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Billy Yank und Johnny Reb

Der amerikanische Bürgerkrieg aus Sicht der Frontsoldaten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2008 29 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Johnny Reb(el) und Billy Yank - the common Soldiers
2.1 Die Vereinigten Staaten von Amerika 1861: ein geteiltes Land?
2.2 Johnny Reb – Der Soldat der Konföderation
2.3 Billy Yank – Der Soldat der Union

3. Off to the War
3.1 „Why they fought“ - Motivation und Kriegsbegeisterung der Soldaten
3.2 Alltag, Lagerleben und Versorgung der Soldaten
3.3 Die Realität des Schlachtfeldes

4. Stereotypen, Propaganda und Wirklichkeit

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

It’s not the kings and generals that make history - but the masses, the people”

– Nelson Mandela

Geschichte ist immer mit Namen verbunden. Auch der amerikanische Bürgerkrieg zwischen 1861 und 1865 wird von den Lincolns, Lees und Davis‘ dominiert. Dabei waren die eigentlichen Träger des Krieges: Farmer, Handwerker, einfache Menschen sämtlicher sozialer Schichten aus allen Teilen der Vereinigten Staaten. Mit der Sezession South Carolinas im Dezember 1860 und der anschließenden weiteren Abspaltung von Südstaaten, schien ein Bürgerkrieg auf dem amerikanischen Kontinent unausweichlich. Mit der Affäre um Fort Sumter, einer Festung der Union unmittelbar vor der Hauptstadt South Carolinas - Charleston, brach der Krieg zwischen der am 4. Februar 1861 gegründeten Konföderation und der Union offen aus. Eine Nation wurde gespalten und was ursprünglich zusammengehörte, stand sich nun auf dem Felde gegenüber. Auf beiden Seiten meldeten sich die Menschen freiwillig, um an diesem Krieg teilzunehmen, denn zu Beginn wurde dieser Krieg vielfach als das große Abenteuer, als die große Chance sein Leben zu verändern wahrgenommen und man war auf beiden Seiten fest davon überzeugt, innerhalb kürzester Zeit seinen Gegenüber niederzuringen. Doch es entwickelte sich nicht nur einer der blutigsten sondern auch kontroversesten Konflikte hinsichtlich der Kriegsführung, die den amerikanischen Bürgerkrieg zum modernsten Krieg seiner Zeit machte und der als Beginn des industriellen Konfliktzeitalters gewertet werden kann (McPherson 1993: 183).

Getrieben von Abenteuerlust, Langeweile aber auch im Glauben, für eine gerechte Sache, für den Erhalt eines bestimmten Lebensgefühls zu kämpfen, meldeten sich auf beiden Seiten tausende Männer, aber auch Frauen und Kinder freiwillig zum Krieg. „So impatient did I become for starting, that I felt like ten thousand pins were pricking me in every part of the body, and started off a week in advance of my brothers“, schreibt im Frühjar 1861 ein junger Freiwilliger aus Arkansas (Wiley 1989: 15). Diese durchaus repräsentative Schilderung veranschaulicht die Kriegsbegeisterung der Freiwilligen zu Beginn des Konfliktes, die sich jedoch mit zunehmender Dauer und Intensität des Bürgerkriegs rasch wandelte. Doch, was blieb nach vier Jahren Krieg? Ein New Yorker Soldat fasste 1864 die Stimmung beider Lager zusammen: „If the question was left to the two contending armies here, we would restore the Union tomorrow and hang both cabinets at our earliest convenience afterwards.” (Shannon 2006: 369). Deutlich werden hier die Spuren, die dieser Krieg bei allen Beteiligten hinterlassen hatte, sichtbar. Johnny Reb(el) und Billy Yank, die abstrakte Personifizierung der Soldaten der Konföderation und der Union, erlebten das Ende des Bürgerkriegs aus einer ähnlich ernüchternden Perspektive.

Der im amerikanischen Bürgerkrieg kämpfende gemeine Soldat steht im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit. Wer waren die Menschen hinter Johnny Reb und Billy Yank? Was trieb Menschen wie sie dazu, sich in Scharen freiwillig zu melden und so moderne Massenheere zu formieren? Wie erlebten sie den Krieg und den Alltag in diesem? Anhand ausgewählter Zeitzeugenberichte sollen Aspekte des Bürgerkriegs aus der Perspektive der Frontsoldaten rekapituliert und so veranschaulicht werden. In dieser Hinsicht stellt der Amerikanische Bürgerkrieg eine Besonderheit dar, denn es gibt eine Menge unverfälschter Zeitzeugenberichte, aufgrund von relativ geringem Analphabetismus unter den Soldaten sowie keiner verfälschenden Zensur wie in Folgekriegen. Dazu wird zunächst ein kurzer Exkurs ins Amerika der 1860er Jahre nötig sein, der die Ursachen möglicher Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Soldaten verdeutlichen soll. Sodann werden die Soldaten des Südens und die des Nordens ausführlicher vorgestellt und schließlich deren Motive und Beweggründe, sowie deren Kriegsimpressionen analysiert. Abschließend wird auf die Stereotypen und Feindbilder beider Seiten eingegangen und ein Fazit gezogen.

2. Johnny Reb(el) und Billy Yank - the common Soldiers

In den folgenden Kapiteln wird zunächst genauer auf die Besonderheiten des amerikanischen Bürgerkrieges eingegangen, sodann die Herkunft, Sozialisation; allgemein die Personen hinter Johnny Reb und Billy Yank beschrieben.

2.1 Die Vereinigten Staaten von Amerika 1861: ein geteiltes Land?

Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden nicht erst 1861 geteilt. Zumindest aus Sicht der Südstaaten war die Loslösung von der Union die logische Konsequenz grundsätzlicher Unterschiede zwischen den Staaten des Nordens und des Südens hinsichtlich Gesellschaft, Kultur, aber auch aufgrund der klimatischen und geografischen Lage. Bereits mit der Entdeckung und der dann ab circa 1607 planmäßigen Besiedlung Nordamerikas offenbarten sich höchst unterschiedliche Entwicklungen der einzelnen Kolonien und ab 1776 der einzelnen Bundesstaaten im Norden und Süden. Während sich der Süden, aufgrund der klimatischen Verhältnisse, eher auf eine von Monokulturen abhängige wirtschaftliche Grundlage stützte und dadurch ein landwirtschaftlich-patriarchalisches Gesellschaftsmodell dominierte, entstanden im Norden urbane Zentren und ein eher industriell-liberal geprägtes Gesellschaftssystem. Diese regionalen Unterschiede und damit unterschiedlichen Identitäten sorgten schließlich für zusätzlichen Zündstoff in beiden Lagern, als es um die Sklavenfrage und damit indirekt um die Macht der sklavenhaltenden Südstaaten und der sklavenfreien Nordstaaten im Kongress und im Senat ging (Mitchell 1988: 2). Der Versuch des Nordens, die Sklaverei allein auf die bereits etablierten Südstaaten zu begrenzen, schürte im Süden Ängste, in einer von sklavenfreien Staaten dominierten Union Macht und damit schließlich auch auf Dauer den immer wieder betonten besonderen Lebensstil des Südens einzubüßen. Der Historiker Reid Mitchell scheibt außerdem: „Whatever caused the Civil War, it was fought in the name of freedom. By the time rebels fired on Fort Sumter, Americans North and South believed their liberties were most threatened not by the despots of Europe or the Indians on the frontier but by one another.“ (ebd. 1988: 2). Geschickt manipuliert und einzig auf die existenzielle Frage reduziert, ob Sklaverei legitim sei oder nicht, suchten die Politiker des Südens ein Schreckensszenario auszumalen, in dem die kulturelle und gesellschaftliche Integrität des Südens gefährdet schien. Mit der intelligenten Ausspielung von Ressentiments wussten die Südstaaten ihre Bewohner zu mobilisieren und erklärten sich mit der Gründung der Konföderation im April 1861 für unabhängig (ebd. 1988: 4-5).

Diese knappe Rekapitulation ist für die folgenden Betrachtungen meines Erachtens bedeutend, handelt es sich doch um einen Bürgerkrieg, in dem Lokalpatriotismus im Kleinen, aber auch im Großen von enormer Bedeutung war und auf der unterschiedlichen Nord-Südentwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika beruhte. Denn beim Ausbruch des Krieges war es der Patriotismus, die bewusste Stilisierung des eigenen kulturellen Hintergrundes, der ein Feindbild, wie es in den folgenden Kapiteln erläutert wird, erst ermöglichte und so für die Kriegsmobilisierung sorgte. Dabei übersahen die Freiwilligen auf beiden Seiten, dass trotz individueller und regionaler Unterschiede, die Gemeinsamkeiten und die verbindenden Elemente überwogen. Schließlich hatten sowohl der Norden, als auch der Süden, den gleichen historischen Kontext, die gleichen ethnischen Wurzeln, die gleiche Religion und Sprache. Dies alles geriet, ob des Krieges, jedoch aus dem Fokus der Menschen und es bleibt die Tatsache das der Bürgerkrieg allein nicht ohne eine breite gesellschaftliche Verankerung hätte stattfinden können (Mitchell 1988: 3).

„The Yankee host with blood-stained hands

Came Soutward to divide our lands

This narrow & contracted spot

Is all this Yankee scoundrel got’

So May it be” (Wiley 1989: 308).

2.2 Johnny Reb – Der Soldat der Konföderation

Die Soldaten der Konföderation waren höchst unterschiedlichen Charakters und bildeten einen gesunden Querschnitt der südstaatlichen Gesellschaft. Bemerkenswert für den amerikanischen Bürgerkrieg war das Phänomen, dass auf beiden Seiten zunächst Massenheere, gestellt von Freiwilligen, kämpften. In diesen waren sämtliche Alters- und Berufsgruppen sowie gesellschaftlichen Facetten des Südens, trotz seiner enormen Individualität, repräsentiert. Der amerikanische Historiker und Experte zum Thema Johnny Reb und Billy Yank, Bell Irvin Wiley schreibt dazu: „The men who marched under the Stars and Bars were impressively diverse in character. The full range of their variation can never be known.” (Wiley 1989: 322). Grundlage dieser Feststellung sind die Musterungen und Kompanielisten, die teilweise unvollständig ausgefüllt sind, verloren gegangen oder zerstört wurden. Doch malen die erhaltenden Quellen, Tagebücher sowie Akten usw. ein relativ sicheres und authentisches Bild von der Armee des Südens. Der Großteil der Soldaten verließ zum ersten Mal den heimischen Hof oder das Dorf und erlebte für seine Begriffe die große weite Welt. Die Armee der Konföderation setzte sich aus Männern verschiedenster Abstammung und Volksgruppe zusammen und kann streng genommen als bunt zusammengewürfelte Truppe bezeichnet werden (Wiley 1989: 322).

Die überwiegende Mehrheit der Soldaten waren natürlich Südstaatler, aber es gab auch eine Reihe von Nordstaatlern oder gar Ausländern, die auf Seiten des Südens kämpften und aufgrund ihrer zahlenmäßigen Vertretung eigenständige Verbände bildeten. Kompanielisten von 21 Regimentern offenbaren 86 Namen von Rekruten, die im Norden geboren waren. Wiley schreibt dazu: „An estimate of the total number of Yankee-born men who served the cause of the South could be no more than a guess, but the figure must have run into the thousands.” (Wiley 1989: 322). Genau wie Nordstaatler, gab es auch große Anteile an Ausländern: Franzosen, Deutsche und vor allem Iren bildeten die größten ausländischen Truppenverbände, die teilweise in ihrer Sprache kommandiert wurden, aber auch Polen, Briten, Kanadier und Niederländer fanden sich in den Reihen der Südstaatler wieder (ebd. 1989: 324). Doch auch für den Anteil an Ausländern gilt das Gleiche wie für die Nordstaatler. Ihre vollständige Zahl bleibt unbekannt wie Wiley feststellt: „The total number of foreigners enrolled in the Confederate Army unfortunately must remain unknown, but there can be no doubt that the figure ran well up into the tens of thousends.” (ebd. 1989: 324). Auch Indianer und Schwarze dienten innerhalb der Armee des Südens, doch während Indianer durchaus an Kämpfen beteiligt wurden, verrichteten die Schwarzen entweder als billige Arbeitskraft in den Militärcamps Dienst: „The duties of these Negroes consisted mainly of cooking, washing, and of cleaning quarters.“ (Wiley 1989: 327), oder aber schwere Arbeit für das Militär, wie z. B. zum Bau von Forts und Befestigungsanlagen (ebd. 1989: 328-329). Zu diesem Zweck wurden Sklavenhalter regelmäßig verpflichtet Arbeitskräfte zu stellen. So wurden 1864 per Gesetz 20.000 Schwarze zum Arbeitsdienst rekrutiert. Doch forcierte die harte Arbeit und die dadurch bedingte Verletzten- und Todesrate der Sklaven den Widerstand der sklavenhaltenden Pflanzer (ebd. 1989: 329).

Das Alter der Soldaten war, wie die komplette Armee des Südens, ebenfalls höchst unterschiedlich und deckte ein breites Spektrum ab: „The ages of those who wore the gray were no less diverse than their vocations.“ (Wiley 1989: 330). Die Rekrutierungslisten von 11.000 Freiwilligen aus dem gesamten Süden zwischen 1861 und 1862 zeigen, dass alle Altersgruppen vertreten waren – vom jungen Knaben bis hin zum alten Mann. So war einer der Freiwilliger erst 13, drei waren 14, 200 waren 16, und 12 waren zwischen 60-69 Jahre alt. Der Älteste war 73 Jahre alt. Die Mehrheit dieser Rekrutierungsliste bildeten die 18-jährigen, nämlich 971 Freiwillige. Bell Irvin Wiley schätzt, dass von diesen gemusterten Freiwilligen, Vierfünftel zwischen 18-29 Jahre alt waren (ebd. 1989: 331). Die Altersstruktur zeigt, dass der Kampf des Südens von sämtlichen Altersgruppen mitgetragen und unterstützt wurde. Hinsichtlich der Bevölkerung von knapp neun Millionen Einwohnern, wovon knapp dreieinhalb Millionen schwarze Sklaven waren, scheint dieses durchaus plausibel, verfügte der Süden über ein wesentlich schmaleren Rekrutierungspool als der Norden mit seinen 22 Millionen Einwohnern (Hattaway 1998: 33). Außerdem muss die anfängliche Begeisterung in den ersten Kriegsjahren berücksichtigt werden, die vor allem junge oder alte Männer in den Krieg zog. Mit anhaltendem Konflikt ebbte diese Bereitschaft ab und viele der extrem jungen oder alten Freiwilligen verließen die Armee und konnten auch Mangels der nachlassenden Sogkraft der Kriegsbegeisterung nicht ersetzt werden. Auch die 1862 eingeführte Wehrpflicht zeigte hier ihre Auswirkung, in dem Männer unter 17 und über 46-50 Jahre nicht mehr eingezogen wurden. Dennoch schreibt Wiley: „The overwhelming bulk of the Southern Army from beginning to end appears to have been made up of persons ranging in age from 18 to 35.“ (Wiley 1989: 331).

Genauso facettenreich wie das Alter, präsentieren sich auch die Professionen der Soldaten auf höchst unterschiedliche Weise. Stellvertretend für sieben Südstaaten zeigen Kompanielisten, dass 9.000 Soldaten aus 28 Regimentern, über 100 Berufsgruppen vertraten. Der Großteil der einfachen Soldaten jedoch waren Farmer, nämlich 5.600 der 9.000 Soldaten (Wiley 1989: 330). Andere Berufsgruppen waren nach Wiley: 474 Soldaten waren im Zivilleben Studenten; 472 Soldaten waren Arbeiter, 222 Soldaten waren Zimmermann und 75 Soldaten waren Ärzte gewesen usw. (ebd 1989: 330). Auch hier zeigt sich die Unterstützung und Kriegsbereitschaft sämtlicher Schichten der südstaatlichen Gesellschaft.

Doch Johnny Reb war nicht nur relativ jung und von eher schlichter Natur, er war auch relativ religiös. Zumindest im Vergleich zu seinem Kontrahenten im Norden: „Southerners of the nineteenth century were religious people. Church affiliation was regarded as a badge or respectability; for both private functions and public enterprise the presence of the clergy was sought.“, resümiert Wiley (Wiley 1989: 174). Trotz dessen war zu Beginn des Krieges von religiöser Begeisterung wenig zu spüren. Wiley konstatiert: „In spite of these auspicious beginnings, religion did not thrive in camp during the first year or two of conflict.“ (ebd. 1989: 74). Einer der Gründe für dieses Paradoxon scheint nach Wiley die anfängliche Begeisterung für das Soldatenleben zu sein, dass eine komplette Umstellung des Lebens davor bedeutete, er schreibt: „They might have been good boys when they left, and they would be good boys after they returned, but in the meantime they wanted to have a fling at gambling, drinking and swearing, and they did not wish to be bothered with preachers.“ (ebd. 1989: 175).

Die überwiegende Mehrheit der jungen Freiwilligen verließ, wie bereits erwähnt, zum ersten mal Haus und Hof. Der junge Südstaatler J. B. Lance aus Buncombe County in North Carolina, schreibt 1861 aus Beaufort, South Carolina nach Hause: „Father I have Saw a rite Smart of the world Sence I left home But I have not Saw any place like Buncomb and henderson yet.” (Wiley 1989: 26). Diese Feststellung scheint durchaus repräsentativ für den Großteil der Soldaten des Südens zu sein. In dieser Unerfahrenheit lag dann auch eine der Hauptmotivationen, sich am Krieg aktiv zu beteiligen, schien er doch eine nicht unerhebliche Abwechslung zu bieten und Abenteuer zu versprechen, wie in Kapitel 3.1 genauer dargestellt ist.

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Details

Seiten
29
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640105984
ISBN (Buch)
9783640112074
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94334
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
2
Schlagworte
Billy Yank Johnny Bürgerkrieg Ursachen Phänomen Wirkung

Autor

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Titel: Billy Yank und Johnny Reb