Lade Inhalt...

Den Gebrauch von Modalverben gegeneinander abgrenzen (Kl. 8)

Sachanalyse und didaktische Perspektive

Seminararbeit 2007 12 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse
1.1. Morphologische Merkmale von Modalverben
1.2. Syntaktische Merkmale von Modalverben
1.3. Semantische Merkmale von Modalverben

2. Didaktische Perspektive
2.1. Bezug zum Rahmenplan
2.2. Reflexionen zur Handhabung der Modalverben in der Schule

Literaturverzeichnis

1. Sachanalyse

Die deutschen Modalverben treten oft in linguistischen Diskursen auf. Es beginnt schon bei ihrer Aufzählung, und so ist es in der Fachliteratur noch umstritten, ob diese auf die meist genannten sechs zu begrenzen sind: mögen, wollen, sollen, können, müssen, dürfen. Brünner und Redder führen in ihrer Arbeit Argumente auf, dass mindestens auch „möchten“, „nicht brauchen“ und „werden“ hinzugerechnet werden sollten: „ ‚möchten’ hat sich historisch aus dem Präteritopräsentium[1] ‚mögen’ entwickelt und kann in dieser Konjunktivform als eigenständiges Verb betrachtet werden. Es ersetzt ‚mögen’, das modal nur noch auf wenige Verwendungen beschränkt vorkommt. ‚brauchen’ kommt als Modalverb nur (teil-)negiert vor, d.h. mit Negation oder mit einschränkenden Ausdrücken wie ‚nur’, ‚kaum’ etc. ‚werden’ ist nur mit Infinitiv modal.“[2]

1.1. Morphologische Merkmale von Modalverben:

Morphologisch fallen die Modalverben durch ihre Endungen in der 1. und 3. Person Singular Präsens Indikativ auf. Die 3. Person ist normalerweise durch das Suffix –t kennzeichnet; dieses trifft aber bei Modalverben nicht zu. Ferner endet die 1. Person Singular nicht bei anderen Verben auf –e: ich/sie darf, kann, soll, will, muss, mag (gegenüber: ich esse, laufe, sehe; sie isst, läuft, sieht usw.)[3] Hierfür ist wiederum verantwortlich das Präteritopräsentium, welches wir bei der Erklärung zu ‚möchten’ bei Brünner und Redder genannt wird und zeigt, dass die heutigen Formen des Indikativ Präsens aus dem Präteritum entstanden sind. Das heutige Präteritum der Modalverben ist eine sekundäre Bildung: an den Präteritumstamm wird eine Präteritumsendung, das Dentalsuffix der schwachen Konjugation, angefügt.[4]

1.2. Syntaktische Merkmale von Modalverben:

„Die syntaktischen Merkmale der Modalverben treffen nicht nur auf diese zu, sondern auch auf andere Verben. Alle Modalverben können mit beliebigen Infinitivverben verbunden werden: ich will schwimmen/ ausgehen/.... Die gleiche Struktur erscheint auch bei den Verben werden, lassen, gehen (fahren): ich fahre spazieren, ich gehe einkaufen, ich lasse bitten.“[5] Wichtig ist hier zu bemerken, dass „bei Modalverben der Infinitiv ohne ‚ zu ’ angeschlossen wird.“[6] Auch das negierte Brauchen kann ohne zu mit einem Infinitiv gebraucht werden: das brauchst du nicht (zu) glauben.[7] Brünner und Redder wiederholen in diesem Punkt, dass sie aus semantischen Gründen, werden und nicht brauchen auch zu den Modalverben zählen (S. 16)

Sowohl Brünner und Redder, als auch Hentschel und Weydt nennen die Eigentümlichkeit der Modalverben bei der Perfektbildung. Modalverben bilden kein normales Perfekt (Hilfsverb + Partizip II), wenn Sie mit einem Infinitiv verbunden sind, sondern benutzen die Infinitivform statt des Partizips: ich habe dich nicht beleidigen wollen. Dabei ist es wichtig, dass dies nur dann der Fall ist, wenn der Satz nicht nur mit dem Modalverb, sondern auch mit dem Inifinitiv gebaut wird. Dies ändert sich bei Sätzen ohne den Gebrauch von Infinitiv: das habe ich nicht gewollt (Partizip des Modalverbs).

Brünner und Redder nennen dazu noch zwei andere Möglichkeiten zum Gebrauch des Modalverbs ohne Infinitiv: mit einer Nominalphrase und einem Dass-Satz. (S. 16) Das Erste ist nur für „möchten“, „wollen“ und „können“ möglich („Willst du noch Kuchen ?“ oder „Sie kann Spanisch“), und das Zweite nur mit „möchten“ und „wollen“ („Sie will, dass Gleichberechtigung herrscht.“). Das zeigt, dass „möchten“ und „wollen“ sich nicht nur auf Handlungen, sondern auch auf Sachverhalte beziehen können.

Hentschel und Weydt gehen zudem darauf ein, dass der umgangssprachliche Gebrauch des Konjunktiv Präteritums bei Modalverben sehr verbreitet ist, was bei den anderen Verben nicht der Fall ist: ich müsste, ich könnte usw. Hierbei sagen sie auch (wie oben bei Brünner und Redder erwähnt), dass „möchten“ nicht mehr als Konjunktiv empfunden wird, dass aber ein Infinitiv „möchten“ nicht existiert. (S. 75)

Noch eine Besonderheit von Modalverben ist, dass sie keinen Imperativ bilden können. Formen wie „wolle!“ oder „könne!“ sind also nicht zulässig.[8]

[...]


[1] Verben, die der Form nach im Präteritum stehen, aber eine präsentische Bedeutung haben. (vgl. Hentschel/Weydt, S. 73)

[2] vgl. Brünner/Redder, S. 14

[3] vgl. Hentschel/Weydt, S. 73

[4] ebenda

[5] ebenda, S. 74

[6] vgl. Brünner/Redder, S. 16

[7] vgl. Hentschel/Weydt, S. 74

[8] ebenda. Hierbei geben die Autoren an, dass die individuelle Bildung solcher Formen im Rahmen der „dichterischen Freiheit“ angesehen werden und geben dazu ein Beispiel: Wolle nur, was du sollst, so kannst du, was du willst (Kant).

Details

Seiten
12
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640128402
ISBN (Buch)
9783640129850
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94349
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Deutsche Sprache und Literatur
Note
1,0
Schlagworte
Gebrauch Modalverben

Autor

Zurück

Titel: Den Gebrauch von Modalverben gegeneinander abgrenzen (Kl. 8)