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Vergleich italienischer Wörterbücher

Cortelazzos "Dizionario dell´Italiano Contemporaneo" und Rossellis/Eynards "Dizionario di base della lingua italiana"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2007 26 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Dizionario dell´Italiano Contemporaneo (M. Cortelazzo)
1.2 Dizionario di base della lingua italiana (Rosselli/Eynard)

2. Tabelle

3. Schluss
3.1 Statistik

Bibliografie

1. Einleitung

Das Objekt der nachfolgenden Arbeit ist es zu versuchen, zwei italienische Wörterbücher in Form einer Tabelle nach Kollokationsausdrücken zu vergleichen. Es werden allgemeine Informationen über die beiden Wörterbücher und deren Autoren zusammengefasst. Weiterhin wird es erklärt, was eine Kollokation ist, wie ist sie in einem einsprachigen Wörterbuch zu finden ist und ist die konkrete Kollokation leicht zugänglich. Es wird versucht, eine möglichst sinngemäße Übersetzung der italienischen Kollokationen zu geben, auch wenn die deutsche Übersetzung nicht immer eine Kollokation ist. Bei der Übersetzung wird meistens ein zweisprachiges Wörterbuch in Anspruch genommen.

Anhand der Tabelle werden die Vergleichungsschritte systematisch dargestellt. Erst wird der komplette Kollokationsausdruck aufgelistet, dann folgen zwei Spalten für die konkreten Wörterbücher, die noch mal jeweils zwei Spalten enthalten – eine für die Untersuchung des Kollokatorartikels im Wörterbuch und eine für die Untersuchung des Basisartikels. Die letzte Spalte ist für die entsprechende Übersetzung reserviert.

Im Schluss werden die Ergebnisse kommentiert und es wird eine Statistik gegeben, die zeigen soll, in wie weit der Kollokationsausdruck „versteckt“ oder leicht zu finden ist.

Als Quelle der aufgelisteten Kollokationen werden der allgemeine, alltägliche Gebrauch der Sprache, sowie auch im Laufe der Untersuchung aufgetauchte weitere Kollokationen, benutzt. Oft ergaben sich bei der Untersuchung des Kollokatorartikels weitere Kollokationen mit weiteren Basen. Dies war der Fall vor allem bei sehr allgemeinen Kollokatoren wie z.B. fare, andare, dare, stare usw.

1.1 Die Problematik der Kollokationen

In der sprachwissenschaftlichen Literatur existieren verschiedene Meinungen darüber, welche Ausdrücke als Kollokationen bezeichnet werden sollen. Nach einer der Definitionen ist eine Kollokation „ häufige, aber nicht zwangsläufige Verbindung zweier oder mehrer Wörter“ *. Dabei ist es wichtig zu vermerken, dass jeder Kollokationsausdruck aus zwei Teile besteht, die nicht unbedingt der Anzahl der Wörter im Ausdruck entsprechen, nämlich Basis und Kollokator. Die Basis ist als eine Art Kern des Ausdrucks zu betrachten, dessen Erweiterung – also der Kollokator – sich nach links oder rechts erstrecken kann. So sind Basen meistens Substantive, während Kollokatoren sowohl Verben als auch Adjektive sein können. In den verschiedenen Sprachen gelten verschiedene Ausdrücke als Kollokationen. Die italienische Kollokation coscienza sporca zum Beispiel existiert in dieser Form nur im Italienischen – in anderen Sprachen gibt es zwar Ausdrücke, die das gleiche bezeichnen, sind aber anders formuliert – guilty conscience im Englischen oder schlechtes Gewissen im Deutschen oder mala conciencia im Spanischen. Allerdings ergibt sich bei der Übersetzung einer Kollokation von einer Sprache in anderen nicht immer auch eine Kollokation.

* In: Herbst, Thomas, Terminologie der Sprachbeschreibung…., S.164

Dies liegt daran, dass Kollokationen an sich Ausdrücke sind, die rein statistischer Werten unterliegen, d.h. einen Ausdruck kann man als Kollokation bezeichnen, wenn er statistisch gesehen in genau dieser Form sehr häufig auftritt – also coscienza sporca und nicht etwa coscienza colpevole oder coscienza brutta. Deshalb könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass Kollokationen sehr sprachspezifische Verbindungen sind; sie können sich in einer Sprache als solche erweisen und in anderen hingegen nicht. Das nähert sich an der Definition von F. J. Hausmann, dass Kollokationen „ typische, spezifische und charakteristische Zweierkombinationen von Wörtern“ sind *.

Ein anderer wichtiger Punkt des Versuchs, Kollokationen zu definieren, ist, dass der Kollokator – sei er Verb oder Adjektiv – in sich eine Aussage über die Basis tragen muss. In diesem Sinne liegen Kollokationen auf einer Achse in der Mitte zwischen Redewendung und Phrasem. Der Bereich der Phraseologie jeder Sprache umfasst eine Vielzahl von Ausdrucksweisen, wie Redensarten, Redewendungen, Phrasen und festen Ausdrücken, die teilweise sehr sprachbedingt sind und von der konkreten nationalen Mentalität beeinflusst sind. Bei Phrasem und Redewendung hat jeder Teil dieser Ausdrücke eine eigene Bedeutung; in einer Kollokation hat der Kollokator diese eine konkrete Bedeutung nur in Verbindung mit dieser konkreten Basis. Zum Beispiel in der Verbindung würstel con senape handelt es sich um ein Phrasem – eine Wörtereinheit, die als solche im Gedächtnis gespeichert ist; dabei hat jeder teil eine eigene Bedeutung. Fare colpo hingegen ist eine Redewendung, die so viel wie Eindruck machen bedeutet; dabei wird die Basis colpo nicht durch den Kollokator fare charakterisiert – in Wirklichkeit bedeutet colpo Schlag und nicht Eindruck. Im Falle von scartare una proposta handelt es sich um einen typischen Kollokationsausdruck – in der italienischen Sprache hat zwar jeder der beiden Teilen eine Bedeutung, aber die Bedeutung von einen Vorschlag ablehnen hat der Kollokator scartare nur und ausschließlich in Verbindung mit der Basis proposta.

Da das Formulieren der Kollokation von der Basis zum Kollokator geht, ist es also notwendig, um eine Kollokation in einem einsprachigen Wörterbuch zu finden, die Basis vorher zu kennen. Im besten Falle existiert der Kollokationsausdruck sowohl in dem Basisartikel, als auch in dem Kollokatorartikel. Die Untersuchungen stellen aber fest, dass die meisten Kollokationen eher unter dem Kollokator und nicht unter der Basis zu finden sind. Solche Kollokationen bleiben für einen nicht muttersprachlichen Benutzer so zu sagen „versteckt“.

1.2 Dizionario dell´Italiano Contemporaneo (M. Cortelazzo)

Das erste der beiden untersuchten Wörterbücher ist das Dizionario dell´Italiano Contemporaneo (DIC), geschrieben von Michele Cortelazzo, herausgegeben 1998 vom Verlag La Scuola mit Sitz in Brescia. Dieses Wörterbuch beinhaltet auf ca. 700 Seiten 20 000 Lemmata der aktuellen Sprache (l´italiano d´oggi – s. Vorwort). Die einzelnen Einträge sind von Silbentrennung und Aussprache begleitet, zusätzlich werden grammatische Informationen, Erklärungen und Beispiele gegeben. Für ca. 1/3 der Einträge gibt es Synonyme und Antonyme, und manche Wörter sind auch etymologisch erklärt.

* In: Herbst, Th./Klotz, M., Lexikografie, S.83

Das Wörterbuch ist schwarz – weiß gestaltet, die Lemmata durch Fettschrift hervorgehoben. Die Beispiele und die grammatischen Erläuterungen sind in Kursivschrift dargestellt und am Anfang findet man auch eine ausführliche Tabelle, die die Abkürzungen erklärt. Die Etymologie ist in kleinen Kästchen abgetrennt und in einer sehr verständlichen und gut nachzuvollziehenden Sprache geschrieben.

Unter den Lemmata befinden sich viele Fremdwörter und Fremdausdrücke (s. Vorwort AIDS und pay tv). Dies liegt daran, dass das Wörterbuch sich an ein junges, modernes Publikum wendet. In der Einleitung wird darauf eingegangen, dass es sich um ein Wörterbuch von relativ kleinen Dimensionen handelt, das Grundinformationen (Grundwortschatz) beinhaltet und dafür den Gebrauch in der Schule unkompliziert und gut einsetzbar ist. Es wird konkretisiert, dass das Wörterbuch vor allem für ein Publikum von Schülern (scuola dell´obligo) bestimmt ist – Wörter für den Schulgebrauch und vom Alltag, spezifische Fachausdrücke werden nicht berücksichtigt. Die moderne, aktuelle Sprache wird auch durch viele Neologismen dargestellt (z.B. bestiale im Sinne von straordinario, eccezionale, so viel wie tierisch im Deutschen), die auch teilweise umgangssprachlich markiert sind.

Das Dizionario dell´Italiano Contemporaneo ist ein kompaktes, leichtes Wörterbuch, mit kleineren Dimensionen und damit passend für den Gebrauch in den Schulen. Man bedenke, dass für den Zweck, für den es bestimmt ist, die Handlichkeit und die Dimensionen eine wichtige Rolle spielen. Was die didaktische Seite betrifft, ist dieses Wörterbuch sehr übersichtlich und verständlich, die etymologischen Erklärungen sind in einer leicht zugänglichen Sprache geschrieben – sie sind Storie di parole genannt und sind Anekdoten ähnlich. Die Erläuterungen sind in der 2. und 3. Person geschrieben, was die Sprache noch persönlicher und benutzerfreundlicher macht.

Der Verlag La Scuola ist 1904 als pädagogischer und schülerischer Verlag in Brescia entstanden. Unter anderem veröffentlicht der Verlag eine Reihe von pädagogischen Zeitschriften und Magazine, die zu den meistgelesenen Hilfsmittel für Schüler und Dozenten in den italienischen Schulen zählen.

Der Autor Michele Cortelazzo, Professor der Romanistik, ist zur Zeit tätig an der Universität in Padua. Er unterrichtet italienische Grammatik und Stilistik und hat zahlreiche Publikationen in der Zeit zwischen 1971 und 2006, u. a. Beiträge zum Lexikon der Romanistischen Linguistik, L'italiano regionale (Roma, Bulzoni, 1990), in Zusammenarbeit mit Fernando Palazzi und Gianfranco Folena Dizionario della lingua italiana (Torino, Loescher, 1992), Annali del Lessico Contemporaneo Italiano. Neologismi 1993-94, 1995, 1996 (Padova, Esedra, 1995, 1996, 1997) * , Semplificazione del linguaggio amministrativo. Esempi di scrittura per le comunicazioni ai cittadini ( Padova, Comune di Padova, 1999) **, Italiano d’oggi (Padova, Esedra, 2000) .

* Zu finden im Internet unter http://www.maldura.unipd.it/alci/index.html.

** Zu finden im Internet unter http://www.maldura.unipd.it/buro/.

1.2 Dizionario di base della lingua italiana (Rosselli/Eynard)

Das zweite Wörterbuch, Dizionario di base della lingua italiana mit Autoren Renato Rosselli und Roberto Eynard , ist 1996 vom Verlag Remo Sándron mit Sitz in Turin und Florenz veröffentlicht worden. Es beinhaltet auf ca. 1200 Seiten 25 000 Einträge des Grundwortschatzes. Im Vergleich zu DIC ist hier keine Silbentrennung eingegeben. Dafür ist aber die Anzahl der Synonymen und Antonymen über 170 000, u.a. Satzsynonyme, d.h. Synonyme zu den einzelnen Bedeutungen der Wörter. Es sind didaktischen und grammatischen Tabellen, Etymologie, Wortfamilien- und Nomenklaturenkarten vorhanden, alle in getrennten Kästchen oder schematisch dargestellt. Die Bedeutung der Wörter ist teilweise komplizierter erklärt, in einer etwas erhabenen Sprache (alta qualitá linguistica – s. Vorwort). Wie im DIC gibt es auch hier viele Fremdwörter und Fremdausdrücke, manchmal etwas seltsam transkribiert ( z.B. bird watching -> béd uóccin). Berücksichtigt sind eher der moderne Gebrauch der Wörter, viele Neologismen und zum Teil auch umgangssprachlich markierte Wörter.

Das Wörterbuch ist auch schwarz-weiß gestaltet, die einzelnen Lemmata sind durch Fettschrift und die Beispiele durch Kursivschrift hervorgehoben. Auf jeder Seite befindet sich im oberen teil eine kleine, durchlaufende Auflistung der Abkürzungen. In der Mitte des Wörterbuches befinden sich 46 sogen. tavole – Abbildungen von verschiedenen Bereichen des Alltags, z.B. Tiere, Straßenschilder, Menschenrassen. Am Anfang findet man eine Weltkarte und am Ende eine Karte der Nationalflaggen – in diesem Hinsicht sieht das Wörterbuch einer Enzyklopädie sehr ähnlich.

In der Einleitung wird erklärt, dass das Dizionario di base auch für den Gebrauch in den Schulen bestimmt ist (per i ragazzi). Das etwas höhere Niveau der Sprache könnte einerseits vorteilhaft sein, da es zum weiteren Nachschlagen stimuliert und die Ansprüche höher setzt, andererseits könnte sich dahinter die Gefahr verbergen, dass die Sprache oft unzugänglich und unverständlich bleibe.

Im Vergleich zu DIC ist dieses Wörterbuch größer und umfangreicher und die hohe Anzahl der Synonymen und Antonymen ist in Hinsicht auf der Erweiterung des Wortschatzes sehr hilfreich. Allerdings für den Zweck, für den es bestimmt ist, bleiben manche Definitionen nicht leicht verständlich. Aufgrund des sachlichen Tons und der Tatsache, dass viele Fremdwörter, die in der Alltagssprache vorkommen durch ihre entsprechenden italienischen Synonyme ersetzt worden sind, könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass das Wörterbuch einer eher konservativen Tendenz folg.

Der Verlag Remo Sándron ist 1839 in Palermo gegründet worden. Erstmals als Familienbetrieb, behält der Verlag im Laufe der Zeit die Tradition, sich der aktuellen Bedürfnissen und Tendenzen der Didaktik anzupassen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Zeitschriften und Skripten veröffentlicht, die die Vorbereitung der Dozenten der Grundschulen erleichterten. Autoren wie Benedetto Croce und Giovanni Pascoli haben Zusammenarbeit mit diesem Verlag geleistet. 1943 wurde der Sitz des Verlags nach Florenz verlegt.

2. Tabelle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
26
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640118021
ISBN (Buch)
9783640122936
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v94318
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Schlagworte
Vergleich Wörterbücher Michele Cortelazzo Dizionario Contemporaneo Renato Rosselli/Roberto Eynard Dizionario

Autor

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