ( vgl. Schlamp 2005 )

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640106516
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94472
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Schlagworte
Elterngespräche Elternabende Elternsprechtag

Autor

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